Enzyklopädie der Neuzeit Online

Get access Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Evangelische Kirchen

(8,668 words)

Author(s): Wendebourg, Dorothea
1. Aufbauphase im 16. Jahrhundert Die Ablehnung der Reformation durch die Röm. Kirche (= K.) führte dazu, dass die westl. Christenheit in die röm.-kath. Konfessionskirche einerseits (vgl. Katholische Reform) und die (in etlichen Punkten auch gegeneinander abgegrenzten) E. K. andererseits auseinander trat. Mit dem Ziel evangeliumsgemäßer Erneuerung der ganzen – abendländischen – K. angetreten, hatte die reformatorische Bewegung erfahren, dass deren Autoritäten ihre Forderungen nach Reform in Verkündi…

Evolution

(1,823 words)

Author(s): Toepfer, Georg
1. Begriffsgeschichte Der Ausdruck E. (lat. evolutio, »Ausrollen«, »Entfalten«) bildet erst seit etwa 300 Jahren einen vornehmlich biologischen Begriff. Er bezog sich zunächst auf die individuelle Entwicklung eines Organismus, d. h. auf die Gesamtheit der Entwicklungsprozesse eines Individuums vom Ei zum erwachsenen Stadium ( Ontogenese). Mitte des 18. Jh.s wurde der Begriff terminologisch von einer Seite im grundlegenden Theoriestreit innerhalb der Embryologie beansprucht: Nach der Theorie der E. oder » Präformation« stellte die Ontogenese der Organismen ein…

Ewiger Landfriede

(13 words)

s. Landfriede

Ewigkeit

(14 words)

s. Eschatologie | Unendlichkeit | Welt

Examen

(13 words)

s. Akademische Grade | Staatsexamen

Exegese

(1,170 words)

Author(s): Witulski, Thomas
1. Humanismus und Reformation Im frühen Christentum und in der Alten Kirche kam – wie bereits im antiken Judentum – der E. der »Heiligen Schriften«, zunächst des AT, ab dem 2. Jh. auch des NT, große Bedeutung zu [10. 442–448]; [4. 459–467]; [1. 1786–1787]; [7. 473–478]; [6. 1517–1519]. Mit dem Beginn der Nz. wurden zunächst, v. a. durch die Arbeiten humanistischer Gelehrter im 15. und frühen 16. Jh. (Humanismus; Bibelkritik), die technischen und methodischen Voraussetzungen der E. entscheidend verbessert. Die Kritik an der in der kath. Kirche verwendeten lat. Bibelübersetzung, …

Exemplum

(1,153 words)

Author(s): Heß, Gilbert
1. Begriff Das E. ist eine Beispielserzählung variablen Inhalts und unterschiedlicher Länge, die der Verdeutlichung einer allgemeinen (deskriptiven oder normativen) Aussage durch die Darstellung eines konkreten Einzelfalls dient. Als lit. Kleinform wurde es sowohl in der wiss. wie in der religiös-erbaulichen, theologischen, homiletischen sowie technologisch-wiss. Literatur eingesetzt. Das E. bildet keine eigene Gattung, sondern lässt sich nur über seine Funktion umschreiben, die es im Rahmen eines je konkreten kontextuellen Zusammenhangs als Argumentationstechnik…

Exerzitien

(838 words)

Author(s): Ruhstorfer, Karlheinz
1. Allgemeines Der Begriff E. (lat. exercitium, »eifrige Beschäftigung«, »Übung«) bezeichnet bereits in der antiken Philosophie geistig-geistliche Übungen, die helfen sollen, das eigene Leben zu meistern und auf Gott hin auszurichten [2]. In der christl. Askese und im Mönchtum zielten solche Übungen auf die Nachahmung Christi (lat. imitatio Christi). Durch die im SpätMA aufblühende Mystik und die beginnende Trennung von Spiritualität und Rationalität gewannen E., die das affektive Element betonen, an Bedeutung. Ludolf von Sachsens De vita Jesu Christi wurde eine wichtige …

Exil

(2,378 words)

Author(s): Esser, Raingard
1. Grundlagen Der Begriff E. (lat exilium, »Verbannung«) bezeichnet die Abwesenheit eines Menschen oder einer Gruppe aus der eigenen Heimat aufgrund dortiger Vertreibung, Ausbürgerung, religiöser, politischer oder ethnischer Verfolgung. Im Gegensatz zu dem weiter gefassten Begriff der Emigration beinhaltet E. eine erzwungene Auswanderung. E. schließt die Überschreitung einer administrativen, in der Frühen Nz. einer nationalen oder territorialen Grenze ein. »E.« und »Exulanten« (als Bezeichnung für die im E. Lebenden) dienten sowohl der Selbstbezeichnung von Flüchtli…

Exklusion

(10 words)

s. Ausgrenzung

Exkommunikation

(1,153 words)

