Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Hammerwerk

(10 words)

s. Hammer

Handel

(7,674 words)

Author(s): Denzel, Markus A. | Pfister, Ulrich
1. Begriff H. bezeichnet die gehäufte, systematische Übertragung von Verfügungsrechten bzw. von Eigentum an Gütern, in der Regel unter Nutzung von Geld (Geldwirtschaft). H. kann, muss aber nicht institutionell in einen Markt eingebunden sein. Zwar dominierte vor 1850 in den europ. und außereurop. Wirtschaften die Subsistenzwirtschaft (d. h., dass die Produktion landwirtschaftlicher und gewerblicher Güter für den Eigenbedarf im Rahmen der Hauswirtschaft gegenüber der Produktion und Vermarktung gehandelter Güter überwog); dennoch nahm das …

Handelsbörse

(665 words)

Author(s): Denzel, Markus A.
Die H. ist die ursprüngliche Form und Funktion der Börse. Man handelte hier seit dem frühen 15. Jh. ohne Besichtigung mit fungiblen Gütern wie Getreide, Kaffee, Zucker oder Gewürzen, aber auch mit Wechseln und Wertpapieren aller Art. Börsenveranstaltungen finden – anders als etwa Messen – in der Regel ganzjährig statt und sind zeitlich und räumlich konzentriert, d. h. die teilnehmenden Kaufleute, die vielfach bestimmten Statuten unterliegen, versammeln sich zu bestimmten Zeiten an einem bestimmten Ort. Nach dem Schwerpunkt ihrer Handelstätigkeit ist zwischen Wechsel-…

Handelsbücher

(1,271 words)

Author(s): Denzel, Markus A.
1. Gattungsgeschichte und Typen H. zählen zu den wichtigsten Quellen für die Geschichte des Handels. Seit der im Italien des 12./13. Jh.s einsetzenden Kommerziellen Revolution sind zwei Hauptgattungen zu unterscheiden. (1) Mit der Herausbildung einer wie auch immer gearteten Buchführung entstanden Geschäftsbücher im engeren Sinne, die erfolgte kaufmännische Transaktionen (einschließlich der damit im Zusammenhang stehenden Korrespondenz) dokumentierten. Im Laufe der Jahrhunderte und v. a. im Zuge der Durchsetzung der doppelten Buchfü…

Handelsbürgertum

(10 words)

s. Wirtschaftsbürgertum

Handelsdiaspora

(10 words)

s. Kaufmannsdiaspora

Handelsfreiheit

(924 words)

Author(s): Pahlow, Louis
1. Begriff Der Begriff der H. wird heute meist im Zusammenhang mit der Gewerbefreiheit genannt (Gewerbepolitik). Der H. kam aber im 18. und 19. Jh. eigenständige Bedeutung zu: Sie umschrieb in Europa sowohl die tradierten Rechte der Kaufleute als auch die liberale und vorliberale Auffassung der Freiheit im Binnen- und Außenhandel. 2. Absolutistisch-merkantilistischer Staat Obwohl die Forderung nach H. bereits in den politischen Schriften des 16. und 17. Jh.s zu finden war, entwickelte sich die H. erst im 18. Jh. zum Freiheitsrecht. Der absolutisti…

Handelsgesellschaft

(1,426 words)

Author(s): Denzel, Markus A. | Pfister, Ulrich
1. Grundlagen Im modernen Handelsrecht ist eine offene H. ein Zusammenschluss von zwei oder mehr natürlichen bzw. juristischen Personen zur Betreibung eines Handelsgewerbes unter einer gemeinsamen Firma. H. in diesem Sinn waren seit dem Ausgang des MA verbreitet. Allerdings finden sich Vertragsvarianten dergestalt, dass zwischen reinen Kapitalgebern, die meist nur mit ihrer Einlage hafteten, und voll haftenden Kapitalführern unterschieden wird oder dass die Rechte und Pflichten der aktiven Gesch…

Handelsimperium

(845 words)

