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Regula

(99 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (lat. “Leiste”, “Latte”, auch “Richtschnur”). Bei Vitr. 4,3,4 u.ö. verwendeter architektonischer t.t., der eine mit Guttae versehene Leiste am Epistylion (Architrav) eines Bauwerks dorischer Ordnung bezeichnet. Die R. entspricht in ihrer Abmessung der Breite des Triglyphos und bildet dessen unteren, baulich-strukturell dem Architrav (und nicht dem Fries) zugehörigen Abschluß. Die R. korrespondiert zudem mit den auf dem Fries aufliegenden Blöcken des Geison. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography D. Mertens, Der Tempel von Segesta und die doris…

Megaron

(366 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (μέγαρον). Im homer. Epos mehrfach (u.a. Hom. Od. 2,94; 19,16; 20,6) gen. Bautrakt; offenbar der Hauptraum des Palastes bzw. des Hauses mit dem Gemeinschaftsherd in der Mitte. Zu späteren Erwähnungen des M. in der griech. Lit. (bes. Hdt. 7,140f.) vgl. Tempel. Über das Verständnis des Begriffs M. und dementsprechend die Herleitung der jeweils damit verbundenen Bauform bestehen in der arch. Forsch. erhebliche Auffassungsunterschiede: Zum einen wurde unter M., analog den Homerpassagen, ein Bautrakt, also ein Raum oder eine…

Prostylos

(58 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Durch Vitr. 3,2,3 überl. architektonischer Fachterminus, der eine der von Vitr. aufgelisteten Tempelformen bezeichnet (Tempel). Der P. ist gemäß Vitruvs Beschreibung ein Antentempel (Ante) mit einer Säulenreihe vor dem Pronaos (Cella). Eine erweiterte Variante des P. ist der Amphiprostylos. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography W. Müller-Wiener, Griech. Bauwesen in der Ant., 1988, 217 s. v. P.

Polychromie

(1,274 words)

Author(s): Koch, Nadia Justine (Tübingen) | Höcker, Christoph (Kissing) | Neudecker, Richard (Rom)
[English version] I. Einleitung P. ist ein Begriff der neuzeitlichen Kunstwiss., der das Phänomen der farbigen Fassung von Rundplastik, Relief, Architektur sowie von Gefäßen oder Tafeln aus Ton, Stein usw. benennt. Er steht in Opposition zur Monochromie (Farben, Malerei, Monochromata, Ornament). Die griech. Adj. polýchroos (πολύχροος) und polychrṓmatos (πολυχρώματος), die die Vielgestaltigkeit von Stoffen (Emp. fr. B23 DK) oder Oberflächen (Aristot. gen. an. 785b 19) bezeichnen, sind keine Begriffe der ant. Kunstterminologie [5. 38, 129 ff.]…

Byzes

(61 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Architekt oder Bauhandwerker aus Naxos, um 600 v.Chr. tätig. Pausanias (5,10,3) schloß aus einem angeblichen Epigramm, daß B. als erster Dachziegel aus Marmor fertigte. Eine Aufschrift auf einem Marmordachziegel von der Athener Akropolis (CY=BY im naxischen Alphabet) wurde als Hinweis auf B. gedeutet. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography H. Svenson-Evers, Die griech. Architekten archa. und klass. Zeit, 1996, 374.

Horologium (Solare) Augusti

(141 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Die von Plinius (nat. 36,72f.) beschriebene, in der Regentschaft des Augustus auf dem Marsfeld in Rom (Roma) entstandene, im 1. und 2. Jh. n.Chr. mehrfach erneuerte Sonnenuhr mit Kalenderfunktionen; der Gnomon (Uhr) bestand aus einem Obelisk, der seinen Schatten auf eine gepflasterte Fläche mit einem Liniennetz warf, das mittels Bronzeeinlagen markiert war. Die im Anschluß an verschiedene Ausgrabungen und Interpretationen der ant. und neuzeitlichen Textüberl. vorgestellte Rekonst…

Athen

(12,928 words)

Author(s): Näf, Beat (Zürich) RWG | Kuhn-Chen, Barbara (Gießen) RWG | Höcker, Christoph (Kissing) RWG | Stroszeck, Jutta (Athen) RWG | Zervoudaki, Eos (Athen) RWG
Näf, Beat (Zürich) RWG [English version] I. Geschichte und Deutung (RWG) Näf, Beat (Zürich) RWG [English version] A. Einleitung (RWG) Unter den großen Orten des Alt., welche Kultur und Gedächtnis der westl. Welt bestimmen, kommt A. eine erstrangige Rolle zu. Immerhin ist festzuhalten, daß die geschichtliche Wirkung Roms größer ist. Seit jeher stand insbes. Jerusalem mit A. im Wettbewerb, wenn es um die Frage ging, welches die Fundamente von Geschichte und Kultur seien und sein müßten. Sparta wiederum galt schon in…

Architektur

(4,644 words)

Author(s): Sievertsen, Uwe (Tübingen) | Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] A. I. Vorderer Orient Wichtigstes Baumaterial Mesopotamiens ist seit dem Neolithikum der ungebrannte Lehmziegel. Ausgiebigere Verwendung von Stein begegnet in westl. Regionen des Alten Orients, insbes. in Kleinasien, und im perserzeitlichen Iran. Das typische neuassyr. Wohnhaus ist zweigeteilt in Vorhof mit Wirtschaftsräumen und Innenhof mit Wohnquartieren. Demgegenüber sind die Räume beim babylon. Wohnhaus seit dem 3. Jt. üblicherweise um einen einzigen Zentralhof angeordnet. Größe…

Prothyron

(95 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (πρόθυρον). Die Eingangshalle des griech. Hauses in Form eines überdachten, auf den Hof führenden Vorraumes, der die Verbindung von Privatbereich und Öffentlichkeit markiert und somit (da das p. auch Passanten als Unterstand oder Treffpunkt dienen konnte) als kommunikativ verbindendes Element genutzt wurde. Bisweilen war das p. sogar mit Bänken ausgestattet. Das p. konnte nach Innen durch eine meist zweiflügelige Holztür verschlossen werden. Zahlreiche próthyra haben sich an den Häusern von Olynthos erhalten. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography W. H…

Greek Revival

(1,603 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) RWG
Höcker, Christoph (Kissing) RWG [English version] A. Allgemeines (RWG) G. R. bezeichnet einen architekturhistorischen t.t., der das kopierende bzw. imitierende Aufgreifen ant.-griech. Architekturmuster im späteren 18. und 19. Jh. beschreibt. Der Begriff wurde nach 1900 im angelsächsischen Sprachraum geprägt und wird üblicherweise in diesem Sinne auch als regional beschränkt verstanden (auf Großbritannien und die USA); eine Ausgrenzung analoger Erscheinungsformen klassizistischer Architektur anderer Lände…

Peripteros

(368 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (περίπτερος). Ringhallentempel, im Gegensatz zum Dipteros nur mit einfachem Säulenkranz (Tempel). Der Begriff in lat. Schreibweise erscheint erstmalig bei Vitruv (3,2,1 u.ö.). Der P., der sich mit im 5. Jh.v.Chr. kanonischen - 6×13 Säulen auf dem Stufenbau (Krepis [1]; Stylobat) erhebt (im 6. Jh. v.Chr. finden sich demgegenüber verschiedene andere Konzepte, bes. gelängte Bauformen, v.a. in Westgriechenland), bildet den Regelfall des griech. Tempels. Die Regelmäßigkeit der Säulens…

Atrium

(241 words)

Author(s): Prayon, Friedhelm (Tübingen) | Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] 1. Zentraler Raum im altital. und röm. Haus, mit seitlichen cubicula (Schlafgemächer) und rückwärtigem, von den türlosen alae flankiertem tablinum (Vorbau). Frühformen des A. sind in etr. Kammergräbern (Cerveteri) nachgebildet, die ältesten Belege in der Hausarchitektur E. des 6.Jh. v.Chr. in Rom (Palatin) und im etr. Marzabotto. Das frühröm. a. diente als Empfangsraum für die Klientel, die der Patron im solium sitzend empfing. Im zentralen impluvium mit Zisterne wurde das Regenwasser gesammelt. Vitruv (6,3,1ff.) unterscheidet fünf Typen, das a. testudinat…

