Search

Your search for 'dc_creator:( "Thür, Gerhard (Graz)" ) OR dc_contributor:( "Thür, Gerhard (Graz)" )' returned 174 results. Modify search

Sort Results by Relevance | Newest titles first | Oldest titles first

Proklesis

(196 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πρόκλησις), wörtlich “Aufforderung”. Die Konzentration des Prozesses vor den athen. Geschworenengerichten ( dikastḗrion ) auf eine einzige, zeitlich begrenzte Hauptverhandlung erforderte umsichtige Vorbereitung des Prozeßstoffs vor dem Prozeß oder im Vorverfahren vor dem jeweiligen Gerichtsmagistrat ( anákrisis , diaitētaí ). Eine Möglichkeit, den Gegner vor der Hauptverhandlung zu gewissen bindenden Stellungnahmen zu provozieren, war die p. Diese bedeutet sowohl den Akt einer vor Zeugen an den Gegner gerichteten Erklärung, als auch…

Mord

(386 words)

Author(s): Neumann, Hans (Berlin) | Thür, Gerhard (Graz) | Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] I. Allgemein M. wird in der Ant. vielfach noch nicht von anderen Tötungsdelikten unterschieden. Die bes. Verwerflichkeit oder Gefährlichkeit eines Verhaltens, das zum Tode eines anderen Menschen geführt hat, wird in vielen ant. Rechten noch nicht zum Anlaß einer gerade darauf abstellenden Sanktion genommen. So wäre es für die altoriental. Rechte sowohl begrifflich als auch sachlich unangemessen, von einem bes. Tatbestand des Mordes innerhalb der Tötungsdelikte zu sprechen. Neumann, Hans (Berlin) [English version] II. Griechenland Auch in Griechenland gi…

Martyria

(365 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (μαρτυρία). Im griech. Recht das Ablegen eines Prozeßzeugnisses sowie dessen Inhalt oder die zu diesem Zweck errichtete Urkunde. Zeugen (μάρτυρες, mártyres; Synonyme [2. 2032f.]) wurden zu Geschäften förmlich hinzugezogen, zu Unrechtstaten vom Verletzten oder dem Rächer herbeigerufen. Im Prozeß zur Zeit der att. Redner (5./4. Jh.v.Chr.) bestätigten sie unvereidigt, einen vom Beweisführer aufgesetzten formelhaften Satz “zu wissen” oder bei einem Ereignis “dabeigewesen zu sein”. Lediglich im Blutproze…

Engyesis

(106 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐγγύησις). In Griechenland ein unter Zuziehung von Zeugen zwischen dem Bräutigam und dem kýrios der Braut abgeschlossener feierlicher Rechtsakt, der die ehemännliche Gewalt begründete (auch ἐγγύη, engýē genannt), früher unrichtig als “Verlobung” gedeutet. Er wurde erst mit der Übergabe der Braut an den Mann, ékdosis , voll wirksam. In Gortyn wird e. nie erwähnt, wohl aber von Platon (leg. 774e). In den Papyri ist e. Synonym von engýē . Thür, Gerhard (Graz) Bibliography H.J. Wolff, Beiträge zur Rechtsgesch. Altgriechenlands, 1961, 170 (aus 1944)  Ders., Die Gru…

Apagoge

(121 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀπαγωγή). Die “Abführung” war ein scharfes Schnellverfahren in Strafsachen in Athen. In ihrer ursprünglichen Gestalt gestattete sie, zwei Kategorien von Verbrechern (κακοῦργοι und ἄτιμοι, kakúrgoi und átimoi), wenn sie auf frischer Tat ertappt waren, später auch bei offenkundigen Tatbeständen, ins Gefängnis abzuführen und bei einem Geständnis sofort zu bestrafen, sonst in Haft zu behalten und dem Gericht zu überstellen. Zuständig waren teils die Elfmänner, teils die Thesmotheten. Die Strafe war der Tod. Später konnte an Stelle der a. eine schriftliche An…

Desmoterion

(393 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (δεσμωτήριον). In Athen gab es auf dem Markt (zur Lokalisierung [1]) ein Gefängnis (Demosth. or. 24,208f.), das seinen Namen den Fesseln, δεσμά ( desmá), verdankte, die den Gefangenen gewöhnlich in Form von Ketten und Fußfesseln angelegt wurden. Die Verwahrungsorte waren auch in anderen Poleis nicht ausbruchsicher. Über die Art der Vollstreckung der Haft (Fesselung, Besuchserlaubnis) entschied die Aufsichtsbehörde, in Athen die Elfmänner. Die Haft war immer Gemeinschaftshaft und wurde nicht als Strafe …

