Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Pacht

(3,177 words)

Author(s): Löhnig, Martin | Sanz Lafuente, Gloria | Troßbach, Werner
1. Rechtliche Aspekte 1.1. Begriff Unter P. wird heute die auf einem P.-Vertrag beruhende Überlassung einer Sache oder eines Rechts gegen Geld (P.- Zins) auf Zeit zum Gebrauch und – hier liegt der Unterschied zur Miete und zur Leihe – zur Fruchtziehung verstanden. Im Gegensatz zum Mieter obliegt dem Pächter in weitem Umfang die Unterhaltung des P.-Gegenstandes. Von der durch Schuldvertrag (P.-Vertrag) begründeten P., die grundsätzlich jederzeit gekündigt werden kann und die mit dem Tod des Pächters endet, ist die aus dem rezipi…

Pädagogik

(3,547 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff P., nicht identisch mit Bildung, ist die Kunst, die in einer Gesellschaft geltenden Normen zu vermitteln und einzuüben. Von Erziehung unterscheidet sie sich durch den Anspruch auf ein theoretisch fundiertes, planmäßiges Vorgehen im Hinblick auf einen erklärten Endzweck. So bezeichnete der erstmals in Platons Staat belegte griech. Begriff paidagōgía die »Führung [und Unterweisung] von Knaben« im Sinne eines bestimmten polit.-moralischen Staatsziels, also die Tätigkeit des Pädagogen ( paidagōgós) – im Gegensatz zu dem älteren paideía, der Bildung im Allgemeinen…

Paganismus

(10 words)

s. Heidentum

Pairs

(10 words)

s. Magnaten

Palais

(10 words)

s. Palast

Paläontologie

(10 words)

s. Fossilien

Palast

(2,148 words)

Author(s): Markschies, Alexander
1. Definition und Wortgeschichte In nahezu allen europ. Hochsprachen seit Jahrhunderten in Gebrauch (altfranz. palais, mhdt. palas, span. palacio, engl. palace etc.), wird der Begriff P. meist auf den Palatin ( mons Palatinus) zurückgeführt, den Hügel Roms, auf dem die Residenzen der röm. Kaiser standen. Die Terminologie bleibt jedoch mit Ausnahme des ital. palazzo unscharf: So wurde etwa ein franz. palais im 16. Jh. hôtel genannt; P. und palace meinen oft das Schloss, Schlösser werden sogar als P. oder Palais bezeichnet (St. Petersburg, Winter-P., 1754–1762; Pot…

Palasteunuch

(933 words)

Author(s): Mittag, Achim
1. Grundlagen P. hatten in China eine lange, vermeintlich bis ins 8. Jh. v. Chr. zurückreichende Tradition, obwohl die Entmannung der mit der Ahnenverehrung vorgegebenen relig. Leitvorstellung – der Sicherung der Generationenabfolge durch Zeugung von Nachkommen – zuwiderlief. Deshalb war im chines. Kaiserreich die Anstellung von P. streng auf den Kaiserhof beschränkt. Ihre Grundaufgabe war die Bedienung der Frauen des kaiserlichen Harems. Im Lauf der Zeit weiteten sich jedoch ihre Tätigkeitsfelder stark aus: von der Abfallbeseitigung und Wege- und Gebäudereinigung in der …

Palazzo

(10 words)

s. Palast

Palingenesie

(10 words)

s. Wiedergeburt

Palladianismus

(946 words)

Author(s): Ruhl, Carsten
Der Begriff des P. geht auf den ital. Architekten Andrea Palladio zurück. Dieser entwarf während der zweiten Hälfte des 16. Jh.s zahlreiche Villen für die venez. Oberschicht, die gemeinsam mit seinem 1570 verfassten Traktat I quattro libri dell'architettura (»Die vier Bücher zur Architektur«) eine in der Architekturgeschichte beispiellose Wirkung entfalteten [5] (Architekturtheorie). Zu den Stilprinzipien des P. zählen: (1) rationale geometrische Proportionierung von Grund- und Aufriss; (2) klar umrissene Baukörper; (3) strikte Symmetrie; (4) …

