Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Waage

(1,470 words)

Author(s): Pichol, Karl
1. Begriff und Metapher W. dienen vorrangig der Bestimmung von Massen. Das ursprüngliche Prinzip bestand darin, über einen zweiseitigen Hebel, der auf Gravitationskräfte anspricht, eine definierte Masse mit einer zu bestimmenden weiteren Masse zu vergleichen. In dem Prinzip der Einstellung sich gegenseitig aufhebender Drehmomente liegen auch die Schwierigkeiten für die ideale Konstruktion von W. und deren Gebrauch begründet. Dem Philosophen und Mathematiker Nikolaus von Kues galt die W. in »Der Laie über Versuche mit der W.« ( Idiota de staticis experimentis, 1450) als geei…

Wachs

(800 words)

Author(s): Geffcken, Hermann
W. ist der Stoff, aus dem Bienen-Völker ihre Waben bauen. Waben der Honigbienen sind in der Regel frei von Verunreinigungen. Als »Vor-W.« (auch »Stopf-W.«, Propolis) bezeichnet man dagegen ein Gemisch aus ca. 30 % W. und von Bienen eingetragenem Harz. W. ist wasserabweisend, widerstandsfähig gegenüber Säuren und verrottungsfest. Bis zur Einführung der mehrfach verwendbaren beweglichen Wabe (1857) in Verbindung mit der Honigschleuder (1865) war die Honigernte immer auch W.-Ernte. W. wurde durch Schmelzen s…

Waffen

(6,952 words)

Author(s): Zenke, Rainer | Häberlein, Mark
1. Waffentechnik 1.1. Entwicklung der Feuerwaffentechnik Um 1450 verwendeten die Kriegs-Leute im Nahkampf Hieb- und Stich-W. wie Schwert und Dolch sowie Stangen-W. wie Spieß und Hellebarde. Im Fernkampf wurden noch Armbrust sowie Pfeil und Bogen benutzt, gegen Befestigungen auch mechanische Belagerungs-Maschinen. Passive W. wie Helm, Harnisch und Schild schützten vor der Wirkung aktiver …

Waffenstillstand

(978 words)

Author(s): Croxton, Derek | Pretscher, Sabine
1. Allgemeines W. bezeichnet die zeitlich beschränkte Aussetzung von Kampfhandlungen. Die europ. Staaten der Nz. schlossen einen W. häufig, wenn während eines Krieges unüberbrückbare Differenzen eine endgültige Beilegung der Streitigkeiten verhinderten oder wenn beide Seiten eine Kampfpause benötigten bzw. militärisch anderweitig gebunden waren. Insbes. ideologische Faktoren schlossen häufig Kompromisse und somit dauerhafte Friedensschlüsse aus [1]. Das Osmanische Reich etwa vereinbarte mit christl. Staaten ausschließlich W., da islam. Grundsätze j…

Wagen, Wagenbau

(19 words)

s. Fuhrwerk | Kutsche | Reisehilfsmittel | Wagner

Wagner

(953 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Begriff Die aus dem Niederdeutschen stammenden Berufsbezeichnungen Stellmacher bzw. Rademacher sowie die des W. im Oberdeutschen gehen auf die wichtigsten Produkte dieses Handwerks zurück: den Wagen, das (Ge-) Stell des Wagens oder des Pfluges und das Rad [5. 244]. Das Arbeitsgebiet umfasste auch Karren, Schlitten, Leitern und Eggen. Christoph Weigels Ständebuch nennt 1698 die Schubkarren und Schanzkarren, den Pflug und den gemeinen Karren sowie die vierrädrigen Karren, »woher ausser denen rasselnden Bier-Brauer Wägelein … die Last- und F…

Wahlen

(3,734 words)

Author(s): Weller, Thomas | Brandt, Hartwig
1. Frühe Neuzeit 1.1. Begriff und Allgemeines Die Übertragung von Machtbefugnissen an Herrschafts- und Funktionsträger mittels formalisierter Verfahren der Stimmabgabe ist bereits seit der Antike bekannt und verbreitet. Als W. (lat. electio) wurden in SpätMA und Früher Nz. eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren bezeichnet; der Begriff schloss auch Kooptation, Akklamation und Losentscheid mit ein (s. u. 2.) [9]; [7]. Die Gruppe der W.-Berechtigten war i. Allg. sozial exklusiv und umfasste auch im kommunalen Bereich nur in Einzelfällen alle männlich…

