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Hypoboles graphe

(81 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὑποβολής γραφή). Popularklage gegen eine Person, die einem Bürger als dessen eigenes Kind unterschoben worden war. Untergeschobene Kinder, meist gekaufte Sklaven, werden in den att. Gerichtsreden und Komödien häufig erwähnt: Kinderlose Ehefrauen suchten so ihre Stellung im Hause zu festigen, doch ist die h.g. nur in den Lexica Segueriana V [2] überliefert. Die Sanktion gegen den Untergeschobenen war der Verkauf als Sklave. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography 1 I. Bekker (ed.), Anecdota Graeca I, 1814/1865, 311 2 Lipsius, 417.

Eispraxis

(34 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Εἴσπραξις). “Eintreiben” im weitesten Sinne, in Athen z.B. von Tributzahlungen für den Seebund (IG II2 1273, 24), in Ägypten jeglicher Steuer, aber auch von privaten Forderungen (Praxis). Thür, Gerhard (Graz)

Epitropos

(654 words)

Author(s): Rathbone, Dominic (London) | Thür, Gerhard (Graz)
(ἐπίτροπος). [English version] [1] Gutsverwalter Neben einer Vielzahl anderer Begriffe die übliche Bezeichnung für einen Gutsverwalter, der für einen meist abwesenden Landbesitzer die Aufsicht über die Wirtschaftsführung innehatte. Seine Pflichten sowie der Grad an Unabhängigkeit, mit der er Entscheidungen treffen konnte, waren zwar von Fall zu Fall verschieden, in der Regel zählten jedoch die Aufsicht über die Arbeitskräfte, der Kauf von Erzeugnissen, die auf dem Gut benötigt wurden, der Verkauf von…

Andrapodistes

(114 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀνδραποδιστής). Derjenige, der einen anderen zum Sklaven (ἀνδράποδον, andrápodon) machte, war a. (Aristoph. equ. 1030; Lys. 10,10). Die Straftat ἀνδραποδισμός ( andrapodismós) umfaßte zwei verschiedene strafbare Handlungen. Die eine bestand darin, daß der Täter sich eines Freien durch Gewalt oder List (vgl. für diese Plat. leg. 879a) bemächtigte, um ihn in die Sklaverei zu verkaufen (Freiheitsdelikt), die andere richtete sich gegen den Eigentümer eines Sklaven und bestand im Raub dieses Sklaven zwec…

Enklema

(152 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἔγκλημα). Im allg. griech. Sprachgebrauch “Vorwurf”, im Recht Athens “Klageschrift” in Privatprozessen, im Strafrecht der Papyri Ägyptens “Anklage”. Vor dem Gesetz, das in Athen Schriftlichkeit der Prozeßakte verlangte (vermutlich 378/7 v.Chr.), war E. ein mündlicher Antrag an den Gerichtsvorstand ( dikastḗrion 3.) zur Prozeßeröffnung, der die Namen der Parteien, das Klagebegehren und, wenn vorgesehen (im tímētos agṓn ), die Schätzung der Urteilssumme enthielt. Schriftliche enklḗmata sind in Demosth. or. 37,22-32; 45,46 überliefert, untechni…

Magie, Magier

(6,634 words)

Author(s): Wiggermann, Frans (Amsterdam) | Wandrey, Irina (Berlin) | Graf, Fritz (Princeton) | Johnston, Sarah Iles (Princeton) | Thür, Gerhard (Graz) | Et al.
I. Alter Orient [English version] A. Allgemein Altoriental. und äg. M. beruht auf einem Weltbild, das der Religion entgegengesetzt ist. Im mag. Weltbild sind Menschen, Götter und Dämonen durch Sympathien und Antipathien miteinander und mit dem Kosmos verbunden, im rel. Weltbild wird alles durch die Götter zu ihrem eigenen Nutzen gestaltet; die Beziehungen zw. Mensch und Kosmos sind Folge bewußter Maßnahmen der Götter. In der rel. Praktik jedoch sind beide Weltbilder integriert und komplementär. Das rel…

Katadike

(35 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταδίκη). Für schuldig erklärendes Urteil eines Geschworenengerichts, darin ausgesprochene Strafsanktionen, oder von einer Behörde verhängte Geldstrafe (synonym mit díkē verwendet), in den Papyri Ägyptens auch vertraglich festgesetzte Buße. Thür, Gerhard (Graz)

Endeixis

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Ἔνδειξις). Wörtlich “Anzeige”: Die E. war in Athen eine bes. Form des öffentlichen Einschreitens einer Privatperson, das die sofortige Verhaftung des Angeklagten oder die Anordnung einer Gestellungsbürgschaft durch den Gerichtsvorstand (die “Elfmänner”, den Árchōn Basileús oder die thesmothétai; Archontes) zur Folge hatte. Sie war gegen Personen (Staatsschuldner, Verbannte oder átimoi (Atimia) zulässig, die Orte (Heimat, Volksversammlung, Rat, Gerichtshöfe, Heiligtümer, Markt) besuchten, deren Besuch ihnen durch Gesetz oder Vo…

Mesengyema

(72 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (μεσεγγύημα), das “Anvertraute”: Einem Dritten wird eine Sache oder Geld von mehreren gemeinschaftlich anvertraut. Das m. ist dann abredegemäß einem oder allen Hinterlegern herauszugeben (Harpokr. s.v.). Das Geschäft eignet sich zur Streitverwahrung, für Wetteinsätze und zur Sicherung von Urkunden (vgl. Isokr. or. 12,13; IG VII 3172,69: Boiotien; BGU 592 II 9 und Mitteis/Wilcken 88,13: beide 2. Jh. n.Chr.; PAntinoopolis 35 II 14, 4. Jh.n.Chr.: Ägypten). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography J. Partsch, Griech. Bürgschaftsrecht, 1909, 336-340.

Eranos

(180 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(ἔρανος). Das etym. nicht sicher erklärte Wort bedeutete urspr. “Freundesmahl” (Hom. Od., Pind.). Die Kosten wurden von den Teilnehmern gemeinsam getragen. Auch Sammlungen von Freunden, um einem ein Geschenk zu machen, hießen éranoi. Gegengeschenke waren bloß sittliche, aber keine Rechtspflicht (Theophr. char. 17,9). Auf dieser Grundlage bildeten sich zwei rechtliche Institutionen heraus: [English version] [1] Sammelvermögen Eine Art Sammelvermögen. Die von einer Mehrzahl von Personen ( plērōtaí, Demosth. or. 21,184f.) zusammengebrachten Mittel ( eisphoraí) wurden zu…

Prasis epi lysei

(345 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πρᾶσις ἐπὶ λύσει). Das Substantiv p. bezeichnet gemeingriech. den “Verkauf”, der Zusatz e.l. (in den Quellen nie mit dem Substantiv, sondern nur mit dem Verbum λύειν/ lýein verbunden) bedeutet “auf Lösung”. Es handelt sich um ein der späteren onḗ en pístei (dort auch zur Terminologie des griech. Kaufes) entsprechendes Geschäft zur Sicherung eines Kredits. Der Darlehensnehmer (s. dáneion ) verkauft dem Darlehensgeber ein Grundstück; mit Auszahlung der Darlehenssumme wird der Gläubiger Eigentümer des Sicherungsobjekts.…

Epikleros

(182 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπίκληρος). Nicht ganz korrekt mit “Erbtochter” übersetzt. Hinterließ ein athenischer Bürger oder ein métoikos nur Töchter, so waren zwar nicht diese selbst, wohl aber deren ehelichen Söhne erbfähig, so daß der Nachlaß ( klḗros ) unter Umständen an einen fremden Familienverband fallen konnte. Wegen dieser Gefahr erlaubte das Gesetz dem nächsten Seitenverwandten des Erblassers (Anchisteia), vom Archon bzw. Polemarchos (Archontes I) durch epidikasía zugleich mit der Zuweisung des klḗros auch die einer noch kinderlosen Tochter, e., als Ehefrau zu erwirken…

Proklesis

(196 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πρόκλησις), wörtlich “Aufforderung”. Die Konzentration des Prozesses vor den athen. Geschworenengerichten ( dikastḗrion ) auf eine einzige, zeitlich begrenzte Hauptverhandlung erforderte umsichtige Vorbereitung des Prozeßstoffs vor dem Prozeß oder im Vorverfahren vor dem jeweiligen Gerichtsmagistrat ( anákrisis , diaitētaí ). Eine Möglichkeit, den Gegner vor der Hauptverhandlung zu gewissen bindenden Stellungnahmen zu provozieren, war die p. Diese bedeutet sowohl den Akt einer vor Zeugen an den Gegner gerichteten Erklärung, als auch…