Author(s): Schlinker, Steffen
1. Begriff E. bedeutet konfessionsübergreifend die Trennung des Christen von der kirchlichen Gemeinschaft [6. Art. I, Nr. 1]. Daraus folgt die Aufhebung der mitgliedschaftlichen Rechte unter Beibehaltung der kirchlichen Pflichten, aber keineswegs der Ausschluss aus der Kirche, weil dem Christen die durch die Taufe (Sakramente) geschenkte Mitgliedschaft nicht entzogen werden kann. Sie ist die schwerste Strafe, über die die Kirche verfügt [3. § 863]. Daher stellte die E. das letzte Mittel dar, das erst Anwendung fand, wenn andere Bußen nicht zur Umkehr des Sünders führten [8. N…

Exotismus

(2,578 words)

Author(s): Lüsebrink, Hans-Jürgen | Siegert, Christine
1. Begriff Der Begriff E. (von griech. exōtikós, »fremdländisch«) wurde in der Nz. in erster Linie adjektivisch verwendet. Erstmalig wurde er in F. Rabelais' Quart Livre (1548) nachgewiesen, wo er »verschiedene Wandteppiche, Tiere, Fische, Vögel und andere Handelsgüter« bezeichnete, die »Kaufleute aus Afrika und Asien« feilboten [9]. Diderots und d'Alemberts Encyclopédie bezog den Begriff ausschließlich auf Pflanzen (franz. plante/ arbre exotique) aus heißen Ländern. Das Dictionnaire de l'Académie Française (ab 1765) definierte exotique als » fremd, nicht dem Land zu…

Expansionen

(9,389 words)

Author(s): Bley, Helmut | Faroqhi, Suraiya | Nolte, Hans-Heinrich | König, Hans-Joachim | Rinke, Stefan
1. Einleitung 1.1. Europäische Expansion im Kontext der Weltgeschichte Die europ. E. seit der Mitte des 16. Jh.s gilt mit Recht als ein zentrales weltgeschichtliches Ereignis der Neuzeit von epochemachender Wirkung. Sie ist relevant für Europa selbst, dessen Machtgefüge, Wirtschaft und Weltbild sie maßgeblich prägte. Mit dem Ausgreifen zunächst an die afrikan. Westküste, dann mit der Entdeckung der Neuen Welt und der anschließenden Besetzung wichtiger Handelsplätze im Indischen Ozean, in Afrika, Indien und in Südostasien begann ein Prozess, der letztlich in der Mit…

Expedition

(12 words)

s. Entdeckungsreise | Forschungsreise

Experiment

(2,136 words)

Author(s): Steinle, Friedrich
1. Begriff E. (dt. auch »Versuch«, engl. experiment, franz. expérience) wird modern als das Manipulieren von Dingen zu dem Zweck verstanden, über diese Dinge Wissen zu gewinnen. Neben der Forschung dient das E. auch der Belehrung und Demonstration. Alle Naturwissenschaften und viele Bereiche der Geistes- und Sozialwissenschaften gründen den Gewissheitsanspruch ihres Wissens auf Erfahrung, sei es als Beobachtung oder als E. Von E. ist auch in anderen kulturellen Bereichen die Rede, wenn es darum geht, unbekannte Dimensionen aktiv auszuloten, so etwa …

Experimentalmedizin

(1,192 words)

Author(s): Eckart, Wolfgang Uwe
1. Überblick Im 17. Jh. wurden die alten Autoritäten der Universitätsmedizin überwunden; damit begann die Epoche der empirisch-experimentellen Medizin. William Harvey erschütterte durch seine experimentelle Erforschung und Beschreibung des Blutkreislaufs die antike Humorallehre (Humoralpathologie), deren angestammten Platz nun neue Konzepte des ärztlichen Denkens und Handelns einnahmen: die nachparacelsische Iatrochemie und die cartesianische Iatrophysik ( Iatromechanik). Chemisches und mechanistisches Denken auf der Grundlage experimenteller Erkenntnis …

Export

(10 words)

s. Ausfuhr

Extempore

(10 words)

s. Improvisation

Exulantenstadt

(665 words)

Author(s): Esser, Raingard
Der Begriff »E.« wurde in der histor. Forschung erstmals von dem Münsteraner Stadthistoriker Heinz Stoob eingeführt [4]. In seiner Typologie frühnzl. Städte von 1966 bezeichnete er damit Städte, die entweder durch protest. Glaubensflüchtlinge ab der Mitte des 16. Jh.s neu gegründet wurden oder durch die massenhafte Zuwanderung von Konfessionsmigranten ein verändertes konfessionelles und wirtschaftliches Profil erhielten. Als erste Stadt dieses Typus nannte Stoob Lissa in Polen, das speziell für die Böhmischen Brüder angelegt wurde (1550). Typischerweise …

Ezourvedam

(726 words)

Author(s): Neubert, Frank
Der E. ist ein im 18. Jh. auf Vermittlung von Missionaren und Kolonialbeamten bekannt gewordener, in seiner Authentizität umstrittener ind. Text, der die franz. Philosophie und das Indienbild der Zeit stark beeinflusste. Voltaire zeigte sich vom E. tief beeindruckt, datierte ihn in die Zeit »vor Alexander und Pythagoras« und verwendete ihn als Quelle für seine Ausführungen über Indien, die Brahmanen und ihre Rituale. Er kam durch seine Lektüre zu dem Schluss, nicht wie bis dahin angenommen China (Chinesische Welt), sondern Indien sei die älteste der Zivilisationen [2. 73]. 1762 zo…