Wahlkapitulation

(872 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
»Kapitulation« bezeichnete in der Frühen Nz. allgemein eine in Kapitel untergliederte Urkunde mit vertraglichem Gehalt. Durch W. vereinbarte ein Wahlorgan mit einem künftigen Herrscher die Rechte der Untertanen oder einer speziellen Gruppe derselben »zur Wohlfarth des Reichs« [1. 670]. Die W. war somit ein herrschaftsvertragliches Phänomen des proto-konstitutionellen Staates der Frühen Nz., speziell der europ. Wahlmonarchien. Hier wurden bei Herrscher-Wahlen die Grundlagen der gewachsenen Herrschafts-Organisation in einem schriftlichen Reproduktionsritual …

Wahlmonarchie

(1,175 words)

Author(s): Asch, Ronald G.
1. Allgemein und Altes Reich Unter den Monarchien Europas gab es im SpätMA und in der Frühen Nz. neben den großen Erbreichen, zu denen etwa Frankreich und England (s. u. 2), aber auch Kastilien gehörten, zahlreiche W. Hier wählte entweder ein kleiner Kreis von geistlichen und weltlichen Würdenträgern oder aber die Stände insgesamt, z. T. aber auch der gesamte Adel den Träger der Krone aus. Die wichtigste W. war ohne Zweifel das Alte Reich ( Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Hier waren schon durch die Goldene Bulle von 1356 der Ablauf der Wahl des Kaisers und der Kreis der W…

Wahlprüfung

(751 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
Unter W. versteht man ein Verfahren zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit einer angefochtenen Wahl insbes. zu Vertretungskörperschaften bzw. Parlamenten. Voll ausgebildet wurde sie im modernen Verfassungsstaat, doch lassen sich bereits in den Ständeversammlungen des Ancien Régime Vorformen ausmachen. Ein Vorläufer der modernen W. ist in den ständestaatlichen Verfahren der Frühen Nz. zur Überprüfung der Legitimität der Stände bzw. ihrer Gesandten zu erblicken, welche an einer protoparlamentarischen Versammlung teilnahmeberechtigt wa…

Wahlrecht

(1,570 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
1. Begriff W. bezeichnet die Rechtsregeln für ein in der europ. Verfassungsgeschichte verbreitetes polit. Organisationsmodell, das die Legitimation von Herrschaft nicht nur als göttlich-dynastisch (Gottesgnadentum; Dynastie), sondern ergänzend oder alternativ auch durch mehr oder minder weit gefasste Wahlkörper, wahlberechtigte Versammlungen (z. B. Parlamente) oder durch das Wahlvolk aus dem Kreis der Beherrschten vermittelt ansah. Betroffen sein konnten auf verschiedenen Herrschaftsebenen die Wahlen von Staatsoberhäuptern, von s…

Wahnsinn

(1,792 words)

Author(s): Eckart, Wolfgang Uwe
1. Definition W. und Wahn (auch Wahnwitz) gehören zu den medizin- und kulturgeschichtlichen Begriffen, die seit dem ausgehenden MA starkem Bedeutungswandel unterworfen waren [6]. Sie umfassten in der Nz. ein weites Spektrum möglicher Erkrankungsformen: von der melancholisch-depressiven Verstimmung (Melancholie) und Trübung über die gestörte Meinungsbildung aufgrund reduzierter Vernunft bis hin zur Veränderung der Urteilskraft mit eigenem Krankheits-Wert im 19. Jh. Ihr Deutungswandel vollzog sich vor dem Hintergrund veränderter m…

Wahrheit

(4,470 words)

Author(s): Sparn, Walter | Mizrahi, Moti | Steinle, Friedrich | Großhans, Hans-Peter
1. Allgemein Das Wort W. (lat. veritas, franz. vérité) bedeutete indogerman. »Achtung«, »Zustimmung«, »Treue« (daher engl. truth); auch griech. alḗtheia (wörtlich »Unverborgenheit«) wurde für die Begriffsgeschichte wichtig. Die lebenspraktischen Fragen, ob eine Behauptung oder Mitteilung wahr ist, an welchen Maßstäben dies zu messen und zu erkennen ist, finden in jeder Kultur implizite oder explizite Antworten; die Frage, was W. sei, tritt zutage, sobald eine Kultur in Religion und Wissenschaft reflexiv wird. In E…

Wahrnehmung

(2,379 words)

