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Your search for 'dc_creator:( "Thür, Gerhard (Graz)" ) OR dc_contributor:( "Thür, Gerhard (Graz)" )' returned 361 results. Modify search

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Anakrisis

(116 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀνάκρισις). Nach Einbringen einer Klage treffen die Prozeßparteien einander in der a., einem Vorverfahren vor dem Gerichtsmagistrat. Ebenso wie die amtliche Diaita dient dieser Termin in Athen zu Vergleichsverhandlungen oder der Vorbereitung des Hauptverfahrens vor dem Dikasterion. In der a. haben die Parteien die Pflicht, einander Fragen zu beantworten. Man kann diesen Verfahrensabschnitt als den “dialektischen” bezeichnen, gegenüber dem “rhet.”, der Hauptverhandlung. Alles vor dem Dikasterion zu verwendende Beweism…

Koinonia

(97 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κοινωνία) bezeichnet in griech. Sprache allg. jegliche menschliche Gemeinschaft, wie Staat, Verein, Handelsgesellschaft oder Gemeinschaft von Erben oder Miteigentümern. Zu den Vereinen ist ein Gesetz Solons in Dig. 47,22,4, Gaius 4 ad legem XII tab. (= Solon fr. 76a Ruschenbusch) überliefert, Ges. und Gemeinschaft sind in den att. Quellen nur gelegentlich erwähnt. Auch in den Papyri drückt k. sowohl die röm. societas als auch die communio aus. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Harrison, The Law of Athens I, 1968, 240-242  A. Biscardi, Diritto greco a…

Agamiu dike

(123 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀγαμίου δίκη). In Sparta eine Strafklage, die von jedermann gegen denjenigen erhoben werden konnte, der nach Erreichung eines gewissen Alters sich nicht verheiratete (Plut. Lykurgos 15). Durch diese Klage wurde ein mittelbarer Zwang zur Ehe ausgeübt, denn dem Übertreter drohte eine teilweise Aufhebung der Bürgerrechte. Die Klage mag auch sonst noch im dor. Rechtsbereich vorgekommen sein (vgl. Strab. 10,482), in Athen ist sie nicht nachzuweisen. Wenn Platon (leg. 721b; 774a) in s…

Enechyrasia

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (Ἐνεχυρασία). Im griech. Recht die Vollstreckung wegen Geldforderungen oder wegen Forderungen auf Herausgabe von Sachen. Sie geschah in das bewegliche oder unbewegliche Vermögen (außerhalb Athens auch gegen die Person) des Schuldners nach Ablauf einer nicht näher bekannten Frist auf Grund eines Urteils oder einer vollstreckbaren Urkunde durch private Pfandnahme des Gläubigers. Dieser mußte die Pfändungshandlung persönlich vornehmen. In Athen verschaffte ihm der dḗmarchos (Demarchoi) der Wohnsitzgemeinde des Schuldners den Zutritt zu den Pfa…

Exomosia

(154 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐξωμοσία), wörtlich “Freischwören”. 1) Im Prozeßrecht Athens konnte sich ein Zeuge der Pflicht, vor Gericht zu erscheinen (und damit das von einem der beiden Prozeßparteien vorformulierte Zeugnis zu bestätigen), dadurch entschlagen, daß er außergerichtlich einen feierlichen Eid leistete, die zu bezeugende Tatsache ‘nicht zu wissen’. Die e. zog keine rechtlichen Sanktionen nach sich, nur ein positives Zeugnis vor Gericht konnte mit Klage ( pseudomartyrías díkē ) angegriffen werden. Eine ähnliche Einrichtung ist als apōmosía im Rechtsgewährungsvertrag …

Graphe

(254 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
(γραφή). [English version] [1] Klageschrift Wörtlich “Schrift”, hatte g. im Prozeßrecht der griech. Poleis allg. die Bedeutung “Klageschrift” (Demosth. or. 45; 46; vgl. auch IPArk 17; 114/5; 178 aus Stymphalos und SEG 27, 545, 27 und 33 aus Samos). Speziell in Athen wurde g. im eigentlichen Sinne von “Schriftklage” gebraucht, die jeder unbescholtene Bürger (ὁ βουλόμενος, “jeder, der will”) gegen Personen erheben konnte, welche bestimmte öffentliche Interessen verletzten, während der privat in seinen Rechten Verletzte sich mit díkē [2] wehren konnte. Diese Unterscheidung …

