Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Vagabund

(734 words)

Author(s): Wadauer, Sigrid
V. ( Landstreicher, nzl. auch Vagabond, franz./engl. vagabond, engl. auch tramp) ist eine facettenreiche Kategorisierung, die sich in der Nz. auf eine Vielfalt von Praktiken beziehen konnte: Sie bezeichnet zunächst jemanden, der umherwandert oder -streift (von lat. vagari). Bei der Vagabondage (engl. vagrancy) trafen Mobilität, Fremdheit, das Fehlen eines festen Wohnortes, von anerkannter Arbeit bzw. einem Arbeitsverhältnis (»herrenloses Gesindel«, masterless men; Arbeitslosigkeit) und Mittellosigkeit zusammen [2. 4]. Es wurde unterstellt, dass dem V. eine Des…

Vaganten, Vagierende

(18 words)

s. Bettler | Fahrendes Volk | Vagabund

Vakuum

(1,824 words)

Author(s): Siebert, Harald
1. Begriff Unter V. (von lat. vacuus, »leer«) versteht man den absolut materiefreien oder luftleeren Raum. Umgangssprachlich werden auch luftverdünnte Räume als V. bezeichnet. 2. Scholastik und Renaissance An den europ. Universitäten des MA mit ihrem starken Bezug auf die aristotelische Philosophie (Aristotelismus) galt es als ausgeschlossen, dass ein V. in der Natur existiert. Zwar wurde 1277 vom Pariser Bischof Étienne Tempier festgestellt, dass es der göttlichen Allmacht freistehe, ein V. zu schaffen; mit der aristotelischen Physik blieb diese Vorstellung aber unve…

Vampir

(945 words)

Author(s): Nifl Heim, Nordian
1. Vampirismus und Vampirpanik Ein V. ist ein Wiedergänger, der nach seinem Tod die Lebenden heimsucht, um sie zu schädigen und mittels Blut-Saugens ihrer Lebenskraft zu berauben. Der in uralten Traditionen blutrünstiger Ungeheuer angesiedelte und universal verbreitete Glaube an die Existenz von Untoten prägte für diesen polyvalenten Dämon in verschiedenen europ. Kulturkreisen unterschiedliche Erscheinungsformen aus. Eine frühnzl. Präfiguration des V. im dt.sprachigen Raum war der Nachzehrer, ein ursprünglich nicht blutsaugender Plage…

Vanitas

(871 words)

Author(s): Ewen, Jens
Mit V. (lat.; »Leere«, »falscher Schein«, »Prahlerei«) ist im engeren Sinn ein Motiv und Thema in bildender Kunst, Literatur und Musik gemeint, mit dem die Vergänglichkeit, Endlichkeit und Nichtigkeit menschlichen Daseins und menschlicher Hervorbringungen symbolisiert werden. Im weiteren Sinn ist darunter die Idee zu verstehen, auf die diese symbolischen Darstellungen zurückgehen, die Idee der v. mundi ( »Eitelkeit/ Vergänglichkeit der Welt»). Diese wurde v. a. in der christl. Theologie überliefert («Es ist alles ganz eitel«, Koh 1,2), geht aber auf …

Variation, musikalische

(776 words)

Author(s): Bork, Camilla
1. Begriff In der Etymologie des Begriffs V. (von lat. variatio, »Verschiedenheit«, »Veränderung«) wird eine dreifache Bedeutung sichtbar. Er bezieht sich (1) auf ein ästhetisches Ideal (Mannigfaltigkeit); (2) auf eine musikal. Form und kompositorische Technik, die Gegebenes verändert; (3) auf eine Aufführungssituation bzw. performative Praxis, in der diese Veränderungen zum Klingen gebracht werden. 2. Musikästhetisches Ideal In der antiken Rhetorik gehörte die V. zu den grundlegenden Stilmitteln eines guten Redners. Diese rhetorische Tradition fand i…

Variationskalkül

(933 words)

Author(s): Fraser, Craig | Rammer, Gerhard
1. Ursprung Der V. in seiner einfachsten Form bezweckte ursprünglich, eine Funktion zu finden, die den Wert eines gegebenen bestimmten Integrals zu einem Minimum oder Maximum macht. Der Name V. wurde im 18. Jh. von Leonhard Euler im Anschluss an Joseph Louis de Lagrange vorgeschlagen und verweist auf das Verfahren, die gesuchte Funktion durch die Extremalbedingungen so zu identifizieren, dass sich bei geringfügiger Variation der Funktion der Wert des Integrals nur minimal ändert. Als ein für sich bestehendes Teilgebiet der Mathematik geht der V. auf eine von Johann Bernoulli 16…

Vasall

(784 words)

Author(s): Kühner, Christian
Im Rahmen des Lehnswesens wird als V. (lat. vassus, vasallus) i. Allg. der Lehnsmann bezeichnet, der vom Lehnsherrn ( senior, dominus) das Lehen ( beneficium) erhielt (wenngleich es auch vasallitische Verhältnisse ohne Lehen gab). Lehnsherr und V. schuldeten einander Treue. Hinzu kamen unterschiedliche Leistungen beider Seiten: Während der V. zu »Rat und Hilfe« ( consilium et auxilium) verpflichtet war, war der Lehnsherr zu »Schutz und Schirm« des V. verpflichtet [3]. In der Regel erhielt der V. ein Lehen, das aus Land, aber auch einem Amt bestehen konnte. Der V…

Vater

(2,481 words)

Author(s): Wunder, Heide
1. Begriff In den indoeurop. Sprachen gibt es unterschiedliche Worte für V.; gemeinsam ist ihnen der »Kern von Macht« [21. 259], der die Schutz- und Nahrungsmetapher einschließt (z. B. engl. lord = keeper of the bread). V. wird als Bezeichnung für weitere Autoritätspersonen verwendet: u. a. Kirchen-V., Abt, lat. Pater als »geistlicher V.« (Seelsorger, Seelenführer). 2. Vater – Kind – Mutter V. ist ein in mehrfacher Hinsicht ambivalent besetzter Beziehungsbegriff. (1) Auf der Beziehung zwischen V. und Kind sowie zwischen V. und Mutter (= M.) lastete die Ungewissheit der V.…

Vaterland

(1,045 words)