Embateuein

(80 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐμβατεύειν). In Athen das Besitzergreifen durch “Betreten” unbeweglicher Sachen (auch von Schiffen, Demosth. or. 33,6) auf Grund eines Rechtes zum Besitz (Erbrecht des Haussohnes, Pfandrecht, Gerichtsurteil). In den Papyri Ägyptens bedeutete ἐμβαδεία ( embadeía) die amtliche Besitzeinweisung als dritte Stufe der Zwangsvollstreckung in Liegenschaften. Erbrecht Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A. Kränzlein, Eigentum und Besitz im griech. Recht, 1963, 94ff.  A.R.W. Harrison, The Law of Athens I, 1968, 156; 272; 283  H.-A. Rupprecht, Einführung in die…

Kataballein

(44 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταβάλλειν). Jede Art, eine Geldzahlung vorzunehmen, aber auch sonstige Leistungen zu erlegen. Reichliche Belege aus dem öffentlichen Leben bei [1]. Zahlen von Gerichtsgebühr in IPArk 17,42 (=IG V 2,357). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography 1 J. Oehler, s.v. K., RE 10, 2357f..

Horoi

(256 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὅροι). Grenzsteine, die im gesamten griech. Bereich die Grenzen (ebenfalls h. genannt) des Staatsgebietes, von Tempelbezirken und -grundstücken, öffentlichen Plätzen und privatem Grund, markierten. Sie tragen oft nur die Aufschrift hóros, manchmal mit näheren Zusätzen, und standen unter dem Schutz des Zeus Horios. Nach zw.-staatlichen Schiedssprüchen in Grenzstreitigkeiten [4] und Revision von verpachtetem Tempelland [8] traten häufig Kommissionen von horistaí auf, die h. im Gelände setzten. Da die griech. Poleis kein Grundbuch kannten, erfüllten h. a…

Klope

(269 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κλοπή). Diebstahl, Unterschlagung und Hehlerei. Raub, Unterschlagung von Tempeleigentum ( hierosylía ) einerseits und Taschendiebstahl durch gemeinschädliche Leute ( balantiotómoi , kakúrgoi ) andererseits wurde in Athen von k. unterschieden. K. an Privatvermögen konnte ausschließlich vom Bestohlenen durch díkē verfolgt werden, eine graphḗ wegen k. an staatlichem Vermögen ist unwahrscheinlich, da es andere Verfahren gab ( eúthynai , eisangelía ). Der nächtliche Dieb durfte straflos getötet oder privat verhaftet und de…

Blutrache

(267 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz) | Schiemann, Gottfried (Tübingen)
[English version] A. Griechisches Recht Nach den ältesten Vorstellungen der Griechen hatten die Verwandten eines Erschlagenen die religiöse Pflicht, diesen durch das Blut des Täters zu rächen. Mit dem Erstarken der Polis, in Athen jedenfalls seit Drakon (7.Jh. v.Chr.), waren die Verwandten auf die gerichtliche Verfolgung des Täters durch eine δίκη φόνου ( díkē phónou: Blutklage) beschränkt. Diese blieb auch in klass. Zeit Privatklage. Noch zur Zeit Drakons war die B. durch Geldbuße (ποινή, poinḗ: Wergeld) ablösbar, wenn die Rächer einen Sühnepakt ( aídesis) mit dem Täter schlo…

Hetaireseos graphe

(99 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἑταιρήσεως γραφή). In Athen bei den Thesmotheten einzubringende Popularklage gegen Männer, die ein öffentliches Amt bekleideten oder vor dem Rat oder der Volksversammlung als Redner auftraten, obwohl sie sich gegen Geld zu homosexuellem Verkehr bereitfanden (Aristoph. Plut. 153; Demosth. or. 22,23.29; Aischin. 1,19f.; 1,29; 1,51; 1,72; 1,87). Das Gesetz (Demosth. or. 22,21) sieht Todesstrafe vor und richtet sich auch gegen einen Vater oder Vormund, der Sohn oder Mündel prostituierte. Nichtbürger fielen nicht unter diese Vorschrift. Prostitution Thür, Ge…

Kyrios

(897 words)

Author(s): Graf, Fritz (Princeton) | Theobald, Michael (Tübingen) | Thür, Gerhard (Graz)
(Κύριος, “Herr”). I. Religion [English version] A. Pagan Die Anrede einer als machtvoll erfahrenen Gottheit mit “Herr” ist verbreitet in griech. rel. Sprache. Seit Homer können Götter (bes. Apollon und Zeus) mit dem myk. Königstitel Anax (Ἄναξ), “König, Herr”, angeredet werden [1]; eine Reihe mächtiger Göttinnen (Kybele, Aphrodite, Artemis, Demeter und Persephone, Hekate, Isis) wird seit archa. Zeit als Despoina (Δέσποινα), “Herrin”, angerufen, etwas seltener männliche Götter als Despotes (Δεσπότης) [2;…

Amblosis

(70 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἄμβλωσις). Die Abtreibung, von Plat. pol. 461c und Aristot. pol. 1335 b 25 unter bestimmten Voraussetzungen neben Aussetzung des Neugeborenen empfohlen, wurde in Griechenland von der allg. Meinung als verwerflich empfunden (Hippokr. 54,630,3). Eine Strafbarkeit der a. ist jedoch weder für das griech. (s. jedoch Cic. Cluent. 32) noch für das griech.-ägypt. Rechtsgebiet bezeugt. Abortio; Abtreibung Thür, Gerhard (Graz) Bibliography E. Cantarella, L'ambigno malanno, 21985, 66 f.

