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Your search for 'dc_creator:( "Thür, Gerhard (Graz)" ) OR dc_contributor:( "Thür, Gerhard (Graz)" )' returned 174 results. Modify search

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Ephesis

(239 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἔφεσις). Vom Verbum ἐφίεσθαι ( ephíesthai, sich an jemanden wenden) gebildet, bezeichnete e. in Athen eine Reihe von Rechtsakten, in denen eine Person sich nach vorläufiger Erledigung der Sache an die zur Entscheidung zuständige Stelle wandte. Man kann keinesfalls von einer einheitlichen, der heutigen “Berufung” vergleichbaren Einrichtung sprechen. Solon (um 600 v.Chr.) soll die E. bei Entscheidungen der Archontes an die (damalige) Heliaia zugelassen haben (Aristot. Ath. pol. 9,1). In klass…

Proix

(641 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (προίξ). Etym. “mit offener Hand gereichte Gabe” (im Epos nur im Genetiv im Sinne von “gratis” bekannt), bezeichnet p. in der agnatischen Familienordnung der griech. Poleis die “Mitgift” (im Gegensatz zur phernḗ der Kleinfamilie im hell.-röm. Ägypten). Erst ab dem 3. Jh. n. Chr. (Vorläufer FIRA I2 58,25; 68 n. Chr.) tritt p. als Übers. der röm. dos auf. Am besten bekannt ist die rechtliche Struktur der p. aus Athen (zu den hell. Inschr. aus Mykonos, Tenos, Amorgos, Naxos und Syros vgl. [6. 135-137, 149 f.]). Anläßlich der Verheiratung ( engýēsis )…

Pseudomartyrion dike

(447 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ψευδομαρτυριῶν δίκη), aus mehreren griech. Rechtsordnungen als “Klage wegen falschen Zeugnisses” überliefert. Es haftete nur eine Person, die vor Gericht eine von einer Prozeßpartei vorformulierte Behauptung in der Regel unbeeidet bestätigt ( martyría ), nicht aber, wer sich außergerichtlich “freigeschworen” hatte ( exōmosía ). Zu dieser Privatklage ( díkē ) war der Beweisgegner legitimiert; der verurteilte Beklagte oder der abgewiesene Kläger des Ursprungsprozesses verlangte eine am Schaden ( blábēs díkē ), den er durch den Zeu…

Agraphiu graphe

(137 words)

Author(s): Mannzmann, Anneliese (Münster) | Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀγραφίου γραφή). In Athen Schriftklage wegen “Nichtaufschreibens” eines Schuldners (und damit Annullierung seiner Schuld), von Aristoteles (Ath. pol. 59,3) unter die öffentlichen Klagen gerechnet, die in den Kompetenzbereich der Thesmotheten fallen. Gemeint sind nach Demosthenes (58,51) Staatsschuldner, die eine Löschung ihres Namens auf der öffentlich aufgestellten Liste vorgenommen hatten, obwohl die Schuld nicht bezahlt war (von Demosthenes abhängig Harpokration, der noch Lyk…

Katapontismos

(112 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταποντισμός). Hinabstürzen ins Meer, Tötung eines Menschen durch Ertränken oder kult. Versenken von Gegenständen. War das Meer weit weg, nahm man den k. auch durch Stürzen in einen Fluß vor. K. ist bereits im Mythos als bes. Grausamkeit oder als Todesstrafe mit Ordalcharakter (die Götter konnten den Bestraften retten) in Fällen belegt, in denen das Recht auf Begräbnis und Totenkult verwirkt war. In histor. Zeit wurden Tyrannen oder grausame Herrscher durch k. bestraft, manchmal auch nur ihr Leichnam oder gar ihr Standbild versenkt (Paus. 6,11,6 v…

Homologia

(268 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὁμολογία), wörtlich “Gleichsprechen”, bezeichnet in der griech. Umgangssprache die schlichte mündliche Zustimmung oder Vereinbarung. Im rechtlichen Sinn wurde H. bald auch für schriftliche Vereinbarungen gebraucht ( syngraphḗ , synthḗkē ). Die rechtliche Bindung an die h. ging, wie in Athen ersichtlich, vom vorprozessualen Zugeständnis einzelner Behauptungen des Gegners aus. Im Vorverfahren ( anákrisis , s. diaitētaí [2]) hatten die Parteien die Pflicht, einander auf Fragen zu antworten (Demosth. or. 46,10). Die Bejahung einer solch…

