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Castra

(1,894 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon) | Förtsch, Reinhard (Köln) | Šašel Kos, Marjeta (Ljubljana) | Lombardo, Mario (Lecce) | Todd, Malcolm (Exeter) | Et al.
A. Militärlager [English version] [I 1] Allgemein Die röm. Soldaten sorgten immer dafür, durch Befestigungsanlagen geschützt zu sein. Dies galt auch, wenn sie auf Feldzügen nur für eine Nacht Halt machten. Abends bei der Ankunft mußte das Marschlager errichtet und morgens beim Aufbruch wieder zerstört werden. Der Plural c. bezeichnete jegliche Art von Militärlager, der Singular castrum existierte zwar, wurde im mil. Vokabular jedoch nicht benutzt. Castellum, das auch eine zivile Bed. hatte, ist Diminutiv zu c. (Veg. mil. 3,8). Der Ursprung der röm. Lager liegt im Ungewissen…

Militärschriftsteller

(474 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Die intellektuelle Ausbildung der künftigen Offiziere des röm. Heeres beruhte auf der Lektüre und Erklärung der Schriften von Historikern wie Polybios und Livius sowie der mil. Dienstanweisungen, die unter Augustus und Hadrianus in Kraft gesetzt worden und noch unter Severus Alexander gültig waren (Veg. mil. 1,27: Augusti atque Hadriani constitutiones; Suet. Aug. 24f.; vgl. Cass. Dio 69,9,4). Daneben wurden auch Schriften von Cato, Marius [I 1], Rutilius Rufus (Val. Max. 2,3,2) und Arrius [II 5] Menander gelesen. Unter Constant…

Kriegsbeute

(1,470 words)

Author(s): Renger, Johannes (Berlin) | Burckhardt, Leonhard (Basel) | Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] I. Alter Orient Im Alten Orient galt das Aufbringen von K. der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen (z.B. Metallen Äg.: Gold aus Nubien, Silber aus Kilikien, Kupfer aus Zypern (MR); Assyrien: Eisen aus Iran, Silber aus Kilikien; Kilikes, Kilikia) und für die weitere Kriegsführung benötigten Objekten (z.B. Pferde, Streitwagen im Assyrien des 1. Jt.v.Chr.) oder diente zur Versorgung der königl. Hofhaltung mit Luxusgütern zu Prestigezwecken. K. ist von Tributleistungen zu unterscheiden,…

Militärstrafrecht

(475 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Das im röm. Heer geltende Strafrecht kannte zwei unterschiedliche Kategorien von Vergehen. Die erste Kategorie betraf solche Delikte, die auch im zivilen Bereich geahndet wurden, etwa Diebstahl oder das crimen maiestatis ( maiestas ). Die zweite Kategorie umfaßte die spezifischen Verfehlungen im Militärdienst, vor allem Ungehorsam gegenüber den Vorgesetzten, unerlaubtes Entfernen von der Einheit, Desertion ( desertor ) und Verrat ( perduellio ). Die Zusammensetzung des Militärtribunals sowie die Strafen wandelten sich ent…

Ordo

(898 words)

Author(s): Paulus, Christoph Georg (Berlin) | Galsterer, Hartmut (Bonn) | Le Bohec, Yann (Lyon) | Heimgartner, Martin (Basel)
bezeichnet lat. sowohl eine Ordnung (z.B. eine Marsch- oder Prozeßordnung) als auch die Gruppe oder Körperschaft, in die mehrere oder viele eingeordnet waren (auch im Pl. ordines), z.B. die röm. Ritterschaft ( o. equester). [English version] I. Prozessrecht Im prozessualen Kontext wird o. herkömmlicherweise in der Zusammensetzung ›o. iudiciorum‹ (Cod. Iust. 7,45,4) verwendet. Damit werden die ordentlichen Verfahrenstypen (vgl. noch heute: ›ordentliche‹ Gerichtsbarkeit) sowohl des Formularprozesses ( formula ) als auch des Legisaktionenverfahrens ( legis actio

Bewaffnung

(2,167 words)

Author(s): Burckhardt, Leonhard (Basel) | Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] I. Griechenland Die Bewaffnung griech. Heere in geom. Zeit ist lit. vor allem in der Ilias dokumentiert, arch. durch vornehmlich aus Gräbern stammenden Waffenfunde und Vasendarstellungen. Diese Quellengattungen sind nicht immer in Übereinstimmung zu bringen, da Homer einige seiner Helden Waffen aus myk. Zeit benutzen läßt, die arch. nicht mehr belegt sind (z.B. Eberzahnhelm, Il. 10,261-265; Lang- oder Turmschild, Il. 7,219-223; Streitwagen, die auf geom. Vasen oft dargestellt sind …