Author(s): Clemens, Gabriele
1. Begriff Das Wort V. hat sich in den dt. Ländern seit der Frühen Nz. eingebürgert. In den roman. Sprachen verwendet man ausschließlich patria (bzw. franz. patrie), wohingegen der Begriff V. im Niederländischen ( vaderland) sowie in den skand. Sprachen vorkommt (dän. fædreland oder fäderneland; schwed. fädernesland). Im Englischen wurde der Begriff fatherland zu Beginn des 19. Jh.s dem dt. nachgebildet (ansonsten unter Berufung auf den anderen Elternteil: mother country) [1]; [2]. 2. Zur historischen Entwicklung Die Begriffe patria, V. und Nation sind nicht voneinander z…

Väterliche Gewalt

(17 words)

s. Elternrecht | Patriarchat | Vater

Vaudeville

(842 words)

Author(s): Grosch, Nils
1. Begriff Der Begriff V. (franz. voix de ville) bezeichnet eine in Frankreich seit dem 15. Jh. populäre Lied-Gattung, seit dem späten 18. Jh. auch eine Gattung des franz. populären Musik-Theaters, welche im 19. Jh. im US-amerikan. urbanen Unterhaltungstheater unter dem gleichen Gattungsbegriff weitergeführt wurde [1]. Durch die Aufnahme populärer Lieder in das Bühnenwerk einerseits und aufgrund der Aufführungstraditionen der Liedgattung V. in theatralen (auf der Bühne) und semi-theatralen (in der Liedkolportage) Performanz-Situationen …

Vedute

(1,002 words)

Author(s): Knopp, Katrin Simona
1. Definition Als V. bezeichnet man die topographisch genaue malerische oder zeichnerische Wiedergabe einer Stadt- oder Landschaftsansicht. Die V. ist der Gattung des Landschaftsbildes zuzuordnen. Sie entwickelte sich im 17. Jh. im Zuge der Grand Tour und fand im 18. Jh. ihren Höhepunkt. Bereits seit SpätMA und Renaissance existieren Stadtbilder, die als Vorläufer gewertet werden können. 2. Spätes Mittelalter und Renaissance Im Hintergrund religiöser und profaner Sujets der altniederl. Malerei finden sich immer wieder Stadtansichten. Es handelt sich hie…

Vegetarismus

(1,580 words)

Author(s): Sieglerschmidt, Jörn
1. Definition Der Verzicht auf Fleischkonsum ist seit der Antike und in vielen Kulturen als eine Form der Theriophilie (der einfühlenden Rücksichtnahme auf Tiere) bekannt (vgl. Abb. 1) und ist zuweilen als relig. oder diätetische Regel vertreten worden (Naturheilkunde). Dieser Verzicht erstreckte sich teilweise auch auf die Nutzung tierischer Produkte z. B. für die Kleidung. Nur selten sind im nzl. Europa jedoch Formen der Ablehnung des Gebrauchs sämtlicher tierischer Produkte nachweisbar ( Veganismus, Lacto-Ovo-V.). In Europa und unter christl. Einfluss blieb d…

Vendée

(10 words)

s. Gegenrevolution

Verband

(2,496 words)

Author(s): Mittag, Jürgen
1. Begriff und Abgrenzungen Als V. werden auf Dauer angelegte, in der Regel auf freiwilliger Mitgliedschaft und festen Regularien (Satzungen, Statuten) basierende Zusammenschlüsse von Individuen oder Körperschaften bezeichnet, die das Ziel verfolgen, ihre Interessen nach außen geschlossen zu artikulieren sowie die ggf. divergierenden Einzelinteressen der Mitglieder nach innen abzustimmen und zu bündeln. Der V.-Begriff ist nicht trennscharf von den Termini Verein und Partei abzuheben [6]. Er unterliegt zudem in unterschiedlichen nationalen und histor. Kontext…

Verbannung

(2,371 words)

Author(s): Bretschneider, Falk
1. Begriff und Ursprünge Der Begriff V. beschreibt Formen von Zwang, mit denen Menschen einzeln oder in Gruppen dazu genötigt werden, ihren aktuellen Aufenthaltsort zu verlassen, wobei das Ziel vorgeschrieben sein kann oder auch nicht (Zwangsmigration). Im Gegensatz zum Exil bezog sich der Begriff in der Nz. nicht nur auf die Vertreibung aus der Heimat, sondern bezeichnete eine räumliche Exklusion, die prinzipiell überall ihren Ausgang nehmen konnte. Meistens, aber nicht immer, war mit der V. eine Überschreitung von Herrschaftsgrenzen verbunde…

Verbindung, chemische

(837 words)

Author(s): Meinel, Christoph
Neben dem Begriff der Elemente gehört der der V. zu den grundlegenden theoretischen Konzepten der nzl. Chemie. Die ältere Historiographie hat seine Ursprünge bis auf den antiken Atomismus und dessen Vorstellung von zeitlich stabilen Atomkonstellationen einerseits [2] und die hochma. Lehre von den minima naturalia, den kleinsten qualitativ bestimmten Substanzteilchen [9], andererseits zurückführen wollen, die um 1620 in Isaac Beeckmans Konzept des homogeneum physicum (» Molekül«) [8. Bd. 1] oder in den 1670er Jahren in Robert Boyles Vorstellung räumlich strukturierte…

Verbrechen

(12 words)

s. Kriminalität | Straftat

Verbrennung

(1,154 words)

Author(s): Meinel, Christoph
1. Begriff Unter V. versteht man heute die unter Flammenbildung verlaufende Oxidation eines Stoffes, in der Regel durch Reaktion mit Sauerstoff. Chemisch (= chem.) vergleichbar sind das Rosten von Eisen und die Stoffwechselphysiologie der Atmung. Dass derart unterschiedlichen Phänomenen ein gemeinsamer Vorgang zugrunde liegt, hat man erst im ausgehenden 18. Jh. verstanden. 2. Korpuskulare Erklärungen Nach aristotelischer Vorstellung hat die V. mit dem Element Feuer zu tun, in der Tradition des Atomismus mit der vermuteten Existenz einer bes. kleinen und b…

Verdienstadel

(10 words)

s. Tugendadel

Verein

(4,921 words)

