Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

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Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Kabarett

(3,557 words)

Author(s): Jelavich, Peter
Das Kabarett erlebte seine Blüte vom Beginn des 20. Jahrhunderts an bis 1933 bzw. 1938 vornehmlich in Berlin und Wien. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg spielten Juden eine bedeutende, wenngleich keineswegs dominante Rolle im Kabarett; in der Weimarer Zeit waren sie dort noch weit präsenter. Vor überwiegend nichtjüdischem Publikum trugen jüdische Kabarettisten häufig Witze über Juden vor. Dass sich jüdische wie nichtjüdische Kabarettisten auch über Antisemiten und andere rechtsgerichtete Gruppen …

Kabbala

(3,550 words)

Author(s): Kilcher, Andreas
Die Kabbala (hebr. kabbala, wörtl. Empfang, verstanden als Annahme oder Überlieferung einer esoterischen Tradition) ist die bedeutendste Ausformung der jüdischen Mystik. Seit ihrem Entstehen im Mittelalter erfuhr sie innerhalb des Judentums – und seit der frühen Neuzeit zunehmend auch von außerhalb – vielfältige Umformungen und Ausdeutungen. Während sie im Humanismus als jüdisch-philosophisches Paradigma modellhaft wurde, wiesen sie die Vertreter der Hask…

Kaddisch

(1,837 words)

Author(s): Lehnardt, Andreas
Als Kaddisch-Gebet wird ein kurzes Gebet in hebräischer und aramäischer Sprache bezeichnet, das in verschiedenen Versionen überliefert ist. Es enthält neben doxologischen Formeln vor allem Bitten um die Heiligung des Namens, das Kommen der Königsherrschaft Gottes und um Frieden. Als Gebet zum Gedenken an Verstorbene gilt es heute als das Gebet für die Toten schlechthin. 1. Anfänge Die formgeschichtliche Analyse des Textes belegt, dass es sich beim Kaddisch (aram., wörtl. »heilig«) ursprünglich um eine kurze, nach dem Studium der heiligen Schriften ges…

Kadosh

(3,003 words)

Author(s): Wagner, Thomas
In der hebräischen Bibel (Tanach) wird das hebräische Wort kadosh vor allem als Attribut Gottes und gelegentlich auch als Gottesname verwendet. Folglich wird die Heiligkeit Gottes auch auf den Ort seiner Anwesenheit sowie auf das von ihm erwählte Volk übertragen, dessen Heiligkeit jedoch keine ontologische Qualität des Volks Israel ist, sondern durch sein religiös-ethisches Verhalten, unter anderem des normativen Tempelkults, erworben werden muss. In der rabbinischen Literatur der Antike und des Mittelal…

Kahal

(3,387 words)

Author(s): Bartal, Israel
Das hebräische Wort kahal bezeichnet bereits in der Bibel allgemein eine Versammlung oder speziell eine Versammlung von Israeliten. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit diente es in den Diasporagemeinden in Aschkenas zur Bezeichnung der kommunalen Gemeindeverwaltung und des Gemeindevorstands, daneben auch der jüdischen Gemeinde selbst. Generell gesprochen war der Kahal die leitende Institution der kehilla, der Gemeinde. Als solche Körperschaft der jüdischen Selbstverwaltung war der Kahal in den politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Sys…

Kaiserjuden

(857 words)

Author(s): Schölzel, Christian
Bezeichnung für Unternehmer und Bankiers jüdischer Herkunft, die im späten wilhelminischen Deutschland direkten Zugang zum Kaiser besaßen. Das erst im Nachhinein von jüdischer Seite verwendete, despektierlich gemeinte Wort »Kaiserjuden« gab der Auffassung Ausdruck, diese hätten sich mit dem deutschen Herrscher gemein gemacht. Doch war es meist Kaiser Wilhelm II. selbst, der ihre Gesellschaft suchte, in der er eine gewisse Weltläufigkeit der Unterhaltung, des Wissens und des…

Kalām

(2,251 words)

Author(s):
Kalām (arab.; Wort, Gesprochenes, Rede) bezeichnet ein theologisches System im Islam, in dessen Zentrum die Frage nach dem Verhältnis von Offenbarung und Vernunft steht. Es entstand in der frühen Expansionsphase des Islam durch Kulturkontakt mit nichtmuslimischen Überlieferern antiker Philosophie und Wissenschaften. Im 9. und 10. Jahrhundert beeinflusste der kalām das theologische Denken der Juden in den islamischen Herrschaftsgebieten. Insbesondere unter den Karäern erlangte der kalām anhaltende Popularität; in rabbanitischen Kreisen hingegen kam seine Rez…

Kalender

(3,235 words)

Author(s): Goldberg, Sylvie Anne
Bereits in biblischer Zeit bestanden im Judentum unterschiedliche Kalender. Zum älteren lunaren Kalender trat der – in nachbiblischer Zeit zunehmend exakte – auf astronomischen Beobachtungen beruhende lunisolare Kalender babylonischen Ursprungs hinzu. Letzterer wurde sowohl im Land Israel als auch in der gesamten Diaspora, in deren nichtjüdischer Mehrheitskultur konkurrierende Kalender in Gebrauch waren, zur einheitlichen exakten Einhaltung der religiösen Feste im Jahreslauf verwendet. Der jüdis…

