Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Bank

(1,248 words)

Author(s): North, Michael
1. Frühe Neuzeit Der Begriff B. geht auf mittellat. bancus zurück, womit der Tisch der Geldwechsler ( bancherii) bezeichnet wurde. Als wesentliche Merkmale der Banktätigkeit gelten die Gewährung von Kredit (mit Hilfe von Eigen- und Anlagekapital), die Zahlung im Auftrag von Gläubigern sowie der Geldwechsel. Erst im Lauf des SpätMA bildeten sich in Italien verschiedene Kategorien des Bankbetriebes heraus: internationale Kaufleute-Bankiers, lokale Wechsler und Bankiers sowie Pfandleiher (Wirtschaftsbürgertum). Hieraus entwickelten sich Institutionen wie öffent…

Bänkelsang

(778 words)

Author(s): Tschopp, Silvia Serena
Der erstmals 1730 bei Johann Christoph Gottsched begegnende Begriff »Bänkelsänger« verweist auf eine sich seit dem frühen 17. Jh. in Europa ausbreitende, im 19. Jh. zur Blüte gelangende und in einigen europ. Ländern wie beispielsweise Italien [03] bis heute praktizierte Form des öffentlichen Liedvortrags. Der Begriff ist abgeleitet von der kleinen Bank, auf die sich die Straßensänger bei ihren Auftritten auf Jahrmärkten und Messen, in Wirtshäusern und vor Kirchen stellten, um vom Publikum besser gesehen und gehört zu werden. Als »populäres Gesamtkunstwerk« [01. 9] integriert…

Bankier

(12 words)

s. Bank | Wirtschaftsbürgertum

Banknote

(677 words)

Author(s): North, Michael
B. in Form von Zetteln oder Bankzetteln stellten in der Nz. kein Zahlungsmittel dar, sondern nur ein Zahlungsversprechen derjenigen Bank, die sie in Verkehr gebracht hatte. Sie wurden um die Mitte des 17. Jh.s populär, als die Londoner Goldschmiede erstmals ein breites Angebot moderner Bankdienstleistungen offerierten. Kaufleute und adlige Grundbesitzer unterhielten beim Goldschmied ein Konto, das sie sowohl für Überziehungskredite als auch für Überweisungen nutzten. Die sog. goldsmith bankers diskontierten Wechsel, Schuldscheine und Staatspapiere (Diskont), i…

Bankrott

(12 words)

s. Konkurs | Staatsbankrott

Bann

(966 words)

Author(s): Simon, Thomas
B. ist ein Wort mit zahlreichen kirchlichen und weltlichen Bedeutungsvarianten; hier werden diejenigen außerhalb des Kirchenbanns behandelt. Das Wort bedeutet im Kern ganz allgemein Befehl und Gebot. Der B. war ein bußenbewehrtes Gebot: Bei Nichtbefolgung wurde die B.-Buße – häufig gleichfalls nur als B. bezeichnet – fällig. 1. Mittelalter Der B. als herrschaftlicher Befehl tritt in den Quellen des frühen MA zunächst als Königs-B. in Erscheinung, auf den sich die ältere Forschung konzentrierte [4. 121]. Struktur und Gehalt feudaler Herrschaft unterhalb des Königtums w…

Bannmeile

(908 words)

Author(s): Kießling, Rolf
Unter B. wird ein Gebiet um eine Stadt verstanden, in dem Handel oder Gewerbe verboten bzw. durch Vorschrift geregelt waren. Gegenüber einem europaweit verbreiteten Stapelrecht bezog sich die B. in Frankreich und Deutschland v. a. auf die Sicherstellung der eigenen Versorgung; das Institut der B. erlebte seinen Höhepunkt vom 15. bis zum 17. Jh., um dann im Zuge des territorialen Merkantilismus an Bedeutung zu verlieren. Seit dem SpätMA bezog sich B. zunehmend auf die Ausübung der Markthoheit bzw. die Zulassung zu gewerblichen Tätigkeiten und die Einhaltung von Markt…

Baptisten

(1,215 words)

Author(s): Geldbach, Erich
1. England Der Baptismus entstand unter engl. Glaubensflüchtlingen, die sich dem kongregationalistischen Verfassungsmodell des Puritaners Robert Browne (1550–1633) angeschlossen hatten und aufgrund ihrer von der Kirche von England (Anglikanismus) abweichenden, »nonkonformistischen« Haltung 1607 nach Holland ausgewichen waren. Hier begegneten sie Mennoniten (Täufer), unter deren Einfluss sie die Glaubenstaufe einführten. 1609 taufte der Anführer John Smyth sich selbst (was er später bereute) und die ca. vierzig Mitglieder seiner Gemeinde. Durch R…

Barbar

(1,858 words)

Author(s): Grünberger, Hans | Walther, Gerrit
1. Begriff Der schon bei Homer verwendete Begriff wurde seit dem 14. Jh. zu einem zentralen Schlagwort europ. Kulturkritik. Polemisch bezeichnete er jeden, der die Werte, Forderungen und Vertreter humanistischer Bildung ignorierte oder gar aktiv bekämpfte (Humanismus), bzw. jeden, dessen soziale Machtansprüche nicht durch eine entsprechende Aufgeschlossenheit für nzl. Kultur und für urbane Formen gesellschaftlichen Umgangs legitimiert schienen. Besondere polemische Kraft erhielt der Vorwurf, ein B…

Barbier

(10 words)

s. Bader

Barchent

(1,056 words)