Parthenon

(849 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
(Παρθενών). [English version] I. Funktion Tempelförmiges Bauwerk auf der Akropolis von Athen (Athenai II.1. mit Plan; Tempel); benannt nach dem u.a. von Pausanias (1,23,5-7) bezeugten 12 m hohen, chryselephantinen Standbild der Athena Parthenos des Pheidias im Innern des Bauwerks (Goldelfenbeintechnik mit Abb.). Die Kultfunktion des P. wird in der arch. Forsch. kontrovers diskutiert. Bis h. ist es indessen weder gelungen, einen Kult der Athena Parthenos noch einen dem Bau zugehörigen Altar nachzuweis…

Hippodromos

(422 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Bowie, Ewen (Oxford)
[1] Pferderennbahn In der griech. Architektur bezeichnet H. (ἱππόδρομος) die Pferderennbahn, die seit dem frühen 7. Jh. (Einführung der Wagenrennen in Olympia 680 v.Chr.) als Einrichtung in den Poleis und Heiligtümern üblich wurde. Das H. war in archa. Zeit erstrangiger Ort aristokratischer Repräsentation, wo Reichtum durch den Besitz und routinierten Gebrauch edler Rennpferde weithin sichtbar vor Publikum demonstriert werden konnte. Die U-förmigen Anlagen waren von Wällen für Zuschauer umgeben un…

Eierstab

(190 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Markantes Ornament aus dem Dekorationskanon der ion. Architektur, in der modernen arch. Fachterminologie auch “ionisches Kymation” genannt: eine Profilleiste gewölbten Querschnitts, dessen reliefiertes oder gemaltes Ornament aus einem Wechsel von ovalen Blättern und lanzettenförmigen Zwickelspitzen besteht und das am unteren Ende oft von einem mit dem Rhythmus des E. korrespondierenden Perlstab (Astragal) abgeschlossen wird. Der E. ziert neben dem Epistylion bzw. dem Fries vor al…

Phigaleia

(627 words)

Author(s): Lafond, Yves (Bochum) | Olshausen, Eckart (Stuttgart) | Höcker, Christoph (Kissing)
Dieser Ort ist auf folgenden Karten verzeichnet: Achaioi, Achaia | Bildung (Φιγάλεια, Φιγαλία, seit hell. Zeit Φιάλεια). [English version] I. Lage, historische Entwicklung Stadt in SW-Arkadia in extremer Gebirgslage über dem Nordufer der Neda (Pol. 4,3,5ff.; Strab. 8,3,22; Paus. 8,39,1-42,13; Ptol. 3,16,19; Hierokles, Synekdemos 647,13) beim h. Figalia, geogr. und histor. mit Messana [2] eng verbunden. Die Stadt mit gut erh. Mauerring von etwa 5 km Umfang (5./4. Jh.v.Chr.; [1]) liegt in 420-720 m H über der in schwer …

Fornix

(218 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Lat. Begriff für Bogen. Als t.t. der ant. Architektur bezeichnet f. den Bogen eines Gewölbes bzw. das Gewölbe selbst sowie den gemauerten Bogen einer Brücke oder eines Aquädukts; ferner überwölbte Lücken im Mauerwerk für Türen und Fenster (vgl. auch Gewölbe- und Bogenbau). Gemeint sein kann ferner ein Kellergewölbe oder Kellergeschoß; Schmutz und vermeintliche Lasterhaftigkeit der Kellerhöhlen begründen vermutlich die seit dem 1. Jh. n.Chr. gängige neue Bed. des Begriffs f. als “Bordell” (z.B. Hor. epist. 1,14,21 u.ö.) bzw. als Ausdruck für jede …

Hermokreon

(152 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Albiani, Maria Grazia (Bologna)
[English version] [1] griech. Architekt, 3. Jh. v. Chr. Griech. Architekt des 3. Jh. v.Chr.; errichtete nach Strab. 10,5,7 und 13,1,13 aus dem Material eines aufgelassenen Tempels nahe Parion einen 1 Stadion (Längenmaße) langen Prunkaltar, der vermutlich auf Mz. dargestellt (London, BM) und dem hieronischen Monumentalaltar von Syrakusai gut vergleichbar war. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography Overbeck, 2086-2087 (Quellen)  G.A. Mansuelli, s.v. H., EAA 4, 1961, 13 (mit Abb. 18). [English version] [2] Epigrammatiker, 3. Jh. v. Chr. Epigrammatiker nicht sicher erwies…

Mausoleum Augusti

(388 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Nach Sueton (Augustus 100,4; vgl. Strab. 5,3,8) eines der frühesten unter Augustus auf dem Campus Martius in Rom (Roma) errichteten Gebäude, wohl 28 v.Chr. unter formaler und inhaltlicher Bezugnahme auf das Maussolleion und das Grabmal Alexandros' [4] d. Gr. begonnen und um 23 v.Chr. vollendet. Das kreisrunde Bauwerk mit insgesamt 87 m Dm bestand aus einer bis h. nicht völlig geklärten Anzahl konzentrisch ineinander gefügter und mehrstöckig aufgebauter Tuffmauern, die durch s…

Dion

(1,970 words)

Author(s): Meister, Klaus (Berlin) | Ameling, Walter (Jena) | Weißenberger, Michael (Greifswald) | Kalcyk, Hansjörg (Petershausen) | Errington, Robert Malcolm (Marburg/Lahn) | Et al.
[English version] I. Personen (Δίων) Meister, Klaus (Berlin) [English version] [I 1] Freund Platons, 4. Jh. v. Chr. Sohn des Hipparinos, Schwager und Schwiegersohn Dionysios' I. von Syrakus, * 409 v.Chr., seit Platons erstem Aufenthalt 388 in Syrakus dessen enger Freund und Verfechter seiner Philosophie. Unter Dionysios I. kam er als dessen Vertrauter und Ratgeber zu Ansehen und Reichtum und blieb auch unter Dionysios II. einflußreich. Er vermittelte 366 den Frieden mit Karthago und rief Platon nach Syrakus, um …

Praefurnium

(22 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Feuerstelle für Kalk- oder Brennöfen sowie der zentrale Heizraum bei röm. Thermenanlagen. Bäder; Heizung; Thermen Höcker, Christoph (Kissing)

Compluvium

(78 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Nach Varro (ling. 5,161) und Vitruv (6,3,1f.) übliche Ausbildung der Dachöffnung an allen Typen des Atriums am röm. Haus. Die trichterartig nach innen geneigten Dachflächen des c. leiten das Regenwasser in das Impluvium, ein Becken im Zentrum des Atrium. Beim älteren displuvium sind die Dachflächen nach außen geneigt. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography E.M. Evans, The Atrium Complex in the Houses of Pompeii, 1980  R. Förtsch, Arch. Komm. zu den Villenbriefen des jüngeren Plinius, 1993, 30-31.