Pallamaglio

(860 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
P. gehörte zu den populärsten Ballspielen der Frühen Neuzeit, gleich nach dem Spiel mit dem kleinen Ball, dem jeu de paume bzw. kaetsspiel (aus denen das Tennis hervorging), dem Faustballspiel mit dem großen, aufblasbaren Ball ( pallone), sowie dem Fußball. P. war ein Schlagballspiel, bei dem eine Kugel (ital. palla) mit dem hölzernen Hammer ( maglio) getrieben wurde. Es erforderte eine sehr lange, gerade Spielfläche, an deren Ende ein kleines eisernes Tor stand. Ziel war es, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen ins Tor zu bringen. Der ital. Begr…

Pamphlet

(1,510 words)

Author(s): Knopik, Matthias
1. Begriff Der Ausdruck P. (engl./franz. pamphlet) bezeichnet eine kurze Streitschrift, die sich mit gesellschaftlichen, v. a. polit. oder relig. Sachverhalten auseinandersetzt und dabei wertend Stellung bezieht bzw. eine demagogische Absicht auf polemische Weise verfolgt. Obwohl die heutige pejorative Bedeutung des Wortes P. im Moment der »Verächtlichkeit, wenigstens doch der Unbedeutsamkeit«, die den im P. erwähnten Personen unterstellt wird, bereits in der Nz. oszillierte, stand P. im SpätMA und der Frühen Nz. in eher ne…

Panamerikanismus

(1,343 words)

Author(s): Rinke, Stefan
1. Begriff und ideologische Grundlagen Der P. ist ein Vorläufer der weltweiten »Pan-«Bewegungen, die im europ. Kontext gegen Ende des 19. Jh.s als hochaggressive Spielarten des völkischen Nationalismus aufkamen [3]. Wie die späteren »Pan-«Bewegungen in Afrika und Asien zeichnete sich bereits der P. durch eine antikolonialistische Stoßrichtung und eine die Nationalstaaten überspannende Raumkonzeption aus [2]; [13] (zum osteurop. Raum vgl. Panslawismus). Am Anfang des P. standen die Auseinandersetzungen um den Charakter Amerikas und seiner Bewohner im Rahmen des s…

Pandektenwissenschaft

(786 words)

Author(s): Haferkamp, Hans-Peter
1. Begriff P. oder Pandektistik umfasst als Gruppenbezeichnung die fast ausschließlich mit den antiken röm. Rechtsquellen – den Pandekten bzw. Digesten ( Corpus iuris civilis; vgl. Rechtswissenschaft) – arbeitende dt. romanistische Zivilrechtswissenschaft des 19. Jh.s ( Romanistik). Die oft miteinbezogene Historische Rechtsschule vor 1848 hatte andere philosophische und konfessionelle Prämissen und ein differierendes Methodenprogramm. Bezeichnend für die Unterschiede ist R. von Jherings Programmschrift von 1856, in der er die für die Histor. Rechtssc…

Panegyrik

(3,403 words)

Author(s): Disselkamp, Martin | Loef, Anna Katharina Maria | Rode-Breymann, Susanne
1. Definition Der Begriff P. ist durch eine doppelte Perspektive gekennzeichnet, aus der ein gewisses Maß an Unschärfe resultiert: Er weist einerseits auf bestimmte rhetorische und lit. Traditionen der griech. und röm. Antike und ihre späteren Fortsetzungen zurück und dient andererseits retrospektiv als allgemeine Sammelbezeichnung für rhetorische und poetische Texte, aber auch Kunstwerke und Musikstücke enkomiastischen ( huldigenden) Charakters. 2. Literatur Im griech. Altertum war der panēgyrikós primär eine Fest- und Prunkrede, die dem Ausführenden Gelegenh…

Panorama

(787 words)

Author(s): Büttner, Nils
Am 19. 6. 1787 ließ der ir. Porträt- und Miniaturmaler Robert Barker eine Erfindung patentieren, die er » la nature à coup d'oeil« nannte, »die Natur auf einen Blick« [2]. In der Patentschrift wird ein an der Innenseite einer eigens angefertigten Rotunde umlaufend angebrachtes mimetisches Bild beschrieben, das auch durch die indirekte Beleuchtung von oben so lebensecht wirke, dass es mit der Realität verwechselt werden könne. Um den illusionistischen Effekt zu steigern, sollten die Besucher über einen abgedunkelten Zugang eine überdachte Plattform betreten. …

Panslawismus

(864 words)

