Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Baal Schem

(13 words)

s. Heilige

Bäcker

(1,298 words)

Author(s): Göttmann, Frank
1. Beruf Im 15. Jh. waren bereits die wichtigsten Elemente des B.-Gewerbes ausgebildet: im berufsständischen und sozialen Korporationswesen (Korporation), in Betriebsform und Arbeitsorganisation, Berufszugang und Qualifikation, Produktionstechnik und obrigkeitlicher Qualitätskontrolle [5]. Aufgrund des Vorbildes der größeren Städte, der staatlichen Polizeigesetzgebung und der Gesellenwanderung verbreiteten sich diese z. T. bis in Ämter und Dörfer. Aus der entscheidenden Verteilerfunktion des B.-Gewerbes für das Hauptnahrungsmittel Brot resultierte sei…

Backstein

(10 words)

s. Baustoffe

Baden

(823 words)

Author(s): Naphy, William
B. in der Nz. ist im Zusammenhang mit Vorstellungen von Gesundheit zu sehen. Man ging ins Badehaus, um sich zu säubern, doch es war v. a. ein Ort für Sozialkontakte und manchmal ein praktischer Treffpunkt mit Prostituierten (Prostitution; Bader). Man schwamm auch; dies war aber selten und galt als leicht exzentrische Betätigung. In kontinentaleurop. Handbüchern über einen gepflegten Lebensstil (z. B. Faret’s Honnête homme und Castigliones Cortegiano, vgl. Anstandsliteratur) findet sich das Schwimmen zwar auf der Liste der akzeptablen Freizeitbeschäftigungen, wir…

Bader

(1,694 words)

Author(s): Sander, Sabine
1. Bader als Dienstleister einer frühen »Wellnesskultur« Unter dem Einfluss von Kulturbegegnungen (durch Kreuzzüge und Fernhandel) wurde das Baden im ma. Europa populär. Mit der Urbanisierung entstanden zunächst in den Städten (z. B. Fulda, Mitte 12. Jh.), dann auch auf dem Land (14. Jh.) Badestuben. Sie wurden von B. (Badstover, Badstübner; lat. balneator; franz. étuviste, baigneur; engl. bather, bathkeeper) [10], anfangs auch von Baderinnen, als Pächter oder Eigentümer betrieben. Die Badestube [2] als Teil eines Steinhauses (wegen der Brandgefahr) bestand aus …

Bäder, medizinische

(1,946 words)

Author(s): Eckart, Wolfgang Uwe
1. Von der Badestube zu den Thermalquellen Für den Niedergang und das sinkende Ansehen der ma. städtischen Badekultur dürfte in erster Linie die schnelle Verbreitung der Syphilis seit dem Ende des 15. Jh.s verantwortlich gewesen sein, die vielerorts zu Schließungen der städtischen Badestuben führte (Bader), weil man in ihnen gefährliche Ansteckungsherde für diese Krankheit vermutete. Gleichzeitig hatten aber auch steigende Holzpreise, bedingt durch die vermehrte Bautätigkeit in den Städten sowie durch den zunehmenden Bergbau, der Unmengen von Brennhol…

Bäderstadt

(701 words)

Author(s): Keller, Katrin
Das Baden zu Heilzwecken hat eine lange Tradition, wobei die Nutzung von Mineralquellen nicht an eine Stadt gebunden war, wie etwa die zahlreichen ma. und nzl. Wild- und Bauernbäder erkennen lassen. Die B. stellt insofern einen Spezialfall des Kurortes dar. Nachdem bis ins ausgehende 17. Jh. v. a. Thermalbäder Zulauf hatten, kam es in der Folgezeit zu einer umfassenderen Nutzung von Wasser als Heilmittel in Form von Trinkkuren. Dieses Angebot wurde von breiten adligen wie bürgerlichen Schichten, die sowohl über die notwendige Fina…

Badhaus

(10 words)

s. Bader

Badisches Landrecht

(713 words)

Author(s): Neschwara, Christian
1. Entstehung und Geltung Die Rechtsordnung des 1806 mit Beitritt zum Rheinbund zum Großherzogtum erhobenen Baden war aufgrund sukzessiver Erweiterungen des alten territorialen Kerns seit 1803 (vgl. Reichsdeputationshauptschluss) überaus zersplittert. Der nun anlaufende Aufbau eines einheitlichen Staates verband sich mit der Zielsetzung, ein »allgemeines« B. L. zu schaffen, das als moderne Zusammenfassung des bestehenden Zivilrechts auch ein Träger des neuen Staatsbewusstseins werden sollte. B. L. bezeichnete zunächst die Reformationen des Landrechts für Baden-B…

Bahnhof

(14 words)

s. Tourismus | Verkehrsarchitektur | Verkehrsnetz

Bahnhof

(1,010 words)

Author(s): Beyrer, Klaus
1. Allgemein Gemeinsam mit der Einführung der Dampf-Eisenbahn zur Personenbeförderung (1830 in England, 1835 in Deutschland) entstanden entlang der Schienenstrecken und an ihren Enden B. als Haltestationen. Ihrem Hauptzweck, der Abfertigung von Reisenden, genügten in den Anfangsjahren schlichte Holzbauten. Noch im 19. Jh. entwickelten sich B. jedoch zu repräsentativen Empfangsgebäuden und zu Zentren der städt. Öffentlichkeit und Kommunikation. B. boten ein Musterbeispiel für Ordnung und Disziplin …

Balkentelegraph

(885 words)

Author(s): Beyrer, Klaus
Als B. wird eine im späten 18. und 19. Jh. der Nachrichtenübertragung auf Sichtweite ( Optische Telegraphie) dienende mechanische Vorrichtung bezeichnet, gewöhnlich ein Mastbaum mit daran montierten, über Hebel und Seilzüge gesteuerten, beweglichen (Quer-)Balken, deren Positionen eine spezifische Zeichenmenge umfassten. Die Aufstellung zu Relaisketten – vorzugsweise in Höhenlagen – ließ, unterstützt durch die Technik des Fernrohrs, die Überbrückung größerer Entfernungen annähernd ohne Zeitverlust zu. Die seit der Antike praktizierten Signaltechniken (Rauch,…

Ballade

(808 words)

Author(s): Laufhütte, Hartmut | Böhm, Elisabeth
Die B. ist eine Gattung relativ kurzer erzählender Texte in Versform, meist gereimt und oft strophisch gegliedert, wobei refrainartige Teile möglich sind. In teleologischer Darbietungsstruktur wird meist in einem Handlungsstrang eine merkwürdige Begebenheit präsentiert. Die Darstellungsart kann ernsthaft, humoristisch oder ironisch sein; diese vordergründig wirksame Behandlungsart kann mit dem impliziten Darstellungsziel kontrastieren. Zwar gibt es gattungsspezifische Deutungsschemata (z. B. mor…