Mutulus

(152 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Ant.-lat. t.t. (Varro rust. 3,5,13; Vitr. 4,1,2; 4,2,5 u.ö.) für einen Teil des Kragsteinblocks am Geison dorischer griech. Tempelgebälke. Ein griech. Analogon dieses speziellen t.t. ist unbekannt; alle einzelnen Bestandteile des Blockes wurden hier wohl insgesamt als geíson bezeichnet. Unter dem M. versteht man die überhängende Platte mit meist 3 × 6 Tropfen (Guttae), die in regelmäßiger Reihung oberhalb des Metopen-Triglyphen-Frieses erscheint und diesen in seinem Rhythmus unterstützt. Der M. entspricht in seiner Breite dem Maß einer Triglyphe ( tríglyp…

Pseudoperipteros

(90 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Bei Vitruv (4,8,6) überl. architektonischer Fachterminus, der ital.-röm. Tempel bezeichnet, deren seitliche Säulen der Vorhalle sich als der Kernmauer vorgeblendete Halbsäulen um die Cella herum fortsetzen und somit einen “unechten” Säulenkranz ohne einen wirklichen Umgang (griech. pterón) formen (Peripteros). Bekannteste Beispiele sind die Maison Carrée in Nîmes (Nemausus [2]) und der ionische Tempel am Forum Boarium in Rom. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography Ch. Balty, Ét. sur la Maison Carrée de Nîmes, 1960 (zum Typus)  R. Amy, P. Gros, La Maison…

Pantheon

(1,882 words)

Author(s): Richter, Thomas (Frankfurt/Main) | Quack, Joachim (Berlin) | Bendlin, Andreas (Erfurt) | Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] [1] Bezeichnung für die Vielzahl der Götterwelt Als Begriff der mod. religionsgesch. Systematisierung der Vielzahl der ant. Götterwelt (Polytheimus) bezeichnet P. im folgenden die Gesamtheit einer in einem bestimmten geogr. Raum und sozio-histor. Kontext verehrten Mehrzahl von Gottheiten. Richter, Thomas (Frankfurt/Main) [English version] I. Mesopotamien Im Sumerischen findet sich kein eigener Terminus für eine Göttergesamtheit, der dem des P. entspräche. Der dafür in Anspruch genommene, vorwiegend in lit. Kontext begegnend…

Palaistra

(178 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (παλαίστρα, lat. palaestra). Die P. bildet sich im 6. Jh.v.Chr. als ein Kernelement des Gymnasions (mit Abb.) aus und formt, zusammen mit einem Dromos (einer langgestreckten Laufbahn) und verschiedenen langen Säulenhallen und Wandelgängen, diesen Architekturtyp konstitutiv. Die P. besteht dabei aus einem annähernd quadratischen Hof, umzogen von einem Peristyl, und verschiedenen daran angrenzenden Raumfluchten. Die P. diente als Ort für Ringkämpfe; die angegliederten Räume wurden fü…

Bautechnik

(2,793 words)

Author(s): Sievertsen, Uwe (Tübingen) | Höcker, Christoph (Kissing)
I. Vorderer Orient und Ägypten [English version] A. Vorderer Orient Wichtigstes Baumaterial war in Mesopotamien seit frühesten Zeiten Lehm, daneben in den Sümpfen des äußersten Südens stets auch Schilf. Steinarchitektur im engeren Sinne kommt bis auf wenige Ausnahmen nicht vor, weder im abgesehen von Kalksteinbänken rohstoffarmen Babylonien noch in Assyrien. Wenn Stein verwendet wurde, war dies zumeist funktional motiviert, z.B. bei Fundamentierung. Erst ab dem 8.Jh. findet sich in neuassyr. Monumentalar…

Familie

(6,726 words)

Author(s): Renger, Johannes (Berlin) | Feucht, Erika (Heidelberg) | Macuch, Maria (Berlin) | Gehrke, Hans-Joachim (Freiburg) | Deißmann-Merten, Marie-Luise (Freiburg) | Et al.
[English version] I. Alter Orient Die F. in Mesopot. war patrilinear organisiert; Reste von matrilinearen F.-Strukturen finden sich in hethit. Mythen, bei den amoritischen Nomaden des frühen 2. Jt. v.Chr. sowie den arab. Stämmen des 7. Jh. v.Chr. In der Regel herrschte Monogamie; Heirat mit Nebenfrauen minderen Rechts war möglich, Polygamie ist v.a. in den Herrscher-F. bezeugt. Die F. bestand aus dem Elternpaar und seinen Kindern, über deren Zahl keine verläßlichen Angaben möglich sind. Unverheiratete Brüder des F.-Oberhauptes konnten Teil der F. sein. Die Funktion der F. al…

Kymation

(137 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Sammelbegriff für ein streifen- bzw. bandförmiges Ornament, das in allen ant. bildnerischen Medien, v.a. in der Relief- bzw. Bauplastik, der Malerei/Vasenmalerei und der Toreutik begegnet. Die Forsch. unterscheidet das aus einem Doppelband orthogonaler, dem Mäander nicht unähnlicher Elemente bestehende dor. K., das ion. K. mit seiner Abfolge von Ei und Zwischenspitzen (Eierstab) sowie das lesb. K. mit seinen herzförmigen, von lanzettenhaften Zwischenspitzen getrennten Blättern; b…

Proportion

(1,949 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Willers, Dietrich (Bern) | Haas, Max (Basel)
[English version] I. Architektur Mod. t.t. in der arch. Bauforsch., der im Rahmen einer Baubeschreibung das Verhältnis zweier Strecken zueinander oder das Seitenverhältnis einer rechteckigen Fläche im mathematisch-terminologischen Sinne eines Bruches bzw. einer Division (x:y) beschreibt. Grundlage der Ermittlung von P. an einem Bauwerk ist dessen detaillierte Vermessung, für die bes. die deutschsprachige arch. Bauforsch. seit dem späten 19. Jh. (u. a. W. Dörpfeld; K. Koldewey; O. Puchstein) zunehmen…

Crusta, Crustae

(82 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Antiker t.t. aus der Bautechnik. Nach Vitruv (2,8,7 u.ö.) Bezeichnung für die Schal- bzw. Verblendmauern von Gußzementkonstruktionen ( opus caementicium ), ferner allg. für die Verkleidung von Fußböden, Decken und Wänden mit Stuck, Marmor, Travertin oder Mosaik. In der Toreutik bezeichnet c. auch den reliefgeschmückten “Mantel”, gewissermaßen die “Hülle” des eigentlichen Gefäßkörpers. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography Georges 1, s.v. c., 1775f.  A. Rumpp, s.v. C., KlP 1, 1336  H.-O. Lamprecht, Opus Caementicium - Bautechnik der Römer, 41993, 38-44…

Ala

(313 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Le Bohec, Yann (Lyon)
[English version] [1] Teil des röm. Atriumhauses Teil des röm. Atriumhauses (Haus; Atrium). Zwei einander gegenüberliegende, auf ganzer Breite und Höhe offene Räume, die die Querachse vor dem Tablinum, dem Hauptraum des Hauses bilden, werden als a. bezeichnet. A. sind im röm. Hausbau weit verbreitet, geeignete Entwurfsproportionen nennt Vitruv (6,3,4). Die Herkunft des Typus ist unklar; die in Vitruvs Beschreibung des tuskanischen Tempels (4,7,1) oft konjizierten alae (anstelle des überlieferten aliae) als Terminus für die beiden äußeren cellae des etr. Tempels (Tempel) …

Pyramidengrab

(93 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Bes. Form des Grabbaus in der klass. Ant., die in Form und Bestimmung den pharaonischen Pyramiden Ägyptens folgt. In der klass. Ant. selten, aber immer mit hohem repräsentativen Anspruch verwendet; bekanntestes Beispiel ist die sog. Cestius-Pyramide in Rom vor der Porta San Paolo (als Grabmal des Tribunen und Praetors C. Cestius [I 4] Epulo, gest. 12 v. Chr., errichtet). Weitere Beispiele v. a. im kleinasiatisch-ägypt. Raum. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography F. Coarelli, Rom. Ein arch. Führer, 1975, 307 f.  C. Ratté, The Pyramid Tomb at Sardeis, in: …

Gramme

(80 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (γραμμή). Bestandteil der Start- und Zieleinrichtung im griech. Stadion ( balbís ), der die in Stein gemeißelte, im Boden versenkte und meist aus zwei parallelen Linien bestehende Start- bzw. Zielmarkierung bezeichnet. Erh. Exemplare sind u.a. aus Olympia, Delphi, Epidauros und Priene bekannt. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography W. Zschietzschmann, Wettkampf- und Übungsstätten in Griechenland I. Das Stadion, 1960, 35-39 O. Broneer, Isthmia II, 1973, 137-142 P. Roos, Wiederverwendete Startblöcke vom Stadion in Ephesos, in: JÖAI 52, 1979/80, 109-113.

