Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

Subscriptions: Brill.com

Laster

(2,083 words)

Author(s): Eckert, Georg
1. Allgemein L. (lat. vitium, engl./franz. vice) galt auch in der Frühen Nz. als Gegenteil der Tugend (= Tg.). Es bezeichnete die zur schlechten Gewohnheit gewordene Neigung eines Menschen zu sündhafter Verfehlung (Sünde). Dessen Moral war dadurch ebenso diskreditiert wie seine Ansprüche auf Autorität. Diese abendländische Grundüberzeugung geriet im späten 17. Jh. in Erklärungsnot: Ob man L. überwinden könne, wurde fortan nicht minder diskutiert als die Frage, ob man sie überhaupt überwinden solle. Wirkmächtige Frühaufklär…

Latein

(3,027 words)

Author(s): Stein, Elisabeth | Waquet, Françoise
1. Überblick: Begriff und Wirkungsbereiche Von der Spätantike bis ins 19. Jh. war L., die Sprache des Imperium Romanum, in Europa und den Gebieten der europ. Expansion in Übersee und Asien vornehmlich, aber nicht ausschließlich, schriftliches Kommunikations-Medium einer nicht eindeutig abgrenzbaren transnationalen Gemeinschaft, die in den unterschiedlichsten Lebensbereichen (Bildung, Wissenschaft, Religion, Politik) auf eine Verständigung jenseits tagesaktueller Ideologien setzte. Dabei verdankte sie ihre vermeintlich erstaunli…

Lateinamerikanische Unabhängigkeitsrevolutionen

(3,157 words)

Author(s): König, Hans-Joachim
1. Allgemein Die L. U. (1808/10–1826/30) gehören in den Kontext der Revolutionen und Befreiungsbewegungen des 18. und 19. Jh.s [17]. Sie entstanden aus dem Zusammenwirken von wachsender Entfremdung der in Amerika geborenen Angehörigen der kolonialen Oberschicht – der Amerikaspanier und Amerikaportugiesen (der sog. Kreolen) gegenüber ihren Mutterländern und der parallelen Entwicklung eines auf die eigene Region, nicht mehr auf das ferne Mutterland gerichteten Patriotismus sowie dem Bestreben der Kreolen um größere politische Mitsprach…

Lateinschule

(1,558 words)

Author(s): Bruning, Jens
1. Begriff und Vielfalt Der Begriff L. bezeichnet alle nichtuniversitären Schulen, die im Gegensatz zu den dt. Schreib- und Rechenschulen (Elementarschule) nicht ausschließlich, aber doch primär Latein unterrichteten, sodass »Festigkeit im Bekenntnis und in der Gelehrtensprache« [10. Bd. 1, 465] wesentliche Ziele des Unterrichts darstellten. Diese Einrichtungen des Sekundarschulbereichs waren in Größe und Ausstattung überaus heterogen und wurden demzufolge auch höchst unterschiedlich bezeichnet, u. a. als Partikularschule, Trivialsc…

Latifundien

(12 words)

s. Großgrundbesitz | Hacienda

Latinistik

(1,077 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick Latein war in der Nz. eine in der Diplomatie, in der Wissenschaft und im Bildungs-Wesen aktiv gebrauchte und somit lebende Sprache. Dies förderte seine gelehrte Erforschung allerdings nur bedingt. Vor dem 19. Jh. nämlich studierte man es weniger um seiner selbst willen als in gegenwartspraktischer Absicht: um es besser schreiben und sprechen zu können, um den (nach wie vor verbindlichen) klassischen Kanon der antiken Literatur zu kennen, das (ebenso gültige) Röm. Recht zu verstehen und an der Größe des antiken Rom teilzuhaben ( Antikerezeption). Anders als etwa d…

Laubwald

(841 words)

Author(s): Selter, Bernward
Zu Beginn der Nz. dominierten in den gemäßigten Breiten Europas sommergrüne L. (v. a. Buchen- und Eichenwälder in West-, Mittel- und Osteuropa) und immergrüne Hart-L. (v. a. Stein- und Korkeichenwälder im Mittelmeerraum). Bis ins 19., teils bis ins 20. Jh. bildete der L. bes. in der Nähe von Siedlungen einen integralen Bestandteil traditioneller agrarischer Nutzungssysteme, da er nicht nur Holz, sondern auch essbare Früchte (vgl. Sammelwirtschaft) und Futter (»Nährwald«) lieferte. Diese landwirtschaftlichen Praktiken wurden jedoch von Landesherren …

Lauda

(700 words)

