Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Laboratorium

(1,686 words)

Author(s): Klein, Ursula
1. Allgemein L. gelten heute als die privilegierten Orte des Experimentierens in allen naturwiss. Disziplinen. In der Nz. wurde dagegen an verschiedenen Orten experimentiert: in öffentlichen Versammlungsräumen, Kaffeehäusern, privaten Salons, Küchen und nur in einem spezifischen Bereich auch in L. Einer der berühmtesten nzl. Experimentatoren, Robert Hooke, arbeitete im späten 17. Jh. nicht in einem L., sondern in seiner Privatwohnung und in den Versammlungsräumen der Royal Society, die kein eigenes L. besaß. Anders als Hooke standen dem zweiten berühmten engl…

Lachen

(1,263 words)

Author(s): Kern, Mareike
1. Begriff und moderne Theorie Abhängig von Gesellschaft und Zeit verändern sich die Einstellungen gegenüber dem L. sowie seine Formen. Es besitzt seine eigenen Codes, Rituale und Orte. Nach Jacques Le Goff folgte auf eine Phase des unterdrückten und unterbrochenen L. (vom 4. bis 10. Jh.) das Zeitalter der Befreiung und Kontrolle des L., parallel zur Entwicklung der Literatur in den Volkssprachen [14]. Michail Bachtin unterscheidet in seiner Theorie der Lachkultur zwischen einer vom L. dominierten volkstümlichen Tradition und einer offiziellen furchterre…

Ladino

(11 words)

s. Jüdische Sprachen

Ladung

(10 words)

s. Prozess

Lagerstätten

(3,014 words)

Author(s): Bartels, Christoph | Kirnbauer, Thomas
1. Begriff und Einteilung L. sind Anreicherungen mineralischer Rohstoffe (Gesteine, Mineralien), die wirtschaftlich verwertet werden können ( Ressourcennutzung). Der Begriff L. kam im 18. Jh. auf [4] und war im 19. Jh. allgemein verbreitet. Zuvor bezeichnete man alle aus dem Erdboden stammenden Mineralstoffe als Fossilien. Nach Inhalt und Verwendung können die L. wie folgt eingeteilt werden: in (1) Metallerz- bzw. Erz-L. als Basis der Metall-Erzeugung, (2) L. von Energie-Rohstoffen (z. B. Steinkohle, Braunkohle, Erdöl und Erdgas), (3) L. von wasserlöslichen …

Laien

(14 words)

s. Geistliche | Laizismus | Priestertum

Laienpredigt

(10 words)

s. Predigt

Laienrichter

(816 words)

Author(s): Pahlow, Louis
1. Allgemein Der L. wird vom gelehrten Richter v. a. dadurch unterschieden, dass er kein gelehrter Jurist ist. Zwar taucht der Begriff des L. weder in den Rechtsquellen noch in den Gesetzen der Nz. auf; in seiner Funktion als Urteilender, Schöffe oder Geschworener kam ihm aber wechselvolle Bedeutung zu. Ungleich größer als in Kontinentaleuropa ist und war dagegen in der Nz. die Bedeutung der L. als Mitglieder einer jury im angloamerikan. Rechtskreis (Common Law) [2]. 2. Bedeutungsverlust in der Frühen Neuzeit In Deutschland vollzog sich die Trennung von Berufs- und L. mit d…

Laisser-faire

(785 words)

Author(s): Köster, Roman
1. Begriff Die Maxime L.-F. geht vermutlich auf einen franz. Kaufmann namens Legendre zurück. Dieser soll auf die Frage Jean-Baptiste Colberts, des Finanzministers Ludwigs XIV., welche Wirtschaftspolitik der Staat am besten betreiben solle, geäußert haben: laissez-nous faire (»Lassen Sie uns einfach machen«) [3. 211]. 1734 verwendete der franz. Schriftsteller René d'Argenson in seinen unveröffentlichten Memoiren dieselbe Formulierung und wiederholte sie 1751 in einem Beitrag für das Journal œconomique. Populär wurde die Maxime jedoch v. a. im Umkreis der Physiokratie i…

Laizismus

(1,238 words)

Author(s): Wolff, Jens
1. Begriff Die nzl. Begriffe L. und Laizität gehen wie auch Laie auf griech. laós (»Volk«) zurück, gehören aber in den Kontext des spezifisch nzl. Prozesses der Säkularisierung. Das dt. Wort übersetzt den im 19. Jh. aufkommenden franz. Neologismus laïcité und dessen negative Variante laïcisme [1]. Während »Laizität« in roman. Ländern mit »Säkularisierung« synonym ist, bezeichnet L. im angelsächs., skand. und dt. Sprachgebiet i. Allg. deren politischen Teilaspekt, also die Unterscheidung zwischen weltlichem und religiösem Bereich. Diese ve…

Lamaismus

(763 words)

Author(s): Theobald, Ulrich
Als Verbindung von urbuddhistischen Idealen mit Riten aus der Tantra-Lehre und Praktiken der alttibetischen Bön-Religion gilt der L. – neben dem Mahāyāna (dem »Großen Fahrzeug«) und dem Theravada ( Hinayāna, dem »Kleinen Fahrzeug«) – als drittes »Fahrzeug« des Buddhismus. Der Begriff L. geht auf die herausragende Stellung des Klosterabtes oder Lehrers, des Lama, zurück. Außer in seinem Ursprungsland Tibet findet sich der L. auch heute noch in den südl. und westl. Gebirgstälern des Himalaya, in der Mongolei und von dort bis nach Ostsibirien hinein. Durch die Aktivitäten des …

Lampe

(10 words)

s. Beleuchtung

Landadel

(1,279 words)

Author(s): Gersmann, Gudrun
1. Begriff und Forschung Der Begriff L. beschreibt eine traditionelle, vom MA bis in die Gegenwart hinein überall in Europa verbreitete Existenzform des auf seinen Ländereien und Gütern inmitten einer agrarischen Umgebung lebenden Adels [7]; [1]; [6]. Literatur und Forschung zeichneten in der Vergangenheit häufig ein ambivalentes Porträt des nzl. L.: Der »Herr Baron« sei einer der einflussreichsten Edelleute Westfalens gewesen, denn sein Schloss habe Tür und Fenster und sogar Wandteppiche gehabt: Mit dieser Beschreibung des – imag…

Landarbeiter/in

(840 words)

Author(s): Ehmer, Josef
Der Begriff des L. (engl. agricultural labourer, franz. ouvrier agricole, ital. lavoratore agricolo) entstand als spezifische soziale Kategorie in sozialpolitischen und sozialwiss. Debatten des ausgehenden 19. Jh.s [3]; [6]. Er bezeichnet Angehörige einer sozialen Gruppe, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich oder vorwiegend durch Lohnarbeit in der Landwirtschaft verdienten, häufig das ganze Jahr und das gesamte Arbeitsleben hindurch. L. wurden kurzfristig beschäftigt, als Tagelöhner oder in wöchentlichen oder monatlichen Arbeitsverträgen, und hatte…