Rechtspluralismus

(331 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] Auch nach der Eroberung Ägyptens durch Alexandros [4] d. Gr. (331 v. Chr.) lebte die einheimische Bevölkerung weiterhin in ihren angestammten Rechtsvorstellungen, wie sie in Urkunden (Demotisches Recht) und vielleicht Gesetzen (Codex Hermopolis) überl. sind. Die aus den griech. Söldnern und Einwanderern hervorgegangene Oberschicht des ptolem. Äg. regelte ihre privaten Angelegenheiten nach ihren eigenen, zu einer Rechtskoine verschmolzenen Vorstellungen. Nur die Griechenstädte Nau…

Parabolon

(97 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (παράβολον). Wörtlich “Zahlung”, ein Geldbetrag, der in Athen nach Poll. 8,63 als Sicherheitsleistung bei Erheben der éphesis zu hinterlegen sei, verm. aber mit der parakatabolḗ identisch ist (vgl. auch Aristot. oec. 1348b 13). Ähnliche Ausdrücke für Zahlungen in einem Prozeß: ἀπάρβολος ( apárbolos, “ohne p.”: IG IV 175, 8f. und 197, 21-27; SGDI 3206,117); παρβάλλειν ( parbállein, zahlen: IPArk 17,65f.) In den Papyri sind παραβολή ( parabolḗ; so auch OGIS 41) und παραβόλιον ( parabólion) gleichbedeutend mit p. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography E. Berneker, s.v…

Katenechyrasia

(199 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κατενεχυρασία). Vom Faustpfand (ἐνέχυρον/ enéchyron, Hypotheke [1] A) abgeleitet, wurde die in der Regel vom Gläubiger privat durchzuführende Zwangsvollstreckung k., häufiger jedoch enechyrasía genannt. Die gängigste Bezeichnung war allerdings prā́xis (selten eisprā́xis ). Im griech. Bereich fand die Zwangsvollstreckung stets durch Beschlagnahme und Verkauf einzelner Vermögensstücke des Schuldners statt, nie in das Gesamtvermögen, jedoch (bes. in Ägypten) auch gegen die Person. Während in de…

Amnestia

(237 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀμνηστία). Gesetzmäßig festgesetzter Verzicht auf Anklage, Wiederaufnahme von Verfahren, Urteilsvollstreckung und Strafvollzug als Mittel, die streitenden Parteien nach internen oder externen Kriegen zu versöhnen. Plutarch (mor. 814b) nennt den athenischen Amnestiebeschluß von 403 v. Chr. τὸ ψήφισμα τὸ τῆς ἀμνηστίας ἐπὶ τοῖς τριάκοντα, während Aristoteles (Ath. pol. 39,6) und die Redner Andokides (1,90), Isokrates (18,3) und Aischines (2,176; 3,208) die originale Wendung ›nicht schlecht denken‹, μὴ μνη…

Phyge

(127 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (φυγή). Wörtlich “Flucht” aus der Rechtsgemeinschaft wegen drohender Blutrache, woraus der Zustand der “Verbannung” folgt. Für Mord in Athen schon von Drakon (E. 7. Jh.v.Chr.) vorgesehen (IG I3 104,11), später im griech. Recht oft anstelle der Todesstrafe geduldet (Demosth. or. 23,69) oder für polit. Verbrechen als Sanktion angeordnet, lebenslänglich ( aeiphygía ) oder zeitlich begrenzt ( apeniautismós ), im Falle des Ostrakismos auf 10 J.; durch Volksbeschluß oder aídesis (Bußvertrag) widerruflich. Der massenhaften ph. im 4. Jh.v.Chr. machte Alexand…

Argias graphe

(72 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀργίας γραφή). Nachdem bereits Drakon (vor 600 v. Chr.), wohl zur Erhaltung der Haushalte mit erblichem Grundeigentum, ein Gesetz gegen Müßiggang erlassen und diese mit atimia bedroht hatte, machte Solon (594/3 v. Chr.) die Klage zu einer öffentlichen, setzte die Strafe auf eine Geldstrafe herab und ließ erst bei dreimaliger Verurteilung atimia eintreten. Thür, Gerhard (Graz) Bibliography E. Ruschenbusch, Unt. zur Gesch. des athenischen Strafrechts, 1968, 50 f.