Hybris

(464 words)

Author(s): Heinze, Theodor (Genf) | Thür, Gerhard (Graz)
(ὕβρις). Ethischer Begriff zur Bezeichnung absichtlich entehrenden Verhaltens einschließlich erniedrigender körperlicher Übergriffe wie z.B. Vergewaltigung (maßgebliche Definition: Aristoteles rhet. 1378 b; lat. superbia). Etym. ist h. wohl von hethit. huwap-: “mißhandeln” mit Subst. * huwappar > * huppar abzuleiten [1]. Positive Gegenbegriffe: aidṓs , díkē , eunomía , sōphrosýnē . [English version] I. Allgemein In der frühgriech. Lit. erscheint h. in der vielfach variierten Begriffskette ólbos - kóros - hýbris - átē (“Reichtum” - “Sattheit” - “Übermut” - “Verderbe…

Katakremnismos

(68 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατακρημνισμός). Archa., später als bes. grausam gebrandmarkte Todesstrafe durch Herabstürzen von einem Felsen (in Athen in das Barathron, in Delphi wegen hierosylía vom Hyampischen Felsen, in Sparta in den Kaiadas). Der Strafvollzug durch k. wurde als kultisches Opfer verstanden; wer den Sturz überlebte, war straffrei. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography G. Thür, Die Todesstrafe im Blutprozeß Athens, in: The Journ. of Juristic Papyrology 20, 1990, 143-155.

Chresis

(78 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Χρῆσις). Wörtlich “Gebrauch machen”, aber auch “zur Verfügung stellen”, umfaßt Leihe und Darlehen im heutigen Sinne (die Bed. “Orakelspruch” kann hier außer Betracht bleiben). Für Darlehensgeschäfte wechselt die Bezeichnung ch. bereits in Athen mit dem engeren, technisch gebrauchten Begriff dáneion ab (Demosth. or. 49,6; 7; 17; 21; 44; 48). Chresis Thür, Gerhard (Graz) Bibliography H.-A. Rupprecht, Unt. zum Darlehen im Recht der graeco-ägypt. Papyri der Ptolemäerzeit 1967, 6ff.  Ders., Einführung in die Papyruskunde, 1994, 118.

Diatheke

(1,223 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(διαθήκη). [English version] A. Wortbedeutung und Wesen Die d. ist die zentrale Einrichtung des griechischen Rechtes für die gewillkürte Erbfolge. Das Wort d. stammt von διατίθεσθαι ( diatíthesthai): das “Wegstellen” von Gegenständen des persönlichen Eigentums des Erblassers für solche Personen, die dem Familienverband (οἶκος, oíkos) nicht angehörten und daher keine gesetzlichen Erben sein konnten. D., etwas unscharf “Testament”, bezeichnete sowohl das Verfügungsgeschäft als auch die darüber errichtete Urkunde. Sie bezweckte die Ordnung v…

Ephesis

(239 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἔφεσις). Vom Verbum ἐφίεσθαι ( ephíesthai, sich an jemanden wenden) gebildet, bezeichnete e. in Athen eine Reihe von Rechtsakten, in denen eine Person sich nach vorläufiger Erledigung der Sache an die zur Entscheidung zuständige Stelle wandte. Man kann keinesfalls von einer einheitlichen, der heutigen “Berufung” vergleichbaren Einrichtung sprechen. Solon (um 600 v.Chr.) soll die E. bei Entscheidungen der Archontes an die (damalige) Heliaia zugelassen haben (Aristot. Ath. pol. 9,1). In klass…

Proix

(641 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (προίξ). Etym. “mit offener Hand gereichte Gabe” (im Epos nur im Genetiv im Sinne von “gratis” bekannt), bezeichnet p. in der agnatischen Familienordnung der griech. Poleis die “Mitgift” (im Gegensatz zur phernḗ der Kleinfamilie im hell.-röm. Ägypten). Erst ab dem 3. Jh. n. Chr. (Vorläufer FIRA I2 58,25; 68 n. Chr.) tritt p. als Übers. der röm. dos auf. Am besten bekannt ist die rechtliche Struktur der p. aus Athen (zu den hell. Inschr. aus Mykonos, Tenos, Amorgos, Naxos und Syros vgl. [6. 135-137, 149 f.]). Anläßlich der Verheiratung ( engýēsis )…
▲   Back to top   ▲