Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

Get access Subject: Jewish Studies
Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Schächten

(2,976 words)

Author(s): Lavi, Shai
Schächten bezeichnet das betäubungslose rituelle Schlachten von zum Verzehr geeigneten Tieren und wird insbesondere im Judentum und im Islam praktiziert. Das Schächten als Teil der Speisegesetze war für das Selbstverständnis der traditionellen jüdischen Gemeinschaft von wesentlicher Bedeutung; Schächter wirkten als angesehene Bedienstete der Gemeinde und wurden häufig auch von der christlichen Herrschaft anerkannt. In der christlichen Umgebungskultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit zog d…

Schanghai

(2,956 words)

Author(s): Goikhman, Izabella
In der chinesischen Hafenstadt Schanghai ließen sich infolge westlicher Präsenz seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst sogenannte bagdadische Juden aus dem Bereich der Britischen Ostindien-Kompanie nieder. Russische Juden flüchteten vor den Pogromen um die Jahrhundertwende hierher. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diente Schanghai Juden als Zufluchtsort. Angezogen durch die Möglichkeit einer visafreien Einreise, kamen gegen Ende der 1930er Jahre tausende jüdische Exilanten i…

Schänke

(2,353 words)

Author(s): Dynner, Glenn
In den Kleinstädten und Dörfern des vormodernen östlichen Europa stellten Schänken nicht nur Stättender Gastlichkeit, sondern auch beliebte Treffpunkte für Besprechungen von Handels- und öffentlichen Angelegenheiten sowie für religiöse Feiern dar. Ihre Betreiber waren überwiegend Juden, denen die Räumlichkeiten und Schanklizenzen meist von polnischen Grundbesitzern zur Pacht gegeben wurden. Sozialreformer wie Behördenvertreter wiesen den jüdischen Wirten ungeachtet der ihnen übertragenen Rolle i…

Scheunenviertel

(3,596 words)

Author(s): Saß, Anne-Christin
Unweit es Alexanderplatzes gelegenes Viertel in Berlin, das sich in der Zeit des Kaiserreichs und während der Weimarer Republik zum Zentrum jüdischer Einwanderer aus dem östlichen Europa entwickelte. Von der deutschen Öffentlichkeit vielfach als »ostjüdisches Ghetto« wahrgenommen, wurde das Armutsquartier mit seinem überdurchschnittlich hohen jüdischen Bevölkerungsanteil zur Projektionsfläche für die nach dem Ersten Weltkrieg in der deutschen Bevölkerung weitverbreiteten sozialen Abstiegs- und …

Schira

(5,446 words)

Author(s): Necker, Gerold
Der postum veröffentlichte, unvollendet gebliebene Roman Schira von Samuel Joseph Agnon (1887–1970) zählt zu den Klassikern der modernen hebräischen Literatur. Die Erzählungen und Romane Agnons, der 1966 gemeinsam mit Nelly Sachs (Todesfuge) den Nobelpreis für Literatur erhielt, prägten wesentlich die formative Entwicklung des modernen Hebräisch wie auch die hebräische Literatur als Ganzes. Agnon, im habsburgischen Galizien geboren und durch Sozialisation und Reisen mit den unter…

Schlemihl

(3,607 words)

Author(s): DeKoven Ezrahi, Sidra
Der Schlemihl ist eine wandlungsfähige Figur, die im 20. Jahrhundert weithin Bekanntheit als eine Verkörperung jiddischer und, damit assoziiert, jüdisch-diasporischer (Diaspora) Existenz schlechthin erlangte. Typische Wesenszüge des Schlemihls sind Naivität sowie eine Wandlungsfähigkeit, aufgrund derer er oft sein Leid zu mildern versteht. Der Typus des Schlemihls lässt sich bis zu antiken Quellen zurückverfolgen; in der frühen Neuzeit wurde er mit anderen Figuren aus der Volkskultur wie dem Ewi…

Schoa

(3,281 words)

