Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Perspektive ist europäisch. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Sicht auf den Rest der Welt versperrt ist. Im Gegenteil, die Wechselbeziehung von europäischen und anderen Kulturen wird ausführlich betrachtet.

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Waage

(1,477 words)

Author(s): Pichol, Karl
1. Begriff und Metapher W. dienen vorrangig der Bestimmung von Massen. Das ursprüngliche Prinzip bestand darin, über einen zweiseitigen Hebel, der auf Gravitationskräfte anspricht, eine definierte Masse mit einer zu bestimmenden weiteren Masse zu vergleichen. In dem Prinzip der Einstellung sich gegenseitig aufhebender Drehmomente liegen auch die Schwierigkeiten für die ideale Konstruktion von W. und deren Gebrauch begründet. Dem Philosophen und Mathematiker Nikolaus von Kues galt die W. in »Der Laie über Versuche mit der W.« ( Idiota de staticis experimentis, 1450) als geei…

Wachs

(802 words)

Author(s): Geffcken, Hermann
W. ist der Stoff, aus dem Bienen-Völker ihre Waben bauen. Waben der Honigbienen sind in der Regel frei von Verunreinigungen. Als »Vor-W.« (auch »Stopf-W.«, Propolis) bezeichnet man dagegen ein Gemisch aus ca. 30 % W. und von Bienen eingetragenem Harz. W. ist wasserabweisend, widerstandsfähig gegenüber Säuren und verrottungsfest. Bis zur Einführung der mehrfach verwendbaren beweglichen Wabe (1857) in Verbindung mit der Honigschleuder (1865) war die Honigernte immer auch W.-Ernte. W. wurde durch S…

Waffen

(4,613 words)

Author(s): Zenke, Rainer
1. Waffentechnik 1.1. Entwicklung der Feuerwaffentechnik Um 1450 verwendeten die Kriegs-Leute im Nahkampf Hieb- und Stich-W. wie Schwert und Dolch sowie Stangen-W. wie Spieß und Hellebarde. Im Fernkampf wurden noch Armbrust sowie Pfeil und Bogen benutzt, gegen Befestigungen auch mechanische Belagerungs-Maschinen. Passive W. wie Helm, Harnisch und Schild schützten vor der Wirkung aktiver W. Neben diese traditionellen Kalt-W. war seit Mitte des 14. Jh.s zunehmend die Feuer-W. (= Fw.) getreten, wobei Eur…

Waffenstillstand

(984 words)

Author(s): Croxton, Derek | Pretscher, Sabine
1. Allgemeines W. bezeichnet die zeitlich beschränkte Aussetzung von Kampfhandlungen. Die europ. Staaten der Nz. schlossen einen W. häufig, wenn während eines Krieges unüberbrückbare Differenzen eine endgültige Beilegung der Streitigkeiten verhinderten oder wenn beide Seiten eine Kampfpause benötigten bzw. militärisch anderweitig gebunden waren. Insbes. ideologische Faktoren schlossen häufig Kompromisse und somit dauerhafte Friedensschlüsse aus [1]. Das Osmanische Reich etwa vereinbarte mit christl. Staaten ausschließlich W., da islam. Grundsätze j…

Wagen, Wagenbau

(19 words)

s. Fuhrwerk | Kutsche | Reisehilfsmittel | Wagner

Wagner

(959 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Begriff Die aus dem Niederdeutschen stammenden Berufsbezeichnungen Stellmacher bzw. Rademacher sowie die des W. im Oberdeutschen gehen auf die wichtigsten Produkte dieses Handwerks zurück: den Wagen, das (Ge-) Stell des Wagens oder des Pfluges und das Rad [5. 244]. Das Arbeitsgebiet umfasste auch Karren, Schlitten, Leitern und Eggen. Christoph Weigels Ständebuch nennt 1698 die Schubkarren und Schanzkarren, den Pflug und den gemeinen Karren sowie die vierrädrigen Karren, »woher ausser denen rasselnden Bier-Brauer Wägelein … die Las…

Wahlen

(3,754 words)

Author(s): Weller, Thomas | Brandt, Hartwig
1. Frühe Neuzeit 1.1. Begriff und Allgemeines Die Übertragung von Machtbefugnissen an Herrschafts- und Funktionsträger mittels formalisierter Verfahren der Stimmabgabe ist bereits seit der Antike bekannt und verbreitet. Als W. (lat. electio) wurden in SpätMA und Früher Nz. eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren bezeichnet; der Begriff schloss auch Kooptation, Akklamation und Losentscheid mit ein (s. u. 2.) [9]; [7]. Die Gruppe der W.-Berechtigten war i. Allg. sozial exklusiv und umfasste auch im kommunalen Bereich nur in Einzelfällen alle männlich…

