Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

Subscriptions: Brill.com

Materie

(2,080 words)

Author(s): Snyder, James G. | Prankel, Dieter | Meinel, Christoph
1. Begriff Bis in die Nz. entwickelten sich Theorien der M. aus weiter ausgreifenden Theorien der Substanz. Bei Überlegungen zu den grundlegenden Entitäten der Wirklichkeit hatten schon die Philosophen der Antike Fragen nach dem unveränderlichen Träger wechselnder Eigenschaften und sich verändernder Substanzen gestellt sowie darüber reflektiert, was (wenn überhaupt etwas) man darüber wissen könne. Die Vorstellung von der M. als der Grundlage der Dinge spiegelt sich in dem griech. Wort hýlē (lat. materia): Wörtlich bedeutet es das Holz eines Baumes, das Material, aus…

Materielle Kultur

(2,119 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Definition Die M. K. ist konstitutiver Bestandteil der Alltags-Wirklichkeit, sie ist »das augenfälligste und greifbarste Moment von Kultur« [16]. Ihre Produktion ist an geistige und mentale Prozesse und letztlich an bestimmte Formen der sozialen Organisation (Gesellschaft), der Ökonomie, Sprache, Religion, der Ethik und des Rechts gebunden [16. 72]. Die M. K. umfasst so unterschiedliche Dinge wie Nahrung und Kleidung, Architektur und Wohnkultur, Werkzeuge und Waffen, Geräte und Maschinen, Schmuck und Luxus-Gegenstände, Medien und Fortbewegung…

Mathematik

(637 words)

Author(s): Epple, Moritz
Der Begriff M. geht auf den griech. Plural ta mathēmatiká (»die math. Dinge« – gebraucht u. a. bei Aristoteles –, von griech. máthēma, Gegenstand der »Kenntnis« oder »Lehre«) und die lat. Entlehnung mathematica (u. a. bei Cicero) zurück. In vielen europ. Sprachen sind heute noch Pluralformen gebräuchlich (z. B. engl. mathematics, franz. les mathématiques). Den Sinn einer Bezeichnung einer einheitlichen wiss. Disziplin hat der Singular M. im Deutschen erst im Übergang vom 18. zum 19. Jh. angenommen. Davor wurde die M. in der Nz. sehr viel umfassender als der Bereich aller mathema…

Mathematik, musikalische

(796 words)

Author(s): Heesch, Florian
1. Definition und Gegenstand Zu den mathematischen Wissenschaften innerhalb der Artes liberales zählte bis ins frühe 18. Jh. auch die Musik. Dementsprechend bezeichnete der ma.-nzl. Begriff der musica im Gegensatz zum modernen Begriff Musik keine »organisierte Klanggestaltung« [3. 15–17], sondern eine Reflexionsform. Der musicus wurde als gelehrter Theoretiker vom praktisch tätigen cantor unterschieden ( Musiker/in). Zugleich bestanden Überschneidungen zwischen Theorie und Praxis. Anhand der M. M. dürfte bes. deutlich werden, dass Wissenschaft u…

Mathematische Instrumente

(797 words)

Author(s): Epple, Moritz
Der Gebrauch von Gegenständen zum Messen und Rechnen begleitet die mathematischen Wissenschaften und rechnerische sowie zeichnerische Praktiken seit der Antike. Die Zeicheninstrumente Lineal und Zirkel waren seither ebenso in Verwendung wie verschiedene I. zur Winkelmessung in der Astronomie. Die Entwicklung von M. I. für den astronomischen Bereich nahm in der Blütezeit der arab.-islam. Wissenschaft (10.–13. Jh.) bedeutenden Umfang an. Die großen arab. Beobachtungszentren wie Maragha (13.–14. Jh.) besaßen eigene Werkstätten zur I.-Herstellung. Manche die…

Mathematische Strenge

(921 words)

Author(s): Jahnke, Hans Niels
Unter einem strengen Beweis (= Bw.) verstand man in den mathematischen Wissenschaften – und namentlich in der euklidischen Tradition der Geometrie – die Ableitung eines Satzes aus Axiomen und bereits bewiesenen Sätzen durch eine lückenlose und vollständige Kette von rein logischen Schlussfolgerungen ohne Rückgriff auf die Anschauung (synthetischer Bw.). Mit dem Begriff der S. bezeichnete man zunächst das Ideal, jeden math. Bw. in diesem euklidischen Stil zu führen, der auch in nicht-math. Bereichen als Vorbild wi…

