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Idee

(770 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Idee, philosophisch, griech. ι᾿δε´α/idéa oder ει᾿˜δος/eídos, »Form«, »Gestalt«, wobei im vorphilos. Sprachgebrauch v.a. die Gestalt eines Menschen gemeint ist (z.B. Plato Prot. 315e, Hom.Il. III 39; V 787; X 316). Daran läßt sich auch der philos. Sprachgebrauch begreiflich machen: Weil es die Gestalt ist, an der man jemanden erkennt, kann die Idee nun generell die Verständlichkeit einer Sache sein; etwas in dem, was es ist, zu erkennen, ist gleichbedeutend mit der Erkenntnis seiner Id…

Merleau-Ponty

(421 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Merleau-Ponty, Maurice (14.3.1908 Rochefort – 3.5.1961 Paris), franz. Philosoph, maßgeblicher Vertreter der Phänomenologie. Nach dem Studium lehrte M.-P. zunächst an Gymnasien, zw. 1935 und 1939 auch an der Ecole Normale Supérieure, an der er auch studiert hatte. Während der Besetzung Frankreichs war er in der Résistance tätig. 1945 wurde er Prof. in Lyon, ein Jahr später ging er nach Paris zurück, und zwar zunächst an die Sorbonne. Von 1952 bis zu seinem Tod lehrte er am Collège …

Historismus

(1,291 words)

Author(s): Figal, G. | Graf, F.W.
[English Version] I. Philosophisch Der Begriff des H. wird im 19.Jh. gebräuchlich und nimmt dabei schon bald eine krit. und sogar polemische Bedeutung an. Zwar konnte auch G.W.F.Hegels Konzeption einer sich frei in der Gesch. realisierenden Vernunft »H.« genannt werden (J.Braniss, Die wiss. Aufgabe der Gegenwart als leitende Idee im akademischen Studium, 1848); aber vorherrschend ist doch das Verständnis des H. als einer Denkweise, die einseitig an der Gesch., und zwar v.a. an den gesch. Fakten, or…

Heidegger

(767 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Heidegger, Martin (26.9.1889 Meßkirch, Baden – 26.5.1976 Freiburg i.Br.). Ohne H. ist die Philos. des 20.Jh. nicht vorstellbar. J.-P.Sartre, E.Lévinas, M.Foucault und Jacques Derrida sind von ihm geprägt; zu seinen Schülern gehörten u.a. H.Arendt, K.Löwith, H.Jonas, L.Strauss und Hans-Georg Gadamer, der H.s Philos. maßgeblich weiterentwickelt hat. H. ist der einzige Philosoph seines Jh., der, wie vor ihm nur G.W.F.Hegel, die abendländische Philos. im ganzen durchdacht und in z.T. bahnbrechender Weise neu interpretiert hat. H. wuchs in einfachen Verh…

Demokrit

(225 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] (um 460 – zw. 380 und 370), stammte aus Abdera. Er war Schüler des Leukippos und Hauptvertreter der von seinem Lehrer begründeten Atomistik. D. hat sich mit einer Reihe von Themen beschäftigt; seine Schriften waren Fragen der Ethik und der Seelenlehre, der Logik, der Mathematik und Astronomie, auch der Dichtung und Musik gewidmet. Aber gewirkt hat er v.a. mit seiner Naturphilos., in der er im Anschluß an seinen Lehrer die Grundthesen des Atomismus formuliert und ausgearbeitet ha…

Hermeneutik

(7,062 words)

Author(s): Terrin, A.N. | Dohmen, C. | Schunack, G. | Figal, G. | Jeanrond, W.G. | Et al.
[English Version] I. Religionswissenschaftlich Die klassischen Fragestellungen der H. bedenken Probleme des Verstehens in einem hist. Zusammenhang, welcher das Auszulegende und den Auslegenden umfaßt: Dessen Verstehenshorizont wird als Vorverständnis wirksam im Umgang mit Zeugnissen der Vergangenheit, deren Wirkungsgesch. wiederum prägt den Verstehenshorizont des Auslegungsprozesses. Entscheidend für das Gelingen des Verstehens ist schließlich die Frage, ob das Auszulegende sich in diesem Wechselsp…

Freiheit

(8,410 words)

Author(s): Kaiser, O. | Vollenweider, S. | Schwartz, D.R. | Graf, F.W. | Figal, G. | Et al.
[English Version] I. Altes Testament 1. Der Begriff der polit. F. begegnet seiner Herkunft aus der griech. Polis (Stadtkult) gemäß erst in der jüd.-hell. Geschichtsschreibung. Der stoische Freiheitsbegriff, der die innere F. dem äußeren Zwang entgegensetzt (Stoa), findet im AT keine Entsprechung. Denn einerseits ist das AT in einer binnenmythischen Kultur und einer organischen Gesellschaft verwurzelt, die zwar den Unterschied zw. Herren und Knechten, aber nicht den zw. innen- oder außenpolit. F. ken…