Ballett

(2,376 words)

Author(s): Jacobshagen, Arnold
1. Begriff Als B. bezeichnet man allgemein die für die europ. Neuzeit seit dem späten 16. Jh. repräsentative Ausprägung des Schautanzes bzw. Bühnentanzes (im Unterschied zu nicht-theatralen Erscheinungsformen des Tanzes wie kultischem Tanz, Gesellschaftstanz oder Volkstanz). Die histor. Entwicklung des B. vollzog sich im Kontext der europ. Musiktheatergeschichte (primär höfischer Prägung); mit deren Hauptgattung Oper sowie mit deren Teilkünsten (Musik, Literatur, Szenographie, Bühnentechnik) steht es sowohl institutionell als auch stoff-,…

Ballistik

(1,022 words)

Author(s): Epple, Moritz
Die B. (Lehre von der Bewegung von Geschossen) gehört zu den Wissensgebieten, die bei der Herausbildung der neuen Wissenschaft des 16. und 17. Jh.s im Zentrum stand. Sie lieferte sowohl eine Motivation als auch eines der schwierigsten Anwendungsgebiete der Mechanik als einer mathematisierten Bewegungslehre. Zugleich stand sie in einer nicht immer einfachen Beziehung zu der Waffentechnik und Artillerie der Nz. In der Konzeptualisierung der Bewegung eines Geschosses konkurrierten zwei Vorstellungen: Die Bewegung des Geschosses war einerseits als Bewegung …

Ballonfahrt

(1,096 words)

Author(s): Riha, Karl
Die Erfindung der B. und ihre weltweit Aufsehen erregende Erprobung zum Ende des 18. Jh.s basierten nicht mehr auf der Imitation des Vogelflugs (Aviatik), sondern auf neuen naturwiss. Kenntnissen der Aeronautik nach dem Prinzip »leichter als Luft«. Das Außerordentliche des ersten Heißluft-Ballonaufstiegs der Brüder Joseph und Etienne Montgolfier am 5. 6. 1783 in Annonay bei Lyon lag neben der Vorführung des physikalischen Effekts in der Faszination dieser Schaustellung. Nur wenige Wochen später, am 27. 8. 1783, startete Jacques Alexandre César Charles seinen mit Wassers…

Ballspiel

(1,113 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Erziehungsideal Seit der Renaissance versuchten humanistische Pädagogen, die Liebe zu B. in antiken Traditionen zu begründen (z. B. bei Galen), doch ist die moderne Begrifflichkeit von german. ball (ital. palla), nicht von lat. pila abgeleitet. Humanistische Pädagogen und Prinzenerzieher des 15. Jh.s wie Vittorino da Feltre oder Guarino da Verona adelten die B., indem sie sie neben die ritterlichen Übungen stellten. Mit Baldassare Castigliones Hofmann (Cortegiano, 1528) wurden sie in den Olymp der Adelserziehung erhoben: B. zielten auf das Herz des Erziehungsid…

Bambergische Halsgerichtsordnung

(15 words)

s. Constitutio Criminalis Carolina

Bandmühle

(10 words)

s. Bandweberei

Bandweberei

(842 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
Bänder (Posamente) wurden seit dem späten MA und v. a. vom 17. bis 19. Jh. als Verzierung von Kleidungsstücken verwendet. Bänder wurden vorzugsweise aus Seide, aber auch aus Leinen, Wolle, Baumwolle und als Mischgewebe hergestellt. In der B. verbreitete sich v. a. im späteren 17. und frühen 18. Jh. die Bandmühle, die zunächst in der Form des Schubstuhles den eingängigen Webstuhl ablöste (Webtechnik). Obschon weiter von Hand angetrieben , ermöglichte sie die Produktion von zunächst acht, später bis zu vierzig Bändern im selben Arbeitsgang. Es handelt sich um …

Bank

(1,248 words)

Author(s): North, Michael
1. Frühe Neuzeit Der Begriff B. geht auf mittellat. bancus zurück, womit der Tisch der Geldwechsler ( bancherii) bezeichnet wurde. Als wesentliche Merkmale der Banktätigkeit gelten die Gewährung von Kredit (mit Hilfe von Eigen- und Anlagekapital), die Zahlung im Auftrag von Gläubigern sowie der Geldwechsel. Erst im Lauf des SpätMA bildeten sich in Italien verschiedene Kategorien des Bankbetriebes heraus: internationale Kaufleute-Bankiers, lokale Wechsler und Bankiers sowie Pfandleiher (Wirtschaftsbürgertum). Hieraus entwickelten sich Institutionen wie öffent…

Bänkelsang

(778 words)

Author(s): Tschopp, Silvia Serena
Der erstmals 1730 bei Johann Christoph Gottsched begegnende Begriff »Bänkelsänger« verweist auf eine sich seit dem frühen 17. Jh. in Europa ausbreitende, im 19. Jh. zur Blüte gelangende und in einigen europ. Ländern wie beispielsweise Italien [03] bis heute praktizierte Form des öffentlichen Liedvortrags. Der Begriff ist abgeleitet von der kleinen Bank, auf die sich die Straßensänger bei ihren Auftritten auf Jahrmärkten und Messen, in Wirtshäusern und vor Kirchen stellten, um vom Publikum besser gesehen und gehört zu werden. Als »populäres Gesamtkunstwerk« [01. 9] integriert…

Bankier

(12 words)

s. Bank | Wirtschaftsbürgertum

Banknote

(677 words)

Author(s): North, Michael
B. in Form von Zetteln oder Bankzetteln stellten in der Nz. kein Zahlungsmittel dar, sondern nur ein Zahlungsversprechen derjenigen Bank, die sie in Verkehr gebracht hatte. Sie wurden um die Mitte des 17. Jh.s populär, als die Londoner Goldschmiede erstmals ein breites Angebot moderner Bankdienstleistungen offerierten. Kaufleute und adlige Grundbesitzer unterhielten beim Goldschmied ein Konto, das sie sowohl für Überziehungskredite als auch für Überweisungen nutzten. Die sog. goldsmith bankers diskontierten Wechsel, Schuldscheine und Staatspapiere (Diskont), i…

Bankrott

(12 words)

s. Konkurs | Staatsbankrott

Bann

(966 words)

Author(s): Simon, Thomas
B. ist ein Wort mit zahlreichen kirchlichen und weltlichen Bedeutungsvarianten; hier werden diejenigen außerhalb des Kirchenbanns behandelt. Das Wort bedeutet im Kern ganz allgemein Befehl und Gebot. Der B. war ein bußenbewehrtes Gebot: Bei Nichtbefolgung wurde die B.-Buße – häufig gleichfalls nur als B. bezeichnet – fällig. 1. Mittelalter Der B. als herrschaftlicher Befehl tritt in den Quellen des frühen MA zunächst als Königs-B. in Erscheinung, auf den sich die ältere Forschung konzentrierte [4. 121]. Struktur und Gehalt feudaler Herrschaft unterhalb des Königtums w…

