Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Haus, ganzes

(883 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriff und Konzept Die Wortverbindung G. H. geht als wiss. Begriff auf den Kulturwissenschaftler und konservativen Sozialkritiker W. H. Riehl (1823–1897) zurück [10. 164]. Riehl interpretierte die aus zwei Generationen bestehende Kernfamilie als Verfallserscheinung der modernen Zivilisation und grenzte sie von dem älteren Begriff des Hauses (franz. maisonnée, ital . casa) ab, in dem nicht nur mehrere Generationen von Blutsverwandten, sondern auch Gesinde und andere Inwohner unter der Leitung eines Hausvaters zusammen gelebt und gewirtschaf…

Hausgesetze

(662 words)

Author(s): Kalwoda, Johannes
H. waren Anordnungen hochadeliger, in Deutschland ursprünglich reichsständischer Familien, die sie aufgrund des genossenschaftlichen Charakters der Familie (Haus, ganzes) autonom trafen, was in der Nz. als Ausfluss ihres Gesetzgebungs-Rechts galt. H. regelten Fragen des Familien- und Erbrechts und damit der Regierung und Thronfolge. Im Verfassungsstaat des 19. Jh.s zählten sie zum Verfassungsrecht oder fanden zumindest teilweise in Verfassungen einzelner Staaten Eingang. In der Habsburgermonarchie verwiesen die Verfassungen ab 1848 für die Th…

Haushalt

(2,167 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriffsgeschichte Der dt. Begriff H. (vgl. engl. household, franz. ménage) ist erst seit dem 16. Jh. als Substantivierung der Wortverbindung »Haus halten« gängig [4]; etwas früher belegt ist die den verbalen Aspekt stärker betonende »Haushaltung«. Beide wurden bis ins 19. Jh. parallel und im Wesentlichen bedeutungsgleich verwendet. Dabei stand zunächst die Tätigkeit der »führung eines hauswesens« [4] im Vordergrund oder – wie es in Krünitz' Enzyklopädie heißt, die nur »Haushaltung« als Lemma hat – die »Regierung einer häuslichen Gesellschaft, mi…

Haushaltstechnik

(2,961 words)

Author(s): Vavra, Elisabeth
1. Allgemein Hausarbeit leistet einen Beitrag zur Erfüllung wichtiger menschlicher Grundbedürfnisse. Umfang und Art der zu tätigenden Arbeiten waren abhängig von der Größe des Haushalts und dem Ausmaß der Marktintegration. Auch städtische Endverbraucher, die ihren Bedarf größtenteils am Markt deckten, wurden von Seiten der Obrigkeit (z. B. durch Steuerbegünstigung) zur Vorratshaltung angehalten [11]; diese war allerdings von der ökonomischen Situation des einzelnen Haushalts abhängig. Auskunft über die im Haushalt durchzuführenden Arbeiten und die dabei ang…

Hausierhandel

(1,262 words)

Author(s): Radeff, Anne | Denzel, Markus A.
1. Allgemein »Der Hausiergewerbebetrieb ist diejenige gewerbliche Betriebsform, wobei der Gewerbetreibende außerhalb seines Wohnsitzes von Ort zu Ort ziehend mitgeführte Waren feilbietet (eigentlicher H.) oder irgendwelche gewerbsmäßige Leistungen anbietet (Scherenschleifer, Kessel- und Pfannenflicker und dergl.), oder Waren aufkauft (Sammeln von Lumpen, Knochen, alt Eisen)« [1]; zitiert nach [11. 101]. Man kann – in der Stadt (Stadthausierer) und auf dem Land – sog. Selbsthausierer (die die Produkte ihres Ackerbaus oder ihres Neben- Gewerbes feilboten) und Fremd…

Hausindustrie

(10 words)

s. Protoindustrialisierung

Hauslehrer/in

(10 words)

s. Lehrer/in

Häusler

(983 words)

Author(s): Grüne, Niels
1. Kernmerkmale und Begriffsvarianten Als jüngste Nachsiedlerschicht (vgl. Siedlung) der frühnzl. ländlichen Gesellschaft bildeten die H. seit dem ausgehenden 15. Jh. jene Gruppe, die zwar zu Hauseigentum gelangte, außer einem Garten jedoch über keine nennenswerten Nutzflächen verfügte, bes. nicht in der Hufen-Flur (vgl. Agrarverfassung). Nach unten grenzte sie der Gebäudebesitz von den Einliegern ab. Die obere Trennlinie zu den Kleinbauern wurde bisweilen durch Aufstockung der agrarischen Ressourcen mittels Pacht verwischt (s. u. 2.). Der Begriff des H. war nahezu…

