Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Macartney-Mission

(987 words)

Author(s): Mittag, Achim
1. Hintergrund und Verlauf »Wie Euer Gesandter mit eigenen Augen sehen kann, besitzen wir alles. Ich lege keinen Wert auf merkwürdige oder raffiniert ersonnene Gegenstände und habe keine Verwendung für die Erzeugnisse Eures Landes« [3. 340] – diese schroffe Zurückweisung des brit. Wunsches nach Handelserleichterungen durch den betagten Qianlong-Kaiser steht im Zentrum des Briefs, der Lord George Macartney bei Beendigung seiner Mission am chines. Hof 1793 an den engl. König George III. mitgegeben wurde. Weitere – ebenso abschlägig beschiedene – Bitten Großbritan…

Machiavellismus

(2,254 words)

Author(s): Zwierlein, Cornel | Meyer, Annette
1. Begriff und Überblick Der Begriff M. ist vom Namen des Florentiners Niccolò Machiavelli (= Mc.) abgeleitet und bezeichnet generell als amoralisch bzw. tyrannisch eingeschätzte Politik [7. 92]. Er bezieht sich auf die politischen Schriften Mc.s – insbes. Il Principe (1532; »Der Fürst«) und Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio (1531; »Betrachtungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius«) –, darin v. a. auf die Passagen, in denen dem Herrscher Verstellung (Lüge), Betrug und Grausamkeit als Mittel zur Durchsetzung des eigenen Interesses empfohlen werden (Eigennutz; H…

Machtspruch

(10 words)

s. Kabinettsjustiz

Mädchenerziehung

(18 words)

s. Erziehung | Geschlechterrollen | Kindheit | Mädchenschule | Weiblichkeit

Mädchenhandel

(743 words)

Author(s): Schuster, Peter
1. Begriff und rechtliche Regelung Für die Zeit vor 1800 fehlt bisher eine übergreifende wiss. Darstellung zum Thema M. Dies liegt u. a. daran, dass M. als eine besondere Form des Menschenhandels erst seit dem späten 18. Jh. zunehmend als gesellschaftliches Problem im Umfeld der Prostitution wahrgenommen wurde. Die im philanthropischen und aufklärerischen Diskurs entwickelte begriffliche Abgrenzung des M. (franz. traite des blanches, 1762 erstmals nachgewiesen) vom Sklavenhandel ( traite des noirs) ist rein analytisch, da es zahlreiche Überschneidungen gab: Afrik…

Mädchenschule

(1,741 words)

Author(s): Rutz, Andreas
1. Allgemein Bis ins 20. Jh. war Mädchen und Frauen in Europa der Zugang zu höherer Bildung (Gymnasium und Universität) versagt. Elementare Fertigkeiten, religiöse Kenntnisse und Handarbeitstechniken konnten sie jedoch seit dem SpätMA in Elementarschulen erwerben; in der Regel waren dies koedukative Bildungseinrichtungen. V. a. sittlich-religiöse Vorstellungen ließen jedoch schon im ma. pädagogischen Diskurs Forderungen nach separater Unterweisung der Geschlechter aufkommen. Nicht zuletzt aufgrund der ohnehin chronischen Unterfinanz…

Madrasa

(10 words)

s. Schule

Madrigal

(1,564 words)

Author(s): Mautner, Hendrikje
1. Vorformen/Anfänge In der ersten Hälfte des 14. Jh.s bezeichnete M. eine poetische Gattung in ital. Sprache, zu deren bedeutendsten Repräsentanten Petrarca zählte. War der Terminus zunächst nur in Traktaten über lit. Formen aufgetreten ( Lyrik), so fand das M. als musikalische Form in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s auch Eingang in Musiktraktate. Zu Beginn des 15. Jh.s verschwand das Trecento-M., das auf streng definierten Form- und Versregeln basierte, aus den musikalischen Quellen. Mautner, Hendrikje 2. Zentren in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 2.1. Florenz Um 1530…

Magazin

(723 words)

Author(s): Kroener, Bernhard
Der Begriff M. entstammt dem Arabischen, wo makhâzin Lagerhäuser bezeichnet. Vermutlich im Zusammenhang mit den Handelsbeziehungen der ital. Stadtstaaten gelangte er seit 1400 – zunächst in seiner allgemeinen Bedeutung – in den roman. Sprachraum (ital. maggazzino; span. magacén; franz. magasin). Die zahlenmäßige Vergrößerung der Heere führte seit dem Beginn des 16. Jh.s zunächst nur sporadisch zur Errichtung von M. zur Verpflegung der Truppen im Feld ( Karl V. 1522). Eine regulierte M.-Verpflegung erfolgte in Frankreich seit der zweiten Hälfte des 16. Jh.s, um die …

Magd

(1,391 words)

Author(s): Flüchter, Antje | Ulbrich, Claudia
1. Allgemein Der Begriff M. (ahdt. magat, mhdt. maget, magt, niederl. maagd, friesisch megith) bezeichnete zunächst eine erwachsene, noch unverheiratete Frau, v. a. aber das ländliche, weibliche Gesinde. Die M. als saisonunabhängige ländliche Arbeitskraft war wie der Knecht in den Regionen verbreitet, in denen das europ. Heiratsmuster und die um ein Gattenpaar zentrierte Kernfamilie üblich waren. Entsprechend bildete der Dienst als M. in der ländlichen Gesellschaft eine Phase im Lebenslauf. Der Gesinde-Dienst, dem ein vertragliches Verhältnis zugrunde lag, war n…

Magdeburger Centurien

(713 words)

Author(s): Pohlig, Matthias
1. Begriff und Entstehung Die M. C. sind das berühmteste Werk der Kirchengeschichtsschreibung des frühnzl. Protestantismus. Diese (unabgeschlossene) Gesamtdarstellung der Kirchengeschichte entstand 1553–1574 in Magdeburg, Jena und Wismar. Die elf Bände erschienen zwischen 1559 und 1574 in Basel und reichten vom 1. bis ins 13. Jh.; daneben existiert eine handschriftliche Geschichte der Reformation. Der ursprüngliche Titel Historia Ecclesiastica (»Kirchengeschichte«) wurde schon früh vom Beinamen M. C. verdrängt, der anzeigt, dass das Werk nach Jahrhunderten (lat. cen…

Magellanstraße

(10 words)

s. Seehandelsrouten

Magie

(3,183 words)