Author(s): Gierl, Martin
1. Begriff und Forschungsgeschichte V. bezeichnet eine formalisierte freiwillige Vereinigung, d. h. Privatgesellschaft. Im weiten Sinn der Assoziation (= Ass.) lassen sich dem Vereinswesen (= Vw.) der Nz. eine Vielzahl zeittypischer Formen zurechnen: Bruderschaften, Bünde, Landsmannschaften, Sekten, Konventikel (Collegium 3.), Sodalitäten, Sozietäten, Gesellschaften, Gemeinschaften, Klubs, Kasinos und Unitäten; darüber hinaus an seinem nicht statuarischen Rand Salons, Zirkel und Kreise; an seiner staatsoffiziösen Seite Akademien, Gew…

Vereinigungsfreiheit

(781 words)

Author(s): Rüdiger, Björn
1. Begriff Das Grundrecht der V. schützt das Recht, Vereinigungen (d. h. freiwillige, auf Dauer angelegte, organisierte Verbindungen) zu bilden, sich dort zu betätigen und ein- oder auszutreten. Die V. wurde bis in die 1850er Jahre neben der Versammlungsfreiheit als eine Ausprägung der Assoziationsfreiheit verstanden, deren Formen von der Korporation bis zur Volksversammlung reichten. Der Unterschied zwischen Versammlungen und Vereinen bestand dabei in der Assoziationsdichte, nicht aber im Assoziierungszweck [8. 11]. 2. Frühe Neuzeit Bis zum 19. Jh. bestimmten Korpor…

Vereinigungsvertrag

(10 words)

s. Staatsvertrag

Vereinödung

(874 words)

Author(s): Konold, Werner
Das dt. Wort » Einöde« leitet sich vom german. ôd, ahdt. uodil, ab und bezeichnet » Besitz«, »Erbgut«. Die Einöde ist der arrondierte, d. h. mit klaren Grenzverläufen versehene Besitz eines Einzelnen außerhalb des Dorfes, die V. der Vorgang, der zu einem solchen Besitztum führt [6]. Damit verbunden sind die Aufhebung des Flur-Zwangs und der Weideservituten, Grundstückszusammenlegungen, Hinausbau von Höfen aus dem Dorf auf die Feldflur und die Einführung des Anerbenrechts (Erbpraxis, ländliche) [7]. Eine direkt vergleichbare, synchron ablaufende Entwicklung gab es we…

Vererbung

(1,227 words)

Author(s): Müller-Wille, Staffan
1. Begriff Nicht nur die Biologie selbst, sondern auch V. als einer ihrer zentralen Begriffe ist ein Produkt der Moderne. Wie in der dt. Sprache noch deutlich erkennbar, verdankt er seine biologische Bedeutung der metaphorischen Übertragung des juristischen Erbrecht-Begriffs auf Phänomene der Zeugung und der Fortpflanzung von Lebewesen. Vor dem Ende des 18. Jh.s beschäftigten sich Naturphilosophen und Ärzte mit diesen Phänomenen überwiegend mit Blick auf die Entstehung von Einzelwesen, was eine solche metaphorische Übertragung nicht n…

Verfahrensinnovation

(13 words)

s. Innovation | Wandel, technischer

Verfall

(10 words)

s. Dekadenz

Verfassung

(6,235 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
1. Terminologie 1.1. Verfassung Das dt. Wort V. als Begriffsbezeichnung in einem spezifischen polit.-rechtlichen Sinn begegnet erst um 1800. Es geht allerdings auf eine ma. Wurzel zurück, die eine allgemein-rechtliche Aussage enthält: V. bezeichnet das Verfasste aufgrund einer Vereinbarung, das demnach einzuhalten ist, und damit auch den so geschaffenen Zustand. Diese Wortbedeutung begegnet noch im 18. Jh. wie etwa bei Christoph Martin Wieland in der synonymen Formel, man habe »sich in V. zu setzen,…

Verfassungsbruch

(1,120 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
1. Allgemeine Charakteristika V. bedeutet Änderung oder Aufhebung einer Verfassung (= Vf.), die nicht auf dem von ihr vorgeschriebenen Weg erfolgt, also vf.widrig ist. In der Regel ist damit eine umfassende Veränderung der Staats- und/oder Regierungsform verbunden. Da Vf.-Urkunden ihre Abänderung selbst festlegen, lässt sich demnach vom V. eine nach Regeln der Vf., also vf.konform ablaufende Vf.-Änderung leicht abgrenzen. Schwieriger gestaltet sich dies für Staaten ohne Vf.-Urkunde (Verfassung 7.). Ein »Bruch« kann hier nur die…

Verfassungsgeschichte

(2,397 words)

Author(s): Grothe, Ewald
1. Definition Mit dem Begriff der V. sind nach heutigem Verständnis sowohl die »realhistor.« Verfassungs-Entwicklungen als auch deren Historiographie gemeint. Die V. ist ein Teilgebiet der Rechtswissenschaft und der Geschichtswissenschaft. In der Jurisprudenz wird sie als selbstständiger Rechtsbereich oder als Teil der Rechtsgeschichte bzw. des Öffentlichen Rechts (lat. ius publicum) angesehen [4. 35–42]. 2. Italienische und französische Wurzeln Die V.-Schreibung als spezifischer Teilbereich histor.-juristischer Forschung war vor dem 19. Jh. vornehmlich in Italie…

Verfassungsrecht

(1,674 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
1. Allgemeines Mit der Ausdifferenzierung der europ. Rechtsordnungen im 18. Jh. in Privatrecht bzw. Zivilrecht (auch Bürgerliches Recht), Zivilprozessrecht, Strafrecht, Strafprozessrecht und Verwaltungsrecht (Polizeyrecht, polit. Gesetze) entstand als weiterer Teil das V. Wie insbes. Privatrecht und Strafrecht unterlag es, jedenfalls in Kontinentaleuropa, der Kodifikations-Bewegung, d. h. seiner Regelung in einem Gesetzbuch mit Ausschlusswirkung insbes. unter den Bezeichnungen Konstitution, Verfassung (= Vf.) bzw. Vf.-Urkunde oder Charte, wie dies…

Verfluchung

(10 words)

s. Fluchen

Verfügungsrecht

(1,471 words)