Author(s): Häberlein, Mark
In der histor. Forschung werden die Begriffe H. bzw. Handelsreich (engl. empire of trade, merchant empire) für das SpätMA und die Nz. (14.–18. Jh.) v. a. auf den Mittelmeerraum (Mediterrane Welt) und den Indischen Ozean bezogen [1]; [5]; [6]. Als Prototypen gelten die H. der Republiken Genua und Venedig im Mittelmeer sowie die asiat. Handelsreiche Portugals im 16. Jh. und der nord- und westeurop. Ostindischen Kompanien im 17. und 18. Jh. In diesen H. trat die direkte Kolonialherrschaft (Kolonialismus) und die Errichtung von Siedlungskolonien gegenüber der kommerziellen Ersc…

Handelskapitalismus

(944 words)

Author(s): Köster, Roman
1. Begriff Der Begriff H. stammt ursprünglich aus dem marxistischen Diskussionskontext, wenn auch Karl Marx den Terminus Kapitalismus selbst noch nicht verwendete [3. 442–443]. Er leitet sich aus der Gegenüberstellung von Handelskapital und Industriekapital ab. Das Handelskapital (oder auch Kaufmannskapital) erscheint bei Marx als »älteste freie Existenzweise des Kapitals« [2. 337], dessen Funktion ausschließlich darin bestand, den Warenaustausch zu vermitteln. In diesem Sinne kann der H. als ein zeitlich zwischen 1500 und 1800 anzusiedelndes Ü…

Handelskolonie

(12 words)

s. Faktorei | Handelsimperium

Handelskompanie

(10 words)

s. Handelsgesellschaft

Handelskonjunktur

(909 words)

Author(s): Denzel, Markus A. | Pfister, Ulrich
1. Begriffsgeschichte H. bezeichnet sowohl kurzfristige als auch langfristige Schwankungen des Geschäftsvolumens einzelner Märkte bzw. des Handelsvolumens zwischen Märkten, und zwar sowohl auf Güter wie auch auf Finanzinstrumente bezogen. Die vorindustrielle Zeit galt und gilt Ökonomen vielfach als eine »Vorgeschichte der Konjunkturbewegungen« (vgl. Gewerbliche Konjunktur) [2. 134]. Diese wurde mindestens bis in die 1950er Jahre hinein als »eine Geschichte von Krisen gekennzeichnet, die nach verbreiteter Auffassung – meist als Handelskrisen – auf einer vorkapit…

Handelskorrespondenz

(617 words)

Author(s): Denzel, Markus A.
Als im 12. und 13. Jh. im Gefolge der Kommerziellen Revolution die Wirtschafts- und Handels-Tätigkeit stark anstieg, die Geldwirtschaft sich (wieder) allgemein durchzusetzen begann und neue Techniken im Handel und Zahlungsverkehr entwickelt wurden (vgl. Wechsel), stieg das Bedürfnis nach Kommunikation unter den Kaufleuten erheblich an. Allerdings kommunizierten sie nun nicht mehr in erster Linie mündlich anlässlich persönlicher Begegnungen; mit der Herausbildung des sesshaften Kontor-Kaufmanns während der Kommerziellen Revolution …

Handelsmünze

(814 words)

Author(s): Schneider, Konrad
Grundsätzlich konnte jede Münze zur H. werden, wenn sie außerhalb ihres vorgegebenen Geltungsbereichs zum unverzichtbaren Bestandteil des Zahlungsverkehrs im (Fern-)Handel wurde. H. mussten jedoch in ihren Herkunftsländern nicht unbedingt gesetzliche Zahlungsmittel sein. Einige H. wurden allerdings schon aus dieser Erkenntnis heraus ausschließlich für den Fernhandel geschaffen. Wichtige Anforderungen waren gleichbleibende Qualität und auch ein gleichbleibendes Münzbild zur Identifikation. Die Beliebtheit einer H…

Handelsnetzwerke, globale

(13 words)

s. Kaufmannsdiaspora

Handelsräume

(6,336 words)

Author(s): Häberlein, Mark | Klooster, Willem | Prankel, Dieter | Beck, Thomas
1. Einleitung 1.1. Europa der Frühen Neuzeit Am Beginn der Nz. stellte Europa noch keinen einheitlichen H. dar; vielmehr lassen sich mehrere Regionen kommerzieller Interaktion identifizieren, die sich hinsichtlich ihrer Bevölkerungsdichte, ihres Urbanisierungsgrades und der Intensität der wirtschaftlichen Austauschprozesse stark unterschieden. Aufgrund der technischen und politischen Probleme des Überlandhandels (Straßenverhältnisse, Zoll-Schranken) bildeten sich Räume intensiven kommerziellen Austausc…