Misthosis

(1,443 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(μίσθωσις). [English version] A. Allgemeines Ähnlich der röm. locatio conductio umfaßt die griech. m. eine Reihe von entgeltlichen Geschäften, womit eine Person einer anderen entweder eine Sache zu Gebrauch oder Nutzung überläßt, eine Sache (oder Person) übergibt, damit hieran ein bestimmter Erfolg herbeigeführt werde, oder sich zu Arbeits- oder Dienstleistung verpflichtet. Die heute geläufige (romanistische) Gliederung dieser Geschäfte in Miete/Pacht, Werk- und Dienstvertrag ist für die m. zu grob, da die griech. Vertragspraxis je nach konkretem Lebenssachver…

Kakurgoi

(118 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κακούργοι). Allg. “Übeltäter”, jedoch in Athen in einem speziellen Gesetz aufgezählte Straftäter: nächtliche Diebe, Kleiderräuber, Menschenräuber, Einbrecher und Beutelschneider. Gegen diese zumeist der Unterschicht entstammenden Verbrecher konnte jedermann, wenn er sie auf frischer Tat ertappte, durch private Verhaftung ( apagōgḗ ) einschreiten und den Täter vor die Elfmänner (Hendeka) führen. Diese ließen den Geständigen sofort hinrichten; wer die Tat mit einiger Wahrscheinlichkeit bestreiten konn…

Chrematistai

(83 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Χρηματισταί). Im ptolem. Ägypten vom König delegierte Richter für Fiskal- und Zivilsachen für alle Teile der Bevölkerung. Vermutlich wurden sie im 2.Jh. v.Chr. eingeführt. Die Spruchkörper waren für einzelne oder auch, zusammengefaßt, für mehrere Gaue zuständig. Auf dem Lande verfielen die Ch.-Kammern in der frühen röm. Kaiserzeit, in Alexandreia sind sie mit etwas modifiziertem Aufgabenbereich bis in das 3.Jh. n.Chr. nachweisbar. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography H.J. Wolff, Das Justizwesen der Ptolemäer, 21970  H.A. Rupprecht, Einführung in die Pap…

Dikazein

(157 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (δικάζειν). Das Wort (ungefähr: “Recht [aus]üben”) hängt mit der Streitbeendigung durch Urteil zusammen. Ob das Urteil urspr. vor einem “Schiedsrichter” gefällt wurde, den beide Parteien einvernehmlich bestellt hatten, ist höchst fraglich. Eher war d. in der Frühzeit die Tätigkeit eines zumindest ansatzweise mit staatlicher Autorität ausgestatteten Ältestenrates oder Funktionärs ( dikastḗs ). In welcher Form dieses d. geschah, ist ebenfalls unklar: Entweder entschied der Amtsträger in der Sache selbst oder er setzte lediglich ein form…

Paragraphe

(272 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παραγραφή, abgeleitet von παραγράφειν ( paragráphein, “etwas danebenschreiben”) bezeichnet in der griech. Rechtssprache unterschiedliche Einrichtungen. Speziell im Recht Athens hatte ein Beklagter, der vorbrachte, entgegen der Amnestie von 403/02 v.Chr. (s. triákonta ) verklagt zu werden, aufgrund eines von Archinos eingebrachten Gesetzes die Möglichkeit, der Klageschrift “beizuschreiben”, die díkē [2] ‘sei nicht einführbar’ (μὴ εἰσαγώγιμον εἶναι, mē eisagṓgimon eínai; Isokr. 18,2f.). In der Folge hatte das dikastḗrion [2] in einem getrennten …

Rechtskoine

(312 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Ebenso wie die Koine in der griech. Sprach-Gesch. bezeichnet R. ein von der Rechts-Gesch. im Nachhinein analysiertes Phänomen des Hell.: das spontane Zusammenwachsen verschiedener griech. Rechtsvorstellungen, bes. im ptolem. Ägypten. Einrichtungen unterschiedlicher Poleis (Polis) verschmolzen dort im Rechtsleben durch die Vermischung der griech. Bevölkerung untereinander [4. 140], ohne daß die Obrigkeit auf eine Einheit hingewirkt hätte (so noch [3. 50 f.]). Als Beispiele hierfür…

Aikeias dike

(98 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (αἰκείας δίκη). In Athen eine Privatklage wegen tätlicher Beleidigung. Sie setzte voraus, daß die körperliche Mißhandlung ohne den Vorsatz der Beschimpfung verübt war und daß der Beklagte zuerst angegriffen hatte (Demosth. 47,40; vgl. PEnteuxeis 74; 79; PHalensis 1,115; 203 f.). Die Buße, die der Kläger selbst schätzte, fiel ihm bei Obsiegen im Prozeß zu. Es war die einzige Privatklage, bei der in Athen keine Gerichtsgebühren zu erlegen waren. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A. R. W. Harrison, The Law of Athens II, 1971, 93 f.  G. Thür, Beweisführung vor den Sc…

Androlepsia

(76 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀνδροληψία) war im athenischen Recht eine vom Gesetz (nur belegt in Demosth. 23,82) den Verwandten eines auf athenischem Staatsgebiet ermordeten Atheners eingeräumte Selbsthilfebefugnis: Sie konnten, solange sich der Blutschuldige dem Zugriff der Angehörigen des Getöteten entzog, aus dessen Angehörigen drei Geiseln greifen (Die Deutung ist umstritten). Über deren Schicksal ist nichts bekannt. Ungerechtfertigte Ausübung der A. wurde bestraft. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography B. Bravo, Symposion 1977, hrsg. v. J. Modrzejewski, 1982, 131 ff.

Ephesis

(239 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἔφεσις). Vom Verbum ἐφίεσθαι ( ephíesthai, sich an jemanden wenden) gebildet, bezeichnete e. in Athen eine Reihe von Rechtsakten, in denen eine Person sich nach vorläufiger Erledigung der Sache an die zur Entscheidung zuständige Stelle wandte. Man kann keinesfalls von einer einheitlichen, der heutigen “Berufung” vergleichbaren Einrichtung sprechen. Solon (um 600 v.Chr.) soll die E. bei Entscheidungen der Archontes an die (damalige) Heliaia zugelassen haben (Aristot. Ath. pol. 9,1). In klass…

Prytaneia

(155 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πρυτανεία). In Athen (auch in Milet und Ilion) wurden die Gerichtsgebühren, die von beiden Prozeßparteien im voraus zu erlegen waren, aber der obsiegenden Partei von der unterlegenen letztlich vergütet wurden, p. genannt. Die p. waren in den meisten Privatprozessen zu zahlen (in Erbschaftssachen war jedoch die parakatabolḗ vorgesehen), in öffentlichen Prozessen zumeist die παράστασις ( parástasis). Die p. betrug 3 Drachmen bei einem Streitwert zw. 100 und 1000 Drachmen, darüber 30 Drachmen, darunter war keine p. zu entrichten. Ob sich das Wort vom Amt …

Katachorizein

(98 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταχωρίζειν). Allg. “einreihen”, auch mil., in der hell. Kanzleisprache speziell “registrieren, in eine Liste aufnehmen”. So wurden z.B. im griech. Mutterland einfache Volksbeschlüsse (bes. Ehrungen) gegen Aufhebung geschützt, indem man sie formell unter die Gesetze “einreihte”. Im röm. Ägypten konnte k. jede Eintragung in eine Liste bezeichnen, wichtig vor allem die Einverleibung der Urkundenabschrift in die bibliothḗkē enktḗseōn (Grundbuch). K. konnte auch eine Anzeige gegen unbekannte Täter bedeuten; der Verletzte stellte den Antrag…

Atimetos agon

(75 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀτίμητος ἀγών). Vor allem in Athen ein Prozeß, in dem der Beklagte keinen Gegenantrag ( antitimesis ) über das Strafausmaß stellen konnte. Nach einem Schuldspruch war keine weitere Abstimmung über die Höhe der Strafe nötig, der Prozeß war ἀτίμητος, “unschätzbar”. Das Strafmaß war bereits vom Gesetz festgelegt, in öffentlichen Prozessen wegen schwerer Verbrechen oft die Todesstrafe oder Verbannung. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Harrison, The Law of Athens II, 1971, 81f.