Bannmeile

(908 words)

Author(s): Kießling, Rolf
Unter B. wird ein Gebiet um eine Stadt verstanden, in dem Handel oder Gewerbe verboten bzw. durch Vorschrift geregelt waren. Gegenüber einem europaweit verbreiteten Stapelrecht bezog sich die B. in Frankreich und Deutschland v. a. auf die Sicherstellung der eigenen Versorgung; das Institut der B. erlebte seinen Höhepunkt vom 15. bis zum 17. Jh., um dann im Zuge des territorialen Merkantilismus an Bedeutung zu verlieren. Seit dem SpätMA bezog sich B. zunehmend auf die Ausübung der Markthoheit bzw. die Zulassung zu gewerblichen Tätigkeiten und die Einhaltung von Markt…

Baptisten

(1,215 words)

Author(s): Geldbach, Erich
1. England Der Baptismus entstand unter engl. Glaubensflüchtlingen, die sich dem kongregationalistischen Verfassungsmodell des Puritaners Robert Browne (1550–1633) angeschlossen hatten und aufgrund ihrer von der Kirche von England (Anglikanismus) abweichenden, »nonkonformistischen« Haltung 1607 nach Holland ausgewichen waren. Hier begegneten sie Mennoniten (Täufer), unter deren Einfluss sie die Glaubenstaufe einführten. 1609 taufte der Anführer John Smyth sich selbst (was er später bereute) und die ca. vierzig Mitglieder seiner Gemeinde. Durch R…

Barbar

(1,858 words)

Author(s): Grünberger, Hans | Walther, Gerrit
1. Begriff Der schon bei Homer verwendete Begriff wurde seit dem 14. Jh. zu einem zentralen Schlagwort europ. Kulturkritik. Polemisch bezeichnete er jeden, der die Werte, Forderungen und Vertreter humanistischer Bildung ignorierte oder gar aktiv bekämpfte (Humanismus), bzw. jeden, dessen soziale Machtansprüche nicht durch eine entsprechende Aufgeschlossenheit für nzl. Kultur und für urbane Formen gesellschaftlichen Umgangs legitimiert schienen. Besondere polemische Kraft erhielt der Vorwurf, ein B…

Barbier

(10 words)

s. Bader

Barchent

(1,056 words)

Author(s): Kießling, Rolf
B. (von arab. barrakàn: »mantelartiges Gewand«), auch Fustein (von mittellat. fustaneus/lat. fustis: »Stecken«; »Baum« oder von arab. fustan: »Gewand«) ist ein Mischgewebe aus Leinen (Kette) und Baumwolle (Durchschuss), das in verschiedenen Mustern und Feinheiten ausgefertigt und meist der Leinenweberei (Leinengewerbe) zugerechnet wurde. Spezielle Bezeichnungen für B. waren Sarrock, Sartuch (Köln); Schürlitz (Basel). Schwer abzugrenzen ist B. gegenüber dem Bom(b)asin, der vom 16. bis ins frühe 19. Jh. als gesonderte Textilsorte gefertigt wurde, währe…

Bardendichtung

(781 words)

Author(s): Kohl, Katrin
Die B. der Nz. versteht sich als Teil einer Tradition, die ihren Ursprung in der Dichtung keltischer Hofsänger (altirisch: baird; walisisch: bardd) hat. Der Begriff wird v. a. für dt. Dichtung um 1765–1775 verwendet, die in zumeist epischen und lyrischen Formen diese als »altgermanisch« verstandene Dichtung zu beleben suchte. In der B. verwirklichten sich kulturnationale Bestrebungen, die den großen Dichtern der Antike eine ebenbürtige nordische Kultur gegenüberzustellen suchten. Im dt.-sprachigen Raum wurden in dieser Zeit zwei Komplexe identit…

Barmherzigkeit

(12 words)

s. Diakonie | Nächstenliebe

Barock

(6,965 words)

Author(s): Pfisterer, Ulrich | Niefanger, Dirk | Küster, Konrad
1. Einleitung Der Begriff des B. dient zur Bezeichnung einer Teilepoche innerhalb der Nz., die in ihren spezifischen ästhetischen und kulturellen Merkmalen in den Bereichen Kunst, Literatur und Musik auf wiss. Vereinbarungen beruht. Der B.-Begriff ist folglich keine aus der Epoche gewonnene Bezeichnung (wie z. B. Renaissance, Aufklärung oder Romantik), sondern eine nachträglich im Bereich der Wissenschaft entstandene zeitliche und inhaltliche Konstruktion, um Werke der Kunst, Literatur und Musik und ihre spezifischen Gestaltungen im…

Barockarchitektur

(2,421 words)

Author(s): Hoppe, Stephan
1. Definition Die Bedeutung des Begriffes Barockarchitektur ist sowohl i. Allg. als auch im wiss. Gebrauch nicht eindeutig. Er kann sich zum einen auf die in der Epoche des Barock (etwa zwischen 1580/1600 und 1770) entstandene Architektur beziehen. In dieser Perspektive umfasst er stilistisch unterschiedliche Bauten, die neben dem Barock auch Phänomene der Nachgotik, Barockgotik, des Palladianismus (etwa bei Inigo Jones, Jakob van Campen), des franz. Klassizismus und Rokoko mit einbeziehen. Stärker stilgeschichtlich ausgerichtet bezieht sich der Begriff B. v. a. a…

Barockgelehrsamkeit

(10 words)

s. Polyhistor

Barockgotik

(861 words)

Author(s): Fürst, Ulrich
1. Begriff Die B. ist ein Phänomen der europ. Baukunst des 17. und 18. Jh.s, insbes. der Sakralarchitektur, das auch mit den missverständlichen Termini Nachgotik oder Neugotik bezeichnet wird. Von der Sache her ist sie ein quantitativer wie qualitativer Höhepunkt einer umfassenderen Richtung, die am treffendsten mit »Gotik im Vitruvianismus« umschrieben werden kann: die absichtliche Verwendung von Bautypen, Grundelementen und Gestaltungsweisen der gotischen Architektur in Renaissance und Barock, vielfach in Vermischung mit dem vom vitruvian…

Barrikade

(2,006 words)

