Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Nachahmung

(10 words)

s. Mimesis

Nachbarrecht

(763 words)

Author(s): Hofer, Sibylle
1. Allgemein Das N. ist Teil des Eigentums-Rechts an Grundstücken. Es beinhaltet Regelungen, durch welche die grundsätzlich freie Nutzungsbefugnis eines Eigentümers beschränkt wird. Solche Einschränkungen können unter Nachbarn (Nachbarschaft) vereinbart werden. Ein Beispiel ist etwa die Verabredung, dass der Weg auf einem fremden Grundstück benutzen werden kann. Bei solchen Vereinbarungen besteht ein besonderes Interesse an deren Rechtsbeständigkeit, damit sie nicht von einer Seite aufgekündigt werden können und auch na…

Nachbarschaft

(730 words)

Author(s): Voltmer, Rita
Der Quellenterminus N. (von ahdt. nagiburo, mhdt. nahgebure, nakebur, angelsächs. nehebur, »Nachbar«; lat. vicinitas) bedeutete in der Nz. im engeren Sinn die Nächstwohnenden zu einer bäuerlichen Hof-Stelle, im weiteren Sinn die z. T. informelle, formelle und/oder mit Rechtsbefugnissen ausgestattete Organisationsform einer Sozialität bzw. eines städtischen oder dörflichen Sozialraumes, der mehrere Häuser, Straßen oder ein ganzes Viertel umfassen konnte. Im dörflichen Siedlungsbereich konnten zur N. alle haushäbigen Männer (d. h. vollbere…

Nachdruck

(12 words)

s. Raubdruck | Urheberrecht

Nachhaltigkeit

(1,277 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Begriff N. ist ein zentraler Begriff in der gegenwärtigen Umweltdiskussion und steht für den Umgang des Menschen mit natürlichen Ressourcen. Seit dem Brundtland-Bericht (1987) versteht man unter N. eine Ressourcennutzung, die den Bedürfnissen einer Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, zu gefährden. 1992 schrieb die UNO sustainable development (»nachhaltige Entwicklung«) als gesellschaftliches Leitbild in der Agenda 21 fest. Das Bewusstsein der Endlichkeit der Ressourcen ( limits to growth) war…

Nachrichten

(865 words)

Author(s): Requate, Jörg
1. Begriff Das Grimm'sche Wörterbuch verzeichnet als erste Bedeutung von »Nachricht« die »mittheilung zum darnachrichten und die darnachachtung« [1]. In diesem Sinne barg die N. nicht eine beliebige Neuigkeit, sondern eine Mitteilung von besonderer Qualität. Der Begriff war in ein breites Wortfeld eingebunden und insbes. mit dem Wort Zeitung verwandt. Letzteres konnte seinerseits sowohl die mündliche als auch die schriftliche bzw. gedruckte Form einer N. oder Neuigkeit meinen. Die Newen Zeitungen bedeuteten in diesem Sinne »neue N.«, doch verfestigte sich der Begriff der Zei…

Nachrichtenagentur

(848 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Der Nachrichtenmarkt der Renaissance N. im institutionellen Sinne gab es während der Frühen Nz. noch keine, wohl aber Schlüsselfiguren im Nachrichten-Wesen, die in die Rolle professioneller Agenten hineinwuchsen. Diese hatten ihren Sitz an Orten, an denen häufig Neuigkeiten im Sinne der frühnzl. Berichterstattung eintrafen (Hafenstädte, Hauptstädte) oder entstanden ( Rom, Höfe, Residenzen, Kriegsschauplätze etc.). Mit der Ausbildung des europ. Staatensystems und der europ. Weltwirtschaft, dem Staats-Bildungsprozess, dem Humanismus, den Ent…

Nächstenliebe

(1,485 words)

Author(s): Spehr, Christopher
1. Begriff und Definition N. ist ein Zentralbegriff der christl.-jüd. Ethik und basiert auf den biblischen Aussagen zur Liebe. Grundlegend für die N. ist ihr Verhältnis zur Gottesliebe, welches im nt. Doppelgebot der Liebe (Mk 12,28–34) seine Grundlage hat und theologiegeschichtlich unterschiedlich interpretiert wird. Das Gebot der Gottesliebe (5. Mose 6,4 f.) und der N. (3. Mose 19,18) wird zum christl. Liebesgebot, dem höchsten Gebot, zusammengefasst. Anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25–37) wi…