Grundbuch

(247 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Im rechtlichen Sinn kann man von einem G. sprechen, wenn ein lückenloses, entweder alle Einwohner (Personalfoliensystem) oder alle Grundstücke eines Bezirkes (Realfoliensystem) umfassendes Register von Grundstücken “öffentlichen Glauben” genießt, und dadurch dem eingetragenen Erwerber das Eigentumsrecht garantiert ist. In der Ant. gab es zahlreiche schlichte Grundstücksregister (Kataster), die jedoch meistens als Grundlage für die Steuererhebung dienten (Beispiele und Lit. [1]). Allein aus dem ptolemäischen und röm. Ägypten sind Einrichtu…

Parabolon

(97 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παράβολον). Wörtlich “Zahlung”, ein Geldbetrag, der in Athen nach Poll. 8,63 als Sicherheitsleistung bei Erheben der éphesis zu hinterlegen sei, verm. aber mit der parakatabolḗ identisch ist (vgl. auch Aristot. oec. 1348b 13). Ähnliche Ausdrücke für Zahlungen in einem Prozeß: ἀπάρβολος ( apárbolos, “ohne p.”: IG IV 175, 8f. und 197, 21-27; SGDI 3206,117); παρβάλλειν ( parbállein, zahlen: IPArk 17,65f.) In den Papyri sind παραβολή ( parabolḗ; so auch OGIS 41) und παραβόλιον ( parabólion) gleichbedeutend mit p. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography E. Berneker, s.v…

Antitimesis

(94 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀντιτίμησις). Wenn das Gesetz in Athen die Strafe bei öffentlichen Prozessen nicht von vornherein festgelegt hatte (ἀγῶνες ἀτιμητοί, Atimetos agon), sondern Art und Höhe dem richterlichen Ermessen anheimgegeben waren (ἀγῶνες τιμητοί, Timetos agon), hatte der Kläger schon bei Einreichung der Klageschrift die Klage zu schätzen. Der Beklagte konnte dann nach seinem Schuldspruch in einer zweiten Verhandlung über das Strafmaß einen Gegenantrag über die Strafhöhe ( a.) stellen. Die Richter hatten zwischen diesen beiden Strafanträgen zu wählen. Thür, Gerhard (…

Diatheke

(1,223 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(διαθήκη). [English version] A. Wortbedeutung und Wesen Die d. ist die zentrale Einrichtung des griechischen Rechtes für die gewillkürte Erbfolge. Das Wort d. stammt von διατίθεσθαι ( diatíthesthai): das “Wegstellen” von Gegenständen des persönlichen Eigentums des Erblassers für solche Personen, die dem Familienverband (οἶκος, oíkos) nicht angehörten und daher keine gesetzlichen Erben sein konnten. D., etwas unscharf “Testament”, bezeichnete sowohl das Verfügungsgeschäft als auch die darüber errichtete Urkunde. Sie bezweckte die Ordnung v…

Katapontismos

(112 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταποντισμός). Hinabstürzen ins Meer, Tötung eines Menschen durch Ertränken oder kult. Versenken von Gegenständen. War das Meer weit weg, nahm man den k. auch durch Stürzen in einen Fluß vor. K. ist bereits im Mythos als bes. Grausamkeit oder als Todesstrafe mit Ordalcharakter (die Götter konnten den Bestraften retten) in Fällen belegt, in denen das Recht auf Begräbnis und Totenkult verwirkt war. In histor. Zeit wurden Tyrannen oder grausame Herrscher durch k. bestraft, manchmal auch nur ihr Leichnam oder gar ihr Standbild versenkt (Paus. 6,11,6 v…

Pherne

(283 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (φερνή). Was die Frau an beweglichem Vermögen als “Mitgift” in die Ehe “einbringt” (φέρειν, phérein), wird gemeingriech. als ph. bezeichnet. Zu unterscheiden ist die ph. von der προίξ ( proíx ), der Mitgift hauptsächlich in Gestalt von Grundstücken und Sklaven, wie sie in den griech. Poleis üblich war. Durch die Schätzung der Rückgabepflicht in Geld verwischen sich die Grenzen, jedoch kann man nicht von synonymen [1. 2040f.] Ausdrücken sprechen. Die klass. griech. Autoren verwenden ph. nur für mythische und nichtgriech. Verhältnisse (anachronistisch v…

Apokeryxis

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀποκήρυξις). In Athen galt das gesetzliche Erbrecht der ehelichen Söhne zwingend, Enterbung war nicht möglich. Wohl aber konnte der Vater sich zu Lebzeiten öffentlich von einem Sohn durch a. lossagen und diesen so von der Erbschaft ausschließen (Demosth. 39,39; Aristot. eth. Nic. 1163b; vgl. auch Plat. leg. 928d929d). Eine ähnliche Bestimmung ist im großen Gesetz von Gortyn IC IV 72 col. XI 10-17 getroffen, Parallelerscheinungen in altorientalischen Rechtsquellen (Cod. Hammurabi 168 f.; 191) gelten nicht als Vorbild. Diokletian verbietet die a. (Cod. Iust. …

Apeniautismos

(69 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀπενιαυτισμός). Abwesenheit auf ein Jahr, Strafe eines meist einjährigen Exils bei bestimmten Verbrechen oder Vergehen, insbesondere fahrlässiger Tötung (Bekker anecdota 421,20; Suda), die, gerichtlich ausgesprochen, als φυγή ( phygé) auf Zeit gelten kann, wenn man diese nicht im strengen Rechtssinne faßt, sondern als Pseudophyge (Ruhen bürgerlicher Rechte und Pflichten und automatisches Wiederaufleben nach Fristablauf). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography D. M. MacDowell, Athenian Homicide Law, 1963, 122 f.

Epangelia

(103 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπαγγελία). In Athen die gesetzlich vorgeschriebene Ankündigung der Einreichung einer dokimasía gegen einen Redner, der einen Antrag in der Volksversammlung einbrachte. Sie konnte von jedem Bürger gegen den Antragsteller eingereicht werden, der sich einer Handlung, die ihm das Rederecht entzog, schuldig gemacht hatte, aber noch nicht gerichtlich verurteilt war (Aischin. Tim. 28ff. 81). In den ägypt. Papyri bedeutet e. die Ansage einer Klage gegen den Schuldner. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Harrison, The Law of Athens II, 1971, 204  M.H. Hansen, …

Eisagogeus

(117 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Εἰσαγωγεύς). Jeder Amtsträger, dem in Athen die Gerichtsvorstandschaft zustand (Archontes), hatte die bei ihm anhängig gemachten Prozesse in einen Gerichtshof ( dikastḗrion ) einzuführen (εἰσάγειν, eiságein) und wurde in dieser Tätigkeit auch e. genannt. Im engeren technischen Sinn war ein e. Mitglied eines fünfköpfigen Kollegiums, dem die Gerichtsvorstandschaft in gewissen eiligen Rechtssachen zustand (Aristot. Ath. pol. 52,2). Im ptolemäischen Ägypten war der e. ein vom König ernannter ständiger Beamter griech. Nationalität, der bei den …

Parapherna

(443 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παράφερνα), wörtlich ‘neben der Mitgift ( phernḗ ) gegebene Vermögensstücke’, bezeichnen in der griech.-röm. Welt unterschiedliche Rechtseinrichtungen, jeweils Sondervermögen der verheirateten Frau. In den Rechten der griech. Poleis war die Frau grundsätzlich vermögensfähig, oft jedoch nur beschränkt geschäftsfähig. Ihre Güter gingen andere Wege als die des Mannes ([8. 26-130; 5. 64-70], zu IPArk Nr. 5, Z. 4f.: πατρῶια/ματρῶια, patrṓia/ matrṓia, väterliches/mütterliches Vermögen) s. [4]), doch gibt es keinen Terminus für das “neben e…

Kakosis

(203 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κάκωσις), wörtlich “schlechte Behandlung” von Personen, die bes. Hilfe bedurften. In Athen waren das drei Gruppen: 1. Eltern, 2. Waisen, 3. Erbtöchter ( epíklēros ), Aristot. Ath. pol. 56,5. Da die Betroffenen sich in der Regel nicht selbst zur Wehr setzen konnten, hatte jeder Bürger die Möglichkeit, den Täter durch graphḗ , eisangelía oder phásis zur Verantwortung zu ziehen, und zwar ohne Prozeßrisiko. Wer seinen Eltern oder Großeltern (auch Adoptiveltern) weder Unterhalt noch Wohnung gewährte, sie schlug oder d…

Aidesis

(81 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (αἴδεσις). Zur Zeit Drakons (vor 600 v. Chr.) ein zwischen den Angehörigen des vorsätzlich oder unvorsätzlich Getöteten und dem Blutschuldigen abgeschlossener, vermutlich durch einen Eid bekräftigter Vertrag über die Streitbeendigung durch Zahlung des Wergeldes (IG I3 104,13; Demosth. 43,57), im 4. Jh. die einseitige, von den Angehörigen des Getöteten gewährte Verzeihung bei unvorsätzlicher Tötung. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography D. M. MacDowell, Athenian Homicide Law, 1963, 123 ff.  A. R. W. Harrison, The Law of Athens II, 1971, 78.