Akroter

(107 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (Akroterion). Akroteria sind plastische Figuren oder Ornamentaufsätze, die den First (Mittel-A.) oder die Seiten (Seiten-A.) von Giebeln repräsentativer öffentlicher Gebäude zieren. A. können aus Ton oder Stein (Poros, Marmor) sein; im 7./6. Jh. v. Chr. dominieren zunächst ornamentierte, runde Scheiben-A. (z. B. Heraion von Olympia), später dann plastisch ausgearbeitete Pflanzenkombinationen (Voluten u. Palmetten) oder statuarische Figuren und Figurengruppen (Gorgo, Nike, Sphinx u. a. myth. Gestalten). Vgl. Bauplastik. Höcker, Christoph (Kissing) B…

Anathyrose

(93 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Ant. t.t. aus der Bautechnik (IG VII 3073, 121; 142). Im gr. Quaderbau bezeichnet A. das teilweise Abarbeiten der Kontaktflächen zwischen zwei Quadern oder Säulentrommeln (meist durch Pickung). Durch diese von außen unsichtbare Minimierung der Kontaktzone zweier Bauglieder konnte deren Paßgenauigkeit erhöht werden; die Fugen bildeten, von außen betrachtet, ein Netz von haarfeinen Linien. Nachteil der A. ist ein erhöhter Druck auf die reduzierten krafttragenden Flächen, was beim Versatz leicht zu Beschädigungen der Bauglieder führen konnte. Höcker, Christ…

Säulenmonumente

(1,359 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] I. Allgemeines Die arch. Forsch. versteht unter S. die denkmalhaft verwendete, aus ihrem angestammten architektonischen Kontext herausgelöste, meist von einer Skulptur, einer Skulpturengruppe oder einem Gegenstand bekrönte Säule, entweder in der Art eines isoliert stehenden Einzelmonuments oder aber in gruppenartiger Aneinanderreihung. Beiden Varianten gemeinsam ist die durch die extrem überhöhte, weithin sichtbare Vertikale der Säule bewirkte Heraushebung des auf dem Kapitell plaz…

Angiportum

(55 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (Angiportus). Durchgang; synonym zu vicus. Nach Vitr. 1,6,1 im Gegensatz zu platea und via eine enge Gasse oder Nebenstraße, z. T. Sackgasse in der röm. Stadtanlage. Größere Häuser hatten einen vom A. erreichbaren rückwärtigen Zugang. Vgl. Städtebau; Straßen. Straßenbau. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography W. H. Groß, s. v. Angiportus, KlP 1, 352.

Gymnasion

(2,647 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Hadot, Ilsetraut (Limours)
(γυμνάσιον). [English version] I. Bautyp Öffentliche Anlage für sportliche und musische Freizeitaktivitäten in der griech. Polis; der Begriff leitet sich von γυμνός/ gymnós (nackt) her und bezieht sich auf die Nacktheit bei sportlichen Übungen und Wettkämpfen. Synonym zu G. findet sich für die Zeit seit dem 4. Jh. v.Chr. in ant. Schriftquellen wie in moderner Fachlit. der Begriff der Palaistra (vgl. Vitruv 5,11). Diese bezeichnet als “Ringerschule” urspr. lediglich einen funktional bestimmten baulichen Teilbereich de…

Lacunar

(227 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Bei Vitruv [1. s.v. l.] überl., dortselbst mehrfach auch als lacunaria (Pl.) bezeichneter architektonischer t.t. für die vertieften Kassetten, die als Deckenverkleidung zwischen sich kreuzenden Holzbalken angebracht waren (Überdachung); die griech. Entsprechung lautet phátnōma, gastḗr, kaláthōsis [2. 45-52 mit weiterer Benennung von Details der L.]. L. waren in der Regel plastisch eingetieft und mit Malerei bzw. Relief (meist ornamental) verziert. Am Tempel bzw. dem Säulenbau, ihrem zunächst ausschließlichen Anbri…

Mausoleum Hadriani

(297 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Vermutlich um 130 n.Chr. unter Hadrianus begonnenes, 139 n.Chr. durch Antoninus Pius vollendetes und mit der Überführung und feierlichen Beisetzung des zuvor in Puteoli provisorisch bestatteten Leichnams des Hadrian eingeweihtes Grab-Monument am Westufer des Tibers; eigentlich in den Horti Domitiae gelegen, aber mit dem Campus Martius über die neuerbaute Pons Aelius (134 n.Chr. eingeweiht) unmittelbar verbunden. Der zweigeschossige Rundbau des M.H. (Dm: ca. 64 m; einstige Höhe: ca. 21 m) erhob sich auf einem quadratischen Unterb…

Puteal

(76 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Von lat. puteus (“Brunnen”) abgeleitete Bezeichnung für die Einfassung von z. T. überdeckelten profanen Ziehbrunnen oder die steinerne Markierung heiliger Blitzmale. P. waren bes. in der neoattischen Kunst des Hell. ein beliebter Träger von Reliefskulptur. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography E. Bielefeld, Ein neuattisches P. in Kopenhagen, in: Gymnasium 70, 1963, 338-356  K. Schneider, s. v. P., RE 23, 2034-2036  O. Viedebantt, s. v. Forum Romanum (46. Das Puteal Libonis), RE Suppl. 4, 511.

Mauerwerk

(1,396 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] A. Definition Unter M. werden im folgenden die verschiedenen Konstruktions- und Gestaltungstechniken des Aufbaus von Gebäudewänden, Terrassierungsmauern und Schutz-Architekturen (Stadtmauern usw.) im antiken Steinbau verstanden, nicht jedoch die verschiedenen Anwendungsbereiche des Holzbaus; vgl. Bautechnik; Materiatio; zur röm. Zementbauweise vgl. auch Opus Caementicium. Höcker, Christoph (Kissing) B. Griechenland [English version] 1. Einfaches Mauerwerk Die Wände einfacher frühgriech. Bauten bestanden zunächst aus Holz- bzw. Fle…

Mandrokles

(78 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Architekt aus Samos, baute gegen ein beträchtliches Honorar für Dareios [1] I. im Jahr 513/2 v.Chr. im Kontext des Skythen-Feldzuges die Schiffsbrücke über den Bosporus (Hdt. 4,87,1ff.). Berühmtheit erlangte M. durch ein in das Heraion von Samos gestiftetes Weihgeschenk: ein von Herodot (4,88,1-89,2) detailliert beschriebenes Tafelgemälde, das die (Ponton-)Brücke darstellte und den Erbauer in einem Epigramm rühmte. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography H. Svenson-Evers, Die griech. Architekten archa. und klass. Zeit, 1996, 59-66 (mit wei…

Hypogäum

(261 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Sammelbezeichnung für unterirdisch angelegte Architekturen. Das H. bildet im mod. Verständnis überwiegend einen Teilbereich der Grabbauten, wobei mit H. eine unter das Erdniveau gesetzte Architektur gemeint ist und nicht eine mit Erdreich überschüttete, zunächst oberirdisch erbaute im Sinne des Tumulus mit einer Grabkammer darin; ferner können (mit einem Grab wesensmäßig eng verwandte) Heroa (z.B. dasjenige von Kalydon) sowie Baulichkeiten für besondere Kultanlagen (z.B. das Nekr…

Gynaikonitis

(81 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (γυναικωνῖτις). Im Gegensatz zum andrṓn [4] bezeichnet g. den introvertierten Frauentrakt im griech. Haus, der in der Regel von dem eher extrovertierten Bereich der Männerwelt abgeschlossen im Obergeschoß des Gebäudes lag und auch die Werkzeuge der wirtschaftlichen Produktion der Frau (Webstuhl, Spinnrad etc.) barg; die mindere Stellung der Frau in der patriarchalischen Gesellschaft Griechenlands kam in dieser Hierarchisierung der baulichen Verhältnisse zum Ausdruck. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography W.Hoepfner, E.L. Schwandner, Haus und St…