Landbesitz

(10 words)

s. Grundbesitz

Länderkauf

(713 words)

Author(s): Simon, Thomas
Der Kauf von Ländern bzw. einzelnen Herrschafts-Rechten und hoheitlichen Befugnissen innerhalb bestimmter Gebiete war eine in der Frühen Nz. verbreitete Praxis zur räumlichen Erweiterung wie auch zur inneren Festigung der Landeshoheit. Angesprochen ist hier nicht der Ankauf von Grundbesitz, sondern die territoriale Gebietserweiterung eines Herrschaftsträgers, insbes. solcher mit reichsständischem Status (Reichsstände). Hintergrund dieser Praxis war die intensive räumliche Verschränkung und gegenseitige Überlagerung von Her…

Ländertausch

(10 words)

s. Länderkauf

Landesausbau

(787 words)

Author(s): Gudermann, Rita
Der Begriff L. steht für den Prozess der Urbarmachung von Feuchtgebieten und der Besiedlung nicht oder wenig genutzter Landstriche, der ab dem 17. Jh. in weiten Teilen Europas einsetzte. Auch die Wiederbesiedlung von im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs wüst gefallenen Bauernstellen und Dörfern (Wüstung) ist zum L. zu rechnen. Es handelte sich um eine Art Entwicklungspolitik im eigenen Lande, die eng mit dem Staats-Bildungsprozess verbunden war. Den Anschauungen des Merkantilismus bzw. Kameralismus gemäß betrieben die absolutistischen Fürsten Europas eine Wir…

Landesbehörden

(2,012 words)

Author(s): Buchmann, Bertrand Michael
1. Definition Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ergänzten die Reichsverwaltung (Kaiser, Kurfürsten, Reichstag, Reichshofrat, Reichshofkanzlei, Reichskammergericht) und die Verwaltung der Territorien einander [11]. V. a. mit dem Ausbau der Landesherrschaft zu nahezu staatlicher Qualität erreichten die L. eine Bedeutung, wie sie außerhalb des Reiches königlichen Behörden zukam. L. waren damit ein Spezifikum dt. Staatlichkeit, ein Element des dt. Föderalismus. In Territorien mit einem Dualismus von Landesfürst und Landständen konnten sich L. …

Landesdefensionswesen

(695 words)

Author(s): Pröve, Ralf
Als L. oder Defensionswerk wurde und wird eine in den Grenzen eines Territoriums und in Regie des Landesherrn greifende umfassende Organisation bewaffneter Untertanen aus Stadt und Land, zuweilen adliger Kavallerie und ggf. Festungsbauten bezeichnet; als besonderes Merkmal wird die Erfassung, Ausbildung und Einübung des militärisch qualifizierten Bevölkerungsteils begriffen. Es handelt sich um eine vergleichsweise kurzlebige Variante der Militär-Verfassung des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jh.s, die allerdings im späten 17. und im 18. Jh. zumi…

Landesgeschichte

(1,044 words)

Author(s): Bollbuck, Harald
1. Begriff und Beginn L. ist Historiographie, die sich auf einen landschaftlich abgegrenzten Raum unterhalb der Reichsebene bzw. der gesamtstaatlichen Ebene bezieht; dieser kann durch den Herrschaftsbereich eines Landes, aber auch durch kulturelle, dialektale, wirtschaftliche oder andere Zusammenhänge konstituiert werden. Die räumliche Komponente trennt L. von Lokal-, Stammes- und Volksgeschichte. L. bildete im frühnzl. Geschichts-Diskurs keine eigene Gattung. Als Ausgangspunkt regionaler Landeserfassung gilt die antiquarische Beschreibung Italiens nach (a…

Landesherr

(10 words)

s. Landesherrschaft

Landesherrschaft

(1,678 words)

Author(s): Simon, Thomas
1. Definition L. lässt sich als die frühnzl. Vorform der modernen Staatsgewalt definieren. L. bezeichnet jene Form von Herrschaft, die die Reichsstände seit dem Ausgang des MA als »Landesherren« über ein von ihnen beherrschtes Territorium und seine Bewohner aufzubauen suchten. Die L. markiert demgemäß eine Etappe im Prozess der Staatsbildung (Staat). Sie zeichnete sich zum einen durch ihre Tendenz zur Flächenhaftigkeit aus, zum anderen durch ihren Anspruch, innerhalb des Territoriums die höchste Oberherrschaft auszuüben, die ihrerseits nur dem Kaiser untergeordne…

Landeshoheit

(10 words)

s. Landesherrschaft

Landesjudenschaft

(739 words)

Author(s): Kühn, Christoph
L. (hebr. bne medina oder kehal medina) waren seit dem Ende des MA gemeindeübergreifende jüd. Organisationen in verschiedenen Regionen des Alten Reichs [5. 188–198]. Zu unterscheiden ist zwischen Zusammenschlüssen von Juden zu »Ländern« (hebr. medinot; Sing. medina), die sich zumindest anfangs nur bedingt an Herrschaftsräumen orientierten, und der Um- bzw. Ausbildung von L. als territorialen Körperschaften [4. 53–58]. Auch die Versammlungen der dt. Judenschaft auf Landes- und Reichsebene sollten der Stärkung gemeindeübergreifender Strukturen dienen; s…

Landeskirche

(682 words)

Author(s): Schneider, Bernd Christian
Bis zum Ende des 18. Jh.s waren die meisten Territorien des Heiligen Röm. Reiches (von der Duldung der Juden mancherorts abgesehen) konfessionell, ja religiös homogen (vgl. Ius reformandi; Konfessionalisierung); Entsprechendes gilt für die meisten Schweizer Stände und die europ. Königreiche (evang.: skandinavische Reiche; kath.: Frankreich, Spanien). Bürgerliche Rechte waren i. Allg. von der Mitgliedschaft in der einen Konfession bzw. »Religion« des Gebietes abhängig, sodass von »Staatskirchen« gesprochen werden kann. Ausnahmen von der konfessionellen Homogenit…

Landesordnung

(643 words)

Author(s): Schennach, Martin
L. bezeichnet einen spezifischen Rechtsquellentyp dt. Territorien v. a. im 16. und 17. Jh. Im Gegensatz zum »Sprachenbabel« [2. 1406] der älteren Sekundärliteratur lassen sich bei einer von der zeitgenössischen Quellensprache ausgehenden Betrachtung folgende Charakteristika einer L. herausarbeiten: (1) Ihr räumlicher Geltungsbereich erstreckte sich auf das ganze betreffende Territorium (Land); (2) an ihrem Zustandekommen waren neben dem Landesfürsten die Landstände in unterschiedlicher Intensität beteiligt; (3) sie war auf eine unbestimmt…

