Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

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Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Nalewki-Straße

(2,513 words)

Author(s): Steffen, Katrin
Vor dem Zweiten Weltkrieg bildete die Nalewki-Straße im Nordosten Warschaus mit ihren über 700 Geschäften, kleinen Handwerksbetrieben und Werkstätten die am stärksten durch den Handel geprägte Straße der polnischen Hauptstadt. Weil ihre Bewohner überwiegend Juden waren, galt sie auch als jüdische Geschäftsstraße. Jüdische Schneider, Handwerker, Verkäufer, Schuhputzjungen, vermögende Kaufleute und Großhändler lebten in unmittelbarer Nachbarschaft, aber auch politische Organisationen, Gewerkschaft…

Namensgebung

(3,760 words)

Author(s): Bering, Dietz
Von alters her spiegeln die Namen der Juden unterschiedliche religiöse, kulturelle und rechtliche Entwicklungstendenzen jüdischer Existenz wider. Dabei ist die jüdische Namensgebung von einer parallelen Verwendung hebräischer und alltagssprachlicher Rufnamen gekennzeichnet und stand in der Diaspora immer auch unter dem Einfluss der jeweiligen Praktiken der Umgebungskulturen. Während sephardische Juden (Sepharad) bereits im Mittelalter Familiennamen kannten, dominierten im a…

Nansen-Pass

(1,163 words)

Author(s): Marrus, Michael R.
Internationales Reisedokument, das 1922 auf Initiative des prominenten norwegischen Polarforschers und damaligen Hochkommissars für Flüchtlingsfragen des Völkerbunds Fridtjof Nansen (1861–1930) eingeführt wurde. Ursprünglich vorgesehen für Flüchtlinge aus dem ehemaligen Zarenreich, diente der Nansen-Pass Juden und anderen Flüchtlingen, die infolge von Kriegen und politischen Umwälzungen zu Staatenlosen wurden, als Reise- und Ausweisdokument. Bis 1946 wurden etwa 450 000 Nansen-Pässe ausgestellt …

Nasi

(1,731 words)

Author(s): Balke, Ralf
Nasi (von hebr. nasa, heben, erheben) steht im biblischen Hebräisch für Patriarch, Exilarch oder Prinz. Ursprünglich eine Bezeichnung für Stammesfürsten, wandelte sich die Bedeutung des Begriffs im Lauf der Zeit und fand Verwendung als Kennzeichnung politischer Führerschaft, politischer Repräsentanz, eines hohen gesellschaftlichen Status oder auch als Ehrentitel. Mit der Festlegung des Begriffs auf die Bedeutung »Präsident« im Neuhebräischen ist nasi seit der Staatsgründung Israels 1948 auch die Bezeichnung für den Präsidenten des modernen Gemeinwesens. 1. Biblische u…

Nationalismus

(3,671 words)

Author(s): Fiedler, Lutz
Der Prager Historiker Hans Kohn (1891–1971) zählt zu den Begründern der modernen Nationalismusforschung. Berühmtheit erlangte sein Nationalismus-Konzept durch die später nach ihm benannte Kohn-Dichotomie: die Unterscheidung zwischen einem westlichen, staatsbürgerlich-institutionellen und einem östlichen, an ethnischer Zugehörigkeit orientierten Nationalismus. Lebens- und Werkgeschichte Kohns erstrecken sich vom Habsburgerreich über Palästina und den Orient bis in die Vereinigten Staaten. 1. Hans Kohn Hans Kohn, 1891 in Prag geboren…

Nationalitätenfrage

(3,411 words)

Author(s): Gechtman, Roni
Die sogenannte Nationalitätenfrage wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem im Habsburgerreich akut, als der Fortbestand der Monarchie von separatistischen Bestrebungen verschiedener nationaler, kultureller und ethnischer Kollektive bedroht wurde. Die Idee, Österreich-Ungarn als Vielvölkerstaat zu verstehen und zu erhalten, wurde maßgeblich von den Austromarxisten Karl Renner (1870–1950) und Otto Bauer (1881–1938) systematisch überdacht. Während Renners und Bauers Ide…

Nationalräte

(4,843 words)