Mathematische Wissenschaften

(8,298 words)

Author(s): Epple, Moritz
1. Allgemein Die M. W. (lat. disciplinae mathematicae) umfassten zunächst die aus der hellenistischen Antike überlieferten Teilbereiche math. Wissens. Ihre Stellung in der Wissenskultur des späten MA war niedrig und eng auf bestimmte Gebiete begrenzt (vgl. u. a. Mathematik, musikalische). Im Laufe des 16. und 17. Jh.s erlebten nicht nur die klassischen Zweige der M. W. eine tiefgreifende Erneuerung, sondern es traten auch neue Bereiche hinzu und verbreiteten sich in der frühnzl. Gesellschaft. Die Refo…

Mätresse

(862 words)

Author(s): Hohkamp, Michaela
1. Begriff und gesellschaftliche Funktion Der Begriff M. (vgl. engl. mistress) stammt vom franz. maîtresse (»Herrin«, »Meisterin«) und bezeichnete in der Nz. eine Frau, die ein nicht eheliches Verhältnis mit einem adeligen Mann unterhielt. Sprachlich ohne männliches Gegenstück – zwar hatten Königinnen und Fürstinnen mitunter ebenfalls Liebhaber (so z. B. Königin Caroline Mathilde, Königin von Dänemark und Norwegen, 1767–1772 den Altonaer Arzt Johann Friedrich von Struensee), die in ihrer Funktion als Favorit am Hof jedoch keine offizielle Position einna…

Matrikel

(714 words)

Author(s): Neu, Tim
Als Quellen- und Forschungsterminus bezeichnet der uneinheitlich gebrauchte Begriff M. unterschiedliche Typen von Schriftgut. Die im 15. Jh. entstandene Entlehnung M. (auch Matricul/Matrikul) und ihre lat. Vorlage matricula (»öffentliches Verzeichnis«) umfassen verschiedene Formen von listenartigen Aufzeichnungen, insbes. Personenverzeichnisse. Im MA begegnet der lat. Begriff in kirchlichen Kontexten und meint überwiegend Listen, welche die Geistlichen einer kirchlichen Institution oder die von ihr ständig unterstützten Bedürftigen…

Maunder Minimum [Hinzugefügt 2017]

(1,270 words)

Author(s): Franz Mauelshagen | Herausgeber: Wolfgang Behringer
1. Nachweis des Maunder Minimums Das M.M. war eine Phase reduzierter Sonnenaktivität (Sonne) zwischen 1645 und 1715 (Kleine Eiszeit). Es ist nach dem brit. Astronomen Edward Walter Maunder benannt, der sich wie eine Reihe von Vorgängern, darunter Joseph Jérôme Lalande, William Herschel und Gustav Spörer, auf Sonnenfleckenbeobachtungen stützte [5]; [4]; [21]; [20. 78–81]. Maunder selbst sprach mit Bezug auf den genannten Zeitraum von einem »ausgedehnten Sonnenfleckenminimum« ( prolonged sun-spot minimum) [22]. Die Bezeichnung »M.M.« geht auf einen Science-Artikel des amer…
Date: 2016-11-01

Mausoleum

(731 words)

Author(s): Erben, Dietrich
M. bezeichnet als architektonischer Gattungsbegriff einen repräsentativen Grabbau und wird bis heute hauptsächlich in diesem Sinn benutzt (Grabmal). Weitere Bedeutungen waren in der Nz. verbreitet und gerieten mit dem Verschwinden des jeweiligen Phänomens weitgehend in Vergessenheit: So wurde M. für einen ephemer errichteten Funeralapparat (lat. castrum doloris, »Trauergerüst«) verwendet; von ihm wurde die Bezeichnung für die lit. Gattung der Toten-Panegyrik abgeleitet; darüber hinaus war das Wort auch für Reliquienschreine von Heiligen (ital. arca) gebräuchlich. M. (…

