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Vincula

(274 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (wörtl. “Fesseln”). Schon nach den XII Tafeln (tab. 3,3; tabulae duodecim ) konnte der Gläubiger zum Zwecke der Zwangsvollstreckung den Schuldner in v. legen. Damit wurde eine Schuldhaft begründet. Sie zielte zunächst auf die Erzwingung der Schuldzahlung durch den Schuldner selbst oder einen Dritten, war aber auch Durchgangsstadium dazu, über den Schuldner persönlich nach Ablauf einer Frist zu verfügen, ihn z. B. in die Sklaverei zu verkaufen oder ihn in Schuldknechtschaft die Summe, zu der er verurte…

Kreuzigung

(140 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Die K., lat crux oder damnatio in crucem (“Verurteilung zur K.”), griech. in hell. Zeit ἀνασταύρωσις/ anastaúrōsis (das bei Hdt. 3,125 und wohl auch noch bei Xenophon [10] von Ephesos 4,2 aber eher “Pfählen” bedeutet), war nur eine von mehreren Arten der Vollstreckung einer Todesstrafe (II.) im röm. Reich. Sie kommt dort verm. aus der Gefahrenabwehr gegenüber Sklaven im Rahmen der coercitio (“Zwangsgewalt”) durch die tresviri [1] capitales. Die K. hatte vielleicht orientalische und punische Vorbilder und war zur Zeit der K. Jesu eine typische Ma…

Suppositio Partus

(18 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Im röm. Recht die strafbare Handlung der Kindesunterschiebung, partus suppositus . Schiemann, Gottfried

Sectio bonorum

(81 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (“Vermögensverkauf”) ist das Modell für die röm. Vermögensvollstreckung ( missio in possessionem ) gegen Schuldner im röm. Recht. Blieb jemand, insbes. ein Steuerpächter ( publicani ), dem röm. Staat etwas schuldig, wurde sein ganzes Vermögen veräußert. Der Erwerber mußte die Schuld übernehmen. Der Verkaufspreis ging an den Staatsschatz ( aerarium ). Die s. b. fand auch bei den Bürgen ( praedes) statt, die der Staatsschuldner vielfach beizubringen hatte. Schulden Schiemann, Gottfried Bibliography M. Kaser, K. Hackl, Das röm. Zivilprozeßrecht 21996, 389 f…

Scheidung

(409 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Die Auflösung der Ehe durch Sch. scheint in der Ant. von Mesopotamien bis Rom überall möglich gewesen zu sein, freilich nicht immer für Männer und Frauen in gleicher Weise. So war zwar in Äg. im 1. Jt. v. Chr. Frauen ebenso wie Männern die Erklärung der Sch. möglich; im altjüd. Recht wie wohl auch in Mesopotamien war hingegen nur die Verstoßung durch den Mann bekannt. Das jüd. Recht knüpfte die Auflösung der Ehe jedenfalls in späterer, talmudischer Zeit (Halakha) zudem an Sch.-Gr…

Strafprozeß

(300 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Von einem S. im technischen Sinne kann in histor. Perspektive nur gesprochen werden, wenn sich ein Bereich der Strafverfolgung im öffentlichen (staatlichen) Interesse (Strafe, Strafrecht) von der Rechtsverfolgung im privaten Interesse (einschließlich etwaiger Privatstrafen, lat. poena ) unterscheiden läßt. Die Tatsache, daß z. B. die private Rache durch den Zwang zur Durchführung eines gerichtlichen Verfahrens kanalisiert wird, begründet noch keinen S.: Zur Wahrung des öffentlichen Friedens und d…

Gericht

(374 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Seit Beginn ant. Staatlichkeit gab es die Institution des G. Ob und wo eine Phase der Schiedsgerichtsbarkeit voranging, läßt sich nicht mehr erschließen. In den Urkunden des Alten Orients sind G. vielfach belegt [1; 2; 3]. Der jeweilige Stadtfürst oder König dürfte auch Gerichtsherr gewesen sein; daneben gab es aber in Mesopotamien auch lokale Gerichtsbarkeit (d. h. innerhalb bestimmter Gruppen) [2]. Die Schreiber waren aufgrund ihrer Ausbildung für die Tätigkeit als Richter geei…

Sponsalia

(73 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Das Verlöbnis im röm. Recht. Es hat seine Bezeichnung offenbar daher, daß in früherer Zeit die Ehe wechselseitig durch förmliche stipulatio (oder sinngleich sponsio ) der Väter beider Brautleute versprochen wurde. In der späten Republik und im Prinzipat waren die s. frei widerruflich, und es konnte nicht auf Eingehung der Ehe geklagt werden. Auch indirekte Bindungen (z. B. Vertragsstrafen, Dig. 45,1,134 pr.) waren nichtig. Schiemann, Gottfried Bibliography Honsell/Mayer-Maly/Selb, 392 f.  Treggiari, 145-160.

Signum

(264 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
(wörtl. “Zeichen”, Pl. signa). [English version] [1] (Name) s. Supernomen (Name) s. Supernomen Schiemann, Gottfried [English version] [2] (Militärwesen) s. Feldzeichen; Signale (Militärwesen) s. Feldzeichen; Signale Schiemann, Gottfried [English version] [3] Brandzeichen für Sklaven Brandzeichen, mit dem bei den Römern Sklaven kenntlich gemacht wurden (Sklaverei). Dies kam zur Verhinderung der Flucht und bei Diebstahlsgefahr vor sowie generell bei Straftätern, die zur Arbeit im Bergwerk ( in metallum) verurteilt worden und dadurch zu Sklaven geworden waren. We…

Völkerrecht

(1,338 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] I. Überblick Als ein eigenes Rechtsgebiet ist das V. in der frühen Neuzeit (v. a. durch Hugo Grotius, 1583-1645) etabliert worden. Dafür hat sich der aus dem röm. Recht stammende Begriff des ius (A.2.) gentium durchgesetzt, der in der Ant. nicht V. bezeichnete, sondern diejenigen Vorstellungen vom Recht überhaupt, die - wie man annahm - allen Völkern gemeinsam waren. Dazu gehörten auch Grundsätze, die dem V. im engeren Sinn zuzuordnen sind, wie die Unverletzlichkeit diplomatischer Vertreter (Dig. 50,7,18). Einen…

Tabulae nuptiales

(185 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (wörtl. “Ehetafeln”). In Urkunden niedergelegte Eheverträge des röm. Rechts seit der Kaiserzeit (vgl. Tac. ann. 6,45,5 zu Messalina [2] und Silius 48 n. Chr.). Die Ehe selbst war nach röm. Recht kein (förmlicher) Vertrag, sondern Geschlechtsgemeinschaft mit dem Willen zum ehelichen Leben ( affectio maritalis). Gegenstand der t.n. waren hingegen die mit der Ehe verbundenen Vermögensfragen, v. a. das Versprechen der Mitgift ( dos ) an den Mann zur Versorgung der Frau, in der Spätant. wohl auch das Versprechen von Schenkungen des Mannes vor oder wegen der Ehe ( donati…

Synallagma

(254 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (συνάλλαγμα, wörtl.: “der gegenseitige Austausch”). Griech. Ausdruck für den (Geschäfts-) Verkehr, zuweilen auch für jede rechtliche Verpflichtung, unabhängig von ihrer Begründung durch Delikt oder Vertrag; eine präzise juristische Bed. hat er nicht. Dennoch nehmen die röm. Juristen M. Antistius [II 3] Labeo (um Christi Geburt) und Titius Aristo (E. 1. Jh. n. Chr.) das griech. Wort s. im Lat. auf, um damit eine Vereinbarung zu bezeichnen, die für beide Partner Verpflichtungen begründet. Dies können insbes. auch sog. Innominatverträ…

Suizid

(449 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Der S., von neulat. suicidium (“Selbsttötung”) als Parallelbildung zu homicidium , war in der griech. und röm. Ant. Gegenstand lebhafter intellektueller Auseinandersetzung: In schematischer Gegenüberstellung kann man sagen, daß die Anhänger und Nachfolger Platons, zumal Aristoteles [6] und der Neuplatonismus den S. verurteilten, während schon einige Sophisten (Sophistik) und erst recht der Kynismus den S. als Ausdruck der individuellen Freiheit hinnahmen, ja sogar ausdrü…

Vindicta

(81 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Im röm. Gerichtsverfahren der legis actio sacramento in rem (“gesetzlichen Klage auf die Sache”) der Stab, der symbolisch an den Sklaven oder die Sache angelegt wurde, um den Anspruch des Klägers und den Gegenanspruch des Beklagten auf die Sache sinnfällig auszudrücken. Die Etym. von v. ist umstritten (dazu neuestens [1. 47 f.12]). Am wahrscheinlichsten erscheint der Zusammenhang mit vim dicere (“behaupten, die - rechtmäßige - Gewalt über die Sache zu haben”). Rei vindicatio Schiemann, Gottfried Bibliography 1 A. Bürge, Röm. Privatrecht, 1999.

