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Your search for 'dc_creator:( "Schwerhoff, Gerd" ) OR dc_contributor:( "Schwerhoff, Gerd" )' returned 16 results. Modify search

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Hexenprozess

(880 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Ein Sonderfall des Inquisitionsprozesses?Der H. war im Kern ein Inquisitionsprozess, wie er im gesamten Strafrecht der Frühen Nz. zum Einsatz kam. Abgesehen vom frühen 15. Jh. und von Südeuropa wurden die Prozesse meist von weltlichen, nicht von kirchlichen Gerichten durchgeführt. Der H. gilt als ein zentraler Faktor für die Dynamik der Hexen-Verfolgung im 16. und 17. Jh. [7]. Es ist bezeichnend, dass der Göttinger Historiker August Ludwig Schlözer 1782 in Auseinandersetzung mit der letzten Hinrichtung der vermeintlichen Hexe Anna Göldi in Glarus (Schweiz) den Begriff »J…
Date: 2019-11-19

Gewaltkriminalität

(924 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Begriff G. ist ein moderner Forschungsbegriff, mit dessen Hilfe eine Reihe heterogener Straftat-Bestände zum Zwecke der Analyse gebündelt und mit anderen Deliktgruppen (etwa der Eigentumskriminalität) verglichen werden kann. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner liegt in der Anwendung physischer Gewalt; deren Ausprägung und Motivation sowie zeitgenössische Bewertung können jedoch stark differieren. Der Raub, obwohl durch den Einsatz physischer Gewalt bis hin zur Tötung gekennzeichnet, wird herkömmlich eher unter die Eigentumsdelikte g…
Date: 2019-11-19

Eigentumsdelikte

(1,188 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Ausprägungen und BedeutungAls gemeinsame Schnittmenge aller E. gilt in der modernen Kriminologie und in der heutigen Strafrechtswissenschaft, dass einem Eigentümer eine Sache entzogen, beschädigt oder zerstört wird. Jenseits dieser Schnittmenge und in histor. Perspektive umfassen E. allerdings ein heterogenes Segment der gesamten Kriminalität, das nicht durch einen gemeinsamen Begriff zusammengefasst wurde. In Betracht kommen insbes. der Diebstahl in seinen verschiedensten Ausprägungen, Sachbeschädigung, Unterschlagung und der Raub als gewaltsame Wegnahme f…
Date: 2019-11-19

Unehrlichkeit

(1,001 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Definition und AbgrenzungU. bezeichnet einen Zustand rechtlicher Minderstellung und sozialer Stigmatisierung von gesellschaftlichen Gruppen. Sie fand in der Nz. ihren Ausdruck in fehlender oder eingeschränkter Bürgerrechts-, Amts- und v. a. Zunft-Fähigkeit sowie im Ausschluss von sozialen Verkehrskreisen wie Ehe oder Patenschaften. Anders als die individuelle Ehrlosigkeit (vgl. Ehrverlust) wurzelte sie nicht in einem moralisch verwerflichen und vom Strafrecht kriminalisierten Fehlverhalten des Einzelnen bzw. in seiner strafrechtlichen Sti…
Date: 2019-11-19

Devianz

(919 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. GrundlagenD. (abweichendes Verhalten) ist eine relationale Kategorie der Sozialwissenschaften, die sinnvoll nur in Bezug auf bestimmte Normen zu definieren ist. Diese können rechtlich-formeller Natur sein (z. B. Strafrecht), ebenso aber eine – nicht unbedingt schriftlich fixierte – gesellschaftliche Verhaltensregel (z. B. moralischer Art) repräsentieren. Jede Etikettierung eines Verhaltens als deviant stellt zugleich einen Akt sozialer Kontrolle dar, wobei mit der Definition in der Regel zugleich Sanktionen einhergehen ( Sozialdisziplinierung). Auch das Spek…
Date: 2019-11-19