Author(s): Reichardt, Rolf
1. Entstehung und Verbreitung Von Anfang an fungierten B. als extremes Mittel volksnaher innenpolitischer Oppositionsbewegungen gegen militärische Zwangsmaßnahmen der Obrigkeit. Die Sache und der Name B. entstanden im Frankreich des späten 16. Jh.s: Als die katholische Liga am 12. 5. 1588 in Paris die Gefangennahme ihres Führers Charles de Guise durch Truppen Heinrichs III. verhinderte, indem sie die feindlichen Reiter zwischen Straßensperren aus Eisenketten, Fässern und Pflastersteinen einkesseln ließ, ging dieser Tag als erste journée des barricades (»B.-Tag«) in d…

Bastard

(10 words)

s. Unehelichkeit

Bastille

(2,290 words)

Author(s): Reichardt, Rolf
1. Absolutistisches Staatsgefängnis und politischer Mythos Das franz. Wort B. bezeichnete ursprünglich jede Festung, die aus einem Kranz mehrerer Türme mit Zwischenmauern bestand – so auch die von 1370 bis 1382 erbaute Pariser B. Zu einem bedeutungsvollen, besonderen Namen und Schlagwort wurde dieser allgemeine Terminus erst dadurch, dass die B. im Pariser Faubourg Saint-Antoine seit Richelieu (ca. 1627) kaum noch dem Schutz der Stadt, sondern als Staatsgefängnis (Gefängnis) diente, in dem die Regierung kraft königlicher Siegelbriefe ( lettres de cachet) nach Gutdünken jed…

Bäuerliche Besitzrechte

(1,290 words)

Author(s): Enders, Lieselott
B. B. am Gehöft jeglicher Größenordnung nebst dem zum Hof gehörigen Land traten schon im ma. Europa in der Spannbreite zwischen vollem Eigentum an Land und Gebäuden, Erbzinsrecht (d. h. Eigentum am Gehöft und Erbleihe des dazugehörigen Grund und Bodens) und bloßen Nutzungsrechten (z. B. Zeitpacht) auf. Dieser Sachverhalt erfuhr in der Nz. weitere Veränderungen. 1. Ausgangslage im Spätmittelalter An der Schwelle vom SpätMA zur Nz. herrschten in mitteleurop. Altsiedelgebieten de jure mindere, d. h. teils zeitlich befristete, teils nicht erbliche Besitzrechte vor, so z. B. das …

Bauern

(5,576 words)

Author(s): Wunder, Heide
1. »Bauer«: Begriffe und Konstruktionen 1.1. Fremd- und Selbstbezeichnungen Die wiss. Beschreibungskategorie B. bezeichnet – wie paysan für Frankreich und peasant für England – eine Gruppe landwirtschaftlicher Produzenten mit spezifischen Wirtschafts- und Sozialformen, die sie von selbstwirtschaftenden Grund- und Gutsherren sowie von Domänen- und Gutspächtern abhob, aber ebenso von ledigen land- und hauslosen Dorfbewohnern (Einlieger, Häusler). Als »Arbeits- und Haushaltspaar« bewirtschafteten B. und Bäuerin mit flexiblen Zuständigkeiten ihren Hof [44], dessen Er…

Bauernbefreiung

(10 words)

s. Agrarreformen

Bauerngericht

(10 words)

s. Gericht

Bauernhaus

(845 words)

Author(s): Bedal, Konrad
Der Begriff B. lässt sich gegenüber anderen Haus- und Bauformen nicht leicht abgrenzen, da die sozialen und wirtschaftlichen Daten, die eine verbindliche Bestimmung eines bäuerlichen Anwesens und damit eines B. ermöglichen würden, sozial, zeitlich und regional gesehen sehr schwankend sind. Zwar versteht man zumindest in Mitteleuropa unter B. im engeren Sinn das Wohnhaus eines weitgehend selbständig wirtschaftenden Landwirts bzw. der zugehörigen Familie und abhängig Beschäftigten, doch gehören dazu im weiteren Sinn auch die übrigen Gebäude eines…

Bauernhof

(11 words)

s. Hof, bäuerlich

Bauernkrieg

(4,343 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Zeitliche Einordnung Der Begriff B. bezeichnet unterschiedliche Ereignisse und Phänomene der Nz. Der Umschlag eines gegen die Türken geplanten Kreuzzuges in eine Erhebung gegen den Adel im Jahr 1514 ist als »ungarischer B.« in die Historiographie eingegangen. Im dt.sprachigen Raum werden Aufstände (Revolte) in Oberösterreich (1626) und Bayern (1705/6) als B. bezeichnet [19. 39 f.]. Es handelte sich dabei um landespatriotische Erhebungen, die gegen eine Besatzungsmacht gerichtet waren; ähnlich 1809 in Tirol. In Oberösterreich 1626 und in Bayern …

Bauernlegen

(1,110 words)

Author(s): Enders, Lieselott
Der Terminus B. kam im 18. Jh. angesichts der massenhaften Usurpation von Bauernstellen durch mecklenburgische Gutsherrn auf (Gutsherrschaft) [5]. Er wird in der Forschung unterschiedlich verstanden, empfiehlt sich aber als Oberbegriff für jegliches Reduzieren von Bauernstellen durch den Grundherrn (Grundherrschaft) zwecks Eigenbedarf als Wohn- und Wirtschaftshof, v. a. aber zwecks Expansion der Nutzflächen des Ritterguts. B. wurde schon im MA in großem Ausmaß von klösterlichen Grundherren zum Auf- und Ausbau ei…

Bauernliteratur

(10 words)

s. Heimatliteratur

Bauernrecht

(10 words)

s. Partikularrecht

Bauernrevolte

(14 words)

s. Hungerrevolte | Revolte | Widerstand

Baugewerbe

(1,420 words)

Author(s): Gömmel, Rainer | Braun, Helmut
1. Grundlagen Das B. umfasst im weiteren Sinne alle Berufe und Gewerbe, die bei der Errichtung von verschiedensten Bauten (im Hochbau Häuser aller Art, Brücken, Kirchen, Repräsentationsbauten usw., im Tiefbau Straßen, Kanäle, Befestigungswälle, Deiche usw.) direkt oder indirekt beteiligt sind. Neben der Bauleitung besteht das B. aus den Gewerben der beim Bau tätigen Handwerker, die jeweils nach ihrer beruflichen Stellung unterschieden werden (Meister, Gesellen [1]; [6], Lehrlinge und einfache Handlanger [3]; [4]; Lehrzeit). Der Betrieb eines B. bzw. die Ausübung ei…

Baukonjunktur

(673 words)

Author(s): Gömmel, Rainer | Braun, Helmut
B. wird als eine im längeren Zeitablauf zyklisch schwankende Entwicklung aller Aktivitäten im Hoch- und Tiefbau innerhalb einer Region bzw. eines Staates definiert (jahreszeitliche Schwankungen zählen daher nicht dazu). Die Schwankungen der Bauaktivitäten sind für die Nz. wenig erforscht [5]: Aufgrund der im dt.sprachigen und ital. Raum herrschenden Zersplitterung in eine Vielzahl selbständiger Territorien und (freier) Städte können diese Schwankungen hier allenfalls innerhalb dieser Einheiten untersucht werden. Die Erfassung von Bauaktivitäten als Voraussetzu…

