Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Schicksal

(1,356 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Bedeutung und Begriff Die Idee des Sch. (engl. fate, destiny; franz. fortune, destin, destinée; ital. fato, destino; span. fortuna, suerte, destino) wurde in der Nz. zu einem bevorzugten Medium, in einem säkularen Rahmen über das Verhältnis zwischen Autonomie und Notwendigkeit, also über Willens-Freiheit, und über die bewegenden Kräfte von Geschichte und Politik zu sprechen. Als ein Synonym für das je Besondere, Unverwechselbare, eventuell Unerklärliche im Lebensgang eines Charakters – sei es der eines einzelnen …

Schiedsgerichtsbarkeit

(1,741 words)

Author(s): Kampmann, Christoph
1. Begriff und Stellung um 1450 Kennzeichen der Sch. ist ihre Freiwilligkeit. Im Unterschied zur regulären Gerichtsbarkeit verständigen sich die Konfliktparteien in einem Schiedsverfahren einvernehmlich darauf, ihre Streitsache dem Urteil einer dritten Instanz (einer Einzelperson, einer Kommission, einer Institution etc.) zu unterwerfen. In der gesamten Nz. besaß die Sch. auf allen gesellschaftlichen Ebenen zentrale Bedeutung als Weg zur Vermeidung oder Beilegung von Konflikten – eine Bedeutung, die erheblichen regionalen und zeitlichen Schwankungen unte…

Schiene

(1,114 words)

Author(s): Dougherty, Carolyn | Popplow, Marcus
1. Allgemein Sch. sind lange, dünne Werkstücke, die zunächst aus Holz, ab dem späten 18. Jh. aus Guss- oder Schmiede-Eisen gefertigt wurden. Eine Befestigung von Wegen durch Sch.-Systeme reduzierte die Reibung von Rädern und erleichterte die Bewegung von Wagen – ein Pferd, das einen mit Kohle beladenen Waggon auf hölzernen Gleisen zog, konnte 24 Packpferde oder zwei bis drei vierspännige Fuhrwerke ersetzen. Erste hölzerne Sch.-Wege wurden im 15. Jh. im dt.-österr. Raum innerhalb von Bergwerken gelegt, um Erze in kleinen, per Hand geschobenen Karren zu tra…

Schießarbeit

(870 words)

Author(s): Bartels, Christoph
1. Allgemein Als Sch. wird das Sprengen im Montanwesen mit Schwarz- bzw. Schießpulver bezeichnet; andere Sprengstoffe kamen erst nach der Nz. in Gebrauch. Technisch stellt die Sch. die Nachahmung eines Unfalls beim waffentechnischen Einsatz von Schwarzpulver dar: des sog. Rohrkrepierers, bei dem das Projektil sich z. B. im Kanonenrohr verklemmt, das dann häufig durch die explodierende Pulverladung gesprengt wird [4. 55]. Zwecks Lockerung von Gesteinen und Mineralien wurden Löcher in die zu lösende Masse gebohrt, in die man lose (bei trockenem Bohrloch) oder…

Schießen

(1,017 words)

Author(s): Mallinckrodt, Rebekka von
1. Mittelalterliche Entwicklung Sch. mit Langbogen, Armbrust und seit dem 15. Jh. zunehmend mit Handfeuerwaffen wurde im Kontext des Kriegs, der Jagd und zum Vergnügen (s. u.) – in den beiden letzten Fällen auch von Frauen [5. 58 f.]; [4. 57–62, 81] – während der gesamten Nz. geübt. Mit der Erringung der städt. Hoheitsrechte durften und mussten sich ma. und frühnzl. Städte selbst verteidigen. In der Picardie, Flandern, Brabant und Holland entstanden seit dem frühen 14. Jh. Schützengilden, die den im Vergleich zum Langbogen schwierigeren Umgang mit der Armbrust trai…

Schießpulver

(1,701 words)

Author(s): Popplow, Marcus
1. Definition und Bedeutung Sch. ist ein Gemenge aus Salpeter, Holzkohle und Schwefel. Die stärkste Explosivkraft wird bei einem Verhältnis von ca. 75 : 15 : 10 erreicht. Salpeter wirkt als Sauerstoffspender für die schnelle Verbrennung von Holzkohle und Schwefel; die leichte Entflammbarkeit des Schwefels erleichtert die Zündung. Erste Rezepte zur Herstellung von Sch. sind in China aus dem 11. Jh. überliefert. Bei Auseinandersetzungen mit Grenzvölkern kam es dort in Raketen mit Sprengladungen oder Brandsätzen zum Einsatz, im späten 13. Jh. auch…