Hausmusik

(1,065 words)

Author(s): Busch-Salmen, Gabriele
1. Definition Seit das Haus im SpätMA zu einem umfriedeten Wohn- und Wirkungsort wurde, bot namentlich zu Zeiten streng reglementierter öffentlicher Kunstausübung der Nz. der häusliche Bereich allen sozialen Schichten eine willkommene Möglichkeit zu gleichberechtigendem und exklusivem Musizieren. Mit dem seit Bartholomaeus Gesius' Christliche Hauß und Tisch Musica (Wittenberg, 1605) nachweisbaren Terminus H. wird mithin eine private gesellige Musikpraxis bezeichnet, die es ohne die begriffliche Fixierung längst gab [1]. Das der »Kurzweil« oder der »Gemütsergötzu…

Hausmutter

(892 words)

Author(s): Fuhrich-Grubert, Ursula | Ulbrich, Claudia
1. Begriff und Leitbild Der Begriff H. (Übersetzung von lat. mater familias) fand im frühnzl. Europa im Rahmen normativer Quellen und Literatur primär protest. Prägung Verbreitung (u. a. in Ehe- und Leichenpredigten und der sog. Hausväterliteratur). In allen europ. Ländern war die Rolle der H., komplementär zu der des Hausvaters, aufs engste mit dem Leben und Arbeiten im frühnzl. Haus als dem Zentrum des gesellschaftlichen und kirchlichen Denkens sowie als Herrschafts- wie Wirtschaftssphäre verknüpft. Ihre Tätigkeiten beschränkten sich jedoch keineswegs auf die Haushalts-F…

Hausnummer [Hinzugefügt 2018]

(945 words)

Author(s): Tantner, Anton | Herausgeber: Susanne Rau | Herausgeber: Benjamin Steiner
1. Allgemeines H. sind nominal verwendete Zahlen, die an Häusern angebracht werden, um deren Identifizierung und Adressierung zu erleichtern. Im Zusammenspiel mit Toponymen wie Orts- und – sofern vorhanden – Straßennamen dienen sie der Strukturierung des besiedelten Raums sowie als Orientierungssystem. Eingeführt wurden H. als obrigkeitliche Maßnahme ab der Mitte des 18. Jh.s zunächst vorwiegend in europ. Städten, dann zunehmend auch in ländlichen Gebieten. Im Zuge der Entstehung des modernen Staats (Absolutismus) sollte die H. insbes. die (Militär-)Einquartierung (punkt…
Date: 2018-11-20

Haustiere

(1,761 words)

Author(s): Breittruck, Julia
1. Definition und Tierarten Im frühnzl. Sprachgebrauch bezeichnete der Begriff H. einerseits Tiere, die im menschlichen Nahbereich lebten und deren Produkte oder Arbeitskraft Nutzen boten, oder die andererseits zum Vergnügen gehalten wurden. Die Haltung von Tieren im Wohnraum in Abgrenzung zu Erwägungen von Nutzen etablierte sich in der Frühen Nz. als Praxis und als Diskurs. Der Status des H. schwankte dabei zwischen Nutztier, Luxus-Objekt und geliebtem bis individualisiertem Tier. Die kultur- und sozialhistor. Kategorie des H. (zur Unterscheidung von essba…

Hausvater

(972 words)

Author(s): Fuhrich-Grubert, Ursula | Ulbrich, Claudia
1. Begriff »H.« ist Übersetzung des nt. oikodespótēs (»Hausherr«, Mt 10,25, nach Luther), für das in der Vulgata das lat. pater familias steht. Parallel findet sich H. auch als Äquivalent für den aus der antiken Tradition stammenden oikonomikós ( Aristoteles, Xenophon) bzw. lat. oeconomus (»Hauswirt«). Der Begriff verweist auf das Haus als zentrale Kategorie frühnzl. politischer Ordnung. Im weiteren Sinne stand H. auch für den Leiter von Herbergen, Hospizen oder Waisenhäusern. 2. Leitbild Grundsätzlich wurde dem H. die Gewalt über das Haus zugestanden, was auch die Sorg…

Hausväterliteratur

(754 words)