Diamartyria

(239 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (διαμαρτυρία). Ein sog. “Entscheidungszeugnis”, ein altertümlicher, vom normalen Zeugenbeweis verschiedener, auf einen oder mehrere Zeugen gestützter Akt mit formell feststellender Kraft, der in Athen vor allem in einem Verwaltungsverfahren über die Erbenstellung zulässig war. Eingeleitet wurde dieses Verfahren durch einen Erbschaftsanwärter, der nicht zu den Hauserben gehörte. Er beantragte die Zuweisung der Erbschaft ( epidikasía ). Dann konnte ein Hauserbe als Antragsgegner auftreten. Seine Behauptung, ‘der Nach…

Praxis

(237 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(πρᾶξις). [English version] [1] Vollstreckung eines Urteils Juristische Bezeichnung für die Vollstreckung eines auf Geld lautenden Urteils aus einem griech. Privatprozeß ( díkē [2]), die in Athen Sache des siegreichen Gläubigers war und generell (And. 1,88) und auch im Text von Vertragsurkunden (Demosth. or. 35,12) als p. bezeichnet wurde. Als Verbum für “vollstrecken” war εἰσπράττειν ( eispráttein) üblich (Demosth. or. 47,33; 47,37; 47,41; 57,63; 57,64). Die p. war nicht gegen die Person des Schuldners, sondern nur durch Ergreifen seiner Vermögensstücke erlaubt ( enechyrasía…

Katenechyrasia

(199 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατενεχυρασία). Vom Faustpfand (ἐνέχυρον/ enéchyron, Hypotheke [1] A) abgeleitet, wurde die in der Regel vom Gläubiger privat durchzuführende Zwangsvollstreckung k., häufiger jedoch enechyrasía genannt. Die gängigste Bezeichnung war allerdings prā́xis (selten eisprā́xis ). Im griech. Bereich fand die Zwangsvollstreckung stets durch Beschlagnahme und Verkauf einzelner Vermögensstücke des Schuldners statt, nie in das Gesamtvermögen, jedoch (bes. in Ägypten) auch gegen die Person. Während in de…

Desmoterion

(393 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (δεσμωτήριον). In Athen gab es auf dem Markt (zur Lokalisierung [1]) ein Gefängnis (Demosth. or. 24,208f.), das seinen Namen den Fesseln, δεσμά ( desmá), verdankte, die den Gefangenen gewöhnlich in Form von Ketten und Fußfesseln angelegt wurden. Die Verwahrungsorte waren auch in anderen Poleis nicht ausbruchsicher. Über die Art der Vollstreckung der Haft (Fesselung, Besuchserlaubnis) entschied die Aufsichtsbehörde, in Athen die Elfmänner. Die Haft war immer Gemeinschaftshaft und wurde nicht als Strafe …

Emporikai dikai

(102 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐμπορικαὶ δίκαι). In Athen Klagen aus Handelsgeschäften, welche die überseeische Ein- und Ausfuhr betrafen. Als Parteien traten Großkaufleute und Reeder auf, auch Fremde und métoikoi . Die e.d. konnten nur in den Wintermonaten, während der Schiffsverkehr ruhte, anhängig gemacht werden. Sie fielen zuerst unter die Zuständigkeit der nautodíkai, dann der eisagogeís und schließlich (Aristot. Ath. pol. 59,5) unter die der thesmothétai . Mit der Zuständigkeit der eisagogeís mußten sie beschleunigt binnen Monatsfrist erledigt werden. Die Vollstreckun…

Kyrios

(897 words)

Author(s): Graf, Fritz (Princeton) | Theobald, Michael (Tübingen) | Thür, Gerhard (Graz)
(Κύριος, “Herr”). I. Religion [English version] A. Pagan Die Anrede einer als machtvoll erfahrenen Gottheit mit “Herr” ist verbreitet in griech. rel. Sprache. Seit Homer können Götter (bes. Apollon und Zeus) mit dem myk. Königstitel Anax (Ἄναξ), “König, Herr”, angeredet werden [1]; eine Reihe mächtiger Göttinnen (Kybele, Aphrodite, Artemis, Demeter und Persephone, Hekate, Isis) wird seit archa. Zeit als Despoina (Δέσποινα), “Herrin”, angerufen, etwas seltener männliche Götter als Despotes (Δεσπότης) [2;…

Phyge

(127 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (φυγή). Wörtlich “Flucht” aus der Rechtsgemeinschaft wegen drohender Blutrache, woraus der Zustand der “Verbannung” folgt. Für Mord in Athen schon von Drakon (E. 7. Jh.v.Chr.) vorgesehen (IG I3 104,11), später im griech. Recht oft anstelle der Todesstrafe geduldet (Demosth. or. 23,69) oder für polit. Verbrechen als Sanktion angeordnet, lebenslänglich ( aeiphygía ) oder zeitlich begrenzt ( apeniautismós ), im Falle des Ostrakismos auf 10 J.; durch Volksbeschluß oder aídesis (Bußvertrag) widerruflich. Der massenhaften ph. im 4. Jh.v.Chr. machte Alexand…

Arra, Arrabon

(384 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Angeld, insbes. beim Kauf. Nach dem Vorbild altoriental. Rechte (vgl. Gn 38,17) bildet bei den Griechen der ἀρραβών ( arrabṓn) ein Erfordernis der Haftungsbegründung. Zeichen der persönlichen Haftung war vornehmlich ein Ring. Seinem Symbolwert trat bald eine wirtschaftliche Funktion zur Seite: Vertragsbruch des Gebers der a. ließ diese dem Empfänger verfallen (das Angeld wirkt als Reugeld), Vertragsbruch des Empfängers löste eine Pflicht zur Rückgabe, meist sogar eines Mehrfachen der a. aus. Den Römern wurde die a. schon früh bekannt (Varro ling. 5,175)…

Klope

(269 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κλοπή). Diebstahl, Unterschlagung und Hehlerei. Raub, Unterschlagung von Tempeleigentum ( hierosylía ) einerseits und Taschendiebstahl durch gemeinschädliche Leute ( balantiotómoi , kakúrgoi ) andererseits wurde in Athen von k. unterschieden. K. an Privatvermögen konnte ausschließlich vom Bestohlenen durch díkē verfolgt werden, eine graphḗ wegen k. an staatlichem Vermögen ist unwahrscheinlich, da es andere Verfahren gab ( eúthynai , eisangelía ). Der nächtliche Dieb durfte straflos getötet oder privat verhaftet und de…

Paranoias graphe

(189 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παρανοίας γραφή). “Klage wegen Geisteskrankheit”. Wie in Rom wurde Verschwendung des ererbten (nicht des sonst erworbenen) Vermögens auch in Athen auf Geisteskrankheit zurückgeführt und zog ein Verfahren der Entmündigung nach sich. Plat. leg. 929d verlangt dafür zusätzlich zur Verschwendung noch Krankheit, Greisenalter oder ungewöhnliche Heftigkeit des Charakters. Das Recht Athens sieht eine Popularklage ( graphḗ [1]) gegen den Verschwender vor (Aristot. Ath. pol. 56,6), die in der Regel von einem erbberechtigte…

Anadikia

(127 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀναδικία). Der Grundsatz, daß eine vom Gericht entschiedene Sache nicht nochmals Gegenstand eines Prozesses sein durfte (für Athen Demosth. 24,54), wird in den griech. Rechten in Einzelfällen durchbrochen: im Säumnisverfahren und in einigen Fällen nach einer erfolgreichen Klage wegen falschen Zeugnisses, δίκη ψευδομαρτυρίων (Pseudomartyrias dike), ist erneutes Prozessieren, a., möglich. Das betrifft nach einem Scholion zu Plat. leg. 937d Prozesse um das Bürgerrecht, die Zeugnisklage selbst und Erbschaftsprozesse. Platon sieht…

Amblosis

(70 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἄμβλωσις). Die Abtreibung, von Plat. pol. 461c und Aristot. pol. 1335 b 25 unter bestimmten Voraussetzungen neben Aussetzung des Neugeborenen empfohlen, wurde in Griechenland von der allg. Meinung als verwerflich empfunden (Hippokr. 54,630,3). Eine Strafbarkeit der a. ist jedoch weder für das griech. (s. jedoch Cic. Cluent. 32) noch für das griech.-ägypt. Rechtsgebiet bezeugt. Abortio; Abtreibung Thür, Gerhard (Graz) Bibliography E. Cantarella, L'ambigno malanno, 21985, 66 f.

