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Sallustius

(157 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] (Salustios). Weder Identität noch Lebenszeit des S. sind direkt bezeugt. Seine Schrift – erst im 17.Jh. betitelt περι` ϑεω˜n̆ και` κο´σμου/perí theō´n kaí kósmou (»Über Götter und Kosmos«) – erweist ihn als Neuplatoniker und Zeitgenossen des Kaisers Julian Apostata (vgl. Julian, Oratio IV und VIII). S. schrieb nicht für Fachphilosophen (Kap. 13), sein Ziel war philos. »Allgemeinbildung«. Deren einfache Grundsätze – die Götter sind ewig, körperlos, nicht vom Raum begrenzt und nicht getrennt von der »…

Vesta

(268 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] Vesta, röm. Göttin; ihr Name wurde als griech. empfunden, ihr Wirkungsbereich – Herde und Altäre, Schutz »der innersten Dinge« – mit dem der griech. ῞Εστι´α/Hestía gleichgesetzt (Cic.n.d. 2,67); die Etym. ist noch umstritten. Ihr Heiligtum, aedes Vestae, ein Rundbau auf dem Forum Romanum, ist Teil eines alten Komplexes an der via sacra, zu dem auch das Haus gehört, in dem die virgines Vestae leben (Rom: II.,2., b). Obwohl Jungfrau, trägt V. den Ehrentitel »Mater«, an ihren Kult wird der Bestand der röm.…

Seneca

(493 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] Seneca, Lucius Annaeus (ca.4 v.Chr. Córdoba – 65 n.Chr. Rom), röm. Philosoph, Politiker, Tragiker, der mittlere von drei Söhnen des Rhetors L.A. S., d. Ä., aus span. Provinzialadel (Baetica); sein älterer Bruder war Novatus, bekannter unter dem Adoptivnamen L. Iunius  Gallio; der jüngere Bruder Mela war Vater des Epikers Lucan; weitere Verwandte waren hohe Provinzialbeamte. – S. wuchs in Rom auf; seine polit. Karriere wurde unter Claudius durch Verbannung nach Korsika unterbrochen (41); Claudius' zweite Gattin, die jüngere Agrippina, berief ihn zurück (49) und zum Erzieher ihres Sohnes Nero, der 55 Kaiser wurde; etwa sieben Jahre lang war S. einer der mächtigsten und reichsten Männer des Imperium Romanum; i.J. 65 zwang Nero S., der sich seit 62 aus der Politik zurückgezogen hatte, sich das Leben zu nehmen. Tacitus hat die Sterbeszene beschrieben und damit den Tod des Philosophen überliefert, der seinen Freunden »das Bild seines Lebens« vermacht hat (Annales 15,60–64). Ein Teil – v.a. naturkundliche Texte mit Ausnahme der Quaestiones naturales – von S.s Prosawerk ist verloren, die erhaltenen Schriften verhandeln Themen der stoischen Philos., v.a. Ethik – z.B. »Kürze des Lebens«, »Glückliches Leben«, »Ruhe des Geistes«, »Standhaftigkeit des Weisen«, »Vorsehung«. In S.s letztem Werk, den 20 Büchern »Moralische Briefe« (epistulae morales) an den Freund Lucilius (Sen.ep.), wird der Stellenwert der Ethik in dem dreiteiligen stoischen Gesamtsystem aus Ethik, Physik (darin inbegriffen die Theol.) und Logik (ep.89) reflektiert und ihre Bedeutung aus den jeweiligen Bedürfnissen des Lebensvollzugs abgeleitet. Dieser wiederum ist bestimmt als »Fortschri…

Virgines Vestae

(275 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] . Die Gruppe der sechs »Vestalinnen« versieht den Kult der Vesta: sie versorgen das »ewige« Feuer im Vestaheiligtum, dem öfftl. Herd, auf dem Forum Romanum (Cic., De legibus, 2,8,20 und 2,12,29) und stellen die beim Opfer gebrauchte mola salsa (Dinkelschrot mit Salz) her. Bei großen Zeremonien sind sie anwesend (abgebildet z.B. auf der Innenseite des Altars der Ara Pacis Augustae); sie leiten das nicht-öfftl. nächtliche Fest der Bona Dea (Cic., De haruspicum responso, 37; Plut.…