Author(s): Weber, Wolfgang E.J.
1. Grundlagen Der von ahdt. wara neman (»einer Sache Aufmerksamkeit schenken«) abgeleitete Begriff W. (fachsprachlich: Perzeption) bezeichnet den Prozess der Aufnahme von Informationen aus der Umwelt, der nach heutiger Kenntnis ausschließlich durch die menschlichen Sinne geleistet wird (klassisch: Sehsinn, Gehör, Geruchssinn, Geschmackssinn, Tastsinn; seit der Mitte des 19. Jh.s ebenso Temperatur-, Gleichgewichts- und Schmerzsinn). Nach bereits in der Antike entwickelter Vorstellung ist die W. zweigeteilt zu denken: als physik…

Wahrsagerei

(956 words)

Author(s): Dillinger, Johannes
1. Begriff und Tradition Unter W. wird hier jeder Versuch verstanden, die in der jeweiligen Gesellschaft von Wissenschaft, Religion und Alltagserfahrung gezogenen Grenzen des Wissbaren mithilfe von Magie zu überschreiten. Die W. als magische Wissenstechnik soll Informationen beschaffen, die eigentlich gar nicht verfügbar sein können, wobei Verborgenes, aber auch Zukünftiges erschlossen werden soll. Vom im engeren Sinn relig. Konzept der Prophetie kann die W. unterschieden werden, da Erstere auf einer direkten Eingebung Gottes beruht – weshalb innerhalb…

Wahrscheinlichkeit

(3,293 words)

Author(s): Eckert, Georg | Callens, Stephane | Honsel, Konrad
1. Kultur- und Geistesgeschichte 1.1. Überblick Die W. (lat. probabilitas) begann ihre steile Karriere in der Nz. als Notbehelf. Sie kennzeichnete eine Meinung, die eine akute Entscheidung, so und nicht anders zu handeln, begründen sollte. Bald aber entwickelte sie sich zu einer legitimen Alternative zur Wahrheit, deren Möglichkeit sowohl Naturphilosophie als auch Erkenntnistheorie immer stärker bezweifelten. In der Mitte des 17. Jh.s begann die W. als hinreichende Form der menschlichen Erkenntnis zu firmieren. Weil sie einzelne Ereignisse und Entwicklungen mit math. Prä…

Währung

(2,294 words)

Author(s): Denzel, Markus A. | Pfister, Ulrich
1. Definition Der Begriff W. (von mhdt. werunge, »Gewährleistung«) bezeichnet die gesetzliche Ordnung des Geldwesens eines Landes und umfasst die Festlegung des Münz-Systems (Münzfuß bzw. Festlegung des Wertverhältnisses unterschiedlicher Münzen und des intrinsischen Edelmetall-Gehalts), der gesetzlichen Zahlungsmittel und der Austauschrelationen gegenüber fremden W. (Parität). Im Verlauf des 19. Jh.s wurde auch die Regulierung der Banknoten-Ausgabe und des Zentralbanksystems zum Bestandteil des W.-Begriffs. Im weiteren Sinne ist W. das Geld bzw. die Geld…

Waisenhaus

(862 words)

Author(s): Brandes, Katharina
W. als spezielle, ausschließlich für die Versorgung von Kindern gedachte Institutionen entstanden in den meisten europ. Ländern erst seit dem letzten Drittel des 17. Jh.s, sodass das Jahrhundert von 1650 bis 1750 als »Zeit der W.« bezeichnet worden ist [3. 259]. Als Ursprung der W. sind die Findelhäuser anzusehen, die seit dem HochMA in Südeuropa, v. a. in Italien und Frankreich, verbreitet waren. Im dt.sprachigen Raum wurden Kinder im MA häufig zusammen mit anderen Gruppen von Armen, Kranken und Alten in den Hospitälern versorgt, wo sich allerdings z. T. bereits eigene A…

Wald

(3,406 words)

Author(s): Selter, Bernward | Marquardt, Bernd
1. Begriffe W. ist vielen der Inbegriff von Natur, doch ist er auch Teil der menschlichen Kultur. Im heutigen Sprachgebrauch gilt »W.« eher als Teil der natürlichen Umwelt, » Forst« als bewirtschafteter W. »Wald« geht auf das ahdt. Wort wald (auch walth, urgerman. walpus oder walthus, indoeurop. waltus) zurück, das auch ›Wildberg‹ und ›Wildnis‹, ›der Kultur nicht unterworfenes Land‹ bedeuten kann [12. 34]. Die sprachliche Herkunft von »Forst« ist nach wie vor umstritten. Am weitesten verbreitet sind die Ableitung von lat. foris (»draußen«) und die Herleitung aus den sog. Zau…