Wahlkapitulation

(881 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
»Kapitulation« bezeichnete in der Frühen Nz. allgemein eine in Kapitel untergliederte Urkunde mit vertraglichem Gehalt. Durch W. vereinbarte ein Wahlorgan mit einem künftigen Herrscher die Rechte der Untertanen oder einer speziellen Gruppe derselben »zur Wohlfarth des Reichs« [1. 670]. Die W. war somit ein herrschaftsvertragliches Phänomen des proto-konstitutionellen Staates der Frühen Nz., speziell der europ. Wahlmonarchien. Hier wurden bei Herrscher-Wahlen die Grundlagen der gewachsenen Herrschafts-Organisation in einem schriftlic…

Wahlmonarchie

(1,181 words)

Author(s): Asch, Ronald G.
1. Allgemein und Altes Reich Unter den Monarchien Europas gab es im SpätMA und in der Frühen Nz. neben den großen Erbreichen, zu denen etwa Frankreich und England (s. u. 2), aber auch Kastilien gehörten, zahlreiche W. Hier wählte entweder ein kleiner Kreis von geistlichen und weltlichen Würdenträgern oder aber die Stände insgesamt, z. T. aber auch der gesamte Adel den Träger der Krone aus. Die wichtigste W. war ohne Zweifel das Alte Reich (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Hier waren schon durch die Goldene Bulle von 1356 der Ablauf der Wahl des K…

Wahlprüfung

(756 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
Unter W. versteht man ein Verfahren zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit einer angefochtenen Wahl insbes. zu Vertretungskörperschaften bzw. Parlamenten. Voll ausgebildet wurde sie im modernen Verfassungsstaat, doch lassen sich bereits in den Ständeversammlungen des Ancien Régime Vorformen ausmachen. Ein Vorläufer der modernen W. ist in den ständestaatlichen Verfahren der Frühen Nz. zur Überprüfung der Legitimität der Stände bzw. ihrer Gesandten zu erblicken, welche an einer protoparlamentarischen Versammlung teilnahmeberechtigt wa…

Wahlrecht

(1,588 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
1. Begriff W. bezeichnet die Rechtsregeln für ein in der europ. Verfassungsgeschichte verbreitetes polit. Organisationsmodell, das die Legitimation von Herrschaft nicht nur als göttlich-dynastisch (Gottesgnadentum; Dynastie), sondern ergänzend oder alternativ auch durch mehr oder minder weit gefasste Wahlkörper, wahlberechtigte Versammlungen (z. B. Parlamente) oder durch das Wahlvolk aus dem Kreis der Beherrschten vermittelt ansah. Betroffen sein konnten auf verschiedenen Herrschaftsebenen die Wah…

Wahnsinn

(1,801 words)

Author(s): Eckart, Wolfgang Uwe
1. Definition W. und Wahn (auch Wahnwitz) gehören zu den medizin- und kulturgeschichtlichen Begriffen, die seit dem ausgehenden MA starkem Bedeutungswandel unterworfen waren [6]. Sie umfassten in der Nz. ein weites Spektrum möglicher Erkrankungsformen: von der melancholisch-depressiven Verstimmung (Melancholie) und Trübung über die gestörte Meinungsbildung aufgrund reduzierter Vernunft bis hin zur Veränderung der Urteilskraft mit eigenem Krankheits-Wert im 19. Jh. Ihr Deutungswandel vollzog sich vor dem Hintergrund ve…

Wahrheit

(4,496 words)

Author(s): Sparn, Walter | Mizrahi, Moti | Steinle, Friedrich | Großhans, Hans-Peter
1. Allgemein Das Wort W. (lat. veritas, franz. vérité) bedeutete indogerman. »Achtung«, »Zustimmung«, »Treue« (daher engl. truth); auch griech. alḗtheia (wörtlich »Unverborgenheit«) wurde für die Begriffsgeschichte wichtig. Die lebenspraktischen Fragen, ob eine Behauptung oder Mitteilung wahr ist, an welchen Maßstäben dies zu messen und zu erkennen ist, finden in jeder Kultur implizite oder explizite Antworten; die Frage, was W. sei, tritt zutage, sobald eine Kultur in Religion und Wissenschaft reflexiv wird. In E…

Wahrnehmung

(2,390 words)

Author(s): Weber, Wolfgang E.J.
1. Grundlagen Der von ahdt. wara neman (»einer Sache Aufmerksamkeit schenken«) abgeleitete Begriff W. (fachsprachlich: Perzeption) bezeichnet den Prozess der Aufnahme von Informationen aus der Umwelt, der nach heutiger Kenntnis ausschließlich durch die menschlichen Sinne geleistet wird (klassisch: Sehsinn, Gehör, Geruchssinn, Geschmackssinn, Tastsinn; seit der Mitte des 19. Jh.s ebenso Temperatur-, Gleichgewichts- und Schmerzsinn). Nach bereits in der Antike entwickelter Vorstellung ist die W. zweiget…