Maut

(10 words)

s. Zoll

Maya

(2,566 words)

Author(s): Kummels, Ingrid | Grünschloß, Andreas
1. Allgemein Als M. werden die Sprecher der größten indigenen Sprachfamilie in Mesoamerika mit heute acht Mio. Menschen sowie die archäologischen Kulturen in ihrem Siedlungsgebiet bezeichnet. Auch in vorspan. Zeit lebten sie im Gebiet des heutigen Südmexiko (Halbinsel Yucatán und Chiapas), von Belize, Guatemala, dem westl. Honduras und El Salvador. Es umfasst das karstige nördl. Tiefland von Yucatán, das feuchtheiße südl. Tiefland vom Petén, das Hochland von Chiapas und Guatemala sowie die Pazifikküste – Teilregionen, die in sich ökologisch äußerst divers sind [12. 9–11]. Die …

Mazarinades

(680 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der seit 1850 in der Forschung übliche Begriff M. geht auf La Mazarinade zurück, den Titel einer 1651 von Paul Scarron verfassten lit. Parodie der Ilias (franz. Iliade). Er dient als Sammelbezeichnung für mehr als 4 000 meist sehr polemische Pamphlete, die in Frankreich zur Zeit der Fronde (1648–1653) gegen die Versuche der Krone publiziert wurden, Regierung und Verwaltung im Sinne des Absolutismus zu zentralisieren. Da diese Bestrebungen sich in Kardinal Jules Mazarin verkörperten, dem Vertrauten und Ersten Minister der Regentin Anna von Österreich und ihres min…

Mäzen

(2,663 words)

Author(s): Erben, Dietrich | Schneider, Ute | Rode-Breymann, Susanne
1. Definition Der Begriff M. (abgeleitet von Gaius Maecenas, der im 1. Jh. v. Chr. unter Kaiser Augustus als Förderer eines Dichterkreises, darunter Horaz, wirkte) bezeichnet Personen(gruppen) oder Institutionen, die als finanzielle und ideelle Förderer der Wissenschaften oder Künste hervortreten. In der Nz. war die histor. Gestalt des Maecenas neben antiken Quellen durch mehrere Biographien des 17. Jh.s bekannt (u. a. Johann H. Meibom, 1653) [1]. Das dt. Lehnwort M. (Mecenat, Mäcen) ist im 16. Jh. in der Hauptbedeutung »Schutzherr« nachweisbar und verbre…

Mechanicus

(14 words)

s. Instrumentenmacher | Maschine | Uhrmacher

Mechanik

(4,480 words)

Author(s): Guicciardini, Niccolò | Popplow, Marcus
1. Allgemein Die M. war in der Nz. tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Im späten 16. Jh. galt sie noch als Wissenschaft der sog. einfachen Maschinen wie Hebel, Flaschenzug, Schraube, schiefe Ebene und Keil (s. u. 3.3). Sie untersuchte, wie sich Lasten mit deren Hilfe bewegen ließen. Im Verlauf des 17. Jh.s verschoben sich Reichweite und Zielsetzung: Hauptgegenstand der von Galilei und seinen Anhängern vertretenen neuen M. wurden Phänomene der Bewegung; ihre Aufgabe lag nun im Studium der Funktionsweise der Na…

Mechanisierung

(12 words)

s. Maschine | Produktivität

Mechanismus

(2,295 words)

Author(s): Miller, Jon | Prankel, Dieter
1. Begriff Die »mechanische Philosophie« sowie eine neue math. Darstellungsform und eine neue Theorie von der Materie, von deren Eigenschaften und Kräften waren entscheidende Faktoren der wissenschaftlichen Revolution des 17. und 18. Jh.s. Aus dem Blickwinkel des 21. Jh.s lassen sich im frühnzl. Diskurs drei Verwendungsweisen des Worts Mechanik ausmachen. (1) Der alltäglichste Gebrauch bezieht sich auf die Konstruktion und Verwendung von Maschinen wie Pumpen und Mühlen. Im Zug der Wiederentdeckung und Veröffentlichung antiker Texte zur Mechanik und Mathematik ( Archimed…
▲   Back to top   ▲