Zitiergesetz

(269 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Das in der mod. Lit. sogenannte Z. ist eine Anordnung des röm. Kaisers darüber, welche Juristen früherer Jh. bei der Rechtsfindung herangezogen und zitiert werden durften. Mit der Krise des röm. Reiches in der Mitte des 3. Jh. n. Chr. verlor auch die röm. Rechtswissenschaft ( iuris prudentia ) die polit., sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen für eine produktive Fortsetzung. Die Rechts-Lit. seit dem 1. Jh. v. Chr., dem Beginn ihrer “klass.” Periode, wurde damit aus einem Fundus für den ideellen Diskurs…

Zivilrecht

(973 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English Version] . I. Z. oder Bürgerliches Recht (sinngleich oft auch: Privatrecht) bez. denjenigen Teil des geltenden Rechts, der die Beziehungen der Bürger (und der privaten Unternehmen) untereinander regelt, nämlich die Verträge zw. ihnen, die einseitigen Akte mit Wirkung für andere (wie Testamente oder Kündigungen) und die unmittelbar gesetzlich begründeten Ansprüche, z.B. auf Unterhalt, auf die Beseitigung von Störungen der Individualsphäre oder die Wiedergutmachung von Schäden. Der Begriff Z…

Damages

(858 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
Damages to compensate losses or to make good other adverse effects underwent the following developments in the early modern period: the clear distinction between damages and public penalties, associated with a shift of perspective from “revenge” on the “offender” to the need to compensate the victim; the discovery and elaboration of compensation for personal suffering other than pecuniary loss; and in general a greater attention to personal injury (death, injury to one's body and health); and la…
Date: 2019-10-14

Schadensersatz

(752 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
Sch. zum Ausgleich von Verlusten oder zur Wiedergutmachung von Beeinträchtigungen unterlag in der Frühen Nz. folgenden Entwicklungen: der klaren Trennung zwischen Sch. und staatlicher Strafe, verbunden mit einem Perspektivenwechsel von der »Rache« gegenüber dem »Täter« zum Ersatzbedürfnis des Opfers; der Entdeckung und Entwicklung einer Entschädigung für persönliche Beeinträchtigungen jenseits von Vermögensverlusten; auch sonst einer stärkeren Hinwendung zum Personenschaden (Tod, Körper- und Gesundheitsverletzung); schließlich der Zusamme…
Date: 2019-11-19

Syrisch-römisches Rechtsbuch

(282 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Das ‘S.-r. R. ist eine spätant. Rechts-Slg., die in mehreren syrischen, arabischen und armenischen Versionen verschiedenen Umfanges überl. ist. Sie war im Gebiet der oriental. Kirchen verbreitet, enthielt aber weltliches röm. Recht. Das Interesse am “Reichsrecht” in den östl. Prov. des röm. Reiches zeigt sich überlieferungsgesch. zunächst an den Sententiae Syriacae, einer Paraphrase kaiserlicher Gesetze, v. a. aus der Zeit des Diocletianus mit dem Schwerpunkt in den J. 293/4 n. Chr. Die Übers. ins Syrische erfolgte nicht unmitt…

Urteil

(88 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Das U. aufgrund gerichtlicher Verfahren wurde in der griech. und röm. Ant. ganz durch die vorangehende Klage oder Anklage bestimmt, z. B. in Athen von díkē [2] (Zivilklage) und graphḗ [1] (Strafklage). Zur Findung des U. war dann nichts zu begründen; nur die Stimmen im Entscheidungsgremium waren auszuzählen. Der “Urteiler” ( iudex ) im röm. Recht hatte im wesentlichen nur Beweise zu erheben. Die rechtliche Würdigung war vorweggenommen mit der Zulassung der Klage ( actio [2]), v. a. durch den Praetor. Prozeßrecht; Strafe, Strafrecht Schiemann, Gottfried

Vermächtnis

(72 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Der t.t. V. des mod. Rechts ist geprägt durch das röm. legatum , dessen wörtliche Übers. “V.” ist. Das röm. Recht unterschied bei der testamentarischen Regelung der Vermögensnachfolge nach dem Tod zw. der Einsetzung zum vollgültigen Rechtsnachfolger als Erbe ( heres, s. dazu Erbrecht III.) - bzw. mehrere Erben - und Zuwendung einzelner Gegenstände als V. Andere ant. Rechte enthalten keine vergleichbare Konstruktion. Fideicommissum; Testament [2] IV. Schiemann, Gottfried

Soldatenlehen

(240 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] ist der vielleicht besser als “Soldatengüter” zu bezeichnende Landbesitz, an den sich mil. Pflichten knüpften: sei es der Waffendienst des Inhabers, seien es die Stellung und Ausrüstung von Soldaten (gleichsam als Stellvertreter des Inhabers). S. in diesem Sinne kamen insbes. im Alten Orient vor. Sie sind relativ gut überl. für das Perserreich der Achaimenidai [2] (6.-4. Jh. v. Chr.) und für das Hethitische Reich (Ḫattusa II.); auch äg. Militärkolonien bestanden wohl aus aktiven …

Thesaurus

(215 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Im röm. Recht der t.t. für den Schatz, den jemand findet (Inst. Iust. 2,1,39). Der spätklass. Jurist Iulius [IV 16] Paulus (Anf. 3. Jh. n. Chr.) verwendet dafür thensaurus, den er definiert als ‘ein lange zurückliegendes Weglegen von Geld, an das keine Erinnerung mehr vorhanden ist, so daß es keinen Eigentümer mehr hat’ ( vetus quaedam depositio pecuniae, cuius non existat memoria, ut iam dominium non habeat, Dig. 41,1,31,1). Als th. wurde aber nicht nur Geld, sondern jeder Wertgegenstand angesehen. Warum man dafür ein griech. Lehnwort gebrauch…

Verbannung

(55 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Die V. ersetzte in der griech.-röm. Antike weitgehend die Todesstrafe für die Angehörigen der Oberschicht, kam aber wie im attischen ostrakismós auch als selbständige Strafe vor. Zu den Einzelheiten für Griechenland, insbesondere Athen, s. phygḗ , aeiphygía , apeniautismós , für Rom s. exilium , deportatio , relegatio . Schiemann, Gottfried

Vormundschaft

(59 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Die V. spielte sowohl im attischen Recht (vgl. epítropos [2]) als auch im röm. Recht (vgl. tutela [1]) eine wichtige Rolle. Sie bestand nicht nur gegenüber Kindern und Heranwachsenden, soweit sie nicht unter patria postestas (“väterlicher Gewalt”) waren, sondern in weitem Umfang auch als Geschlechts-V. gegenüber Frauen ( kýrios II., tutela [1] III.). Schiemann, Gottfried

Taxatio

(152 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (die “Schätzung”) ist im röm. Formularprozeß ( formula ) die Höchstgrenze, bis zu der der iudex (“Richter”) nach der Anweisung des Praetors zur Verurteilung ( condemnatio ) die Urteilssumme festsetzen durfte. Die t. kommt typischerweise vor: (1) bei der Haftung des Herrn mit dem Eigengut ( peculium ) des Sklaven oder Haussohnes aus der actio de peculio oder aus der actio de in rem verso wegen Vermögensvermehrungen durch das Handeln solcher Gewaltunterworfener ( patria potestas ), (2) bei der Einrede des Schuldners wegen einer Notlage ( beneficium competentiae) und …