Waldbrand

(837 words)

Author(s): Rohr, Christian
1. Allgemein W. haben verschiedene Ursachen: Sie können durch Blitzschlag entfacht werden, durch Selbstentzündung nach längerer Trockenheit und durch – unbewussten oder bewussten – menschlichen Einfluss, etwa gezielte Brandstiftung oder Brandrodung ( Brandwirtschaft). Eines der Hauptprobleme von W. und Brandrodung im Speziellen besteht darin, dass damit in der Regel auch die Humusschicht zerstört wird und die lose Branderde durch Wind, Regen- und Schmelzwasser sowie Lawinen leicht abtransportiert werden kann [3. 463]. Einzelne Baumarten, etwa Bergkieferbestände, r…

Waldenser

(12 words)

s. Soziale Bewegungen, religiöse

Waldläufer

(916 words)

Author(s): Trenk, Marin
W. waren junge Männer aus Frankreich, die im franz. Kanada der Nz. enge Kontakte zu den Indianern unterhielten und zumindest Teile des Jahres bei diesen lebten. La Nouvelle France (Neufrankreich) war keine Siedlungskolonie, weshalb die Geschichte des franz. Kanada (1608–1763; Kolonialreich 4.) frei von Landkonflikten mit der indigenen Bevölkerung ist. Die vorherrschenden Interessen Frankreichs waren der Pelzhandel und die kath. Mission. Folglich waren die Franzosen auf eine enge Kooperation mit den indian. Völkerschaften angewiesen. Franzosen jegli…

Waldweide

(850 words)

Author(s): Selter, Bernward
Die Landwirtschaft der Frühen Nz. betrieb Nutztier-Haltung in den meisten Regionen vorwiegend unter dem Aspekt der Selbstversorgung mit tierischen Produkten, der Nutzung tierischer Muskelkraft (vgl. Anspannung, tierische) und der Produktion von Dünger (Düngung). Eine Verbesserung der Viehwirtschaft scheiterte oft am Futter-Mangel. Vor den Allmendeteilungen im 19. Jh. fehlte es oft an ausreichendem Weide- und Wiesenland; der Anbau von Futterpflanzen setzte außerhalb der Intensivgebiete (z. B. Niederlande, Südengland, Norditalien) oft erst im 18…

Walfang

(1,144 words)

Author(s): Lesger, Clé | Prankel, Dieter
1. Allgemein Wal ist die übliche Bezeichnung für die Meeressäuger der Gattung Cetacea, die in zwei Gruppen zerfällt. Die Bartenwale ( Mysticeti) haben ein siebartiges Gebilde (Barten) im Mund, mit dem sie Plankton aus dem Meerwasser filtern. Die Zahnwale ( Odontoceti) ernähren sich von verschiedenen Tintenfischarten; zu ihnen gehören auch die Narwale, deren Stoßzähne in MA und Früher Nz. als vermeintlich von Einhörnern stammend gehandelt wurden. Bartenwale, insbes. der Grönlandwal ( Balaena mysticetus), die aufgrund ihrer Langsamkeit leicht zu erlegen sind, wurden f…

Walkmühle

(1,105 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Technik Als Walken bezeichnet man das Treten, Schlagen oder Pressen von Textilien im Wasser unter Zusatz von Walkerde (feine Tonerde), Urin und/oder Seife, wodurch eine größere Dichte, Resistenz und Reinigung erreicht wird. Tuche werden dabei filzig und konnten bis auf ein Drittel der Maße einlaufen [1]. Die Fußwalke ist bereits für das antike Pompeji belegt [3. 40 f.]; [9. 117]. Mit der Nockenwelle, mit der man Drehbewegungen in ein lineares Auf und Ab oder Hin und Her umsetzen kann, wurde das Walken schon im HochMA mechanisiert [8. 228]. Die W. gilt daher als one of the most import…

Wallfahrt

(1,641 words)