Baukunst

(10 words)

s. Architekturtheorie

Baumeister

(12 words)

s. Architekturtheorie | Baugewerbe

Baumwolle

(3,335 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
B. ist einer der wichtigsten Werkstoffe zur Herstellung von Kleidung in der Menschheitsgeschichte. Ebenso wie bei der Seide, die allerdings in der westl. Welt immer ein Luxusprodukt blieb, stellte sich früh, d. h. seit dem 15. Jh., eine weiträumige Trennung zwischen B. anbauenden und B. verarbeitenden Regionen ein. Die Industrialisierung des späten 18. und frühen 19. Jh.s spielte sich zuerst und besonders ausgeprägt im B.-Gewerbe ab. B. und B.-Produkte zählten in dieser Zeit zu den wichtigsten Welthandelsgütern. 1. Anbauregionen, Welthandel B. wird in tropischen und subt…

Bauordnung

(697 words)

Author(s): Gömmel, Rainer | Braun, Helmut
Das Institut der B. (auch Baureglement) wurde weitgehend vom MA in die Nz. übernommen. Waren B. im MA noch auf die Städte beschränkt, wurden nun auch für manche Landschaften, beispielsweise für Württemberg im 16. Jh. und für die Berner Landschaft im 17. Jh., B. erlassen. Mit dem Wachstum von Städten und der dort höheren Bevölkerungsdichte war der Erlass einer B. durch die obersten Organe einer Stadt unabdingbare Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. Die meist detaillierten B. dienten …

Bauornament

(768 words)

Author(s): Syndikus, Candida
Das B. (Synonyme: Bauornat, Bauschmuck, Bauzier) umfasst sämtliche plastischen Schmuckformen, deren Träger Architektur ist. Richtungweisend ist die Definition von Leon Battista Alberti (1404–1472), der im Rückgriff auf die röm. Antike die Säule nicht nur als tektonisches Stützelement, sondern als ranghöchstes Ornament beurteilte [1] (vgl. Abb. 1). Zusammen mit dem Gebälk sowie dem Postament bildet sie die Säulenordnung. Darüber hinaus zählen zum B.: Gesimse, Giebeldekor, Voluten, Baluster und Vasen, Wappen und Impresen, Schilde und Kart…

Bauplastik

(12 words)

s. Bauskulptur | Bauornament

Bauskulptur

(2,585 words)

Author(s): Wiener, Jürgen
1. Definition B. ist kein einheitlich verwendeter Begriff. Gelegentlich wird B. als Synonym für Bau- und Architekturplastik gebraucht und damit auf alle Skulptur und Plastik am Bau bezogen. In der Regel aber meint er nicht die Gesamtheit der einem Bau integrierten bildhauerischen oder plastischen Aufgaben (in letzter Konsequenz wäre dies in der frühen Nz. jeder gemeißelte Steinquader, wie bereits Quatremère de Quincy 1832 betonte [3]); vielmehr ist B. die für eine bestimmte Architektur gefertigte oder verwendete und mit ihr verbundene Skulptur und Plastik fi…

Baustatik

(2,361 words)

Author(s): Becchi, Antonio | Popplow, Marcus
Die B. widmet sich der mechanischen Interpretation von Bauwerken, um deren Verhalten bezüglich ihrer Eigenlast sowie zusätzlich auf sie wirkender Lasten zu beschreiben. Hauptgegenstand der B. sind Statik und Festigkeitslehre. Die statische Analyse von Gebäuden wurde im Verlauf des 18. Jh.s integraler Bestandteil der Ingenieursausbildung (Ingenieur; Technische Ausbildung). Gleichzeitig präsentierten erste Handbücher die Grundzüge der B., deren theoretisches Fundament im Lauf des 19. Jh.s immer differenzierter ausgearbeitet wurde. Angesi…

Baustile

(23 words)

s. Architekturtheorie | Barockarchitektur | Barockgotik | Historismus | Klassizistische Architektur | Renaissance | Revolutionsarchitektur

Baustoffe

(2,688 words)

Author(s): Reith, Reinhold
Als wichtige B. kamen im SpätMA und der Nz. Holz, Stein, Kalk, Sand, Lehm bzw. Ton in Betracht. Die Verfügbarkeit dieser Materialien beeinflusste Bautechnik und Baustil wesentlich (Architekturtheorie), wobei langfristig ein Trend von der Holz- zur Steinbauweise (bzw. zum Backstein) zu beobachten ist. Die ungleiche räumliche Verteilung der B. und die hohen Transportkosten banden das Bauwesen der Nz. stark an das jeweilige milieu naturel [12]. Das Umland bildete das primäre Versorgungsgebiet, wenngleich B. auch über weite Strecken herangeführt wurden. Der Tran…

Bautechnik

(18 words)

s. Fachwerk | Gewölbebau | Gründungsbau | Hebevorrichtungen | Steinbau

Bautypus

(2,368 words)

Author(s): Hoppe, Stephan
1. Begriffsdefinition B. ist ein zwischen Funktion, Form und Inhalt angesiedelter Klassifikationsbegriff, der es erlaubt, Gebäude nach ihrer formalen Grundstruktur bzw. ihrer Grundgestalt zu unterscheiden bzw. untereinander in Bezug zu setzen. Solche Grundstrukturen können Gestaltkonzepte wie Turm, Giebelhaus, Traufenhaus, Zentralbau oder Longitudinalbau sein. In diesem Sinn von Formtyp wird der Begriff B. im Folgenden verwendet. In einem strengen Sinn bezieht sich der verwandte Begriff der Baugattung demgegenüber auf die Funktion eines Gebäudes (z.…

Bauwesen

(1,588 words)

Author(s): Gömmel, Rainer | Braun, Helmut
1. Allgemeine begriffliche Abgrenzung und Träger Beim Begriff des B. stehen, im Gegensatz zur Architektur, in erster Linie die Trägerschaft und der Zweck der Errichtung eines Gebäudes im Vordergrund; die einzelnen Bauprojekte können nach ihren Auftraggebern und Financiers unterschieden werden. Der Hochbau umfasst primär die Errichtung von Gebäuden, daneben auch die von Brücken [7]. Der Tiefbau umspannt den gesamten Straßen- und Wegebau (Straße) sowie Erdarbeiten wie Wallaufschüttungen oder die Anlage von Kanälen; darüber hinaus gehören das Anlegen…

Beamtenausbildung

(1,567 words)

