Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

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Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Damaskus

(5,384 words)

Author(s): Kirchhoff, Markus
Damaskus war im Jahr 1840 Schauplatz einer Ritualmordbeschuldigung, in deren Folge die jüdische Gemeinschaft der Stadt verfolgt, vier Juden zu Tode gefoltert und mehreren Inhaftierten durch Folter Geständnisse abgepresst wurden. Der Fall weitete sich zur bekanntesten solcher Beschuldigungen des 19. Jahrhunderts, zur Damaskus-Affäre, aus. Er involvierte die Diplomatie der europäischen Mächte und erregte größtes Aufsehen in Presse und Öffentlichkeit. Europäische Juden, erschü…

Dank

(537 words)

Wie kaum eine andere Textform ist eine Enzyklopädie das Ergebnis des Zusammenwirkens von vielen Beteiligten – im Fall der Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur institutionell der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, unter deren Auspizien das Werk erarbeitet wird, des Simon-Dubnow-Instituts, aus dessen Agenda heraus und in dessen Rahmen die Umsetzung erfolgt, und des Verlags J.B. Metzler, der im Bereich der Erstellung enzyklopädischer Werke ausgewiesen ist. Dank gilt allen voran den Autorinnen und Autoren für ihre Bereitschaft, sich auf die besonde…

Darda’im

(3,754 words)

Author(s): Eraqi Klorman, Bat-Zion
Als Darda’im (Generation der Wissenden) bezeichneten sich die Vertreter einer jüdischen Aufklärungsbewegung im Jemen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie strebten nach einer Reform des jüdischen Bildungswesens und der Religionspraxis. Die Durchsetzung ihrer Ideen scheiterte am Widerstand der konservativen Iqshim (Unbeugsame), die die traditionellen jüdisch-jemenitischen Bräuche und kabbalistischen Vorstellungen verteidigten. Gleichwohl war die Bewegung der Darda’im die bekannteste der modernen jemenitisch-jüdischen Gemeinschaft. Ihr Entstehen ging au…

Davar

(937 words)

Author(s): Soffer, Oren
Hebräischsprachige Tageszeitung, die 1925 von der Histadrut (Allgemeine Gewerkschaft der Arbeiter im Land Israel) im Mandatsgebiet Palästina gegründet wurde. Als Organ des Arbeiterzionismus nahm Davar (hebr.; Sache, Wort, Äußerung) rasch die Führungsposition in der Presselandschaft des Jischuw ein. Das Blatt war nicht nur ein Leitmedium der politischen Debatten in der Gründungszeit des Staates Israel, sondern leistete auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der neuhebräischen Literatur und Kultur. Hauptinitiator der Zeitung war Berl Katznelson (1887−1944),…

Davidstern

(865 words)

Author(s): Oegema, Gerbern S.
Symbol eines sechszackigen Sterns, das seit der Antike in verschiedenen Kulturen verbreitet war und im späten Mittelalter zu einem jüdischen Emblem (hebr. magen David) wurde. Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Davidstern zunehmend zum Zeichen der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk; mit der Gründung des Staates Israel 1948 wurde er zum nationalen Symbol. Der sechszackige Stern (Hexagramm) ist als ein dekoratives, magisches oder auch symbolisches Element neben dem fünfzackigen Stern in vielen Kulturen bekannt. Seit dem ersten Ja…

Davoser Disputation

(3,713 words)

Author(s): Wussow, Philipp von
Die Disputation zwischen Ernst Cassirer (Kulturphilosophie) und Martin Heidegger bei den Davoser Hochschulkursen 1929 wurde durch einige rezeptionsgeschichtliche Weichenstellungen zu einem Ereignis kanonisiert, das den 1933 dann tatsächlich erfolgten Bruch zwischen Juden und Deutschen im Medium des Geistes vorwegnahm. Während die beiden Kontrahenten bis 1932 durchaus kollegiale Beziehungen aufrechterhielten, waren ihre philosophischen Positionen in der Tat unversöhnlich. Ihre Konzeptionen von Su…

