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Your search for 'dc_creator:( "Thür, Gerhard (Graz)" ) OR dc_contributor:( "Thür, Gerhard (Graz)" )' returned 361 results. Modify search

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Misthosis

(1,443 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(μίσθωσις). [English version] A. Allgemeines Ähnlich der röm. locatio conductio umfaßt die griech. m. eine Reihe von entgeltlichen Geschäften, womit eine Person einer anderen entweder eine Sache zu Gebrauch oder Nutzung überläßt, eine Sache (oder Person) übergibt, damit hieran ein bestimmter Erfolg herbeigeführt werde, oder sich zu Arbeits- oder Dienstleistung verpflichtet. Die heute geläufige (romanistische) Gliederung dieser Geschäfte in Miete/Pacht, Werk- und Dienstvertrag ist für die m. zu grob, da die griech. Vertragspraxis je nach konkretem Lebenssachver…

Kakurgoi

(118 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κακούργοι). Allg. “Übeltäter”, jedoch in Athen in einem speziellen Gesetz aufgezählte Straftäter: nächtliche Diebe, Kleiderräuber, Menschenräuber, Einbrecher und Beutelschneider. Gegen diese zumeist der Unterschicht entstammenden Verbrecher konnte jedermann, wenn er sie auf frischer Tat ertappte, durch private Verhaftung ( apagōgḗ ) einschreiten und den Täter vor die Elfmänner (Hendeka) führen. Diese ließen den Geständigen sofort hinrichten; wer die Tat mit einiger Wahrscheinlichkeit bestreiten konn…

Chrematistai

(83 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Χρηματισταί). Im ptolem. Ägypten vom König delegierte Richter für Fiskal- und Zivilsachen für alle Teile der Bevölkerung. Vermutlich wurden sie im 2.Jh. v.Chr. eingeführt. Die Spruchkörper waren für einzelne oder auch, zusammengefaßt, für mehrere Gaue zuständig. Auf dem Lande verfielen die Ch.-Kammern in der frühen röm. Kaiserzeit, in Alexandreia sind sie mit etwas modifiziertem Aufgabenbereich bis in das 3.Jh. n.Chr. nachweisbar. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography H.J. Wolff, Das Justizwesen der Ptolemäer, 21970  H.A. Rupprecht, Einführung in die Pap…

Dikazein

(157 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (δικάζειν). Das Wort (ungefähr: “Recht [aus]üben”) hängt mit der Streitbeendigung durch Urteil zusammen. Ob das Urteil urspr. vor einem “Schiedsrichter” gefällt wurde, den beide Parteien einvernehmlich bestellt hatten, ist höchst fraglich. Eher war d. in der Frühzeit die Tätigkeit eines zumindest ansatzweise mit staatlicher Autorität ausgestatteten Ältestenrates oder Funktionärs ( dikastḗs ). In welcher Form dieses d. geschah, ist ebenfalls unklar: Entweder entschied der Amtsträger in der Sache selbst oder er setzte lediglich ein form…

Paragraphe

(272 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παραγραφή, abgeleitet von παραγράφειν ( paragráphein, “etwas danebenschreiben”) bezeichnet in der griech. Rechtssprache unterschiedliche Einrichtungen. Speziell im Recht Athens hatte ein Beklagter, der vorbrachte, entgegen der Amnestie von 403/02 v.Chr. (s. triákonta ) verklagt zu werden, aufgrund eines von Archinos eingebrachten Gesetzes die Möglichkeit, der Klageschrift “beizuschreiben”, die díkē [2] ‘sei nicht einführbar’ (μὴ εἰσαγώγιμον εἶναι, mē eisagṓgimon eínai; Isokr. 18,2f.). In der Folge hatte das dikastḗrion [2] in einem getrennten …

Rechtskoine

(312 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Ebenso wie die Koine in der griech. Sprach-Gesch. bezeichnet R. ein von der Rechts-Gesch. im Nachhinein analysiertes Phänomen des Hell.: das spontane Zusammenwachsen verschiedener griech. Rechtsvorstellungen, bes. im ptolem. Ägypten. Einrichtungen unterschiedlicher Poleis (Polis) verschmolzen dort im Rechtsleben durch die Vermischung der griech. Bevölkerung untereinander [4. 140], ohne daß die Obrigkeit auf eine Einheit hingewirkt hätte (so noch [3. 50 f.]). Als Beispiele hierfür…

