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Your search for 'dc_creator:( "Thür, Gerhard (Graz)" ) OR dc_contributor:( "Thür, Gerhard (Graz)" )' returned 174 results. Modify search

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Despoteia

(144 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Δεσποτεία). “Herrschaft” (von δεσπότης, despótēs, Herr) hat in der griech. Sprache zunächst keine spezifisch rechtliche Bedeutung. Der Ausdruck bezeichnet das vom Herkommen geregelte Herrschaftsverhältnis des Hausvaters über seine Sklaven (Aristot. pol. 1253b) oder im polit. Sinn die Gewaltherrschaft (Plat. leg. 698a). Als Verfügungsmacht des Eigentümers tritt d. erstmals in ptolemäischen Papyrusurkunden auf (BGU 1187,32, 1. Jh.v.Chr.), gemeinsam mit dem schon in den griech. Stadtstaaten gebrauchten Terminus kyrieía. Erst im röm. Ägypten wird d. stä…

Politeuma

(112 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πολίτευμα). Neben der Bed. “Staatsgewalt”, “Regierungs- und Verfassungsform” bezeichnet p. speziell im Seleukidenreich und im ptolem. Ägypten landsmannschaftliche Zusammenschlüsse z. B. der als Minderheiten lebenden Makedonen, Griechen, Perser und Juden, mit teilweiser Selbstverwaltung und eigener Gerichtsbarkeit. Nach Verschwinden der ethnischen Komponente blieb p. eine Standesgruppe der bevorzugten Bevölkerungsschicht. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography M. Th. Lenger, Corpus des Ordonnances des Ptolémées, 21980, XVIIIf.  J. Modrzejewski, …

Balantiotomoi

(32 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (βαλαντιοτόμοι). “Beutelschneider” (Taschendiebe) wurden in Athen auf Grund des νόμος τῶν κακούργων ( nómos tōn kakúrgōn) mit der apagogḗ (“Abführung”) verfolgt und mit dem Tode bestraft. Thür, Gerhard (Graz)

Blabes dike

(120 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (βλάβης δίκη). Im griech. Recht eine Privatklage wegen Vermögensschädigung. Bei absichtlicher Schädigung hatte der Verurteilte den vom Kläger in der Klageschrift geschätzten Schaden doppelt zu ersetzen. Die b.d. dürfte urspr. auf Grund des Gesetzes nur bei Verletzung des Nachbarrechts zuständig gewesen sein. Erst die Rechtssprechung mag den engen Tatbestand auch auf andere Fälle der Vermögensschädigung ausgedehnt haben. In dieser Deliktsklage ist nach vorherrschender Meinung der Ursprung des griech. Vertra…

Epobelia

(94 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπωβελία). In Athen mußte der unterlegene Kläger in einigen Privatprozessen eine Buße wegen mutwilligen Prozessierens in der Höhe des sechsten Teiles des Streitwertes, nämlich von der Drachme einen obolos (daher der Name e.) an den Beklagten zahlen. Das galt auch für die Partei, die mit einer paragraphḗ unterlegen war oder die eine diamartyría vergeblich angefochten hatte, hier allerdings nur unter der Voraussetzung, daß sie nicht einmal den fünften Teil der Richterstimmen für sich gewonnen hatte (Isokr. or. 18,12). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Ha…

Hypoboles graphe

(81 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὑποβολής γραφή). Popularklage gegen eine Person, die einem Bürger als dessen eigenes Kind unterschoben worden war. Untergeschobene Kinder, meist gekaufte Sklaven, werden in den att. Gerichtsreden und Komödien häufig erwähnt: Kinderlose Ehefrauen suchten so ihre Stellung im Hause zu festigen, doch ist die h.g. nur in den Lexica Segueriana V [2] überliefert. Die Sanktion gegen den Untergeschobenen war der Verkauf als Sklave. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography 1 I. Bekker (ed.), Anecdota Graeca I, 1814/1865, 311 2 Lipsius, 417.

