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Bollatica (auch: Littera Sancti Petri)

(125 words)

Author(s): T. Frenz
die Schrift der neuzeitlichen Papsturkunden unter dem Bleisiegel. Die für das MA charakteristische gute Lesbarkeit der Papsturkunden geht in der Neuzeit infolge zweier Entwicklungen verloren: 1. seit ca. 1550 erschienen zahlreiche Abkürzungen (Kontraktionen), die sonst in der lat. Schrift nicht üblich sind, 2. seit ca. 1600 gab man der Schrift durch Unterdrückung der Haarstriche und Verdrehung der Schäfte, auch durch Bogenumkehrung, ein «besonderes» Aussehen, das zu ästh…

Quellenkunde

(182 words)

Author(s): T. Frenz
ist die Lehre von der Typologie der historischen Quellen. Man unterscheidet zum einen zwischen schriftlichen und nicht–schriftlichen Quellen. Zu den schriftlichen Quellen gehören die dokumentarischen (Urkunden, Akten, Register, Amtsbücher, Landkarten) usw.), zu den nicht–schriftlichen neben der mündlichen Überlieferung die Sachquellen (Bauwerke, archäologische Funde, Kunstgegenstände, Hausrat usw.) und die strukturellen Quellen (Rechtsnormen, Gewohnheiten, Bräuche usw.). Zum anderen unterscheide…

Gotische Schrift

(1,906 words)

Author(s): T. Frenz
1. Wulfila-Alphabet, die von Bischof Wulfila (Ulfilas, 311–383) für seine Bibelübers. ins Gotische entwickelte Schrift. Sie beruht auf dem griech. Alphabet, de…

Kuriale Minuskel

(128 words)

Author(s): T. Frenz
die Textschrift der hochma. Papsturkunden seit der Verdrängung der römischen Kuriale, also seit dem 11. Jh. Es handelt sich, wohl nach dem Vorbild der Kaiserurkunden, um eine karolingische Minuskel mit langgezogenen Ober– und Unterlängen, aber ohne aufwendige Verzierungen. Im 13. Jh. trat ein maßvoller Wandel zur gotischen Schrift ein; im 14. Jh. wurde sie durch eine franz. Bastarda abgelöst. Ihre sorgfältige Ausführung und das weitgehende Fehlen von Abk. (…

Shelley, George

(111 words)

Author(s): T. Frenz
(1666–1736 ?), engl. Schreibmeister, als solcher erstmals 1699 erwähnt, 1709 «Master to the Writing School at Christ’s Hospital» in London. S. publizierte nach Vorlagen John Seddons «The Penman’s Magazine» (London 1705). Als Hauptwerk gilt «Natural Writing in all the hands . . .» (2 Bde. London 1709 / 1714) mit über 60 (teils stark verzierten) Tafeln. Ferner verfaßte er u. a. «Penna volans, after the English, French & Dutch way . . .» (London 1710). T. Frenz Bibliography Heal, Sir A.: The English Writing-Masters a…

Brevenschrift

(52 words)

Author(s): T. Frenz
Die Breven wurden zunächst in derselben gotischen Kursive geschrieben wie die übrigen Papsturkunden. Seit Eugen IV. (1431–1447), definitiv seit Pius II. (1458–1464) setzte sich die humanistische Kanzleikursive (cancelleresca italica) durch. Für die Intitulatio wurde Capitalis rustica angewandt. T. Frenz Bibliography Frenz, T.: Breve. In: Lex. d. MA. Bd. 2, Sp. 636–638.…

Peschei, Georg

(49 words)

Author(s): T. Frenz
veröffentlichte 1571 in Dresden «Ein gutte Ordnung ... Deutscher vnd Lateinischer schrifften ...» T. Frenz Bibliography Lotz, A. u. a.: Kat. der Ornamentstich-Slg. der staatlichen Kunstbibi. Bd. 2. Berlin 1939, Nr. 5255 Bonacini, C.: Bibliografia delle arti scrittorie e della calligrafìa. Florenz 1953, S. 266, Nr. 1406.