Nacht

(908 words)

Author(s): Koller, Edith
1. Grundlagen N. – die Zeit zwischen Sonnenuntergang und -aufgang bzw. ohne Sonnen-Licht ( Dunkelheit) – variiert je nach Jahreszeit und Breitengrad. Die N.-Erfahrungen in Europa differierten daher auch in der Nz. stark. Basierend auf ma. Tradition stellte die frühnzl. N. jedoch grundsätzlich einen vom hellen Tag in allen Bereichen qualitativ unterschiedenen Zeitraum mit eigenen Gesetzen, Bräuchen und symbolischer Signatur dar ( Tageslauf) [1]. Prägend für das christl.-abendländische Verständnis war die christl. Lichtsymbolik. N. und Schlaf galten als dem T…

Nachtarbeit

(12 words)

s. Arbeitszeit | Dunkelheit

Nacktheit

(1,304 words)

Author(s): Carrasco, Julia
1. Begriff In kulturgeschichtlicher Hinsicht beschreibt N. den unverhüllten Zustand des menschlichen Körpers im Gegensatz zur kulturellen Norm des Bekleidetseins (Kleidung). In der Kunst wird die nackte Erscheinung des Menschen nach bestimmten formalen und ästhetischen Vorgaben in einer künstlerischen Form neu gestaltet, die im Deutschen als »Akt« (von lat. actus; »Handlung«, »Bewegung«) bezeichnet wird. Dieser Begriff etablierte sich im 19. Jh. als Kennzeichnung einer Pose, Studie oder allgemeinen Darstellung des nackten Körpers. Bei der Betr…

Nacktkultur

(1,128 words)

Author(s): Eder, Ernst Gerhard
1. Begriff und Entstehung Der Begriff N. kam zu Beginn des 20. Jh.s mit der Lebensreform-, Naturheil-, Freikörperkultur-, Sport-, Jugend- und Jugendstilbewegung, mit Reformkleidung und erotischen Tanzrevuen auf. Er umfasst Ideen und Perspektiven der Lebensführung, Sozialutopien und Erziehungsziele, Schönheits- und Gesundheitsvorstellungen, Sitten- und Moralkritik sowie entsprechende individuelle und kollektive Formen des Handelns und Verhaltens, die in der Nacktheit eine radikal naturnahe Daseinsform verwirklichen wollen. Die Idee, zu bestimmten Zeiten und …

Nadelwald

(775 words)

Author(s): Selter, Bernward
Zu Beginn der Nz. wuchsen N. (v. a. Fichten-, Kiefern- und Tannenwälder) in Europa noch vorwiegend innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes bes. im Norden (borealer N. Skandinaviens und Nordrusslands) und Nordosten sowie in den (Mittel-)Gebirgen der gemäßigten Zone Europas (oft mit Laubwald vermischt). In der Mittelmeerregion ergänzten v. a. Kieferngewächse die dortigen Hartlaubwälder. Vor der Einführung einer geregelten Forstwirtschaft im 18. Jh. dominierte der meist auf die landwirtschaftlichen Ungunsträume z…

Näherin

(13 words)

s. Frauenberufe | Schneider/in

Näherrecht

(10 words)

s. Immobiliarrechte

Nahrung

(796 words)

Author(s): Blickle, Renate
1. Begriff Der frühnzl. Quellenbegriff N. meinte nicht nur die Ernährung, sondern den gesamten » Unterhalt« des Menschen [2], die Kleidung, das Dach über dem Kopf und das Feuer im Herd, Arbeit auf dem Acker und in der Werkstatt. Alles, was man zum Leben braucht, die »notturft und narung dis leibs und lebens« ( Luther, 1529 [3. 292]), sollte jedermann im Umfang seines Bedarfs und gemäß seinem Stand zustehen – dies war die ihm geziemende oder »gebührliche N.« [1. B. 2, 512 (Tit. 4, Art. 4)]. Der Begriff N. verweist auf ein Gesellschafts-Konzept, welches das frühnzl. Sozialsyste…