Theoxenia

(465 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] (lectisternium, sellisternium). 1. Der griech. Ritus der Theoxénia (ϑεοξε´n̆ια) – »Gottes/Götter-Bewirtung« – inszeniert ein Mahl: ein mit Speisen besetzter Tisch (τρα´πεζα/trápeza; mensa) wird vor Götterbilder (-statuetten, -puppen, -symbole) gestellt; diese sind, wie die Menschen beim Mahl, bekränzt und auf »Liegen« (κλι´n̆η/klínē; lat. lectus, pulvinar) gelagert; daher die Bez. »eine Liege/Polster herrichten« (στρωμn̆α`ς στρωn̆n̆υ´n̆αι/strōmnás strōnnýnai; lat. lectum sternere, lectisternium). Eine inschriftlich erhaltene Kult…

Phaedrus

(277 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] Phaedrus, röm. Fabeldichter der 1. Hälfte des 1.Jh. n.Chr., geb. in Makedonien (Buch 3, Prolog), Freigelassener des Augustus, von Sejan verfolgt. Ph. hat die Fabel (griech. λο´γος/lo´gos, μυ˜ϑος/my´thos, lat. fabula, fabella) als eigenständige Gattung geschaffen; er hat seine (Kurz-)Gesch. (nicht nur von Tieren) metrisch gefaßt (iambische Senare) und zu fünf Büchern mit Prolog und – in den Büchern 2–4 – Epilog zusammengestellt. Die Fabelbücher des Ph. – und die wenig späteren griech. des Babrios – sind e…

Totenkult/Totenverehrung

(2,444 words)

Author(s): Neu, Rainer | Podella, Thomas | Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] I. ReligionswissenschaftlichDer Tod wird in nahezu allen Gesellschaften als ein Übergang von einer Daseinsform in eine andere begriffen. Damit der Verstorbene bzw. seine Seele diesen Transformationsprozeß erfolgreich vollziehen kann, müssen die Hinterbliebenen bestimmte Riten durchführen, die zusammenfassend als Totenkult (T.) bez. werden. Hinweise auf einen T. gehören zu den ältesten Zeugnissen der Kultur- und Religionsgesch. der Menschheit. Seit dem ausgehenden Alt- und dem Mit…

Vorsehung

(3,889 words)

Author(s): Friedli, Richard | Cancik-Lindemaier, Hildegard | Bosman, Hendrik | Söding, Thomas | Plathow, Michael | Et al.
[English Version] I. ReligionswissenschaftlichSicherheit gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Die Antworten, welche die Rel. auf verunsichernde Erfahrungen anbieten, sind kulturell vielfältig. Es geht dabei darum, das Schicksal (1.) möglichst vorherzusehen, es (2.) in eine Kosmologie einzuordnen und (3.) dadurch zu meistern. Generalisierend lassen sich vier Formen beobachten, mit denen Unvorhersehbares eingedämmt werden soll: 1.Naturereignissen ausgeliefert sein. Ohnmächtig fühlen sich Menschen einer bedrohlichen Schicksalsmacht ausgelie…

Symbol/Symbole/Symboltheorien

(7,938 words)

Author(s): Berner, Ulrich | Cancik-Lindemaier, Hildegard | Recki, Birgit | Schlenke, Dorothee | Biehl, Peter | Et al.
[English Version] I. Religionswissenschaftlich Eine religionswiss. relevante Verwendung des griech. Wortes συ´μβολοn̆/sýmbolon findet sich schon früh in der eur. Religionsgesch., z.B. bei Dion von Prusa (1./2.Jh. n.Chr.) in seiner Rede über die Zeus-Statue des Pheidias in Olympia (Oratio 12,59). Der griech. Symbolbegriff verweist in diesem Zusammenhang auf die Problematik der Götterbilder, die darin besteht, daß das, was eigentlich der menschlichen Anschauung entzogen ist, dem Menschen anschaulich vergegenwärtigt werden soll. In der Religionswiss., v.a. in der R…