Author(s): Bruning, Jens
1. Staat – Verwaltung – Beamte: Grundlagen Mit der Herausbildung des nzl. Staates und der damit einhergehenden Entwicklung einer professionellen Verwaltung rückten die Amtsträger stärker ins Blickfeld, da eine Herrschaftsausübung mit Hilfe genereller Normen nur möglich war, wenn eine entsprechend qualifizierte Beamtenschaft deren Durchsetzung organisierte und kontrollierte (Beamter). Während bei der Auswahl der (Staats-)Beamten, wie diese neue Führungsschicht seit dem 18. Jh. bezeichnet wurde, bis um 1800 auch persö…

Beamtenlehre

(1,406 words)

Author(s): Weber, Wolfgang E.J.
1. Grundlagen Die Entstehung des nzl. Beamtentums (Beamter) war von einer Vielfalt mündlicher und schriftlicher Erörterungen der Aufgaben und Qualifikationen sowie der gesellschaftlich-politischen Stellung dieser neuen, sekundären Herrschaftselite begleitet. Dort, wo Aus- und Aufbau der Administration (Verwaltung) bes. weit vorangeschritten war, ging daraus spätestens in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s eine förmliche, ab dem 18. Jh. wesentlich juristisch, in geringerem Maße auch staatswirtschaftlich geprägte B. hervor. Diese von Verwaltungspraktikern und an d…

Beamtenrecht

(837 words)

Author(s): Wunder, Bernd
Das B. als Regelung der Arbeitsbeziehungen im öffentlichen Dienst durch Gesetz wurde erst im Aufgeklärten Absolutismus fassbar und erfuhr seine wesentliche Ausprägung als Teil der Verwaltungs-Reformen im nachrevolutionären Frankreich und im europ. Machtbereich Napoleons. Die Zentralisierung der Zivilverwaltung nach militärischem Vorbild zwischen 1800 und 1804 führte auch zur Schaffung des modernen Beamtentums. Der privatrechtlich angestellte, nebenamtlich und zeitlich befristet tätige, häufig adlige Generalist wurde d…

Beamter

(2,563 words)

Author(s): Asch, Ronald G.
1. Amtsträger und Funktionen Das Wachstum der Staatsgewalt in der Frühen Nz. war auf das Engste verbunden mit der Entwicklung einer professionellen Verwaltung, für deren Amtsträger die Verteidigung der Autorität des Staates und der Kampf für den eigenen sozialen Status und die eigenen Interessen sich zu einer Einheit verbanden. Diese Amtsträger wurden allerdings erst seit dem 18. Jh. durchgängig als B. oder Staats-B. (statt Diener, Räte, Amtmann etc.) bezeichnet, auch wenn das Wort (etwa in der Form beambte) gelegentlich schon im 16. Jh. verwandt wurde. Der entsprechend…

Befreiungskriege

(2,073 words)

Author(s): Grothe, Ewald
1. Militärische Ereignisse Mit dem Begriff der B. (auch Freiheitskriege oder (anti-) Napoleonische Kriege) bezeichnet man den militärischen Konflikt der dt. und europ. Staaten mit Napoleon (1813 bis 1815; vgl. Abb. 1 und Abb. 2). Die B. beschlossen eine Phase intensiver militärischer Auseinandersetzungen in der letzten Dekade des 18. und zu Beginn des 19. Jh.s. Beginnend mit den Koalitionskriegen nach 1792 und fortgesetzt durch die Eroberungen Napoleons seit 1799, hatte Europa über zwei Jahrzehnte hinweg im Zeichen der franz. Expansion gestanden. …

Begierde

(1,974 words)

Author(s): Robert Dimit | Gunda Werner
Die Konzeptionen von B. variierten in der Nz. stark. Wie im Hinblick auf Gefühle generell änderten sich auch Anschauungen und Einstellungen zur B., sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. 1. Theorien Die frühnzl. Vorstellungen von B. (lat. voluptas) unterschieden sich zunächst kaum von denen des MA. Nach Thomas von Aquin wurde die B. als eine der grundlegenden Leidenschaften der Seele verstanden und als das Verlangen definiert, ein abwesendes oder zukünftiges Gut zu erlangen. In diesem technischen Verständnis ist das Objekt der …
Date: 2016-11-01

Begnadigung

(852 words)

Author(s): Oestmann, Peter
Die B. ist ein Akt der Staatsgewalt, durch den eine nach dem Gesetz strafbare Person aus Gründen der höheren Gerechtigkeit von den Rechtsfolgen ihrer Tat ganz oder teilweise entbunden wird [4. 763]. Im Gegensatz zur ma. Gegenüberstellung von Gnade und Recht und dem Richten nach Gnade, bei dem ein Gericht aufgrund von Billigkeitserwägungen ein Urteil fällen oder ändern konnte, knüpft die nzl. B. an die Ausdifferenzierung der Staatsgewalt an (Staat). Für die Verurteilung eines Straftäters war die Justiz zuständig, die B. wurde dagegen zu einem Reservatrecht des Land…

Begräbnis

(10 words)

s. Bestattung

Begriffsjurisprudenz

(683 words)

Author(s): Haferkamp, Hans-Peter
Der Begriff B. ist eine polemisch überlagerte Bezeichnung des dt. Rechtswissenschaftlers Rudolf von Jhering für eine begriffsmathematische, lebensferne Jurisprudenz [1]. Er wird zur Charakterisierung von Teilen der dt. Rechtswissenschaft des 19. Jh.s verwandt. Eine allgemein akzeptierte Definition von B. existiert bis heute nicht [6]. Teilaspekte des Bildes der B. sind die Vorstellung des gegebenen Rechts als lückenlose Ordnung, die auf ein rein logisch verknüpftes Begriffssystem zurückgeführt werden kann (»Begriffspyramide« [5]) und neue Rechtssätze wiederum re…

Begrüßung

(12 words)

s. Grüßen | Ritual

Behinderung

(838 words)

Author(s): Schattner, Angela
Behindert ist nach heutiger Definition derjenige, der aufgrund eines länger andauernden körperlichen, geistigen oder seelischen Schadens nicht an einer als »normal« angesehenen Lebensführung teilnehmen kann. Bis zum Beginn des 19. Jh.s gab es allerdings keine eigene Bezeichnung für den heutigen Begriff »Behinderte«, sondern B. wurde unter dem Aspekt der Gebrechen betrachtet (Krankheit). In verschiedenen Quellen (v. a. in Bettel- und Armenordnungen der Städte) sind daher Behindertengruppen wie Blinde, Lahme und bresthaftige lut (»verkrüppelte Leute«), aber kein g…

Behörde

(1,018 words)