Author(s): Labouvie, Eva | Neugebauer-Wölk, Monika
1. Volkskultur und Lebenspraxis 1.1. Begriff und zeitgenössische Wertungen M. beinhaltete bis in die Zeit der europ. Aufklärung den Glauben an die Existenz außer- wie innerhalb der eigenen Gruppe auftretender übernatürlicher Kräfte, die man sowohl Dämonen ( Dämonologie) und Menschen als auch der Natur sowie Gegenständen oder Substanzen zusprach. Handelte es sich um negative Kräfte, musste durch kollektive oder individuelle Maßnahmen Einhalt geboten werden. M.-Vorstellungen beinhalteten die Annahme, man könne über die Anwendung magischer (= mag.) Rituale Einfluss auf a…

Magistrat

(10 words)

s. Rat

Magnaten

(1,008 words)

Author(s): Asch, Ronald G.
1. Definition Unter M. (neulat. von magnus, »groß«) werden hier diejenigen Mitglieder einer nzl. europ. Adels-Gruppierung verstanden, die durch Status, Macht und Reichtum eine herausragende Führungsposition innerhalb des Adels einnahmen, oft mit privilegiertem Zugang zu staatlichen Ressourcen und Ämtern und mit der Fähigkeit, auch als Einzelne maßgeblichen politischen Einfluss auszuüben. Ein klassisches Beispiel für adlige M. in diesem Sinne sind etwa die Granden Spaniens – um 1700 rund 100 Personen in einem Land, in dessen kastilischem Reichsteil bis zu …

Magnetismus

(2,951 words)

Author(s): Jonkers, Art Roeland Theo | Steinle, Friedrich | Prankel, Dieter
1. Begriff Über die anziehende Wirkung des Magnetsteins (lat. magnes; engl. magnet oder lodestone; franz. aimant; ital. magnete) wurde schon in der Antike berichtet. Als im 12. Jh. auch die Nord-Süd-Ausrichtung von magnetisierten Eisennadeln in Europa bekannt wurde, erhielt der M. in Form des Kompasses erstmals eminente praktische Bedeutung. In der Antike häufig in einem Atemzug genannt, wurden in der Nz. M. und Elektrizität deutlich unterschieden. Erst durch die Entdeckung des Elektromagnetismus im 19. Jh. rückte ihre tatsächliche Verbindung in den Blick, und i…

Mahdi-Bewegungen

(816 words)

Author(s): Reichmuth, Stefan
1. Frühislam »Der Rechtgeleitete« (arab. al-mahdī) ist im Islam ein Attribut für den Propheten und seine ersten Nachfolger, die Kalifen, deren »rechte Leitung« (arab. al-hudā) durch Gott unter den frühen Muslimen weithin anerkannt war. Dieser Konsens zerbrach in der rapiden Expansion des Kalifates und in den tiefen Interessenkonflikten, die mit dem Aufbau staatlicher Institutionen und mit der Verteilung der Einkünfte aus den Eroberungen verbunden waren. Sie führten vorübergehend zur Spaltung des Kalifates und zu zwei f…

Mahlzeit

(984 words)

Author(s): Krug-Richter, Barbara
1. Begriff Der Begriff M. bezeichnet im eigentlichen Wortsinn die Zeit, zu der ein Mahl eingenommen wird (Morgen-, Mittags-, Abend-M.); historisch leitet er sich von der festgesetzten Zeit eines Gastmahles ab [1]. Heute jedoch wird er gemeinhin auch als Synonym für »Mahl« verwandt. In der kulturwiss.-histor. Ernährungs-Forschung stellt die M. eine der zentralen Grundeinheiten dar, in der »Speise und Trank realisiert und Werthaltungen und Kommunikation institutionalisiert sind« [9. 173]. 2. Entwicklung der drei Hauptmahlzeiten Die heutige Praxis der drei täglichen Haup…

Mainzer Republik

(1,186 words)

Author(s): Reichardt, Rolf
1. Verlauf Anders als die späteren Schwesterrepubliken des revolutionären Frankreich stand die M. R. [6] noch im Zeichen der Befreiungsideologie der jungen franz. Republik und ihrer Devise »Friede den Hütten, Krieg den Palästen« (Französische Revolution). Obgleich sie der Direktive einer Besatzung unterstand, entwickelte sie, soweit in sechs Monaten möglich, ein bemerkenswertes politisches Eigenleben. Wenige Tage nachdem der Mainzer Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal vor der anrückenden Rheinarmee geflohen war und deren Befehlshaber, General Adam Philippe de…

Mais

(765 words)

Author(s): Mahlerwein, Gunter
Die Domestikation von M. ( Zea mays) aus dem Wildgras Teosinte fand bereits vor 6 000 Jahren in Südmexiko statt. Von dort aus verbreitete sich die M.-Kultur über Nord-, Mittel- und Südamerika [5]; [6] und bildete die Ernährungsbasis der präkolumbischen Hochkulturen [3. 166]. Die europ. Geschichte des M. beginnt bereits mit der ersten Fahrt des Kolumbus, der 1492 M.-Anpflanzungen auf den Westind. Inseln entdeckte und beschrieb. Die Teilnehmer seiner zweiten Expedition brachten erste Körner nach Europa [6]; [5]. Die klimatische Anpassungsfähigkeit von M. und sein hoher E…

Majestätsbeleidigung

(830 words)

Author(s): Collin, Peter
1. Definition und Ursprung Unter M. versteht man im frühnzl. Recht allgemein und umfassend jede Verletzungshandlung gegenüber einem Monarchen. Ihre Gestalt als gegenüber anderen politischen Straftaten tatbestandlich abgrenzbares Delikt gewann die M. erst zur Mitte des 19. Jh.s. Bis zum Ende des 18. Jh.s ließ sich diese Ehrverletzung (Beleidigung) als Form eines umfassenden Majestätsverbrechens verstehen. Im dt.sprachigen Raum hatte sich das Delikt seiner Herkunft nach einerseits aus dem röm.-rechtlichen crimen laesae maiestatis (»Majestätsverletzung«; vgl. Gemein…

Majestätsrechte

(806 words)

Author(s): Pahlow, Louis
M. sind ein frühnzl. Begriff für die Hoheitsrechte des Herrschers. Sie rückten seit dem 17. Jh. in ganz Europa ins Zentrum der staatsphilosophischen und staatsrechtswiss. Diskussion (Staatslehre, allgemeine); ihnen kam bei der Ausgestaltung der Organisation des nzl. Staates wesentliche Bedeutung zu. Seit dem 16. Jh. bildeten sich in ganz Europa in einem umfassenden staatsphilosophischen Diskurs unterschiedliche Arten von M. heraus. Ausgangspunkt war die sog. maiestas, die in der Nz. nicht nur die Erhabenheit einer Person, sondern v. a. auch deren umfassendes Herrschafts…