Handelsrecht

(2,062 words)

Author(s): Pahlow, Louis
1. Definition Das H. (lat. ius mercatorum) als Teil des Privatrechts umfasst in der Nz. das gesamte Recht des Kaufmannsstandes. Die Regeln über die Berufsorganisationen der Kaufleute, deren Privilegien, die Handelsgerichtsbarkeit und das Konkurs-Recht gehören ebenso zum H. wie das Handelspolizeirecht oder das Handelsvölkerrecht. Im Vordergrund der europ. Entwicklung des H. steht allerdings das Handelsprivatrecht, also z. B. das Wechsel-Recht, das Gesellschaftsrecht oder das Versicherungsrecht. 2. Das 16. und 17. Jahrhundert Um 1500 war das H. kein einheitliches o…

Handelsrouten, Handelsstraßen, globale

(17 words)

s. Karawanenhandel | Seehandelsrouten

Handelsstadt

(711 words)

Author(s): Keller, Katrin
Der Begriff H. bezeichnet einen Stadttyp, der vorrangig aufgrund wirtschaftlicher Funktionen definiert wird. Zwar gehört die Funktion als Markt für den regionalen Nahbereich und damit eine zumindest lokal wichtige Rolle im Verkehrsnetz zu den grundlegenden Charakteristika jeder Stadt. Im Falle von H. aber reicht die Relevanz der Einbeziehung in Fernhandels-Verbindungen weit über diese Basisfunktion als Nahmarkt hinaus. Von erheblicher Bedeutung für die Entwicklung einer Stadt zur H. war ihre Verkehrslage an wichtigen Handelsstraßen oder als …

Handelsusancen

(692 words)

Author(s): Denzel, Markus A.
H. (von ital. usanza oder uso, »Brauch«, »Gepflogenheit«) sind gewohnheitsrechtliche Übereinkommen oder Handelsbräuche zwischen Kaufleuten, die verschiedene Teilbereiche von Handels-Geschäften betreffen. Sie waren seit dem hohen MA aus unterschiedlichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten heraus entstanden und wurden traditionellerweise beibehalten, so z. B. die Art, wie Weizenpreise notiert wurden. An einzelnen Handelsplätzen (Messen oder Städten) gab es – bisweilen erheblich – unterschiedliche H.; für einen Kaufmann war es unabdingbar notwen…

Handelsvertrag

(1,280 words)

Author(s): Denzel, Markus A. | Beck, Thomas
Ein H. ist eine langfristige und umfassende oder eine kurzfristige (Handelsabkommen) vertragliche Vereinbarung über die Außenhandels-Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Städten, Ländern oder Territorien. 1. Europa Seit dem MA wurde der grenzüberschreitende Warenverkehr durch H. geregelt, wobei insbes. zollrechtliche Aspekte eine zentrale Rolle spielten. Darüber hinaus wurde in H. auch die Rechtsstellung der beteiligten Kaufleute, v. a. in der Fremde, behandelt, d. h. ihre Niederlassungsfreiheit in der Fremde, ihr Rechtsschutz bzw. ihre besond…

Handgeräte, landwirtschaftliche

(826 words)

Author(s): Meiners, Uwe
Bis zur Mechanisierung der Landwirtschaft, die in Mitteleuropa ab der Mitte des 19. Jh.s einsetzte, wurde der bäuerliche Arbeitseinsatz auf Feld und Hof durch die Verwendung von H. bestimmt. Mit Ausnahme der Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Walzen), bei der man überwiegend auf tierische Anspannung (Pferde; Rinder; Esel) zurückgriff, wurden das bäuerliche Hauswesen und Tagewerk [3] in der Frühen Nz. von Hand, ohne den Einsatz von Maschinen, ohne Windenergie oder Wasserkraft bewerkstelligt. Letztere waren zwar seit dem HochMA aus der Mühlen-Techno…

Handschriften

(926 words)