Author(s): Gorißen, Stefan | Zwanzger, Michael
1. Wirtschaft 1.1. Begriff Mit dem Begriff V. (engl. property rights) werden im Kontext der Neuen Institutionenökonomik diejenigen Rechte bezeichnet, die die Handlungsmöglichkeiten von Wirtschaftssubjekten an knappen Ressourcen bestimmen. V. spezifizieren und konkretisieren Eigentums- und Vermögensrechte und beziehen sich auf die Berechtigungen, (1) über bestimmte Ressourcen und Nutzungsformen unter Ausschluss anderer Wirtschaftssubjekte zu verfügen, (2) Güter substantiell (materiell und formal) zu verändern, (3) sich die Erträge aus der…

Vergeltung

(10 words)

s. Strafzweck

Vergewaltigung

(2,729 words)

Author(s): Griesebner, Andrea | Lorenz, Maren
1. Begriff V. (abgeleitet von »Gewalt«, »gewaltigen« bzw. mhdt. »gewaltig thun«) bezeichnete bis ins 20. Jh. vorwiegend physische Gewalt gegen Personen, Dinge oder Institutionen [12]. Seit den frühen german. Rechten fanden für das heute unter V. verstandene Sexualdelikt v. a. die Ausdrücke » Notzucht« bzw. »Notzüchtigung« oder aber »Schändung«, »Schwächung«, »Entehrung«, »Ehrenberaubung« Verwendung; vgl. engl. rape (von lat. rapere, »mit Gewalt rauben«) bzw. franz. rapt, ab 1791 dann viol, span. violación (von lat. violentia, »Gewalt«) und ital. stupro (von lat. stuprum, …

Vergnügung

(956 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Begriff Zedlers Universal-Lexicon definierte 1746 V. als »denjenigen Affect, der vom Anschauen oder aus dem Genusse der Vollkommenheiten entstehet«, sei es etwa in der Musik, in der Architektur oder in der wiss. Erkenntnis. Der Akt des Genusses stelle die V. dar, wobei des »Gemüths Vergnügungen die reinesten und nützlichsten sind«. Im Sinne der Philosophie der Aufklärung stehe die V. der Zielvorstellung der Glückseligkeit nahe [1. 748–750]. Krünitz' Oeconomische Encyclopädie assoziiert 1851 Vergnügen etwas körperhafter mit » Lust, Wollust, Freude, Ergötzung, etc.« u…

Verhüttungstechnik

(939 words)

Author(s): Bartels, Christoph
Um Erze zu Metallen verarbeiten zu können, müssen chemische und physikalische Prozessketten in Gang gesetzt und im Sinne einer sicheren Reproduzierbarkeit beherrscht werden. Allerdings verfügte man bis weit ins 18. Jh. hinein nur eingeschränkt über das benötigte chemische und physikalische Wissen. Messeinrichtungen und -verfahren waren nur sehr begrenzt objektivierbar. Temperaturen konnte man nicht genau messen, sondern nur abschätzen. Lediglich Gold- und Silber-Gehalte von Erzen, Zwischenprodukt…

Verjährung

(761 words)

Author(s): Pahlow, Louis
1. Begriff Unter V. versteht man die Einwirkung der Zeit auf ein Recht, das dadurch etwa in seinem Bestand oder in seiner Durchsetzung beeinträchtigt wird. V. gründet sich darauf, dass jemand binnen einer gewissen Frist seine Rechte nicht geltend macht. Sie findet sich außer im Privatrecht und im Strafrecht auch in anderen Rechtsgebieten, u. a. dem Verwaltungsrecht. 2. Privatrecht Mit der Rezeption des römisch-kanonischen Rechts wurden auch dessen traditionelle Grundsätze der Ersitzung weiterentwickelt, d. h. eines Eigentums-Erwerbs des Besitzers einer Sache, an der…

Verkappte Religionen

(13 words)

s. Religionswandel

Verkehrsarchitektur

(16 words)

s. Brücke | Chaussee | Ingenieursarchitektur | Kanal

Verkehrsnetz

(986 words)

Author(s): Popplow, Marcus
1. Allgemein Als V. gilt in der Regel die Verknüpfung unterschiedlicher Linien eines oder mehrerer Verkehrs-Mittel; daneben wird die Existenz verdichteter Netze von Wegen und Straßen ebenfalls als V. verstanden (vgl. Netzwerk). Im Sinne von Liniendiensten erlauben V. insbes. das Umsteigen von Personen bzw. das Umladen von Gütern, zu deren Zielorten es keine direkte Verbindung gibt. Ein V. setzt dabei regelmäßige, wenn auch nicht unbedingt an einem Fahrplan ausgerichtete Verbindungen durch Transportdienstleister voraus. Für Pilger, Reisende oder Kaufleute, die in der …

Verkehrsregeln

(864 words)

Author(s): Beyrer, Klaus
V. dienten seit dem ausgehenden MA neben der Schifffahrt hauptsächlich der Steuerung des Landverkehrs (Landtransport). Während das Hamburger Schiffsrecht von 1270 verbindliche Haftungsgrundlagen für den Fall einer Kollision erörterte, behandelten obrigkeitliche Landverkehrsverordnungen Themen der Wege- und Straßennutzung und äußerten sich zu Überholvorgängen, Vorfahrt und Geschwindigkeit. Eine »einfache Straßenverkehrsordnung« [6. 1241] war bereits in dem um 1220 entstandenen Sachsenspiegel und ähnlich im Schwabenspiegel (1275) enthalten; z. B. wurde bei …

Verkehrte Welt

(3,106 words)

Author(s): Weikl, Katharina
1. Allgemein Die V. W. (lat. mundus inversus, ital. mondo alla riversa oder mondo alla rovescia, franz. le monde renversé oder le monde bestorné, engl. the word turned upside down oder the topsy-turvy world [12], fläm. de verkeerde wereld) war in der Frühen Nz. ein beliebtes Motivfeld, das aus einem breiten Repertoire an künstlerischen Topoi und kulturellen Handlungen schöpfte und implizit immer auf eine vermeintlich richtige W. verwies. Meist ging es um eine Verkehrung der sozialen Ordnung, wobei der Geschlechtersymbolik eine bedeutende Rolle zukam (vgl. Abb. 1). Di…

Verkehr und Transport

(8,209 words)