Spado

(135 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Der lat. Ausdruck für den Eunuchen, aber auch für den unabhängig von einer Kastration ( castratio ) nicht Zeugungsfähigen (Ulp. Dig. 50,16,128). Für den s. galten im röm. Recht familien- und erbrechtliche Besonderheiten: Während aus dem 2. Jh. n. Chr. die Regelung überliefert ist, daß der s. generell zur Adoption fähig ist (Gai. inst. 1,103), wird unter Iustinianus (6. Jh n. Chr.) differenziert: Die ältere Regel gilt nur noch für den s. aus natürlichen Gründen, nicht für Kastrierte (Inst. Iust. 1,11,9). Dies entspricht einer generellen Tendenz g…

Tabulae duodecim

(940 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
(‘Zwölf Tafeln oder vollständiger lex duodecim tabularum, ‘Gesetz der Zwölf Tafeln), die wichtigste Gesetzgebung der röm. Republik. Sie haben ihren Namen davon, daß man sie angeblich auf 12 eichene ( roboreas, wie es richtiger statt eboreas, “elfenbeinern”, bei Pomp. Dig. 1,2,2,4 heißen müßte) Tafeln aufschrieb. Inschr. sind sie aber nicht überl.; Text und Inhalt müssen aus der ant. Lit. rekonstruiert werden. Aus der Schilderung des Gesetzgebungsvorganges bei ant. Schriftstellern (v. a. Liv. 3,32 ff.) läßt sich ihre Entstehung um 450 v. Chr. vermuten. [English version] I. Anl…

Scriptura

(111 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (wörtl. “das Aufgeschriebene”), bezeichnet im juristischen Bereich alle röm. Urkunden, und (mit der Zunahme der Schriftlichkeit) seit dem Prinzipat, v. a. aber in der Spätant., u. a. das Testament, den Schuldschein ( cheirógraphon ), überhaupt den Vertrag, aber auch eine Rechtsansicht oder eine rechtliche Entscheidung, soweit diese schriftlich niedergelegt waren. In einem engeren Sinne - wohl daher, daß die röm. Steuerpächter ( publicani ) das Geschäft zur Überlassung von öffentlichem Weideland an private (Unter-) pächter aufschrieben - war s. das Entgel…

Gesetzgebung

(232 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] ist in der Ant. sowohl Gegenstand praktischer Politik (Rechtskodifikation) als auch theoretischer (politikwiss. und rechtsphilos.) Reflexion. Letztere wurde von den Griechen erstmals (als nomothesía) thematisiert und sogleich auf einen Höhepunkt der Geistesgeschichte geführt, v. a. in Platons [1] Spätwerk über die Gesetze ( Nómoi). Platons Auffassung von G. dürfte, vermittelt wohl auch durch Cicero mit seiner Theorie der G. ( De legibus), nachhaltigen Einfluß auf die G. der röm. Kaiserzeit und hierdurch auf die europäische Rechtswissensch…

Translatio

(146 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] [1] s. Status [1] A. s. Status [1] A. Schiemann, Gottfried [English version] [2] juristischer Ausdruck T. iuris (“Übertragung des Rechts”) kommt in der berühmten Sentenz zum Ausdruck: ‘Niemand kann mehr Recht auf einen anderen übertragen, als er selbst hat’ ( nemo plus iuris transferre potest quam ipse habet, Ulp. Dig. 50,17,54). Dieser “Merksatz” vom Anf. des 3. Jh. n. Chr. spiegelt die Vorstellung des klass. röm. Rechts wider, daß subjektive Rechte nicht - wie in der früheren Gedankenwelt - in der Person jedes Inhabers neu e…

Vindicius

(154 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (auch Vindex: Pomp. Dig. 1,2,2,24). Eine Legendengestalt der röm. Geschichtsschreibung, z. B. Liv. 2,4,5-10. V. soll als Sklave eine Verschwörung der Tarquinii (vgl. Tarquinius [7; 12]) zur Wiederherstellung der Königsherrschaft im J. 509 v. Chr. entdeckt haben. Zur Belohnung soll er freigelassen und in den röm. Bürgerstand aufgenommen worden sein. Möglicherweise diente diese Legende zur “histor.” Erklärung dafür, daß die Freilassung nach röm. Recht zum Erwerb des Bürgerrechts füh…

Verbera

(122 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (wörtl. “Schläge”), z. B. mit dem Stock ( ferula) oder Peitschen ( flagella), waren in Rom ein Mittel der Züchtigung ( castigatio). Sie kamen vor als eigenständige (Polizei-)Strafe v. a. gegenüber Sklaven und Angehörigen der Unterschicht ( humiliores, s. honestiores ) im Rahmen der Polizeigewalt der Magistrate ( coercitio ), insbes. der tresviri capitales in republikanischer Zeit, dann des Kaisers und seiner Beauftragten sowie der Provinzgouverneure. V. waren ferner - wie von der Geißelung Jesu bekannt - im röm. Strafrecht eine “Nebenstrafe”,…

Vidua

(17 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Lat. Ausdruck und t.t. des röm. Rechts für die Witwe (II.). Schiemann, Gottfried

Verleumdung

(98 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] Die V. wurde als schwere Persönlichkeitsverletzung sowohl im griech. (att.) Recht als auch im röm. Recht verfolgt. In Athen dürfte die V. unter den Tatbestand der kakēgoría (vgl. auch loidoría ) gefallen sein und zu einer Geldbuße auf private Klage hin geführt haben. Im röm. Recht war die V. ebenfalls ein Privatdelikt als eine Ausprägung der iniuria (Rechtsverletzung). Mit der V. verwandt war möglicherweise das carmen famosum (“Spottgedicht”) der 12 Tafeln ( tabulae duodecim ). Eine qualifizierte Art der V. war die röm. calumnia (falsche Ansc…

Supplicium

(229 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (“Strafe”, = St.) wird im röm. Recht ähnlich wie poena verwendet, jedoch beschränkt auf die “öffentliche” St. (Strafrecht) und spezieller die Todesstrafe. Darüber, wie s. (urspr. wohl: Bitte um Vergebung) die Bed. einer St. erh. hat, sind nur Spekulationen möglich. Die Zwölf Tafeln (5. Jh. v. Chr.) kennen zwar die Todes-St. in einigen Fällen, jedoch überwiegend als private St.; sie wird in den Berichten über das Gesetz nicht als s. bezeichnet. Mehrfach ist in den Quellen von einem s. more maiorum (“St. nach der Vätersitte”) die Rede (Nachweise [1. 204-207…

Tergiversatio

(171 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried
[English version] (wörtl. etwa “das den Rücken Wenden”). Im röm. Recht die Abwendung des privaten Anklägers im Strafverfahren ( accusatio , delatio nominis ) von der durch ihn eingeleiteten Verfolgung des Angeklagten. Die t. führte seit dem SC Turpillianum (61 n. Chr.) zu einem Strafverfahren gegen den Ankläger selbst. Bei ungerechtfertigtem Rücktritt wurde die t. mit einer Geldbuße bestraft (Dig. 47,15,3,3). Darüber hinaus erlitt der private Ankläger den Verlust der Amtsfähigkeit und bürgerlichen Ehre ( infamia , Dig. 48,16,2). Der vom (zurückgetret…

Instrumentum

(319 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der Begriff i. (“Errichtetes”, “Eingerichtetes”) hat in der röm. Rechtssprache sehr unterschiedliche Bed.: 1. In der Kaiserzeit, vor allem in der Spätant., ist das i. die von einem Urkundenschreiber ( tabellio ) über ein privates Rechtsgeschäft oder (als i. publicum) von einer Behörde über private oder öffentliche Angelegenheiten aufgenommene Urkunde. Das i. publicum und das von drei Zeugen schriftlich bestätigte und vom tabellio gleichfalls schriftlich als echt bezeugte i. des Urkundenschreibers hatten im spätant. Prozeß bis zum Beweis einer Fäl…