Schiffbau

(3,012 words)

Author(s): Ellmers, Detlev
1. Material Bis zum Ende der Nz. war der Sch., welcher noch den Bootsbau einschloss [13. 92], ein Holz- Handwerk (Baumstämme waren Ausgangsmaterial für alle Wasserfahrzeuge) [9. 14]. Für den Rumpf bevorzugte man das Hartholz der Eiche, dessen Gerbstoffe auch bei ständiger Lage im Wasser Haltbarkeit garantierten. Zwar wächst Eiche natürlicherweise in Europas gesamter ozeanischer Klimazone außer im hohen Norden [10. 315 f.]; sie wurde aber in der Nz. wegen des hohen Bedarfs gerade in jenen westeurop. Ländern Mangelware, die für ihre Hochseeschifffahrt viele…

Schifffahrt

(2,413 words)

Author(s): Ellmers, Detlev
1. Gewässer Sch. ist die Nutzung der Gewässer durch den Einsatz von Wasserfahrzeugen. Gewässer verursachen dabei sehr viel weniger Reibungswiderstand als das Land, lassen viel größere Fahrzeuge zu und ermöglichen die Nutzung der kostenlos verfügbaren Strömungs- und Windenergie zur Fortbewegung. Deshalb sind Boote und Schiffe die am wirtschaftlichsten zu betreibenden Fahrzeuge; allerdings können sie nur an schiffbaren Gewässern gelegene Orte erreichen und benötigen zur Wahrnehmung ihrer Funktion Häfen als Liegeplätze, Ausgangspunkte und Fahrtziele. Die mit Was…

Schiffshebewerk

(1,178 words)

Author(s): Schinkel, Eckhard
1. Definition Der Begriff Sch. ist eine Wortschöpfung des späten 19. Jh.s; er bezeichnet vorrangig Senkrechthebewerke für Wasserfahrzeuge. Allgemein unterscheidet man die Schiffshebung mittels der geneigten (schiefen) Ebene (Schleifbahn, Rollbrücke), mittels Schleuse und mittels Senkrechthebewerk. 2. Geneigte Ebene Schleifbahnen sind flache Rampen, über die ein Boot aus dem Wasser gezogen und über eine Landenge hinweg zum nächsten Wasserweg geschleift wird. Berühmt ist der Diolkos am Isthmus von Korinth (um 600 v. Chr. erbaut, ev…

Schiffsmakler

(784 words)

Author(s): Ellmers, Detlev
Als Unterhändler in allen Seehäfen vermittelte der Sch. Schiffern, Reedern oder Seehandelskaufleuten Frachten gegen Vergütung (einen Prozentsatz der Umsatzsumme). Diese sog. Courtage wurde ursprünglich frei ausgehandelt und zu gleichen Teilen von Verkäufer und Käufer beglichen, bei Geldgeschäften allein vom Schuldner. Noch im 16. Jh. bot sie mit nur 2–7 Promille kaum eine ausreichende Lebensgrundlage [3], stieg aber im Lauf der Nz. an und wurde spätestens im 19. Jh. von der Kaufmannschaft der Hafenstädte in detaillierten Gebührenordnungen festgesc…

Schiffsversicherung

(794 words)

Author(s): Ellmers, Detlev
Versicherungen decken einen durch bestimmte Ereignisse hervorgerufenen Vermögensbedarf durch dessen Verteilung auf eine größere Personenzahl. Die für Sch. maßgeblichen Ereignisse sind Seenot bis zum Schiffsuntergang sowie Kaperung und deren Folgen, wobei in der Nz. die Sch. im engeren Sinn Beschädigung bis hin zum Verlust von Schiff und Ladung abdeckten, im weiteren Sinn auch Folgewirkungen an betroffenen Personen. Die Anfänge der Sch. im späten MA weichen von heutigen Versicherungsformen stark ab, prägten aber die nzl. Entwicklung. Die Parten-Reederei hielt das Risiko v…

Schinder

(10 words)

s. Scharfrichter

Schisma

(1,592 words)