Landespost

(932 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Definition Die L. war eine für das Alte Reich charakteristische Form des Post-Wesens, die sich im Gegensatz zur Reichspost nur auf einzelne fürstliche Territorien bzw. Länder erstreckte. Die Konkurrenz zwischen den beiden war eine Folge der dualistischen Struktur des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und des Übergangs der meisten Regalien an die Landesfürsten. In Reichen oder Monarchien mit starker Zentralgewalt – dem Osmanischen Reich, China (Chinesische Welt), Russland (Russländische Welt), Englan…

Landesteilung

(814 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
L. im weiteren Sinn bedeutet Teilung jeglicher Territorialherrschaft, L. im engeren Sinn Teilung des Herrschafts-Typs Land, der vom Landesherrn (Landesherrschaft) und den Landständen auf der Basis des Landrechts getragen wurde. Beide Arten wurzeln in der im MA ausgebildeten erbrechtlichen Auffassung auch von Herrschaftsrechten, die als Erbschaft mehreren Erben zu gleichen Anteilen zustanden ( Erbrecht). Sie bildeten bei Fehlen weiterer Verfügungen eine Erbengemeinschaft, die zum Kondominat führte. In den meisten Fällen kam es jedoch entweder zur L. oder zu…

Landesverrat

(699 words)

Author(s): Schnabel-Schüle, Helga
Wie der Hochverrat (engl. high treason, franz. haute trahison) ist L. ein politisches Verbrechen. Sanktioniert wird die versuchte oder vollendete Tat, die auf die Umwälzung der bestehenden Staatsverhältnisse zielt: L. über die Destabilisierung von außen, Hochverrat über die Destabilisierung von innen. Daraus wird deutlich, dass die Anklage des L. wie auch des Hochverrats als politisches Mittel missbraucht werden kann, um Kritik an einem bestehenden politischen System zu unterdrücken [7]. Erst die Verankerung der Presse- und Meinungsfreiheit als durch die Verfass…

Landesverweis

(10 words)

s. Verbannung

Landfriede

(2,760 words)

Author(s): Carl, Horst
1. Begriff L. bezeichnet seit dem MA eine auf Gewaltverzicht gegründete, räumlich organisierte, ursprünglich zeitlich meist befristete Friedensordnung [17]. Frieden (= F.) sollte dabei im Wesentlichen dadurch erreicht und gewahrt werden, dass anstelle der Selbsthilfe ( »Faustrecht«) zur Durchsetzung jeweiliger Rechtsansprüche oder zur Ahndung von Unrecht rechtliche Regelungen und entsprechende Gerichts- oder Schiedsinstanzen verbindlich gemacht wurden. Im engeren Sinne versteht man unter L. auch das Gefüge von Rechtsnormen, welc…

Landhandwerk

(16 words)

s. Handwerk | Ländliche Gesellschaft | Ländliches Gewerbe

Landjuden

(1,503 words)

Author(s): Ulbrich, Claudia
1. Begriff Mit dem Begriff L. werden die in der Nz. im dt.sprachigen Raum außerhalb der großen städtischen Zentren lebenden Juden bezeichnet. Da das Leben auf dem Lande vom späten MA bis ins frühe 19. Jh. die vorherrschende Form der jüd. Existenz im Alten Reich und in den habsburgischen Erblanden war, wird in der Forschung gelegentlich von der »Phase des L.tums« gesprochen. Neben der räumlichen und zeitlichen Dimension findet sich auch die Gleichsetzung von L. und Nicht-Eliten, die auf die sozialen Bedingungen verweist, unter denen die gro…

Landkarte

(10 words)

s. Kartographie

Ländliche Gesellschaft

(9,302 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Begriffliche Abgrenzungen: Stadt und Land Während der Begriff Agrargesellschaft – oft als Entwicklungsstufe gefasst – eine Gesamt- Gesellschaft charakterisiert, kann man von einer L. G. erst sprechen, wenn alternative Lebens- und Produktionsformen einem größeren Personenkreis zugänglich sind. Auf das Gebiet nördl. der Alpen trifft dies seit den Städtegründungen des HochMA zu. »Stadt« und »Land« können bis zu den Agrarreformen des 19. Jh.s u. a. durch rechtliche Kriterien voneinander abgegrenzt werden: So waren Formen personengebundener Abhä…

Ländliches Gewerbe

(2,247 words)

Author(s): Kießling, Rolf
1. Begriff und Typologie Lange Zeit von der Forschung vernachlässigt, hat das L. G. als Indikator für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel in der Neuzeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Da der Begriff primär den Standort markiert, umfasst er, wie der des Gewerbes, generell alle nichtagrarischen Tätigkeiten, jedoch im Kontext der ländlichen Gesellschaft, d. h. entweder hauptberuflich oder im Nebenerwerb mit einer Klein-Landwirtschaft verbunden. Die jüngere Forschung hat die große Vielfalt des L. G. herausgestellt, wobei zwische…

Ländliche Unterschichten

(13 words)

s. Unterschichten

Landpacht

(10 words)

s. Pacht

Landrat

(1,016 words)

Author(s): Göse, Frank
1. Ursprünge Der L. war i. Allg. ein auf der mittleren Verwaltungs-Ebene ( Kreis) wirksamer Amtsträger (Lokalverwaltung; Landesbehörden). Im öffentlichen Bewusstsein wird dieses Amt – neben seinem Fortbestehen in der heutigen Verwaltung – aus histor. Perspektive v. a. mit der preuß. Geschichte des 18. und 19. Jh.s in Verbindung gebracht. Dessen ungeachtet begegnen L. weit vor dieser »klassischen« Phase der alt-preuß. Geschichte – und nicht nur in den Territorien der Hohenzollernmonarchie. Im 16. Jh. trugen in mehreren dt. Fürstentümern vornehmlich aus dem landständischen …

Landrecht

(677 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
Der Begriff L. und seine Komposita (z. B. L.-Reformation) bezeichnen ab dem späten MA noch bis nach 1800 Rechtsquellen unterschiedlichen Inhalts. Er geht auf die ma. Rechtsordnung zurück, die sich aus Teil-Rechtsordnungen (Rechtskreisen) für Personengruppen bzw. Herrschaften zusammensetzte, so etwa das Lehnsrecht für spezifische, in der Regel adelige Leihe- und Herrschaftsverhältnisse, das Hofrecht (Weistum) für Rechtsverhältnisse in der Grundherrschaft, das Stadtrecht für solche in der Stadt und das L. für di…

Landschaft

(3,115 words)