Author(s): Schmidt, Lothar
1. Begriff und Entwicklung Die L. (von lat. laudare, »loben«) ist ein ein- oder mehrstimmiges geistliches Lied in ital. oder auch lat. Sprache. Im 13. Jh. wurden, unterstützt durch die Bettelorden, bes. in den toskanischen Städten Laienbruderschaften gegründet, die in ihren Andachten solche Lieder sangen. Das Singen von Lauden war zudem in der schwärmerisch-frommen Laienbewegung der Disciplinati (»Flagellanten«) verbreitet. Zu Beginn des 15. Jh.s wurde der L.-Gesang in Venedig auch in einer Benediktinischen Reformkongregation eingeführt (Religiöse Reformbewegungen). Da…

Laufen

(936 words)

Author(s): Mallinckrodt, Rebekka von
1. Läufer und Vorläufer L. im Sinne einer schnellen Fortbewegung zu Fuß wird hier als eine bes. trainierte Fertigkeit verstanden, deren Ausbreitung, Zweck und Bewertung sich im Laufe der Nz. wandelten. Als instrumentelle Fertigkeit wurde das L. vornehmlich von Boten ausgeübt, die Nachrichten zwischen Gemeinden, Klöstern, Höfen, Universitäten oder Kaufleuten überbrachten (Botenwesen). Mit der Ausbreitung des Post-Wesens verloren diese Botenläufer jedoch an Bedeutung und wurden schließlich im 18. Jh. nur noch jenseits der großen Postlinien sowie vom Adel eingesetzt, als Ku…

Laufmaschine

(896 words)

Author(s): Lessing, Hans-Erhard
Die L. ist als Urform des Fahrrads nicht mit dem Laufrad zur Übertragung von Muskelkraft bei Hebevorrichtungen und Maschinen zu verwechseln. Die L. war die erste Realisierung des Zweirad-Prinzips im …

Laufrad

(893 words)

Author(s): Bleidick, Dietmar
1. Allgemein L. wurden seit dem SpätMA in Europa zur optimierten Umsetzung der aufgewandten Muskelkraft als Antrieb von Kranen und Hebevorrichtungen, zuweilen auch von Maschinen, verwendet (s. u. 4.). Gegenüber Haspeln, Göpeln und Winden mit vergleichsweise begrenzter Leistungsfähigkeit bei z. T. großem Platzbedarf lagen die Vorteile der L. in der Ausnutzung des Körpergewichts der Arbeiter, der Möglichkeit zur parallelen Koppelung mehrerer Räder und der Einsatzmöglichkeit bei geringem Raumangebot durch die vertikale Ausrichtung. 2. Konstruktionsprinzipien Obwohl die Begriffe L. und Tretrad häufig synonym verwendet wurden, unterscheiden sie sich durch ihre Antriebstechnik. Beim L. liefen die Arbeiter – zuweilen auch Arbeiterinnen – tatsächlich im Rad. Der Antrieb des Tretrads erfolgte oberhalb oder seitlich des Rades durch sitzendes oder stehendes Treten auf außenliegende Sprossen. Unabhängig davon folgte die Konstruktion der Räder einem festen Grundprinzip: Die horizontal liegende Achse oder Welle mit einem Durchmesser von bis zu 0,5 m war im Mauerwerk eines Gebäudes oder einer Holzkonstruktion gelagert. Holzspeichen verbanden die Achse mit dem mit Brettern oder Sprossen versehenen Radkranz. Durch Menschen betriebene Tret- und L. besaßen in der Regel einen Durchmesser von 1,5–6 m. Während im nzl. handwerklichen Kleingewerbe auch Hunde L. antrieben, konnte in größeren Anlagen beim Einsatz von Ochsen, Pferden oder Eseln (Nutztiere) der Durchmesser der L.…

Law Court

(1,274 words)

Author(s): Schmidt, Martin
1. Allgemein L. C. bezeichnet im Englischen ein Gericht, im Plural auch ein Gerichtsgebäude. Auf den Brit. Inseln gilt court of law im formalen Sprachgebrauch als korrekter. Das nzl. Gerichtswesen in England und Wales entwickelte sich durch die Institutionalisierung gängiger Rechtspraktiken und Gesetzesmaßnahmen aus ma. Wurzeln ( Common Law). Eine systematische Gliederung der Judikative nach Rechtsgebieten, straffe Instanzenzüge und eine strikte Trennung der Rechtsprechung von Legislative und Exekutive wurden bis ins spätere 19. bzw. 20. …

Lawine

(932 words)

Author(s): Rohr, Christian
1. Allgemein Unter L. sind rasch abgleitende oder abstürzende Schneemassen – mitunter auch Eismassen – zu verstehen, die sich an steilen, unbewaldeten Hängen lösen und in die Tiefe stürzen. Sie treten bes. bei starkem Schneefall, bei Tauwetter oder nach starken Verwehungen auf, doch werden sie mitunter auch vom Menschen ausgelöst. Die moderne L.-Forschung unterscheidet zwei Grundtypen: die Fließ-L. und die Staub-L. Bei der Fließ-L. löst sich ein Schneebrett, zumeist aus Nassschnee bestehend, und rutsch…