Author(s): Donien, Jürgen
Die H. ist eine in der Frühen Nz. bis ins 18. Jh. hinein weit verbreitete Form der Gebrauchsliteratur, in der Anweisungen zur Führung eines Hauswesens ( Haushalts) gegeben werden, die sowohl praktische als auch sittliche Fragestellungen betreffen. Der Begriff verdeutlicht die starke Stellung des Hausvaters, der unbeschränkt herrscht [1. Teil 1, S. 3], wobei sich hier Rechtstraditionen der Antike (lat. pater familias), Aristoteles-Rezeption (das Haus, griech. oíkos, als Gebilde personaler und wirtschaftlicher Beziehungen) und Analogien zur christl. Vorstellungswelt [2. …

Hauswirtschaft

(1,088 words)

Author(s): Sokoll, Thomas
1. Begriff Unter H. versteht man heute die (erwerbsmäßige) Versorgung (insbes. Verpflegung) eines größeren Haushaltes oder einer Einrichtung. In diesem Sinne ist H.-Lehre ein Ausbildungs- und Universitätslehrfach, das (zuerst in den USA) ab dem späten 19. Jh. im Rahmen der bürgerlichen Frauen(bildungs)bewegung entstand. Diese moderne Bedeutung von H. setzt die im Zuge der Industrialisierung erfolgte Trennung von Haushalt und Arbeitsplatz (Fabrik, Büro) voraus [12]; [11. 235–314]. In vorindustriellen Gesellschaften dagegen meinte H. die standesgemäße Führung eines Hau…

Haut

(1,061 words)

Author(s): Stolberg, Michael
1. Allgemein Zeit- und kulturübergreifend spielt die H. für die äußere Erscheinung und die subjektive Leiberfahrung des Menschen eine zentrale Rolle ( Körperbewusstsein) [10]; [7]. Die konkreten Vorstellungen von ihrem Bau und ihrer Funktion, das Verständnis ihrer krankhaften Veränderungen und ihre gezielte Gestaltung durch kulturelle Praktiken sind jedoch in hohem Maße dem histor. Wandel unterworfen [5]; [4]. 2. Funktionen der Haut Der modernen Anatomie gilt die H. als ein hochkompliziertes Organ, das sich aus mehreren Schichten und vielfältigen, spezialisierte…

Hebamme

(1,999 words)

Author(s): Labouvie, Eva | Bukowski, Evelyn
1. Begriff Einer der ältesten Frauenberufe überhaupt ist der der H. (lat. obstetrix; althochdt. hev(i)anna, »alte Frau, die das Neugeborene vom Boden aufhebt«; regional auch Höbmutter, Hebemutter; vgl. ähnliche Begriffsbildungen wie Bademutter, Kindermutter, Püppelmutter, weise Mutter; andere dt. Bezeichnungen lauteten Kindsfrau oder Storchentante). Zwar beruhen Kenntnisse über den Tätigkeitsbereich von H. vorwiegend auf Arbeiten zum städtischen H.-Wesen (s. u. 2.1.), doch nahmen die Stadt-H. im Vergleich zur weit größeren Gruppe…

Hebevorrichtungen

(1,042 words)

Author(s): Pichol, Karl
1. Begriff Unter H. (auch Hebemaschinen, Hebeapparate) werden v. a. Vorrichtungen verstanden, mit denen feste Lasten in vertikaler – manchmal auch gleichzeitig horizontaler – Richtung bewegt werden. Die antike Mechanik einfacher Maschinen des Archimedes wie Seil, Hebel (auch als Rad, Rolle) und Schiefe Ebene (auch als Keil, Schraube) reichte als theoretische Grundlage der Konstruktion von H. noch im 18. Jh. aus. Dabei stand die kraftverstärkende Wirkung der Elemente im Vordergrund. Noch Jakob Leupold erwähnt 1725 in der Vorrede seines Theatrum Machinarum oder Schau-Platz…

Hebräisch

(11 words)

s. Jüdische Sprachen

Hebraistik

(1,048 words)

Author(s): Riemer, Nathanael
1. Begriff Im Mittelpunkt der H. steht die Erforschung der hebr. Sprache (Jüdische Sprachen). Diese erfolgte in erster Linie innerhalb des Judentums (s. u. 2.), aber seit der Renaissance auch verstärkt im Rahmen der christl. Auseinandersetzung mit der jüdischen Literatur (s. u. 3.). Gelegentlich wird die H. als zumeist an einer theologischen Fakultät angesiedelte gelehrte Disziplin verstanden, die etwa ab der 2. Hälfte des 16. Jh.s an europ. Universitäten etabliert wurde. 2. Judentum Um nach dem Rückgang des Hebräischen als Alltagssprache eine fehlerfreie Überlief…
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