Majoritätsprinzip

(846 words)

Author(s): Strohmeyer, Arno
1. Begriffsbestimmung Das M. ist eine zentrale Technik zur Entscheidungsfindung in Gruppen, Gremien und Organisationen. Es beruht auf der Gleichsetzung des Willens der Mehrheit (= Mh.) mit dem der Gesamtheit und steht damit in einem Spannungsverhältnis zur Einstimmigkeit und persönlichen Freiheit. Unterschieden werden absolute Mh. (Mh. aller möglichen Stimmen), einfache Mh. (Mh. der abgegebenen Stimmen), relative Mh. (ein Vorschlag erhält mehr Stimmen als irgendein anderer) und qualifizierte Mh. (festgelegte Mh., z. B. Zweidrittel-Mh.). 2. Neuzeitliche Praxis In der Fr…

Makrobiotik

(12 words)

s. Diätetik | Medizin

Malaria

(10 words)

s. Fieber

Malerei

(5,074 words)

Author(s): Rehm, Ulrich
1. Definition M. ist die künstlerische Gestaltung einer Fläche mit Farbmaterial. Die meistverbreiteten Bildträger sind eigens präparierte Holztafeln (Tafel-M.) und Textilien (in der Regel mit Spannvorrichtung), Wände und Decken architektonischer Räume, gelegentlich auch Pergament und Papier – diese bes. im Bereich der Buchillustration –, seltener Metall und Stein (Wandmalerei). Darüber hinaus spielt die M. in zahlreichen Bereichen des Kunsthandwerks eine wesentliche Rolle. Die farbige Gestaltung v…

Maler/in

(12 words)

s. Frauenarbeit | Malerei

Maltechnik

(1,635 words)

Author(s): Nicolaus, Knut
1. Temperamalerei Für die Temperamalerei (von lat. temperare, »mäßigen«, »mischen«) benutzen Künstler Pigmente, die in einer Emulsion aus wässrigen (z. B. Glutinleim) und nichtwässrigen (z. B. trocknendem Öl) Bindemitteln gebunden sind. Ein Emulgator sorgt für eine beständige Emulsion. Besteht die Emulsion überwiegend aus einem trocknenden Öl, spricht man von einer »fetten« Tempera (Öltempera), überwiegt in der Emulsion die wässrige Komponente, von einer »mageren«. Temperafarben trocknen matt und deckend und sind danach wasserfest. Die Temperamalerei ge…

Malthusianismus

(1,116 words)

Author(s): Ferdinand, Ursula
1. Begriff: Entstehung und Entwicklung In seinem Essay on the Principle of Population behauptete der engl. Theologe und Ökonom Thomas Robert Malthus 1798, dass die menschliche Bevölkerung (= B.) naturgegeben schneller wachse als die Produktion der für ihren Lebensunterhalt notwendigen Ressourcen. Damit leitete er einen pessimistischen Stimmungsumschwung in der Debatte über den Fortschritt der Menschheit ein und begründete einen Paradigmenwechsel im bevölkerungstheoretischen und -politischen Denken (s. u. 2.) [10]; [11]. Malthus' »B.-Gesetz« stellte Armut als notwe…

Mamluken

(910 words)

Author(s): Fuess, Albrecht
1. Allgemein Als M. (von arab. mamlūk, »im Besitz befindlich«) bezeichnet man die Sklavendynastien, die von 1250 bis 1517 Ägypten und Syrien beherrschten [5], sowie die aus dem Sklavenstand hervorgegangenen Militärführer und Gouverneure, die im Verlauf des 18. Jh.s in verschiedenen arab. Provinzen des Osmanischen Reiches (bes. Ägypten, Bagdad und Mossul) weitgehende Autonomie erlangen konnten [7]; [8]; [9]. Das Phänomen der Militär-Sklaverei spielte bereits seit dem 9. Jh. eine bedeutende Rolle in der Geschichte der muslimischen Gesellschaften. Man kau…

Mandarin

(866 words)

Author(s): Mittag, Achim
1. Begriff Der im Deutschen erstmals um 1630 nachgewiesene Begriff M. leitet sich vom portug. mandarim her, das wiederum auf das malaiische menteri und Sanskrit mantrin (»Minister«, »Ratgeber«; von Sanskrit mantra, »Rat«) zurückgeht. In dieser Bedeutung wurde der Ausdruck zuerst von den Portugiesen für Angehörige der chines. Amtsträgerschicht verwendet und in der Folge in viele andere europ. Sprachen übernommen. Später wurde der Begriff auch auf andere Elemente der chines. Kulturwelt übertragen, namentlich auf die im nordchines. Dialekt ge…

Mandat

(703 words)

Author(s): Strohmeyer, Arno
Der Begriff M. bezeichnet in einem weiten Sinn jede Form der Beauftragung durch Dritte. Im politischen Kontext beinhaltet das M. ein Kernthema des modernen Parlamentarismusdiskurses, nämlich die Bindung des Abgeordneten an den Wählerwillen. Das Problem reicht bis zu den Instruktionen der Delegierten für die spätma. Ständeversammlungen und der Reichweite ihrer Verhandlungsvollmachten zurück. Im 18. und frühen 19. Jh. erhielt die Problematik des M. aufgrund der fortschreitenden Demokratisierung der Gesellschaft, des Wandels des Repräsentations-Verständnisses, des G…

Mandschu

(924 words)

Author(s): Theobald, Ulrich
Die M. (oder Mandschuren) waren eines der Völker der nördl. Wald- und Steppenzone Ostasiens, denen es gelang, als Fremdherrscher eine kaiserliche Dynastie in China zu errichten. Die Herkunft des Begriffs M. ist noch nicht vollends geklärt; er wurde erstmals 1599 erwähnt und ersetzte seit 1635 offiziell den alten Volksnamen der Jurchen. Ethnisch und sprachlich gehörten die M. zur tungusischen Gruppe der Altai-Völker. Sie bewohnten die nordöstl. Gegend Chinas (heute Mandschurei). Die Stämme der M. hatten stets enge Beziehungen zum China der Ming-Dynastie (1368–1644), das die…

Mangel

(10 words)

s. Knappheit

Mangelernährung

(14 words)

s. Ernährung | Hungerkrisen und -revolten

Manieren

(1,438 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Ein soziales Ideal Unter M. verstand man ab dem späten 15. Jh. die Summe jener Verhaltensweisen, durch die sich Höflichkeit (ital. cortesia, gentilezza; span. cortesía; franz. politesse, civilité, gegenüber Damen auch courteoisie und galanterie; engl. politeness, courtesy) in der Praxis äußerte. Deshalb waren M. mehr als ein Verhalten, das den je geltenden sozialen Regeln entsprach. Diese nämlich unterschieden sich in der Nz. nach Geschlecht, Stand, Beruf, Konfession sowie sozialer, ethnischer und nationaler Zugehörigkeit und d…