Law Reports

(823 words)

Author(s): Schmidt, Martin
L. R. sind für den anglo-amerikan. Rechtskreis charakteristische »Gerichtsberichte«, die über die gerichtliche Verhandlung und Entscheidung in einem einzelnen Rechtsfall Auskunft geben. Sie werden zumeist von prozessbeobachtenden Juristen verfasst und häufig mit weiteren Berichten zu Sammelbänden kompiliert, die ebenfalls L. R. (in den USA auch: law reporters) heißen. Oft waren bzw. sind auch prozessbeteiligte Richter, Anwälte und Gerichtsschreiber Autoren oder Informanten von L. R. In den vom Common Law geprägten Ländern wie England, Wales, Irland, Kanada und den USA haben L. R. den Status von Rechtsquellen, deren Rang nur von Parlamentsgesetzen übertroffen wird. In diesen Ländern ist das geltende Recht nur z. T. oder nicht kodifiziert und wird primär in der …

Lazarett

(1,137 words)

Author(s): Dross, Fritz
1. Begriff Im Deutschen stand der nt. Name Lazarus seit dem MA allegorisch vorerst für einen Aussätzigen, später generell für einen armen Kranken; ein abgeleitetes Adjektiv (franz.

Lebende Bilder

(848 words)

Author(s): Scheibe, Eric
L. B. (franz. tableaux vivants) sind effektvoll arrangierte Gruppenbilder bedeutsamer Szenen aus Mythologie, christl. Heilsgeschichte oder nationaler Vergangenheit, die bei festlichen Anlässen oft nach bekannten Kunstwerken von Personen bewegungs- und wortlos gestellt werden. Nach einem konkreten Gemälde gestaltete L. B. kamen im späten 18. Jh. auf, freie szenische Arrangements mit bildhafter Qualität kannte man bereits seit dem Altertum. Ihre Funktion reichte in der Nz. von der Selbstdarstellung und Prachtentfaltung kirchl. und weltlicher Macht über die moralische, histor. und ästhetische Bildung bis zur unbeschwerten geselligen Unterhaltung. Das Aufkommen des Begriffs fiel mit den ersten öffentlichen Darbietungen selbständiger L. B. im ersten Jahrzehnt des 19. Jh.s zusammen. Bis…

Lebenserwartung

(708 words)

Author(s): Baten, Jörg | Müller, Normann
Als menschliche L. bezeichnet man die Anzahl der bis zum Tod verbleibenden Lebensjahre, welche ein Individuum aus einer genau spezifizierten Bevölkerungsgruppe im Durchschnitt zu erwarten hat. Grundsätzlich lässt sie sich für jedes Alter ermitteln. Die am häufigsten verwendete altersspezifische Form ist die L. bei der Geburt. Die Ermittlung basiert typischerweise auf Sterbetafeln: Auf Grundlage der zu einem bestimmten Zeitpunkt beobachteten altersspezifischen Mortalitäts-Raten wird berechnet, wie viele Jahre die Angehörigen der verschiedenen Altersgruppen im Durchschnitt noch zu leben hätten bzw. in Zukunft leben würden, wenn sich die Sterbewahrscheinlichkeiten nicht ändern. Das Bedürfnis nach einer möglichst präzisen Berechnung und Vorhersage altersspezifischer L. entstand im ausgehenden 17. Jh. in den westeurop. Ländern – v. a. in Englan…

Lebensformen

(10 words)

s. Lebensstile

Lebensformen und sozialer Wandel

(8,408 words)

Author(s): Ehmer, Josef | Fahrmeir, Andreas | Lucassen, Jan | Lucassen, Leo | Prankel, Dieter
1. Einleitung Im Andenken an Edith Saurer, die den letzten Band der EdN nicht mehr erlebte. Schlägt man einen beliebigen Band der EdN auf, so kann man sich auf den ersten Seiten darüber informieren, wie die Arbeit an diesem Mammutprojekt organisiert war. Im Hintergrund – und für die Leser/innen einzelner Artikel nicht mehr erkennbar – steht die Gliederung in zehn »Fachgebiete« und fast einhundert »Teilgebiete«, die jeweils von Fach- bzw. Teilherausgeber/innen betreut wurden. Die zehn Fachgebiete sollten ihrem Anspruc…

Lebenslauf

(8,127 words)

Author(s): Ehmer, Josef
1. Begriff und Forschungsstand Der Begriff des L. (lat. curriculum vitae) wurde in der dt. Sprache seit d…
▲   Back to top   ▲