Partus ancillae

(171 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] das Sklavenkind, wird nach röm. Recht - ähnlich wie das Junge eines Haustiers ins Eigentum des Halters des Muttertieres fällt - als Sklave des dominus der Mutter geboren. Dies entspricht dem allg. Prinzip, daß ein Kind den Status seiner Mutter erwirbt (Gai. inst. 1,81f.). Zum Vater entsteht keinerlei rechtliche Beziehung. Erst bei Iustinianus [1] (527-565 n.Chr.) gibt es Ansätze dafür, zw. (freigelassenem oder von Geburt an freiem) Vater und Kind wenigstens erbrechtlich die Rechtsfolgen nichtehelicher Abstammung eintreten zu lassen ( naturales liberi

N. N.

(25 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Abkürzung des Blankettnamens N(umerius) N(egidius), der im röm. juristischen Schrifttum zur Bezeichnung des Beklagten dient; Korrespondenzbegriff zu A.A. Schiemann, Gottfried (Tübingen)

Manumissio

(14 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der t.t. für die röm. Freilassung (C.). Schiemann, Gottfried (Tübingen)

Orbi

(121 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Die “Kinderlosen”, die nach röm. Recht seit Augustus gewisse Rechtsnachteile erfuhren: Zur Förderung des Kinderreichtums wurden Frauen mit mehreren Kindern nach der lex Iulia de maritandis ordinibus und nach der lex Papia begünstigt ( ius liberorum ) und als “Kehrseite” hiervon Kinderlose (Frauen wie Männer) in ihrer Fähigkeit ( capacitas) zum Erwerb von Erbschaften und Vermächtnissen beschränkt: Was den o. testamentarisch hinterlassen war, fiel ihnen nur zur Hälfte (dem überlebenden Ehegatten sogar nur zu einem Zehntel) zu. Der verbleibende Rest wurde als cad…

Persona

(191 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] [1] s. Maske s. Maske Schiemann, Gottfried (Tübingen) [English version] [2] Juristisch Juristisch. P. ist zwar ein in die Gegenwartssprache eingegangenes Lehnwort aus dem Lat., hat dort aber noch überhaupt nicht die zentrale Bed. wie in der mod., nach-vernunftrechtlichen Rechtskultur (vgl. Person). Ulp. Dig. 50,17,22 pr. spricht zwar von einer p. versilis, also der Persönlichkeit (auch) eines Sklaven. Dies steht jedoch im Zusammenhang mit der Feststellung, daß den Sklaven gerade keine rechtlichen Ansprüche zustehen. Vielmehr war …

Carcer

(279 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der Ort der persönlichen Haft im röm. Recht wird von Varro ling. 5,151 von coercere abgeleitet, steht also in Zusammenhang mit der Befugnis des Magistrats zu unmittelbarer Gewaltanwendung ( coercitio ), nicht mit Sanktionen gegen strafbares Verhalten. ‘Der c. muß zur Verwahrung, nicht zur Bestrafung von Menschen unterhalten werden’: carcer enim ad continendos homines, non ad puniendos haberi debet (Ulp. Dig. 48,19,8,7). Für Privatdelikte wie für andere Obligationen, die zur Haftung des Schuldners mit seiner eigenen Person führten, regel…

Ignorantia

(167 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Von der i., auch ignoratio (Unkenntnis), handelt eine alte röm. Rechtsregel. Nach Paulus (3. Jh. n.Chr., Dig. 22,6,9 pr.) lautet sie: iuris i. nocet, facti vero i. non nocet (‘Rechtsunkenntnis schadet, Tatsachenunkenntnis aber nicht’). Seit dem MA spricht man eher von Irrtum ( error). Bei den Römern hat man error und i. vermutlich gleich bewertet: Der Rechtsirrtum hindert weder die Verantwortlichkeit für eigenes (“straf”- wie zivilrechtliches) Verhalten, noch die Wirksamkeit des consensus bei Rechtsgeschäften unter Lebenden oder …

Modus

(273 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] hat im röm. Recht zweifache Bed.: Zum einen bezeichnet es das “Maß” v.a. von Grundstücken, zum anderen - der Sache nach - dasselbe wie der mod. Begriff der Auflage (bei einer Schenkung oder einer testamentarischen Begünstigung). M. agri (die Grundstücksgröße) war Gegenstand einer aus Paul. sent. 2,17,4 bekannten Klage ( actio de modo agri): War der Preis für ein Grundstück nach der Größe seiner Fläche berechnet, konnte der Erwerber als Privatstrafe vom Veräußerer das Doppelte des anteiligen Preises verlangen, wenn sich herausstellt…

Dictio dotis

(219 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Im röm. Recht das einseitige Versprechen, eine Mitgift ( dos ) zu gewähren. Proculus (Dig. 50,16,125) gibt das Formular zu dieser Erklärung mit den Worten wieder: dotis filiae meae tibi erunt aurei centum (‘als Mitgift für meine Tochter werden dir 100 Goldstücke zur Verfügung stehen’). Außer dem Brautvater konnten auch andere männliche Vorfahren der Braut, die Braut selbst und gemäß ihrer Anweisung ihr Schuldner (z.B. ihr früherer Ehemann, der ihr die dos, die er seinerzeit bei der Eheschließung der Frau erhalten hatte, aufgrund der actio rei uxoriae herausgeben m…

Capitale

(84 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Das Wort c. verwendeten die Römer, wann immer es um die Todesstrafe (auch poena capitis) ging: für das Verbrechen selbst, das Strafverfahren und den Ausspruch und Vollzug der Strafe, aber auch bei Verlust der persönlichen Freiheit oder des Bürgerrechts ( deminutio capitis ) und insbes. beim Exil ( exilium ), seitdem diese in spätrepublikanischer Zeit tatsächlich an die Stelle der Todesstrafe für röm. Bürger getreten war. Schiemann, Gottfried (Tübingen) Bibliography E. Cantarella, I supplizi capitali in Grecia e a Roma, 1991.

Naturales liberi

(325 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (auch: liberi naturales), die “natürlichen Kinder”, waren in der Spätant. die Kinder aus einer nichtehelichen Gemeinschaft ( concubinatus ). Gegenüber anderen Kindern nichtehelicher Abkunft ( spurius ) waren sie vielfältig privilegiert. So gab es nur für die n.l. die Möglichkeit einer Legitimation, also des späteren Erwerbs der Rechtsstellung ehelicher Kinder ( legitimi). Zunächst wohl als Anreiz zur Eheschließung der Konkubinatspartner gedacht, bewirkte seit Constantinus [1] d.Gr. die Ehe der Eltern die volle Stellung ehelicher Kinder für die n.l. (Legit…

Tutela

(1,406 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried | Sehlmeyer, Markus
[English version] [1] Vormundschaft (lat. “Vormundschaft”, von tueri, “schützen”). Schiemann, Gottfried [English version] I. Begründung und Arten der Vormundschaft Die t. kam im röm. Recht als t. über Unmündige ( impuberes) und über Frauen ( t. mulierum) vor und betraf Personen, die nicht der persönlichen Herrschaft des Familienvaters ( pater familias ) oder Ehemannes ( manus ) unterworfen und daher “eigenen Rechts” ( sui iuris) waren. Als tutor legitimus (“gesetzlicher Vormund”) waren nach den XII Tafeln ( tabulae duodecim ; tab. 5,6, ca. 450 v. C…

Petitio

(262 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Das Wort p. (das “Begehren”) wird für bestimmte Klagearten im röm. Formularprozeß gebraucht ( formula ), so für die actio (Klage), die auf einen bestimmten Gegenstand oder eine bestimmte Summe erhoben wird (Dig. 12,1), oder die Klage des wahren Erben gegen den Besitzer einer Erbschaft ( hereditatis p., Dig. 5,3; Cod. Iust. 3,31). Außerdem werden die im Kognitionsverfahren ( cognitio ) erhobenen Ansprüche meist als p. bezeichnet. Eine genaue begriffliche Abgrenzung zw. actio, p. und persecutio (Rechtsverfolgung) enthalten die röm. Quellen nicht; sie ist …