Pilum

(536 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] In einer kurzen Erwähnung bei Servius (Serv. Aen. 7,664: pilum proprie est hasta Romana) wurde das p., ein Wurfspeer, für den typischen röm. Speer gehalten. Zu den frühsten Zeugnissen für die Verwendung des p. im röm. Heer gehört die Darstellung der Schlacht bei Panormos 250 v.Chr. (Pol. 1,40). Bei Livius werden die ersten beiden Schlachtreihen der Legionen der Zeit um 340 v.Chr. als antepilani (“Soldaten vor den Trägern des p.”) bezeichnet (Liv. 8,8). Polybios spricht in seiner Darstellung des röm. Heeres von γρόσφοι/ grósphoi als den Speeren der jüngsten Sold…

Bucinatores

(116 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Die b. waren neben den tubicines und cornicines Musiker im röm. Heer; die bucina war ein Blasinstrument aus Bronze (Veg. mil. 2,11; 3,5), dessen genaue Form strittig ist. Signale der bucina regelten in der Zeit der Republik den Wachdienst bei Nacht (Pol. 6,35; Liv. 7,36; Frontin. strat. 1,5,17). Während des Principats wurde im Lager das convivium durch das Signal der bucina beendet (Tac. ann. 15,30,1), in der Spätant. gaben die b. bei der Hinrichtung von Soldaten das Signal. aeneatores Le Bohec, Yann (Lyon) Bibliography 1 R. Meucci, Riflessioni di archeologia mus…

Kriegsfolgen

(1,039 words)

Author(s): Burckhardt, Leonhard (Basel) | Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] I. Griechenland Welche Folgen ein Krieg im ant. Griechenland für Individuen, Städte oder Königreiche hatte, hing von seiner Dauer und Dimension ab; eine Sytematisierung oder Verallgemeinerung der K. ist daher nicht unproblematisch. Mehrere Autoren beschreiben das schreckliche Aussehen eines Schlachtfeldes (Xen. hell. 4,4,12; Xen. Ag. 2,14f.; Plut. Pelopidas 18,5; vgl. Thuk. 7,84f.). Während einer Hoplitenschlacht fielen in klass. Zeit durchschnittlich 5% der Sieger und 14% der Verl…

Disciplina militaris

(849 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Das lat. Wort disciplina bezeichnet a) ein Wissensgebiet oder eine Wissenschaft und b) Gehorsam. In Verbindung mit dem röm. Militärwesen erscheint disciplina meist in der zweiten Bed.; bei Frontinus wird die Kenntnis des Militärwesens rei militaris scientia genannt (Frontin. strat. 1 praef. 1). Die Wendung disciplina militaris wird von Valerius Maximus sowie Plinius gebraucht und ist überdies epigraphisch belegt (Val.Max. 2,7; Plin. epist. 10,29; S.c. de Cn. Pisone patre, 52; ILS 3809). Tacitus charakterisiert mit den Worten militia disciplinaque nostra de…

Ala

(313 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] [1] Teil des röm. Atriumhauses Teil des röm. Atriumhauses (Haus; Atrium). Zwei einander gegenüberliegende, auf ganzer Breite und Höhe offene Räume, die die Querachse vor dem Tablinum, dem Hauptraum des Hauses bilden, werden als a. bezeichnet. A. sind im röm. Hausbau weit verbreitet, geeignete Entwurfsproportionen nennt Vitruv (6,3,4). Die Herkunft des Typus ist unklar; die in Vitruvs Beschreibung des tuskanischen Tempels (4,7,1) oft konjizierten alae (anstelle des überlieferten aliae) als Terminus für die beiden äußeren cellae des etr. Tempels (Tempel) …

Aeneatores

(104 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] waren die bereits in der servianischen Centurienordnung belegten Musiker der röm. Legionen; zu ihnen gehörten die tubicines, cornicines und bucinatores, die im Lager, auf dem Marsch und während der Schlacht die Befehle der Offiziere übermittelten. Das Wort a. erscheint in der Kaiserzeit nur einmal (CIL XIII 6503); im 4. Jh. n. Chr. werden sie bei Amm. 16,12,36 und 24,4,22 erwähnt. bucinatores, cornicines, tubicines Le Bohec, Yann (Lyon) Bibliography 1 A. Baudot, Musiciens romains de l'Antiquité, 1973 2 R. Meucci, Riflessioni di archeologia musicale, in: N…

Decimatio

(203 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Die d. ist eine im röm. Heer selten angewandte Form der Bestrafung einer ganzen Einheit (Pol. 6,38; Frontin. strat. 4,1,34; 4,1,37; Quint. decl.348). Die Tribunen wählten durch Los jeden zehnten Mann aus; die Züchtigung konnte auch abgeschwächt werden, indem man nur einen Mann von hundert auswählte (SHA Opil. 12,2). Die auf diese Weise bestimmten Opfer wurden nicht durch das Beil, sondern durch Stockschläge hingerichtet (Tac. ann. 3,21,1). Diese als sehr streng geltende Strafe wur…