Kritische Theorie

(1,356 words)

Author(s): Figal, G. | Moxter, M. | Junker-Kenny, M.
[English Version] I. Philosophisch Krit. Th. ist die Bez. für das philos. Programm der »Frankfurter Schule«, einer dem 1923 in Frankfurt/M. gegründeten »Institut für Sozialforschung« zugehörigen Gruppe von Philosophen und Sozialwissenschaftlern. Der Begriff geht auf einen Aufsatz von M.Horkheimer, »Traditionelle und krit. Th.« (1937), zurück und wurde dann als allg. Charakterisierung auch für die Philos. Th.W.Adornos und H.Marcuses übernommen. Der wichtigste Vertreter der krit. Th. in der auf die G…

Adorno

(436 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Adorno, Theodor Wiesengrund (11.9.1893 Frankfurt/M.  – 6.8.1969 Visp, Kanton Wallis), ist neben M.Horkheimer der wichtigste Vertreter der Kritischen Theorie in ihrer ersten Generation. Im Zentrum seines Denkens steht eine radikale Kritik der sich wiss., technisch und gesellschaftlich manifestierenden Rationalität. – A. studierte in Frankfurt a.M. und dann, nach seiner Promotion in Philos. im Jahr 1924, bei Alban Berg in Wien Komposition. Er wurde 1930 mit einer Arbeit über S.Kierke…

Gedächtnis

(1,237 words)

Author(s): Assmann, J. | Schröter, J. | Figal, G.
[English Version] I. Religionswissenschaftlich Unter G. verstehen wir hier die Fähigkeit zur Speicherung von motorischen Fähigkeiten, Erlebnissen und Lerninhalten über größere Zeiträume; Erinnerung bez. demgegenüber den Umgang mit dem G. Bereits das individuelle G. ist sozial bedingt (durch Sprache, Sozialisation, kulturelles Umfeld) und hat insofern kommunikativen Charakter. Der Stabilisierung von kollektiven Gedächtnisinhalten dienen Institutionalisierungen (z.B. Feste, Schule) und Objektivierung…

Apollinisch/dionysisch

(119 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] sind in der Philos. zum ersten Mal bei F.W.J.Schelling (Philos. der Offenbarung, Nachlaß 1858) belegte Begriffe für das Wesen der griech. Götter Apollo und Dionysos. Der Vergleich der beiden Götter und der ihnen zugeordneten Künste spielt schon bei Plato (polit. 398c–400c; nomoi 652a–674c) eine Rolle und wird in einer für die Moderne maßgeblichen Weise bei F.Nietzsche aufgenommen. Nach den Ausführungen seines Buches über die »Geburt der Tragödie« (1872) steht a. für das begrenze…

Mensch

(15,970 words)

Author(s): Gregersen, N.H. | Grünschloß, A. | Figal, G. | Janowski, B. | Lichtenberger, H. | Et al.
[English Version] I. Naturwissenschaftlich und psychologisch 1.Die evolutionäre PerspektiveAus naturwiss. Sicht bietet die Evolutionstheorie (Evolution) den umfassenden Rahmen für das Verständnis des M. Die menschliche Spezies wird darin als spätes Produkt des biogenetischen Prozesses betrachtet, der mit der Entstehung des Lebens (: VI.) auf dem Planeten Erde vor ca.3,8 Mrd. Jahren begann. M. gehören zur Gruppe der Primaten. Vor 5 bis 7 Mio. Jahren zweigten die hominiden Stammbäume von den Stammbäumen…

Mimesis

(935 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] ist sowohl »Nachahmung« als auch »Darstellung«. Wenn es etwa heißt, jemand zerstöre sein Leben durch die M. eines Gewaltherrschers (Plato Gorg. 511a), so ist das erstere gemeint; wenn gesagt wird, die Bildhauer brächten die M. eines Körpers hervor (Hippokrates, DK 22, C 1,29), so handelt es sich um das letztere. Philos. bedeutsam wird der Begriff bei Plato aufgrund beider Bedeutungen. Obwohl Plato den Begriff wohl aus der Musiktheorie übernimmt, hat dieser keine primär kunstphil…

Logos

(3,300 words)