Cheirographon

(87 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (χειρόγραφον), wörtl. “Handschreiben” (Handschein). Neben der Syngraphe die häufigste Form der Privaturkunde der Papyri Ägyptens. Das seit dem 3./2.Jh. v.Chr. bis in die röm. Zeit auftretende ch. ist am Stil des Privatbriefs orientiert und auf keinen bestimmten Geschäftstyp beschränkt. Zeugen waren dabei üblich. Gewöhnlich hatte der aus dem ch. Berechtigte die Urkunde in Händen. In röm. Zeit konnte das ch. durch δημοσίωσις ( dēmosíōsis: Einverleibung in ein amtliches Archiv) beweisrechtlich die Gleichstellung mit den vom agoranómos er…

Prytaneia

(155 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πρυτανεία). In Athen (auch in Milet und Ilion) wurden die Gerichtsgebühren, die von beiden Prozeßparteien im voraus zu erlegen waren, aber der obsiegenden Partei von der unterlegenen letztlich vergütet wurden, p. genannt. Die p. waren in den meisten Privatprozessen zu zahlen (in Erbschaftssachen war jedoch die parakatabolḗ vorgesehen), in öffentlichen Prozessen zumeist die παράστασις ( parástasis). Die p. betrug 3 Drachmen bei einem Streitwert zw. 100 und 1000 Drachmen, darüber 30 Drachmen, darunter war keine p. zu entrichten. Ob sich das Wort vom Amt …

Dosis

(142 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Das Substantiv leitet sich von διδόναι ( didónai) “geben” ab und hat wie auch das Verbum keine spezifisch juristische Bedeutung. Die Rechtsinstitute Schenkung und Stiftung lassen sich unter dem Terminus d. nur sehr unzulänglich erfassen: Die att. Redner gebrauchen διδόναι ( didónai) und διατιθέναι ( diatithénai; Diatheke) abwechselnd, wenn sie testamentarische Zuwendungen aus dem solonischen Gesetz rechtfertigen. In der großen Gesetzesinschrift von Gortyn bedeutet didónai “schenken” (col. IX 15-30, mit rechtlichen Beschränkungen). Beim Errich…

Agamiu dike

(123 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀγαμίου δίκη). In Sparta eine Strafklage, die von jedermann gegen denjenigen erhoben werden konnte, der nach Erreichung eines gewissen Alters sich nicht verheiratete (Plut. Lykurgos 15). Durch diese Klage wurde ein mittelbarer Zwang zur Ehe ausgeübt, denn dem Übertreter drohte eine teilweise Aufhebung der Bürgerrechte. Die Klage mag auch sonst noch im dor. Rechtsbereich vorgekommen sein (vgl. Strab. 10,482), in Athen ist sie nicht nachzuweisen. Wenn Platon (leg. 721b; 774a) in s…

Androlepsia

(76 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀνδροληψία) war im athenischen Recht eine vom Gesetz (nur belegt in Demosth. 23,82) den Verwandten eines auf athenischem Staatsgebiet ermordeten Atheners eingeräumte Selbsthilfebefugnis: Sie konnten, solange sich der Blutschuldige dem Zugriff der Angehörigen des Getöteten entzog, aus dessen Angehörigen drei Geiseln greifen (Die Deutung ist umstritten). Über deren Schicksal ist nichts bekannt. Ungerechtfertigte Ausübung der A. wurde bestraft. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography B. Bravo, Symposion 1977, hrsg. v. J. Modrzejewski, 1982, 131 ff.

Rechtskoine

(312 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Ebenso wie die Koine in der griech. Sprach-Gesch. bezeichnet R. ein von der Rechts-Gesch. im Nachhinein analysiertes Phänomen des Hell.: das spontane Zusammenwachsen verschiedener griech. Rechtsvorstellungen, bes. im ptolem. Ägypten. Einrichtungen unterschiedlicher Poleis (Polis) verschmolzen dort im Rechtsleben durch die Vermischung der griech. Bevölkerung untereinander [4. 140], ohne daß die Obrigkeit auf eine Einheit hingewirkt hätte (so noch [3. 50 f.]). Als Beispiele hierfür…

Kratesis

(119 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κράτησις) bezeichnet gemeingriech. in privatrechtlichen Beziehungen die tatsächliche, den körperlichen Zugriff erlaubende Gewalt über eine Sache, vergleichbar dem Besitz, jedoch nicht technisch im Sinne der röm. possessio verstanden (die Griechen kannten weder die Ersitzung ( usucapio ) noch einen speziellen Besitzschutz durch interdictum ). K. übte z.B. der Gläubiger an der verpfändeten Sache aus, auch wenn diese beim Schuldner verblieben war, ebenso der Pächter am gepachteten Grundstück. Wer die k. über eine Sache hatte, durfte darüber aber nic…