Author(s): Popplow, Marcus | Ellmers, Detlev
1. Allgemein Alle Hochkulturen der Nz. nutzten, ihren topographischen Möglichkeiten entsprechend, Land- und Wasserwege zum T. von Menschen, Gütern und Informationen. Ihr Verlauf prägte territoriale Wirtschaftsgeographien und damit letztlich auch die Herausbildung kultureller Zentren. Der Wasserweg hatte prinzipiell den Vorteil, dass auf Booten und Schiffen weit schwerere Lasten befördert werden konnten als auf dem Landweg, doch waren schiffbare Wasserwege nicht überall verfügbar und ließen sich im…

Verkleidung

(1,078 words)

Author(s): Chapuis-Després, Stéphanie
1. Allgemein V. bezeichnet das Sich-Verkleiden als Tätigkeit, das Verkleidetsein und die von der verkleideten Person getragenen Kostüme. In der Nz. wurde derjenige als verkleidet betrachtet, dessen Kleidung nicht dem Stand (Kleiderordnung), den Geschlechterrollen (Transvestismus; s. u. 4.) oder der Nationalität entsprach. In der frühnzl. Gesellschaft wurde die V. häufig negativ bewertet, weil sie unmoralische oder strafbare Handlungen zu verbergen helfe oder Mittel heuchlerischer Simulation sei (Lüge). Im Bereich des Th…

Verlag

(2,118 words)

Author(s): Lucius, Wulf D. von | Estermann, Monika
1. Begriff Die Bezeichnung eines Unternehmens als V. setzt eine Produktion von Büchern auf Vorrat und auf Kosten des Verlegers voraus, nicht also die Einzelherstellung nach Auftrag wie in den Skriptorien der Klöster oder buchkünstlerischen Werkstätten der Fürstenhöfe. Als »Verleger« wurden in MA und Früher Nz. auch die Verleger anderer Waren bezeichnet, z. B. von Textilien (vgl. Verlagssystem). Erst nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wurden Bücher zum Leitmedium der Frühen Nz., weil sie nun in hohen Auflagen verbreitet werden ko…

Verlagssystem

(1,640 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
1. Begriff Das V. war eine Organisations- bzw. Koordinationsform (Produktionsregime) exportorientierter Gewerbe insbes. in der Ära der Protoindustrialisierung des 13.–19. Jh.s. Der Begriff bezeichnet wörtlich die Ausgabe (Vorlegen, Fürlegen) von Rohmaterial oder Halbfabrikaten durch einen Auftraggeber (den Verleger) an eine zweite Person, die ihrerseits die Verarbeitung bis zu einem nachgelagerten Produktionsstadium organisierte oder selbst durchführte. Diese zweite Person besorgte somit die Verarbeitung für den Auftraggeber im Lohnwerk. Allerdings nahm das…

Verlagsvertrag

(11 words)

s. Geistiges Eigentum

Verleger

(14 words)

s. Verlag | Verlagssystem | Wirtschaftsbürgertum

Verleumdung

(10 words)

s. Beleidigung

Verlöbnis

(1,007 words)

Author(s): Scholz-Löhnig, Cordula
1. Begriff und Bedeutung Mit V. bezeichnet man das Versprechen von Mann und Frau, die Ehe miteinander eingehen zu wollen. Dieses Verständnis setzte sich erst in der Nz. durch. Vorher war das V. ein Teil der Eheschließung selbst. Vom V. unterschieden wurde die Trauung (ursprgl. die traditio puellae, also die »Übergabe der Braut«), die dem ehebegründenden Eheversprechen als notwendiger Realakt nachfolgte [8. 31]. Für die Nz. prägend wurde die Aussage des Gratianus [4. 27–30], dass sowohl das V. als auch die Ehe allein durch Konsens zustande kämen. Wegen der großen Nähe des V. z…

Vermächtnis

(12 words)

s. Erbrecht | Testament

Vermessung

(14 words)

s. Geodäsie | Kartographie | Markscheidewesen

Vermittlungstheologie

(11 words)

s. Theologische Richtungen

Vermögensdelikte

(1,133 words)

Author(s): Ammerer, Gerhard
1. Begriff Der Sammelbegriff V. war in der Frühen Nz. nicht gebräuchlich. In der Alltags- wie in der Rechtssprache wurden lediglich die einzelnen Typen von Verbrechen benannt; allenfalls kam es in den Strafgesetzbüchern zu oft recht umständlichen Umschreibungen für diese Deliktgruppe. Das »Vermögen« als betroffenes Rechtsgut schien z. B. im Habsburgerreich erstmals im Allgemeinen Gesetz über Verbrechen, und derselben Bestrafung von 1787 auf: »Von den polit. Verbrechen, wodurch das Vermögen, oder die Rechte der Mitbürger gekränket werden« (2. Teil, 4. K…

Vernunft

(3,007 words)

Author(s): Kass, Rita
1. Überblick V. (griech. diánoia, lat. ratio, franz. raison, engl. reason) war in der Frühen Nz. ein philosophischer Grundbegriff von großer Spannweite. Er betraf sowohl das Denken und Reden als auch das Handeln, insofern diese argumentativ begründbar und nachvollziehbar waren. Das Thema war seit der Antike in einem nicht klar definierten Begriffsfeld diskutiert worden. Die Termini V. und Verstand, die in scholastischer Tradition hierarchisch aufeinander bezogen waren, wurden von Meister Eckhart und Martin Luther ins Deutsche übertragen. Als höchstes intuitives Erkenntnis…

Vernunftrecht

(12 words)

s. Rechtsphilosophie und Naturrecht

Vernunftreligion

(3,929 words)

Author(s): Voigt-Goy, Christopher | Grözinger, Karl Erich
1. Allgemein Mit den Begriffen der V. und der natürlichen Religion (= nat. Rel.) wird die Vorstellung einer Gottes-Erkenntnis und daraus fließenden -Verehrung bezeichnet, die jedem Menschen allein durch sein intellektuelles Vermögen (Vernunft) gegeben sei. Inhaltlich wird sie mit einem allgemeinen Gehorsamsgebot gegenüber dem Willen Gottes identifiziert, das sich in der Pflicht zu einer moralischen Lebensführung konkretisiert (Ethik). Die Wurzeln dieser Vorstellung reichen über das Naturrecht des MA bis in die …