Manierismus

(4,675 words)

Author(s): Kanz, Roland | Zymner, Rüdiger | Langenbruch, Anna
1. Einleitung Unter M. versteht man in Kunst, Literatur und Musik allgemein die Charakteristik eines ausgesprochen kunstvollen bzw. künstlichen Stils, und speziell in der Kunstgeschichte eine Epoche, die zeitlich zwischen Renaissance und Barock angesiedelt wird. Die Begriffsprägung erfolgte in der Kunstwissenschaft im späten 18. Jh. in Ableitung von »Manier« (s. u. 2.1.); sie umfasst hier zeitlich die Periode zwischen etwa 1520/30 und 1590/1600, eine Phase vermeintlicher Verfallserscheinungen in bildender Kunst und Arc…

Manier, Maniera

(13 words)

s. Manierismus

Manifest Destiny

(1,196 words)

Author(s): Rinke, Stefan
1. Begriff Das Konglomerat von Ideen, das sich mit dem Konzept des M. D. (der offensichtlichen Vorherbestimmung der USA) verband, lässt sich am besten als Vorstellung von deren quasi göttlichem Auftrag zur territorialen Expansion und von der US-amerikan. Geschichte als dessen Erfüllung beschreiben. John L. O'Sullivan, ein New Yorker Journalist und Politiker der Demokratischen Partei, prägte den Begriff 1845 in einem Aufsatz der von ihm herausgegebenen Zeitschrift United States Magazine and Democratic Review: » our manifest destiny to overspread the continent allotted…

Manifest, kommunistisches

(1,056 words)

Author(s): Schrader, Fred E.
1. Historischer Hintergrund Im Juni 1847 wurde der »Bund der Gerechten«, eine europ. sozialistisch (= soz.)-kommunistische (= komm.) Geheimorganisation mit Zentrale in London und weitflächigem Netzwerk, auf einem Londoner Bundeskongress in einen neuen »Bund der Kommunisten« ( Ligue des communistes) modernisiert [1]. Dieser wollte mit seiner Tradition als utopisch-konspirativer Verein von »Gemeinden« – der Begriff verweist noch auf alte christl. Inspirationen des europ. verbreiteten Handwerkerkommunismus (Bruderschaft; Kommune), aber auch auf Projekte von Charles F…

Männerbund

(854 words)

Author(s): Gareis, Iris
1. Begriff Der Begriff M. trat erstmals 1790 im Titel eines Trauerspiels des evang. Theologen und Dichters Johann Heinrich Zschokke auf ( Graf Monaldeschi oder M. und Weibermuth) [5. 53]. In den 1820er Jahren gründeten Angehörige der frühen Burschenschafts-Bewegung im schweizer. Exil den geheimen »Männer- und Jünglingsbund« [3. 31]. Größere Relevanz kommt dem im dt.sprachigen Raum geprägten Begriff M. seit Beginn des 20. Jh.s zu. Eine erste umfassende Untersuchung indigener, außereurop. M. lieferte der Ethnologe Heinrich Schurtz, der die angeblich größere Befähigung…

Männlichkeit

(2,308 words)

Author(s): Törpsch, Silke
1. Forschungsansätze M. (engl. masculinity; franz. masculinité) ist seit den 1980er Jahren ein Konzept der sozial- und kulturwiss. Forschung, mit dem kulturelle Konstruktionen von M.en, subjektive Erfahrungen und soziale wie psychische Identitäten von Männern (= Mr.) untersucht werden. Grundlegend ist hierbei – in Anlehnung an die theoretischen Grundlagen der Gender Studies – die Annahme, dass M. – wie Weiblichkeit – ein in Diskursen und sozialen Praktiken erzeugtes kulturelles Konstrukt ist (vgl. Geschlecht; Geschlechterrollen) [19]. Der Begriff M. ist wegen seines …

Manor

(13 words)

s. Grundherrschaft | Ländliche Gesellschaft

Manufaktur

(2,764 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
1. Begriff Als M. bezeichnet man Betriebsstätten in vorindustriellen Gewerben, die meist protoindustriellen Exportindustrien zuzurechnen sind (Protoindustrialisierung). Die Arbeitskräfte waren außerhalb ihrer eigenen Hauswirtschaft unter Aufsicht und Koordination einer dritten Person – eines Betriebsleiters, eines Händler-Fabrikanten (engl. merchant-manufacturer) oder Meister-Fabrikanten ( master-manufacturer) – tätig. Die Zentralisierung des Produktionsprozesses konnte sich auf einen einzelnen Produktionsschritt beziehen (horizontale …

Manufakturstadt

(10 words)

s. Gewerbestadt

Marathenreich

(2,475 words)

Author(s): Deshpande, Prachi | Prankel, Dieter
1. Vorbemerkung Das M. entstand im 17. Jh. in der marathisprachigen Region des westl. Indien (dem heutigen Bundesstaat Maharashtra) und entwickelte sich im Lauf des 18. Jh.s zu einer einflussreichen Macht. Als einer der Hauptkontrahenten und Nachfolgestaaten des Mogulreichs spielte es eine Schlüsselrolle in Gesellschaft und Politik des nzl. Südasien. Zu Beginn des 19. Jh.s war es die stärkste Gegenkraft zur Konsolidierung der brit. Kolonialherrschaft auf dem ind. Subkontinent (British Empire), die von der engl. East India Company (= EIC; Ostindische Kompanien) erst nach…

Märchen

(1,846 words)

Author(s): Mayer, Mathias
1. Definition Mit dem Terminus M. wird eine mündlich oder schriftlich überlieferte Erzählung kurzen oder mittleren Umfangs bezeichnet, die in einer von der raum-zeitlichen und kausal geordneten Wirklichkeit unterschiedenen Welt ohne Anspruch auf Glaubwürdigkeit spielt; kulturspezifische oder auch kulturübergreifende Motive spielen eine Rolle. Der für die Etablierung des Märchenhaften (über die Grenzen einer »Gattung« M. hinaus) entscheidende Status des Nicht-Wirklichen bewegt sich im Lauf einer langen Wirkungsgeschichte in der Nachbarschaft des Fiktiven (Fiktiona…

Marienverehrung

(2,801 words)