Author(s): Hesse, Petra | Svetina, Peter
1. Ideengeschichtliche Voraussetzungen Der aufklärungskritische Geschichtsphilosoph Giambattista Vico wertete im ersten Viertel des 18. Jh.s das mytho-poetische Schaffen aus der Frühzeit der Völker als Fundament aller Kulturen, welche von der göttlichen Vorsehung zyklischen Prozessen des Werdens und Vergehens unterworfen seien. Diesen Gedanken erweiterte Johann Gottfried Herder um die Analogie zwischen Volk und Individuum: Auch ganze Völker verfügten über eine Individualität, die in ihrer Sprache und der Volksdichtung als der Poesie ihrer Ki…

Pansophie

(895 words)

Author(s): Meier-Oeser, Stephan
Der Terminus P. (von griech. pan, »alles«, »ganz«; sophía, »Weisheit«, »Wissen«), der soviel wie Allweisheit oder Universalwissen besagt, wurde wahrscheinlich erstmals 1616 in einem Sammelband mit Schriften der Rosenkreuzer-Bewegung verwendet. Das Wort sowie das dadurch benannte Programm eines universellen Wissens fügt sich terminologie- und ideengeschichtlich bruchlos in Strömungen jener Zeit ein: Zum einen waren in der damaligen Flut von griech. und lat. Wortneuprägungen gerade solche mit der Vorsilbe pan- sehr beliebt; der Humanist und Antiaristoteliker Francesco …

Pantheismus

(927 words)

Author(s): Laube, Martin
Als pantheistisch (von griech. pan, »alles«; theós, »Gott«) werden religionsphilosophische Modelle bezeichnet, die das Verhältnis von Gott und Welt im Rahmen einer All-Einheits-Vorstellung bestimmen (Religionsphilosophie). An die Stelle des transzendenten Schöpfergottes (Transzendenz) tritt ein immanenter Weltgrund: Die theistische (Theismus) Auffassung Gottes als eines souverän-personalen Gegenübers zur Welt wird durch die Annahme eines die Welt durchdringenden und in ihr zum Ausdruck kommenden göttlichen Prinzips abgelöst. V…

Papier

(2,795 words)

Author(s): Pichol, Karl
1. Ursprung Die Erfindung des P. wird traditionell dem chines. Hofbeamten Cai Lun im Jahr 105 n. Chr. zugeschrieben. Trotz berechtigter Zweifel an dieser Darstellung wird der chines. Ursprung des P. nicht in Frage gestellt. Mit der Vereinigung der chines. Reiche hatte die Qin-Dynastie (221–207 v. Chr.) eine weite bürokratische Herrschaft und verstärkten Handel begründet; neue Anforderungen traten an die alten Beschreibstoffe Holz- bzw. Bambusstreifen und Seide heran. Funde papierähnlicher Stoffe, die auf die Zeit zwischen 180 v. Chr. …

Papiergeld

(732 words)

Author(s): North, Michael
Neben der Banknote, die ein Zahlungsversprechen der emittierenden Notenbank bedeutet, gab es in der Nz. eine weitere Form des P., das sog. Staats-P. Dieses wurde entweder vom Staat ausgegeben und als gesetzliches Zahlungsmittel mit einem Zwangskurs versehen, oder der Staat verpflichtete sich, das Geld bei bestimmten Zahlungen (z. B. Steuern) an die Staatskasse zum Nennwert anzunehmen. Da die Staaten diese Möglichkeit der Finanzierung (z. B. zur Kriegsfinanzierung) häufig nutzten, bestand die Gefahr einer P.- Inflation. Diese konnte nur durch Abwertung bzw. Außerku…

Papsttum

(6,168 words)

Author(s): Wassilowsky, Günther | Emich, Birgit
1. Historische Entwicklung 1.1. Antike und mittelalterliche Grundlagen 1.1.1. Anspruch und Eigenart Unter Berufung auf das Jesuswort »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt 16,18) versteht sich das P. als eine von Jesus Christus eingesetzte Institution, in der die prinzipielle Vorrangstellung, die Petrus innerhalb des Apostelkollegiums zugesprochen bekam, in Gestalt des mit exklusiven Vollmachten ausgestatteten, hierarchischen Oberhauptes der Römisch-katholischen Kirche weiter tradiert wird. Histor. betrachtet durchliefen d…

Parabel

(1,173 words)

