Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

Get access Subject: Jewish Studies
Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Dhimmah

(2,459 words)

Author(s): Frenkel, Miriam
Der Begriff dhimmah (arab.; Schutz) wurde zur Bezeichnung des theologischen, juristischen und gesellschaftlichen Status verwendet, den der Islam den Angehörigen anderer Offenbarungsreligionen wie Juden oder Christen in seinem Herrschaftsgebiet zugestand und der ihnen Schutz und Autonomie garantierte. Das Konzept von dhimmah lässt sich auf die islamische Theologie (Kalām) zurückführen, die den Islam in einem Kontinuum prophetischer Offenbarung mit den älteren monotheistischen Religionen sieht und ihnen daher eine wenn auch untergeordne…

Dialektik der Aufklärung

(4,268 words)

Author(s): von Wussow, Philipp
Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Dialektik der Aufklärung (1944/1947), eines der Hauptwerke der Kritischen Theorie bzw. der Frankfurter Schule (Institut für Sozialforschung), bezeichnet zugleich eine Reflexionsfigur, die unter den zahlreichen Deutungen der politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts durch ihre besondere Negativität bekannt geworden ist. Werkgeschichtlich kündigt das Buch einen Paradigmenwechsel von der marxistischen Ökonomiekritik zur Theorie des Antisemiti…

Dialog

(3,313 words)

Author(s): Mendes-Flohr, Paul
Der Begriff des Dialogs als eine Bezeichnung für authentische, das heißt nichtinstrumentelle Beziehungen zwischen Individuen oder zwischen Mensch und Gott ist eng verbunden mit dem Denken Martin Bubers (1878–1965). Buber übertrug den von ihm 1923 in Ich und Du eingeführten Begriff aus der Philosophie und Theologie auf die Bereiche Hermeneutik (insbesondere die Deutung der hebräischen Bibel und religiöser Texte), Übersetzung und Politik. 1. Einführung Dialogisches Philosophieren wendet sich ab von der westlichen Tradition der philosophia perennis, von ihrer Suche nach e…

Diaspora

(3,383 words)

Author(s): Mendels, Doron
Der Begriff »Diaspora« bezeichnet die Zerstreuung Israels in der Antike, die spätestens mit der Verschleppung durch die Assyrer (8. Jh. v. d. Z.) einsetzte und seither ständig weitere Schübe erfuhr. Seit dem 3. Jahrhundert v. d. Z. teilte sich die jüdische Diaspora auf in einen hebräisch- und aramäischsprachigen Osten und einen Westen, in dem Griechisch und Latein vorherrschten. Die Sprachgrenze führte in der Spätantike zu einem Bruch, der das Judentum in zwei disparate Lebens- und Wissenswelten…

Dibbuk

(2,736 words)

Author(s): Zer-Zion, Shelly
Totengeist, der von einem Lebenden Besitz ergriffen hat. Volkstümliche Geschichten über den Dibbuk sind in der jüdischen Welt seit dem 13. Jahrhundert bekannt und lebten in mystischen und chassidischen Kreisen bis ins 20. Jahrhundert fort. S. An-Ski (1863–1920) verarbeitete den Stoff 1914 in seinem Drama Tsvishn tsvey veltn ( Zwischen zwei Welten), das zu einem Meilenstein des jiddischen und hebräischen Theaters im 20. Jahrhundert wurde. Mit der Überführung eines mystischen chassidischen Stoffs in ein expressionistisches Theaterstück symbolisier…

Die Fackel

(2,950 words)

Author(s): Goltschnigg, Dietmar
Die von Karl Kraus (1874–1936) gegründete Zeitschrift Die Fackel war die bedeutendste literarische Zeitschrift der Wiener Moderne. Sie erschien vom April 1899 bis zum Februar 1936 und behandelte in meist polemisch-satirischem Ton alle relevanten politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen ihrer Zeit. Zu den Schwerpunkten der Kritik zählten Kapitalismus (der häufig pauschal mit Judentum gleichgesetzt wurde) und Zionismus, die Presse (»Journaille«) und die Gerichtspraxis sowie der Zerfall der W…

Die Zimtläden

(2,899 words)

Author(s): Breysach, Barbara
Titel eines Prosabands über die Lebenswelt der galizischen Juden von Bruno Schulz (1892–1942), der 1933 im angesehenen Warschauer Verlag Rój erschien (datiert 1934). Die künstlerische Signatur der fünfzehn Prosatexte in Die Zimtläden (poln. Sklepy cynamonowe) liegt in der Vitalität einer bildlich aufgeladenen Sprache, in der Kindheitsmythen, die galizische Provinz und jüdische Familientopoi zu einer künstlichen Realität verschmelzen. Die Texte sind geprägt von binär angelegten Themenfeldern wie Provinz und Metropole, Sakralität …

Dina de-malkhuta dina

(2,615 words)

Author(s): Gotzmann, Andreas
Wörtlich übersetzt bedeutet die aramäische Formulierung dina de-malkhuta dina »das Gesetz des Königreichs ist [geltendes] Recht«. Dieser rabbinische Rechtsgrundsatz regelt die Anerkennung anderen Rechts innerhalb des jüdischen Religionsrechts, der Halacha. Das fremde Recht nimmt dabei die Gestalt eines externen, mächtigeren Systems an, sei es ein theoretisch gedachtes jüdisches Königtum oder ein nichtjüdischer Staat. Im Zuge sich verändernder Herrschafts- und Rechtskonzepte bedurfte es einer unablässige…

Di shvue

(815 words)

Author(s): Randhofer, Regina
Di shvue (jidd.; Der Schwur) gehört zu den jüdischen Arbeiterliedern aus dem östlichen Europa. Es nahm seinen Ausgang vom religiösen Eid, der in ein Lied überführt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde eine Fassung des russisch-jüdischen Dichters S. An-Ski (Dibbuk) von der Partei des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbunds in Litauen, Polen und Russland ( Bund ) als Hymne angenommen. Das jiddische Lied Di shvue hat seine Wurzeln in der jüdischen revolutionären Arbeiterbewegung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Ansiedlungsrayon au…

Divre Shalom we-Emet

(2,498 words)

Author(s): Schatz, Andrea
1782 veröffentlichte Naphtali Herz Wessely (1725–1805) als Antwort auf die habsburgische Toleranzgesetzgebung Josephs II. seine hebräische Aufklärungsschrift Divre Shalom we-Emet (Worte des Friedens und der Wahrheit). Als einer der wichtigsten Autoren der Haskala formulierte er darin sein Programm zur Reform jüdischer Schulen. Aufgrund der weitreichenden kulturellen und sozialen Implikationen entfachte es heftige innerjüdische Kontroversen um das Verhältnis zwischen religiösen und nicht-relig…

Di Yunge

(2,855 words)

Author(s): Miron, Dan
Die Bezeichnung Di Yunge (jidd.; die Jungen) wurde gegen Ende der 1900er Jahre von einer Gruppe junger amerikanisch-jiddischer Schriftsteller angenommen. Der Name war möglicherweise abgeleitet von Yugent, dem Titel einer 1907 veröffentlichten literarischen Anthologie, mit der einige der aktiveren Mitglieder der Gruppe eine erste wichtige Veröffentlichung verzeichneten. Er drückte das Selbstverständnis der Autoren aus, die sich von ihren älteren, meist sozialistisch oder anarchistisch gesinnten Vorgängern deutlich untersc…