Nahrungsmittelgewerbe

(1,172 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Allgemein Städtische Verbraucher gaben in der Nz. einen großen Teil ihrer Einkommen für die Ernährung aus. Daher fanden im N. viele Hände Arbeit. Bäcker und Metzger zählten in den Städten (auch in Marktorten) durchweg zu den größten Berufen, ebenso Müller, Brauer und Fischer. Auch über die Kernberufe hinaus gehörten noch zahlreiche kleinere Nebengewerbe bzw. -tätigkeiten zum N. und bewerkstelligten die städtische Lebensmittelversorgung [6. 35–38]. 2. Müller und Bäcker Entsprechend der Bedeutung der Brei- und Brot-Nahrung war das Müllereigewerbe, das auch die Öl-Mülle…

Namengebung

(939 words)

Author(s): Kohlheim, Rosa | Kohlheim, Volker
1. Vornamen Die nzl. N. wurde durch religiöse, kulturelle und politische Strömungen geprägt. In Deutschland hatten sich christl. konnotierte Vornamen (= V.; v. a. nach Gestalten des NT und nach Heiligen) zu Beginn der Nz. allgemein durchgesetzt. Anders als in den roman. Ländern wurde der V. Maria hier bis zum 16. Jh. aus religiöser Scheu vermieden und erst dann in beiden Konfessionen häufig. Die Reformation änderte am Namenbestand zunächst nur wenig. Das Inventar an nt. und Heiligennamen (Hans, Georg, Nikolaus; Anna, Elis…

Namensrecht

(12 words)

s. Person | Persönlichkeitsrecht

Namenstag

(765 words)

Author(s): Koller, Edith
1. Grundlagen N. und Geburtstag sind kalendarisch verortete, »kollektiv geteilte, aber individuell begangene Jahrestage« [7. 79]. Sie entwickelten sich im Laufe der Nz. zu populären Fest-Tagen, wobei der N. eine dezidiert kath., der Geburtstag eine protest. Prägung erfuhr. Der Feier des N. liegt ein zyklisches Zeit-Konzept zugrunde. Ausgangspunkt der Feier ist nicht der Einzelne, sondern das jährlich wiederkehrende Gedenken an den namensgebenden Heiligen. Im Gegensatz dazu markiert die Feier des Geburtstages den aktuellen Zeitpunkt eines individuellen Le…

Napoleonische Gesetzbücher

(912 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
Als N. G. fasst man fünf Kodifikationen (daher: les cinq codes) zusammen, welche nicht nur unter der Herrschaft Napoleons I., sondern z. T. auch unter dessen Einfluss zwischen 1804 und 1810 zügig erlassen wurden. Sie umfassten das Justizrecht, d. h. jenes Recht, welches von den Gerichten angewendet wird: Der Code Civil regelte 1804 das Bürgerliche Recht ( Zivilrecht), der Code de Commerce 1807 als dessen Sondermaterie das Handelsrecht, der Code de la Procédure Civil 1806 das dazugehörige Verfahrensrecht (Zivilprozessrecht); schließlich enthielt der Code Pénal das Strafrecht…

Napoleonische Kriege

(3,724 words)

Author(s): Carl, Horst
1. Begriff Der Begriff N. K. bezeichnet die kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa zwischen 1798/99 bzw. 1803 und 1815. Das Attribut »napoleonisch« unterstreicht die zentrale Rolle Napoleon Bonapartes, der diesem Zeitraum in Europa polit. und militärisch seinen Stempel aufdrückte. Als Herrscher Frankreichs zeichnete er für eine weitgreifende Hegemonialpolitik (Hegemonie) in Europa verantwortlich, deren Erfolge ebenso wie das letztliche Scheitern wesentlich militärisch begründet waren. Die v. a. im angelsächs. und franz. Bereich gängige Bezeichnung N. K. [8]; […

Narrenliteratur

(2,948 words)

Author(s): Velten, Hans Rudolf
1. Begriff und Bestimmung Der Begriff N. ist bereits im Dt. Wörterbuch Jacob und Wilhelm Grimms belegt und etablierte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s als Sammelbezeichnung für satirisch-didaktische und unterhaltende Texte, in welchen Figurationen des Narren und der Narrheit im Mittelpunkt stehen. Gegenüber der Narrensatire umfasst er auch theatrale wie schwankhafte Werke (Schwank). Die N. gilt als spezifisch frühnzl., aus der urbanen Kultur der spätma. Städte entstandene Literatur, die zwischen 149…

Nationaldenkmal

(759 words)