Author(s): Heydebrand, Renate von
1. Begriff und Formtypen Unter P. (von griech. parabolḗ, »Vergleich«, »Gleichnis«; lat. parabola/ e) versteht man heute i. Allg. eine kurze Erzählung, die bildlich verschlüsselte Lebenseinsichten vermittelt. In der Bibelwissenschaft wie in der Literaturwissenschaft bzw. Rhetorik wird als P. aber noch ein zweiter Formtypus bezeichnet: ein anschaulich-vergleichendes, rhetorisch-stilistisches Textelement. Diese P. besteht aus Bild und Deutung; Letztere kann ausformuliert oder verschwiegen sein (zwei- oder eingliedrige P.). Mit dieser Struktur gleicht sie der Art von A…

Paracelsismus

(2,803 words)

Author(s): Eckart, Wolfgang Uwe | Bergengruen, Maximilian
1. Begriff und Lehre 1.1. Allgemein P. bezeichnet zum einen die naturkundliche, hermetisch-chemische, mediz., philosophische und theologische Lehre des Arztes und Naturforschers Theophrast von Hohenheim (genannt Paracelsus, 1493–1541) [2], zum anderen deren Rezeption durch eine fachlich heterogene Autorengruppe vom Ende des 16. bis ins frühe 18. Jh. (s. u. 2. und 3.) – überwiegend alchemisch orientierte Ärzte und Anhänger des häretischen Protestantismus, die Paracelsus mythisierend als »neuen Hippokrates« oder als Elias artista überhöhten. Ihre Lehre wurde von de…

Paradies

(12 words)

s. Himmel | Jenseits

Paragone

(1,859 words)

Author(s): Lehmann, Doris
1. Begriff und Gegenstand P. (ital.; »Vergleich«, »Gegenüberstellung«; von griech. agṓn, »Wettstreit«) ist die kunsthistor. Bezeichnung für den humanistisch geprägten Wett- und Rangstreit der bildenden Künste. Der Begriff P. bezeichnet einerseits deren Konkurrenz mit der Dichtung und der Musik, andererseits den Unterschiede, Möglichkeiten und Grenzen thematisierenden Rangstreit unter den Gattungen der bildenden Künste selbst. Der P. wurde wesentlich in der Renaissance in Italien und darüber hinaus bis ins 19. Jh. auf lit.-theoretischer und künstlerisch-p…

Parfum

(1,045 words)

Author(s): Chapuis-Després, Stéphanie
1. Vorgeschichte Die Etymologie von lat. per fumum (»durch Rauch«) verweist auf den Ursprung des P., den Weihrauch. Im modernen Sprachgebrauch versteht man unter P. eine Mischung aus Äthylalkohol und ätherischen Ölen, die den Duft erzeugen [11]. Bis ins 20. Jh. bildeten pflanzliche und tierische Materialien den Rohstoff für deren Herstellung. Die Archäologie, die P.-Flaschen und P.-Mischungen erforscht, spielt für die früheren Epochen eine wichtige Rolle. Histor. Quellen zur Analyse der P.-Geschichte sind Rezeptbücher [1]; [2]; [3] wie auch P.-Flaschen, Selbstzeugnisse…

Parität

(1,072 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
1. Allgemein P. bezeichnet grundsätzlich die rechtliche Gleichbehandlung von Interessengruppen, im histor. Kontext jene von verschiedenen relig. Bekenntnissen in Staat, Land und Gemeinde. Nach ma. Ansätzen – etwa dem Nebeneinander von Christen, Moslems und Juden in den Kreuzfahrerstaaten (um 1100–um 1300) – wurde P. in besonderem Maße durch die Glaubens Reformationen zu Beginn des 16. Jh.s aktualisiert: Nun ging es um das Nebeneinander christl. Glaubensrichtungen ( Konfessionalisierung). Gesamteurop. betrachtet obsiegte allerdings die Dominanz je eines Bekenntnisses…

Park

(1,013 words)

Author(s): Klemun, Marianne
1. Definition Der Ausdruck P. ist vom mittellat. parricus (»umzäunter Ort«) abgeleitet. Er verweist in seiner ursprünglichen Bedeutung auf ein für Wildtiere angelegtes Gehege. Zedlers Lexikon erweitert ihn um zeitgenössische Komponenten wie Alleen und freie Plätze. Die Allgemeine dt. Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände definiert ihn als ein »eine große, mit Mauern oder Palissaden umschloßne Erdfläche, um etwas innerhalb dieses Raumes aufzubewahren, z. B. im Feldlager die nöthigen militärischen Gerätschaften … An fürstlichen Schlö…