Aithusa

(100 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (αἴθουσα). Bei Homer (Od. 17,29; 18,102; 22,466; Il. 6,243; 20,11) die Bezeichnung für die Eingangshalle des Hauses, die mit Säulen versehen und mit dem Hoftor verbunden ist. Der davor gelegene Teil heißt Prothyron (Il. 24,323; Od. 3,493). Eingangshallen dieser Art finden sich bereits an den Palästen des 2. Jt. und in der frühgriech. Hausarchitektur; sie werden dann gängiges Element am griech. Tempel. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography F. Noack, Homer. Paläste, 1903, 53  H. L. Lorimer, Homer and the Monuments, 1950, 415-422  H. Drerup, ArchHom II, O (Bau…

Forum

(7,310 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Paulus, Christoph Georg (Berlin) | Hurschmann, Rolf (Hamburg) | Uggeri, Giovanni (Florenz)
I. Archäologisch-urbanistisch [English version] A. Definition und Funktion Lat. Begriff für Markt, Marktplatz; darüber hinaus in seltenen Fällen der Vorhof eines Grabes (im Sinne des griech. drómos, z.B. Cic. leg. 2,61) oder ein Teil der Weinkelter (Varro, rust. 1,54; Colum. 11,2,71). Als merkantiler und administrativer Mittelpunkt der röm. Stadt entsprach das als großer Freiplatz mit rahmender Bebauung gestaltete F. grundsätzlich der Agora griech. Städte; die Lage am Schnittpunkt von decumanus und cardo in der Stadtmitte ist bei allen neua…

Joch

(589 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Mod. t.t. in der arch. Bauforsch., der im ant. Säulenbau den Achsabstand zweier Säulen bezeichnet (im Gegensatz zum lichten Raum dazwischen, dem auch in der ant. Architekturterminologie als Begriff bezeugten Interkolumnium; vgl. [1]); in der angelsächs. Fachlit. wird das J. meist als “interaxial space” bezeichnet. Das J. war, bes. im Konzept des griech. Peripteraltempels klass. Zeit (Tempel), als eine notwendigerweise klar definierte Teilmenge der Achsweiten (d.h. der Distanzen z…

Metagenes

(231 words)

Author(s): Hidber, Thomas (Bern) | Höcker, Christoph (Kissing)
(Μεταγένης). [English version] [1] att. Dichter der Alten Komödie, 5./4. Jh. v. Chr. Att. Dichter der ausgehenden Alten Komödie (Ende 5., frühes 4. Jh.v.Chr.), auf der Liste der Lenäensieger mit zwei Siegen unmittelbar vor Theopompos verzeichnet [1. test. 2]. Die Suda nennt noch fünf Stücktitel: Αὖραι ἢ Μαμμάκυθος, Θουριοπέρσαι, Φιλοθύτης, Ὅμηρος ἢ Ἀσκηταί (bzw. Ὅμηρος ἢ Σοφισταί [1. fr. 11]) [1. test. 1]. Die Stücke sind bis auf geringe Fr. verloren, in deren umfangreichstem (11 V. aus den Θουριοπέρσαι) der…

Apsis

(482 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (ἀψίς). “Bogen, Wölbung”, lat. apsis bzw. absida, vgl. auch Exedra. Halbkreisförmiges, z. T. auch polygonales, gedecktes Architekturelement, meist als Raumabschluß oder Raumteil verwandt. In der ägäischen Hausarchitektur (Haus) früh belegt; Häuser mit langrechteckigem Grundriß, der am rückwärtigen Ende durch eine halbkreisförmige A. abgeschlossen wird, finden sich schon in den untersten Schichten Troias (Troia I a), in der gesamten ägäischen Bronzezeit und auch in der geom. Architektur…

Apollodoros

(2,959 words)

Author(s): Engels, Johannes (Köln) | Ameling, Walter (Jena) | Pressler, Frank (Heidelberg) | Nesselrath, Heinz-Günther (Göttingen) | Montanari, Franco (Pisa) | Et al.
(Ἀπολλόδωρος). Politisch tätige Personen [English version] [1] Athen. Politiker (4. Jh. v. Chr.) Sohn des Pasion aus Acharnai, athenischer Rhetor und Anhänger des Demosthenes (394/93, † nach 343 v. Chr.). A. gehörte nach 370 zu den reichsten Bürgern Athens, leistete aufwendige Trierarchie-Leiturgien (vgl. IG II2 1609,83 und 89; IG II2 1612, b110; Demosth. or. 50,4-10; 40 und 58) und errang 352/51 einen Sieg als Choregos (IG II2 3039,2). Dennoch gelang es ihm nur begrenzt, eine seinem Vermögen entsprechende polit. Stellung zu erringen. Zw. 370 und 350 v. Chr.…

Kuppel, Kuppelbau

(742 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] “Unechte” K.-Bauten aus geschichteten Kragsteingewölben (Gewölbe- und Bogenbau) finden sich in den Mittelmeerkulturen seit dem 3. Jt.v.Chr. verschiedentlich; sie sind offenbar weitgehend unabhängig voneinander in den Architekturbestand des minoischen Kreta (Tholosgräber von Mesara und Knosos), des myk. Griechenland (“Schatzhaus” des Atreus in Mykene; “Kuppelgrab” bei Orchomenos), Sardiniens (“Nuraghen”), Thrakiens und Skythiens (sog. “Bienenkorb”-K. an Gräbern, s. thrakische Arch…

Koroibos

(383 words)

Author(s): Ambühl, Annemarie (Basel) | Höcker, Christoph (Kissing)
(Κόροιβος; lat. Coroebus). [English version] [1] Gründerheros von Tripodiskos Gründerheros von Tripodiskos in der Megaris. Die Sage wird bei Kall. fr. 26-31 in Verbindung mit einem argiv. Aition nach den Lokalhistorikern Agias und Derkylos (FGrH 305 F 8 bis) erzählt [1]: Linos, der Sohn des Apollon und der Psamathe, wird von Hunden zerrissen, Psamathe von ihrem Vater Krotopos getötet. Zur Strafe schickt Apollon einen kindermordenden Dämon, die Poinḗ oder Ker , nach Argos. Als der tapfere K. das Ungeheuer tötet, sendet der Gott eine weitere Se…

Mons Testaceus

(104 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Künstlicher Berg (nach Art einer mod. Mülldeponie) im Süden des Mons Aventinus in Rom, ein etwa 30 m hoher, im Umfang gut 1000 m messender ant. Schutthügel, der größtenteils aus den Scherben (lat. testa, testaceum - daher der Name) von Transportamphoren (Tongefäße) besteht, die als Bruch in den nahen Hafen- und Speicheranlagen anfielen. Das Gros der über eine Rampe hierher verbrachten Scherben entstammt der Zeit von ca. 140 bis 250 n.Chr. Der M.T. bildet als geschlossener Befund ein nahezu einmaliges Archiv röm…

Naïskos

(80 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (ναΐσκος, “Tempelchen”). Ein kleiner, tempelförmiger Bau ohne umlaufende Ringhalle. In der klass.-arch. Fachterminologie wird der Begriff für freistehende Kleinarchitekturen (z.B. Brunnen-Häuser) ebenso verwendet wie (vereinzelt) für speziell ausgeformte Cella-Bauten innerhalb eines Tempels (z.B. beim Apollontempel von Didyma), bisweilen auch syn. mit naós (Cella), ferner für Grabreliefs mit an Architektur erinnernden, räumlich in die Tiefe gebauten Anten-Vorsätzen. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography W. Müller-Wiener, Griech. Bauwese…

Haus

(3,195 words)

Author(s): Sievertsen, Uwe (Tübingen) | Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] I. Vorderer Orient und Ägypten Der Wohnhausgrundriß ist im Vorderen Orient üblicherweise in Rechteckbauweise und mehrzellig gestaltet. Wichtigstes Baumaterial sind in Mesopot. Lehmziegel; in Iran, Syrien und Kleinasien findet sich daneben eine stärkere Verwendung von Stein. Das typische babylon. Wohn-H. besteht aus Räumen um einen zentralen Hof. Es besitzt meist nur einen Eingang, der Hauptsaal liegt im Süden, der Mittagssonne abgewandt. Das neuassyr. Wohn-H. ist demgegenüber zweigete…