Gnome

(3,668 words)

Author(s): Gärtner, Hans Armin (Heidelberg) | Thür, Gerhard (Graz)
[1] Literaturgeschichtlich I. Griechisch [English version] A. Wortbedeutung Das Substantiv γνώμη (nicht bei Homer und Hesiod) mit seinem urspr. außerordentlich umfassenden Bedeutungsbereich ist als Nomen actionis zum Verbum γιγνώσκω ( gignṓskō) zu stellen [11; 37. 491; 27. 32 (auch zur Etym.)]; das Verbum liegt mit seinen Bedeutungen: “erkennen”, “sich eine Meinung bilden”, “beschließen” und “urteilen” zwischen den Polen: “Fähigkeit zum Erkennen eines Sachverhaltes” und “Resultat dieser Erkenntnis” [40. 20-39, bes. 32f.] und…

Demeusis

(187 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Δήμευσις). Vermögenseinziehung durch den Staat. 1. Im griech. Strafrecht begegnet sie als Nebenstrafe neben der Todesstrafe oder der lebenslänglichen Verbannung sowie neben den Strafen für schwere Verbrechen, wobei allerdings der Terminus D. nicht immer verwendet wurde. Vereinzelt kam D. in Athen auch als selbständige Strafe vor (vgl. Demosth. or. 47,44). Platon (leg. 855a) lehnte die Konfiskation, offenbar wegen der Ungerechtigkeit gegenüber den am Verbrechen unschuldigen Erben, rad…

Agraphiu graphe

(137 words)

Author(s): Mannzmann, Anneliese (Münster) | Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀγραφίου γραφή). In Athen Schriftklage wegen “Nichtaufschreibens” eines Schuldners (und damit Annullierung seiner Schuld), von Aristoteles (Ath. pol. 59,3) unter die öffentlichen Klagen gerechnet, die in den Kompetenzbereich der Thesmotheten fallen. Gemeint sind nach Demosthenes (58,51) Staatsschuldner, die eine Löschung ihres Namens auf der öffentlich aufgestellten Liste vorgenommen hatten, obwohl die Schuld nicht bezahlt war (von Demosthenes abhängig Harpokration, der noch Lyk…

Adikema

(62 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀδίκημα). Untechnisch für eine mit Absicht einer Privatperson gegenüber begangene Unrechtstat (Aristot. eth. Nic. 1135 b 20 f.; rhet. 1374 b 8); wenn A. mit Vermögensschädigung verbunden war, führte es zu einer Blabes dike. Manchmal wird auch das zu Unrecht gewonnene Gut als A. bezeichnet (Plat. leg. 906d). In den Papyri: Eheverfehlung, tätliche Beleidigung, Unterschleif. Thür, Gerhard (Graz)

Amnestia

(237 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀμνηστία). Gesetzmäßig festgesetzter Verzicht auf Anklage, Wiederaufnahme von Verfahren, Urteilsvollstreckung und Strafvollzug als Mittel, die streitenden Parteien nach internen oder externen Kriegen zu versöhnen. Plutarch (mor. 814b) nennt den athenischen Amnestiebeschluß von 403 v. Chr. τὸ ψήφισμα τὸ τῆς ἀμνηστίας ἐπὶ τοῖς τριάκοντα, während Aristoteles (Ath. pol. 39,6) und die Redner Andokides (1,90), Isokrates (18,3) und Aischines (2,176; 3,208) die originale Wendung ›nicht schlecht denken‹, μὴ μνη…

Pharmakeia

(141 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (φαρμακεία). Das Geben eines Heilmittels, Zaubermittels oder Giftes ( phármakon). Erfolgte durch eigenhändiges Verabreichen der Tod eines Bürgers, konnte in Athen eine δίκη φόνου ( díkē phónu, “Mordanklage”; phónos ) erhoben werden, über die der Áreios págos entschied (Demosth. or. 23; or. 24; Aristot. Ath. pol. 57,3). Strafe war bei Tötungsvorsatz der Tod, sonst Verbannung. Platon unterscheidet zw. der ph. von Ärzten und Magiern einerseits, von Laien andererseits (Plat. leg. 932e-933e). Der Versuch ist erst im ptolem. Ägypten strafbar …

Biaion dike

(78 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (βιαίων δίκη). Eine Privatklage, mit der man in Athen Raub, Notzucht an einer freien Person (männlichen oder weiblichen Geschlechts) sowie die Entführung einer freien Person zum Zwecke der Unzucht verfolgen konnte. Solon hatte im 6.Jh. v.Chr. hierfür eine Geldbuße festgesetzt, später trat zu der Buße an den Verletzten wegen öffentlichen Interesses noch eine Strafe in gleicher Höhe an den Staat. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography D. Cohen, Law, violence, and community in classical Athens, 1995.

Prorrhesis

(105 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πρόρρησις, wörtlich “Verkündigung”). Die p. ist urspr. ein Kampfmittel des Bluträchers (Blutrache) gegen den der Bluttat Bezichtigten. Wird jemand von einem, der nach dem Gesetz Drakons zur Blutrache berechtigt ist (IG I3 104,20-33; Demosth. or. 42,57), öffentlich als Mörder (Mord) angesprochen, hat er sich bis zum Blutprozeß ( phónos ) von der Agora und allen geheiligten Stätten fernzuhalten. Insgesamt gab es drei Gelegenheiten zur p.: am Grab des Ermordeten, auf der Agora und durch den Basileus (C.) (Aristot. Ath. pol. 57,2). Nur die let…

Epiorkia

(84 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπιορκία). bedeutete seit Homer zu allen Zeiten “Meineid” (nur einmal in Solons Gesetzen “Eid”, Lys. 10,17). Jeder Eid endete gewöhnlich mit einer Verwünschung des Meineidigen. Da die e. kein weltliches Delikt war, blieb ihre Ahndung, die sich nicht nur auf den Täter, sondern auch auf dessen ganzes Haus erstrecken konnte, den Göttern überlassen, die Zeugen und Garanten des Eides waren (Xen. an. 2,5,21; Demosth. or. 23,68; 19,220; Lys. 32,13). Eid Thür, Gerhard (Graz) Bibliography K. Latte, s.v. Meineid, RE 15, 346ff.

Argias graphe

(72 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀργίας γραφή). Nachdem bereits Drakon (vor 600 v. Chr.), wohl zur Erhaltung der Haushalte mit erblichem Grundeigentum, ein Gesetz gegen Müßiggang erlassen und diese mit atimia bedroht hatte, machte Solon (594/3 v. Chr.) die Klage zu einer öffentlichen, setzte die Strafe auf eine Geldstrafe herab und ließ erst bei dreimaliger Verurteilung atimia eintreten. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography E. Ruschenbusch, Unt. zur Gesch. des athenischen Strafrechts, 1968, 50 f.

Prodosia

(162 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (προδοσία). Aus Athen sind stete Bemühungen zur Bestrafung von “Landesverrat” ( p.) und “Hochverrat” ( katálysis tu dḗmu) überl. P. ist die Beeinträchtigung der äußeren Sicherheit des Staates, die bis zur Unterlassung der Bergung von Gefallenen und Schiffbrüchigen gehen konnte (Schlacht bei den Arginusen, 406 v. Chr.; Xen. hell. 1,7,22 und 32, wo auf ein Gesetz gegen Tempelräuber und Landesverräter Bezug genommen wird). Später fiel p. unter das Gesetz über eisangelía , doch wurden vielfach ad hoc Bestimmungen über p. erlassen (so nach der Schlacht bei Cha…

Kratesis

(119 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κράτησις) bezeichnet gemeingriech. in privatrechtlichen Beziehungen die tatsächliche, den körperlichen Zugriff erlaubende Gewalt über eine Sache, vergleichbar dem Besitz, jedoch nicht technisch im Sinne der röm. possessio verstanden (die Griechen kannten weder die Ersitzung ( usucapio ) noch einen speziellen Besitzschutz durch interdictum ). K. übte z.B. der Gläubiger an der verpfändeten Sache aus, auch wenn diese beim Schuldner verblieben war, ebenso der Pächter am gepachteten Grundstück. Wer die k. über eine Sache hatte, durfte darüber aber nic…

Hedna

(122 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἕδνα, ep. ἔεδνα). Nur im kollektiven Plural gebräuchlich, sind h. bei Homer Geschenke des Bräutigams an den Vater der Braut (Idee der “Kaufehe”) oder an die Braut selbst (ähnlich dem german. Wittum), doch abweichend Hom. Od. 1,277 und 2,196: Ausstattung der Braut durch ihren Vater (verwandt mit den parápherna oder der phernḗ ), manchmal auch als “Mitgift” zu deuten ( proíx ), nicht eindeutig zu klären: Od. 2,53 (Verbum); Il. 13,382 (Nomen hiervon). Vermutlich liegt den h. der archa. Gedanke zugrunde, soziale Beziehungen durch Gaben und Gegengaben zu vermitteln. Thür…