Kanzleiregeln

(69 words)

Author(s): T. Frenz
Die päpstlichen K. (d.h. vor allem die Bestimmungen über die päpstlichen Pfründenreservationen) wurden seit der Zeit Pauls II. (1464-1471) im Druck herausgegeben (H 630-638, 9217-9230, 12485-12489; C 227-230; R 10-11, 221, 569, 657, 801, 1546, 1666, Suppl. 149; GW 909-928), während zuvor sogar die Anfertigung beglaubigter Abschriften verboten war: ein Beispiel dafür, wie der Buchdruck Öffentlichkeit herstellte. T. Frenz Bibliography Ottenthal, E. v.: Reg…

Oberlänge

(110 words)

Author(s): T. Frenz
deijenige Teil eines Minuskelbuchstabens (Minuskel), der über die Mittellänge hinausragt. Die O.n nehmen vor allem in der gotischen Schriftepoche immer mehr zu und können ein Mehrfaches der i Höhe erreichen; diese Maße bleiben auch in den neuzeitlichen Kurrentschriften erhalten. Die humanistische Minuskel hat nach dem Vorbild der karolingischen Minuskel wieder relativ kurze O.n. Handgeschriebene Schriften haben gewöhnlich abgestufte O.n, d. h. nicht al…

Gotische Kursive

(51 words)

Author(s): T. Frenz
die aus der gotischen Minuskel seit dem 13. Jh. entwickelte Kursivschrift, vor allem gekennzeichnet durch die Schlingenbildung als Folge mitgeschriebener Luftlinien, Rechtsneigung und Unterlängen bei s und f; sie wird in der Neuzeit weiterentwickelt zur Current. Zu den Kursivschriften der Antike besteht keine Beziehung. Gotische Schrift T. Frenz

Lesezeichen

(462 words)

Author(s): T. Frenz
1. Das Wort L. wird gelegentlich als Synonym für Interpunktion oder Satzzeichen verwandt. 2. L. (oder Buchzeichen) dienen dazu, in einem Buch eine bestimmte Seite zu bezeichnen, die entweder häufig aufgeschlagen wird oder an der die Lektüre fortgesetzt werden soll. Sie sollen den Leser auch davon abhalten, Eselsohren anzubringen oder das Buch aufgeschlagen mit der Decke nach oben hinzulegen. Im MA verwendete man in der Regel Pergamentstreifen als L., die oben geknickt wurden, damit sie nicht ins Buch hineinrutschen konnten, teils auch geflochtene oder g…

Wagner, Leonhard

(299 words)

Author(s): T. Frenz
(auch Wirstlin, Würstlin genannt), Kalligraph und Schreiblehrer, * 1454 in Schwabmünchen, † 1. 1. 1522 in Augsburg. W. trat 1472 in das Kloster St. Ulrich und Afra in Augsburg ein, wo er seit 1479 bis zu seinem Tode als Schreiber tätig war. Eine von ihm selbst erstellte Liste zählt 49 Titel zum Teil sehr umfangreicher Werke auf; eine weitere Hs. wurde 1977 bei der Öffnung des Simpert-Schreins in Augsburg gefunden. Von Oktober 1500 bis Februar 1502 war er in Irsee, von Mai 1508 bis Juli 1509 in Z…

Mönchsschrift

(17 words)

Author(s): T. Frenz
veralteter Terminus für die ma. Buchschrift, vor allem für gotische Minuskel bzw Tex–tura. T. Frenz

Writ

(166 words)