Author(s): Blickle, Peter | Lüsebrink, Hans-Jürgen | Sieglerschmidt, Jörn
1. Politisch L. war im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation das Korrelat zu Herrschaft. In dieser Bedeutung ist der Begriff vom 14. Jh. bis zum Ende des Reichs (1806) belegt. Die L. hatte korporativen Charakter und bezeichnete als solche die Gesamtheit der Landstände eines reichsunmittelbaren Territoriums. Wo in einem Territorium Adel und Prälaten als Stände fehlten, diente L. aber auch zur Bezeichnung der Repräsentation von Untertanen, in diesem Fall jenen in der Stadt und auf dem Land. Seit den frühen 1970er Jahren hat sich L. als wiss. Ordnungsbegriff auch für d…

Landschaftsbild

(2,119 words)

Author(s): Büttner, Nils
1. Begriff L. sind Abbildungen oder bildlich fixierte Imaginationen der den Menschen umgebenden Natur in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. Als Bezeichnung einer spezifischen Bildform hat sich der Terminus Landschaft (= Ls.) erst spät durchgesetzt. In seinem handschriftlichen Tagebuch nannte Albrecht Dürer seinen Antwerpener Kollegen Joachim Patinir 1521 einen »gut landschafft mahler«. In Venedig beschrieb zur gleichen Zeit Marcantonio Michiel die »vielen kleinen Ls.« ( molte tauolette de paesi) in der Sammlung des Kardinal Grimani. 1606 schrieb der Engländer Henry…

Landsknecht

(787 words)

Author(s): Rogg, Matthias
Im Zuge der im SpätMA beginnenden militärischen Revolution setzte ein nachhaltiger innermilitärischer Strukturwandel ein, der den Schwerpunkt der Kampfhandlungen schrittweise vom gepanzerten Reiter (Ritter) auf die Infanterie verlagerte [2. 13–38]. Am konsequentesten gelang dieser Umbau in der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Durch ein Massenaufgebot an Fußknechten und die einfache, aber effektive Taktik des Kampfes im geschlossenen Verband (»Geviert« oder »Gewalthaufen« mit langen Spießen) erfochten die eidgenössischen Reisläufer im 14. und 15. Jh. glän…

Land-Stadt-Wanderung

(1,475 words)

Author(s): Lucassen, Jan | Lucassen, Leo
1. Urbanisierung und Stadtentwicklung Im frühnzl. Europa hatten Städte v. a. aus wirtschaftlichen Gründen (s. u. 2.) außerordentliche Anziehungskraft auf Migranten. Hier lebten im Zuge der Urbanisierung ab 1500 relativ und absolut immer mehr Menschen, und hier herrschte bis ins 18. Jh. zudem eine hohe Mortalitäts-Rate, sodass eine dauerhafte Einwanderung notwendig war, um die Einwohnerzahlen stabil zu halten. Obwohl Städte überall in Europa wuchsen, verlief die Urbanisierung zeitlich und räumlich sehr ungleichmäßig (vgl. Bevölkerung, mit Karten). Um 1500 lag der…

Landstände

(20 words)

s. Landesherrschaft | Landschaft | Landständische Verfassung | Landtag | Stand, Stände

Landständische Verfassung

(1,262 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
1. Allgemein-verfassungsgeschichtliche Bedeutung Der Begriff L. V. umschließt die Existenz von Landständen neben dem Landesfürsten als Mitträgern oder – zumindest in bescheidenem Maße – als Mitgestaltern der Landesherrschaft und verweist mit dieser auf den Rahmen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Gleichwohl ist diese Verfassungs-Gestaltung allgemein – Monarch mit Ständen (engl. estates, franz. états, niederl. staaten, standen etc.) – ein gesamteurop. Phänomen. Das Zusammenwirken eines Monarchen mit Ständen beruhte auf der Mehrzahl von hiera…

Landstreicher

(13 words)

s. Fahrendes Volk | Vagabund

Landtag

(705 words)

Author(s): Neu, Tim
Der seit dem 13. Jh. nachweisbare Quellenbegriff bezeichnete zunächst das Tagen der ursprünglich gräflichen Landgerichte, ab dem 15. Jh. jedoch die Ständeversammlungen in den Territorien des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Seit Beginn des 19. Jh.s wurden auch die neuen Parlamente der dt. Staaten als L. bezeichnet. Der altständische L. (lat. comitia provincialia oder conventus provincialis) war die zentrale Institution der landständischen Verfassung in Form einer gewohnheits- bzw. positivrechtlich geregelten Zusammenkunft von Landesherr ( Landesherrsch…

Landtechnik

(2,269 words)

Author(s): Meiners, Uwe
1. Allgemein Die Entwicklung der L. wurde vom ausgehenden MA bis in die Zeit um 1800 vorrangig vom Bemühen um Ertragssteigerungen im Getreide-Bau bestimmt (Ernte 2.). Im kontinuierlichen Prozess des Zusammenwirkens von Auftraggebern (Bauern) und Herstellern (Dorfhandwerkern) sind über drei Jahrhunderte hinweg nur wenige technologische Innovationen oder tiefgreifende Veränderungen auszumachen. Die Hauptbestandteile des bäuerlichen und gutswirtschaftlichen Inventars an Handgeräten waren bereits im SpätMA ausgebildet; ihre Zusammensetzung blieb bis ins …

Landtransport

(2,092 words)

Author(s): Popplow, Marcus
1. Definition L. definiert sich als Gegenbegriff zum Transport zu Wasser und in der Luft, speziell mit Blick auf die Güter- oder Personenbeförderung über längere Strecken. Der Luftfahrt kam vor dem 20. Jh. – trotz der Anfänge der Ballonfahrt seit den 1770er Jahren – keine nennenswerte praktische Bedeutung zu. Der Transport zu Wasser spielte hingegen seit der Antike eine zentrale Rolle im europ. Handel (vgl. Binnenschifffahrt; Hochseeschifffahrt; Küstenschifffahrt). Insbes. Massengüter wie Getreide, Ho…

Landverkehr

(10 words)

s. Landtransport

Landwehr

(10 words)

s. Miliz

Landwirtschaft

(9,244 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Definition Durch L. wird eine Anpassung pflanzlicher und tierischer Populationen an menschliche Bedürfnisse herbeigeführt, die nicht nur eine Veränderung natürlicher Zusammensetzungen, sondern auch – viel stärker als durch Jagd und Sammelwirtschaft – die Steuerung von Eigenschaften der Bestände (Züchtung) beinhaltet (s. u. 5.5.). Im Ackerbau wurde das Ziel, Nahrungsmittel zu produzieren, seit dem FrühMA nicht mehr primär durch die Erschließung unerschöpfter Böden, sondern durch ausdifferenzierte Formen des Nährstoffmanagements erreic…

Landwirtschaftskunde

(2,456 words)