Author(s): Walter, Peter | König, Hans-Joachim
1. Grundlagen Maria (= Ma.), die Mutter Jesu, um deren im NT nur knapp skizziertes Leben sich seit dem 2. Jh. zahlreiche Legenden rankten, wurde bes. im Gefolge der Dogmatisierung der Gottessohnschaft Jesu Christi im 4. und 5. Jh. privat und liturgisch verehrt. Es entstand eine v. a. im MA wachsende Zahl von über das Kirchenjahr verteilten Ma.-Festen sowie der Gottesmutter geweihten Kirchen und Wallfahrts-Orten (s. u. 2.2.). Ma. wurde auch als exemplarische Jüngerin Jesu betrachtet. Sie bot den Gläub…

Marine

(763 words)

Author(s): Petter, Wolfgang
Auf dem Gebiet der Schifffahrt begann die Nz. um 1450 mit einem neuen Schiffstyp: mit der aus den Bedürfnissen der atlantischen Entdeckungsreisen Portugals entwickelten leichten Karavelle, deren Konstruktion und Besegelung im Gegensatz zur südeurop. Karacke und nordwesteurop. Holk das Kreuzen erlaubte (vgl. Schiffbau). Bei der allgemeinen Unsicherheit der Meere – auf denen meist nicht bekannt war, mit wem Krieg oder Frieden herrschte, und Willkür kaum kontrollierbar war (noch für Goethe gingen zur See Krieg, Handel und Piraterie ineinander über, vgl. Faust II, 5. Akt, 1854 u…

Marionettentheater

(10 words)

s. Puppenspiel

Mark

(715 words)

Author(s): Schneider, Konrad
Ähnlich wie das Pfund bezeichnete die M. in der Nz. (1) eine Gewichtseinheit, (2) eine Zähleinheit oder (3) eine geprägte Münze. Zur M. im räumlichen Sinn vgl. Markgenossenschaft und Markscheidewesen. (1) Als Gewichtseinheit war die M. auch Grundlage von Münzsystemen ( Maß und Gewicht). In Mitteleuropa setzte sich die Kölner M. (um 233 g) [9] gegenüber anderen regionalen M.-Gewichten wie der Nürnberger (um 255 g) und der Wiener M. (um 280 g) durch und wurde von der Esslinger Reichsmünzordnung 1524 zum Münzgrundgewicht des Alten Reiches erklärt. Genormte M.-Gewichte ware…

Marke

(12 words)

s. Markenrecht | Qualitätskontrolle

Markenrecht

(812 words)

Author(s): Pahlow, Louis
1. Frühe Neuzeit Marken als Produktkennzeichen haben ihre Wurzeln in den ma. und frühnzl. Zunft-Zeichen. Der in der Markierung dokumentierte Qualitätsnachweis sollte den einheimischen Konsumenten vor jeder Übervorteilung durch minderwertige Fabrikate schützen (vgl. Bäcker, Abb. 1) [6. 20–27]; z. T. traten auch absatzwirtschaftliche Motive hinzu. Bereits im 17. und 18. Jh. versuchte die landesherrliche Gewerbepolitik in ganz Europa, die Qualität der gewerblichen Produkte durch zahlreiche Anordnungen und Gesetze zu fördern, u. a. auch durch eine…

Markgenossenschaft

(902 words)

Author(s): Brakensiek, Stefan
1. Begriff und Entstehung Marken waren eine in der Westhälfte Deutschlands, im Osten Frankreichs, in weiten Teilen Österreichs und der Schweiz sowie in den nordöstl. Niederlanden verbreitete Ausprägung der Allmende [6]. Das Kompositum M. dagegen ist ein Ordnungsbegriff der Historischen Rechtsschule des 19. Jh.s, dessen Leistung darin besteht, die spezifischen Formen gemeinschaftlicher Nutzung von land- und forstwirtschaftlichen Ressourcen als Wesensmerkmal der Ökonomik Alteuropas zu deuten. Zugleich zählte M. zu jenen Begriffen, die ihren Schöpfern (darunter Justus …

Markscheidewesen

(958 words)

Author(s): Bartels, Christoph | Steffens, Gero
1. Allgemein Der Begriff – gebildet aus Mark (veraltet für Gebiet, Gelände) und Scheide (Grenze) – zielte im MA ursprünglich nur auf die Feldvermessung im Montanwesen. Seit der Frühen Nz. bezeichnet er alle im Bergbau erforderlichen Vermessungen und Dokumentationen; der Markscheider ist der für die Vermessung, Berechnung und (rissliche/bildliche) Darstellung zuständige Ingenieur [5]. Messungen im Verbund von Strukturen unter und über Tage waren stets eine anspruchsvolle Aufgabe, zu deren Durchführung geometrisches Spezialwissen sowie besondere t…

Markt

(8,284 words)

Author(s): Hesse, Jan-Otmar | Reith, Reinhold | Kopsidis, Michael
1. Allgemein 1.1. Definition In der modernen ökonomischen Theorie bezeichnet der Begriff M. das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage zum Zwecke des Tausches. Ein »perfekter« oder »vollkommener« M. – im Gegensatz zum Monopol-M. – ist dann gegeben, wenn der M.- Preis durch den einzelnen Anbieter oder Nachfrager nicht beeinflusst werden kann. Dieser Gleichgewichtspreis gilt als effizient und ist dann möglich, wenn keine sachlichen und zeitlichen Präferenzen von Nachfragern oder Anbietern vorliegen, vollkommene M.-Transparenz herrs…

Marktplatz

(10 words)

s. Piazza

Marktrecht

(756 words)

Author(s): Hofer, Sibylle
1. Marktordnungen Vom 16. bis 18. Jh. war das Marktgeschehen in Europa Gegenstand zahlreicher rechtlicher Regelungen. Zuständig für die Anordnung eines Wochenmarktes waren die Städte, wobei z. T. (etwa in Preußen) der Landesherr ein Genehmigungsrecht hatte [4. 33–37]. Stadtrechte und Landrechte oder auch besondere Marktordnungen waren dementsprechend Rechtsquellen für das M. Die Normen gehörten zu den Polizei-Ordnungen. Sie zeigen den Markt aus der Perspektive der Obrigkeit und waren ein Ausdruck von Herrschaft. Mit dem M. wurden v. a…

Marseillaise

(1,320 words)