Abortio

(171 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] auch partus abactio, ist die Abtreibung im spätröm. Recht. Lange Zeit ist die a. in Rom offenbar ebensowenig wie im griech. Rechtskreis ( amblosis ) strafbar gewesen. In einer Rechtsordnung, die sogar die Kindesaussetzung zuließ, war dies konsequent. Möglicherweise sorgte freilich der Zensor für eine wirksame soziale Kontrolle gegenüber evidenten Mißbräuchen. Erst mit einem Reskript von Sept. Severus und Caracalla (vgl. Marcianus Dig. 47,11,4) wurde das Exil über abtreibende verheirat…

Mater familias

(131 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Während das Wort pater familias eine klar definierte Rechtsstellung bezeichnet, wird die röm. Familienmutter mit m. f. eher ges. als juristisch gekennzeichnet. Zunächst war m. f. der Ehrentitel für die Ehefrau, die in der manus (Hausgewalt) ihres Mannes lebte und mit ihm Kinder hatte. Ihre soziale Stellung war im Gegensatz (und in Kompensation) zu ihrer Rechtsstellung ( manus ) hoch. Sie hatte den Vorrang vor allen anderen Hausgenossen außer ihrem Ehemann. Später, als die manus-Ehe schon außer Gebrauch war, verlor der Ausdruck m. f. - nun im wörtlichen Sinne…

Coemptio

(140 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Wohl der übliche Geschäftstyp zur Begründung einer Ehe, in der die Frau in dem Gewaltverhältnis der manus stand. Als Brautkauf - und sei es auch nur in einer sehr frühen Entwicklungsphase - wird man die c. nicht ohne weiteres deuten können, da sie an das Formalgeschäft der mancipatio anknüpft, das sich schon sehr früh von dem in der Form selbst abgebildeten Lebensvorgang gelöst hat. Urspr. dürfte der Brautvater die Gewalt über seine Tochter auf den Bräutigam “übertragen” haben. Später trat wohl die Frau sel…

Rescriptum

(211 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (das “Antwortschreiben”) ist eine der wichtigsten Quellen des röm. Kaiserrechts. Bei Gai. inst. 1,5 wird das r. noch einfach als epistula (“Brief”) bezeichnet, aber den constitutiones (“Kaisergesetze”) zugerechnet. Der Kaiser schon der Prinzipatszeit erhielt Anfragen und Anregungen von Beamten und Privatpersonen in allen erdenklichen Angelegenheiten. Darauf antwortete der Kaiser entsprechend der Vorbereitung in der Kanzlei ab epistulis mit einem r., dessen Entwurf archiviert wurde. Seit Hadrianus (Anf. des 2. Jh. n. Chr.) ersetzten die rescripta immer…

Decollatio

(195 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Im röm. Recht die “einfache” Todesstrafe der Enthauptung (daher auch: capitis amputatio) im Gegensatz zu Verbrennung bei lebendigem Leibe ( crematio ) und Kreuzigung ( crux ). Alle drei Hinrichtungsarten erscheinen in Paul. sent. 5,17,2 als summa supplicia (schwerste Strafen). Jedenfalls seit Caligula war ferner die Todesstrafe durch damnatio ad bestias (Tierkampf in der Arena) verbreitet. Typischerweise wird die d. an Freien der besseren Stände ( honestiores ), crematio und crux hingegen an einfachen Freien ( humiliores ) und Sklaven vollzogen. Die d. dürfte …

Spurius

(296 words)

Author(s): Steinbauer, Dieter | Schiemann, Gottfried
[English version] [1] lat. Praenomen Lat. Praenomen, Sigle erst S., dann, als es seltener wurde, ab ca. 100 v. Chr., SP. Das seltene Gent. Spurīlius ist vom nicht belegten Deminutiv abgeleitet. Einige wenige Belege finden sich auch in ital. Sprachen, z.B. osk. Spuriís (mit dem PN gleichlautendes Gent.). Der Vok. bildet die Grundlage des seit dem 7. Jh. v. Chr. bezeugten etr. PN Spurie. Das etr. Gent. Spurie/ana- wird in jüngerer Lautung als Spurinna ins Lat. übernommen. Die Etym. des (nicht etr.!) Namens ist umstritten; ein direkter Bezug zu spät bezeugtem lat. spurius “illegitim(e…

Crux

(332 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Herkunft und Verbreitung der Kreuzigung in den ant. Rechten sind wenig bekannt. Für das klass. Griechenland ist sie wohl nicht nachweisbar [1]. Herodot (1,128; 4,43; 202) berichtet über sie als Vollstreckungsart bei den Barbaren, Polybios (1,24,6) bei den Puniern. Wenig wahrscheinlich ist die Rezeption gerade des pun. Beispiels durch die Römer [2] (anders aber noch [3; 4]). C. als Todesstrafe kommt bei den Römern allerdings etwa seit 200 v.Chr. vor (vgl. Plaut. Mil. 359). Vermutlich haben damals die tresviri capitales zur Abschreckung der…

Manus

(598 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] M. wird im röm. Recht im Sinne der “beherrschenden und schützenden Hand” als Ausdruck für ein familienrechtliches Herrschaftsverhältnis verwendet. Urspr. dürfte m. die Hausgewalt des Familienoberhaupts ( pater familias ) sowohl über seine Kinder ( patria potestas ) als auch über seine Ehefrau bezeichnet haben. Schon im Zwölftafelgesetz (5. Jh.v.Chr.) wird aber die väterliche Gewalt gesondert behandelt. So verengt sich die Bedeutung von m. auf die Machtstellung des Mannes gegenüber der Ehefrau. Am besten unterrichtet werden wir über die m. durch die ‘Instit…

Institutiones

(371 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Aus dem Begriff institutio (Unterricht) haben wohl als erste die röm. Juristen I. im 2. Jh. als Werktitel für einführende Lehrbücher abgeleitet. Die Bed. dieser röm. Lit.-Gattung für die europ. Rechtsgesch. geht weit über diejenige hinaus, die man im allg. von ant. didaktischen Einführungswerken erwarten kann: Als die Arbeiten zur Kodifikation des röm. Juristenrechts in der Gestalt der Digesta so weit fortgeschritten waren, daß deren Gelingen sicher erscheinen mochte, beauftragte Kaiser Iustinian im J. 533 n.Chr. seinen Gesetzgebungsmi…

Concussio

(160 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Als c. (Erpressung) werden in den Dig. (Titel 47,13) Fälle einer erzwungenen Vorteilsgewährung an einen Amtsträger zusammengestellt. Möglicherweise handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Repetundenverfahrens ( repetundarum crimen ). Das strafbare Verhalten im Amt durch c. wurde aber nicht in einem iudicium publicum verfolgt, sondern durch extraordinaria cognitio . Es dürfte daher auch erst im Laufe des Prinzipats (2. Jh.n.Chr.) als eigenes Delikt erfaßt worden sein. Als Mittel der c. erwähnen die Quellen die Vorspiegelung einer (höheren) Amt…

Inscriptio

(117 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der t. t. für die Quellenangaben am Anf. der Frg. der Digesten ( Digesta ) und der Konstitutionen des Cod. Iustinianus (Codex II C). Bei den Digesta wird der Autor aus klass. Zeit (z.B. Ulpian), sein Werk (z.B. ad edictum = Ediktskomm.) und das “Buch” daraus (z.B. libro quinto für 5. B.) angegeben, beim Cod. Iustinianus - wie schon im Cod. Theodosianus - der Kaiser, der die Konstitution erlassen hat, und der Adressat. Die i. der Digesta waren die wichtigste Hilfe zur Rekonstruktion der klass. Juristenschriften aus dem 1. Jh. v.Chr. bis zur Mitte des 3. J…