Author(s): Brakensiek, Stefan
1. Allgemein Schriften zur Landwirtschaft boten vor der Moderne zumeist ein Konglomerat aus antiker Überlieferung (Antikerezeption; s. u. 2.), der hohe Autorität zukam, und zeitgenössischer Empirie (s. u. 5.), die bisweilen auf eigener Erfahrung der Autoren, oftmals jedoch auf Wissen aus zweiter Hand beruhte. Auch wenn viele Autoren die Nähe der L. zur agrarökonomischen Praxis herausstrichen, haben ihre Schriften einen normativen Grundzug. Ab dem späten 18. Jh. vollzog sich ein Prozess der Ausdiff…

Langeweile

(822 words)

Author(s): Fuchs, Ralf-Peter
1. Begriff Der Begriff L. wurde im 16. Jh. zum einen noch allgemein zur Bezeichnung langer Zeit-Räume verwendet, zum anderen beschrieb er aber bereits auch einen Zustand, der das körperliche und seelische Wohlbefinden des Menschen beeinträchtigt: Im Gegensatz zur »Kurzweil« ( Sport), die durch erbauende wie auch vergnügliche Handlungen herbeigeführt werden konnte, warf L. den Menschen auf sich selbst zurück und produzierte Unlust und Unausgeglichenheit. Im theologischen Diskurs wurde dies, teilweise in Anknüpfung an die kirchliche L…

Langlebigkeit

(673 words)

Author(s): Baten, Jörg | Schwekendiek, Daniel
L. bezeichnet eine ungewöhnlich lange Lebenszeit von Menschen, Tieren und Pflanzen. Obwohl es in Bezug auf Menschen weder biologische noch demographische Kriterien dafür gibt, ab wann ein Individuum ein ungewöhnlich hohes Alter erreicht hat, gelten in der demographischen Forschung i. Allg. diejenigen Personen als langlebig, die mindestens 100 Jahre alt sind, wiss. engl. centenarians. Supercentenarians sind Personen, die mindestens 110 Jahre alt geworden sind. Berichte über extrem lange Lebenszeiten gibt es bereits in der Bibel, die die ganze Nz. hindurch …

Langsamkeit

(10 words)

s. Schnelligkeit

Lärm

(3,412 words)

Author(s): Fouquet, Gerhard
1. Begriff »L.«, den Lexika zu Beginn des 20. Jh.s noch kein Lemma wert, avancierte an dessen Ende zum »Schlüsselbegriff«, in der allgemeinen Wahrnehmung von Umwelt-Belastungen zur »Sozialseuche« [19]. L. wird heute »als Schall (Geräusch), der Nachbarn oder Dritte stören (gefährden, erheblich benachteiligen oder erheblich belästigen) kann oder stören würde« definiert (Dt. Bundes-Immissionsschutzgesetz, TALärm). Das Lehnwort L. entstand aus »Alarm« (von ital. all’arma, franz. à l’arme, »zur Waffe!«) und verlor seine v. a. militärische Wortbedeutung erst im La…

Laster

(2,083 words)

Author(s): Eckert, Georg
1. Allgemein L. (lat. vitium, engl./franz. vice) galt auch in der Frühen Nz. als Gegenteil der Tugend (= Tg.). Es bezeichnete die zur schlechten Gewohnheit gewordene Neigung eines Menschen zu sündhafter Verfehlung (Sünde). Dessen Moral war dadurch ebenso diskreditiert wie seine Ansprüche auf Autorität. Diese abendländische Grundüberzeugung geriet im späten 17. Jh. in Erklärungsnot: Ob man L. überwinden könne, wurde fortan nicht minder diskutiert als die Frage, ob man sie überhaupt überwinden solle. Wirkmächtige Frühaufklär…

Latein

(3,027 words)

Author(s): Stein, Elisabeth | Waquet, Françoise
1. Überblick: Begriff und Wirkungsbereiche Von der Spätantike bis ins 19. Jh. war L., die Sprache des Imperium Romanum, in Europa und den Gebieten der europ. Expansion in Übersee und Asien vornehmlich, aber nicht ausschließlich, schriftliches Kommunikations-Medium einer nicht eindeutig abgrenzbaren transnationalen Gemeinschaft, die in den unterschiedlichsten Lebensbereichen (Bildung, Wissenschaft, Religion, Politik) auf eine Verständigung jenseits tagesaktueller Ideologien setzte. Dabei verdankte sie ihre vermeintlich erstaunli…

Lateinamerikanische Unabhängigkeitsrevolutionen

(3,157 words)

Author(s): König, Hans-Joachim
1. Allgemein Die L. U. (1808/10–1826/30) gehören in den Kontext der Revolutionen und Befreiungsbewegungen des 18. und 19. Jh.s [17]. Sie entstanden aus dem Zusammenwirken von wachsender Entfremdung der in Amerika geborenen Angehörigen der kolonialen Oberschicht – der Amerikaspanier und Amerikaportugiesen (der sog. Kreolen) gegenüber ihren Mutterländern und der parallelen Entwicklung eines auf die eigene Region, nicht mehr auf das ferne Mutterland gerichteten Patriotismus sowie dem Bestreben der Kreolen um größere politische Mitsprach…

Lateinschule

(1,558 words)

Author(s): Bruning, Jens
1. Begriff und Vielfalt Der Begriff L. bezeichnet alle nichtuniversitären Schulen, die im Gegensatz zu den dt. Schreib- und Rechenschulen (Elementarschule) nicht ausschließlich, aber doch primär Latein unterrichteten, sodass »Festigkeit im Bekenntnis und in der Gelehrtensprache« [10. Bd. 1, 465] wesentliche Ziele des Unterrichts darstellten. Diese Einrichtungen des Sekundarschulbereichs waren in Größe und Ausstattung überaus heterogen und wurden demzufolge auch höchst unterschiedlich bezeichnet, u. a. als Partikularschule, Trivialsc…

Latifundien

(12 words)

s. Großgrundbesitz | Hacienda

Latinistik

(1,077 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick Latein war in der Nz. eine in der Diplomatie, in der Wissenschaft und im Bildungs-Wesen aktiv gebrauchte und somit lebende Sprache. Dies förderte seine gelehrte Erforschung allerdings nur bedingt. Vor dem 19. Jh. nämlich studierte man es weniger um seiner selbst willen als in gegenwartspraktischer Absicht: um es besser schreiben und sprechen zu können, um den (nach wie vor verbindlichen) klassischen Kanon der antiken Literatur zu kennen, das (ebenso gültige) Röm. Recht zu verstehen und an der Größe des antiken Rom teilzuhaben ( Antikerezeption). Anders als etwa d…

Laubwald

(841 words)

Author(s): Selter, Bernward
Zu Beginn der Nz. dominierten in den gemäßigten Breiten Europas sommergrüne L. (v. a. Buchen- und Eichenwälder in West-, Mittel- und Osteuropa) und immergrüne Hart-L. (v. a. Stein- und Korkeichenwälder im Mittelmeerraum). Bis ins 19., teils bis ins 20. Jh. bildete der L. bes. in der Nähe von Siedlungen einen integralen Bestandteil traditioneller agrarischer Nutzungssysteme, da er nicht nur Holz, sondern auch essbare Früchte (vgl. Sammelwirtschaft) und Futter (»Nährwald«) lieferte. Diese landwirtschaftlichen Praktiken wurden jedoch von Landesherren …