Kaminski-Theater

(2,042 words)

Author(s): Bułat, Mirosława M.
Die Kaminskis waren eine polnisch-jiddische Theaterdynastie, deren Mitglieder sich als Unternehmer, Schauspieler, Theaterdirektoren und -regisseure einen Namen machten. Die künstlerischen und organisatorischen Aktivitäten der Kaminskis – insbesondere von Avrom-Yitskhok (1867–1918), seiner Ehefrau Ester-Rokhl (1870–1925) sowie deren Tochter Ida (1899–1980) – reichen von der Frühzeit des professionellen jiddischen Theaters in den 1880er Jahren bis zur Zeit des kommunistischen Regimes im östlichen …

Kantonisten

(1,585 words)

Author(s): Henschel, Christhardt
Bezeichnung für minderjährige Soldaten im Russischen Reich, unter denen zwischen 1827 und 1856 besonders viele jüdische Knaben waren. Die Rekrutierung und die entbehrungsreiche Dienstzeit wurden von den staatlichen Behörden als Instrumente der Assimilierung und Modernisierung der jüdischen Bevölkerung betrachtet. Die Einbindung des Kahal in das Rekrutierungssystem trug zu seiner Schwächung bei. Die ehemaligen Kantonisten gehörten zu den ersten Juden, denen aufgrund ihrer erfolgten Akkulturation die Niederlassung außerhalb des Ansiedlungsrayons gewährt wurde. Ab 171…

Kantor

(3,819 words)

Author(s): Edelman, Marsha Bryan
Der Kantor leitet und gestaltet die musikalischen Anteile des jüdischen Gottesdienstes. Die Bezeichnung »Kantor« kam in der Neuzeit auf. Das Amt selbst geht auf die Zeit nach der Zerstörung des Tempels zurück und entstand mit der Entwicklung des Synagogenritus; es entsprach dem Bedürfnis der Gemeinde nach einem Kundigen der Liturgie, der als Vorbeter oder Vorsänger (hebr. ḥazzan, Pl. ḥazzanim) die Gemeinde durch den Ritus führte. Im ausgehenden 19. Jahrhundert führten die Reform des Ritus (Orgel) in Mitteleuropa und das Erblühen e…

Karäer

(3,568 words)

Author(s): Akhiezer, Golda
Die Gemeinschaft der Karäer unterscheidet sich in ihren religiösen Praktiken und Alltagsbräuchen deutlich von denen des normativen Judentums, gilt aber nach jüdischer Vorstellung als dem Judentum zugehörig. Im 19. Jahrhundert entwickelten die Karäer im östlichen Europa ein neues Selbstverständnis, zu dem Unterschiedliches beitrug: die Modernisierung, das Aufkommen des russischen und des jüdischen Nationalismus, der Aufschwung der russischen Geschichtswissenschaft und schließlich der Einfluss von Haskala und Wissenschaft des Judentums. 1. Anfänge im östlichen Eu…

Kashrut

(1,902 words)

Author(s): Lavi, Shai
Regelwerk von Vorschriften und Handlungen, das die rituelle Reinheit der Nahrung gewährleistet. Als Teil der Halacha dienten die Speisegesetze ursprünglich als Signum der Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft. Im Zeitalter der Emanzipation wurden sie zusehends infrage gestellt, da sie soziale Nähe erschwerten. Seit Ende des 18. Jahrhunderts mehrten sich auch die Fragen nach dem Ursprung und dem Sinn der kashrut, die zunehmend modern-wissenschaftliche Deutungen erfuhr. Im orthodoxen Judentum sind die Speisegebote bis heute verbindlich. 1. Ursprung, Geltung und Praxis K…

Kasztner-Affäre

(3,305 words)

Author(s): Löb, Ladislaus
Politische Affäre in Israel während der frühen 1950er Jahre, die sich an einer spektakulären Rettungsaktion während des Holocaust in Ungarn entzündete. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs waren rund 1670 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Ungarn über das Konzentrationslager Bergen-Belsen in die Schweiz verbracht worden. Ihre Freilassung hatte der ungarisch-jüdische Jurist, Journalist und zionistische Aktivist Rudolf Kasztner (1906–1957) mit dem Organisator der Massenve…

Ka-Tzetnik

(1,685 words)

Author(s): Szeintuch, Yechiel
»Ka-Tzetnik 135633« ist das Pseudonym von Yehiel Dinur (auch De-Nur; 1909–2001; urspr. Yehiel Feiner, auch bekannt als Karl Tsetinski), einem gleichermaßen berühmten wie seltsam obskuren Verfasser jiddisch- und hebräischsprachiger Holocaust-Romane. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt; seinem literarischen Erbe ist viel Interesse entgegengebracht worden. Und doch bleibt er auch für die Leser seiner Bücher ein Rätsel. Der wohl dramatischste Moment des Jerusalemer Eichmann-Prozesses war die Zeu…