Dioskurides

(1,368 words)

Author(s): Badian, Ernst (Cambridge, MA) | Weißenberger, Michael (Greifswald) | Degani, Enzo (Bologna) | Bäbler, Balbina (Göttingen) | Nutton, Vivian (London) | Et al.
(Διοσκουρίδης). [English version] [1] Sohn von Polemaios, Flottenkommandeur 314-313 v. Chr. Sohn von Polemaios, Neffe von Antigonos [1] Monophthalmos. Als Flottenkommandeur 314-13 v.Chr. erzielte er einige Erfolge. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Badian, Ernst (Cambridge, MA) Bibliography R.A. Billows, Antigonus the One-Eyed, 1990, 381f. [English version] [2] Polyhistor, 4. und 3. Jh. v. Chr. Polyhistor des 4. und 3. Jh.v.Chr., Schüler des Isokrates (Athen. 1,18,11 A). Von seinen Werken kennen wir folgende Titel (vgl. FGrH 3 B 594): 1. Apomnēmoneúmata (‘Denkwürdigke…

Latrinen

(155 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Mit einer Kanalisation verbundene Abortanlagen finden sich im griech.-röm. Kulturraum erstmals im minoischen Kreta (Sitz-L. im Palast von Knosos), danach erst wieder im Hell.; im archa. und klass. Griechenland dominierten L., die aus einem Sitz über einem transportablen Gefäß bestanden. Dieses vergleichsweise primitive Prinzip begegnet auch in der röm. Kultur weiterhin (etwa in den mehrstöckigen Mietshäusern der Großstädte), während seit spätrepublikanischer Zeit reich mit Marmor…

Konsole

(186 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Mod., aus dem frz. abgeleiteter t.t. für einen aus der Wand oder einem Pfeiler waagerecht hervorkragenden Tragstein, der als Lager für einen Bogen, für Figuren oder die Blöcke eines Geison diente. Im Kontext der in der hell. Architektur zunehmend häufigen Geschoßbauweise und der Erweiterung des baulichen Formenspektrums kann die K. zur Dachzone eines Gebäudes überleiten, aber auch als strukturierendes Element der Mehrgeschossigkeit innerhalb eines Fassadensystems dienen. Das im 2…

Dodona, Dodone

(928 words)

Author(s): Strauch, Daniel (Berlin) | Höcker, Christoph (Kissing) | Graf, Fritz (Princeton)
Dieser Ort ist auf folgenden Karten verzeichnet: Ägäische Koine | Bildung | Dunkle Jahrhunderte | Orakel | Perserkriege | Theater (Δωδώνη). [English version] I. Topographie, historische Entwicklung Heiligtum und Siedlung in Epeiros, 22 km südwestl. des h. Ioannina in der 640 m hoch gelegenen Ebene Hellopia unterhalb des Tomaros [1. 85-87, 92]. D. ist die älteste lit. bezeugte Orakelstätte Griechenlands (Gründungssage Hdt. 2,54f. [2. 51-54]), schon den homer. Epen bekannt (Il. 16,233-235; Od. 19,296-301). Der urspr. Kult g…

Pseudodipteros

(109 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Bei Vitruv (3,2,6; 3,8-9) überl. architektonischer Fachterminus, der eine der dort aufgelisteten Tempelformen markiert (Tempel). Der Typus des Ps. ist laut Vitruv (7 praef. 12) von dem Architekten Hermogenes [4] am Artemistempel von Magnesia [2] am Maiandros ausgebildet worden, und zwar durch Weglassung der inneren Säulenreihe eines Dipteros. Charakteristisch ist der dadurch ungewöhnlich weite Umgang (griech. pterón) um die Cella. In diesem Sinne als Ps. gilt darüber hinaus u. a. der ebenfalls der Artemis geweihte Tempel von Sardeis.…

Intarsien

(495 words)

Author(s): Wartke, Ralf-B. (Berlin) | Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] I. Alter Orient Als I. bezeichnet man in der Vorderasiatischen Arch. die Auf- oder Einlage von dekorativen Elementen aus unterschiedlichen Materialien auf bzw. in einem Trägermaterial. Um bes. Farbkonstraste zu erzielen, wurden Kombinationen unterschiedlicher Stoffe, insbes. farbige Steine, Weichtiergehäuse, Knochen, Elfenbein, Metalle, Keramik, Glas und Kieselkeramik genutzt; die häufigsten Trägermaterialien waren Stein, Metall, Holz und Ton/Keramik. Als Bindemittel diente zumeist …

Inkrustation

(440 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Bei Vitruv (7,5) mißverständlich als Stuckverblendung im Sinne des 1. pompejanischen Stils (Stuck; Wandmalerei) beschriebene Wanddekoration mit architekturimitierendem Aufbau; als arch. t.t. bezeichnet I. (von lat. crustae sc. marmoreae, griech. πλάκωσις) hingegen ausschließlich die Innenverkleidung von Wänden minderen Materials mit flachgeschnittenen Marmorplatten (wobei das Verhältnis dieser “echten” I. zum 1. pompejanischen Stil, der I. imitiert und deshalb häufig auch I.-Stil gen. wird, weiterhin unklar…

Megakles

(526 words)

Author(s): Kinzl, Konrad (Peterborough) | Höcker, Christoph (Kissing)
(Μεγακλῆς). Im Athener Alkmaionidenhaus (Alkmaionidai) vom 7.-5. Jh.v.Chr. zunehmend häufiger Name. [English version] [1] nach Plutarch árchōn (632/1? v.Chr.) Der erste histor. M.; Plutarch (Solon 12,1) bezeichnet ihn mit Namen und als árchōn (632/1?), der für die Niederschlagung des kylonischen Putsches (Kylon [1]) und den daraus folgenden Alkmaionidenfluch (Hdt. 5,71; Thuk. 1,126) verantwortlich sei. Peisistratidai Kinzl, Konrad (Peterborough) Bibliography Develin, 30f.  PA 9688  Traill, PAA 636340. [English version] [2] Politiker und Machtmensch im Athen des…

Optical Refinements

(277 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Mod., von dem amerikanischen Archäologen W.H. Goodyear 1912 geprägter Sammelbegriff für verschiedene, im dt. Sprachgebrauch meist als “optische Korrekturen” bezeichnete Phänomene des griech. Säulenbaus. Hierzu zählen im einzelnen: (a) die Lösung des

Balbis

(99 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Start- und Zieleinrichtung des griech. Stadion. Die b. war eine mit Rillen versehene, im Boden eingelassene Steinschwelle, in der Starttore aus Holzpfählen verankert waren; die Rillen dienten als Widerlager für die Füße beim Start. Zahlreiche Exemplare sind erh., u.a. in Olympia, Delphi, Nemea, Ephesos. Bilddarstellungen in der Rundplastik, Reliefkunst und Vasenmalerei. Darüber hinaus kann b. auch die Abwurfm…

Peristylion

(158 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (περιστύλιον, lat. peristylium). Repräsentatives Element öffentlicher und privater ant. Architektur; mit P. wird die einen Hof oder Platz begrenzende Säulenhalle (Säule) bezeichnet. In der griech. Architektur finden sich Peristylia seit dem späten 4. Jh.v.Chr. gehäuft in Privathäusern (Haus), daneben an zahlreichen repräsentativen öffentlichen Bauten, z.B. Gymnasien, Palaistren, Bibliotheken, Theatern und verschiedenen Versammlungsbauten (Buleuterion und Prytaneion). Das P. ist von…

Principia

(88 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Das Stabsgebäude bzw. die Kommandantur eines röm. Legionärslagers oder Kastells, als administratives und rel. Zentrum der Anlage in deren Mitte, am Schnittpunkt der beiden Hauptstraßen (Cardo, Decumanus) gelegen. Die P. bestanden aus einem offenen Hof mit Fahnenheiligtum, um den herum sich die Truppenverwaltung, Waffenarsenale sowie Versammlungsräume für das Offizierscorps gruppierten. Castra; Praetorium Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography A. Johnson, Roman Forts of the 1st and 2nd Century AD in Britain and the German Provinces, 1983  H. von Petri…