Author(s): Walter, Peter | Bayer, Axel
1. Allgemein Der Begriff schísma (»Spaltung«, »Trennung«) ist ein griech. Lehnwort, das unübersetzt ins Kirchenlatein und in moderne Sprachen gelangte. Er bezeichnet (1) den Vorgang einer Abspaltung von der Kirche; (2) den dadurch hervorgerufenen Zustand und (3) die so entstandene Gruppe. Ein Sch. unterscheidet sich insofern von einer Häresie, als es sich nicht wie diese gegen den Glauben, sondern gegen die Einheit der Kirche richtet. Augustinus lieferte dafür um 400 eine bündige Formel: »Ein Sch. besteht dann, wenn einer, der dasselbe glaubt und dieselben …

Schlachtenmalerei

(10 words)

s. Historienbild

Schlaf

(861 words)

Author(s): Kinzler, Sonja
Sch. (griech. hýpnos, lat. somnus), der dem Wachsein entgegengesetzte, notwendig wiederkehrende Zustand, galt schon in der Antike als Bruder des Todes und als Brücke zum Traum, doch begegnete man dem Phänomen auch mit wiss. Interesse: Aristoteles erklärte den Sch. als physiologischen Ablauf, der im Zusammenspiel mit der Verdauung die Rekreation von Körperfunktionen wie auch der Wahrnehmung ermögliche. In der Medizin des MA und der Renaissance wurde Aristoteles' Theorie zwar rezipiert, einflussreicher war aber die hippokratisch-galenische Humorallehre bzw. die Diätetik. …

Schlaraffenland

(1,010 words)

Author(s): Voltmer, Rita
Der Begriff Sch. (spätma. slûraffen lant, Schlauraffenlant, von slûraffe, »Faulenzer«, »Müßiggänger«) setzte sich erst während der Frühen Nz. durch. Die dahinterstehende Vorstellung von einem Land des Überflusses und des Müßigganges findet sich in den meisten europ. Ländern (franz. pays de Cocagne, span. país de Cucaña, ital. paese della Cuccagna, engl. land of Cockaigne, niederl. lant van Cockaengen). Mit Ausnahme von Schweden konnte das Sch.-Motiv in den skand. und osteurop. Erzähltraditionen jedoch bislang nicht nachgewiesen werden [1. 803]. Schon die Antike kannte ut…

Schleichhandel

(10 words)

s. Schmuggel

Schleuse

(775 words)

Author(s): Schinkel, Eckhard
1. Begriff und Ursprünge Allgemein bezeichnet Sch. (engl. sluice, niederl. sluiz; span. esclusa, ital. chiusa, franz. écluse) einen kontrollierten Durchlass; im ma. Sprachgebrauch auch Mühlenbach, Damm oder Wehr. Im Wasserbau (»Hydrotechnik«) ist die Schifffahrts-Sch. (auch Kammer-Sch., verkürzt Sch.) ein Verbindungsbauwerk zwischen zwei unterschiedlich hohen Wasserhaltungen (vgl. Kanal). Mit der schwimmenden Hebung und Senkung von Schiffen konnten die Belastungen, wie sie für Material, Ladung und Menschen beim trockenen Transport über Land mittels geneigter …

Schlitten

(820 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
Die Sch. (mhdt. slite; ital. slitta; engl. sleigh, sledge, slide, sled; schwed. släde) genannten Kufenfahrzeuge dienten in der Frühen Nz. weniger dem Hinabgleiten auf Abhängen (Rodel-Sch.) als dem Transport von Personen oder Sachen bei geschlossener Schnee- oder Eisdecke. Dies schloss aber die Verwendung zum Sport nicht aus. Sch. waren bis nach Norditalien verbreitet, weil in der Periode der Kleinen Eiszeit die Winter oft lang und andere Fortbewegungsformen außerhalb der Städte kaum möglich waren. Sch. wurden mit Muskelkraft von Menschen oder Tieren gezogen. Je nach Nutzer wu…

Schloss

(3,176 words)

Author(s): Laß, Heiko
1. Begriff und Gegenstand Im engeren Sinne ist ein Sch. das Gebäude eines Landesherrn mit Wohnfunktion, das dessen Souveränität baulich verkörpert. Bauten des Adels wurden in dt.sprachigen Gebieten in der Nz. Haus genannt. Diese in Frankreich gar nicht, in England aber durchaus gebräuchliche Differenzierung wurde im 19. Jh. in Deutschland weitgehend obsolet, da viele ehemals unabhängige Fürsten nach der Mediatisierung Untertanen eines anderen Landesherrn wurden, wobei sie ihren adligen Status behielten; ihre Wohnbauten wurden aber weiterhin als Sch. bezeichnet [2]; [15]; [1…
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