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Phaedrus

(277 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] Phaedrus, röm. Fabeldichter der 1. Hälfte des 1.Jh. n.Chr., geb. in Makedonien (Buch 3, Prolog), Freigelassener des Augustus, von Sejan verfolgt. Ph. hat die Fabel (griech. λο´γος/lo´gos, μυ˜ϑος/my´thos, lat. fabula, fabella) als eigenständige Gattung geschaffen; er hat seine (Kurz-)Gesch. (nicht nur von Tieren) metrisch gefaßt (iambische Senare) und zu fünf Büchern mit Prolog und – in den Büchern 2–4 – Epilog zusammengestellt. Die Fabelbücher des Ph. – und die wenig späteren griech. des Babrios – sind e…

Sallustius

(157 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] (Salustios). Weder Identität noch Lebenszeit des S. sind direkt bezeugt. Seine Schrift – erst im 17.Jh. betitelt περι` ϑεω˜n̆ και` κο´σμου/perí theō´n kaí kósmou (»Über Götter und Kosmos«) – erweist ihn als Neuplatoniker und Zeitgenossen des Kaisers Julian Apostata (vgl. Julian, Oratio IV und VIII). S. schrieb nicht für Fachphilosophen (Kap. 13), sein Ziel war philos. »Allgemeinbildung«. Deren einfache Grundsätze – die Götter sind ewig, körperlos, nicht vom Raum begrenzt und nicht getrennt von der »…

Theoxenia

(465 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] (lectisternium, sellisternium). 1. Der griech. Ritus der Theoxénia (ϑεοξε´n̆ια) – »Gottes/Götter-Bewirtung« – inszeniert ein Mahl: ein mit Speisen besetzter Tisch (τρα…

Seneca

(493 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] Seneca, Lucius Annaeus (ca.4 v.Chr. Córdoba – 65 n.Chr. Rom), röm. Philosoph, Politiker, Tragiker, der mittlere von drei Söhnen des Rhetors L.A. S., d. Ä., aus span. Provinzialadel (Baetica); sein älterer Bruder war Novatus, bekannter unter dem Adoptivnamen L. Iunius  Gallio; der jüngere Bruder Mela war Vater des Epikers Lucan; weitere Verwandte waren hohe Provinzialbeamte. – S. wuchs in Rom auf; seine polit. Karriere wurde unter Claudius durch Verbannung nach Korsika unterbrochen (41); Claudius' zweite Gattin, die j…

Totenkult/Totenverehrung

(2,444 words)

Author(s): Neu, Rainer | Podella, Thomas | Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] I. ReligionswissenschaftlichDer Tod wird in nahezu allen Gesellschaften als ein Übergang von einer Daseinsform in eine andere begriffen. Damit der Verstorbene bzw. seine Seele diesen Transformationsprozeß erfolgreich vollziehen kann, müssen die Hinterbliebenen bestimmte Riten durchführen, die zusammenfassend als Totenkult (T.) bez. werden. Hinweise auf einen T. gehören zu den ältesten Zeugnissen der Kultur- und Religionsgesch. der Menschheit. Seit dem ausgehenden Alt- und dem Mittelpaläolithikum sind reguläre Bestattungen …

Virgines Vestae

(275 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] . Die Gruppe der sechs »Vestalinnen« versieht den Kult der Vesta: sie versorgen das »ewige« Feuer im Vestaheiligtum, dem öfftl. Herd, auf dem Forum Romanum (Cic., De legibus, 2,8,20 und 2,12,29) und stellen die beim Opfer gebrauchte mola salsa (Dinkelschrot mit Salz) her. Bei großen Zeremonien sind sie anwesend (abgebildet z.B. auf der Innenseite des Altars der Ara Pacis Augustae); sie leiten das nicht-öfftl. nächtliche Fest der Bona Dea (Cic., De haruspicum responso, 37; Plut., …

Vorsehung

(3,889 words)