Author(s): Stein, Elisabeth
1. Wiederentdeckung antiker Texte Die intensive Beschäftigung mit (lat. und griech.) H. als materialen Zeugen der antiken Geistes- und Kulturgeschichte gilt als ein spezifisches Wesensmerkmal des Humanismus, der im 14. Jh. von Italien ausgehenden, sich europaweit bis zum 16. Jh. ausbreitenden elitären Bildungsbewegung [2]; [7]. Klösterliche Skriptorien hatten im MA hauptsächlich zu Erziehungs- und Bildungszwecken für eine weitgehend kontinuierliche Tradierung und Pflege antiker und ma. Texte Sorge getragen. An die Stelle eines vornehmli…

Handschriftenkunde

(9 words)

s. Handschriften

Handwerk

(9,170 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Begriff und Definition Grimms Deutsches Wörterbuch definiert H. (lat. opificium bzw. ars manuaria) als »händewerk«, das mit der Hand vollbrachte Werk ( opus manu factum), und bezeichnet damit im engeren Sinne »ein dauernd betriebenes Gewerbe«, zu dessen Ausführung im Unterschied zur Kunst und zur niedrigen Handarbeit vorzügliche manuelle Geschicklichkeit ( ars mechanica) erforderlich sei (Bd. 10, 424). H. sei – so Johann Beckmann 1777 – aber auch die Kunst, die rohen oder schon bearbeiteten Naturalien zu verarbeiten (»Anleitung zur Technologie«, 3). …

Handwerker

(1,074 words)

Author(s): Schultz, Helga
1. Das städtische Zunfthandwerk Das zünftige Handwerk war die tragende Schicht städtischen Lebens. Ihm gehörten mehr als ein Drittel, in den gewerbereichen engl., holländ. oder schweizer. Städten sogar mehr als die Hälfte der Stadtbewohner und die übergroße Mehrheit der vollberechtigten Bürger an. Selbst wo die Manufaktur blühte, wie im Paris Colberts (1665–1683) oder im Berlin Friedrichs II. (1740–1786), übertrafen die Zunft-Meister und Gesellen die Arbeiter zahlenmäßig. Der Meisterhaushalt entsprach weithin dem von Otto Brunner beschriebenen patriarchalischen So…

Hanse

(1,658 words)

Author(s): Hammel-Kiesow, Rolf
1. Spätmittelalter Die H. war ein Zusammenschluss niederdt. Kaufleute und Städte zu einer Handelsgesellschaft, die zwischen der Mitte des 12. Jh.s (sog. frühhansische Zeit) und dem Ende des 17. Jh.s Fernhandel im nördl. Europa betrieb und ihn etwa 1300–1500 dominierte. Die H. umfasste im 15. Jh. rund 70 aktiv an den ihren Unternehmungen teilnehmende Städte und rund 130 weitere von diesen vertretene kleinere Städte, die zwischen Zaltbommel an der Rheinmündung im Westen und Dorpat ( Tartu/Estland) im Osten sowie zwischen Visby auf Gotland im Norden und der Linie Köln–Bresl…

Hansestadt

(10 words)

s. Hanse

Harem

(1,567 words)

Author(s): Faroqhi, Suraiya
1. Harem und Selamlık Der aus dem Arabischen stammende Ausdruck H. bezeichnet einen bes. geschützten Ort, an dem ein Mann mit seiner Familie lebt und der für männliche Besucher unzugänglich ist. Diese wurden/werden in einem osman.-türk. selamlık genannten speziellen Bereich, Besucherinnen (in Abwesenheit der männlichen Bewohner) im H. selbst empfangen. Im 18. Jh. galt der H. einer hochrangigen Familie als der spezielle Bereich der Ehefrau(en); es gehörte zum guten Ton, dass ein Ehemann ihn nicht gegen ihren Wunsch betrat. Auch war die bauliche Trennung von H. und selamlık, wie si…

Häresie

(1,788 words)

Author(s): Walter, Peter | Leppin, Volker
1. Begriff H. (von griech. haíresis, »Schule«, »Lehrmeinung«, »Parteiung«) bezeichnet eine gravierende Abweichung im Glauben (»Irrlehre«), die den Ausschluss aus der Kirche zur Folge hat ( Exkommunikation). Das im Deutschen synonyme Wort »Ketzerei« leitet sich von der Bezeichnung für die ma. Massenbewegung der »Katharer« (griech. katharoí, »die Reinen«) ab, die im 12. Jh. eine Gegenkirche bildeten und mit allen Mitteln verfolgt wurden. Von der H. als Verletzung der Integrität des Glaubens durch Einzelne oder Gruppen sind die Apostasie (griech. apostasía) als »Abfall« vom …