Author(s): T. Frenz
nennt man eine bestimmte Art von Urkunden des engl. Königs, die sich durch eine bes. einfache äußere Form und knappe Diktion auszeichnen, die gewöhnlich verschlossen versandt werden. Sie sind nachweisbar seit der Zeit Edwards des Bekenners (1042–1066), wurden von den normannischen Königen übernommen und bis in die Neuzeit hinein ausgestellt. Die Sprache ist zunächst das Altenglische, das unter Wilhelm I. (ab 1066) vom Lat. abgelöst wird. Das Siegel wird sur simple queue angebracht («abhangendes»…

Englische Schreibschrift

(125 words)

Author(s): T. Frenz
(früher auch: Englische Kurrent), die im 18./19. Jh. aus der humanistischen Cancelleresca entwickelte kursive Handschrift, die sich in einigen Buchstabenformen (z. B. dem p) vom Gebrauch der romanischen Länder unterscheidet. Sie macht durch das weitgehende Fehlen von Schmuckelementen und die Neigung zum Schnurzug, bes. seit Erfindung der Stahlfeder, einen sehr nüchternen, «seelenlosen» Eindruck. In Deutschland wurde sie bis 1941 als Schönschrift und für fremdsprachliche Texte und Wörter als zwei…

Sallando, Pierantonio

(58 words)

Author(s): T. Frenz
* ca. 1460 in Reggio nell’Emilia, † 1539 / 1540 in Bologna, Schreiblehrer an der Univ. Bologna seit 1489, Kalligraph. Von S. sind 1483–1510 elf Hss. in humanistischer Minuskel und Kursive überliefert. T. Frenz Bibliography Wardrop, J.: P. S. and Girolamo Pagliarolo scribes to Giovanni II Bentivoglio. In: Signature N.S. 2. 1946, S. 4–30, Taf.S. 40

Minuskeln

(143 words)

Author(s): T. Frenz
nennt man, im Gegensatz zu den Majuskeln, solche Schriften, bei denen die Buchstaben desselben Alphabets unterschiedliche Höhe haben. Eine Kernzone, deren unteren Rand die Zeile, ist allen Buchstaben gemeinsam. Einige Buchstaben beschränken sich auf dieses Mittelband, andere überschreiten es nach oben ( Oberlänge) oder nach unten ( Unterlänge) Buchstaben mit Ober– und Unterlänge finden sich in der Regel nur in Kursivschriften ( Kursive,Kursivtypen). Die M. können also in ein Schema von vier Hilf…

Romana litera

(21 words)

Author(s): T. Frenz
nennen die Schreibmeister des 16. bis 18. Jh.s die humanistische Minuskel (Humanistische Schrift) und/oder die Capitalis. T. Frenz

Rota

(73 words)

Author(s): T. Frenz
(span, rueda) ein aus zwei konzentrischen Kreisen mit Quadrantengliederung gebildetes Zeichen (häufig mit Eintragung einer Devise), das auf bestimmten päpstlichen, südital. und span. Urkunden unter den Text gesetzt wurde. Rota unter einem päpstlichen Privileg. 1102. T. Frenz Bibliography Lex. d. MA. Bd. 7, S. 1031–1032 Dahlhaus, J.: Aufkommen und Bedeutung der Rota in der Papsturkunde. In: Graphische Symbole in Urkunden. Beiträge zur diplomatischen Semiotik. Hrsg, von P. Rück. Sigmaringen 1996, S. 407–423.

Roland, Andre Francois

(63 words)

Author(s): T. Frenz
franz. Schreibmeister, Autor von «Le Grand Art d'Ecrire» (Paris 1758), «Nouveau livre d'ecrire ronde, batarde et coulee» (Paris o.J.), und «Prin-cipes demontres des difFerentes ecritures les plus usitees» (Paris 1766). R. behandelt vor allem die franz. Bastard-schriften. T. Frenz Bibliography Thieme-Becker Bd. 28, S. 531-532 Bonacini, C.: Bibliografia delle arti scrittorie e della calligrafia. Florenz 1953, Nr. 1552 bis 1556.
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