Codex Hermopolis

(282 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Mit diesem Namen wird eine etwa 2 m lange, von S. Gabra in Tuna-el-Gebel entdeckte Papyrusrolle bezeichnet, die zehn Kolumnen eines juristischen Textes in demot. Sprache enthält. Der Text stammt aus der 1. H. des 3. Jh.v.Chr., doch dürften einzelne Bestimmungen in die pharaonische Zeit zurückreichen; in POxy 46,3285 sind zwei Fragmente einer griech. Version erhalten, die in die 2. H. des 2. Jh.n.Chr. zu datieren sind. Den Inhalt kann man nach heutigem Verständnis in vier Abschnit…

Loidoria

(57 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (λοιδορία). Griech. “Schmähung”, urspr. vielleicht “Gotteslästerung” (Pind. O. 9,37). Bereits Solon stellte “schlecht Sprechen” unter Strafe (fr. 32f. Ruschenbusch); dieser Tatbestand umfaßte im 4. Jh. v.Chr. die Beleidigung durch Gebrauch bestimmter, enumerativ aufgezählter Worte ( kakēgoría ). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography R.W. Wallace, The Athenian Law against Slander, in: G. Thür (Hrsg.), Symposion 1993, 1994, 109-124.

Parakletos

(140 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παράκλητος, wörtl. “Herbeigerufener”). In Athen hatten die Prozeßparteien ihre Sache grundsätzlich selbst zu vertreten, allenfalls unterstützt von nahestehenden Personen, die vor den Gerichtshöfen zusätzlich das Wort ergriffen ( sýndikos , synḗgoros ). Als Unsitte (Xen. mem. 4,4; Plat. apol. 34c; Plat. leg. 934e) hatte sich eingebürgert, daß die Angeklagten, die sich im Epilog ihrer Verteidigungsrede mit der Bitte um Freispruch an die Geschworenen wandten, ihre Frau, Eltern, Kinder, Verwand…

Enepiskepsis

(90 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐνεπίσκηψις). Bei der Konfiskation eines Vermögens ( dḗmeusis , dēmióprata ) konnte in Athen ein Dritter mit der Behauptung auftreten, ein bestimmtes Vermögensstück gehöre ihm oder sei ihm verpfändet. Erhob er deshalb Widerspruch in Form einer e., kam es zw. ihm und dem Betreiber der Konfiskation ( apographé ) zu einer diadikasía , in der entschieden wurde, ob der Staatsschuldner dem Dritten die Herausgabe jener Vermögensstücke “schulde” (Demosth. or. 49,45ff.; Hesperia 10, 1941, 14). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography A.R.W. Harrison, The Law of Athens II,…

Dikastikos misthos

(304 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (δικαστικὸς μισθός). Tagegelder für athenische Geschworene seit Mitte des 5. Jh.v.Chr. (Aristot. Ath. pol. 2,2). In der frühen Demokratie Athens galt der Grundsatz der demokratischen staatsrechtlichen Gleichheit. Die zunehmende wirtschaftliche und soziale Ungleichheit führte aber in der Folge dazu, daß nur wirtschaftlich unabhängige Bürger, also nur der wohlhabende Teil der Stadtbevölkerung, an den Gerichtsversammlungen teilnahmen, während die minderbemittelten oder armen Bürger,…

Dosis

(142 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Das Substantiv leitet sich von διδόναι ( didónai) “geben” ab und hat wie auch das Verbum keine spezifisch juristische Bedeutung. Die Rechtsinstitute Schenkung und Stiftung lassen sich unter dem Terminus d. nur sehr unzulänglich erfassen: Die att. Redner gebrauchen διδόναι ( didónai) und διατιθέναι ( diatithénai; Diatheke) abwechselnd, wenn sie testamentarische Zuwendungen aus dem solonischen Gesetz rechtfertigen. In der großen Gesetzesinschrift von Gortyn bedeutet didónai “schenken” (col. IX 15-30, mit rechtlichen Beschränkungen). Beim Errich…

Katakremnismos

(68 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατακρημνισμός). Archa., später als bes. grausam gebrandmarkte Todesstrafe durch Herabstürzen von einem Felsen (in Athen in das Barathron, in Delphi wegen hierosylía vom Hyampischen Felsen, in Sparta in den Kaiadas). Der Strafvollzug durch k. wurde als kultisches Opfer verstanden; wer den Sturz überlebte, war straffrei. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography G. Thür, Die Todesstrafe im Blutprozeß Athens, in: The Journ. of Juristic Papyrology 20, 1990, 143-155.

