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Landwirtschaft

(8,842 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. DefinitionDurch L. wird eine Anpassung pflanzlicher und tierischer Populationen an menschliche Bedürfnisse herbeigeführt, die nicht nur eine Veränderung natürlicher Zusammensetzungen, sondern auch – viel stärker als durch Jagd und Sammelwirtschaft – die Steuerung von Eigenschaften der Bestände (Züchtung) beinhaltet (s. u. 5.5.). Im Ackerbau wurde das Ziel, Nahrungsmittel zu produzieren, seit dem FrühMA nicht mehr primär durch die Erschließung unerschöpfter Böden, sondern durch ausdifferenzierte Formen des Nährstoffmanagements erreicht…
Date: 2019-11-19

Steuern

(4,617 words)

Author(s): ’t Hart, Marjolein | Troßbach, Werner
1. Begriff Im späten MA besaßen die städt. Kommunen (Stadt) in der Regel besser entwickelte Finanzsysteme als die Staaten ( Staatsfinanzen). Einige ital. Stadtstaaten entwickelten schon relativ früh ein fortschrittliches und ausgeklügeltes S.-Wesen. Die Kommune von Siena führte bereits zwischen 1168 und 1175 den alliramento als eine Form der Reichen-S. ein. Im 15. und 16. Jh. folgten allerdings immer mehr Flächenstaaten dem städt. Beispiel und begannen, selbst S. zu erheben.Man unterscheidet u. a. zwischen direkten und indirekten S. Die Bedeutung dieser Begriffe…
Date: 2019-11-19

Ernte

(2,498 words)

Author(s): Troßbach, Werner | Kopsidis, Michael
1. Ernteverfahren 1.1. Schneidegeräte bei der GetreideernteDie E.-Zeit begann im 18. Jh. in Deutschland mit der sog. Roggenmahd (Mitte bis Ende Juli) und endete um Michaelis (29.9.) mit der Flachseinbringung. Während man Flachs ( Faserpflanzen) mit der Wurzel ausrupfte, wurden die Getreide-Arten mit der Sichel geschnitten bzw. gemäht ( Schneidegeräte; vgl. auch die E.-Verfahren bei Gemüse; Obst und Wein).Für die Sommergetreidearten Hafer und Gerste verwendete man in der Nz. v. a. die Sense (vgl. Abb. 1) – meist mit einem seitlich am Wurf angebrachten Gestell (»Ref…
Date: 2019-11-19

Viehwirtschaft

(2,361 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Rinder 1.1. AllgemeinUnter V. versteht man die wirtschaftliche Nutzung von Tieren und tierischen Produkten. In diesem Sinne war V. in der Nz. in ganz Europa integraler Bestandteil landwirtschaftlicher Betriebe. Rinder waren wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit als Zugtiere (Anspannung, tierische), Milch-, Fleisch- und Häutelieferanten sowie als Produzenten hochwertigen Düngers (Düngung) die wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere, auf deren Haltung – von tropischen und subtropischen Gebieten abgesehen – kaum ein Betrieb verzichtete. Bis ins …
Date: 2019-11-19

Ländliche Gesellschaft

(8,859 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Begriffliche Abgrenzungen: Stadt und LandWährend der Begriff Agrargesellschaft – oft als Entwicklungsstufe gefasst – eine Gesamt- Gesellschaft charakterisiert, kann man von einer L. G. erst sprechen, wenn alternative Lebens- und Produktionsformen einem größeren Personenkreis zugänglich sind. Auf das Gebiet nördl. der Alpen trifft dies seit den Städtegründungen des HochMA zu. »Stadt« und »Land« können bis zu den Agrarreformen des 19. Jh.s u. a. durch rechtliche Kriterien voneinander abgegrenzt werden: So waren Formen personengebundener Abhäng…
Date: 2019-11-19

Saat

(947 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Der S.-Vorgang gliedert sich in die Auswahl des Saatguts (= Sg.), dessen Behandlung und dessen Ausbringung. Die Sg.-Auswahl hat als Kernelement landwirtschaftlicher Praxis seit dem Neolithikum zur Entstehung domestizierter Pflanzenarten beigetragen (vgl. Pflanzenzucht). Bei Getreide erfolgte sie in der Frühen Nz. vorwiegend innerbetrieblich, d. h. es wurden die jeweils kultivierten Sorten »nachgebaut«. In der Hausväterliteratur wurde z. T. empfohlen, die »schönsten« Körner für die S. zu selektieren [2. 38–42]. Für Buchweizen schlug ein schlesischer Ratgeber 15…
Date: 2019-11-19