Author(s): Fischer, Michael
1. Allgemein Unter W. (auch Pilgerfahrt, Betfahrt, Bittfahrt; lat. peregrinatio religiosa) wird eine relig. motivierte Reise zu einem Kultort verstanden. Der Begriff ist seit dem 14. Jh. verbreitet und leitet sich von mhdt. wallen (»zu Fuß gehen«, »wandern«) ab. Grundlegend für das relig. Phänomen der W. war der Glaube, dass sich an bestimmten Orten die Erfahrung und Wirkung des Heiligen oder Göttlichen in besonderer Weise manifestiere. Hinzu kam die Vorstellung, dass die W. ein gottgefälliges Werk sei, welches im Diesseits und bes. im Jenseits Vorteile bringe. Anthropologi…

Walztechnik

(987 words)

Author(s): Pichol, Karl
1. Allgemein Eine »Walze« in einfachster Form ist ein zylindrischer Körper, der um seine Längsachse drehbar ist, wobei auch tonnenförmige, kegelige oder andere Mantelflächen technisch verwendet werden können. Im runden Querschnitt und der Möglichkeit einer kontinuierlichen Drehung liegen die Vorzüge der Walzen begründet. Walzen waren bereits in der Antike zum Ebnen der Gänge in den Ringschulen bekannt. Vitruv beschreibt (in Buch 10 seiner Zehn Bücher über die Architektur) den Transport von Säulenschäften. Die auf die Erde gelegten zylindrischen Säulen hatten an d…

Wandel, technischer

(7,034 words)

Author(s): Reith, Reinhold | Popplow, Marcus
1. Begriff und historiographische Traditionslinien 1.1. Ältere Ansätze Der Begriff T. W. hat in der technikhistor. Forschung jenen des »technischen (= techn.) Fortschritts« weitgehend verdrängt [53. 19 f.]. Letzterer – oft Hand in Hand mit der Identifizierung von techn. »Revolutionen« verwendet – stand in der technik- und wirtschaftshistor. Forschung meist in Verbindung mit dem Produktivitäts-Paradigma bzw. der Erforschung des Wirtschaftswachstums. Der Blick galt – in der Tradition des Taylorismus bzw. mehr noch des For…

Wanderarbeit

(1,111 words)

Author(s): Lucassen, Jan | Lucassen, Leo
1. Definition Wanderarbeiter (= W.er) verkörperten in der Nz. einen Typus mobiler Arbeitskräfte, die aufgrund freier und primär wirtschaftlich motivierter Entscheidung vorübergehend an einem anderen Ort als ihrem ständigen Wohnsitz tätig waren, meist kürzer als ein Jahr ( Arbeitsmigration). Ihre temporäre Migration erforderte spezifische Regelungen mit den zurückbleibenden Haushaltsangehörigen, mit den Mitwanderern, manchmal mit der gesamten (ländlichen) Herkunftsgemeinde. Die Wandersaison in der Landwirtschaft (v. a. in Ernte-Zeiten) wie auch in jenen G…

Wanderbühne, Wanderschauspieler

(17 words)

s. Komödiant | Komödie | Schauspieler/in

Wandergewerbe

(12 words)

s. Hausierhandel | Wanderarbeit

Wanderhandel

(10 words)

s. Hausierhandel

Wandermusiker

(759 words)

Author(s): Rode-Breymann, Susanne
1. Spielleute und Musikanten Im MA waren Spielleute, zumeist als fahrende Musiker/innen, aber auch in anstellungsähnlichen Verhältnissen an Höfen oder in Städten, zentrale Akteure der europ. Musik-Kultur. Sie spielten zur Unterhaltung (Unterhaltungsmusik), zum Tanz, auf dem Land, auf Straßen, Plätzen, Jahrmärkten, in Wirtshäusern (Wirtshausmusik) wie auch bei Turnieren und anderen repräsentativen Anlässen an Höfen. Sie musizierten für verschiedene Gesellschaftsschichten und beherrschten ein dementsprechend (auch intern…

Wandmalerei

(2,568 words)

Author(s): Bierbaum, Kirsten Lee
1. Definition und Forschung Der Begriff W. bezeichnet diejenigen Maltechniken, bei denen eine aufgehende Wand im architektonischen Innen- oder Außenraum zum Bildträger wird (im Gegensatz zur Deckenmalerei), unabhängig davon, ob auf eine Putzschicht, auf Mauerwerk oder Stein gearbeitet wird. Die ortsfeste Bindung der W. an die Architektur beeinflusst maßgeblich ihren Werkprozess, ihre materiellen Eigenschaften, ihre formale Ästhetik sowie ihre Funktion. Grenzfälle, die ebenfalls Aufgaben der monumentalen W. übernehmen können, sind die Marouflage (das Anbringen von…