Aikeias dike

(98 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (αἰκείας δίκη). In Athen eine Privatklage wegen tätlicher Beleidigung. Sie setzte voraus, daß die körperliche Mißhandlung ohne den Vorsatz der Beschimpfung verübt war und daß der Beklagte zuerst angegriffen hatte (Demosth. 47,40; vgl. PEnteuxeis 74; 79; PHalensis 1,115; 203 f.). Die Buße, die der Kläger selbst schätzte, fiel ihm bei Obsiegen im Prozeß zu. Es war die einzige Privatklage, bei der in Athen keine Gerichtsgebühren zu erlegen waren. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A. R. W. Harrison, The Law of Athens II, 1971, 93 f.  G. Thür, Beweisführung vor den Sc…

Androlepsia

(76 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀνδροληψία) war im athenischen Recht eine vom Gesetz (nur belegt in Demosth. 23,82) den Verwandten eines auf athenischem Staatsgebiet ermordeten Atheners eingeräumte Selbsthilfebefugnis: Sie konnten, solange sich der Blutschuldige dem Zugriff der Angehörigen des Getöteten entzog, aus dessen Angehörigen drei Geiseln greifen (Die Deutung ist umstritten). Über deren Schicksal ist nichts bekannt. Ungerechtfertigte Ausübung der A. wurde bestraft. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography B. Bravo, Symposion 1977, hrsg. v. J. Modrzejewski, 1982, 131 ff.

Ephesis

(239 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἔφεσις). Vom Verbum ἐφίεσθαι ( ephíesthai, sich an jemanden wenden) gebildet, bezeichnete e. in Athen eine Reihe von Rechtsakten, in denen eine Person sich nach vorläufiger Erledigung der Sache an die zur Entscheidung zuständige Stelle wandte. Man kann keinesfalls von einer einheitlichen, der heutigen “Berufung” vergleichbaren Einrichtung sprechen. Solon (um 600 v.Chr.) soll die E. bei Entscheidungen der Archontes an die (damalige) Heliaia zugelassen haben (Aristot. Ath. pol. 9,1). In klass…

Prytaneia

(155 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (πρυτανεία). In Athen (auch in Milet und Ilion) wurden die Gerichtsgebühren, die von beiden Prozeßparteien im voraus zu erlegen waren, aber der obsiegenden Partei von der unterlegenen letztlich vergütet wurden, p. genannt. Die p. waren in den meisten Privatprozessen zu zahlen (in Erbschaftssachen war jedoch die parakatabolḗ vorgesehen), in öffentlichen Prozessen zumeist die παράστασις ( parástasis). Die p. betrug 3 Drachmen bei einem Streitwert zw. 100 und 1000 Drachmen, darüber 30 Drachmen, darunter war keine p. zu entrichten. Ob sich das Wort vom Amt …

Katachorizein

(98 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταχωρίζειν). Allg. “einreihen”, auch mil., in der hell. Kanzleisprache speziell “registrieren, in eine Liste aufnehmen”. So wurden z.B. im griech. Mutterland einfache Volksbeschlüsse (bes. Ehrungen) gegen Aufhebung geschützt, indem man sie formell unter die Gesetze “einreihte”. Im röm. Ägypten konnte k. jede Eintragung in eine Liste bezeichnen, wichtig vor allem die Einverleibung der Urkundenabschrift in die bibliothḗkē enktḗseōn (Grundbuch). K. konnte auch eine Anzeige gegen unbekannte Täter bedeuten; der Verletzte stellte den Antrag…

Atimetos agon

(75 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀτίμητος ἀγών). Vor allem in Athen ein Prozeß, in dem der Beklagte keinen Gegenantrag ( antitimesis ) über das Strafausmaß stellen konnte. Nach einem Schuldspruch war keine weitere Abstimmung über die Höhe der Strafe nötig, der Prozeß war ἀτίμητος, “unschätzbar”. Das Strafmaß war bereits vom Gesetz festgelegt, in öffentlichen Prozessen wegen schwerer Verbrechen oft die Todesstrafe oder Verbannung. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Harrison, The Law of Athens II, 1971, 81f.

Grundbuch

(247 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Im rechtlichen Sinn kann man von einem G. sprechen, wenn ein lückenloses, entweder alle Einwohner (Personalfoliensystem) oder alle Grundstücke eines Bezirkes (Realfoliensystem) umfassendes Register von Grundstücken “öffentlichen Glauben” genießt, und dadurch dem eingetragenen Erwerber das Eigentumsrecht garantiert ist. In der Ant. gab es zahlreiche schlichte Grundstücksregister (Kataster), die jedoch meistens als Grundlage für die Steuererhebung dienten (Beispiele und Lit. [1]). Allein aus dem ptolemäischen und röm. Ägypten sind Einrichtu…