Author(s): Freytag, Nils
N. sind im weitesten Sinne größere plastische Darstellungen oder bauliche Objekte und versinnbildlichen eine sich als Nation begreifende Gemeinschaft oder sollen diese »gedachte Ordnung« überhaupt erst stiften. Sie können Ausdruck eines gesellschaftlichen Selbstverständnisses sein und der öffentlichen Vermittlung von politischen, kulturellen und sozialen Werten oder Vorstellungen dienen, indem sie an histor. Persönlichkeiten, Gruppen und Ereignisse erinnern oder eine Idee repräsentieren. Diese Erinnerungsorte mit sakral…

Nationalgeschichte

(1,074 words)

Author(s): Hirschi, Caspar
1. Begriff und Merkmale Der Begriff N. bezeichnet zum einen das Konstrukt eines vergangenen Ereigniszusammenhangs, der mit dem Schicksal einer Nation identifiziert wird, und zum anderen das Darstellungsverfahren der Historiographie, das diesen Zusammenhang beschreibt und damit auch teilweise herstellt. Um diese beiden Bedeutungen auseinanderzuhalten, bietet es sich an, für das Vergangenheitskonstrukt selbst den Begriff Nationalmythos zu verwenden, wobei Mythos nicht etwas Fiktives oder Falsches meint, sondern eine Erzählung, die durch sinnstiften…

Nationalgüter

(817 words)

Author(s): Mahlerwein, Gunter
1. Frankreich Mit dem Beschluss der franz. Nationalversammlung, das Kirchengut der Verfügungsgewalt der Nation zu unterstellen, begann am 2. 11. 1789 der Prozess der Enteignung der kath. Kirche (Säkularisierung; Säkularisation). In den folgenden Jahren wurden zunächst Kirchen- und Krongüter ( biens nationaux de première origine; »N. ersten Ursprungs«), ab 1792 der Besitz der vor der Französischen Revolution geflüchteten (v. a. adligen) Familien ( biens nationaux de seconde origine; »N. zweiten Ursprungs«) eingezogen und danach versteigert oder verkauft. Während Napol…

Nationalhymne

(14 words)

s. Anthem | Hymne | Marseillaise

Nationalismus

(14 words)

s. Nation, Nationalismus | Politische Religionen

Nationalität

(10 words)

s. Staatsangehörigkeit

Nationalkirche

(2,565 words)

Author(s): Klieber, Rupert
1. Begriff Der Begriff teilt die Unschärfen seiner Wortbestandteile Nation und Kirche. Er ist deshalb weder juristisch noch theologisch eindeutig definierbar und wird in der Forschung vielfach deskriptiv verwendet (»nationalkirchl. Bestrebungen«). In strikter Anwendung beschreibt er eine autonom konstituierte Kirche, die eine (staatlich oder ethnisch definierte) Nation umfasst bzw. von dieser in hohem Maß als »ihre« Kirche anerkannt wird. Im weiteren Sinn bezeichnet der Begriff auch organisatorisch weitg…

Nationalliteratur

(15 words)

s. Literaturgeschichtsschreibung | Sprachen, Literatur | Weltliteratur

Nationalmythen

(5,361 words)

Author(s): Hirschi, Caspar | König, Hans-Joachim | Rinke, Stefan
1. Begriff und Gegenstand Als N. können alle Erzählungen über ein vergangenes Geschehen von faktischem oder fiktivem Gehalt verstanden werden, die zur Konstruktion und Kohäsion einer Nation beitragen. Jeder Herrschaftsverband produziert »fundierende Geschichten« [13. 52], die ihm einen heroischen Ursprung und eine von harten, aber bestandenen Prüfungen geprägte Vergangenheit bescheinigen sowie eine große Zukunft prophezeien. Dadurch erhalten Machtstrukturen den Schein einer höheren Notwendigkeit, und Herrscher wie Beherrschte we…

Nationalsprachen

(1,502 words)

Author(s): Haarmann, Harald
1. Allgemein Für die Bürger Europas ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Sprachen ihrer Heimatländer als gleichrangige Kommunikationsmedien auf allen politischen Ebenen der Europ. Union fungieren. Die Aufwertung und Ausbildung der Sprachen der europ. Nationen zu effektiven Kommunikationsinstrumenten in allen Lebensbereichen war jedoch ein langwieriger und problemreicher Prozess. Bis heute sind Vorstellungen weit verbreitet, wonach die Geschichte der N. im Europa des 18. Jh.s im Zuge der Aufklärung…

Nationalstaat

(2,883 words)