Parlament

(3,624 words)

Author(s): Kampmann, Christoph
1. Begriffliche Grundlegung Vor Beginn der Nz. wurde der Begriff P. (mlat. parlamentum, von franz. parler bzw. ital. parlare, »reden«) häufig verwendet, war aber inhaltlich schwer fassbar: Mit P. konnte im MA eine Vielzahl verschiedenartiger Versammlungen zur Erörterung polit. und rechtlicher Angelegenheiten gemeint sein, wobei erhebliche regionale Unterschiede bestanden. Im engeren Sinne wurde P. zur Bezeichnung regelmäßigen Gesprächsaustauschs des Herrschers mit Großen seines Reiches oder mit Vertretern polit. oder relig. Kör…

Parochie

(12 words)

s. Gemeinde | Pfarramt

Parodie

(2,871 words)

Author(s): Seidel, Robert | Schmidt, Dörte | Kanz, Roland
1. Literatur 1.1. Definition Seit dem ersten Auftreten des Begriffs in der Antike (griech. parōdίa, »Neben-/Gegengesang«; engl. parody; franz. parodie) ist die Bedeutung von P. in den europ. Literaturen uneinheitlich, und zwar sowohl im Hinblick auf das jeweilige Verhältnis zur Vorlage (affirmativ, spielerisch, kritisch) wie auch im Vergleich mit verwandten Schreibstrategien (Kontrafaktur, Travestie; burlesque, mock-epic; pastiche usw.). Nachdem bis in die Frühe Nz. die Begriffsverwendung vorwiegend im Zusammenhang eines nicht-polemischen Konzeptes von imitatio und ae…

Partei

(3,067 words)

Author(s): Brandt, Hartwig | Mahlerwein, Gunter
1. Parlamentarische Institution 1.1. Vorgeschichte In der Geschichte der polit. Institutionen Europas war die P. ein Nachkömmling der Selbstorganisation im nzl. Flächenstaat. Indessen gab es eine Vorgeschichte, die eher eine Pathologie des Politischen darstellte. Alle polit. Ordnungen der europ. Geschichte – die griech. pólis nicht weniger als die röm. Republik und die ital. Stadtrepublik – sahen in der organisierten Vielfalt des Politischen auch dessen Krankheit. Die Begriffe stásis (griech.) und factio (lat.), die neben der Bedeutung »P.«/»Parteiung« die Konnota…

Parteigänger

(10 words)

s. Partisan

Partikularrecht

(933 words)

Author(s): Löhnig, Martin
1. Begriff und Verbreitung P. sind Rechts-Quellen, die nur in einem bestimmten sachlichen oder räumlichen Bereich galten ( ius patriae, d. h. heimisches Gewohnheitsrecht) und dort in Konkurrenz zum gemeinen Recht traten. Die Kennzeichnung einer Rechtsquelle als P. wurde deshalb erst in Abgrenzung zum rezipierten röm. Recht als ius commune bedeutsam. In der Frühen Nz. galt in Europa eine Fülle von P., etwa althergebrachte Gewohnheiten, Stadtrechte oder Landrechte. Trotz der Rezeption des römisch-kanonischen Rechts herrschte in der Nz. deshalb ein »kaum vorste…

Partisan

(774 words)

Author(s): Rink, Martin
1. Herkunft des Begriffs P. ( »Parteigänger«) wurde im 18. Jh. der Anführer eines im kleinen Maßstab agierenden Truppenkörpers, einer »Partei« (franz. parti), genannt. Diese Bezeichnung bezog sich auf militärische Führer sowohl von regulären Truppen als auch von irregulären Freitruppen. Das Auftreten von P. war v. a. mit dem kleinen Krieg verbunden. Zu diesem zählte ein weites Tätigkeitsspektrum außerhalb der geschlossenen Gefechtsaufstellung der stehenden Heere, u. a. der vom Gros der Heere abgesetzte Einsatz von Truppen bei Handstreichen…

Partitur

(840 words)