Author(s): Reichardt, Rolf
1. Die Herkunft Die M. [10] entstand infolge der franz. Kriegserklärung an Österreich (20. 4. 1792) als patriotischer »Kriegsgesang für die Rheinarmee« ( Chant de guerre pour l’armée du Rhin). Angeregt vom Straßburger Bürgermeister Frédéric de Dietrich, komponierte der vor Ort stationierte Ingenieur-Offizier Claude Joseph Rouget de Lisle [9], ein musikalischer Autodidakt, Melodie und Verse und trug die neue Hymne als Erster öffentlich vor. Ihren eigentlichen Siegeszug trat die M. drei Monate später an: als Marschlied der 500 Marseiller Nationalgardisten auf ihrem Weg …

Märtyrerdrama

(753 words)

Author(s): Berthold, Sabine
1. Allgemein Das M. stellt die Passion eines Märtyrers (von griech./lat. mártys, »Zeuge«) in einem Trauerspiel oder einer Tragödie dar. Im Zentrum des christl. M. steht ein Mensch, der durch das Blutzeugnis seines gewaltsamen Todes für die Wahrheit des Glaubens einsteht. Sein Bekenntnis wird als exemplum der Tugendhaftigkeit und imitatio (»Nachahmung«) Christi gedeutet, um so eine heilsgeschichtlich determinierte und ethisch idealisierte Welt vorzuführen. Im nzl. M. wurde das Konzept des Märtyrers, das sich in den ersten Jahrhunderten n. Chr. he…

Märzrevolution

(11 words)

s. Revolution 1848/49

Maschine

(8,132 words)

Author(s): Popplow, Marcus | Pichol, Karl | Reith, Reinhold | Mende, Michael
1. Allgemein M. kamen in Europa schon lange vor der Industrialisierung zum Einsatz. Die Verbreitung der Wassermühle reicht bis in die Antike zurück, und zu Beginn der Nz. arbeiteten in Europa zehntausende Mühlen, die neben dem Mahlen von Getreide auch andere grobe Arbeiten wie das Zerkleinern z. B. von Rinde für das Gerben (Lederproduktion) oder das Stampfen der Bestandteile des Schießpulvers leisteten. Bis weit ins 19. Jh. hinein wurden solche M., zu denen auch Kräne (Hebevorrichtungen) und Wasserhebewerke (Wasserkünste) zu…

Maschinenbuch

(11 words)

s. Technische Literatur

Maschinenkunde

(12 words)

s. Maschine | Mechanik

Maschinensturm

(723 words)

Author(s): Buchner, Thomas
Unter M. wird die seit der Frühen Nz. bekannte, insbes. aber in der frühen Industrialisierung auftretende Zerstörung von Maschinen (= Msch.) als Mittel des sozialen Protests verstanden. M. lassen sich in jenen Bereichen nachweisen, in denen der Einsatz neuer Msch. als Verdrängung von (häufig qualifizierter) menschlicher Arbeit interpretiert wurde, so v. a. in der Textil-, aber auch in der Metall-Industrie und in der Landwirtschaft. Erste Höhepunkte erlebte der M. in England in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s und dem frühen 19. Jh. Besondere Bekanntheit erlangte…

Maske

(1,028 words)

Author(s): Fischer, Alexander Michael
1. Allgemein Eine M. oder Larve (franz. masque; von ital. maschera und mittellat. masca zu arab. mas-chara, »Verspottung«, »Scherz«, »Possenreißer«, »Maskierter«) ist ein meist plastisches Gebilde aus Holz, Ton, Leder, Kork, Stoff oder stuckierter Leinwand, das der Verhüllung oder Verfremdung der eigenen Identität dient; sie wird oft durch ein korrespondierendes Kostüm ergänzt. Man unterscheidet die reine Gesichts-M. von der Ganzkopf- oder Stülp-M., die wie ein Helm gearbeitet ist und den Kopf vollständig verhüllt, und der Aufsatz-M., die auf…

Maskenzug

(823 words)

Author(s): Wade, Mara R.
1. Allgemein Der M. war als Untergattung der frühnzl. Auf-, Ein- und Umzüge ein Phänomen v. a. der höfischen Fest-Kultur. Nicht dazu gezählt werden städtische oder kirchliche Prozessionen, bei denen zwar Festdekoration und -architektur vorhanden waren und verkleidete Darsteller allegorische Szenen darboten, die Teilnehmer selbst aber unmaskiert blieben. Bei M. hingegen nahmen sie mit der Maske eine Rolle an. Der M. war nur selten eine selbständige Veranstaltung, sondern meist in ein größeres Festprogramm eingebettet. M. gehörten zu den Lustbarkei…

Massaker

(778 words)

Author(s): Burschel, Peter
Aus der Welt der Schlachthöfe stammend, bezeichnete franz. massacre die »Bank des Metzgers«, dessen »Beil« der massacreur war, bevor das Wort in den franz. Religionskriegen der zweiten Hälfte des 16. Jh.s die bis heute gültige Bedeutung extremer kollektiver Gewalt an Wehrlosen annahm. Auffällig dabei ist, dass dieser Bedeutungswandel in Quellen calvinistischer Herkunft bereits seit Mitte des 16. Jh.s beobachtet werden kann – wie in einer 1556 erschienenen Flugschrift über die zehn Jahre zurückliegenden Verfolgungen von Waldensern…

Masse

(1,061 words)

Author(s): Schmale, Wolfgang
1. Begriffs- und Forschungsgeschichte Berühmt geworden ist der soziale Begriff der M. im Zusammenhang der Levée en masse in der Französischen Revolution: Am 23. 8. 1793 beschloss der Konvent, alle unverheirateten bzw. verwitweten Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren zum Wehrdienst einzuziehen. Zusammen mit anderen Rekrutierungs-Maßnahmen wurden auf diese Weise bis Mitte 1794 rund 800 000 Männer zum Kriegsdienst eingezogen. Die Riesenarmee als M. wurde zu einem der Sinnbilder, die man im 19. und 20. Jh. für das Agieren von »M. in der Geschichte« au…

Massenmedien

(10 words)

s. Medien

Maßsysteme

(18 words)

s. Maß und Gewicht | Metrologie | Quantifizierung und Messung

Maß und Gewicht

(2,670 words)

Author(s): Witthöft, Harald
1. Allgemein Die offenkundige Vielfalt der europ. M. u. G. seit dem FrühMA war ein Ergebnis jahrhundertelanger Entwicklung und zunehmender Differenzierung von Rechenhaftigkeit und rationalem M.-Gebrauch über SpätMA und Frühe Nz. hinaus (vgl. Metrologie). Das ältere M.-Wesen widersetzte sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jh.s einer modernen Abstraktion – trotz und zeitgleich mit einer von 1790/99 bis 1837/40 währenden Legalisierung des metrischen Systems in Frankreich (s. u. 3.). Im Alten Reich und im Deutschen Bund dominierte über die Mitte des 19. Jh.s hi…