Wappen

(3,986 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Lück, Heiner | Biller, Josef H.
1. Begriff, Entstehung und Formen W. (von mhdt. wâpen, »Waffen«; franz. armoiries; engl. [ coat of] arms [1]) waren in der abendländischen Ständegesellschaft des MA und der Nz. wichtige Symbole für den Rang und Stand, die Abkunft und die Beziehungen eines Individuums, einer Familie (Familienwappen) oder einer Korporation. Sie entstanden um 1100 in jenen Regionen (Mittel-)Europas, in denen die Feudalgesellschaft am tiefsten verwurzelt war: in (Nord-)Frankreich, Burgund, England, Schottland und im Westen des Alten Reichs. Von …

Warenhausarchitektur

(1,225 words)

Author(s): Kalusok, Michaela
1. Vorstufen Markt- und Lagerhallen gelten als Vorstufen der W., die bis in die Antike zurückreichen [9. 9–21]. Daneben wurden bereits bestehende Architekturen als Verkaufsplätze genutzt. So waren z. B. in der Stoa, einer bevorzugt am griech. Marktplatz errichteten großen Säulenhalle, auch Verkaufsstände und Läden untergebracht. Auch die röm. Basilika, ursprünglich Magistratsversammlungs- und Gerichtsort, war ein multifunktionaler Bau und diente Kaufleuten und Bankiers als Markthalle. Im MA fungierten Laubengänge und Loggien an Rathäusern und anderen öffentli…

Warenkunde

(901 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Grundlagen Die W. bezeichnet die systematische wiss. Auseinandersetzung mit den gehandelten Waren. Der Begriff W. tritt erstmals am Ende des 18. Jh.s in Johann Beckmanns zweibändiger Vorbereitung zur Waarenkunde (1793/1800) auf, die als Grundstein der W. gilt [2]. Im Französischen und im Englischen gibt es keinen eigenständigen Begriff; dagegen bezeichnet ital. merceologia die W. als wiss. Gegenstand, der an den Wirtschaftsfakultäten seit 1850 gelehrt wird [6. 190]. Die wiss. Beschäftigung mit den Waren hat eine lange Tradition: Als einer der frühesten waren…

Wärmelehre

(3,345 words)

Author(s): Borrelli, Arianna
1. Allgemein Vom Untergang der aristotelisch-galenischen Elementen-Lehre in der Renaissance bis zur Entstehung der modernen Thermodynamik um die Mitte des 19. Jh.s bestanden im europ. Kulturraum stets unterschiedliche Ansichten über die Natur der Wärme, von denen keine allgemeine Anerkennung fand. In diesem Zeitraum war die W. keine in sich abgeschlossene Disziplin, und Diskussionen über Natur und Eigenschaften der Wärme fanden stets im Rahmen breiterer naturphilosophischer Debatten statt (Naturphilosophie). Dabei konnten die verschiedenen Ansichten sowoh…

Wärmestoff

(10 words)

s. Wärmelehre

Wäscherei

(1,145 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Allgemein Das Waschen der Wäsche vollzog sich in der Nz. nach sozialen Kontexten unterschiedlich [6]; [9]; [4]: Bei adligen Gutsherrschaften sowie in patrizischen oder großbürgerlichen Haushalten, die größere Textilienvorräte besaßen, wurde mehrmals im Jahr »große Wäsche« gehalten. Sie verfügten mitunter über eine eigene Waschküche sowie einen Wasch- und Trockenplatz und holten zusätzliche Lohnwäscherinnen ins Haus, deren Bezahlung manchmal in Taxordnungen festgelegt war [12. 333]. Daneben gab es häufiger auch die »kleine« Wäsche: Im Haushaltsbuch von Anton Tucher …

Wasser

(4,383 words)

Author(s): Meyer, Torsten | Sieglerschmidt, Jörn | Klippel, Diethelm | Niedermayer, Benedikt | Kirschke, Martin
1. Allgemein W. (engl. water, franz. eau) ist die chemische Verbindung aus W.- und Sauerstoff (H2O). Es kann auch in der Natur alle drei Aggregatzustände aufweisen; gewöhnlich ist allerdings dann von W. die Rede, wenn es sich um den flüssigen Aggregatzustand handelt. In flüssiger Form ist W. in unserem Sonnensystem bisher nur auf der Erde nachgewiesen, die es zu gut 70 % bedeckt. W. spielt für die menschliche Kultur eine herausragende Rolle; die Verfügbarkeit von Brauch- sowie Trinkwasser (Wasserversorgung) ist existentiell und Ausdruck der Abhängigkeit von der Natur [5. 15–28] (zu…