Apographe

(100 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀπογραφή) war in Athen jede schriftliche Erklärung gegenüber einer Behörde, insbes. die Abgabe eines Verzeichnisses vom Staat einzuziehender Güter. Danach wurde auch der Antrag auf Einziehung des verzeichneten Bestandes sowie das ganze Einziehungsverfahren a. genannt [1]. Für das Verfahren war das Geschworenengericht, in der Regel unter dem Vorsitz der Elfmänner, zuständig. In Ägypten bedeutete a. die schriftliche Anzeige an eine öffentliche Behörde über den Besitz- oder Personenstand sowie die Anmeldung zum Grundbuchamt [2]. Thür, Gerhard (Graz) Biblio…

Dikasterion

(851 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(δικαστήριον). A. Athen [English version] 1. Gerichtsstätte Es gab zwei Arten von Gerichtsstätten: solche, an denen über Tötungsverbrechen gerichtet wurde (φονικά, phoniká), und solche, an denen andere öffentliche oder private Klagen verhandelt wurden. Die ersten, fünf an der Zahl, waren aus sakralen Gründen am Stadtrand und nicht überdacht, um eine Befleckung durch den Angeklagten zu vermeiden (Antiph. 5,11; Aristot. Ath. pol. 57,4), die zweiten lagen am Markt oder in seiner unmittelbaren Nähe. Sie waren bis auf die beiden größten, die Hēliaía (Ἡλιαία) und die Stätte der ekklēsí…

Hierosylia

(102 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἱεροσυλία). In vielen griech. Poleis “Tempelraub”, Entwendung gottgeweihter Gegenstände aus einem Heiligtum, was sehr weit ausgelegt wurde (z.B. auch Unterschlagung von Silber bei staatlicher Münzprägung, Syll.3 530, Dyme in Achaia, bald nach 190 v.Chr. [2]). In Athen wurde H. im 5. Jh. vermutlich mit eisangelía verfolgt, später mit einer in die Zuständigkeit der Thesmotheten fallenden ἱεροσυλίας γραφή ( hierosylías graphḗ), in welcher Todesstrafe mit Verweigerung der Bestattung in Attika und Vermögensverfall drohten. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography…

Moicheia

(288 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (μοιχεία). Im griech. Recht heimlicher Geschlechtsverkehr mit einer freien, ehrbaren Frau gegen den Willen ihres kýrios (II.). Es ging also nicht nur um “Ehebruch”, sondern um die Verletzung der Familienehre; beleidigt war auch der nächste männliche Verwandte einer unverheirateten Frau. Nur der Vorstand des Hausverbandes ( oíkos ) sollte über Sexualität der Frau, Familienbeziehungen und Nachkommenschaft entscheiden. Drang ein Mann in diese Beziehung ein, verfiel er der privaten Rache. Er durfte, auf frischer Tat ertappt (Lys. 1,30; 13,66), vom kýrios oder …

Ephetai

(96 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐφέται). Im klass. Athen gab es neben dem Gerichtshof des Areios pagos in Blutsachen noch drei weitere Kollegialgerichte, die beim Palladion, beim Delphinion und in Phreatto tagten (Dikasterion) und mit 51 e. besetzt waren (Aristot. Ath. pol. 57,3f.). Dieses im Verhältnis zu den übrigen Dikasterien kleine Kollegium wurde aus Geschworenen (Dikastes) gebildet. Neuerdings nimmt man an, daß vor Solon E. auch an der Gerichtsstätte auf dem Areshügel tagten, zu denen damals allerdings noch nicht alle Bürger bestellt werden konnten. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography R…

Blabes dike

(120 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (βλάβης δίκη). Im griech. Recht eine Privatklage wegen Vermögensschädigung. Bei absichtlicher Schädigung hatte der Verurteilte den vom Kläger in der Klageschrift geschätzten Schaden doppelt zu ersetzen. Die b.d. dürfte urspr. auf Grund des Gesetzes nur bei Verletzung des Nachbarrechts zuständig gewesen sein. Erst die Rechtssprechung mag den engen Tatbestand auch auf andere Fälle der Vermögensschädigung ausgedehnt haben. In dieser Deliktsklage ist nach vorherrschender Meinung der Ursprung des griech. Vertra…

Aeiphygia

(90 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀειφυγία). Ewige Verbannung; in Athen archa. Strafe bei φόνος ( phónos, Mord), τραῦμα ( traúma, Körperverletzung) und τυραννίς ( tyrannís), vom Areopag als “Sondergerichtshof” ausgesprochen (nicht von der Heliaia in normalen Dikasterien). Es besteht Sippenhaftung, die Lebenden eines Geschlechts gehen in die Verbannung, die Toten werden aus den Gräbern gerissen, das Vermögen konfisziert (Demosth. 21,43 zu IG I3 104; 20,2. Plut. Solon 12). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography U. Kahrstedt, Staatsgebiet und Staatsangehörige in Athen, 1934, 97 ff.  P. J. Rhodes, …

Phasis

(581 words)

Author(s): von Bredow, Iris (Bietigheim-Bissingen) | Thür, Gerhard (Graz)
(Φάσις). [English version] [1] Fluß im südwestl. Kaukasus Fluß im südwestl. Kaukasos, der bei Ph. [2] in den Pontos Euxeinos mündete, h. Rioni. Seine Mündung verlagerte sich häufig, wobei das Festland anwuchs (vgl. Strab. 1,3,7). Eine Meeresbucht an der Mündung des Ph. erwähnt Ptol. 5,10,1. Der Ph. wird erstmals bei Hesiod (Hes. theog. 337-344) genannt. Er war über eine Strecke von 180 Stadien schiffbar (Ps.-Skyl. 81). Sein Oberlauf war ein reißender Bergfluß, den Prokopios mit eigener Bezeichnung Boas …

Diaitetai

(217 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(διαιτηταί). [English version] [1] Private Schiedsrichter Im griech. Recht allg. Bezeichnung für von beiden Parteien einvernehmlich bestellte “private” Schiedsrichter, die entweder zur Vermittlung oder zur endgültigen Streitentscheidung befugt waren (Demosth. or. 27,1; 59,47). Häufig bestellte jede Partei Vertrauensmänner, die sich dann auf einen Dritten einigten, so daß insgesamt drei d. das Schiedsgericht bildeten. Thür, Gerhard (Graz) [English version] [2] Athenischer Vor-Ausschuß bei Vermögensklagen In Athen hatte jeder Bürger nach Vollendung des 59. Le…

Exhaireseos dike

(151 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐξαιρέσεως δίκη). Wer behauptete, jemand sei sein Sklave, konnte in Athen gegen den Betreffenden eigenmächtig vorgehen und ihn mit sich “wegführen” (ἄγειν, ágein). Dagegen konnte wiederum ein Dritter auftreten, der den Ergriffenen mit einem Akt formaler Gewalt ‘in die Freiheit entriß’ (ἐξαιρεῖσθαι oder ἀφαιρεῖσθαι εἰς ἐλευθερίαν, exhaireísthai/aphaireísthai eis eleutherían; Aischin. in Timarchum 62; Demosth. or. 59,40; Lys. 23,9). Der Wegführende mußte dann den Ergriffenen, allerdings nur gegen Bürgenstellung, freigeben, konnte den Dritten aber mit e.…

Phonos

(355 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (φόνος). Tötung eines Menschen. Wegen ph. konnten im griech. Recht die nächsten Verwandten urspr. Blutrache (A.) üben; mit Erstarken der Polis, in Athen jedenfalls seit Drakon (E. 7. Jh.v.Chr.), waren sie auf eine Privatklage ( díkē ) wegen ph. beschränkt. Diese war beim basileús (I.C.) einzubringen, in drei Vorterminen wurden von den Parteien und Zeugen feierliche Eide ( diōmosía ) geschworen. Die Entscheidung fiel je nach Qualifikation der Tat in Gerichtsversammlungen, die an verschiedenen Kultstätten tagten ( dikastḗrion A.I.): Bereits Drakon untersch…

Rechtspluralismus

(331 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Auch nach der Eroberung Ägyptens durch Alexandros [4] d. Gr. (331 v. Chr.) lebte die einheimische Bevölkerung weiterhin in ihren angestammten Rechtsvorstellungen, wie sie in Urkunden (Demotisches Recht) und vielleicht Gesetzen (Codex Hermopolis) überl. sind. Die aus den griech. Söldnern und Einwanderern hervorgegangene Oberschicht des ptolem. Äg. regelte ihre privaten Angelegenheiten nach ihren eigenen, zu einer Rechtskoine verschmolzenen Vorstellungen. Nur die Griechenstädte Nau…