Author(s): Stauber, Reinhard
1. Nation und Staat Als Schlüsselkonzept der politischen Moderne zielt »Nation« (= Nt.) auf die Herstellung einer dauerhaften Werte- und Solidargemeinschaft vieler Menschen mithilfe einer integrativen Ideologie ( Nation, Nationalismus). Die moderne Nationalismus-Forschung hat herausgearbeitet, dass Nationen entgegen dem erweckten Anschein, seit jeher zu existieren und einen quasi natürlichen Baustein der politischen Ordnung darzustellen, nur durch den realen Bezug auf ein bestimmtes Gebiet und auf zumindest Ansätze einer…

Nationalstile (Musik)

(714 words)

Author(s): Siegert, Christine
Beim Versuch, musikal. Phänomene nach stilistischen Eigenarten zu differenzieren, bildet der N. nur eine mögliche Kategorie neben Epochen-, Gattungs- oder Personalstil; in jüngerer Zeit wurde der musikal. Stil auch als a replication of patterning […] in human behavior definiert [4. 3]. Als histor. Konstrukt ist der N. selbst Gegenstand der Forschung, was auf die »grundsätzliche[n] Methodenprobleme« verweist, die die Anwendung dieser Kategorie mit sich bringt [3. 35]. Die Idee, stilistische Unterschiede auf nationale Eigenarten zurückzuführen, wurde – nach erste…

Nationalsymbol

(722 words)

Author(s): Freytag, Nils
Ein N. kann jedes Objekt, Zeichen bzw. Sinnbild sein, das über sich hinaus weist und stellvertretend für eine Kultur- oder Staats-Nation steht. Es ist ein Basiselement nationaler Identifikation und Kommunikation sowie nationalen Handelns. N. haben wandel- und austauschbare Bedeutungen, die mit ihrer politischen, sozialen und kulturellen Verwendung abgerufen oder überhaupt erst konstruiert werden können. In aller Regel sind sie eng mit der realen oder erfundenen Tradition der »gedachten Ordnung« Nation verknüpft…

Nationaltheater

(876 words)

Author(s): Ulrich, Claudia
1. Allgemein Nach heutigem Verständnis ist ein N. eine bes. renommierte, oft subventionierte Theater-Institution eines Staates oder Landes, meist in dessen Hauptstadt. Im 18./19. Jh. bezeichnete N. eine Musterbühne für Aufführungen in der Nationalsprache. Als erste Institution mit entsprechendem kulturpolitischen Auftrag gilt die Comédie Française (auch Théâtre Français), 1680 von König Ludwig XIV. gegründet, um die beiden wichtigsten Pariser Schauspieltruppen zu vereinen und die Werke Molières, Corneilles und Racines zu pflegen. Im dt. Sprachraum gingen Hamb…

Nationalversammlung

(1,244 words)

Author(s): Best, Heinrich
1. Begriff Der Begriff N. bezeichnet eine Volksvertretung, die als gesetzgebendes Organ ( Parlament) zu Verhandlungen und Entscheidungen über grundsätzliche den Staat betreffende Angelegenheiten zusammentritt. Bei der konstituierenden N. liegt diese Aufgabe i. Allg. in der Schaffung der institutionellen Grundlagen für die politische Organisation einer Nation, speziell im Erlass einer Verfassung. Wenn N. in Situationen der Diskontinuität staatlicher Ordnung zusammentreten, ist ihre Legitimität oft umstritten. Eine N. gewinnt ihre Autorität du…

Nation, Nationalismus

(8,730 words)

Author(s): Stauber, Reinhard
1. Begriffsgeschichte Bis in unsere Gegenwart stellt die Nation (= N.) ein zentrales politisches Konzept von scheinbar ungebrochener Anziehungskraft dar. Die N. nimmt für sich den Rang eines quasi-religiösen, höchsten Werts in Anspruch; in ihrem Namen werden Staatsdiener vereidigt, Urteile gefällt, Kriege geführt und Menschenmassen mobilisiert. Trotz der wachsenden Bedeutung supranationaler Institutionen, des Zusammenbruchs staatlicher Strukturen in manchen Teilen der Welt, des Wiederauflebens der…

Natio(n), Nationes

(17 words)

s. Kaufmannsniederlassung | Korporation | Studentennation

Natur

(9,492 words)