Author(s): Simon, Thomas
Das Wort B. taucht am Ende des 17. Jh.s in seiner heutigen Bedeutung auf. Es bringt die zunehmende Institutionalisierung der Verwaltungstätigkeit zum Ausdruck, für deren Zwecke der Staat im Laufe der Frühen Nz. einen stetig wachsenden und sich differenzierenden Handlungsapparat ausbildete. Mit ihm wurden Herrschaft und Verwaltung von der Person des Fürsten gelöst; der Verwaltungsapparat entwickelte allmählich ein Eigenleben und verlieh dem werdenden Territorialstaat ein institutionelles Gerüst, das permanent wirksam sein konnte, weil es …

Beichte

(2,480 words)

Author(s): Walter, Peter | Ohst, Martin | Ivanov, Vladimir
1. Definition und Bedeutung Die B. (von mhdt. bigiht, zusammengezogen bīht[e]: Aussage, Bekenntnis; Übersetzung von lat. confessio) ist die vom frühen MA bis teilweise in die Gegenwart gebräuchlichste Form des kirchlichen Bußverfahrens. Der Streit um die Frage, ob der B. der Charakter eines Sakraments zuzuerkennen und wie ihre kirchenamtliche Regulierung und ihre Ausübung in der Religionspraxis zu gestalten sei, ist zu einem wesentlichen Differenzierungsfaktor zwischen den drei großen christl. Konfessionen gewo…

Beichtorden [Hinzugefügt 2018]

(758 words)

Author(s): Blum, Daniela | Herausgeber: Gunda Werner
1. Allgemeines und Vorgeschichte im Mittelalter Als B. werden jene relig. Ordensgemeinschaften (Orden 3.) bezeichnet, die die Beichte zu einem zentralen seelsorgerlichen Prinzip machten. Dazu gehörten die Dominikaner und Franziskaner im Kontext apostolischer Reformbewegungen im 12./13. Jh. sowie die Jesuiten in der Zeit der Konfessionalisierung. Die genannten Orden verbanden die Beicht- Seelsorge mit einer apostolischen Lebensweise und einer intensiven Predigttätigkeit. Das Vierte Laterankonzil (1215) machte die jährliche Beichte beim zustän…
Date: 2018-11-21

Beigeordneter

(643 words)

Author(s): Schmidt, Patrick
Eine Definition des Begriffs B. muss einerseits unterschiedliche regionale Traditionen der Gemeindeverfassung (v. a. Bürgermeister- und Magistratsverfassung), andererseits Bedeutungsveränderungen berücksichtigen, die der Begriff in den letzten zwei Jahrhunderten erfahren hat. Aus geschichtswiss. Perspektive ist zu beachten, dass Diskrepanzen zwischen dem B. als analytischem Terminus und als Quellenbegriff auftreten. In der modernen verwaltungswiss. Literatur wie auch in einem Teil der Gemeindeve…

Bekehrung

(1,334 words)

Author(s): Matthias, Markus
1. Begriff B. (lat. conversio; »Umkehr«, Konversion) oder das für dieselbe Erfahrung stehende Symbol der Neu- und Wiedergeburt sind allgemeine religiöse Phänomene. Ein Subjekt nimmt die B. als einen Akt wahr, durch den es in seiner religiösen oder quasi-religiösen (z. B. weltanschaulichen oder künstlerischen) Orientierung fundamental und umfassend neu ausgerichtet wird. 2. Typen B. kann bezeichnen: (1) die Um- oder Rückkehr zu bekannten, aber im Laufe der (Lebens-)Geschichte verlassenen, religiösen oder moralischen Werten, wie sie die israelitische …

Bekenntnis

(1,848 words)

Author(s): Axt-Piscalar, Christine
1. Bedeutung und Funktion des Bekenntnisses Grundfunktion des christl. B. ist die in Wort und Tat vollzogene öffentliche Bezeugung der Heilsoffenbarung Gottes in Person und Werk Jesu Christi, wie sie sich durch das Wirken des Heiligen Geistes dem Glauben erschließt (Offenbarung). Das B. ist der Grundakt sowohl des persönlichen Glaubens des Einzelnen als auch des Glaubens der Kirche als Gemeinschaft. Diese Funktion des B., wie sie im Neuen Testament für die ersten Christen und Gemeinden bezeugt ist (Römerbrief 10, 9; erster Brief an Timotheus 6, 12) und für den Anspruch der Glaubens…

Bekleidungsgewerbe

(813 words)

Author(s): Deceulaer, Harald
In den meisten spätma. und frühnzl. Städten Europas bildete das B., gemessen an der Beschäftigung, den zweitgrößten Sektor nach dem Baugewerbe. Eine große Anzahl von Schneidern, Strickern und Wirkern, Hut- und Mützenmachern, Bandwebern (vgl. Bandweberei), Gebrauchtwarenhändlern, Näherinnen u. a. bedienten den Bedarf der Konsumenten. Das Ausmaß und die Zusammensetzung des B. variierte über Raum und Zeit: Während Schneider auf dem Lande in den Quellen zum späten MA noch kaum Erwähnung finden, führte die Veränderung des ländlichen Lebensstandards im V…

Belagerung

(910 words)

Author(s): Hohrath, Daniel
In den Kriegen der Frühen Nz. waren B. von Festungsstädten ein sehr häufiges, wenn nicht das vorherrschende Element der Kriegführung [3. 632–685]; [5]. Die Bedeutung von Festungen lag auf mehreren Ebenen: Politische, strategische und logistische Aspekte waren untrennbar miteinander verbunden: Auch wenn Städte ihre Bedeutung als eigenständige politische Einheiten seit dem Ende des MA zusehends einbüßten, wurden Residenzstädte und Provinzhauptstädte in den frühnzl. Territorialstaaten zu Zentren fürstlicher Herrschaftsausübung und bevorzugt zu Festungen ausgebaut. Im …

Beleidigung

(906 words)

Author(s): Fuchs, Ralf-Peter
Im dt. Sprachgebrauch bezeichnet B. die Verletzung sowohl des Leibes (Gewaltkriminalität) als auch der Ehre. Auch im frühnzl. Gemeinen Recht wurden verschiedene Formen der B. unter einem Begriff (lat. iniuria) zusammengefasst. Unter iniuria fielen Kränkungen einer Person mittels verbaler und tätlicher B. (Verbal- und Realinjurien) sowie schriftliche B. und Kränkungen mittels Gestik und Mimik. Schimpfwörter, Schmähgesten und Gewaltrituale bildeten in der Nz. ein Zeichenrepertoire, das in Ehrkonflikten eingesetzt wurde. In diesem Rahmen verwiesen sie auf eleme…

Bel esprit

(13 words)

s. Schöngeist

Beleuchtung

(741 words)