Author(s): Peppel, M. | Slenczka, N. | Figal, G.
[English Version] I. Religionsgeschichtlich Das griech. Subst. L. (λο´γος/lógos), abgeleitet vom Verb λε´γειν/légein, »sagen, sprechen«, bez. menschliches Sprach- und Denkvermögen meist als Einheit sowie zahlreiche Einzelaspekte: Satz, Thema, Rede, Prosa, Lehre, Urteil, Grund, Schlußfolgerung, Vernunft. In den ersten Belegen heißt L. »Rede«, deren verblendende Wirkung häufig betont wird (Hom.Od. 1,56) – so in der Personifikation der Logoi (Pl.) als Kinder der Streitgöttin Eris (Hes.theog. 229) –, und steht…

Dezisionismus

(320 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Dezisionismus, von lat. decisio, »Entscheidung«, »Urteil«, ist ein von C.Schmitt geprägter Begriff zur Bez. seiner These, daß die Anwendung einer Norm niemals vollständig durch diese selbst bestimmt werden kann, so daß immer Spielraum und Notwendigkeit der »Dezision« besteht. Der Begriff ist krit. gegen normativistische und rechtspositivistische Positionen, v.a. gegen die Position Hans Kelsens, gerichtet. Bei Schmitt selbst steht der D. im Zusammenhang seiner Konzeption der Souve…

Jonas

(168 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Jonas, Hans (10.5.1903 Mönchengladbach – 5.2.1993 New York), studierte bei E.Husserl, M.Heidegger und R.Bultmann. Seine Diss. hatte das Thema »Augustin und der pln. Freiheitsgedanke« (1930). J. emigrierte 1933 nach London, zwei Jahre später nach Palästina. Er lehrte 1946–1948 in Jerusalem, 1949–1950 als Prof. in Montreal und Ottawa und von 1955–1976 in New York. Sein stark durch Heidegger und Bultmann geprägtes Buch »Gnosis und spätantiker Geist« (Bd.1, 1934; Bd.2/1, 1954; Bd.2/2,…

Kehre

(283 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Kehre, »Umwendung«, ist philos. ein Begriff M.Heideggers, der wohl erstmals in einem 1937 entstandenen Vorlesungsentwurf gebraucht wird: Der Mensch stehe »in der K.«, und das sei gleichbedeutend mit einer möglichen »Verwandlung des Menschseins selbst« (GA 45,214). Heidegger greift hier auf ein philos. Grundmotiv zurück, das schon Plato als Umwendung (περιαγωγη´/periagōgē´, rep. 518d) gefaßt und im »Höhlengleichnis« der »Politeia« veranschaulicht hatte. – Sein Verständnis der K. hat Heidegger in den Vorträgen »Einblick in das wa…

Epoche

(233 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] ('Εποχη´/epochē´), ist von dem griech. Verb ε᾿πε´χειν/epéchein, »anhalten«, »zurückhalten« abgeleitet. Das Substantiv epochē´ ist urspr. ein Begriff der Astrologie und bez. dort entweder die Stelle, die ein Himmelskörper in seiner Bahn einnimmt, oder die Konstellation zweier Himmelskörper. Analog kann das Wort auch den Punkt in der Zeit, von dem aus sie berechnet werden kann, bez. Im Zeitalter der Aufklärung verändert sich die Bedeutung des Begriffs: E. ist nun ein gesch. bedeutsamer Z…

Entwurf

(213 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] ist ein in philos. bedeutsamer Weise erstmals bei I.Kant verwendeter Begriff, mit dem die produktive Rolle der Vernunft im Hinblick auf den Bereich des Verstehbaren bez. wird. In diesem Sinne sagt Kant, »daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt«. Die Vernunft müsse die Natur nötigen, »auf ihre Fragen zu antworten«, statt sich von ihr »gleichsam am Leitbande gängeln« zu lassen, sonst bliebe es bei zufälligen, »nach keinem vorher entworfen…

Blondel

(162 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Blondel, Maurice (2.11.1861 Dijon – 4.6.1949 Aix en Provence), franz. Philosoph, 1896–1949 Prof. in Aix en Provence. B.s Philos. ist im weiteren Sinne der Phänomenologie zuzurechnen und hat einen deutlich religionsphilos. Akzent. Zentral ist für ihn die Annahme, das Denken gehe aus einem umfassenden Lebenszusammenhang des Wollens und Empfindens hervor und bleibe auch nur aus diesem verständlich. Daraus ergibt sich das philos. Programm einer genauen Analyse von Handlungssituationen…

