Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Wehrpflicht

(1,995 words)

Author(s): Sikora, Michael
1. Begriff W. im engen Sinn meint die allgemeine W., die den auf wenige Jahre befristeten Militär-Dienst junger Männer zur unterschiedslosen Bürgerpflicht erklärt; sie wurde während des Umbruchs vom 18. zum 19. Jh. in mehreren Ländern Europas etabliert. Die gängigste Bezeichnung dafür war damals und ist bis heute in der internationalen Debatte ›Konskription‹ (engl./franz. conscription). In Abgrenzung zu dieser engeren Bedeutung bezeichnet man mit W. aber auch jede Form der militärischen (= mil.) Dienstleistung, die aus der Zugehörigkeit zu einem H…

Weiberfastnacht

(1,035 words)

Author(s): Behrends, Jonna
1. Begriff und Forschung Die W., auch Weiber-Fastelabend, -Montag, -Donnerstag, -Recht oder -Zeche genannt, ist die weibliche Fest-Tradition im Rahmen des Karnevals. Ihre Existenz lässt sich für die europ. Nz. im dörflichen wie auch im städt. Milieu belegen. Die Überlieferungssituation ist jedoch spärlich; ihre Anfänge sind bislang nicht wiss. untersucht, und eingehende systematische Studien fehlen. Die histor. Forschung zur frühnzl. Karnevalskultur scheint die W. bisher allenfalls als Randphänomen wahrgenommen zu haben [3]; [6]. Eher ist sie hier noch im Kontext der »Verk…

Weibergeschwätz

(936 words)

Author(s): Hohkamp, Michaela
1. Begriff Laut dem Grimm' schen Wörterbuch bezeichnet »schwatzen« seit dem 15. Jh. eine interesselose Form des Gesprächs [2. 2349 f.]. Ganz harmlos scheint das Schwatzen (engl. gossip) in der histor. Praxis aber nicht gewesen zu sein. Um die Mitte des 18. Jh.s erklärte Zedlers Universallexicon: »Plaudern, Plappern, oder Schwatzen … während des Gottesdienstes« werde, bes. »auf denen Empor-Kirchen«, nach dem kursächs. »Synodalischen General-Decret« von 1673 mit Gefängnis oder einer Geldstrafe belegt [1]. »Schwatzen« hatte also auch eine negative Konnotation (vgl.…

Weibliche Wissenskulturen

(2,451 words)

Author(s): Schlude, Ursula
1. Kontext Der Begriff W. W. stammt aus der histor. Frauen- und Männerforschung und ist mit dem Projekt einer Wissenschaftshistoriographie verbunden, welche die Geschlechterdifferenz beachtet (Geschlechterrollen) und die wiss. Praxis von Expertinnen und weiblichen (= wbl.) Gelehrten als konstitutiv für die zivilgesellschaftlichen Leistungen der Wissenschaft erforscht und würdigt. Das Narrativ vom Ausschluss der Frauen aus der Wissenschaft soll damit korrigiert, das von der wiss. tätigen »Ausnahmefrau« erweitert werden. Wbl. wiss. Praxi…

Weiblichkeit

(3,166 words)

Author(s): Ulbrich, Claudia | Häusner, Sophie
1. Allgemein W. ist wie Männlichkeit ein in Diskursen und sozialen Praktiken erzeugtes kulturelles Konstrukt. Der Begriff verweist auf die im 19. Jh. entstandene Leitvorstellung einer Geschlechter-Ordnung, in der das Weibliche dem Männlichen entgegengesetzt und naturalisiert wurde. In diesem Kontext wurde W. einerseits im Rahmen eines Konzepts getrennter Sphären (Öffentlichkeit/Privatheit, Kultur/Natur) komplementär zu Männlichkeit entworfen und mit Vorstellungen von Passivität, Schwäche, Schutzbedürftigkeit, Fürsorglichkeit, Emotionalität und Häuslichkeit…

Weidewirtschaft

(2,345 words)

Author(s): Schöller, Rainer G.
1. Allgemein Weiden prägten in der Nz. europaweit groß- wie kleinräumig ›behütete‹ (d. h. von Weidetieren genutzte) Landschaften, deren Erscheinungsbild regional und lokal von mannigfachen natürlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten beeinflusst wurde. Extensive W. in reiner Form gab es nur auf anderweitig schlecht verwertbaren Flächen (z. B. in Karst-, Trocken- und Feuchtgebieten, Heiden) bzw. in peripheren, dünn besiedelten oder von der Natur benachteiligt…