Parabolon

(97 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παράβολον). Wörtlich “Zahlung”, ein Geldbetrag, der in Athen nach Poll. 8,63 als Sicherheitsleistung bei Erheben der éphesis zu hinterlegen sei, verm. aber mit der parakatabolḗ identisch ist (vgl. auch Aristot. oec. 1348b 13). Ähnliche Ausdrücke für Zahlungen in einem Prozeß: ἀπάρβολος ( apárbolos, “ohne p.”: IG IV 175, 8f. und 197, 21-27; SGDI 3206,117); παρβάλλειν ( parbállein, zahlen: IPArk 17,65f.) In den Papyri sind παραβολή ( parabolḗ; so auch OGIS 41) und παραβόλιον ( parabólion) gleichbedeutend mit p. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography E. Berneker, s.v…

Antitimesis

(94 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀντιτίμησις). Wenn das Gesetz in Athen die Strafe bei öffentlichen Prozessen nicht von vornherein festgelegt hatte (ἀγῶνες ἀτιμητοί, Atimetos agon), sondern Art und Höhe dem richterlichen Ermessen anheimgegeben waren (ἀγῶνες τιμητοί, Timetos agon), hatte der Kläger schon bei Einreichung der Klageschrift die Klage zu schätzen. Der Beklagte konnte dann nach seinem Schuldspruch in einer zweiten Verhandlung über das Strafmaß einen Gegenantrag über die Strafhöhe ( a.) stellen. Die Richter hatten zwischen diesen beiden Strafanträgen zu wählen. Thür, Gerhard (…

Diatheke

(1,223 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(διαθήκη). [English version] A. Wortbedeutung und Wesen Die d. ist die zentrale Einrichtung des griechischen Rechtes für die gewillkürte Erbfolge. Das Wort d. stammt von διατίθεσθαι ( diatíthesthai): das “Wegstellen” von Gegenständen des persönlichen Eigentums des Erblassers für solche Personen, die dem Familienverband (οἶκος, oíkos) nicht angehörten und daher keine gesetzlichen Erben sein konnten. D., etwas unscharf “Testament”, bezeichnete sowohl das Verfügungsgeschäft als auch die darüber errichtete Urkunde. Sie bezweckte die Ordnung v…

Katapontismos

(112 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταποντισμός). Hinabstürzen ins Meer, Tötung eines Menschen durch Ertränken oder kult. Versenken von Gegenständen. War das Meer weit weg, nahm man den k. auch durch Stürzen in einen Fluß vor. K. ist bereits im Mythos als bes. Grausamkeit oder als Todesstrafe mit Ordalcharakter (die Götter konnten den Bestraften retten) in Fällen belegt, in denen das Recht auf Begräbnis und Totenkult verwirkt war. In histor. Zeit wurden Tyrannen oder grausame Herrscher durch k. bestraft, manchmal auch nur ihr Leichnam oder gar ihr Standbild versenkt (Paus. 6,11,6 v…

Pherne

(283 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (φερνή). Was die Frau an beweglichem Vermögen als “Mitgift” in die Ehe “einbringt” (φέρειν, phérein), wird gemeingriech. als ph. bezeichnet. Zu unterscheiden ist die ph. von der προίξ ( proíx ), der Mitgift hauptsächlich in Gestalt von Grundstücken und Sklaven, wie sie in den griech. Poleis üblich war. Durch die Schätzung der Rückgabepflicht in Geld verwischen sich die Grenzen, jedoch kann man nicht von synonymen [1. 2040f.] Ausdrücken sprechen. Die klass. griech. Autoren verwenden ph. nur für mythische und nichtgriech. Verhältnisse (anachronistisch v…

Apokeryxis

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀποκήρυξις). In Athen galt das gesetzliche Erbrecht der ehelichen Söhne zwingend, Enterbung war nicht möglich. Wohl aber konnte der Vater sich zu Lebzeiten öffentlich von einem Sohn durch a. lossagen und diesen so von der Erbschaft ausschließen (Demosth. 39,39; Aristot. eth. Nic. 1163b; vgl. auch Plat. leg. 928d929d). Eine ähnliche Bestimmung ist im großen Gesetz von Gortyn IC IV 72 col. XI 10-17 getroffen, Parallelerscheinungen in altorientalischen Rechtsquellen (Cod. Hammurabi 168 f.; 191) gelten nicht als Vorbild. Diokletian verbietet die a. (Cod. Iust. …

Apeniautismos

(69 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀπενιαυτισμός). Abwesenheit auf ein Jahr, Strafe eines meist einjährigen Exils bei bestimmten Verbrechen oder Vergehen, insbesondere fahrlässiger Tötung (Bekker anecdota 421,20; Suda), die, gerichtlich ausgesprochen, als φυγή ( phygé) auf Zeit gelten kann, wenn man diese nicht im strengen Rechtssinne faßt, sondern als Pseudophyge (Ruhen bürgerlicher Rechte und Pflichten und automatisches Wiederaufleben nach Fristablauf). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography D. M. MacDowell, Athenian Homicide Law, 1963, 122 f.
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