Deborah

(2,006 words)

Author(s): Hahn, Hans-Joachim
Salomon Hermann Mosenthals populäres Drama Deborah (1848; Uraufführung 1849 im Hamburger Stadttheater) verhandelt die jüdische Frage am Beispiel einer interkonfessionellen Romanze im Österreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Das Stück bringt die Hoffnung liberaler jüdischer Autoren auf gelingende Akkulturation in der Zeit von 1848 bis 1871 auf paradigmatische Weise zum Ausdruck. Zugleich offenbart das literarische Bild der »schönen Jüdin« Ambivalenzen einer geschlechterstereotypen Emanzipationsvorstellung. 1. Einführung Die dramatische Handlung wurde von …

Décret Crémieux

(1,607 words)

Author(s): Leff, Lisa Moses
Das Décret Crémieux vom 24. Oktober 1870 verlieh die französische Staatsbürgerschaft an alle in der französischen Kolonie Algerien geborenen Juden. Diese hatten seit der Eroberung Algeriens im Jahr 1830 den Status von Untertanen Frankreichs innegehabt. Als Folge des Emanzipationsdekrets assimilierte sich das algerische Judentum an die französische Gesellschaft, wurde jedoch gleichzeitig von den muslimischen Nachbarn getrennt, die Untertanen Frankreichs blieben. 1940 hob das Vichy-Regime das Décret auf. 1. Entstehung Der Name des Dekrets geht zurück auf den franzö…

Décret infâme

(917 words)

Author(s): Birnbaum, Pierre
Erlass Napoleons zur französischen Judengesetzgebung vom März 1808. Sein diskriminierender Inhalt brachte ihm die Bezeichnung »Schanddekret« – décret infâme ein. Das Dekret sah Restriktionen in Bezug auf Kreditwesen, Handel, Freizügigkeit und Militärdienst vor, die eine beschleunigte Assimilation der Juden forcieren sollten, de facto aber ihre in der Französischen Revolution erfolgte Gleichberechtigung zurücknahmen. Bereits in den Jahren vor Erlass des Dekrets sahen sich die Juden von Napoleon dazu gedrängt, Zweifel an ihrer Zugehörigkeit zur fr…

Dekonstruktion

(3,892 words)

Author(s): Prenowitz, Eric
Das Wort déconstruction wurde von Jacques Derrida (1930–2004), dem französischen Philosophen algerisch-jüdischer Abstammung, zwar nicht erfunden, aber als eine von mehreren Bezeichnungen geprägt, um seine Konzeption einer hyperkritischen Neubetrachtung der abendländischen Philosophie von dem Ansatz traditionellerer Philosophen zu unterscheiden. Ungeachtet seiner eigenen Skepsis etablierte sich »Dekonstruktion« als allgemeine definierende Bezeichnung für Derridas Werk, das dadurch als eine poststru…

Demographie

(4,849 words)

Author(s): DellaPergola, Sergio
Zwischen dem Spätmittelalter und dem Anbruch der Moderne unterlag die Größe der jüdischen Weltbevölkerung starken Schwankungen und betrug nie mehr als 1,5 Millionen. Seit dem 18. Jahrhundert stieg sie analog zum demographischen Gesamttrend an, wobei die Zunahme die jeweiligen regionalen Entwicklungen – hohe Wachstumsrate im traditionell ländlich geprägten östlichen Europa, Einübung bürgerlicher Familienplanung in Mittel- und Westeuropa – widerspiegelte. Spezifische Faktoren jüdischer Demographie…

Denkstil

(3,860 words)