Katalysis

(152 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατάλυσις). Wörtlich “Auflösung”, gemeint “der Verfassung” (τοῦ δήμου, tu dḗmu), Hochverrat, in Athen entweder mit graphḗ oder eisangelía durch Einschreiten jedes beliebigen Bürgers zu verfolgen. Ob eine derartige eisangelía bereits auf Solon (6. Jh.v.Chr.) zurückgeht und vor den Areios pagos gehörte (Aristot. Ath. pol. 8,4), ist strittig. Nach dem in Demosth. or. 24,144 überlieferten Ratseid war bei k. die bulḗ zum Einschreiten berechtigt. Nach Aufhebung des Eisangeliegesetzes im J. 411 v.Chr. (Aristot. Ath. pol. 29,4) wurde k. 410/09 (And. 1,96-98) u…

Hyperocha

(231 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Wörtlich “Überschuß” (τὰ ὑπέροχα, tá hypérocha, oder ἡ ὑπεροχή, hē hyperochḗ), bezeichnet technisch den Mehrwert, um den der Wert der Pfandsache den Betrag der gesicherten Forderung übersteigt, lat. superfluum. Da das griech. Pfand dogmatisch als Verfallspfand aufzufassen ist (vgl. hypothḗkē ), bedurfte es bes. vertraglicher oder gesetzlicher Regelungen, wenn der Mehrwert einem weiteren Gläubiger als Sicherung dienen oder nach Pfandverkauf an den Pfandschuldner fallen sollte. Mehrfache Verpfändung ist bereits im 4. Jh. v.Chr. aus Athen belegt (vgl. hypot…

Gortyn

(1,205 words)

Author(s): Sonnabend, Holger (Stuttgart) | Thür, Gerhard (Graz)
Dieser Ort ist auf folgenden Karten verzeichnet: Apollon | Bildung | Christentum | Dunkle Jahrhunderte | Getreidehandel, Getreideimport | Hellenistische Staatenwelt | Hellenistische Staatenwelt | Kreta | Limes | Makedonia, Makedones | Pompeius | Roma | Roma | Theater [English version] I. Lage Eine der bedeutendsten und größten Städte auf Kreta, in der Mesara-Ebene am Fluß Lethaios gelegen, zw. den Dörfern Agi Deka und Mitropolis, 16 km (Strab. 10,4,7: 90 Stadien) vom Libyschen Meer entfernt, auch als Gortyna und Gortyne überliefert. Sonnabend, Holger (Stuttgart) …

Anakrisis

(116 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀνάκρισις). Nach Einbringen einer Klage treffen die Prozeßparteien einander in der a., einem Vorverfahren vor dem Gerichtsmagistrat. Ebenso wie die amtliche Diaita dient dieser Termin in Athen zu Vergleichsverhandlungen oder der Vorbereitung des Hauptverfahrens vor dem Dikasterion. In der a. haben die Parteien die Pflicht, einander Fragen zu beantworten. Man kann diesen Verfahrensabschnitt als den “dialektischen” bezeichnen, gegenüber dem “rhet.”, der Hauptverhandlung. Alles vor dem Dikasterion zu verwendende Beweism…

Koinonia

(97 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κοινωνία) bezeichnet in griech. Sprache allg. jegliche menschliche Gemeinschaft, wie Staat, Verein, Handelsgesellschaft oder Gemeinschaft von Erben oder Miteigentümern. Zu den Vereinen ist ein Gesetz Solons in Dig. 47,22,4, Gaius 4 ad legem XII tab. (= Solon fr. 76a Ruschenbusch) überliefert, Ges. und Gemeinschaft sind in den att. Quellen nur gelegentlich erwähnt. Auch in den Papyri drückt k. sowohl die röm. societas als auch die communio aus. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Harrison, The Law of Athens I, 1968, 240-242  A. Biscardi, Diritto greco a…

Agamiu dike

(123 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀγαμίου δίκη). In Sparta eine Strafklage, die von jedermann gegen denjenigen erhoben werden konnte, der nach Erreichung eines gewissen Alters sich nicht verheiratete (Plut. Lykurgos 15). Durch diese Klage wurde ein mittelbarer Zwang zur Ehe ausgeübt, denn dem Übertreter drohte eine teilweise Aufhebung der Bürgerrechte. Die Klage mag auch sonst noch im dor. Rechtsbereich vorgekommen sein (vgl. Strab. 10,482), in Athen ist sie nicht nachzuweisen. Wenn Platon (leg. 721b; 774a) in s…

Enechyrasia

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Ἐνεχυρασία). Im griech. Recht die Vollstreckung wegen Geldforderungen oder wegen Forderungen auf Herausgabe von Sachen. Sie geschah in das bewegliche oder unbewegliche Vermögen (außerhalb Athens auch gegen die Person) des Schuldners nach Ablauf einer nicht näher bekannten Frist auf Grund eines Urteils oder einer vollstreckbaren Urkunde durch private Pfandnahme des Gläubigers. Dieser mußte die Pfändungshandlung persönlich vornehmen. In Athen verschaffte ihm der dḗmarchos (Demarchoi) der Wohnsitzgemeinde des Schuldners den Zutritt zu den Pfa…

Exomosia

(154 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐξωμοσία), wörtlich “Freischwören”. 1) Im Prozeßrecht Athens konnte sich ein Zeuge der Pflicht, vor Gericht zu erscheinen (und damit das von einem der beiden Prozeßparteien vorformulierte Zeugnis zu bestätigen), dadurch entschlagen, daß er außergerichtlich einen feierlichen Eid leistete, die zu bezeugende Tatsache ‘nicht zu wissen’. Die e. zog keine rechtlichen Sanktionen nach sich, nur ein positives Zeugnis vor Gericht konnte mit Klage ( pseudomartyrías díkē ) angegriffen werden. Eine ähnliche Einrichtung ist als apōmosía im Rechtsgewährungsvertrag …

Graphe

(254 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(γραφή). [English version] [1] Klageschrift Wörtlich “Schrift”, hatte g. im Prozeßrecht der griech. Poleis allg. die Bedeutung “Klageschrift” (Demosth. or. 45; 46; vgl. auch IPArk 17; 114/5; 178 aus Stymphalos und SEG 27, 545, 27 und 33 aus Samos). Speziell in Athen wurde g. im eigentlichen Sinne von “Schriftklage” gebraucht, die jeder unbescholtene Bürger (ὁ βουλόμενος, “jeder, der will”) gegen Personen erheben konnte, welche bestimmte öffentliche Interessen verletzten, während der privat in seinen Rechten Verletzte sich mit díkē [2] wehren konnte. Diese Unterscheidung …

Codex Hermopolis

(282 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Mit diesem Namen wird eine etwa 2 m lange, von S. Gabra in Tuna-el-Gebel entdeckte Papyrusrolle bezeichnet, die zehn Kolumnen eines juristischen Textes in demot. Sprache enthält. Der Text stammt aus der 1. H. des 3. Jh.v.Chr., doch dürften einzelne Bestimmungen in die pharaonische Zeit zurückreichen; in POxy 46,3285 sind zwei Fragmente einer griech. Version erhalten, die in die 2. H. des 2. Jh.n.Chr. zu datieren sind. Den Inhalt kann man nach heutigem Verständnis in vier Abschnit…

Loidoria

(57 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (λοιδορία). Griech. “Schmähung”, urspr. vielleicht “Gotteslästerung” (Pind. O. 9,37). Bereits Solon stellte “schlecht Sprechen” unter Strafe (fr. 32f. Ruschenbusch); dieser Tatbestand umfaßte im 4. Jh. v.Chr. die Beleidigung durch Gebrauch bestimmter, enumerativ aufgezählter Worte ( kakēgoría ). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography R.W. Wallace, The Athenian Law against Slander, in: G. Thür (Hrsg.), Symposion 1993, 1994, 109-124.