Author(s): Jaritz, Gerhard
B. und B.-Körper sind in starkem Maße Indikatoren für die soziale Gruppenzugehörigkeit ihrer Benutzer. Im 15. und 16. Jh. wurden wie während des gesamten MA bes. Fackeln und Kienspäne als mobile Lichtträger verwendet. An Lichtgefäßen lassen sich Ton-, Glas- und Metalllampen nachweisen. Als Brennstoff wurden für diese v. a. Öle (z. B. Leinöl, Mohnöl) oder, bes. in Nordeuropa, Tran verwendet; derartige Lampen benutzte man in einfachen Haushalten bis ins 19. Jh. Andere B.-Mittel funktionierten auf der Basis fester Brennstoffe, wie das bi…

Bellum iustum

(14 words)

s. Krieg, gerechter

Beobachtung

(2,401 words)

Author(s): Steinle, Friedrich
1. Begriff B. (lat. observatio) stellt die Hauptquelle empirischen Wissens und zusammen mit dem Experiment das zentrale Verfahren der Naturwissenschaften und der empirischen Gebiete der Geistes- und Sozialwissenschaften dar (Empirismus). Als gerichtete, auf spezifische Gegenstände oder Gegenstandsaspekte fokussierte Aufmerksamkeit ist B. auch in nichtwiss. Lebensbereichen zu finden, wenn etwa ein Zeichner seinen Gegenstand, das Militär feindliche Linien, ein Roulettespieler seine Mitspieler oder ein Passant merkwürdige Gestalten auf dem Parkplatz beobachtet. 2. Tr…

Beredsamkeit

(10 words)

s. Rhetorik

Bergakademie

(979 words)

Author(s): Fessner, Michael
Die ab der zweiten Hälfte des 18. Jh.s gegründeten B. waren technische Fachschulen zur wiss. Ausbildung von Berg- und Hüttenbeamten ( Montanwesen). Die landesherrschaftlichen Montanverwaltungen hatten diese bislang aus erfahrenen Empirikern rekrutiert. Die fortschreitende bergbauliche Entwicklung erforderte aber zunehmend theoretisch ausgebildete Fachkräfte. Das Hauptmotiv zur Errichtung von B. lag im Verlangen der jeweiligen Landesherrschaft, die Bodenschätze rationeller zum Vorteil der Staatsfinanzen auszubeuten. Die B. waren deshalb administrativ u…

Bergbau

(10 words)

s. Montanwesen

Bergbauakademie

(10 words)

s. Bergakademie

Bergbautechnik

(3,045 words)

Author(s): Bartels, Christoph | Farrenkopf, Michael
1. Begriff Unter B. fasst man alle technischen Methoden und Hilfsmittel zusammen, die zur Gewinnung mineralischer Rohstoffe aus dem Untergrund eingesetzt werden. Schon im 16. Jh. setzte eine Verwissenschaftlichung der B. ein, die bes. im Werk des G. Agricola (1494–1555) [1] sichtbar wird. Dort wurden die wesentlichen Felder der B. – Schachtabteufen und Streckenvortrieb, Grubenausbau, Gewinnung, Förderung, Wasserhaltung, Bewetterung, Beleuchtung und Grubenvermessung (Markscheidewesen) – umrissen. Daneben wurden Tagebautechniken wie z. B. der Gold- oder Mineralgewin…

Bergmann

(696 words)

Author(s): Küpper-Eichas, Claudia
B. heißt nach einem Bergbau-Wörterbuch des 18. Jh.s »ein jeder, so in der Gruben arbeitet oder ein Arsch-Leder träget; und vornehmlich dieser, welcher gute Wissenschafft in Bergwercks-Sachen hat« [3]. Als B. im engeren Sinne wird bis heute ein Arbeiter bezeichnet, der im Rahmen der Gewinnung und Förderung mineralischer Rohstoffe tätig ist (Montanwesen), im weiteren Sinne auch das Leitungspersonal und die Anteilseigner einer Grube (vgl. Abb. 1). Die Berufsgruppe des B. umfasste eine Vielzahl von Beschäftigten, wozu unter und über Tage tätige Arbeiter ebenso w…

Bergmannslampe

(745 words)

Author(s): Bartels, Christoph | Farrenkopf, Michael
Als B. bezeichnet man alle bei der untertägigen Gewinnung mineralischer Rohstoffe zur Erhellung der Grubenräume eingesetzten künstlichen Lichtspender. Als Sammelbezeichnung für B. hat sich der dt. Begriff des bergmännischen »Geleuchts« verbreitet [1]. Im Vergleich zu anderen Feldern der Bergbautechnik wurden während der Nz. zwar, abhängend von Bergbausparten und Montanregionen, viele Formen der B. ausgebildet. Konstruktion, Funktion und Brennmaterial basierten jedoch bis ins 18. Jh. auf Grundlagen, die sich z. T. schon im prä…

Bergmannsstand

(2,089 words)

Author(s): Laufer, Johannes | Küpper-Eichas, Claudia
1. Definition und Zugehörigkeit Der B. konstituierte sich als soziale Gruppe im Kontext der mitteleurop. Ständegesellschaften. Demnach bestimmten in erster Linie ethisch-normative Merkmale der sozialen Herkunft über die Zugehörigkeit zum B. und damit über die Lebenschancen, also das berufliche Fortkommen und die soziale Sicherung der Standesmitglieder. Die Wurzeln des B. gehen auf die Bergbaubruderschaften des späten MA zurück. In diesem Umfeld kollektiver Autonomie prägten sich berufsständische Ge…

Bergordnung

(642 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
Die mitteleurop. B. stellte einen Spezialfall der nzl. Polizeiordnung zur Regelung von Rechtsfragen des Bergbaus dar ( Montanwesen), insbes. von Eisen-, Edelmetall- und Salzbergbaubezirken, und bildete daher einen Teil des Bergrechts. Vorläufer lassen sich bis auf das Trienter Bergrecht von 1185 zurückverfolgen. Nach einer älteren privilegienrechtlich gestalteten Phase gibt es Hunderte von Beispielen von B. aus dem 15. bis 18. Jh.; das 19. Jh. brachte den Übergang zu inhaltlichen und geographisch umfassenderen…

Bergrecht

(2,180 words)

Author(s): Westermann, Angelika
1. Definition und Entwicklung Unter B. versteht man jenen Normverbund, welcher die Rechte und Pflichten des Bergregal-Inhabers, der Gewerken (Anteilseigner von Bergwerken und Hütten) und aller Personen definierte, die durch ihre Arbeitskraft am Berg- und Hüttenwesen einer Montanregion beteiligt waren ( Montanwesen). Das B. traf Regelungen einerseits über das Verhältnis zwischen Grundeigentümer und Regalherrn (die Verleihung von Gruben und ihren Betrieb oder die an den Regalherrn zu leistenden Abgaben und dessen Rechte an den erzeugte…
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