Author(s): Berg, Nicolas
Der Begriff Denkstil ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der Philosophie verbreitet. Sein weiter semantischer Gehalt bietet ideengeschichtliche Anschlüsse an unterschiedliche philosophische und sozialpsychologische Konzepte; eine spezifische wissenschaftstheoretische Bedeutung erhielt der Terminus in der Wissenssoziologie der 1920er und der frühen 1930er Jahre. Hier ist er vor allem mit dem Namen des lange Zeit vergessenen polnisch-jüdischen Mediziners, Mikrobiologen und Epistemologen Ludw…

Der emes

(1,470 words)

Author(s): Estraikh, Gennady
Der emes (Die Wahrheit) war die erste kommunistische Zeitung in jiddischer Sprache. Begründet wurde sie 1918 als Organ des Jüdischen Kommissariats der sowjetischen Regierung und war bis 1938 das Zentralorgan der jiddischen Sowjetpresse. Als Tageszeitung brachte Der emes zahlreiche Nachdrucke in Form von Übersetzungen aus der Prawda und anderen sowjetischen Zentralblättern, wobei sie deren Schwerfälligkeit in Stil und Inhalt übernahm, wenn nicht gar überbot. Im Literaturteil stellte die Zeitung jiddischen Lesern neben aktuellen Buch- und The…

Der Orient

(2,434 words)

Author(s): Schapkow, Carsten
In den Jahren 1840–1851 wöchentlich in Leipzig erscheinende, von dem Orientalisten Julius Fürst (1805–1873) herausgegebene Zeitschrift. Maßgeblich von den politischen und wissenschaftlichen Interessen Fürsts geprägt, bot Der Orient journalistische Beiträge zur zeitgenössischen Stellung der Juden ebenso wie Abhandlungen zur jüdischen Geschichte und Kultur. Wesentliches Anliegen Fürsts war die an die Gewährung liberaler Grundrechte für alle Bewohner Deutschlands gekoppelte Emanzi…

Der verwaltete Mensch

(2,861 words)

Author(s): Kramer, Sven
Titel einer Studie H. G. Adlers (1910–1988) aus dem Jahr 1974, in der er die Deportation der Juden unter nationalsozialistischer Herrschaft untersuchte und eine Theorie der Verwaltung in modernen Nationalstaaten formulierte. Als Überlebender der Schoa verarbeitete Adler seine persönlichen Erfahrungen, indem er zugleich als Zeitzeuge, Wissenschaftler und Schriftsteller wirkte. Sein Schaffen umkreist die Frage, in welchem Verhältnis die wissenschaftliche Erforschung der Schoa zu ihrer literarischen Vergegenwärtigung steht. 1. Einführung Im Zentrum von Adlers Werk s…

Deutsch

(4,964 words)

Author(s): Kilcher, Andreas
Die deutsche Sprache spielt in der jüdischen Geschichte eine ebenso gewichtige wie ambivalente Rolle. Auf der einen Seite wurde sie zum Medium von Säkularisierung, Integration und Emanzipation. Als solche avancierte sie im 19. Jahrhundert zur Lingua franca des aschkenasischen Judentums bis weit ins östliche Europa, wo sie als Ausdruck von Fortschritt, Bildung und Wissenschaft gesehen wurde. Auf der anderen Seite wurde sie zum Ort gesellschaftlicher und kultureller Ungleichheit zwischen Juden und…

Deutsch-Israelitischer Gemeindebund

(1,187 words)

Author(s): Reinke, Andreas
Freiwilliger Zusammenschluss jüdischer Gemeinden in Deutschland mit dem Ziel, diese im Hinblick auf ihre Verwaltungs-, Wohltätigkeits- und Bildungsangelegenheiten zu organisieren und ihre Interessen nach außen hin zu vertreten. Die Gründung des Gemeindebunds erfolgte vor dem Hintergrund der deutschen Reichseinigung in den Jahren 1867–1871 und der damit einhergehenden staatsbürgerlichen Gleichstellung der deutschen Juden. Der Gemeindebund stellte den ersten erfolgreichen Versuch eines Zusammensch…