Lauda

(700 words)

Author(s): Schmidt, Lothar
1. Begriff und Entwicklung Die L. (von lat. laudare, »loben«) ist ein ein- oder mehrstimmiges geistliches Lied in ital. oder auch lat. Sprache. Im 13. Jh. wurden, unterstützt durch die Bettelorden, bes. in den toskanischen Städten Laienbruderschaften gegründet, die in ihren Andachten solche Lieder sangen. Das Singen von Lauden war zudem in der schwärmerisch-frommen Laienbewegung der Disciplinati (»Flagellanten«) verbreitet. Zu Beginn des 15. Jh.s wurde der L.-Gesang in Venedig auch in einer Benediktinischen Reformkongregation eingeführt (Religiöse Reformbewegungen). Da…

Laufen

(936 words)

Author(s): Mallinckrodt, Rebekka von
1. Läufer und Vorläufer L. im Sinne einer schnellen Fortbewegung zu Fuß wird hier als eine bes. trainierte Fertigkeit verstanden, deren Ausbreitung, Zweck und Bewertung sich im Laufe der Nz. wandelten. Als instrumentelle Fertigkeit wurde das L. vornehmlich von Boten ausgeübt, die Nachrichten zwischen Gemeinden, Klöstern, Höfen, Universitäten oder Kaufleuten überbrachten (Botenwesen). Mit der Ausbreitung des Post-Wesens verloren diese Botenläufer jedoch an Bedeutung und wurden schließlich im 18. Jh. nur noch jenseits der großen Postlinien sowie vom Adel eingesetzt, als Ku…

Laufmaschine

(896 words)

Author(s): Lessing, Hans-Erhard
Die L. ist als Urform des Fahrrads nicht mit dem Laufrad zur Übertragung von Muskelkraft bei Hebevorrichtungen und Maschinen zu verwechseln. Die L. war die erste Realisierung des Zweirad-Prinzips im Landtransport. Erste Exemplare ließ der badische Forstbeamte und Technologe Karl Drais seit 1817 bauen (vgl. Abb. 1). Nach ihrem Erfinder wurden L. bald als Draisine (franz. draisienne oder vélocipède) bezeichnet, in England als velocipede bzw. ironisch als hobby-horse. Anderweitige Prioritätsansprüche innerhalb der Erfindungsgeschichte des Fahrrads, zuletzt das so…

Laufrad

(893 words)

Author(s): Bleidick, Dietmar
1. Allgemein L. wurden seit dem SpätMA in Europa zur optimierten Umsetzung der aufgewandten Muskelkraft als Antrieb von Kranen und Hebevorrichtungen, zuweilen auch von Maschinen, verwendet (s. u. 4.). Gegenüber Haspeln, Göpeln und Winden mit vergleichsweise begrenzter Leistungsfähigkeit bei z. T. großem Platzbedarf lagen die Vorteile der L. in der Ausnutzung des Körpergewichts der Arbeiter, der Möglichkeit zur parallelen Koppelung mehrerer Räder und der Einsatzmöglichkeit bei geringem Raumangebot durch die vertikale Ausrichtung. 2. Konstruktionsprinzipien Obwohl die…

Law Court

(1,274 words)

Author(s): Schmidt, Martin
1. Allgemein L. C. bezeichnet im Englischen ein Gericht, im Plural auch ein Gerichtsgebäude. Auf den Brit. Inseln gilt court of law im formalen Sprachgebrauch als korrekter. Das nzl. Gerichtswesen in England und Wales entwickelte sich durch die Institutionalisierung gängiger Rechtspraktiken und Gesetzesmaßnahmen aus ma. Wurzeln ( Common Law). Eine systematische Gliederung der Judikative nach Rechtsgebieten, straffe Instanzenzüge und eine strikte Trennung der Rechtsprechung von Legislative und Exekutive wurden bis ins spätere 19. bzw. 20. …

Lawine

(932 words)

Author(s): Rohr, Christian
1. Allgemein Unter L. sind rasch abgleitende oder abstürzende Schneemassen – mitunter auch Eismassen – zu verstehen, die sich an steilen, unbewaldeten Hängen lösen und in die Tiefe stürzen. Sie treten bes. bei starkem Schneefall, bei Tauwetter oder nach starken Verwehungen auf, doch werden sie mitunter auch vom Menschen ausgelöst. Die moderne L.-Forschung unterscheidet zwei Grundtypen: die Fließ-L. und die Staub-L. Bei der Fließ-L. löst sich ein Schneebrett, zumeist aus Nassschnee bestehend, und rutsch…

Law Reports

(823 words)

Author(s): Schmidt, Martin
L. R. sind für den anglo-amerikan. Rechtskreis charakteristische »Gerichtsberichte«, die über die gerichtliche Verhandlung und Entscheidung in einem einzelnen Rechtsfall Auskunft geben. Sie werden zumeist von prozessbeobachtenden Juristen verfasst und häufig mit weiteren Berichten zu Sammelbänden kompiliert, die ebenfalls L. R. (in den USA auch: law reporters) heißen. Oft waren bzw. sind auch prozessbeteiligte Richter, Anwälte und Gerichtsschreiber Autoren oder Informanten von L. R. In den vom Common Law geprägten Ländern wie England, Wales, Irland, Kanada und de…

Lazarett

(1,137 words)

Author(s): Dross, Fritz
1. Begriff Im Deutschen stand der nt. Name Lazarus seit dem MA allegorisch vorerst für einen Aussätzigen, später generell für einen armen Kranken; ein abgeleitetes Adjektiv (franz. ladre, 12. Jh.) ist in roman. Sprachen im Bedeutungsfeld »elend, siech, leprös« nachgewiesen. Das dt. Substantiv L. ist als Lehnwort aus dem ital. lazzaretto (span. lazareto; franz. lazaret) seit dem 16. Jh. üblich und bezeichnete zunächst (Pest-)Spitäler mit Isolierfunktion ( Quarantäne). Noch im Grimm'schen Wörterbuch wird L. mit der allgemeinen Bedeutung Krankenhaus und dem Zusatz »jetzt…

Lebende Bilder

(848 words)

Author(s): Scheibe, Eric
L. B. (franz. tableaux vivants) sind effektvoll arrangierte Gruppenbilder bedeutsamer Szenen aus Mythologie, christl. Heilsgeschichte oder nationaler Vergangenheit, die bei festlichen Anlässen oft nach bekannten Kunstwerken von Personen bewegungs- und wortlos gestellt werden. Nach einem konkreten Gemälde gestaltete L. B. kamen im späten 18. Jh. auf, freie szenische Arrangements mit bildhafter Qualität kannte man bereits seit dem Altertum. Ihre Funktion reichte in der Nz. von der Selbstdarstellung u…