Dorfgemeinde

(1,016 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. BegriffDie D. vertrat als juristische Person die Interessen des Dorfes gegenüber Nachbargemeinden, Grundherrschaft und Staat. D. entstanden im 12. Jh. zunächst in England, Nordfrankreich und Flandern, wurden in der Ostkolonisation in die Gebiete östl. der Elbe transferiert [14. 35–38] und breiteten sich seit dem 13. Jh. in allen europ. Ländern aus.Werner Troßbach2. Ursprüngliche AufgabenD. waren ursprünglich aus Haushalten zusammengesetzt, nicht aus Individuen. Aus der Zugehörigkeit zur D. konnten Allmende-Rechte abgeleitet werden. Voraussetzung w…
Date: 2019-11-19

Wiesenbau

(2,068 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Entwicklung und NutzungVor dem Übergang zur Landwirtschaft waren große Teile Europas mit Wald bedeckt. Offene Grasflächen bildeten sich erst im Neolithikum unter der Einwirkung menschlicher Tätigkeit, zunächst an Orten, an denen der Wald durch intensive Weidenutzung licht geworden war (Waldweide), später auch in Flusstälern, wo die andauernde Feuchtigkeit den Ackerbau erschwerte. Die Nutzung dieser Flächen als Wiese im engeren Sinne, d. h. durch die Grasmahd zur Gewinnung von Winterfutter, scheint sich jedoch erst in der Römerzeit entwickelt zu hab…
Date: 2019-11-19

Bauernkrieg

(4,208 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Zeitliche EinordnungDer Begriff B. bezeichnet unterschiedliche Ereignisse und Phänomene der Nz. Der Umschlag eines gegen die Türken geplanten Kreuzzuges in eine Erhebung gegen den Adel im Jahr 1514 ist als »ungarischer B.« in die Historiographie eingegangen. Im dt.sprachigen Raum werden Aufstände (Revolte) in Oberösterreich (1626) und Bayern (1705/6) als B. bezeichnet [19. 39 f.]. Es handelte sich dabei um landespatriotische Erhebungen, die gegen eine Besatzungsmacht gerichtet waren; ähnlich 1809 in Tirol. In Oberösterreich 1626 und in Bayern …
Date: 2019-11-19

Kirchengut

(1,807 words)

Author(s): Weitzel, Jürgen | Troßbach, Werner
1. DefinitionK. (lat. bona ecclesiastica) meint das Vermögen einer Kirche. Es umfasst alle geldwerten Rechte – insbes. Eigentum, Nutzungsrechte, Ansprüche auf Abgaben (Steuern), sonstige Forderungsrechte und Verfügungsbefugnisse über fremde Sachen. Träger des K. sind selbst in der kath. Kirche nicht (nur) die Gesamtkirche oder der Apostolische Stuhl (Papsttum), sondern in erster Linie die jeweilige kirchliche Institution (z. B. Kirchenprovinz, Bistum, Orden, Landeskirche, Dekanat, Stiftung, Anstalt, Kirchen-Geme…
Date: 2019-11-19

Hofrecht

(1,311 words)

Author(s): Brauneder, Wilhelm | Pečar, Andreas | Troßbach, Werner
1. Fürstliches Hofrecht 1.1. AllgemeinDer Fürsten-Hof war nicht nur der Ort der höchsten Gerichtsbarkeit im Herrschafts-Bereich des Fürsten, er konstituierte auch einen eigenen Rechtsraum. In ihm galten spezifische, vom Fürsten erlassene Regeln und Normen, die das Verhalten sowohl der Hofmitglieder als auch der Hofbesucher innerhalb der höfischen Sphäre regelten. Kam es zu Verstößen gegen diese Regelungen, besaß der Fürstenhof eine eigene Gerichtsbarkeit. Häufig oblag die Aufgabe der Rechtsprechung dem obersten Hofmar…
Date: 2019-11-19