Carmen famosum

(160 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Das c.f. (nach Paul. sent. 5,4,6) oder malum carmen (Schmähgedicht) steht neben der occentatio in den Straftatbeständen der XII Tafeln (8,1). Dieser Tatbestand war möglicherweise schon den ant. Schriftstellern (z.B. Cic. rep. 4,12) nur schwer verständlich, insbes. wegen der für eine bloße Beleidigung überaus schweren Sanktion: wahrscheinlich die Todesstrafe. Freilich handelte es sich um eine Privatstrafe, also um kaum mehr als eine rechtlich zugelassene Form privater Rache.…

Crematio

(319 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (Feuertod) war eine Vollstreckungsart der röm. Todesstrafe. Dabei mag urspr. dem Verletzten selbst und seinen Agnaten ( agnatio ) die Ausführung im Wege einer gleichsam “kanalisierten” Privatrache überlassen worden sein. Das gerichtliche Strafverfahren diente dann nur zur Feststellung der Berechtigung des Anklägers, die private Strafe vorzunehmen. In diesem Sinne dürfte der Bericht des Gaius in seinem Komm. zu den Zwölf Tafeln (Dig. 47,9,9) zu verstehen sein, wonach dieses Geset…

Latini Iuniani

(372 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Röm. Freigelassene, deren Freilassung ( manumissio ) aber Mängel aufwies, deretwegen der Freigelassene nicht das Bürgerrecht erhielt und auch sonst eine im Vergleich zu anderen Freigelassenen mindere Rechtsstellung erhielt. Die Bez. L.I. geht auf eine lex Iunia ( Norbana?), wahrscheinlich aus dem J. 19 n.Chr., zurück. Darin wurden bestimmte Gruppen von Freigelassenen rechtlich den Latini coloniarii (Inhabern des Bürgerrechts in einer latin. Kolonie) gleichgestellt. Sie hatten daher wie diese keine polit. Rechte (insbes. kein Wahlrech…

Crimen

(830 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] A. Öffentliche Strafverfolgung Die rechtstechnische Kategorie der klass. röm. Jurisprudenz der Prinzipatszeit für das im öffentlichen Strafverfahren ( iudicium publicum) auf Anklage ( accusatio ) verfolgte Verbrechen. Ähnlich wie privatrechtliche Rechtsfiguren im röm. Recht nicht als Merkmale alltäglicher Rechtsverhältnisse, sondern als Angriffs- und Verteidigungsmittel im Prozeß ( actio , exceptio ) aufgefaßt werden, gehört auch der Begriff des c. vor allem in ein prozessuales Bedeutungsfeld. Daher taucht c. in den Quellen am häufigsten im Zusa…

Interpolationenkritik

(394 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Mit I. bezeichnet man in der röm. Rechtsgesch. v.a. die Unt. der Texte des Corpus Iuris in der überlieferten Fassung auf Verfälschungen gegenüber dem Original. In bes. Maße betrifft dies die Frg. aus den Schriften klass. Juristen (1. Jh. v.Chr. 3. Jh. n.Chr.) in den Digesta , aber auch die Institutiones im Vergleich zu ihren Vorlagen und sogar die älteren Kaisergesetze, die im Codex Iustinianus zusammengestellt worden sind. Hinsichtlich der Digesten gab Kaiser Iustinian selbst schon in seinem Auftrag an die Gesetzgebungskommission aus dem J…

Freilassung

(1,150 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] A. Frühe Rechte Nicht für alle ant. Rechte ist die F. von Sklaven überliefert. So fehlen in den mesopotam. Gesetzen von Eschnunna und Hammurapi jegliche Regelungen [1. 161]. Auch von F. im hethit. Recht ist nichts bekannt. Für Ägypten hingegen wird die Existenz von F. angenommen, wobei freilich die Einordnung der nicht (voll) freien “Hörigen” als Sklaven überhaupt umstritten ist [2. 147]. Hiernach liegt es nahe, daß auch die Rechtsordnungen Griechenlands und Roms nicht von Anfang an die F. gekannt haben. Schiemann, Gottfried (Tübingen) [English version] B. Griec…

Nomen

(57 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (Pl. nomina). Im röm. Recht die Bezeichnung für Forderungen. Gai. inst. 128-133 unterscheidet zw. “Kassenforderungen” ( nomina arcaria), die z.B. aus Darlehen ( mutuum , s. auch condictio ) begründet sind, und “Buchforderungen” ( nomina transscripticia), die durch die Eintragung im “Hauptbuch” des Gläubigers selbständig als Verpflichtung aus einer litterarum obligatio entstehen. Schiemann, Gottfried (Tübingen)

Castigatio

(166 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Ausdruck für eine Erziehungsmaßnahme, wie bereits dem Wortsinn ( castum agere, “zum Reinen bringen”) zu entnehmen ist. Vielfach ist die Haftung des Züchtigenden gegenüber dem Gezüchtigten für die Folgen der c. ausgeschlossen, so beim Lehrherren gegenüber dem gemaßregelten Lehrling (z.B. Dig. 9,2,5,3). Dasselbe gilt für den Hausvater gegenüber den Kindern und für den Herrn gegenüber den Sklaven (Dig. 7,1,23,1; 48,19,16,2). Die c. als polizeiliche oder richterliche Maßnahme knüpft teilweise an solche private Herrschaftsverhältnisse an, so ge…

Elogium

(286 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] [1] Röm. Ehreninschrift für Verstorbene Eine röm. Ehreninschrift auf dem Grab eines vornehmen Verstorbenen, an Statuen, Wachsmasken in Gebäuden oder auf öffentlichen Plätzen. Die Zensoren des J. 158 v.Chr. haben die öffentlich sichtbaren e. weitgehend beseitigt. Das Überlieferte stammt aus der Kaiserzeit, dient aber teilweise der überhöhenden Rekonstruktion längst vergangener Zeiten. Dies gilt auch für das bei weitem bekannteste Beispiel des e., die Inschr. auf den Statuen des Marstempels am Forum Augustum. Augustus ließ sie mit den Statue…

Delator

(144 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Derjenige, der bei einer röm. Behörde etwas “anzeigt”, im engeren Sinne aber insbes. der Ankläger bei Erhebung der delatio nominis . Dem erfolgreichen d. winkten erhebliche Vorteile: In der Regel erhielt er eine Geldbelohnung in Höhe eines Bruchteils des Vermögens des Verurteilten ([1]; mit Ergänzungen bei [2]). Daraus ergab sich offenbar vielfältiger Mißbrauch (vgl. Cic. S. Rosc. 55: Roscius war wohl mit polit. Rückendeckung angeklagt worden, um sich sein Vermögen zu verschaffen). Erwies sich die Anklage als mutwillig, machte sich der d. selbst wegen calumnia

Vertrag

(1,502 words)

Author(s): Hengstl, Joachim | Schiemann, Gottfried
[English version] I. Allgemeines Ein V. ist die (u.U. stillschweigende) Einigung zw. zwei oder mehr Personen über einen zu erreichenden Rechtserfolg (z. B. Kauf als Austausch von Ware gegen Entgelt). Im Verhältnis zum Geschäftszweck sind zu unterscheiden der rechtlich direkt auf den Zweck ausgerichtete V., das davon formal unabhängige, “abstrakte” Rechtsgeschäft und das “nachgeformte Rechtsgeschäft”. Abstrakt ist ein Rechtsgeschäft, dessen Rechtsfolge rechtlich mit dem von den Parteien angestrebten …

Fictio

(360 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Die noch in modernen Gesetzen angewendete Technik der Fiktion zur Anordnung von Rechtsfolgen für einen anderen als den urspr. geregelten Sachverhalt durch die Unterstellung, die Sachverhalte seien entgegen der Wirklichkeit identisch, geht auf die röm. Jurisprudenz zurück. Ausgangspunkt der Entwicklung ist die sakrale Regel simulacra pro veris accipiuntur (‘die Bilder werden als Wirklichkeit akzeptiert’): Die Priester als erste Experten des Rechts in der röm. Frühzeit haben die Vorstellung, die sich in der Sakralregel ausspric…