Weihnachten

(1,067 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Bedeutung W. (wörtlich »geweihte« oder »heilige Nacht«) bezeichnet den Vorabend des Festes der »Geburt des Herrn« (lat. nativitatis Domini, natalis Domini). Seit 354 wird es am 25.12. gefeiert, vermutlich zwecks Verdrängung des Geburtstagsfestes des heidnischen Gottes Sol Invictus. Die W.-Liturgie ist geprägt vom Dank für die Geburt Jesu Christi und die damit verbundene christl. Hoffnung auf Erlösung. 2. Kirchenjahr Neben dem Osterzyklus spielt der W.-Zyklus eine herausragende Rolle im Kirchenjahr. Dem Fest gehen vier Sonntage voraus, die auf die Ankunft ( adventus) des He…

Weimarer Klassik

(2,105 words)

Author(s): Stockhorst, Stefanie
1. Sachliche Eingrenzungen Im Vergleich zu anderen europ. Klassiken stellt die W. K. insofern einen Sonderfall dar, als sie nicht nur deutlich später stattfand, sondern auch vom Rückbezug auf die Tradition der antiken Poetik absah, weder Musterautoren noch -texte empfahl und keine normativen Regelwerke bot. Zeitlich wird die W. K. üblicherweise zwischen 1786 (Goethes Rückkehr von der zweiten Italienreise) bzw. 1794 (Beginn seiner Freundschaft mit Schiller) und 1805 (Schillers Tod) bzw. 1815 (dem Wiene…

Wein

(3,658 words)

Author(s): Landsteiner, Erich | Spode, Hasso
1. Weinbau 1.1. Verbreitung Am Beginn des letzten Drittels des 19. Jh.s, das sich aus mehreren Gründen (Beginn der Reblauskrise, Aufkommen neuer W.-Bereitungstechniken, Aufstieg außereuropäischer Weinbaugebiete) als Epochenschwelle anbietet, war Weinbau (= Wb.) noch fast zur Gänze eine europ. Angelegenheit. Von den im Durchschnitt der Jahre 1865–1874 weltweit erzeugten 114 Mio. hl W. entfielen 98 % auf die europ. Staaten (auf Frankreich 49 %, Italien 21 %, Spanien 15 % und Österreich-Ungarn 6 %) [1. 464]; [20. 8]. Für den Beginn der Nz. existieren keine entsprechen…

Weisheit

(1,716 words)

Author(s): Eckert, Georg
1. Allgemein Die W. (griech. sophía, lat. sapientia, engl. wisdom, franz. sagesse) bildete in der Nz. eine der vier Kardinal- Tugenden. Ihr Besitz war sowohl ein weithin anerkanntes Ziel der persönlichen Lebensführung als auch ein plausibles Argument im Kampf um polit. Macht. Ihr sozialer Wert schwand aber im späten 18. Jh., als zumal das Bürgertum Wissen und Wissenschaft erfolgreich zum Gegenmodell der W. aufzubauen begann. 2. Weisheit als Gottesschau Als antike Inbegriffe und Musterautoren der W. genossen Sokrates bzw. Platon, Seneca und Mark Aurel nicht erst …

Weißer-Lotus-Aufstand

(1,164 words)

Author(s): ter Haar, Barend J. | Mittag, Achim
1. Begriff Mit dem W.-L.-A. wird konventionell eine großflächige, aber nicht koordiniert organisierte A.-Bewegung bezeichnet, die über neun Jahre (1796–1804) in den chines. Provinzen Shaanxi, Hunan, Hubei sowie Sichuan tobte und das Qing-Reich (1644–1911) bis ins Mark erschütterte. Diese Bezeichnung ist nicht unproblematisch, denn sie suggeriert eine weit in die Geschichte zurückreichende A.-Tradition, die sich aus einer relig. gefärbten Geheimlehre gespeist haben soll. Die sog. W.-L.-Bewegung stand jedoch nicht mit reli…

Weistum

(989 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm
1. Allgemein und mittelalterliche Grundlagen Mit W. wird seit Jacob Grimm (s. u. 2.) ein spezifischer Rechtsquellentyp bezeichnet. Es war dadurch gekennzeichnet, dass die einem bestimmten örtlichen oder sachlichen Rechtsbezirk Unterworfenen das dort geltende Gewohnheitsrecht periodisch mündlich feststellten, und zwar seit dem frühen MA in einem gerichtsförmigen Verfahren durch Antworten auf hypothetische Rechtsfälle betreffende Fragen. Im Lauf der Entwicklung entfiel dieser Frage-Antwort-Modus; festgehalten wurde schließlich …

Welser

(1,241 words)