Materialismus

(1,744 words)

Author(s): Henrich, Jörn
1. Philosophie Das philosophische Konzept des M. ist nicht nur für Physik (s. u. 2.) sowie Lebenswissenschaften und Anthropologie (s. u. 3.) von Bedeutung, sondern steht auch mit Ethik sowie Rechts- und Staatsphilosophie in Wechselwirkung. Dementsprechend gibt es dazu Beiträge aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Physik, Theologie und Literatur. Die zentrale systematische Aussage des M. fasste 1866 der dt. Philosoph Albert Lange zusammen: »Die Welt zeigt uns allenthalben nichts als Materie und Bewegung« [12. 480]. Diese Aussage lässt sich nur im Kontrast zu ihre…

Materia medica

(15 words)

s. Kräuterbücher | Naturgeschichte

Materie

(2,080 words)

Author(s): Snyder, James G. | Prankel, Dieter | Meinel, Christoph
1. Begriff Bis in die Nz. entwickelten sich Theorien der M. aus weiter ausgreifenden Theorien der Substanz. Bei Überlegungen zu den grundlegenden Entitäten der Wirklichkeit hatten schon die Philosophen der Antike Fragen nach dem unveränderlichen Träger wechselnder Eigenschaften und sich verändernder Substanzen gestellt sowie darüber reflektiert, was (wenn überhaupt etwas) man darüber wissen könne. Die Vorstellung von der M. als der Grundlage der Dinge spiegelt sich in dem griech. Wort hýlē (lat. materia): Wörtlich bedeutet es das Holz eines Baumes, das Material, aus…

Materielle Kultur

(2,119 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Definition Die M. K. ist konstitutiver Bestandteil der Alltags-Wirklichkeit, sie ist »das augenfälligste und greifbarste Moment von Kultur« [16]. Ihre Produktion ist an geistige und mentale Prozesse und letztlich an bestimmte Formen der sozialen Organisation (Gesellschaft), der Ökonomie, Sprache, Religion, der Ethik und des Rechts gebunden [16. 72]. Die M. K. umfasst so unterschiedliche Dinge wie Nahrung und Kleidung, Architektur und Wohnkultur, Werkzeuge und Waffen, Geräte und Maschinen, Schmuck und Luxus-Gegenstände, Medien und Fortbewegung…

Mathematik

(637 words)

Author(s): Epple, Moritz
Der Begriff M. geht auf den griech. Plural ta mathēmatiká (»die math. Dinge« – gebraucht u. a. bei Aristoteles –, von griech. máthēma, Gegenstand der »Kenntnis« oder »Lehre«) und die lat. Entlehnung mathematica (u. a. bei Cicero) zurück. In vielen europ. Sprachen sind heute noch Pluralformen gebräuchlich (z. B. engl. mathematics, franz. les mathématiques). Den Sinn einer Bezeichnung einer einheitlichen wiss. Disziplin hat der Singular M. im Deutschen erst im Übergang vom 18. zum 19. Jh. angenommen. Davor wurde die M. in der Nz. sehr viel umfassender als der Bereich aller mathema…

Mathematik, musikalische

(796 words)

Author(s): Heesch, Florian
1. Definition und Gegenstand Zu den mathematischen Wissenschaften innerhalb der Artes liberales zählte bis ins frühe 18. Jh. auch die Musik. Dementsprechend bezeichnete der ma.-nzl. Begriff der musica im Gegensatz zum modernen Begriff Musik keine »organisierte Klanggestaltung« [3. 15–17], sondern eine Reflexionsform. Der musicus wurde als gelehrter Theoretiker vom praktisch tätigen cantor unterschieden ( Musiker/in). Zugleich bestanden Überschneidungen zwischen Theorie und Praxis. Anhand der M. M. dürfte bes. deutlich werden, dass Wissenschaft u…

Mathematische Instrumente

(797 words)

Author(s): Epple, Moritz
Der Gebrauch von Gegenständen zum Messen und Rechnen begleitet die mathematischen Wissenschaften und rechnerische sowie zeichnerische Praktiken seit der Antike. Die Zeicheninstrumente Lineal und Zirkel waren seither ebenso in Verwendung wie verschiedene I. zur Winkelmessung in der Astronomie. Die Entwicklung von M. I. für den astronomischen Bereich nahm in der Blütezeit der arab.-islam. Wissenschaft (10.–13. Jh.) bedeutenden Umfang an. Die großen arab. Beobachtungszentren wie Maragha (13.–14. Jh.) besaßen eigene Werkstätten zur I.-Herstellung. Manche die…

Mathematische Strenge

(921 words)

Author(s): Jahnke, Hans Niels
Unter einem strengen Beweis (= Bw.) verstand man in den mathematischen Wissenschaften – und namentlich in der euklidischen Tradition der Geometrie – die Ableitung eines Satzes aus Axiomen und bereits bewiesenen Sätzen durch eine lückenlose und vollständige Kette von rein logischen Schlussfolgerungen ohne Rückgriff auf die Anschauung (synthetischer Bw.). Mit dem Begriff der S. bezeichnete man zunächst das Ideal, jeden math. Bw. in diesem euklidischen Stil zu führen, der auch in nicht-math. Bereichen als Vorbild wi…

Mathematische Wissenschaften

(8,298 words)

Author(s): Epple, Moritz
1. Allgemein Die M. W. (lat. disciplinae mathematicae) umfassten zunächst die aus der hellenistischen Antike überlieferten Teilbereiche math. Wissens. Ihre Stellung in der Wissenskultur des späten MA war niedrig und eng auf bestimmte Gebiete begrenzt (vgl. u. a. Mathematik, musikalische). Im Laufe des 16. und 17. Jh.s erlebten nicht nur die klassischen Zweige der M. W. eine tiefgreifende Erneuerung, sondern es traten auch neue Bereiche hinzu und verbreiteten sich in der frühnzl. Gesellschaft. Die Refo…

Mätresse

(862 words)

Author(s): Hohkamp, Michaela
1. Begriff und gesellschaftliche Funktion Der Begriff M. (vgl. engl. mistress) stammt vom franz. maîtresse (»Herrin«, »Meisterin«) und bezeichnete in der Nz. eine Frau, die ein nicht eheliches Verhältnis mit einem adeligen Mann unterhielt. Sprachlich ohne männliches Gegenstück – zwar hatten Königinnen und Fürstinnen mitunter ebenfalls Liebhaber (so z. B. Königin Caroline Mathilde, Königin von Dänemark und Norwegen, 1767–1772 den Altonaer Arzt Johann Friedrich von Struensee), die in ihrer Funktion als Favorit am Hof jedoch keine offizielle Position einna…