Exauctorare

(211 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Mit dem Verb e. wird der juristische Akt bezeichnet, durch den ein röm. Feldherr einen Soldaten oder eine ganze Einheit vom Fahneneid entband. Eine solche Handlung konnte zum gesetzlich vorgesehenen Zeitpunkt vorgenommen werden, in der Zeit der Republik etwa nach einem Sieg, in der Prinzipatszeit nach Ende der gesetzlich vorgeschriebenen Dienstzeit der Soldaten (Suet. Aug. 24,2; Suet. Tib. 30; Tac. ann. 1,36,4; Tac. hist. 1,20,6). Im Ausnahmefall konnte damit eine Belohnung verbunde…

Feldzeichen

(800 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Die F. des röm. Heeres erfüllten eine wichtige taktische Funktion: die Übermittlung der Befehle des Feldherrn; in diesem Falle wurden sie vom Klang des cornu begleitet (Veg. mil. 2,22). Aufgrund ihrer Bed. erlangten sie eine geradezu rel. Geltung (vgl. etwa Tac. ann. 1,39,4). Der Überl. nach soll Romulus an die erste Legion Tierzeichen wie den Adler, den Wolf, das Pferd, das Wildschwein und den Minotaurus vergeben haben (Plin. nat. 10,16). Jeder der dreißig Manipel erhielt damals angeblich ein signum (Ov. fast. 3,115; Plut. Romulus 8). In der Republik wurden die hasta…

Corvus

(136 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] [1] militärisch Die Erfindung des c. (“Rabe”) wird C. Duilius, cos. 260 v.Chr. und Sieger über die Karthager in der Schlacht bei Mylae, zugeschrieben. Es handelte sich um eine Enterbrücke, die am Bug des Schiffes angebracht war und mit Hilfe einer Rolle und eines Seils dirigiert wurde. Wenn man sie auf das feindliche Schiff niederfallen ließ, blieb ein Metallhaken fest im Verdeck stecken; so konnte die Takelage des Gegners beschädigt werden, die röm. Soldaten konnten das Schiff entern (Pol. 1,22,23). Mit der Erfindung des c. wurde der Taktik des Enterns der Vorz…

Contubernium

(149 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] bedeutete im eigentlichen Sinne des Wortes eine Gemeinschaftsunterkunft von Soldaten; entweder handelte es sich um ein Zeltlager während einer expeditio oder um Baracken in einem ständigen Lager (Tac. ann. 1,41,1). Daraus ergaben sich zwei weitere Wortbedeutungen: Der Begriff wurde auch für eine Gruppe von Soldaten benutzt, die eine Unterkunft teilten, und er bezeichnet außerdem ein daraus entstandenes Gefühl der Zusammengehörigkeit, des Vertrauens und der Solidarität (Suet. Tib. 14,4; Caes. civ. 2,29). Dies schloß auch die Offiziere ein. Das c. scheint ke…

Desertor

(268 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] In der röm. Armee wurde als d. betrachtet, wer nicht beim Appell erschien (Liv. 3,69,7), wer sich während einer Schlacht aus der Reichweite des Trompetenschalles entfernte oder wer seine Einheit in Friedenszeiten ohne Erlaubnis, ohne commeatus (Suet. Oth. 11,1; SHA Sept. Sev. 51,5; Dig. 49,16,14), verließ (‘sich von den signa entfernte’). Die Strafen waren unerbittlich: je nach Fall drohte die Sklaverei (Frontin. 4,1,20), die Verstümmelung (SHA Avid. 4, 5) oder der Tod (der Verurteilte wurde mit Ruten geschlagen und daraufhin von dem Tarpeium saxum herabgeworfe…

Armamentaria

(167 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Die a., Arsenale, die sich in der Frühzeit in Rom selbst befanden, wurden mit der Expansion des Imperium Romanum auch in die Städte nahe der Kriegsschauplätze verlagert. In den Legionslagern der Principatszeit befanden sich die a. in den principia, für die Marine in den Häfen (CIL VI 999, 2725; VIII 2563); in Rom existierte ein a. in den castra praetoria. Die Waffen wurden nach Typ, nicht nach Einheiten gelagert und von den armorum custodes bewacht; das a. unterstand einem curator operis armamentarii und einem magister, der von einem scriba armamentarii und einem archit…

Auszeichnungen, militärische

(811 words)

Author(s): Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] Um die Tapferkeit und den Mut von Soldaten zu belohnen, wurden im röm. Heer - wie in allen anderen Heeren auch - A. vergeben, die den Vorteil hatten, daß sie das Gemeinwesen wenig kosteten und gleichzeitig das Bewußtsein soldatischer Ehre verstärkten (Pol. 6,39). Das starke Empfinden für hierarchische Strukturen hatte auch Einfluß auf derartige A., denn sie wurden abhängig vom Dienstgrad des Empfängers vergeben ( dona militaria ). Wie A. Büttner gezeigt hat, waren die röm. A. sicherlich ital., daneben aber auch kelt., griech. …
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