Author(s): Häberlein, Mark
1. Anfänge Neben den Fuggern verkörpert bes. die seit 1246 in Augsburg nachweisbare süddt. Patrizierfamilie der W. die Reichweite des süddt. Handels am Beginn der Nz. sowie dessen Organisation auf Familien- und Verwandtschaftsbasis. Im Fernhandel wird zunächst Bartholomäus (III.) W. fassbar, der in der Handelsgesellschaft seines Stiefbruders Lorenz Egen arbeitete, sich aber um 1414 mit seinem Schwager Hans Prun selbständig machte. Nach Pruns Tod (1424/25) führte W. die Firma, die v. a. mit Baumwolle und Barchent zwischen Venedig und Fra…

Welt

(3,868 words)

Author(s): Sparn, Walter
1. Die Komplexität des Begriffs Der Begriff W. (engl. world, franz. le monde) ist überaus vieldeutig sowie vielfältig spezifizierbar (vgl. z. B. Weltalter; Weltanschauung; Weltbilder; Weltwahrnehmungen; Weltliteratur; Verkehrte Welt). Der heutige Sprachgebrauch kennt sowohl die Mehrzahl von »W.en«, d. h. von sinnvoll unterstellten Ganzheiten (»die W. der Kunst«, die »Nach-W.«) als auch » die W.« als Gesamtheit alles Wirklichen und Möglichen, d. h. als unabschließbaren Horizont unseres »In-der-W.-Seins«. Auch die Frühe Nz. sprach von W.en im Sinne von Planeten…

Weltalter

(1,587 words)

Author(s): Eckert, Georg
1. Allgemein Die Frühe Nz. stellte sich die Geschichte als geschlossene Abfolge unterschiedlicher W. (lat. aetas) vor. Diese grenzten die einzelnen Teile der Weltgeschichte voneinander ab. Bis weit ins 18. Jh. hinein lagen dieser Gliederung v. a. eschatologische Motive zugrunde. Insbes. in der Aufklärung leiteten aber nicht mehr christl. Endzwecke, sondern ein umfassendes Programm des zivilisatorischen Fortschritts die Deutung historischer Prozesse an. Offene Zeitalter (Epochen) nahmen den Platz der geschlossenen W. ein. 2. Göttliche Definitionen Die christl. Heilser…

Weltanschauung

(1,660 words)

Author(s): Sparn, Walter
1. Begriff »W.« ist ein von Immanuel Kant 1790 geprägtes Wort, dessen heutiger Gebrauch schwierig und oft unklar ist. Zum einen gilt W. als eigentümlich dt. Ausdruck, der in mehreren europ. Sprachen als Fremdwort gebraucht wird [15]; er wurde auch übersetzt (engl. world view, world vision; franz. vision bzw. conception du monde), ist dann aber nicht mehr zu unterscheiden von »Weltbild«, und tatsächlich wird der engl. Ausdruck meist als »Weltbild« rückübersetzt. Zum anderen hat das dt. Wort W. seit der zweiten Hälfte des 19. Jh.s massenhafte Verbreitung…

Weltbild

(3,805 words)

Author(s): Beuttler, Ulrich | Sparn, Walter
1. Begriff Der Ausdruck »W.« wurde zwar schon im MA als Übersetzung von lat.

Weltbürger

(1,718 words)

Author(s): Eckert, Georg
1. Allgemein Das Zeitalter der Aufklärung verlieh dem W. als dem kommunikativen Denker, der sich von lokalen und provinziellen Beschränktheiten frei zu machen wusste, sein Profil. Die Konturen dieses Ideals hatten seit dem Humanismus v. a. Autoren und Gelehrte skizziert, deren Zwecke ein örtlich unbeschränktes Publikum erforderten. Ihr Interesse lag einerseits in der Kooperation jenseits aller Grenzen (Gelehrtenrepublik; Wissensaustausch, globaler), andererseits aber in der persönlichen, nationalen und konfessionellen Konkurrenz.…

Weltchronik

(10 words)

s. Weltgeschichte

Weltgeschichte

(6,303 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Nolte, Hans-Heinrich
1. Universalgeschichte 1.1. Begriff und Aufgabe W. ist diejenige Gattung der Historiographie, die die Geschichte aller Länder, Nationen, Völker und Kulturen im Gesamtzusammenhang darzustellen sucht, also eine vollständige Geschichte der Menschheit anzielt – und zwar möglichst von den frühesten Anfängen bis zur Gegenwart. Sie teilt diesen Anspruch mit der Universalgeschichte (= Ug.; von griech. kathólu historía, lat. historia universalis), die als Begriff älter ist (um 310 bei Eusebius von …
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