Author(s): Sieglerschmidt, Jörn | Biehler, Birgit
1. Definition und Etymologie Der Chemiker Johannes Kunckel von Löwenstern machte sich bereits um 1700 über die unsichere Verwendung des Begriffes N. lustig und traf zugleich eine damals typische Aussage über die Allmacht Gottes: »Denn um das Wort N. machet man in der Welt viel Wesens/ und wenn man nicht weiter kommen kann/ so spricht man/ es sei seine N. so. Was aber eigentlich N. sey/ begreyfen wenige/ expliciren es auch nicht/ sondern sprechen: Gott und N. Wann ich solches höre/ so kommt es mir/ als ob Gott einen Mit-Gehülffen hätte haben müssen« (zitiert nach [54. 87]). Damit paraphrasi…

Naturabguss

(850 words)

Author(s): Marek, Kristin
Als N. bezeichnet man in der Bildhauertechnik einen von der Natur (meist Mensch, Tier oder Pflanze) genommenen Abguss. Der N. unterscheidet sich vom Gipsabguss insofern, als dessen Vorlage prinzipiell von allem genommen werden kann. So kann er nicht nur mit Gips, sondern auch mit anderen formbaren Materialen wie etwa Lehm oder Wachs hergestellt werden. Um einen N. herzustellen, muss zuerst ein Negativ-Abguss angefertigt werden. Dieser wird unter Zuhilfenahme der sog. verlorenen Form gewonnen (die so bezeichnet wird, weil sie in der Regel zersc…

Naturalgeld

(706 words)

Author(s): Fried, Torsten
Unter N. bzw. Warengeld versteht man eine Vielzahl unterschiedlicher Gegenstände, die bei Tauschprozessen stellvertretend für alle anderen Güter eingesetzt werden [1. 276]. Aufgrund ihrer allgemeinen Geltung fungieren diese Objekte somit als Tauschmittel und Wertmaßstab. Zwar stand N. hinsichtlich der Stofflichkeit des Geldes am Beginn der ma. und nzl. Entwicklung von Nichtmetall- über Metall- (d. h. Münz-) zu Papiergeld (Geldwirtschaft 3.), doch dies bedeutet keineswegs, dass das N. – z. B. zu Zeiten des Münzgeldes…

Naturalisation

(10 words)

s. Staatsbürgerschaft

Naturalismus

(873 words)

Author(s): Kanz, Roland
1. Begriffsgeschichte Ein allgemeines Verständnis von N. als naturabbildender Darstellung in der Kunst war in der Nz. eng mit den Theorien der Naturnachahmung (lat. imitatio naturae) verbunden (vgl. Mimesis). Doch die Tatsache, dass nach der Natur studiert wurde, begründet noch keinen N.; vgl. Naturstudium (künstlerisches). Das Studium vor der Natur (nicht im Atelier) kann ebenso gut positiv mit N. gemeint sein wie negativ der Verstoß gegen Normen der imitatio, die auf eine idealisierte Naturwiedergabe ausgerichtet waren [8]. Allgemein kann N. auf die Eigenart einer nat…

Naturallohn

(10 words)

s. Geldlohn

Naturbeziehung

(2,209 words)

Author(s): Klemun, Marianne
1. Allgemein Die Beziehung zur Natur ist ein histor. Phänomen. Ihre Konventionen sind davon abhängig, was aufgrund religiöser, philosophischer, kultureller oder gesellschaftlicher Dispositionen kollektiv als Natur kodifiziert wird (Kultur). Intellektuelle Vorgaben strukturieren praxisbildende Muster, so die Deutung der Mentalitäten- und Wissenschaftsgeschichte sowie der Kulturwissenschaft [4. 118–131]. Technik-, Umwelt- sowie Wirtschaftswissenschaften hingegen leiten das Verhältnis von der jeweiligen Beeinflussbarkeit der Natur durch den M…

Natur der Sache

(835 words)

Author(s): Eisfeld, Jens
1. Begriff, Funktionen und verwandte Topoi Der Begriff der N. D. S. ist ein von der Antike bis in die Gegenwart verwendeter Topos, also eine formelhafte Wendung, die eine Argumentation abstützen oder eine Entscheidung rechtfertigen soll. Der Rückgriff auf die N. D. S. stellt den Versuch dar, einem gefundenen Ergebnis durch Verweis auf eine vorgegebene Ordnung Evidenz und Objektivität zu verschaffen. Die jeweilige Entscheidung wird als durch die »Natur«, also durch die meist normativ verstandene »Struk…
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