Matrikel

(714 words)

Author(s): Neu, Tim
Als Quellen- und Forschungsterminus bezeichnet der uneinheitlich gebrauchte Begriff M. unterschiedliche Typen von Schriftgut. Die im 15. Jh. entstandene Entlehnung M. (auch Matricul/Matrikul) und ihre lat. Vorlage matricula (»öffentliches Verzeichnis«) umfassen verschiedene Formen von listenartigen Aufzeichnungen, insbes. Personenverzeichnisse. Im MA begegnet der lat. Begriff in kirchlichen Kontexten und meint überwiegend Listen, welche die Geistlichen einer kirchlichen Institution oder die von ihr ständig unterstützten Bedürftigen…

Maunder Minimum [Hinzugefügt 2017]

(1,270 words)

Author(s): Franz Mauelshagen | Herausgeber: Wolfgang Behringer
1. Nachweis des Maunder Minimums Das M.M. war eine Phase reduzierter Sonnenaktivität (Sonne) zwischen 1645 und 1715 (Kleine Eiszeit). Es ist nach dem brit. Astronomen Edward Walter Maunder benannt, der sich wie eine Reihe von Vorgängern, darunter Joseph Jérôme Lalande, William Herschel und Gustav Spörer, auf Sonnenfleckenbeobachtungen stützte [5]; [4]; [21]; [20. 78–81]. Maunder selbst sprach mit Bezug auf den genannten Zeitraum von einem »ausgedehnten Sonnenfleckenminimum« ( prolonged sun-spot minimum) [22]. Die Bezeichnung »M.M.« geht auf einen Science-Artikel des amer…
Date: 2016-11-01

Mausoleum

(731 words)

Author(s): Erben, Dietrich
M. bezeichnet als architektonischer Gattungsbegriff einen repräsentativen Grabbau und wird bis heute hauptsächlich in diesem Sinn benutzt (Grabmal). Weitere Bedeutungen waren in der Nz. verbreitet und gerieten mit dem Verschwinden des jeweiligen Phänomens weitgehend in Vergessenheit: So wurde M. für einen ephemer errichteten Funeralapparat (lat. castrum doloris, »Trauergerüst«) verwendet; von ihm wurde die Bezeichnung für die lit. Gattung der Toten-Panegyrik abgeleitet; darüber hinaus war das Wort auch für Reliquienschreine von Heiligen (ital. arca) gebräuchlich. M. (…

Maut

(10 words)

s. Zoll

Maya

(2,566 words)

Author(s): Kummels, Ingrid | Grünschloß, Andreas
1. Allgemein Als M. werden die Sprecher der größten indigenen Sprachfamilie in Mesoamerika mit heute acht Mio. Menschen sowie die archäologischen Kulturen in ihrem Siedlungsgebiet bezeichnet. Auch in vorspan. Zeit lebten sie im Gebiet des heutigen Südmexiko (Halbinsel Yucatán und Chiapas), von Belize, Guatemala, dem westl. Honduras und El Salvador. Es umfasst das karstige nördl. Tiefland von Yucatán, das feuchtheiße südl. Tiefland vom Petén, das Hochland von Chiapas und Guatemala sowie die Pazifikküste – Teilregionen, die in sich ökologisch äußerst divers sind [12. 9–11]. Die …

Mazarinades

(680 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der seit 1850 in der Forschung übliche Begriff M. geht auf La Mazarinade zurück, den Titel einer 1651 von Paul Scarron verfassten lit. Parodie der Ilias (franz. Iliade). Er dient als Sammelbezeichnung für mehr als 4 000 meist sehr polemische Pamphlete, die in Frankreich zur Zeit der Fronde (1648–1653) gegen die Versuche der Krone publiziert wurden, Regierung und Verwaltung im Sinne des Absolutismus zu zentralisieren. Da diese Bestrebungen sich in Kardinal Jules Mazarin verkörperten, dem Vertrauten und Ersten Minister der Regentin Anna von Österreich und ihres min…

Mäzen

(2,663 words)

Author(s): Erben, Dietrich | Schneider, Ute | Rode-Breymann, Susanne
1. Definition Der Begriff M. (abgeleitet von Gaius Maecenas, der im 1. Jh. v. Chr. unter Kaiser Augustus als Förderer eines Dichterkreises, darunter Horaz, wirkte) bezeichnet Personen(gruppen) oder Institutionen, die als finanzielle und ideelle Förderer der Wissenschaften oder Künste hervortreten. In der Nz. war die histor. Gestalt des Maecenas neben antiken Quellen durch mehrere Biographien des 17. Jh.s bekannt (u. a. Johann H. Meibom, 1653) [1]. Das dt. Lehnwort M. (Mecenat, Mäcen) ist im 16. Jh. in der Hauptbedeutung »Schutzherr« nachweisbar und verbre…

Mechanicus

(14 words)

s. Instrumentenmacher | Maschine | Uhrmacher

Mechanik

(4,480 words)

Author(s): Guicciardini, Niccolò | Popplow, Marcus
1. Allgemein Die M. war in der Nz. tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Im späten 16. Jh. galt sie noch als Wissenschaft der sog. einfachen Maschinen wie Hebel, Flaschenzug, Schraube, schiefe Ebene und Keil (s. u. 3.3). Sie untersuchte, wie sich Lasten mit deren Hilfe bewegen ließen. Im Verlauf des 17. Jh.s verschoben sich Reichweite und Zielsetzung: Hauptgegenstand der von Galilei und seinen Anhängern vertretenen neuen M. wurden Phänomene der Bewegung; ihre Aufgabe lag nun im Studium der Funktionsweise der Na…

Mechanisierung

(12 words)

s. Maschine | Produktivität

Mechanismus

(2,295 words)

Author(s): Miller, Jon | Prankel, Dieter
1. Begriff Die »mechanische Philosophie« sowie eine neue math. Darstellungsform und eine neue Theorie von der Materie, von deren Eigenschaften und Kräften waren entscheidende Faktoren der wissenschaftlichen Revolution des 17. und 18. Jh.s. Aus dem Blickwinkel des 21. Jh.s lassen sich im frühnzl. Diskurs drei Verwendungsweisen des Worts Mechanik ausmachen. (1) Der alltäglichste Gebrauch bezieht sich auf die Konstruktion und Verwendung von Maschinen wie Pumpen und Mühlen. Im Zug der Wiederentdeckung und Veröffentlichung antiker Texte zur Mechanik und Mathematik ( Archimed…
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