Author(s): Silber, Marcos
Temporäre politische Körperschaften der Juden des östlichen Europa, die zu Ende des Ersten Weltkriegs in den meisten Nachfolgestaaten der zerfallenden multinationalen Imperien entstanden. In einer Zeit des Umbruchs beabsichtigten sie, von den Regierungen der neugegründeten Staaten als vertretungsberechtigtes Organ anerkannt zu werden; innerhalb ihrer Judenheiten suchten sie die Gemeindestruktur auf eine demokratische Grundlage zu stellen. Nach der Neuordnung Europas auf der …

Neolog

(2,520 words)

Author(s): Bányai, Viktória
Unter dem Einfluss jüdischer Reformbewegungen in West- und Mitteleuropa strebten seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Ungarn aufgeklärte, sich an bürgerlichem Habitus orientierende Juden nach gemäßigten Reformen. Die später von der religiösen Strömung übernommene Bezeichnung als »neolog« sollte das gegenüber der Orthodoxie Neue und Unabhängige bezeichnen. Die Differenzen zwischen orthodoxer und neologer Strömung führten auf dem 1868–1869 in Pest stattfindenden Israelitischen…

Neo-Orthodoxie

(3,316 words)

Author(s): Morgenstern, Matthias
Als neo-orthodox wird eine im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum aus dem Kontext der jüdischen Orthodoxie hervorgegangene religiöse Strömung bezeichnet, die den Versuch einer Synthese von jüdisch-orthodoxer und nichtjüdischer Kultur (Kulturorthodoxie) unternahm. Die Neo-Orthodoxie beabsichtigte damit, spezielle, den Bedürfnissen der Orthodoxie entsprechende Organisationsformen zu finden – zunächst auf Gemeindebene, später auch auf übergemeindlicher, überregionaler un…

Neukantianismus

(2,588 words)

Author(s): Daub, Adrian
Die neukantianische Schule nahm in der deutschen Universitätsphilosophie im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert eine führende Stellung ein. Kennzeichnend für den Neukantianismus sind der Rückbezug auf Kant und die Zurückweisung materialistischer wie metaphysischer Erklärungsmodelle. Als durchaus politische Philosophie vertrat die neukantianische Schule vorwiegend sozialidealistische Positionen; ihre zahlreichen Vertreter jüdischer Herkunft, darunter insbesondere Hermann Cohen, befassten s…

New Deal

(2,154 words)

Author(s): Dinnerstein, Leonard
Auf dem Höhepunkt der größten Wirtschaftskrise in der Geschichte der Vereinigten Staaten zog am 4. März 1933 Franklin D. Roosevelt als 32. Präsident ins Weiße Haus ein. Das Schlagwort vom »New Deal« avancierte zum Synonym weitreichender wirtschafts- und sozialpolitischer Reformen, mit denen Roosevelt das Land aus der Krise, später auch durch den Zweiten Weltkrieg zu führen suchte. Seinem Beraterstab gehörten überdurchschnittlich viele Juden, meist Juristen, an. Während in den 1930er und 1940er J…

New School for Social Research

(2,770 words)

Author(s): Bessner, Daniel
Die New School for Social Research in New York war ab 1933 maßgeblich an der Aufnahme von 183 europäischen Gelehrten beteiligt, die dem Nationalsozialismus entronnen waren, viele davon jüdische Sozialdemokraten oder Liberale. Im Herbst 1933 nahm die »University in Exile« (offiziell: Graduate Faculty for Political and Social Science, in Kurzform: Graduate Faculty) ihren Lehrbetrieb auf. Sie wurde zum akademischen Zufluchtsort für eine Reihe von Forschern, die prägenden Einfluss auf die US-amerika…

New York

(3,514 words)

Author(s): Sorin, Gerald
Von den mehr als zwei Millionen Juden, die zwischen 1881 und dem Ersten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten einwanderten, ließen sich fast 75 Prozent zunächst in New York City nieder. Die Mehrzahl von ihnen drängte in Manhattans Lower East Side, das kaum zweieinhalb Quadratkilometer große Stadtviertel, das sich südlich der 14th Street bis zur Fulton Street und östlich des Broadway bis zum East River erstreckt. 1910 erreichte ihre Zahl mit 542 000 einen Höchststand; zu einem beträchtlichen Teil arbeiteten sie in der Bekleidungsindustrie. 1. Die Lower East Side Seit Beginn der ni…