Lacus Curtius

(127 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Monument auf dem Forum Romanum in Rom, das bereits in der Ant. mit verschiedenen Mythen der Frühzeit Roms in Verbindung gebracht wurde (Curtius [1]). Wohl in augusteischer Zeit erbaut, gehört der L.C. zu denjenigen Denkmälern auf dem stadtröm. Forum, die der Materialisierung, der Vergegenwärtigung und der Vergewisserung röm. Frühzeit sowie der Einbindung der Myth. in eine chronistisch geprägte Tatsächlichkeitsschilderung dienten. Der L.C. besteht aus einem unregelmäßigen, gepflas…

Gewölbe- und Bogenbau

(1,086 words)

Author(s): Sievertsen, Uwe (Tübingen) | Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] I. Alter Orient und Ägypten G. sind in Vorderasien hauptsächlich an Grüften und Kanälen bezeugt. Es gibt nur wenige erh. Beispiele für die Einwölbung überirdischer Räume. Belegt sind sowohl echte als auch Kraggewölbe über kleineren oder gangartigen Räumen, Poternen und Substruktionen von Treppen sowie Bögen an Türen, Toren und Brücken. Vergleichsweise häufig waren Tonnen, Kuppeln vornehmlich an Speichern und Öfen. Meist wurden Techniken verwendet, bei denen sich Gewölbe gegen eine Wan…

Cenaculum

(75 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Von lat. ceno; urspr. das Speisezimmer im Obergeschoß des röm. Hauses. Bisweilen umfaßt der Begriff c. das gesamte obere Stockwerk (Varro ling. 5,162; Festus 54,6); die mit c. bezeichneten Räume dienten zur Unterbringung von Gästen minderen Ranges oder Sklaven. Sie konnten auch Mietsache sein;

Ptolemaion

(72 words)

Paionios

(240 words)

Author(s): Neudecker, Richard (Rom) | Höcker, Christoph (Kissing)
(Παιώνιος). [English version] [1] griech. Bildhauer aus Mende, 5. Jh. v. Chr. Bildhauer aus Mende. Das einzige bekannte original erh. Werk des P. ist eine Statue der Nike auf dreieckigem Pfeiler vor dem Zeustempel in Olympia, die nach der Inschr. und nach Aussage des Pausanias (5,26,1) von den Messeniern geweiht wurde. Als Anlaß der Weihung vermutet Pausanias einen Sieg 455 v.Chr., während die Inschr. auf den Sieg von Sphakteria (425 v.Chr.) verweist, was aus stilistischen Gründen vorzuziehen ist. Pausanias…

Kenotaphion

(214 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (κενοτάφιον, lat. cenotaphium, wörtl. “leeres Grab”). Als K. bezeichnet die klass. Arch. einen Grabbau ohne die Überreste einer Bestattung; ein K. bildete in der Regel ein Ehrenmal für einen Verstorbenen, dessen Leichnam entweder nicht mehr greifbar war, wie z.B. bei in der Fremde oder auf See gefallenen Kriegern, oder aber eine besondere Form des Heroon (Heroenkult). Nicht selten stellte die Errichtung eines K. eine herausragende Ehrung seitens des Gemeinwesens oder der Familie au…

Dipteros

(558 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] (griech. δίπτερος: zweiflügelig; mit doppeltem pterón = Umgang versehen). Bei Vitruv (3,1,10; 3,2,1; 3,2,7; 3,3,8; 7 praef. 15) überlieferter, ansonsten in der griech. Architekturterminologie nicht nachgewiesener t.t. für einen griech. Tempel mit mindestens acht Frontsäulen, dessen Cella allseitig von zwei, an den Schmalseiten u.U. von drei Säulenreihen umgeben ist. Das im Vergleich zum Peripteros mit seinem einfachen Säulenkranz überaus auf…

Pilaster

(158 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] In der klass. Arch. eine mod., der lat., it. und frz. Sprache entlehnte Bezeichnung für einen in die Wand eingebundenen Halbpfeiler. Das Architekturglied besteht analog der Säule bzw. der Halbsäule au…

Mons Quirinalis

(160 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Nördlichster der sieben großen Hügel Roms; in der Ant. eigentlich nicht mons, sondern collis genannt. Seit der Eisenzeit bewohnt; unter Titus Tatius sollen sich hier die Sabiner angesiedelt haben. Bis in die späte Kaiserzeit war der M.Q. vorwiegend Wohngebiet, im Westen mit durchmischter sozialer Struktur, im Osten hingegen von eher ärmlicher Art (hier wohnte der Dichter Martialis [1] im 3. Stock eines Mietshauses unter den von ihm so plastisch beschriebenen Lebensumständen). Verschiedene Hei…

Geison

(302 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] …

Cella

(622 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
(“Kammer, Raum, Zelle”). [English version] [1] umschlossenes Gehäuse im antiken Tempel Von Vitruv (4,1 u.ö.) geprägter t.t. für das von Mauern umschlossene Gehäuse im ant. Tempel (griech.: σηκός, sēkós). Die typologische Herleitung der griech. Tempel-C. aus der frühgriech. Hausarchitektur (Haus) wird im Zusammenhang mit der Entstehung der Tempelringhalle (Peristasis) weiterhin diskutiert. Die c. diente im monumentalen Steinbau seit dem 7.Jh. v.Chr. zur Verwahrung des Kult- oder Götterbildes sowie des Tempel- oder Staatsschatzes (Tempel); rituelle…

Inklination

(101 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Mod. t.t. der arch. Bauforsch.; bezeichnet wird hiermit die bei einigen dor. Ringhallentempeln der klass. Zeit (z.B. Parthenon) zu beobachtende geringfügige Einwärtsneigung der Säule im äußeren Säulenkranz; zusammen mit der Entasis, der Verstärkung des Durchmessers der Ecksäulen und der Kurvatur ein Element der Optical Refinements im griech. Säulenbau. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography D. Mertens, Der Tempel von Segesta und die dor. Tempelbaukunst des griech. Westens in klass. Zeit, 1984, 255 s.v. Säulenneigung  W. Müller-Wiener, Griech. Bauwes…

Ephesos

(2,443 words)

Author(s): Scherrer, Peter (Wien) | Wirbelauer, Eckhard (Freiburg) | Höcker, Christoph (Kissing)
Dieser Ort ist auf folgenden Karten verzeichnet: Ägäische Koine | Athleten | Attisch-Delischer Seebund | Bildung | Bodenschätze | Byzantion, Byzanz | Caesar | Christentum | Handel | Ḫattusa | Hellenistische Staatenwelt | Ionisch | Kleinasien | Kleinasien | Kleinasien | Limes | Marmor | Peloponnesischer Krieg | Pergamon | Perserkriege | Pilgerschaft | Pompeius | Roma | Roma | Schrift | Theater | Wein | Straßen I. Historische Entwicklung [English version] A. Lage Stadt (h. türk. Kreisstadt Selçuk) an der Mündung des Kaystros in das Aigaion Pelagos, 80 km südl. Izmir. Di…

Aufschnürung

(133 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Riß- bzw. Ritzlinien in der Architektur (Bautechnik; Bauwesen). Durch die A. wird der Bauplan sukzessive im Maßstab 1:1 auf das entstehende Gebäude übertragen. A. sind schon aus vorgriech. Zeit in der mesopotamischen und ägypt. Architektur belegt; in der griech.-röm. Architektur machte die A. eine maßstäbliche Bauzeichnung lange Zeit entbehrlich. Gut erh. bzw. dokumentierte A. finden sich u.a. an den Propyläen in Athen, der großen Tholos in Delphi und dem jüngeren Apollontempel von Didyma. Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography L. Haselberger, Aspekte de…

Eupalinos

(294 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] aus Megara, Sohn des Naustrophos, verantwortete als Architekt und Ingenieur, vermutlich unter dem Tyrannen Polykrates, den Bau einer Anlage zur Wasserversorgung für die Stadt Samos (das heutige Pythagoreion auf der Insel Samos), die bei Herodot (3,60) als eine der großen griech. Ingenieursleistungen geschildert ist; weitere Aktivitäten des E. sind nicht bezeugt. Die 1853 wiederentdeckte Anlage besteht aus vier miteinander verbundenen Baukomplexen: einem hoch im Berg gelegenen Que…