Lebenserwartung

(708 words)

Author(s): Baten, Jörg | Müller, Normann
Als menschliche L. bezeichnet man die Anzahl der bis zum Tod verbleibenden Lebensjahre, welche ein Individuum aus einer genau spezifizierten Bevölkerungsgruppe im Durchschnitt zu erwarten hat. Grundsätzlich lässt sie sich für jedes Alter ermitteln. Die am häufigsten verwendete altersspezifische Form ist die L. bei der Geburt. Die Ermittlung basiert typischerweise auf Sterbetafeln: Auf Grundlage der zu einem bestimmten Zeitpunkt beobachteten altersspezifischen Mortalitäts-Raten wird berechnet, wie viele Jahre die Angehörigen der verschiedenen Altersgrupp…

Lebensformen

(10 words)

s. Lebensstile

Lebensformen und sozialer Wandel

(8,408 words)

Author(s): Ehmer, Josef | Fahrmeir, Andreas | Lucassen, Jan | Lucassen, Leo | Prankel, Dieter
1. Einleitung Im Andenken an Edith Saurer, die den letzten Band der EdN nicht mehr erlebte. Schlägt man einen beliebigen Band der EdN auf, so kann man sich auf den ersten Seiten darüber informieren, wie die Arbeit an diesem Mammutprojekt organisiert war. Im Hintergrund – und für die Leser/innen einzelner Artikel nicht mehr erkennbar – steht die Gliederung in zehn »Fachgebiete« und fast einhundert »Teilgebiete«, die jeweils von Fach- bzw. Teilherausgeber/innen betreut wurden. Die zehn Fachgebiete sollten ihrem Anspruc…

Lebenslauf

(8,127 words)

Author(s): Ehmer, Josef
1. Begriff und Forschungsstand Der Begriff des L. (lat. curriculum vitae) wurde in der dt. Sprache seit dem 18. Jh. verwendet (davor und noch bis ins 19. Jh.: »Alter« bzw. »Lebensalter«). Im 19. Jh. trat neben die Bedeutung »Lauf des Lebens« dessen Beschreibung [5] in den Vordergrund, im Sinne der Erzählung einer Lebensgeschichte, aber auch in formaler Struktur für bürokratische Zwecke. Schon im 18. Jh. forderte Zedlers Universal-Lexicon: »Es gehöret aber zu einer vollständig nutzbaren Lebens-Beschreibung …, daß ich weiß, wes Geschlechtes er sey, wenn er ge…

Lebensmittel

(24 words)

s. Brot | Ernährung | Fettkonsum | Fischerei | Fleischkonsum | Gemüse | Milch | Obst

Lebensmittelkonservierung

(874 words)

Author(s): Krug-Richter, Barbara
1. Allgemein Das Haltbarmachen von Nahrungsmitteln zählte schon vor der Nz. zu den fundamentalen Maßnahmen, um die Ernährung breiter Teile der Bevölkerung zu sichern. Nicht nur Unwägbarkeiten bei den Ernte-Erträgen (vgl. Hungerkrisen und -revolten), sondern auch die jahreszeitliche Gebundenheit verlangten Vorratshaltung. Angesichts der geringen Entwicklung des Fernhandels mit Lebensmitteln waren die Menschen in MA und Nz. darauf angewiesen, einen erheblichen Anteil ihrer Nahrung zu konservieren, um auch in den…

Lebensmittelunruhen

(1,129 words)

Author(s): Schmale, Wolfgang
1. England, Frankreich, Deutschland L. waren in der Nz. eng an tatsächliche Hungerkrisen, z. T. aber auch an Gerüchte und deren Folgen gebunden. Im Kern handelte es sich zumeist um Brot-Aufstände; L. drehten sich jedoch auch allgemein um Teuerungen (Teuerungsaufstände) oder Verknappungen verschiedener Lebensmittel ( Ernährung). Solche Unruhen gehörten bis zu einem gewissen Grad zum nzl. Alltag, auch wenn zwischen den einzelnen Großregionen wie England, Frankreich und Deutschland (Altes Reich) erhebliche Unterschiede bestanden. Für Frankre…

Lebensmittelversorgung, städtische

(1,250 words)

Author(s): Schmidt, Patrick
1. Herausforderungen und Voraussetzungen Als Grundnahrungsmittel für die städtische Bevölkerung – insbes. für die ärmeren Schichten – dienten in der Nz. praktisch ausnahmslos Getreide-Produkte (Brot; Brei), bis in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s die Kartoffel eine vergleichbare Bedeutung erlangte. Nicht zuletzt deswegen war die S. L. grundsätzlich krisenanfällig. Missernten konnten zu einem sprunghaften Anstieg der Getreidepreise (Agrarkonjunktur; Agrarpreise) und in der Folge zu Hungerkrisen und -revolten führen. N…

Lebensstandard

(10 words)

s. Realeinkommen

Lebensstandard, biologischer

(2,123 words)

Author(s): Baten, Jörg | Crayen, Dorothee
1. Ernährung und Körpergröße Dem Konzept des B. L. liegt die Annahme eines Zusammenhangs zwischen Ernährungs-Qualität und Körpergröße (= Kg.) zugrunde, wobei auch die Einflüsse von Krankheits-Umfeld, Arbeits-Last und Hygiene berücksichtigt werden. Zahlreiche Studien belegen, dass die mittlere Kg. unter günstigen Lebensbedingungen steigt. Der menschliche Körper kann seine Energie für das Aufrechthalten vitaler Funktionen, für Aktivität, krankheitsbedingte Energieabgaben und zur Bildung von Reserven in Form von Körperfett einsetzen. Bei K…

Lebensstile

(6,392 words)

Author(s): Saurer, Edith
1. Begriff und Forschungsdiskussion 1.1. Lebensstil 1.1.1. Theorie um 1900 L. ist ein Begriff des frühen 20. Jh.s, der ab den 1970er Jahren in den Sozial- und Kulturwissenschaften breite Wirksamkeit erlangte: verstanden als Phänomen der Konsumgesellschaft, nämlich als any distinctive, and therefore recognizable mode of living [33. 60], das im Konsum zum Ausdruck komme. Arbeiten Max Webers, Georg Simmels und Thorstein Veblens schnitten das Konzept des L. unter Betonung unterschiedlicher Aspekte an. Der Begriff selbst tritt in Webers Die protest. Ethik und der Geist des Ka…

Lebenstreppe

(10 words)

s. Alterstreppe

Lebensunterhalt

(16 words)

s. Arbeit | Einkommensverteilung | Realeinkommen | Unterhalt

Lederproduktion

(1,741 words)

