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Chthonische Götter

(1,908 words)

Author(s): Pongratz-Leisten, Beate (Tübingen) | Schlesier, Renate (Paderborn)
(Χθόνιοι θεοί). [English version] I. Alter Orient Im Mittelpunkt des Weltbildes altoriental. Agrarkulturen stehen die Erde und der sie mit Regen befruchtende Himmel, deren Trennung am Anfang der Schöpfung steht (sumer. ‘Erschaffung der Hacke’, 6,51ff.; hethit. Kumarbi-Mythos (Kumarbi), Ullikummi-Lied), jedoch hält sie ein Bindeglied zusammen (Geštinanna “Weinrebe des Himmels”). Die Erdscheibe schwimmt auf dem Süßwasserozean Apsû, beherrscht von Enki, der sich wiederum oberhalb der Unterwelt befindet (J…

Dagan

(355 words)

Author(s): Pongratz-Leisten, Beate (Tübingen)
[English version] (akkad. Dagān, hebr. dāgōn, griech. Dagṓn [1]). Die Etym. des Wortes ist unbekannt. Gleichsetzungen mit dem hurritischen Gott Kumarbi, der als halki, “Korn”, bezeichnet wird, legen jedoch auch einen agrarischen Charakter nahe [2]; dies wird wieder aufgenommen bei Philon von Byblos, der D. als den dritten der vier Söhne des Uranos nennt und als ‘Dagan, der Weizen ist’ bezeichnet (Eus. Pr. Ev. 1,10,36b [3]). In der westsemit. Mythologie als Sohn des El und Vater des Baal bezeugt, gehört D. zu den zentr…

Beros(s)os

(340 words)

Author(s): Pongratz-Leisten, Beate (Tübingen)
[English version] von Babylon. Priester des Bēl/Marduk, Zeitgenosse Alexandros' [4] d. Gr. (FGrH 680 T 1), Autor einer chaldäischen Geschichte in 3 Bd. für Antiochos [2] I., überliefert unter den Titeln Babylōniaká (F1 [1], F 2) oder Chaldaiká (T 8a, 7a, 11). Bd. 1: Geographie Babyloniens (nach Vorbild hell. Ethnographie); Fischmensch ( apkallu Syn. für Weiser) Oannes als Kulturbringer; Kosmogonie; Anthropogonie. Bd. 2: 10 vorsintflutliche Könige; Flutbericht; entsprechend aus Uruk überlieferter babylon. Tradition (van Dijk [2]) nachsintflutliche…

Ekstase

(878 words)

Author(s): Pongratz-Leisten, Beate (Tübingen) | Graf, Fritz (Princeton)
[English version] I. Alter Orient In Mesopot. wird der ekstatische Zustand beschrieben mit maḫû, “außer sich, verrückt sein, rasen”. Evtl. deutet auch das in den Mari-Briefen verwendete Verb tebû, “sich erheben”, bereits auf den bes. mentalen Zustand eines Propheten hin. Die Bezeichnung maḫḫû, “Ekstatiker”, ist seit dem 24. Jh.v.Chr. immer wieder belegt [1]. E. ereignet sich vorwiegend im Kontext von Orakelgebung am Tempel und ist damit kontrollierbar. Über das Verfahren der E. werden Mitteilungen der Gottheit legitimiert (Divination). …

Autobiographie

(2,047 words)

Author(s): Pongratz-Leisten, Beate (Tübingen) | Görgemanns, Herwig (Heidelberg) | Berschin, Walter (Heidelberg)
[English version] I. Alter Orient Im Alten Orient existiert eine heterogene Gruppe von Texten, denen aufgrund formaler (1. Person Singular) und semantischer Kategorien (Reflektion auf vergangenes Handeln im Hinblick auf eine gegenwärtige oder zukünftige Sinnstiftung) autobiographischer Charakter zuzuschreiben ist. Dazu gehören in Mesopotamien zum einen Texte, die mehr oder weniger fiktiv zu einem späteren Zeitpunkt über einen Ausschnitt des Lebens großer Herrscher der Vergangenheit berichten, so über…

Gottkönigtum

(141 words)

Author(s): Pongratz-Leisten, Beate (Tübingen)
[English version] Ein im Sinne J.G. Frazers (1854-1941) und I. Engnells [1] mit dem Neujahrsfest bzw. dem sterbenden und auferstehenden Gott (Tammuz) verknüpftes G. gibt es im Alten Orient nicht. H. Frankforts Differenzierung zw. G. (“divine kingship”) und sakralem Königtum (“sacral kingship”) [2], d.h. zw. König als Objekt des Kultes bzw. seiner Funktion als Priester, stellte einen Fortschritt dar, beschränkt die Perspektive jedoch auf den Bereich des Kults. Im Ansatz bereits bei Labat [3] verarb…