Vernunft und Offenbarung

(20 words)

s. Metaphysik | Offenbarung | Theologie

Verrechtlichung

(2,498 words)

Author(s): Hensel, Roman | Klippel, Diethelm
1. Begriff Der Begriff V. (engl. juridification, judicialisation) wird seit dem beginnenden 20. Jh. verwendet, um einen Vorgang der Ausdehnung rechtlicher (= rechtl.) Strukturen in bisher rechtl. nicht geregelte Lebensbereiche hinein oder eine Verdichtung und Detaillierung bestehenden Rechts zu beschreiben, ferner um allgemein auf eine Bedeutungszunahme von rechtl. Strukturen hinzuweisen. Den Begriff führten Hugo Sinzheimer 1919 und die Dissertation Otto Kirchheimers 1928 in die wiss. Diskussion ein [22. 354]; [8. 596 ff.]. Seither wird er in der rechtswiss., phi…

Versammlungsfreiheit

(755 words)

Author(s): Rüdiger, Björn
1. Begriff Die V. schützt das Recht, sich mit anderen unter freiem Himmel oder in geschlossenen Räumen zu versammeln. Eine Versammlung liegt anders als bei zufälligen Zusammenkünften (Ansammlungen) vor, wenn mehrere Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zweckes zusammenkommen. Die V. zielt als kollektives Kommunikationsgrundrecht auf eine Vergesellschaftung des Individuums. So wurde sie bis in die 1850er Jahre neben der Vereinigungsfreiheit lediglich als eine Ausprägung der Assoziationsfreiheit verstanden, die von der Korporation bis zur Volksversammlung reichte [5…

Verschleppung

(14 words)

s. Leibeigenschaft | Sklavenverschleppung | Zwangsmigration

Verschlüsselte Kommunikation

(2,311 words)

Author(s): Beyrer, Klaus
1. Allgemein Unter den nzl. Aspekten von V. K. rückte die Kryptographie in den Mittelpunkt. Über Jahrhunderte wurden vertrauliche Briefe und Depeschen in Geheimschriften verfasst, deren Sinn sich unbefugten Dritten entzog. Die Chiffrierung erfolgte zunächst mit Zahlzeichen, bald auch mit gebräuchlichen Schriftzeichen und erfundenen Symbolen. In den absolutistischen Ländern und Staaten wuchs das Interesse an fähigen Kryptoanalytikern, die an den Höfen in hohem Ansehen standen. Der Verschlüsselung (= Vsch.) kundig waren Offiziere, Diplom…

Verschuldung

(14 words)

s. Kredit | Staatsfinanzen | Zwangsvollstreckung

Verschwender

(906 words)

Author(s): Scheutz, Martin
1. Grundlagen Das zur Sparsamkeit antithetisch verwendete, sozial unterschiedlich bewertete Motiv des V. – eine überwiegend negative Zuschreibung – wurde im dt. Sprachraum v. a. durch das gleichnamige Zaubermärchen Ferdinand Raimunds (uraufgeführt 1834) kanonisiert. Der Titelheld versinnbildlicht moralisierend den gefallenen, mit geringer Menschenkenntnis ausgestatteten, reichen Aufsteiger (Vorbild u. a. das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn). Die Fallhöhe vom reichen, v.ischen, umschwärmten Aufsteiger bis zum tiefen Sturz des Protagonisten hatt…

Verschwendung

(14 words)

s. Aufwandsgesetze | Luxus | Verschwender

Verschwörung

(2,556 words)

Author(s): Vogel, Christine
1. Begriff Als V. bzw. lat. conjuratio wird im Sprachgebrauch des 18. Jh.s, wie er sich in Zedlers Universal-Lexicon niederschlägt, »die unrechtmäßige Zusammenschwörung wieder [sic] die Obrigkeit« [1. 980] bezeichnet. Auch Diderots und d'Alemberts Encyclopédie versteht unter conjuration einen Zusammenschluss böswilliger Personen gegen den Staat oder den Fürsten [2. 884]. V. wurde demnach im 18. Jh. als polit. Intrige von begrenzter Reichweite aufgefasst. Hiervon zu unterscheiden sind imaginäre V. als Erklärungen von negativ wahrgenommenen polit., r…

Verserzählung

(923 words)

Author(s): Wesche, Jörg
1. Begriff Der Begriff V. bezeichnet (1) allgemein jegliche Form von fiktionalen Erzähltexten in Versen. Konstitutiv sind dabei generell die Versgliederung und narrative Geschehensdarstellung sowie für die einzelnen Subgenres der jeweilige Umfang und die Stilhöhe. So lässt sich z. B. das Versepos des 18. Jh.s als »Handlung erzählende Versdichtung gehobenen Anspruchs und größeren Umfangs« bestimmen [4. 3]. Traditionell zählen hierzu u. a. die Helden- oder Geschichtsepik ( Heldendichtung) sowie das religiöse Epos. Im engeren Sinn (2) bezeichnet V. gebundene Erz…

Versicherung

(3,181 words)

Author(s): Denzel, Markus A. | Pahlow, Louis | Mittag, Jürgen
1. Versicherungswirtschaft 1.1. Begriff und historische Grundlagen V. bedeutet die Beseitigung des Risikos von Einzelnen mittels dessen Streuung auf eine Gemeinschaft mit ähnlichem Risiko. Dies geschieht durch die Leistung von Beiträgen oder Prämien Einzelner in einen gemeinsamen Fond, deren Höhe sich durch das abzudeckende Risiko bestimmt. Das gewerbsmäßige V.-Wesen bietet die Bildung von Risikogemeinschaften, das Sammeln von Prämien sowie die Ausbezahlung von V.-Leistungen als Dienstleistungen an. Zusammen mit dem Bank-Wesen zählt es zu den Hauptbestandteilen des Fi…

Verskunst

(10 words)

s. Metrik

Versöhnungstag

(10 words)

s. Feiertage

Verstädterung

(10 words)

s. Urbanisierung

Verstand

(2,377 words)