Poine

(190 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ποινή). Bei Homer ganz konkret für Wergeld (Hom. Il. 18,498; aídesis ), aber auch allg. für Rache, Vergeltung gebraucht, später auf alle Geldbußen ausgedehnt, die ein Privater wegen eines Delikts verlangen konnte ([4. 10, 35]; vgl. lat. poena ; jedoch trat im Griech. die Erweiterung auf an den Staat zu zahlende Geldstrafen oder auf Leibesstrafen erst über die Rückübersetzung des lat. Terminus ein). Der Zusammenhang mit Wergeld (auch ἄποινα, ápoina; vgl. ἀποινᾶν, apoinán, eine p. verlangen, Demosth. or. 23,28 und 33; IPArk 7,14) lebt in der Verneinung…

Enechyrasia

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Ἐνεχυρασία). Im griech. Recht die Vollstreckung wegen Geldforderungen oder wegen Forderungen auf Herausgabe von Sachen. Sie geschah in das bewegliche oder unbewegliche Vermögen (außerhalb Athens auch gegen die Person) des Schuldners nach Ablauf einer nicht näher bekannten Frist auf Grund eines Urteils oder einer vollstreckbaren Urkunde durch private Pfandnahme des Gläubigers. Dieser mußte die Pfändungshandlung persönlich vornehmen. In Athen verschaffte ihm der dḗmarchos (Demarchoi) der Wohnsitzgemeinde des Schuldners den Zutritt zu den Pfa…

Magie, Magier

(6,634 words)

Author(s): Wiggermann, Frans (Amsterdam) | Wandrey, Irina (Berlin) | Graf, Fritz (Princeton) | Johnston, Sarah Iles (Princeton) | Thür, Gerhard (Graz) | Et al.
I. Alter Orient [English version] A. Allgemein Altoriental. und äg. M. beruht auf einem Weltbild, das der Religion entgegengesetzt ist. Im mag. Weltbild sind Menschen, Götter und Dämonen durch Sympathien und Antipathien miteinander und mit dem Kosmos verbunden, im rel. Weltbild wird alles durch die Götter zu ihrem eigenen Nutzen gestaltet; die Beziehungen zw. Mensch und Kosmos sind Folge bewußter Maßnahmen der Götter. In der rel. Praktik jedoch sind beide Weltbilder integriert und komplementär. Das rel…

Misthosis

(1,443 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(μίσθωσις). [English version] A. Allgemeines Ähnlich der röm. locatio conductio umfaßt die griech. m. eine Reihe von entgeltlichen Geschäften, womit eine Person einer anderen entweder eine Sache zu Gebrauch oder Nutzung überläßt, eine Sache (oder Person) übergibt, damit hieran ein bestimmter Erfolg herbeigeführt werde, oder sich zu Arbeits- oder Dienstleistung verpflichtet. Die heute geläufige (romanistische) Gliederung dieser Geschäfte in Miete/Pacht, Werk- und Dienstvertrag ist für die m. zu grob, da die griech. Vertragspraxis je nach konkretem Lebenssachver…

Grundbuch

(247 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Im rechtlichen Sinn kann man von einem G. sprechen, wenn ein lückenloses, entweder alle Einwohner (Personalfoliensystem) oder alle Grundstücke eines Bezirkes (Realfoliensystem) umfassendes Register von Grundstücken “öffentlichen Glauben” genießt, und dadurch dem eingetragenen Erwerber das Eigentumsrecht garantiert ist. In der Ant. gab es zahlreiche schlichte Grundstücksregister (Kataster), die jedoch meistens als Grundlage für die Steuererhebung dienten (Beispiele und Lit. [1]). Allein aus dem ptolemäischen und röm. Ägypten sind Einrichtu…

Kakogamion

(60 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κακογάμιον, wörtlich “schlechtes Heiraten”) wurde in Sparta bestraft (Stob. 66,16), bzw. ‘wie es scheint’ (Plut. Lysander 30,7) sicher mit díkē verfolgt, womit aber, wie bei der agamíu díkē , gewiß keine Privatklage gemeint war. Wogegen der Ehemann beim K. verstieß und welche Strafe ihn traf, ist ungewiß. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography D.M. MacDowell, Spartan Law, 1986, 73f.

Laographia, Laographos

(128 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (λαογραφία, λαογράφος). Seit der ptolem. Zeit wurden in Ägypten Volkszählungen veranstaltet ( laographíai: das Volk wurde “aufgeschrieben”), die ab Augustus im Turnus von 7, ab Tiberius von 14 Jahren stattfanden. In röm. Zeit bedeutete laographía auch die dabei erstellte Liste der Kopfsteuerpflichtigen und die Kopfsteuer selbst (Steuern). Unterworfen waren ihr Männer zw. dem 14. und 60. Lebensjahr, sofern sie nicht röm. Bürger oder Bürger der privilegierten griech. Poleis waren; für die übrigen Griechen galten g…
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