Author(s): Kießling, Rolf
B. (von arab. barrakàn: »mantelartiges Gewand«), auch Fustein (von mittellat. fustaneus/lat. fustis: »Stecken«; »Baum« oder von arab. fustan: »Gewand«) ist ein Mischgewebe aus Leinen (Kette) und Baumwolle (Durchschuss), das in verschiedenen Mustern und Feinheiten ausgefertigt und meist der Leinenweberei (Leinengewerbe) zugerechnet wurde. Spezielle Bezeichnungen für B. waren Sarrock, Sartuch (Köln); Schürlitz (Basel). Schwer abzugrenzen ist B. gegenüber dem Bom(b)asin, der vom 16. bis ins frühe 19. Jh. als gesonderte Textilsorte gefertigt wurde, währe…

Bardendichtung

(781 words)

Author(s): Kohl, Katrin
Die B. der Nz. versteht sich als Teil einer Tradition, die ihren Ursprung in der Dichtung keltischer Hofsänger (altirisch: baird; walisisch: bardd) hat. Der Begriff wird v. a. für dt. Dichtung um 1765–1775 verwendet, die in zumeist epischen und lyrischen Formen diese als »altgermanisch« verstandene Dichtung zu beleben suchte. In der B. verwirklichten sich kulturnationale Bestrebungen, die den großen Dichtern der Antike eine ebenbürtige nordische Kultur gegenüberzustellen suchten. Im dt.-sprachigen Raum wurden in dieser Zeit zwei Komplexe identit…

Barmherzigkeit

(12 words)

s. Diakonie | Nächstenliebe

Barock

(6,965 words)

Author(s): Pfisterer, Ulrich | Niefanger, Dirk | Küster, Konrad
1. Einleitung Der Begriff des B. dient zur Bezeichnung einer Teilepoche innerhalb der Nz., die in ihren spezifischen ästhetischen und kulturellen Merkmalen in den Bereichen Kunst, Literatur und Musik auf wiss. Vereinbarungen beruht. Der B.-Begriff ist folglich keine aus der Epoche gewonnene Bezeichnung (wie z. B. Renaissance, Aufklärung oder Romantik), sondern eine nachträglich im Bereich der Wissenschaft entstandene zeitliche und inhaltliche Konstruktion, um Werke der Kunst, Literatur und Musik und ihre spezifischen Gestaltungen im…

Barockarchitektur

(2,421 words)

Author(s): Hoppe, Stephan
1. Definition Die Bedeutung des Begriffes Barockarchitektur ist sowohl i. Allg. als auch im wiss. Gebrauch nicht eindeutig. Er kann sich zum einen auf die in der Epoche des Barock (etwa zwischen 1580/1600 und 1770) entstandene Architektur beziehen. In dieser Perspektive umfasst er stilistisch unterschiedliche Bauten, die neben dem Barock auch Phänomene der Nachgotik, Barockgotik, des Palladianismus (etwa bei Inigo Jones, Jakob van Campen), des franz. Klassizismus und Rokoko mit einbeziehen. Stärker stilgeschichtlich ausgerichtet bezieht sich der Begriff B. v. a. a…

Barockgelehrsamkeit

(10 words)

s. Polyhistor

Barockgotik

(861 words)

Author(s): Fürst, Ulrich
1. Begriff Die B. ist ein Phänomen der europ. Baukunst des 17. und 18. Jh.s, insbes. der Sakralarchitektur, das auch mit den missverständlichen Termini Nachgotik oder Neugotik bezeichnet wird. Von der Sache her ist sie ein quantitativer wie qualitativer Höhepunkt einer umfassenderen Richtung, die am treffendsten mit »Gotik im Vitruvianismus« umschrieben werden kann: die absichtliche Verwendung von Bautypen, Grundelementen und Gestaltungsweisen der gotischen Architektur in Renaissance und Barock, vielfach in Vermischung mit dem vom vitruvian…

Barrikade

(2,006 words)

Author(s): Reichardt, Rolf
1. Entstehung und Verbreitung Von Anfang an fungierten B. als extremes Mittel volksnaher innenpolitischer Oppositionsbewegungen gegen militärische Zwangsmaßnahmen der Obrigkeit. Die Sache und der Name B. entstanden im Frankreich des späten 16. Jh.s: Als die katholische Liga am 12. 5. 1588 in Paris die Gefangennahme ihres Führers Charles de Guise durch Truppen Heinrichs III. verhinderte, indem sie die feindlichen Reiter zwischen Straßensperren aus Eisenketten, Fässern und Pflastersteinen einkesseln ließ, ging dieser Tag als erste journée des barricades (»B.-Tag«) in d…

Bastard

(10 words)

s. Unehelichkeit

Bastille

(2,290 words)

Author(s): Reichardt, Rolf
1. Absolutistisches Staatsgefängnis und politischer Mythos Das franz. Wort B. bezeichnete ursprünglich jede Festung, die aus einem Kranz mehrerer Türme mit Zwischenmauern bestand – so auch die von 1370 bis 1382 erbaute Pariser B. Zu einem bedeutungsvollen, besonderen Namen und Schlagwort wurde dieser allgemeine Terminus erst dadurch, dass die B. im Pariser Faubourg Saint-Antoine seit Richelieu (ca. 1627) kaum noch dem Schutz der Stadt, sondern als Staatsgefängnis (Gefängnis) diente, in dem die Regierung kraft königlicher Siegelbriefe ( lettres de cachet) nach Gutdünken jed…
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