Author(s): Kass, Rita
1. Begriff V. (lat. intellectus, franz. entendement, engl. understanding) gehörte zum Kernvokabular der nzl. Philosophie und bezeichnete ein besonderes Erkenntnisvermögen des Menschen (Erkenntnistheorie). Seine Bedeutung erschließt sich im Verhältnis zum umfassenderen Terminus der Vernunft. Prägend für die wechselvolle Begriffsgeschichte des V. war die auf Platon und Aristoteles zurückgehende Unterscheidung zwischen griech. nóēsis und diánoia. V. ( nóēsis) galt als das höhere, auf Ideen gerichtete Denkvermögen mit intuitiver Erkenntnis, bei der sich …

Verstehen

(12 words)

s. Hermeneutik | Verstand

Verstellung

(2,172 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Überblick V. wurde in der Nz. in den meisten europ. Kultursprachen mit den seit Cicero geläufigen, durch Tacitus prominenten lat. Begriffen simulatio und dissimulatio benannt. Meinte Letzterer das Verbergen der eigenen An- und Absichten, bezeichnete Ersterer das Vortäuschen anderer als der tatsächlich gehegten Gedanken und Pläne. Obwohl V. als Lüge streng verpönt war – die Wahrheit zu sagen, war gleichermaßen Gebot christlicher Moral, adliger Ehre, vasallischer Treue wie kaufmännischer Kreditwürdigkeit –, blieb sie als ein Modus vorneh…

Vertrag

(1,781 words)

Author(s): Hofer, Sibylle | Fassbender, Bardo
1. Privatrecht 1.1. Allgemein V. stellen eine zentrale Institution des Privatrechts dar. Sie sind das Mittel, mit dem Privat-Personen (einschließlich Kaufleuten) untereinander ihre rechtlichen Beziehungen regeln können. Häufigster Anwendungsfall sind sog. schuldrechtliche V. ( Obligationen) wie z. B. Kauf, Miete, Werkvertrag, Dienstvertrag, Bürgschaft und Darlehen. V. gibt es jedoch auch im Bereich des Familienrechts (z. B. Ehe-V.), des Erbrechts (z. B. Erb-V.) oder des Sachen-Rechts (Übertragung von Eigentum, sog. dinglicher V.). Nachdem die Rechtswissenschaft …

Vertragsfreiheit

(10 words)

s. Privatrecht

Vertragshafen

(1,624 words)

Author(s): Kuhfus, Peter
1. Begriff und geschichtliche Bedeutung Durch die beiden Opiumkriege (1839–1842, 1856–1860) erzwangen England und Frankreich die Öffnung von sechzehn chines. Häfen (vgl. Ungleiche Verträge). Diese bildeten die Erweiterung eines Netzes von Handels- Faktoreien, das seit dem 16./17. Jh. von den europ. Kolonisatoren an den Küsten Süd- und Südostasiens angelegt worden war [14. 2 f.]. Im Englischen hießen sie zunächst ports open to foreign commerce (»für fremden Handel geöffnete Häfen«), open ports etc., bis sich rasch die Bezeichnung treaty ports (V.) durchsetzte; im Chinesi…

Vertragstheorie

(833 words)

Author(s): Weber, Wolfgang E.J.
1. Grundlagen Die nzl. Vorstellung, dass Staat, Verfassung und ökonomisch-soziale Ordnung auf einer rechtsförmigen Vereinbarung der Beteiligten nach Maßgabe ihres gegenseitigen Nutzens zu gründen hätten, entstand seit der Mitte des 17. Jh.s und setzte sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jh.s durch. Ihr ging ein komplexer Prozess der Verschmelzung, Differenzierung und Transformation älterer christl. Bundes- und Bündnis-Vorstellungen, röm.-rechtlicher Prinzipien und humanistisch-konfessioneller Ansätze voraus. Den Kern der christl. Tradition machte die bibl…

Vertreibung

(18 words)

s. Diaspora | Exil | Glaubensflüchtlinge | Verbannung | Zwangsmigration

Verwaltung

(4,228 words)

Author(s): Wieland, Christian
1. Begriffsbestimmung und Grundlagen V. (engl./franz. administration) mit dauerhaftem institutionellen Gefüge, genau umschriebenen sachlichen Zuständigkeiten und festen Satzungen zur Regelung ihrer internen Abläufe sind ein Kennzeichen entwickelter moderner Staaten. Neben polit. Verbänden – Reichen/Imperien, Monarchien, Republiken, Städten und Dörfern – besaßen und entwickelten in der Nz. auch auf freiwilligem Zusammenschluss beruhende Körperschaften (Universitäten, Bruderschaften), wirtschaftliche Organisationen sowie d…

Verwaltungsgerichtsbarkeit

(756 words)

Author(s): Olechowski, Thomas
Der Begriff V. scheint in den Quellen nicht vor 1848 auf. Obwohl im Grunde nur eine Eindeutschung des im Vormärz geläufigen Ausdruckes Administrativjustiz, wird mit V. doch etwas wesentlich anderes bezeichnet: Während Erstere eine Kontrolle der Tätigkeit von Verwaltungsbehörden durch andere Verwaltungsbehörden meint, liegt echte V. nur dann vor, wenn diese Kontrolle von unabhängigen Gerichten vorgenommen wird (vgl. Verwaltungsrecht) [10. 7 f.]. Die Einführung der V. in Deutschland war ein Kompromiss der – dem Vorbild Englands folgenden – »justizstaatlichen« Forderungen…

Verwaltungsrecht

(2,093 words)

Author(s): Simon, Thomas
1. Begriff und Entstehung V. umfassen die Rechtssätze, »welche die Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung regeln«, die aber gleichermaßen die Beziehungen zwischen der Verwaltung (= Vw.) und dem Bürger normieren und somit auch »Rechte und Pflichten für den Bürger« im Verhältnis zur Vw. begründen [9. 37]. Das moderne V. »wurde geformt von den Rahmenbedingungen des Frühkonstitutionalismus« [14. 240]. Seine Grundkonzeption ist untrennbar mit dem Rechtsstaatsprinzip verbunden, d. h. mit der Vorstellung, dass der Staat an die förmlichen, vom Parlament verabschiedeten Gesetze j…