Unzucht

(611 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. GrundlinienU. ist ein stigmatisierender Begriff, der im weitesten Sinn die Abwesenheit von »Zucht«, d. h. von ordentlichem und gesittetem Betragen, zum Ausdruck bringt [3]; [2]. In diesem sehr allgemeinen Sinn findet er sich seit dem SpätMA als Bezeichnung für kleinere, vom Nieder-Gericht zu ahndende Vergehen (»Frevel und U.«); in manchen süddt. und schweizer. Städten gab er auch entsprechenden Polizeiorganen ihren Namen (»Unzüchter«). In der Frühen Nz. verengte sich die Bedeutung: U. stand nun für »jedwede fleischliche Vermischung, welche außer einer rechtmäßigen …
Date: 2019-11-19

Pranger

(817 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. FormenDer P. (engl. pillory, franz. pilori oder carcan, ital. gogna) war ein in weiten Teilen des frühnzl. Europa verbreitetes Instrument zur Sanktionierung von Normverstößen ( Sozialdisziplinierung) und bezeichnete darüber hinaus eine Örtlichkeit des Gerichts. Er steht für ein breites Spektrum von Strafen, die auf die Entehrung der Delinquenten durch öffentliche Stigmatisierung zielten ( Ehrverlust; vgl. Ehre, Abb. 1). Dabei unterscheidet die neuere Forschung typologisierend zwischen Schandstrafen, die im Bereich der Nieder-Gerichtsbarkeit angesiedelt war…
Date: 2019-11-19

Todesstrafe

(2,947 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Wende zur Neuzeit Die rechtsförmige Tötung eines Delinquenten wegen eines begangenen Unrechts als die schwerste strafrechtliche Sanktion findet sich prinzipiell in allen Epochen und Kulturkreisen, allerdings in je charakteristischer Ausprägung und Häufigkeit. Für Europa suchte die ältere Rechtsgeschichte deren ma. Ursprünge im »german.« ebenso wie im röm. Recht. Dabei wurden magisch-sakrale Motive (Strafopfer, Abwehrzauber, Blutrache) ebenso angeführt wie rationales Herrschaftskalkül. Die neuere Forschung be…
Date: 2019-11-19

Kriminalität

(6,698 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Begriff und GegenstandsbereichK. (von lat. crimen, »Beschuldigung, Verbrechen«) bezeichnet die Gesamtheit der Verhaltensweisen, die von den sozialen und rechtlichen Kontrollinstanzen der jeweiligen Gesellschaft als schwere Normverstöße verfolgt und sanktioniert werden ( Strafe). Die heutige Definition von K. als »Summe des strafrechtlich geahndeten Verhaltens« ist histor. nur bedingt anwendbar, weil das öffentliche bzw. staatliche Strafrecht selbst erst seit dem späten MA entstand und deshalb nur für die nzl. Geschichte als…
Date: 2019-11-19

Leibesstrafe

(672 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Ausprägungen L. als »Zufügung eines körperlichen Übels als Strafe« [5. 1777] umfassten in der Nz. ein breites, schwer einzugrenzendes Feld strafrechtlicher Sanktionen (Strafe; Strafrecht) [4. 68–71]. Ende des 17. Jh.s unternahm Jakob Döpler eine Systematisierung der L. in Abgrenzung zu den »Lebensstrafen«, also zu den verschiedenen Formen der Todesstrafe (vgl. Kriminalität) [3]. Dabei handelte er zunächst die Gefängnis- oder Verweisungsstrafen ab, die durch die Beschränkungen der körperlichen Bewegungsfreiheit durch Ein- bzw. Aussperrung bereits di…
Date: 2019-11-19

Sittendelikte

(981 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. Grundlagen und DefinitionIn höherem Maße als andere Deliktgruppen (Eigentumsdelikte; Gewaltkriminalität) ist die Sittendelinquenz ein modernes Konstrukt der histor. Kriminalitäts-Forschung, um komparative Analysen vorzunehmen. Zwar zeichnet sich bereits in der Constitutio Criminalis Carolina von 1532 eine locker gefügte Gruppe von einschlägigen Vergehen ab (Art. 116–123) [1]; in der Frühen Nz. erscheinen sie meist, wie noch im ALR von 1794, als »fleischliche Verbrechen«, d. h. als sexuelle Devianz (ALR II 20 §§ 992–1072). Erst in den Strafgesetzbüchern von Württemb…
Date: 2019-11-19