Wahrsagerei

(964 words)

Author(s): Dillinger, Johannes
1. Begriff und Tradition Unter W. wird hier jeder Versuch verstanden, die in der jeweiligen Gesellschaft von Wissenschaft, Religion und Alltagserfahrung gezogenen Grenzen des Wissbaren mithilfe von Magie zu überschreiten. Die W. als magische Wissenstechnik soll Informationen beschaffen, die eigentlich gar nicht verfügbar sein können, wobei Verborgenes, aber auch Zukünftiges erschlossen werden soll. Vom im engeren Sinn relig. Konzept der Prophetie kann die W. unterschieden werden, da Erstere auf eine…

Wahrscheinlichkeit

(3,315 words)

Author(s): Eckert, Georg | Callens, Stephane | Honsel, Konrad
1. Kultur- und Geistesgeschichte 1.1. Überblick Die W. (lat. probabilitas) begann ihre steile Karriere in der Nz. als Notbehelf. Sie kennzeichnete eine Meinung, die eine akute Entscheidung, so und nicht anders zu handeln, begründen sollte. Bald aber entwickelte sie sich zu einer legitimen Alternative zur Wahrheit, deren Möglichkeit sowohl Naturphilosophie als auch Erkenntnistheorie immer stärker bezweifelten. In der Mitte des 17. Jh.s begann die W. als hinreichende Form der menschlichen Erkenntnis zu fir…

Währung

(2,298 words)

Author(s): Denzel, Markus A. | Pfister, Ulrich
1. Definition Der Begriff W. (von mhdt. werunge, »Gewährleistung«) bezeichnet die gesetzliche Ordnung des Geldwesens eines Landes und umfasst die Festlegung des Münz-Systems (Münzfuß bzw. Festlegung des Wertverhältnisses unterschiedlicher Münzen und des intrinsischen Edelmetall-Gehalts), der gesetzlichen Zahlungsmittel und der Austauschrelationen gegenüber fremden W. (Parität). Im Verlauf des 19. Jh.s wurde auch die Regulierung der Banknoten-Ausgabe und des Zentralbanksystems zum Bestandteil des W.-Begriffs. Im weiteren Sinne ist W. das Geld bzw. die Geld…

Waisenhaus

(868 words)

Author(s): Brandes, Katharina
W. als spezielle, ausschließlich für die Versorgung von Kindern gedachte Institutionen entstanden in den meisten europ. Ländern erst seit dem letzten Drittel des 17. Jh.s, sodass das Jahrhundert von 1650 bis 1750 als »Zeit der W.« bezeichnet worden ist [3. 259]. Als Ursprung der W. sind die Findelhäuser anzusehen, die seit dem HochMA in Südeuropa, v. a. in Italien und Frankreich, verbreitet waren. Im dt.sprachigen Raum wurden Kinder im MA häufig zusammen mit anderen Gruppen von Armen, Kranken und Alten in den Hospitälern versorgt, wo…

Wald

(3,432 words)

Author(s): Selter, Bernward | Marquardt, Bernd
1. Begriffe W. ist vielen der Inbegriff von Natur, doch ist er auch Teil der menschlichen Kultur. Im heutigen Sprachgebrauch gilt »W.« eher als Teil der natürlichen Umwelt, »Forst« als bewirtschafteter W. »Wald« geht auf das ahdt. Wort wald (auch walth, urgerman. walpus oder walthus, indoeurop. waltus) zurück, das auch ›Wildberg‹ und ›Wildnis‹, ›der Kultur nicht unterworfenes Land‹ bedeuten kann [12. 34]. Die sprachliche Herkunft von »Forst« ist nach wie vor umstritten. Am weitesten verbreitet sind die Ableitung von lat. foris (»draußen«) und die Herleitung aus den sog. Zau…

Waldbrand

(841 words)

Author(s): Rohr, Christian
1. Allgemein W. haben verschiedene Ursachen: Sie können durch Blitzschlag entfacht werden, durch Selbstentzündung nach längerer Trockenheit und durch – unbewussten oder bewussten – menschlichen Einfluss, etwa gezielte Brandstiftung oder Brandrodung (Brandwirtschaft). Eines der Hauptprobleme von W. und Brandrodung im Speziellen besteht darin, dass damit in der Regel auch die Humusschicht zerstört wird und die lose Branderde durch Wind, Regen- und Schmelzwasser sowie Lawinen leicht abtransportiert werden kann [3. 463]. Einzelne Baumarten, etwa Bergkieferbestände, r…
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