Harmonie

(820 words)

Author(s): Daniel, Thomas
Seinem ursprgl. allgemeinen Sinn nach bedeutet das griech. Wort harmonía die Verbindung oder Vereinigung von Verschiedenem, aber auch »Einklang«, »Eintracht« oder »Ebenmaß«. H. betrifft die gesamte Welt vom Kosmos (»Sphären-H.«) bis zur menschlichen Existenz (H. von Leib und Seele). In den Künsten gilt der H.-Begriff insbes. dem Ebenmaß und der Ausgewogenheit zwischen den Teilen eines Ganzen. Bereits in der Antike ( Pythagoras, Plato, Aristoteles) wurde die Zahl zum Ausdruck von H., nicht nur für den Kosmos, sondern auch für den künstlerischen Schaffensproze…

Harmoniemusik

(882 words)

Author(s): Hofer, Achim
H. (oder Harmonie) bezeichnet primär mitteleurop. Bläserensembles und ihre Musik in der Zeit von um 1770 bis um 1810, entweder als Sextett (je zwei Oboen bzw. Klarinetten, Hörner und Fagotte) oder als »klassisches« Bläseroktett mit allen vier Instrumentenpaaren, das 1782 mit der Einrichtung der »Kaiserlichen Harmonie« in Wien durch Joseph II. richtungsweisend wurde. Lokale Besetzungsvarianten wie z. B. der Gebrauch von Englischhörnern statt Klarinetten waren verbreitet. Mozarts Wahl der Instrumente in seiner als Gran Partitta überlieferten Serenade KV 361 (wohl um 17…

Harmonie- und Satzlehre

(2,103 words)

Author(s): Daniel, Thomas
1. Definition In der Musiktheorie gehören H. U. S. zu den zentralen Disziplinen. Sie dienen als »Lehren« einem vertieften Verständnis der »Klassischen Musik« und kommen daher v. a. in der musikalischen Fachausbildung zum Tragen. Die im 18. Jh. einsetzende Harmonielehre (H.) hat den Aufbau und die Bedeutung der Akkorde in der dur-moll-tonalen Musik zum Gegenstand, die Satzlehre (S.) seit dem Beginn der Nz. ( Tinctoris 1477) die mehrstimmige Verbindung der Intervalle im Tonsatz. Während sich also die H. primär auf die kognitive Ebene der Analyse konzentr…

Hasidismus

(2,345 words)

Author(s): Galley, Susanne
1. Definition Der Begriff H. bzw. Chas(s)idismus (von hebr. hasid, »Frommer«) bezeichnet mehrere mystische Strömungen innerhalb des Judentums. Als deren erste gilt die Richtung der Haside Aschkenas (»Die Frommen von Aschkenas«, 12./13. Jh., Deutschland; Aschkenasim). Der Ehrenname hasidim (griech. asidaíoi, »Fromme«) wurde jedoch bereits von einer Gruppierung der Makkabäerzeit (2. Jh. v. d. Z.) genutzt, die sich in ihrem Eifer für die »väterlichen Traditionen« (d. h. die Tora) von ihren Zeitgenossen, die sich griech. Lebens- und Den…

Haskala

(1,866 words)

Author(s): Haußig, Hans-Michael
1. Begriff Unter dem Begriff haskālā (hebr. »Einsicht haben«, »Klugmachen«, »Belehren«; von sekel, »Einsicht«, »Verstand«) versteht man das jüd. Pendant zur allgemeinen Aufklärungs-Bewegung im nzl. Europa; ihre Anhänger bezeichnet man als maskilim. Beide Begriffe sind jedoch erst in der philosophischen Literatur des ausgehenden MA bezeugt, so etwa in Josef Albos (1380–1444) sefer ha-iqqarīm (»Buch der Grundlehren«), wo H. die Bedeutung »Erkenntnis« besitzt. Insofern liegt H. in seiner Grundbedeutung dem dt. Begriff »Aufklärung« vielleicht viel nä…

Hass

(10 words)

s. Gefühl

Hauptstadt

(959 words)