Wasserbau

(3,110 words)

Author(s): Ciriacono, Salvatore | Popplow, Marcus
1. Allgemein Der W. verfolgte in der Nz. unterschiedliche Ziele: die kontrollierte Nutzung des Wassers zu Bewässerungszwecken, den Schutz oder die Gewinnung von Land durch den Bau von Deichen oder Entwässerungsmaßnahmen sowie die militärische Verteidigung z. B. durch die Anlage von Wassergräben im Festungsbau. Der W. war somit von hoher Bedeutung schon für antike Zivilisationen und ebenso für das nzl. Europa. Er ermöglichte u. a. eine Steigerung der Agrarproduktion (Agrarkonjunktur), vornehmlich von Getreide. Histor. Forschungen haben gezeigt, dass Bewässerungsmaßnahm…

Wasserhaltung

(1,287 words)

Author(s): Bartels, Christoph
1. Entwässerungsstollen Die W. zählt insbes. in Regionen mit gemäßigtem Klima zu den wichtigsten Voraussetzungen eines erfolgreichen Bergbaus ( Montanwesen). Ohne Einrichtungen der W. kann schon in einer Tiefe von nur wenigen Metern nicht mehr gearbeitet werden. Zu ihren ältesten Einrichtungen gehören Entwässerungsstollen, die mit leichtem Anstieg zur bzw. in die Lagerstätte vorgetrieben wurden und über die das Grundwasser abfließen konnte. Solche Stollen waren während der gesamten Nz. Bestandteil von Bergwerken bzw. Montanregionen mit zahlreichen Gr…

Wasserkraft

(4,766 words)

Author(s): Bleidick, Dietmar
1. Allgemeines Die W. lieferte seit den Anfängen ihrer Nutzung um 200 v. Chr. über rund 2000 Jahre die wichtigste, mithilfe von Maschinen und technischen Konstruktionen gewonnene Energie für gewerbliche Zwecke. Insgesamt lag ihr Anteil zwar weit hinter der in diesem Zeitraum absolut dominierenden tierischen und menschlichen Muskelkraft, doch konnte sie diese in Regionen mit den entsprechenden naturräumlichen und klimatischen Bedingungen bei Weitem übertreffen. In Europa dehnte sich die W.-Nutzung während des MA aus de…

Wasserkünste

(839 words)

Author(s): Bleidick, Dietmar
1. Allgemein Unter dem Begriff der »Kunst« wurden in der Nz. alle Ergebnisse kreativer menschlicher, insbes. auch handwerklicher und gewerblicher Tätigkeit zusammengefasst ( Artes mechanicae). Technische Anlagen und Maschinen wurden meist dann als Künste bezeichnet, wenn ihre Dimension und Komplexität bei Entwicklung und Bau besonderen Aufwand oder besondere Kenntnisse erforderten. So gehörten etwa Anlagen des Montanwesens zur Wasserhaltung (mit Abb. 1; z. B. »Kannenkünste«; vgl. Maschine, Abb. 2), Fahrung (Bewegung von …

Wasserleitung

(10 words)

s. Wasserversorgung

Wassermühle

(10 words)

s. Wasserkraft

Wasserrad

(10 words)

s. Wasserkraft

Wassersäulenmaschine

(889 words)

Author(s): Bleidick, Dietmar
1. Allgemein W. waren durch den Gravitationsdruck des Wassers betriebene, nach dem Kolbenprinzip arbeitende Kraft-Maschinen (vgl. Wasserkraft), die Pumpen antrieben (vgl. Bergbautechnik, Abb. 2). Sie kamen seit Mitte des 18. Jh.s v. a. bei der Wasserhaltung in den Montanrevieren Ungarns und des Oberharzes, aber auch bei der Soleförderung zum Einsatz (Salz; Salinentechnik), ohne jedoch in Europa größere Verbreitung zu erreichen. Die letzten Anlagen wurden am Anfang des 20. Jh.s stillgelegt. Vereinzelt verwendete man an das öffentlic…
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