Author(s): Koch, Gertrud
Schoa ( sho’a) ist in der hebräischen Bibel (Tanach) die Bezeichnung für eine katastrophische Verwüstung; im modernen Hebräisch wurde sie bereits seit den frühen 1940er Jahren für die nationalsozialistischen Verbrechen an den europäischen Juden verwendet. Als solcher hat sich der Terminus neben den Bezeichnungen Holocaust und Khurbn als drittes Synonym für die Judenvernichtung durchgesetzt, wobei Schoa anders als der Begriff Holocaust, der auch andere Op…

Schocken-Bücherei

(3,208 words)

Author(s): Hambrock, Matthias
Buchreihe, die mit mehr als achtzig Titeln das inhaltliche und ästhetische Kernstück im Programm des 1931 in Berlin gegründeten Schocken Verlags bildete. Unter den jüdischen Verlagen, die nach 1933 unter schwierigen Bedingungen noch in Deutschland produzieren konnten (Verlagswesen), war Schocken das profilierteste Unternehmen. Mit seinen Büchern, nicht zuletzt den Bänden der Schocken-Bücherei, bot es den bedrängten Juden in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Diktatur eine wichtige mor…

Schöpfung

(3,739 words)

Author(s): Wiese, Christian
Zentraler Begriff im Denken des Philosophen Hans Jonas (1903–1993). Ausgehend von seiner Auseinandersetzung mit der antiken Gnosis, versuchte er, den intrinsischen Wert des Lebens mithilfe einer Philosophie des Organischen zu begründen. Diese wurde in seinem Hauptwerk Das Prinzip Verantwortung (1979) zur Grundlage seines Entwurfs einer Ethik für die technologische Zivilisation. Vermied Jonas in diesem Zusammenhang jede Bezugnahme auf das Judentum wie auf Religion überhaupt, so zeigen seine religionsphilosophisc…

Schtetl

(5,649 words)

Author(s): Miron, Dan
Mit dem jiddischen Wort shtetl (»Städtchen«, »Kleinstadt«; Pl. shtetlekh) wurde im Unterschied zu shtot (»Stadt«, »Großstadt«) jene Siedlungsform bezeichnet, die seit dem 13. Jahrhundert zu der unter den Juden des östlichen Europa am weitesten verbreiteten wurde. Das Schtetl bestand aus meist wenigen tausend, manchmal mehrheitlich jüdischen Einwohnern, deren Erwerbsleben mit der Feudalwirtschaft der ländlichen Umgebung aufs Engste verflochten war. Mit dem wirtschaftlichen und politischen Wandel im 19. Jahrhu…

Schwarzbard-Prozess

(3,176 words)

Author(s): Engel, David
Gerichtsprozess in Paris im Oktober 1927 um das tödliche Attentat des jüdischen Uhrmachers Schalom Schwarzbard auf den ehemaligen Präsidenten der Ukrainischen Volksrepublik Semjon Petljura. Der Angeklagte Schwarzbard gestand zwar, Petljura im Mai 1926 erschossen zu haben; die Geschworenen werteten die Tat jedoch als einen zu rechtfertigenden Vergeltungsakt, da sie Schwarzbard stillschweigend zustimmten, dass der ukrainische Politiker für den Tod zehntausender Juden verantwortlich gewesen sei. Da…

Schwarzbuch

(1,214 words)

Author(s): Cohen, Raya
Das im Januar 1934 publizierte Schwarzbuch dokumentiert die Entrechtung der deutschen Juden seit Hitlers Machtübernahme ein Jahr zuvor. Der vom in Paris ansässigen Comité des délégations juives herausgegebene Band hatte zum Ziel, das von deutscher Propaganda lancierte Argument zu widerlegen, die nationalsozialistische Judengesetzgebung diene allein der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. Das im Schwarzbuch versammelte Material sollte vielmehr zeigen, dass gerade durch Gesetze und Verordnungen das antisemitische Programm der NSDAP zur Staatsrä…

Screwball

(3,165 words)