Epistylion

(493 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] In griech. Bauinschriften und bei Vitruv (4,3,4 u.ö.) vielfach überlieferter ant. t.t.: der unmittelbar auf den Säulen ruhenden Teil des Peristasengebälks im ant. Säulenbau aller Bauordnungen. In der modernen arch. Fachterminologie wird das E. häufig “Architrav” genannt, während das Gebälk des Säulenbaus in seiner Gesamtheit, also Architrav, Fries und Geison zusammen, als E. bezeichnet wird. Die Umsetzung des zunächst hölzernen E. in Stein war ein kritisches Moment des griech. Steinbaus; das E. ist das am stärksten belastete Bauglied…

Ara Pacis Augustae

(800 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Repräsentative Altaranlage auf dem campus martius nahe der Via Flaminia in Rom, möglicherweise zusammen mit dem Ustrinum und dem Mausoleum des Augustus Bestandteil des Horologium Augusti. Funde seit 1568, systematische Grabungen am ant. Standort unter dem Palazzo Fiano an der Via in Lucina 1903 und 1937/38. Einweihung der in Details umstrittenen, an das Tiberufer nahe dem Augustusmausoleum versetzten Rekonstruktion (unter Verwendung von Abgüssen verstreuter Reliefte…

Fenster

(901 words)

Author(s): Sievertsen, Uwe (Tübingen) | Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] I. Alter Orient und Ägypten An altoriental. Wohnhäusern gab es zumeist nur kleine hochgelegene F.-Schlitze. Innere Räume größerer Architekturkomplexe erforderten bes. Beleuchtung durch Obergaden oder verschließbare Oberlichter in den Decken. Der Befund in Ägypten ist prinzipiell ähnlich. Weite F.-Öffnungen besaßen dort teilweise reich verzierte F.-Gitter. Sievertsen, Uwe (Tübingen) Bibliography D. Arnold, s.v. F., Lex. der ägypt. Baukunst, 80-82 G. Leick, A Dictionary of Near Eastern Architecture, 1988, 242-244. [English version] II. Griechenland u…

Giebel

(254 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Griech. ἀ(ι)ετός, a(i)etós (Bauinschr.: [1. 33f.]); lat. fastigium, fronton; dreieckiger, vom Schräg- und Horizontalgeison gerahmter Stirnteil des Satteldaches am kanonischen griech. Säulenbau; das G.-Feld (Tympanon, zur Bezeichnung: Vitr. 3,5,12; 4,3,2) ist an Sakralbauten häufig Gegenstand plastischer Ausschmückung gewesen; vgl. hierzu Bauplastik. Schräge und Höhe eines G. in Proportion zu Säule und Gebälk gibt einen Anhaltspunkt über die chronologische Stellung eines griech. Tempels.…

Isidoros

(2,344 words)

Author(s): Strothmann, Meret (Bochum) | Oelsner, Joachim (Leipzig) | Eck, Werner (Köln) | Rist, Josef (Würzburg) | Johne, Klaus-Peter (Berlin) | Et al.
(Ἰσίδωρος). [English version] [1] Piratenkapitän, 72 v. Chr. von Lucullus bei Tenedos geschlagen Piratenkapitän, organisierte die kilikischen Seeräuber im Raum um Kreta, wurde 78 v.Chr. von P. Servilius Isauricus besiegt (Flor. 1,41,3), trat s…

Aedicula

(122 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Im röm. Kulturraum bezeichnet A. entweder einen sakralen Schrein (Lararium), oft in sepulkralem Kontext (Grabbauten), der Urnen oder Bilder der Verstorbenen enthielt, oder einen säulengerahmten Baukörper zur Aufnahme von Statuen …

Entasis

(236 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Von Vitruv (3,3,13) überlieferter, in griech. Bauinschriften hingegen nicht bezeugter Begriff für die Schwellung der Säule, die die Anspannung dieses Baugliedes durch die Last des Gebälkes ausdrücken sollte. Zusammen mit der Inklination und der Kurvatur bildet die E. das wichtigste Element der optical refinements im griech. Säulenbau; die E. findet sich in extremer Ausführung in der archa. Baukunst Westgriechenlands (z.B. Paestum, “Basilika”), wird im späteren 6., dem 5. und 4. Jh.v.Chr. dann zu einer b…

Dorischer Eckkonflikt

(730 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Moderner t.t. für das Problem, im griech. Steinbau dorischer Ordnung eine gleichmäßige, um die Ecke biegende Abfolge von Triglyphos und Metope im Fries über einer Säulenstellung zu bewirken. In der kanonischen dor. Baustruktur lagert jede zweite Triglyphe mittig über einer Säule. Dies wird in dem Moment an der Ecke unrealisierbar, wo die Tiefe des Architravs (Epistylion) die Breite einer Triglyphe übersteigt, da dann entweder der Architrav nicht mehr zentriert auf dem Abacus des …

Crypta, Cryptoporticus

(192 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Von griech. κρυπτή; bezeichnet in der bei Athenaios 5, 205a überlieferten Beschreibung des Nilschiffes Ptolemaios' IV. einen abgeschlossenen, durch Fenster beleuchteten Wande…

Concha

(59 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Lateinisch für Muschel, Schnecke (griech. κόγχη/ kónchē); bezeichnet auch muschelförmig gebildete Gefäße oder große Trinkschalen, auch das schneckenförmige Tritons…

Altar

(1,755 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Prayon, Friedhelm (Tübingen)
[English version] A. Definition und Funktion Der gr.-röm. A. (ἐσχάρα, βωμός; lat. ara, “Brandstätte”) ist funktional und nicht als typisierter Gegenstand definiert; ein A. kann eine ephemere natürliche oder künstliche Erhebung, Herdstelle oder Bauwerk für Brand-, Trank- oder sonstige Opfer sein (im Gegensatz zur in den Boden eingetieften Opfergrube, dem βόθρος, Hom. Od. 10, 517; Lukian. Char. 22) und markiert das Zentrum einer Opferhandlung; es gibt Heiligtümer ohne Tempel, jedoch nie ohne A. ([23. 150]; ei…

Delphin

(593 words)

Author(s): Hünemörder, Christian (Hamburg) | Höcker, Christoph (Kissing)
(δελφίς und δελφίν, lat. delphinus und delphin). [English version] [1] Vertreter der kleinen lebendgebärenden Wale …

Attillus

(32 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Römischer Mosaizist, signierte ein bei Oberwenigen nahe Zürich gefundenes Figuralmosaik ( Attillus fecit). …

Cossutius

(311 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing) | Neudecker, Richard (Rom)
Röm. Familienname, seit dem 2. Jh.v.Chr. bezeugt [1. 189-203]. Der gens gehörten verschiedene Künstler an. [English version] [1] bei Vitruv genannter Architekt Der bei Vitruv (7, praef. 15ff.) als civis romanus bezeichnete Architekt C., der wohl unter Antiochos [6] IV. Epiphanes (Regierungszeit 176/5-164 v.Chr.) in Athen ‘den Bau des Olympieions …

Ianiculum

(92 words)

Author(s): Höcker, Christoph (Kissing)
[English version] Einer der sieben Hügel Roms (Roma); am rechten Tiberufer gelegen und bereits in republikanischer Zeit durch vier Brücken mit dem Campus Martius verbunden. Wegen seiner mil. Bed. wurde der I. bereits früh in den ager Romanus mit einbezogen (Cass. Dio 37,27,3 - 37,28,1). Der Name I. geht vermutlich auf eine Kultstelle für Ianus zurück; seit der späten Republik war der von der Via Aurelia überquerte Hügel Ort verschiedener großer Gartenanlagen ( horti Agrippinae; horti Caesaris). Höcker, Christoph (Kissing) Bibliography P. Liverani, s.v. I., LTUR 3, 1996, 89f. …
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