Verwaltungsstadt

(10 words)

s. Amtsstadt

Verwandtenehe

(916 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Rechtliche Rahmenbedingungen Das kanonische Recht der kath. Kirche schränkt Eheschließungen zwischen Verwandten ( Verwandtschaft; = Vw.) stark ein. Waren ursprünglich Ehen bis zum siebten Vw.-Grad verboten, wurden diese Bestimmungen im Vierten Laterankonzil von 1215 auf den vierten Vw.-Grad reduziert (vgl. Inzest 2.), allerdings bei strengerer Berechnung dieser Grade. Diese Regelung des kath. Kirchenrechts ist im Prinzip noch heute gültig. Das kanonische Recht dehnte die für eine Eheschließung verbotenen Vw.-Grade zudem auf die Schwieger-Vw. aus. Auch…

Verwandtschaft

(4,396 words)

Author(s): King, Steven | Mahlerwein, Gunter | Pretscher, Sabine
1. Definition V. wird als über die Familie (Vater, Mutter, Kinder) hinausgehende soziale Beziehungen zwischen mehreren Personen definiert, die entweder über gemeinsame Abstammung (Deszendenz) oder als Folge von Eheschließungen (Schwägerschaft, Affinal-V.) konstituiert werden [19. 19]. Dabei unterliegt die Reichweite, mit welcher der Begriff der V. in jeweiligen Kontexten ausgelegt wird, kulturellem und histor. Wandel [41]. In westeurop. Gesellschaften überwiegt das bilineare Verständnis von V., das sich auf männliche und weibliche Vorfahren bezieht. V. wird in den S…

Verwandtschaftsterminologie

(879 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Grundlagen und sprachliche Typologie Eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion des Struktur- und Bedeutungswandels von histor. Verwandtschafts (= Vw.)-Beziehungen ist die Terminologie. Insbes. die Anthropologie und Ethnologie (vgl. Ethnographie) zogen die V. früh für die Analyse von Sozialstrukturen heran [5]. Dabei wird davon ausgegangen, dass Veränderungen in der V. Folgen von sozialstrukturellem Wandel sind. Wenn in manchen Kulturen bestimmte Vw.-Grade nicht bezeichnet werden, so kommt ihnen dort vermutlich auch keine spezifis…

Verzierung, musikalische

(806 words)

Author(s): Synofzik, Thomas
V. (auch: Ornamente, Manieren) können als untergeordnete Schichten des musikal. Satzes angesehen werden. Dabei werden die strukturtragenden Hauptnoten – oft durch Aufteilung in kleinere Notenwerte – belebt, oder es werden mehrere solcher Hauptnoten durch zusätzliche Töne verbunden. Da es sich um untergeordnete Satzschichten handelt, bleibt die Hinzufügung von V. zur Komposition häufig dem Ausführenden überlassen ( Improvisation). In der traditionellen Kontrapunkt-Lehre gab es neben dem regulären Vorkommen des contrapunctus simplex ( punctus contra punctum, »Note gege…

Verzweiflung

(933 words)

Author(s): Lederer, David
1. Begriff V. (lat. desperatio, »Hoffnungslosigkeit«) ist eine frühnzl. Bezeichnung für eine Neigung zum Suizid ( Selbsttötung), manchmal auch für diesen selbst. Als Tod- Sünde paarte man in der ma. und frühnzl. Kunst die V. mit der Tugend der Hoffnung (lat. spes), so etwa Giottos Darstellung der sieben Laster und sieben Tugenden in der Arenakapelle zu Padua (1304–1306). Der Begriff V. leitet sich zum einen vom antiken Verständnis der Aussichtslosigkeit des Fortbestehens alles Materiellen ab; zum anderen setzte sich seit dem MA mit der Verbreitung …

Veteran

(1,502 words)

Author(s): Roth, Florian
1. Begriffsgeschichte Der Begriff V. (von lat. vetus, »alt«; franz. vétéran) wurde schon in antiken Quellen speziell für den Bereich des Militärs verwendet. In der Röm. Republik galten neben altbewährten Soldaten (= Sd.) jene Bürger als veterani, die nach der Ableistung des Militärdienstes ehrenhaft aus dem Heer entlassen worden waren. Während der Prinzipatszeit und der Spätantike umfasste der V.-Begriff diejenigen Sd., welche die Armee am Ende ihrer Dienstzeit, aufgrund kaiserlicher Begünstigung oder wegen Invalidität verließen; …

Veterinärmedizin

(1,019 words)

Author(s): Schöller, Rainer G.
1. Aufgaben und Ausbildung Die V. befasst sich mit der Prävention, Diagnose und Therapie der Krankheiten von Wildtieren und Nutztieren. Darüber hinaus umfassen die tierärztlichen Tätigkeiten veterinärpolizeiliche und -hygienische Aufgaben (Fleischhygiene) sowie die Beratung von Tier-Besitzern in Fragen der Tierzucht, -ernährung (Futter) und -haltung (u. a. bei Geburtshilfe und Kastration). Als akademische Disziplin etablierte sich die V. erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jh.s durch die Einrichtung einschlägiger Lehrstätten. Die erste École vétérinaire wurde 1762…

Vetorecht

(761 words)

Author(s): Pörtner, Regina
1. Begriff Im modernen verfassungsrechtlichen und polit. Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff V. das Recht des aufschiebenden oder grundsätzlichen Einspruchs (des suspensiven bzw. absoluten Veto) eines Verfassungsorgans gegen Beschlüsse eines anderen mit dem Ziel, diese Maßnahmen zu verhindern. In modernen Repräsentativsystemen reflektiert v. a. das suspensive V. das Prinzip der Gewaltenteilung und Kontrolle demokratisch legitimierter staatlicher Organe. Über ein suspensives Veto verfügen z. B. das brit. Oberhaus ( House of Lords) gegen bestimmte Beschlüsse …

Vetternwirtschaft

(738 words)

Author(s): Mahlerwein, Gunter
Der bereits in der Nz. verwendete Begriff der V. umschreibt durch Verwandtschaft begründete Geflechte innerhalb von Gruppen politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger und deren von familiärem Eigeninteresse gelenkte Handlungsstrategien [3. 227]. Heute wird der Begriff auch auf Verbindungen zwischen lokalen Akteuren, etwa Politikern und Geschäftsleuten, angewandt, die keine verwandtschaftlichen Verbindungen aufweisen. Die Abgrenzung zu Ausdrücken wie Klientelismus ( Klientel), Klüngelwirtschaft, Oligarchisierung und v. a. Nepotismus ist in diese…
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