Calumnia

(251 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Im klass. röm. Recht die wissentlich grundlose und schikanöse Erhebung von Klagen und Anklagen. Im Formularverfahren für Streitigkeiten unter Privatleuten gewährt der Prätor ein bes. iudicium calumniae decimae partis, also eine Prozeßstrafe von 1/10 des Wertes der Klageforderung (Gai. inst. 4,175). Für den Freiheitsprozeß betrug die Sanktion gegen den treuhänderischen Kläger ( adsertor in libertatem ) sogar 1/3 des Wertes des Sklaven. Den vierfachen Wert ( quadruplum) konnte der Betroffene innerhalb eines Jahres vom calumniator verlangen, wenn dieser f…

Dispensator

(167 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] ( ab aere pendendo, Varr. ling. 5,183). In früherer Zeit hatte der d. wohl für einen Herrn oder die öffentliche Hand ungemünztes Edelmetall “abzuwägen”. Daraus entwickelte sich der d. zum Rechnungsführer, Kassenbeamten und Vermögensverwalter in gleicher Bed. wie griech. oikonómos. D. ist eine in röm. Inschr. sehr häufige Bezeichnung. Viele dispensatores waren Sklaven oder Freigelassene. Bei Gai. inst. 1,122 werden d. geradezu als eine bestimmte Art von Sklaven bezeichnet: servi, quibus permittitur administratio pecuniae, dispensatores appellati sunt (‘Sk…

Falsum

(168 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Das Fälschungsverbrechen im röm. Recht. Gell. 20,1,53 nennt die falsche Zeugenaussage, die schon nach den XII Tafeln mit dem Tode bestraft worden sein soll, testimonium falsum. Dies dürfte aber nichts mit den Straftaten zu tun haben, für die Sulla (wohl 81 v.Chr.) in der lex Cornelia testamentaria nummaria ein öffentliches Verfahren ( quaestio de falso) eingeführt hat (Digestentitel 48,10). Die Jurisprudenz der Kaiserzeit behandelt bei dem sullanischen Gesetz außer der Testaments- und Münzfälschung z.B. die Zeugen- und Richterbestec…

Mores

(450 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der Pl. von mos ( mos maiorum , “Sitte der Vorfahren”) bezeichnet einen ganzen Komplex normativer Anforderungen in der röm. Gesellschaft. Während aber bei dem Wort mos der ideologische Wert von Trad. und Konservatismus im Vordergrund steht, dachte man bei m. jedenfalls bis in die frühe Kaiserzeit in erster Linie an ein konkretes System von Normen und Sanktionen, das am klarsten in der “Sittengerichtsbarkeit” ( regimen morum) der Zensoren ( censores ) zu erkennen ist. Die zensorische Rüge ( nota censoria ) und auch die schärfere zensorische …

Auctoratus, Auctoramentum

(180 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] A. ist nach Gai. inst. 3,199 eine abhängige Person, die mit den gewaltunterworfenen Hauskindern und Ehefrauen sowie den Schuldknechten ( iudicati) zusammen genannt wird. Die Stellung des a. beruhte wohl auf einer freiwilligen Unterwerfung durch einen Eid ( auctoramentum), vielleicht auch auf einer Dienstverpflichtung durch den pater familias des a. gegenüber dem Dienstherrn. Seit Ende der Republik konnte sich ein Freier als a. zum Gladiator verpflichten, was ihn aber nicht vor der infamia bewahrte, die auch sonst mit der Gladiatore…

Concubinatus

(490 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Im röm. Recht die dauerhafte Geschlechtsgemeinschaft ohne affectio maritalis, also ohne das Bewußtsein beider Teile, auf Dauer eine rechtliche Bindung zur Hausgemeinschaft und Kinderzeugung und -erziehung eingehen zu wollen. Seit den Ehegesetzen des Augustus wurde der c. ferner zunehmend zur Form des Zusammenlebens, wenn die Eingehung einer Ehe verboten war. So durften nach der l. Iulia de maritandis ordinibus Senatoren und deren Nachkommen keine Freigelassene und auch keine Schauspielerin oder Schauspielertochter heiraten. Freigeborene…

Iactus

(148 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der t.t. des röm. Rechts für den “Seewurf”, das Abwerfen von Ladung aus einem in Seenot geratenen Schiff. Die sog. lex Rhodia de iactu sah in diesen Fällen eine Gefahrengemeinschaft zw. allen Beteiligten vor: dem Geschädigten, dem Schiffer ( nauta) und den Eigentümern der geretteten Ladung. Diese lex war in Wahrheit Gewohnheitsrecht, das im ganzen hell. Gebiet verbreitet war. Im einzelnen konnte der Geschädigte vom Schiffer anteiligen Ersatz mit der Werkvertragsklage ( actio locati) verlangen, der Schiffer dafür von den anderen Wareneigentümern einen …

Gestio

(243 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (auch gesta). Allg. ein Ausdruck für geschäftlich relevantes (nicht notwendig: rechtsgeschäftliches) Handeln. Im röm. Privatrecht sind bedeutsam: 1. die pro herede g. (Verhaltensweise als Erbe), das formlose Verhalten (z.B. die Besitzergreifung) zum Ausdruck des Willens, eine Erbschaft anzutreten (Erbrecht). 2. die negotiorum g. (modernrechtlich: Geschäftsführung ohne Auftrag). Sie betrifft im römischen Recht alle Verhältnisse zur Führung fremder Geschäfte, die nicht Auftrag ( mandatum ) oder Vormundschaft ( tutela ) sind. Dazu…

Divinatio

(220 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Römischer t.t. für das Verfahren der Zulassung eines von mehreren Bewerbern um die private Anklage ( delatio nominis ) vor dem öffentlichen Strafgericht ( iudicium publicum). Die Herkunft dieser Bezeichnung ist ungewiß. Was Gell. 2,4 zur Erklärung des Wortes anführt, wirkt hilflos, so daß offenbar den Römern des 2. Jh.n.Chr. die ältere Gesch. der d. nicht mehr bekannt war. Die Verwendung eines religiösen Begriffs spricht dafür, daß es eine d. schon sehr früh gegeben hat. Zu ihrer Rekonstruktion fehlen aber alle Grundlagen. [1] vermutet zu Recht, d…

Aequitas

(630 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der Sinn des Wortes ae. ist mehrdeutig. Insbes. zum iustum ist der Übergang fließend. Letzteres bezeichnet meist eher die Treue zum positiven Recht, ae. eher die das Ganze des Rechts prägende und durchdringende Gerechtigkeit. Die sprachliche Verwandtschaft mit dem Waagerechten verweist auf die Gleichheit im Sinne der Entsprechung von Leistung und Gegenleistung, Fehlverhalten und Sanktion. Darüber hinaus enthält die ae. den Sinn einer sachgerechten Zuordnung von Sachverhalten als gleich oder ungleich zu den im positiven Recht bereits ents…

Partus suppositus

(266 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Der p.s., das untergeschobene Kind, spielt in der Gesetzgebung und Rechtswiss. Roms eine erhebliche Rolle, was angesichts der Folgen legitimer Abstammung für Status, Bürgerrecht und Erbrecht leicht zu erklären ist. Bis in die frühe Kaiserzeit (1. Jh.n.Chr.) scheint das Problem der mangelhaften Abstammung freilich familienintern geregelt worden zu sein: Der Vater hatte als Teil seiner väterlichen Gewalt ( patria potestas ) das Recht, ein neugeborenes Kind auszusetzen (Kindesaussetzung). Ob darüber hinaus eine besondere …

Effractor

(65 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Im röm. Recht der Dieb, der seine Beute durch Einbruch erlangt. Nach Dig. 47,18 begeht er eine Straftat, die als crimen ( publicum) verfolgt wurde. In der Zeit der Republik handelte es sich noch um ein Privatdelikt. Als e. ( carceris) wird auch der Ausbrecher bezeichnet, der gleichfalls im Verfahren der cognitio extra ordinem als Täter eines crimen verfolgt wurde. Schiemann, Gottfried (Tübingen)