Zehnt

(914 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Die kirchenrechtlichen Grundlagen für die Erhebung des Kirchen-Z. (einer Naturalgabe, die in der Regel den zehnten Teil eines landwirtschaftlichen Produkts umfasste) wurden bereits im 6. und 7. Jh. gelegt. Spätestens im 12. Jh. war diese Abgabe europaweit ein fester Bestandteil des Kanons bäuerlicher Leistungen. Sie betraf als »großer Z.« Getreide und Wein; als »kleiner Z.« umfasste sie den sog. Blut-Z., der auf der Viehwirtschaft lastete, sowie den sog. grünen Z., der auf Garten-Produkte und auf andere Feldpflanzen erhoben wurde [9. 14]. Der große Z. wurde europaweit gef…
Date: 2019-11-19

Düngung

(850 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. Begriff Unter D. versteht man die Zufuhr von Nährstoffen in den Boden. Im Ackerbau geschah dies durch Einbringung organischer und anorganischer Stoffe sowie durch Grün-D. (Leguminosen). Wiesen erhielten Dungstoffe v. a. durch Bewässerung.Werner Troßbach2. Tierische Fäkalien Stallmist wurde durch die Mischung von tierischen Fäkalien mit Einstreustoffen – neben Stroh vielfach mit Laub, Baumnadeln und -zweigen – gewonnen. Er enthält alle für den Anbau von Getreide erforderlichen Nährstoffe und reichert Humus im Boden an. Nährstoffverlust…
Date: 2019-11-19

Pacht

(3,007 words)

Author(s): Löhnig, Martin | Sanz Lafuente, Gloria | Troßbach, Werner
1. Rechtliche Aspekte 1.1. BegriffUnter P. wird heute die auf einem P.-Vertrag beruhende Überlassung einer Sache oder eines Rechts gegen Geld (P.- Zins) auf Zeit zum Gebrauch und – hier liegt der Unterschied zur Miete und zur Leihe – zur Fruchtziehung verstanden. Im Gegensatz zum Mieter obliegt dem Pächter in weitem Umfang die Unterhaltung des P.-Gegenstandes. Von der durch Schuldvertrag (P.-Vertrag) begründeten P., die grundsätzlich jederzeit gekündigt werden kann und die mit dem Tod des Pächters endet, ist die aus dem rezipier…
Date: 2019-11-19

Bodenbearbeitung

(827 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Die B. dient der Verbesserung der Nährstoffversorgung, der Unkraut-Regulierung und der Saatbeetbereitung ( Saat). Durch das Wenden der oberen Krume gelangen zuvor ungenutzte Nährstoffe in den Wurzelbereich der Nutzpflanzen und Unkrautsamen bzw. -pflanzen gleichzeitig in tiefere Bodenschichten. Die Struktur des Bodens muss so fein gekrümelt sein (»Gare«), dass der Transfer von Wasser und Nährstoffen in die Saaten ermöglicht wird.Während im GartenHandgeräte Verwendung fanden, war die Bodenvorbereitung im nzl. Ackerbau in der Regel mechanisiert; man setzte Pflüge und Eggen …
Date: 2019-11-19

Dorf

(2,264 words)

Author(s): Troßbach, Werner
1. DefinitionD. sind topographische, soziale und wirtschaftliche Einheiten. In der histor. Geographie wird ein D. als ländliche Gruppensiedlung definiert. Von einem Gut (vgl. Gutsbetrieb) unterscheidet sich eine dörfliche (= dörfl.) Siedlung durch ein wirtschaftsgeschichtliches Kriterium, nämlich durch die Existenz verschiedener Haushalte, die ihre Entscheidungen im Kern unabhängig voneinander treffen. D. bildeten außerdem eine Basis für die Verankerung von Institutionen, unabhängig davon, ob diese eher auf die Interessen d…
Date: 2019-11-19

Brache

(731 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Die B. war ein prägendes Element des Ackerbaus vor den epochalen Veränderungen, die als Agrarrevolution bezeichnet werden. In die Fruchtfolgen war meist ein Jahr integriert, in dem ein jeweils wechselnder, prozentual gleichbleibender Teil des Ackerlandes unbebaut blieb (in Zweifelderwirtschaften die Hälfte, in Dreifelderwirtschaften ein Drittel etc.) [2. 13 f.]. Die Ruhephase ermöglichte bodenbiologische Regenerationsprozesse und den Eintrag von Stickstoff aus der Atmosphäre ( Boden). Das Umpflügen der B. (von »brechen«), zuerst im Juni (»B.-Monat«) durchg…
Date: 2019-11-19