Gotteslästerung

(1,081 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. BegriffsbestimmungAls G. ( Blasphemie) definierten Theologen und Juristen seit dem 13. Jh. die Beleidigung Gottes. Dabei unterschieden sie analytisch zwischen verschiedenen Typen der Lästerung: Gott etwas zuzuschreiben, was ihm nicht zukomme (etwa einen Körper), ihm etwas von seiner Omnipotenz zu rauben oder den Geschöpfen etwas beizulegen, was allein Gott eigen sei [12. 21 ff.]. Zentral aber war in allen Fällen die öffentliche Entehrung des Schöpfers und seiner Heiligen. Das Delikt war, abgesehen vom herausgehobenen Ziel der Angriffe, ebenso gestaltet wie an…
Date: 2019-11-19

Räuberbanden

(1,243 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd
1. BegriffAls subkulturelle Vergemeinschaftungen zur gewaltsamen Entwendung fremden Eigentums kann man R. nur in einem sehr technischen Sinn begreifen. Vielmehr stehen sie als Synonym für die organisierte Kriminalität der Nz. schlechthin, deren Mitglieder Diebstahl und Raub, Betrug und Erpressung, Totschlag und Mord zum Lebensunterhalt betrieben ( Eigentumsdelikte; Gewalt). Seit dem späten MA sind R. Projektionsflächen für kollektive Ängste vor dem Verbrechen, aber auch für dessen romantische Verklärung.Gerd Schwerhoff2. Historische ForschungAuch die Forschung bl…
Date: 2019-11-19

Inquisition

(4,857 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd | Domínguez Reboiras, Fernando | Bechtloff, Dagmar
1. MittelalterIm MA bezeichnete I. (von lat. inquisitio, »Untersuchung«) einen eher locker gefügten institutionellen Zusammenhang, der durch zwei Komponenten näher bestimmt war: zum einen durch das Amt des Inquisitors (mlat. inquisitor heretice pravitatis; »Untersucher häretischer Verworfenheit«) als eines vom Papsttum bestellten und mit delegierter Gerichtskompetenz ausgestatteten Spezialisten zur Ketzerverfolgung ( Häresie), zum anderen durch ein spezielles inquisitorisches (= inquis.) Verfahren, das in eigenen Ordnungen und Handbüchern festgelegt war [17].Wo …
Date: 2019-11-19

Hexe

(5,399 words)

Author(s): Krampl, Ulrike | Behringer, Wolfgang | Schwerhoff, Gerd
1. Begriff und Hauptcharakteristik der neuzeitlichen HexeAls H. bzw. Hexer werden Menschen bezeichnet, denen von ihrer sozialen Umwelt die Fähigkeit zugeschrieben wird, aufgrund ihrer verborgenen ( »magischen«) Kenntnisse und/oder ihrer Verbindung mit übernatürlichen Mächten Schaden an Mensch, Tier und menschlicher Gemeinschaft zu verursachen. H. als Personifikation des Bösen sind im christl. Europa ebenso bekannt wie im vorkolonialen und modernen Afrika und Amerika oder auch im klassischen (China) und gegenwärtigen Asien. Dab…
Date: 2019-11-19

Gewalt

(5,397 words)

Author(s): Schwerhoff, Gerd | Gestrich, Andreas | Bley, Helmut | König, Hans-Joachim
1. BegriffG. lässt sich als die Ausübung von physischem Zwang zur Überwindung eines Widerstandes definieren; oder sie wird – aus der Perspektive des G.-Opfers – als Verletzung oder Beeinträchtigung der körperlichen Integrität eines Menschen gefasst. Die moderne sozial- und kulturwiss. Forschungsdiskussion behandelt somit konkrete G.-Handlungen im Sinne von lat. vis (engl. force). Dagegen werden Ausweitungen des G.-Begriffs, z. B. im Sinne einer »psychischen« oder »strukturellen G.«, zunehmend kritisch gesehen, weil es derartigen Kategorien an an…
Date: 2019-11-19