Mord

(386 words)

Author(s): Neumann, Hans (Berlin) | Thür, Gerhard (Graz) | Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] I. Allgemein M. wird in der Ant. vielfach noch nicht von anderen Tötungsdelikten unterschieden. Die bes. Verwerflichkeit oder Gefährlichkeit eines Verhaltens, das zum Tode eines anderen Menschen geführt hat, wird in vielen ant. Rechten noch nicht zum Anlaß einer gerade darauf abstellenden Sanktion genommen. So wäre es für die altoriental. Rechte sowohl begrifflich als auch sachlich unangemessen, von einem bes. Tatbestand des Mordes innerhalb der Tötungsdelikte zu sprechen. Neumann, Hans (Berlin) [English version] II. Griechenland Auch in Griechenland gi…

Parakletos

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παράκλητος, wörtl. “Herbeigerufener”). In Athen hatten die Prozeßparteien ihre Sache grundsätzlich selbst zu vertreten, allenfalls unterstützt von nahestehenden Personen, die vor den Gerichtshöfen zusätzlich das Wort ergriffen ( sýndikos , synḗgoros ). Als Unsitte (Xen. mem. 4,4; Plat. apol. 34c; Plat. leg. 934e) hatte sich eingebürgert, daß die Angeklagten, die sich im Epilog ihrer Verteidigungsrede mit der Bitte um Freispruch an die Geschworenen wandten, ihre Frau, Eltern, Kinder, Verwand…

Enepiskepsis

(90 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐνεπίσκηψις). Bei der Konfiskation eines Vermögens ( dḗmeusis , dēmióprata ) konnte in Athen ein Dritter mit der Behauptung auftreten, ein bestimmtes Vermögensstück gehöre ihm oder sei ihm verpfändet. Erhob er deshalb Widerspruch in Form einer e., kam es zw. ihm und dem Betreiber der Konfiskation ( apographé ) zu einer diadikasía , in der entschieden wurde, ob der Staatsschuldner dem Dritten die Herausgabe jener Vermögensstücke “schulde” (Demosth. or. 49,45ff.; Hesperia 10, 1941, 14). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Harrison, The Law of Athens II,…

Dikastikos misthos

(304 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (δικαστικὸς μισθός). Tagegelder für athenische Geschworene seit Mitte des 5. Jh.v.Chr. (Aristot. Ath. pol. 2,2). In der frühen Demokratie Athens galt der Grundsatz der demokratischen staatsrechtlichen Gleichheit. Die zunehmende wirtschaftliche und soziale Ungleichheit führte aber in der Folge dazu, daß nur wirtschaftlich unabhängige Bürger, also nur der wohlhabende Teil der Stadtbevölkerung, an den Gerichtsversammlungen teilnahmen, während die minderbemittelten oder armen Bürger,…

Dosis

(142 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Das Substantiv leitet sich von διδόναι ( didónai) “geben” ab und hat wie auch das Verbum keine spezifisch juristische Bedeutung. Die Rechtsinstitute Schenkung und Stiftung lassen sich unter dem Terminus d. nur sehr unzulänglich erfassen: Die att. Redner gebrauchen διδόναι ( didónai) und διατιθέναι ( diatithénai; Diatheke) abwechselnd, wenn sie testamentarische Zuwendungen aus dem solonischen Gesetz rechtfertigen. In der großen Gesetzesinschrift von Gortyn bedeutet didónai “schenken” (col. IX 15-30, mit rechtlichen Beschränkungen). Beim Errich…

Katakremnismos

(68 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατακρημνισμός). Archa., später als bes. grausam gebrandmarkte Todesstrafe durch Herabstürzen von einem Felsen (in Athen in das Barathron, in Delphi wegen hierosylía vom Hyampischen Felsen, in Sparta in den Kaiadas). Der Strafvollzug durch k. wurde als kultisches Opfer verstanden; wer den Sturz überlebte, war straffrei. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography G. Thür, Die Todesstrafe im Blutprozeß Athens, in: The Journ. of Juristic Papyrology 20, 1990, 143-155.

Blutrache

(267 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz) | Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] A. Griechisches Recht Nach den ältesten Vorstellungen der Griechen hatten die Verwandten eines Erschlagenen die religiöse Pflicht, diesen durch das Blut des Täters zu rächen. Mit dem Erstarken der Polis, in Athen jedenfalls seit Drakon (7.Jh. v.Chr.), waren die Verwandten auf die gerichtliche Verfolgung des Täters durch eine δίκη φόνου ( díkē phónou: Blutklage) beschränkt. Diese blieb auch in klass. Zeit Privatklage. Noch zur Zeit Drakons war die B. durch Geldbuße (ποινή, poinḗ: Wergeld) ablösbar, wenn die Rächer einen Sühnepakt ( aídesis) mit dem Täter schlo…

Epikrisis

(119 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπίκρισις). Der Terminus war in Athen unbekannt. In den Inschr. wird e. als gerichtliche Kontrolle von behördlich verhängten Strafen gebraucht (IPArk. 3, 19,50: Tegea; Syll.3 1075, 6: Epidauros) oder als Zustimmung eines objektiven Dritten zu einem von den Streitparteien ausgehandelten Vergleich [1. 190ff.]. In der hell. Kanzleisprache findet sich das Verbum ἐπικρίνεσθαι ( epikrínesthai) für “Entscheiden” (Sherk 194f.), in IPArk. 31 B 22 für decernere ( decretum) einer röm. Behörde. Im röm. Ägypten war die e. das Verfahren, um die Zugehörigkeit zu ein…

Epidikasia

(170 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπιδικασία). Während in Athen die legitimen leiblichen oder zu Lebzeiten adoptierten ( eispoíēsis ) Söhne des Erblassers durch schlichtes embateúein sich des Nachlasses bemächtigen konnten, bedurften Außenerben hierzu eines E.-Dekrets durch den Archon (Archontes [I]). Diese der Erteilung der röm. bonorum possessio ähnliche Anordnung ermächtigte den Bewerber zum Antritt der Erbschaft, schloß aber eine spätere gerichtliche Entscheidung über das Erbrecht eines anderen Prätendenten ( diadikasía ) nicht aus. In gleicher Weise war auch die epíklēros

Asylia

(110 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀσυλία). Schutz von Personen und Sachen, zunächst im hl. Bereich des ἱερὸν ἄσυλον ( hierón ásylon). Bes. der Fremde, ξένος ( xénos), bedurfte der a., weil er einer anderen Rechtsordnung unterstand und im Gastland erst Rechtsschutz erhalten mußte, um vor gewaltsamen Übergriffen sicher zu sein. Vgl. hierzu den Rechtsgewährungsvertrag zwischen Oiantheia und Chaleion um 450 v.Chr. [1; 2]. Möglicherweise stammte alle profane A. und sogar die μετοικία ( metoikía) aus sakraler A. [3; 4]. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography 1 H. Bengtson, StV II, 21975, Nr. 146 2 H. van …

Hypomosia

(145 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὑπωμοσία). In Athen zwei Arten von eidlichen Erklärungen: 1. Im Prozeß konnte eine Partei selbst oder durch einen Vertreter den Antrag auf Vertagung stellen (Demosth. or. 48,25f.; schol. Demosth. or. 21,84), wenn wichtige Gründe vorlagen, wie Reise oder Begräbnispflichten. Der Gegner konnte dies durch ἀντωμοσία ( antōmosía, Gegeneid) bestreiten. 2. Wurde im Rat ( bulḗ ) oder in der Volksversammlung ( ekklēsía ) über einen Antrag verhandelt, konnte jeder Bürger bis zum Schluß der Verhandlung durch h. erklären, er werde gegen den Antragsteller eine Klage …

Hypallagma

(119 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὑπάλλαγμα). Wörtlich “Austausch”, ein im röm. Äg. durch Vertragsklauseln bestimmtes Sicherungsrecht des Gläubigers. Anders als die hypothḗkē gewährte das h. dem Gläubiger kein eigentumsähnliches Beherrschungsrecht über das im Besitz des Schuldners verbleibende Sicherungsobjekt, in der Regel ein Grundstück, sondern verpflichtete den Schuldner lediglich, bestimmte Gegenstände für die Befriedigung des Gläubigers im Wege der Zwangsvollstreckung bereitzuhalten. Die Verträge enthalten keine Verfallsklau…

Katengyan

(129 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατεγγυᾶν). “Vom Beklagten für dessen Erscheinen vor Gericht Bürgen fordern”. In Athen war das in Privatprozessen gegen Nichtbürger möglich (Demosth. or. 32,29; Isokr. or. 17,12; Lys. 23,9), die vor dem árchōn polémarchos anzubringen waren. Andernfalls wurde der Beklagte in Haft genommen. Bürgern drohte Entsprechendes in Verfahren, die mit apagōgḗ , ephḗgēsis (Aufforderung an einen Magistrat zur Festnahme eines Delinquenten) oder éndeixis eingeleitet waren. Im Freiheitsprozeß konnte derjenige, der die umstrittene Perso…

Asebeia

(97 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀσέβεια). Verletzung der Ehrfurcht vor den Göttern wurde bei den Griechen bestraft. Tempelraub (Hierosylie) unterlag einer bes. Sanktion, Entweihung und Verspottung göttl. Dinge wurden als a. zusammengefaßt. Als Mittel der Politik wurden a.-Klagen in Athen bes. bei Verletzung der Ehrerbietung gegenüber den Staatsgöttern gegen Naturphilosophen und Sophisten angestrengt. Deren Erklärung der Welt und Infragestellung aller überkommenen Anschauungen schien die staatliche Ordnung zu gefährden. Anaxagoras, Diagoras, Protagoras und Sokrates wurden in a.-P…
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