Author(s): Reith, Reinhold | Stöger, Georg
1. Verfahren und Standorte Aufgrund seiner vielfältigen Einsatzgebiete (v. a. für Kleidung, aber auch für technische Zwecke, etwa im Montanwesen) war Leder ein stark nachgefragtes Produkt der Nz., was zur Herausbildung einer umfangreichen europ. L. führte. Die Tätigkeit des Gerbens (d. h. Tierhäute durch mechanische und biochemische Bearbeitung in einen haltbaren Zustand zu versetzen und gleichzeitig ihre Materialeigenschaften zu erhalten) erfuhr ab dem späten MA wesentliche Spezialisierungen: Zunächst waren in der L. auch lederve…

Ledige

(804 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
L. war in der Nz. im speziellen Sinn Kollektivbezeichnung für die unverheiratete Jugend eines Ortes, bes. in ländlichen Gemeinden (in süddt. Dörfern noch zu Beginn des 20. Jh.s üblich) [5. 76], im Alltagssprachgebrauch überwiegend für die Gesamtheit der unverheirateten männlichen Jugend (neben anderen regionalspezifischen Bezeichnungen wie Buben [1. 459], Burschen [2. 548], Knaben [3. 1313] oder Knechte [4. 1381] im dt.sprachigen Bereich, franz. garçons und varlets oder ital. garzóni). Dass es sich dabei um eine Bezeichnung für Jugendgruppen handelte, zeigen parallele…

Legende

(12 words)

s. Hagiographie | Sage

Leges fundamentales

(957 words)

Author(s): Mohnhaupt, Heinz
1. Begriff und Funktion In allen europ. Ländern bildeten L. F. (lat.; »Grundgesetze«) Vorformen zur modernen Verfassung; sie hatten allerdings nur z. T. dieselben Funktionen. Während diese staatliche Macht organisiert, Individualrechte garantiert und im Rang über der allgemeinen Rechtsordnung steht, zeigt die Pluralform der L. F., dass sie kein planmäßiges, einheitliches Verfassungsgesetz darstellten, aber einen Kanon verfassungsrelevanter Texte bildeten. Im 18. Jh. wurden auch überpositive (d. h. über der p…

Legistik

(1,316 words)

Author(s): Lepsius, Susanne
1. Definition Der Begriff der L. ( Wissenschaft vom röm. Recht) zur Benennung eines Untersuchungsgegenstands der Rechtsgeschichte findet sich nur im Deutschen und wurde erst in den 1970er Jahren als komplementär zur Kanonistik (Wissenschaft vom Kirchenrecht) geprägt. Untersucht werden die röm.-rechtlich geprägten Texte aus der Zeit des ius commune, die in der dt. Terminologie auch als Epoche der Geltung des »gemeinen Rechts« bezeichnet wird (13.–17. Jh.). L. erfasst das Phänomen in wissenschaftsgeschichtlicher, nicht in geltendrechtlicher Absicht. Aufg…

Legitimation

(16 words)

s. Legitimation des Kindes | Legitimismus | Legitimität

Legitimation des Kindes

(1,206 words)

Author(s): Scholz-Löhnig, Cordula
1. Allgemein Durch L. und Adoption konnten nichteheliche Kinder den Status ehelicher Kinder erlangen. In der Nz. waren v. a. die L. durch nachfolgende Ehe (lat. per matrimonium subsequens; s. u. 2.) und die L. durch Hoheitsakt ( per rescriptum principis; s. u. 3.) verbreitet. Beide haben ihre Wurzeln im röm. Recht, hatten aber zu Beginn der Nz. schon wesentliche Prägung und Veränderung durch das kanonische Recht (Kirchenrecht) und durch Partikularrechte erfahren [10. 130]; [7. 69]; [8. 94]; [4. 408 f.]. Das Bedürfnis nach einer L. D. K. entstand erst, als die uneheliche …

Legitimismus

(971 words)

Author(s): Brandt, Hartwig
1. Definition Der L. war eine Antwort auf die Entmachtung und Delegitimierung der Monarchie durch Revolution und Napoleonzeit: eine Theorie christl. fundierter Königsherrschaft in einer Zeit des säkularen Umbruchs; insofern war er ein histor. Paradox. Wie der Konservatismus, dem er zugehörte, war er ein nachrevolutionäres Konstrukt, eine Ideologie der Kontinuität, als das geschichtliche Kontinuum zerbrochen war. Der L. war eine Hervorbringung der Französischen Revolution (1789), der Gegenpol einer Politik der Planierung alter Rec…

Legitimität

(691 words)

Author(s): Weber, Wolfgang E.J.
Der gegen Ende des 18. Jh.s aus der Rechtssprache entwickelte Begriff der L. (mlat. legitimitas, v. a. in Bezug auf Abstammung und Besitz) bezeichnet die »Rechtmäßigkeit« und daraus erwachsend die Anerkennungswürdigkeit und tatsächliche Anerkennung von Herrschafts-Trägern und -Akten sowie Regierungs- bzw. Staatsformen. Die politische Aufladung des zugehörigen Adjektivs (lat. legitimus) setzte mit der Verknüpfung von Erbrecht und herrschaftlicher Amtsnachfolge (Thronfolge) u. a. in der Goldenen Bulle 1356 ein. Sie beschleunigte sich im Zuge d…

Leguminosen

(685 words)

Author(s): Konersmann, Frank
Die Hülsenfrüchte (lat. leguminosae) bilden weltweit die drittgrößte Pflanzengruppe, innerhalb der die Schmetterlingsblütler, zu denen auch der Klee gehört, die meisten Arten aufweisen [7. 97 f.]. Seit dem Mesolithikum waren die dank ihrer Stickstoffbindung bes. eiweißhaltigen und damit nahrhaften L. wie Erbsen, Linsen und Bohnen im Vorderen Orient, im Mittelmeergebiet, in Mitteleuropa sowie in Süd- und Mittelamerika ein wichtiger Bestandteil menschlicher Ernährung [7. 101, 108 f., 124, 134 f., 137]; [6. 28, 37 f., 245 f.]. Im Zuge der Entdeckung der Neuen Welt wu…

Lehnsrecht

(1,538 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
1. Definition und Ursprung Die nzl. Situation des L. war im MA grundgelegt; seine Entwicklung war gegen 1500 so gut wie abgeschlossen und blieb bis ins 19. Jh. wirksam. Da s L. zählte mit Landrecht, Stadtrecht und Hofrecht (Weistum) zu den Rechtskreisen der Gesamtrechtsordnung in den europ. Ländern. Insbes. zum Landrecht verhielt sich das L. nahezu komplementär: Wo jenes dominierte, trat das L. zurück, und umgekehrt. Der Komplex des L. umfasste Rechtsverhältnisse, die zwar gegenseitige Rechte und Pflichten beinhalteten, aber die rechtliche Dominanz eines Part…
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