Author(s): Friedli, Richard | Cancik-Lindemaier, Hildegard | Bosman, Hendrik | Söding, Thomas | Plathow, Michael | Et al.
[English Version] I. ReligionswissenschaftlichSicherheit gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Die Antworten, welche die Rel. auf verunsichernde Erfahrungen anbieten, sind kulturell vielfältig. Es geht dabei darum, das Schicksal (1.) möglichst vorherzusehen, es (2.) in eine Kosmologie einzuordnen und (3.) dadurch zu meistern. Generalisierend lassen sich vier Formen beo…

Symbol/Symbole/Symboltheorien

(7,938 words)

Author(s): Berner, Ulrich | Cancik-Lindemaier, Hildegard | Recki, Birgit | Schlenke, Dorothee | Biehl, Peter | Et al.
[English Version] I. Religionswissenschaftlich Eine religionswiss. relevante Verwendung des griech. Wortes συ´μβολοn̆/sýmbolon findet sich schon früh in der eur. Religionsgesch., z.B. bei Dion von Prusa (1./2.Jh. n.Chr.) in seiner Rede über die Zeus-Statue des Pheidias in Olympia (Oratio 12,59). Der griech. Symbolbegriff verweist in diesem Zusammenhang auf die Problematik der Götterbilder, die darin besteht, daß das, was eigentlich der menschlichen Anschauung entzogen ist, dem Menschen anschaulich vergegenwärtigt werden soll. In der Religionswiss., v.a. in der Religionsphänomenologie, spielte der Symbolbegriff eine große Rolle. Vorausgesetzt wurde die aus der christl.-abendländischen Tradition vorgegebene Unterscheidung zw. Gott und Welt sowie die Möglichkeit einer Einwohnung des Göttlichen in der Welt und/oder die Annahme einer abbildhaften Beziehung zw. Welt und Gott. Auf dieser Grundlage wurde versucht, die symbolische Bedeutung rel. Objekte oder die symbolische Deutung weltl. Phänomene zu erforschen. Das »eigentlichste Symbol« (S.) ist, G. van der Leeuw z…

Vesta

(268 words)

Author(s): Cancik-Lindemaier, Hildegard
[English Version] Vesta, röm. Göttin; ihr Name wurde als griech. empfunden, ihr Wirkungsbereich – Herde und Altäre, Schutz »der innersten Dinge« – mit dem der griech. ῞Εστι´α/Hestía gleichgesetzt (Cic.n.d. 2,67); die Etym. ist noch umstritten. Ihr Heiligtum, aedes Vestae, ein Rundbau auf dem Forum Romanum, ist Teil eines alten Komplexes an der via sacra, zu dem auch das Haus gehört, in dem die virgines Vestae leben (Rom: II.,2., b). Obwohl Jungfrau, trägt V. den Ehrentitel »Mater«, an ihren Kult wird der Bestand der röm. Herrschaft geknüpft. Hauptfest: Vestalia, vom 9. – 15.6. Wie die Penaten und das Feuer, das in ihrem Tempel brennt und nie erlöschen darf, ist sie aus Troja gekommen (Verg. Aen. 2,293–297). Im unzugänglichen Innern ihres Heiligtums werden die »Unterpfänder röm. Herrschaft« bewahrt. Daher ist dieses Heiligtum einzigartig: es existiert nur in Rom, hat nicht, wie das Capitol, sein Pendant in den Kolonien. Nach Ovid gibt es kein Kultbild, das Feuer selbst repräsentiert die Gottheit (Fasti 6,295–298), andere Quellen (z.B. Cic., De oratore 3,10; n.d. 3,32,80) sprechen von einem Bild (simulacrum) der V.; es gab kein Bilderverbot; Darstellungen der V. sind hauptsächlich von Münzen bekannt. Daß V. vornehmlich Staatsgottheit ist, schließt ihre private Verehrung nicht aus (Cato, De agricultura 132,2); sie wird bes. von den Bäckern verehrt. Ovid entwickelt in seinem Kalendergedicht (Fasti 6,249–460; 3,417–428) eine V.-Theol. als Basis und Begründung einer röm. Geschich…