Katadike

(35 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (καταδίκη). Für schuldig erklärendes Urteil eines Geschworenengerichts, darin ausgesprochene Strafsanktionen, oder von einer Behörde verhängte Geldstrafe (synonym mit díkē verwendet), in den Papyri Ägyptens auch vertraglich festgesetzte Buße. Thür, Gerhard (Graz)

Emporikai dikai

(102 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἐμπορικαὶ δίκαι). In Athen Klagen aus Handelsgeschäften, welche die überseeische Ein- und Ausfuhr betrafen. Als Parteien traten Großkaufleute und Reeder auf, auch Fremde und métoikoi . Die e.d. konnten nur in den Wintermonaten, während der Schiffsverkehr ruhte, anhängig gemacht werden. Sie fielen zuerst unter die Zuständigkeit der nautodíkai, dann der eisagogeís und schließlich (Aristot. Ath. pol. 59,5) unter die der thesmothétai . Mit der Zuständigkeit der eisagogeís mußten sie beschleunigt binnen Monatsfrist erledigt werden. Die Vollstreckun…

Apeniautismos

(69 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ἀπενιαυτισμός). Abwesenheit auf ein Jahr, Strafe eines meist einjährigen Exils bei bestimmten Verbrechen oder Vergehen, insbesondere fahrlässiger Tötung (Bekker anecdota 421,20; Suda), die, gerichtlich ausgesprochen, als φυγή ( phygé) auf Zeit gelten kann, wenn man diese nicht im strengen Rechtssinne faßt, sondern als Pseudophyge (Ruhen bürgerlicher Rechte und Pflichten und automatisches Wiederaufleben nach Fristablauf). Thür, Gerhard (Graz) Bibliography D. M. MacDowell, Athenian Homicide Law, 1963, 122 f.

Eid

(726 words)

Author(s): Neumann, Hans (Berlin) | Thür, Gerhard (Graz)
[English version] I. Alter Orient In Mesopotamien unterschied man seit der 2. Hälfte des 3. Jt.v.Chr. [1. 63-98; 2. 345-365] zwischen dem im Vertragsrecht angesiedelten promissorischen (zusichernden) und dem im Prozeßrecht zum Tragen kommenden assertorischen (bestätigenden) E. Der promissor. E. diente der unverbrüchlichen Zusicherung eines Verzichts bzw. einer vorzunehmenden Handlung und wurde unter Anrufung des Königs bzw. einer Gottheit oder beider geleistet. Der assertor. E. hatte als Zeugen- oder…

Epitropos

(654 words)

Author(s): Rathbone, Dominic (London) | Thür, Gerhard (Graz)
(ἐπίτροπος). [English version] [1] Gutsverwalter Neben einer Vielzahl anderer Begriffe die übliche Bezeichnung für einen Gutsverwalter, der für einen meist abwesenden Landbesitzer die Aufsicht über die Wirtschaftsführung innehatte. Seine Pflichten sowie der Grad an Unabhängigkeit, mit der er Entscheidungen treffen konnte, waren zwar von Fall zu Fall verschieden, in der Regel zählten jedoch die Aufsicht über die Arbeitskräfte, der Kauf von Erzeugnissen, die auf dem Gut benötigt wurden, der Verkauf von…

Menysis

(171 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (μήνυσις). Eine “Anzeige” oder “Meldung” in bestimmten Strafverfahren: Die griech. Polis funktionierte auf Initiative von Privatleuten. Auch im Strafrecht galt der Akkusationsgrundsatz: wo kein Kläger, dort kein Richter. In Hochverratsfällen und bei Religionsfreveln, welche die Existenz des Staates gefährdeten, fanden die Athener gleichwohl Wege, um das Fehlen einer beamteten Staatsanwaltschaft auszugleichen: So wurden einerseits in Sonderfällen staatliche Untersuchungskommissäre (ζητηταί, zētētaí) bestellt, andererseits wurde unter Auss…

Horoi

(256 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (ὅροι). Grenzsteine, die im gesamten griech. Bereich die Grenzen (ebenfalls h. genannt) des Staatsgebietes, von Tempelbezirken und -grundstücken, öffentlichen Plätzen und privatem Grund, markierten. Sie tragen oft nur die Aufschrift hóros, manchmal mit näheren Zusätzen, und standen unter dem Schutz des Zeus Horios. Nach zw.-staatlichen Schiedssprüchen in Grenzstreitigkeiten [4] und Revision von verpachtetem Tempelland [8] traten häufig Kommissionen von horistaí auf, die h. im Gelände setzten. Da die griech. Poleis kein Grundbuch kannten, erfüllten h. a…

Klope

(269 words)

Author(s): Thür, Gerhard (Graz)
[English version] (κλοπή). Diebstahl, Unterschlagung und Hehlerei. Raub, Unterschlagung von Tempeleigentum ( hierosylía ) einerseits und Taschendiebstahl durch gemeinschädliche Leute ( balantiotómoi , kakúrgoi ) andererseits wurde in Athen von k. unterschieden. K. an Privatvermögen konnte ausschließlich vom Bestohlenen durch díkē verfolgt werden, eine graphḗ wegen k. an staatlichem Vermögen ist unwahrscheinlich, da es andere Verfahren gab ( eúthynai , eisangelía ). Der nächtliche Dieb durfte straflos getötet oder privat verhaftet und de…
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