Author(s): Tischer, Matthias
1. Begriff Der Begriff P. (von lat. partire, »(ein)teilen«, »gliedern«) verbreitete sich im musikal. Zusammenhang ausgehend von Italien seit dem 16. Jh. in Europa. Die P. ist eine Sonderform der Verschriftlichung von Musik, die der Visualisierung des gleichzeitig Erklingenden dient. Gegenüber mündlich überlieferter Musik oder Improvisation werden so die Wiederholbarkeit, die Verbreitung und das Studium langer und komplizierter musikal. Zusammenhänge erleichtert. Mittels der Symbolschrift der Notation ( Notierung, musikalische) werden in der P. horizontal die…

Partizipation

(12 words)

s. Parlament | Wahlen

Partnerwahl

(2,368 words)

Author(s): Lanzinger, Margareth
1. Begriffe und Thesen Der Begriff der P. ist histor. zu problematisieren: Mit »Partner« verbindet sich heute ein Konzept von Beziehung, das von rechtlicher, sozialer und ökonomischer Gleichstellung der Geschlechter sowie von einer grundsätzlichen Gleichberechtigung ausgeht. Beides war in der Nz. nicht gegeben; auch der Terminus selbst war nicht in Gebrauch. Im Unterschied zu Begriffen wie Ehemann, Ehefrau, Gatte, Gattin (vgl. franz. conjoint, engl. consort) schwingen bei »Partner« Konnotationen zu anderen Beziehungsformen mit, während das Ziel der P. aus hi…

Pass

(10 words)

s. Reisepass

Passah, Pesach

(13 words)

s. Feiertage

Passion

(14 words)

s. Gefühl | Passionsoratorium | Passionsspiel

Passionsoratorium

(818 words)

Author(s): Loeser, Martin
1. Begriff Das P. ist als Teil der musikal. Gattung Oratorium durch den inhaltlichen Bezug auf das Passionsgeschehen des NT gekennzeichnet. Damit rückt das P. in die Nähe von Passionsspiel und musikal. Passion, deren älteren Traditionen es verpflichtet ist: Das P. teilt mit der sog. oratorischen Passion des 18. Jh.s (bei der der Evangeliumstext durch reflektierende bzw. kommentierende Einschübe ergänzt wurde) musikal. Strukturen (Rezitativ, Arie, Chor), unterscheidet sich von ihr aber hinsichtlich der Textgest…

Passionsspiel

(1,017 words)

Author(s): Fischer, Alexander Michael
1. Begriff und Verbreitung Als P. bezeichnet man die dramatische Gestaltung und Darstellung des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Das P. war neben dem Osterspiel die bedeutendste Gattung des aus der Liturgie entstandenen ma. geistlichen Spiels ( Drama). Obwohl sich das P. vereinzelt bereits seit dem 13. Jh. nachweisen lässt – z. B. im Benediktbeurer »Kurzen Spiel über die Passion« (lat. Ludus breviter de passione) –, fand es seine größte Verbreitung als volkssprachliches Spiel im 15. und 16. Jh. Zu dieser Zeit war es nahezu auf dem gesamten europ. Kontine…

Pastoraldichtung

(10 words)

s. Schäferdichtung

Patenschaft

(946 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriff Unter P. (engl. godparentship; franz. parrainage; ital. padrinaggio; span. compadrazgo) wurde in der Nz. die Tauf- bzw. in der kath. Kirche auch die Firm-P. verstanden (Sakrament). Der Begriff Pate ist vom lat. pater abgeleitet, »weil der das kind aus der taufe hebende zu demselben in geistige verwandtschaft tritt, der geistliche vater ( pater spiritualis) desselben wird«. Sein außerkirchl. metaphorischer Gebrauch im Sinne einer allgemeinen, freiwilligen Übernahme von Fürsorgepflichten (z. B. im Rahmen von Entwicklungshilfe oder Tier-P.) …

Patentrecht

(819 words)

Author(s): Pahlow, Louis
Das P. regelt die Schutzfähigkeit und den rechtlichen Schutz von Erfindungen, also geistig-schöpferischen Leistungen, auf technischem Gebiet. Dies war in der Nz. keineswegs selbstverständlich, sondern z. T. wirtschaftspolit. umstritten. 1. Frühe Neuzeit Im SpätMA und v. a. in der Frühen Nz. wurden technische Erfindungsleistungen in Kontinentaleuropa durch Privilegien geschützt. Mit der Zunahme von technisch-naturwiss. Errungenschaften seit dem SpätMA verstärkte sich das Bedürfnis der Erfinder nach obrigkeitlichem oder staatlich sanktioniertem Schutz. Bei den sog. l…
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