Author(s): Eibach, Joachim
1. Funktionen und Entstehung Die H. – im Verfassungsstaat der Moderne Sitz des Staatsoberhaupts, der Regierung und des Parlaments -- war in der vorkonstitutionellen Epoche der Nz. meistens der Ort der dauerhaften Residenz des Fürsten, in jedem Fall aber der zentralen Regierungsfunktionen. Neben dieser politischen Funktion ist eine »echte H.«, die auch Metropole des Landes ist, ein wirtschaftliches Zentrum und übt hohe kulturelle Integrationskraft aus [1. 2 f.]. Wenn der politische und der wirtschaftlich-kulturelle Aspekt auseinanderfallen, treten »heimliche H.…

Hausbrand

(781 words)

Author(s): Heuser, Peter Arnold
Der Begriff H. bezeichnet im engeren Sinne die private häusliche Nutzung thermischer Energie-Träger zum Kochen und Heizen, im weiteren Sinne auch das Schadensfeuer, das ein Haus zerstört, sowie selbstgebrannten Schnaps. Im ma. und nzl. Europa war Holz der meistgenutzte Brennstoff für Herd und Ofen. Während sich zur Versorgung großer Städte und Gewerbezentren mit Bauholz ein weiträumiger Holzhandel entwickelte, der Binnengewässer (Flößerei) und das Meer (Hochseeschifffahrt) als Transportwege bevorzugte, erfolgte die Brennholzversorg…

Hausfrau

(897 words)

Author(s): Ulbrich, Claudia | Lehmann, Frank
Der Begriff H. bezieht sich auf das Haus bzw. den Haushalt als die in den europ. Ländern zentrale Einheit gesellschaftlichen Lebens. In frühnzl. Quellen wird H. meist synonym zu Hausmutter gebraucht. H. bezeichnet entweder (bei Betonung des Familienstands) die Ehefrau (Ehe) oder (bei Betonung der wirtschaftlichen Aufgaben) die Vorsteherin eines Haushalts, die als Hausmutter im Rahmen der Hausherrschaft vielfältige Pflichten und Rechte hatte; sie konnte durch eine bürgerliche Hausjungfer oder ein adliges Hausfräulein vertreten werden. Seit dem sp…

Haus, ganzes

(883 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriff und Konzept Die Wortverbindung G. H. geht als wiss. Begriff auf den Kulturwissenschaftler und konservativen Sozialkritiker W. H. Riehl (1823–1897) zurück [10. 164]. Riehl interpretierte die aus zwei Generationen bestehende Kernfamilie als Verfallserscheinung der modernen Zivilisation und grenzte sie von dem älteren Begriff des Hauses (franz. maisonnée, ital . casa) ab, in dem nicht nur mehrere Generationen von Blutsverwandten, sondern auch Gesinde und andere Inwohner unter der Leitung eines Hausvaters zusammen gelebt und gewirtschaf…

Hausgesetze

(662 words)

Author(s): Kalwoda, Johannes
H. waren Anordnungen hochadeliger, in Deutschland ursprünglich reichsständischer Familien, die sie aufgrund des genossenschaftlichen Charakters der Familie (Haus, ganzes) autonom trafen, was in der Nz. als Ausfluss ihres Gesetzgebungs-Rechts galt. H. regelten Fragen des Familien- und Erbrechts und damit der Regierung und Thronfolge. Im Verfassungsstaat des 19. Jh.s zählten sie zum Verfassungsrecht oder fanden zumindest teilweise in Verfassungen einzelner Staaten Eingang. In der Habsburgermonarchie verwiesen die Verfassungen ab 1848 für die Th…

Haushalt

(2,167 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriffsgeschichte Der dt. Begriff H. (vgl. engl. household, franz. ménage) ist erst seit dem 16. Jh. als Substantivierung der Wortverbindung »Haus halten« gängig [4]; etwas früher belegt ist die den verbalen Aspekt stärker betonende »Haushaltung«. Beide wurden bis ins 19. Jh. parallel und im Wesentlichen bedeutungsgleich verwendet. Dabei stand zunächst die Tätigkeit der »führung eines hauswesens« [4] im Vordergrund oder – wie es in Krünitz' Enzyklopädie heißt, die nur »Haushaltung« als Lemma hat – die »Regierung einer häuslichen Gesellschaft, mi…