Kataster

(344 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Im Unterschied zum Grundbuch als Register zur Sicherung des privaten Grundstücksverkehrs, das es - wohl nach altägypt. Vorbild [1] - im ptolem. und röm. Ägypten (und in der Ant. möglicherweise nur dort) gegeben hat, dienen K. oder ähnliche Register vornehmlich der Erhebung von Grundsteuern sowie der Verwaltung der Staatspachten und sind daher fast zwangsläufig genauso verbreitet wie diese staatlichen Einnahmen selbst. Voraussetzung für die Anlegung von Archiven oder Büchern mit A…

Minores

(643 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (vollständiger: m. viginti quinque annis; Sg.: minor) sind im röm. Recht die unter 25jährigen. In einem engeren (und urspr. technischen) Sinne werden als m. die 15- bis 24jährigen bezeichnet, in einem weiteren Sinne alle, die noch nicht volljährig (im röm. Recht also mindestens 25 Jahre alt) sind. Die gesetzliche Regelung für die m. im engeren Sinne betraf ihre Fähigkeit, Verträge und andere Rechtsgeschäfte vorzunehmen (Geschäftsfähigkeit). Von ihr zu unterscheiden ist die Rechtsfähigkeit, nämlich die Fähigkeit, für sich selbst Re…

Nuptiae

(153 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (von nubere, “sich verhüllen, einen Schleier anlegen”) bezeichnet die Heirat in der röm. Gesellschaft (Ehe III.B.). Ein Titel der Digesten ( Digesta , 23,2: De ritu nuptiarum) mit 68 Fr. ist den Hochzeitsbräuchen (III.)) gewidmet. Dies deutet darauf hin, daß die röm. Juristen sich eingehend mit den Voraussetzungen einer rechtmäßig geschlossenen Ehe ( iustum matrimonium ) befaßten. Da es für die rechtliche Anerkennung der Ehe entscheidend auf die Einhaltung der Ehevoraussetzungen z.Z. der n. ankam, wurde n. schließlich synonym mit matrimonium als Ausdruck für…

Nervus

(54 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Eine Eisenkette, mit der ein Schuldner an den Füßen gefesselt wurde ( ferreum vinculum, quo pedes impediuntur, Fest. 162,1-2). Nach den 12 Tafeln (Lex XII tab. 3,3) durfte der Gläubiger den Schuldner mit Hilfe des n. offenbar in eine Art Beugehaft nehmen, wenn er trotz Verurteilung nicht leistete. Schiemann, Gottfried (Tübingen)

Paelex

(53 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] Vom röm. Juristen Paulus (Dig. 50,16,144) wird als Bed. von p. (auch pelex, pellex, ähnlich der griech. pallakḗ ) die Lebensgefährtin, die nicht verheiratet ist (also nicht uxor, Ehe III.C.), angegeben. Die Rechtsstellung der p. wird im röm. Recht meist beim Konkubinat ( concubinatus ) behandelt. Schiemann, Gottfried (Tübingen)

Delatio nominis

(366 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] “Den Namen (eines Verdächtigen) anzeigen”, ist zunächst nur der allererste Anlaß für eine öffentliche Strafverfolgung in Rom. So kommt der Ausdruck etwa bei Plaut. Aul. 416 im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Unterschicht-Kriminalität durch die tresviri capitales vor. Bei den Verfahren vor diesen Magistraten, einer Art Polizeijustiz, erschöpft sich die Bedeutung der d. n. - ganz im Sinne einer modernen Anzeige - offensichtlich darin, den kriminellen Vorgang überhaupt bekannt zu machen [1. 60, 78]. Nachdem neben die ältere, auf Privatklage beruhende…

Absolutio

(223 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] ist im röm. Gerichtsverfahren der Gegenbegriff zur “Verurteilung” ( condemnatio ): Im Zivilprozeß endet die Formel, in der die Prätoren das Programm für den iudex niedergelegt haben, stereotyp mit dem Judikationsbefehl ... condemnato. Si non paret, absolvito. Die a. führte ebenso wie die condemnatio zur Rechtskraft, also dazu, daß die Entscheidung - abgesehen vom Sonderfall der appellatio - unabänderlich war und daß der Streit definitiv beendet war, einer neuen Klage somit die exceptio rei iudicatae (Einrede der Rechtskraft) entgegenstand. Das Sprichwort omni…

Postliminium

(173 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] (“Rückkehrrecht”, häufiger in der Verbindung ius postliminii) wird in Inst. Iust. 1,12,5 aus limen (Schwelle) abgeleitet, was bildlich auf die Grenze des röm. Staatsgebietes übertragen worden sei, so daß der Kriegsgefangene, der bei seiner Rückkehr die “Schwelle” des röm. Staates von jenseits ( post) her wieder überschritt, von Rechts wegen in seine frühere Stellung vor der Gefangennahme zurückkehrte. Mit der Gefangenschaft bei den Feinden (Kriegsgefangene) geriet ein röm. Bürger in Sklaverei. Wurde er z. B. freigekauft, stand ihm das ius p. als “Rückkehrrec…

Estate register

(390 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[German version] In contrast to the  land register that existed ─ probably based on an Old Egyptian model [1] ─ in Ptolemaic and Roman Egypt (and, in antiquity, possibly only there) as a safeguard for private property transactions, the primary purpose of estate registers (ER) and similar registers was the levy of land taxes as well as the administration of state leases. Thus, almost inevitably, they were just as widespread as those very forms of state income. A prerequisite for starting up archive…

Crimen

(862 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[German version] A. Public criminal prosecution The legal technical category in classical Roman jurisprudence of the Principate applied to public criminal procedures ( iudicium publicum) where crimes were prosecuted based upon accusation (  accusatio ). As with civil legal forms in Roman Law, it is not a characteristic routine legal transaction but should rather be understood as a means of attack and defence in a trial (  actio ,   exceptio ). The meaning of the term crimen predominantly lies in the procedural field. Therefore, crimen appears most frequently in the sources in co…

Remancipatio

(163 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[German version] In Roman law, the actus contrarius ('reversion') of the mancipatio (formal alienation). It served, for instance, for the return of objects given for fiduciary safekeeping ( fiducia ). The remancipatio was also a constituent act in the complex ceremonies of the emancipatio (release from the family group). Above all, however, it was an important element in divorce proceedings in the old manus marriage (cf. also Marriage III): if such a marriage was to be dissolved, the wife had to be released from the special authority of the husband. This remancipatio consisted of a ce…

Intestabilis

(124 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[German version] In Roman law, legally incapable of being a witness ( testis). The Inst. Iust. (2,10,6) lists as intestabiles: women, minors, slaves, the dumb, the deaf, the mentally ill, legally incapacitated wastrels and those who had been declared improbus (dishonourable) and intestabilis by a special law. Legal arrangements of this kind result, for example, (according to Ulp. Dig. 47,10,5,9) from the lex Cornelia de iniuriis against authors or distributors of articles with offensive content or (according to Cassius Dig. 1,9,2) from the lex Iulia de repetundis against those re…

Confusio

(232 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[German version] In the confusio (the ‘merging’) the same person is both debtor and creditor or owner and holder of a limited material right, e.g. a usufruct. In Roman law confusio led to the extinction of the claim or the right. The late classic jurists (3rd cent. AD) occasionally use the term consolidatio for confusio without creating material distinctions. The effect of the confusio could not be prevented by the will of the parties. However, the Roman jurists occasionally assume a duty to refound the claim or right. The opinion of the Proculians ( Law schools) that the   noxalis actio

Mater familias

(157 words)

Author(s): Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[German version] While the word pater familias indicates a clearly defined legal status, the designation of the Roman mother of a family is a social rather than a legal one. Originally, MF was the honorary title for a married woman living in the → manus (marital control) of her husband, with whom she had children. Her social position was, in contrast with (and in compensation for) her legal status ( Manus), a high one. She had precedence over all other members of the household apart from her husband. By the time the manus marriage had fallen into disuse, the term MF - literally the mot…
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