Author(s): McCormick, Rick
Screwball (umgangssprachl. für verschrobene, skurrile Figur; im Baseball ein angedrehter Wurf) bezeichnet eine Form der romantischen Komödie im US-amerikanischen Film, die in den 1930er und 1940er Jahren ihre Blütezeit erlebte und maßgeblich von Ernst Lubitsch (1892–1947) geprägt wurde. Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre bedienten Screwball-Komödien mit Slapstick-Einlagen, schnellem Rhythmus, humorvollen Dialogen und exzentrischen Protagonisten eskapistische Publikumsb…

Second Avenue

(3,701 words)

Author(s): Warnke, Nina
Die Umgebung der Second Avenue in Lower Manhattan bildete in den 1920er und 1930er Jahren das Zentrum des jiddischen Theaters in New York. Dem aus Einwanderern aus dem östlichen Europa und ihren Nachkommen bestehenden Publikum wurden Melodramen, musikalische Komödien und literarisches Theater geboten. Die erfolgreichsten Stars der Second Avenue waren der Direktor des Yiddish Art Theatre Maurice Schwartz (1889–1960) sowie die Schauspielerin Molly Picon (1898–1992). Mit der wachsenden Integration …

Sefer Ḥeshbon ha-Nefesh

(1,459 words)

Author(s): Sinkoff, Nancy
Im Jahr 1808 erschien im österreichisch- galizischen Lemberg der ethische Leitfaden Sefer Ḥeshbon ha-Nefesh (Rechenschaft der Seele) des polnisch-jüdischen Aufklärers Menachem Mendel Lefin (1749–1826). Lefins Werk galt der menschlichen Verhaltensänderung, für die er sich auf die »Rules of Conduct« von Benjamin Franklin stützte. Ziel des Autors war es, aufklärerische Ideale des individuellen Seelenlebens unter traditionell erzogenen, jungen jüdischen Männern zu verbreiten und zugleich den chassidischen Methoden der moralischen Erneuerung entgegenzuwirken. Mendel Le…

Sejm

(3,623 words)

Author(s): Steffen, Katrin
Unterhaus und gesetzgebende Kammer des polnischen Parlaments. Im Sejm der Zweiten Republik Polen (Sejm Rzeczypospolitej Polskiej) vertraten zwischen 1918 und 1939 zahlreiche jüdische Abgeordnete die Interessen der heterogenen, etwa drei Millionen Einwohner zählenden polnischen Judenheit. Prinzipiell loyal gegenüber dem polnischen Staatswesen, setzten sie sich für die Gleichberechtigung ein und protestierten gegen antisemitische Diskriminierung. Ihre Marginalisierung wie die Zerwürfnisse unterein…

Sektion Donauland

(3,259 words)

Author(s): Loewy, Hanno
Der Alpenverein Sektion Donauland wurde 1921 in Wien von in der Mehrzahl jüdischen Bergsteigern gegründet. Entstanden als Reaktion auf den Antisemitismus im Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuÖAV), knüpfte der Verein an ein weiter zurückreichendes, vielfältiges Engagement von Juden im europäischen Alpinismus an. Während diese Aktivitäten im 19. Jahrhundert ein Ausdruck des Bemühens um Integration und Verbürgerlichung jüdischer Bevölkerungskreise waren, wurde der Bergsport nach dem Ers…

Selbstbildnis

(2,437 words)

Author(s): Jaehner, Inge
Selbstbildnis mit Judenpass lautet der Titel des bekanntesten Gemäldes des deutsch-jüdischen Malers Felix Nussbaum (1904–1944). In dem 1943 im belgischen Versteck entstandenen Bild gab sich der Maler mit »Judenstern« und gekennzeichnetem Fremdenpass als Jude zu erkennen und thematisierte so die für Juden allgegenwärtige Gefahr, aufgespürt und deportiert zu werden. In der breiten Öffentlichkeit wird das Bild vornehmlich als Darstellung jüdischer Opferschaft angesichts des Holocaust interpretiert. J…
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