Haushaltstechnik

(2,961 words)

Author(s): Vavra, Elisabeth
1. Allgemein Hausarbeit leistet einen Beitrag zur Erfüllung wichtiger menschlicher Grundbedürfnisse. Umfang und Art der zu tätigenden Arbeiten waren abhängig von der Größe des Haushalts und dem Ausmaß der Marktintegration. Auch städtische Endverbraucher, die ihren Bedarf größtenteils am Markt deckten, wurden von Seiten der Obrigkeit (z. B. durch Steuerbegünstigung) zur Vorratshaltung angehalten [11]; diese war allerdings von der ökonomischen Situation des einzelnen Haushalts abhängig. Auskunft über die im Haushalt durchzuführenden Arbeiten und die dabei ang…

Hausierhandel

(1,262 words)

Author(s): Radeff, Anne | Denzel, Markus A.
1. Allgemein »Der Hausiergewerbebetrieb ist diejenige gewerbliche Betriebsform, wobei der Gewerbetreibende außerhalb seines Wohnsitzes von Ort zu Ort ziehend mitgeführte Waren feilbietet (eigentlicher H.) oder irgendwelche gewerbsmäßige Leistungen anbietet (Scherenschleifer, Kessel- und Pfannenflicker und dergl.), oder Waren aufkauft (Sammeln von Lumpen, Knochen, alt Eisen)« [1]; zitiert nach [11. 101]. Man kann – in der Stadt (Stadthausierer) und auf dem Land – sog. Selbsthausierer (die die Produkte ihres Ackerbaus oder ihres Neben- Gewerbes feilboten) und Fremd…

Hausindustrie

(10 words)

s. Protoindustrialisierung

Hauslehrer/in

(10 words)

s. Lehrer/in

Häusler

(983 words)

Author(s): Grüne, Niels
1. Kernmerkmale und Begriffsvarianten Als jüngste Nachsiedlerschicht (vgl. Siedlung) der frühnzl. ländlichen Gesellschaft bildeten die H. seit dem ausgehenden 15. Jh. jene Gruppe, die zwar zu Hauseigentum gelangte, außer einem Garten jedoch über keine nennenswerten Nutzflächen verfügte, bes. nicht in der Hufen-Flur (vgl. Agrarverfassung). Nach unten grenzte sie der Gebäudebesitz von den Einliegern ab. Die obere Trennlinie zu den Kleinbauern wurde bisweilen durch Aufstockung der agrarischen Ressourcen mittels Pacht verwischt (s. u. 2.). Der Begriff des H. war nahezu…

Hausmusik

(1,065 words)

Author(s): Busch-Salmen, Gabriele
1. Definition Seit das Haus im SpätMA zu einem umfriedeten Wohn- und Wirkungsort wurde, bot namentlich zu Zeiten streng reglementierter öffentlicher Kunstausübung der Nz. der häusliche Bereich allen sozialen Schichten eine willkommene Möglichkeit zu gleichberechtigendem und exklusivem Musizieren. Mit dem seit Bartholomaeus Gesius' Christliche Hauß und Tisch Musica (Wittenberg, 1605) nachweisbaren Terminus H. wird mithin eine private gesellige Musikpraxis bezeichnet, die es ohne die begriffliche Fixierung längst gab [1]. Das der »Kurzweil« oder der »Gemütsergötzu…

Hausmutter

(892 words)

Author(s): Fuhrich-Grubert, Ursula | Ulbrich, Claudia
1. Begriff und Leitbild Der Begriff H. (Übersetzung von lat. mater familias) fand im frühnzl. Europa im Rahmen normativer Quellen und Literatur primär protest. Prägung Verbreitung (u. a. in Ehe- und Leichenpredigten und der sog. Hausväterliteratur). In allen europ. Ländern war die Rolle der H., komplementär zu der des Hausvaters, aufs engste mit dem Leben und Arbeiten im frühnzl. Haus als dem Zentrum des gesellschaftlichen und kirchlichen Denkens sowie als Herrschafts- wie Wirtschaftssphäre verknüpft. Ihre Tätigkeiten beschränkten sich jedoch keineswegs auf die Haushalts-F…
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