Anspannung, tierische

(943 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Transport und Bodenbearbeitung wurden vor der Erfindung von Dampfmaschinen und v. a. Verbrennungsmotoren in den meisten europ. Ländern mit Pferden oder Ochsen als Zugtieren bewältigt. Im Mittelmeerraum konnten Maultiere, seltener auch Esel zum Einsatz kommen, manchmal mit Ochsen zusammengespannt [5. 21]. Um die tierische Zugkraft zu übertragen, gab es verschiedene Möglichkeiten. Bei Ochsen war seit dem FrühMA das Widerristjoch im Einsatz, meist als Doppeljoch ausgeführt. Unter diesem Joch zogen die Ochsen nicht, sondern sie »schoben«, wie der Volksmund richtig…
Date: 2019-11-19

Amt

(9,112 words)

Author(s): Carl, Horst | Schmidt, Patrick | Troßbach, Werner | Walter, Peter | Synek, Eva
1. Einleitung 1.1. Begriff und GrundlagenDen dt. Begriff A. zeichnet bis heute ein weites Bedeutungsspektrum aus, das die vielfältigen Bezüge und Kontexte vormodernen Verwaltungshandelns bewahrt ( Verwaltung). Es reicht von der Wahrnehmung einer spezifischen Funktion über die Bezeichnung eines territorialen Verwaltungsbezirks bis hin zu einer Behörde oder einem Gebäude, in dem nachgeordnete Verwaltungsbehörden residieren. Als Resultat frühnzl. Entwicklungen lässt sich diese semantische Vielfalt beispielsweise im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm dokumentie…
Date: 2019-11-19

Farbstoffe

(2,497 words)

Author(s): Engel, Alexander | Troßbach, Werner
1. EinleitungF. sind lösliche Materialien, die sich im Gegensatz zu den unlöslichen, v. a. mineralischen Pigmenten (Maltechnik) zur dauerhaften Färbung von Textilien eignen. Vor der Erzeugung künstlicher F. aus Teerderivaten im späten 19. Jh. waren in Europa nur Natur-F. zumeist pflanzlichen Ursprungs bekannt. Das Färben war zwar für die Basisfunktionen der Kleidung wie den Schutz vor Nässe und Kälte unerheblich, doch im Rahmen soziokultureller Funktionen war die symbolische und ästhetische Wirkkraft der Farbigkeit unabdingbar. Vordefinierte T…
Date: 2019-11-19

Unkraut

(854 words)

Author(s): Küster, Hansjörg | Troßbach, Werner
Als U. werden auf dem Kulturland unerwünschte Pflanzen bezeichnet. U. ist jedoch kein systematischer wiss. Begriff. Er ergibt sich aus den jeweiligen Zielen des Pflanzenbaus. Einige Arten verursachen wirtschaftlichen Schaden, andere sind aus ästhetischen Gründen unerwünscht. U. konkurriert mit den Kulturpflanzen um Licht, Wasser und Mineralstoffe. Einige U.-Arten beschatten die Kulturpflanzen durch große Blätter und Blüten oder winden sich um deren Stängel und Blätter. Die Samen der Kornrade ( Agrostemma githago) enthalten Saponine; durch unzureichende Reinigung d…
Date: 2019-11-19

Agrarkredit

(868 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Der A. war in den ländlichen Gesellschaften der Nz. weit verbreitet [3. 339, 343]; [6. 1340]. Kurzfristige Zahlungsaufschübe trugen dem Umstand Rechnung, dass die Bargeldausstattung von Bauern jahreszeitlichen Schwankungen unterlag [4. 285]. In den Quellen ist v. a. langfristig gewährter A. fassbar. Staatliche bzw. territoriale Verordnungen regelten die Rahmenbedingungen. Im Alten Reich beliefen sich die Zinsen bereits im 15. Jh. auf etwa 5 %, bevor dieser Prozentsatz im 16. Jh. [1. 6]; [3. 331] und in Frankreich im 17. Jh. [7. 91–95] für verbindlich erklärt wurde; Auss…
Date: 2019-11-19
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