Epikrisis

(119 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπίκρισις). Der Terminus war in Athen unbekannt. In den Inschr. wird e. als gerichtliche Kontrolle von behördlich verhängten Strafen gebraucht (IPArk. 3, 19,50: Tegea; Syll.3 1075, 6: Epidauros) oder als Zustimmung eines objektiven Dritten zu einem von den Streitparteien ausgehandelten Vergleich [1. 190ff.]. In der hell. Kanzleisprache findet sich das Verbum ἐπικρίνεσθαι ( epikrínesthai) für “Entscheiden” (Sherk 194f.), in IPArk. 31 B 22 für decernere ( decretum) einer röm. Behörde. Im röm. Ägypten war die e. das Verfahren, um die Zugehörigkeit zu ein…

Epidikasia

(170 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐπιδικασία). Während in Athen die legitimen leiblichen oder zu Lebzeiten adoptierten ( eispoíēsis ) Söhne des Erblassers durch schlichtes embateúein sich des Nachlasses bemächtigen konnten, bedurften Außenerben hierzu eines E.-Dekrets durch den Archon (Archontes [I]). Diese der Erteilung der röm. bonorum possessio ähnliche Anordnung ermächtigte den Bewerber zum Antritt der Erbschaft, schloß aber eine spätere gerichtliche Entscheidung über das Erbrecht eines anderen Prätendenten ( diadikasía ) nicht aus. In gleicher Weise war auch die epíklēros

Asylia

(110 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀσυλία). Schutz von Personen und Sachen, zunächst im hl. Bereich des ἱερὸν ἄσυλον ( hierón ásylon). Bes. der Fremde, ξένος ( xénos), bedurfte der a., weil er einer anderen Rechtsordnung unterstand und im Gastland erst Rechtsschutz erhalten mußte, um vor gewaltsamen Übergriffen sicher zu sein. Vgl. hierzu den Rechtsgewährungsvertrag zwischen Oiantheia und Chaleion um 450 v.Chr. [1; 2]. Möglicherweise stammte alle profane A. und sogar die μετοικία ( metoikía) aus sakraler A. [3; 4]. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography 1 H. Bengtson, StV II, 21975, Nr. 146 2 H. van …

Hypomosia

(145 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὑπωμοσία). In Athen zwei Arten von eidlichen Erklärungen: 1. Im Prozeß konnte eine Partei selbst oder durch einen Vertreter den Antrag auf Vertagung stellen (Demosth. or. 48,25f.; schol. Demosth. or. 21,84), wenn wichtige Gründe vorlagen, wie Reise oder Begräbnispflichten. Der Gegner konnte dies durch ἀντωμοσία ( antōmosía, Gegeneid) bestreiten. 2. Wurde im Rat ( bulḗ ) oder in der Volksversammlung ( ekklēsía ) über einen Antrag verhandelt, konnte jeder Bürger bis zum Schluß der Verhandlung durch h. erklären, er werde gegen den Antragsteller eine Klage …

Hypallagma

(119 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὑπάλλαγμα). Wörtlich “Austausch”, ein im röm. Äg. durch Vertragsklauseln bestimmtes Sicherungsrecht des Gläubigers. Anders als die hypothḗkē gewährte das h. dem Gläubiger kein eigentumsähnliches Beherrschungsrecht über das im Besitz des Schuldners verbleibende Sicherungsobjekt, in der Regel ein Grundstück, sondern verpflichtete den Schuldner lediglich, bestimmte Gegenstände für die Befriedigung des Gläubigers im Wege der Zwangsvollstreckung bereitzuhalten. Die Verträge enthalten keine Verfallsklau…

Katengyan

(129 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατεγγυᾶν). “Vom Beklagten für dessen Erscheinen vor Gericht Bürgen fordern”. In Athen war das in Privatprozessen gegen Nichtbürger möglich (Demosth. or. 32,29; Isokr. or. 17,12; Lys. 23,9), die vor dem árchōn polémarchos anzubringen waren. Andernfalls wurde der Beklagte in Haft genommen. Bürgern drohte Entsprechendes in Verfahren, die mit apagōgḗ , ephḗgēsis (Aufforderung an einen Magistrat zur Festnahme eines Delinquenten) oder éndeixis eingeleitet waren. Im Freiheitsprozeß konnte derjenige, der die umstrittene Perso…

Asebeia

(97 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀσέβεια). Verletzung der Ehrfurcht vor den Göttern wurde bei den Griechen bestraft. Tempelraub (Hierosylie) unterlag einer bes. Sanktion, Entweihung und Verspottung göttl. Dinge wurden als a. zusammengefaßt. Als Mittel der Politik wurden a.-Klagen in Athen bes. bei Verletzung der Ehrerbietung gegenüber den Staatsgöttern gegen Naturphilosophen und Sophisten angestrengt. Deren Erklärung der Welt und Infragestellung aller überkommenen Anschauungen schien die staatliche Ordnung zu gefährden. Anaxagoras, Diagoras, Protagoras und Sokrates wurden in a.-P…
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