Kyniker

(296 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Kyniker, eine griech. Philosophenschule, als deren Gründer der Sokratesschüler Antisthenes (ca.455–360 v.Chr.) gilt, die jedoch erst in Diogenes von Sinope (gest. ca.320 v.Chr.) ihren eigentlichen Repräsentanten gefunden hat. Der Name geht auf griech. κυ´ων/kýōn, »Hund«, zurück und ist durch eine Bemerkung Philodems (nach 110–40/35 v.Chr.) erläutert, derzufolge es den K. gefiel, sich in die Lebensform der Hunde zu kleiden (Stoicorum Index Herculanensis, hg. von D.Comparetti, 1875, 339,8), also ohne Scham und men…

Geltung

(690 words)

Author(s): Figal, G. | Dreier, R. | Grube, D.
[English Version] I. Philosophisch Der Begriff der G. wird zwar schon bei I.Kant (Akademie-Ausg. 4, 460 f.) verwendet, aber erst in der Philos. des späten 19.Jh. prominent. G. ist eine nicht weiter erklärbare Weise der Gegebenheit, die v.a. im Kontrast zum Existieren verstanden wird. In diesem Sinne unterscheidet R.H.Lotze zw. existierenden Dingen, geschehenden Ereignissen und geltenden Sätzen (Grundzüge der Logik und Encyklopädie der Philos., 1902). Daß ein Satz gilt, ist dabei gleichbedeutend mit…

Interpretation

(361 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Interpretation, von lat. interpretatio, »Deutung«, »Übers.«, bez. allg. die Auslegung von Werken und Texten. Philos. bedeutsam wurde der Begriff durch F.Nietzsche, der analog zum menschlichen Weltverhalten die Lebendigkeit überhaupt als I. versteht. I. ist der Versuch, »Herr über etwas zu werden« (Krit. Studienausg. 12, 314); sie ist die auswählende und vereinheitlichende Bewältigung einer unendlich mannigfaltigen Realität. Nur durch I., und d.h.: aus jeweiligen Perspektiven, gib…

Löwith

(193 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Löwith, Karl (9.1.1897 München – 24.5.1973 Heidelberg), dt. Philosoph. L. studierte in München und Freiburg, wurde in München promoviert und habilitierte sich bei M.Heidegger in Marburg mit »Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen. Ein Beitrag zur anthropologischen Grundlegung der ethischen Probleme«. 1933 emigrierte L. nach Italien, dann nach Japan, wo er von 1936 bis 1941 eine Professur an der Universität Sendai innehatte. Von 1941 bis 1952 lehrte er in den USA, zunächst am …

Boethius

(445 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Boethius, Anicius Manlius Torquatos Severinus (um 480 wahrscheinlich Rom – um 524 wahrscheinlich Pavia) gilt als der bedeutendste lat. Schriftsteller der Spätantike und als einer der wichtigsten Vermittler der klassischen Philos. für die Kultur des MA. Berühmt ist er v.a. für »De consolatione philosophiae« (oder »Philosophiae consolationis libri«), eine Schrift in neuplatonischer Tradition, die eines der meistgelesenen Bücher des MA war und bis heute ihre Leser findet. – Das Leben de…

Metapher

(2,519 words)

Author(s): Löser, P. | Figal, G. | Mühling-Schlapkohl, M. | Mädler, I.
[English Version] I. Literaturwissenschaftlich M. (griech. μεταϕορα´/metaphorá, »Übertragung«, von μεταϕε´ρω/metaphérō, »übertragen«) bez. eine Stilfigur, in der vermittels eines sprachlichen Bildes, d.h. in übertragenem Sinn, auf einen Sachverhalt Bezug genommen wird. Die semantische Analyse der M., ihre Abgrenzung gegenüber anderen Tropen und die Diskussion um Leistungsfähigkeit und Verstehbarkeit der poetischen M. gehören zu den schwierigeren Aufgaben der Literaturwiss. Bestimmung der sprachlichen Form: Der Sprachbestand umfaßt jederzeit konventional…

Differenz, ontologische

(277 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Differenz, ontologische, Terminus M.Heideggers, mit dem das Verhältnis von Sein und Seiendem (Ontologie) bestimmt wird. Obwohl der Terminus in »Sein und Zeit« (1927) noch nicht vorkommt, sondern erst in der Vorlesung des Sommersemesters 1928 eingeführt und in der Schrift »Vom Wesen des Grundes« (1929) weiter erläutert wird, betrifft er der Sache nach auch die Konzeption von Heideggers frühem Hauptwerk. Das Entdecken von Seiendem, wie es in der Welt begegnet, wird auch hier schon …

Epikur

(220 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] (342/41 auf Samos – 371/70 Athen), griech. Philosoph, Gründer einer philos. Schule, die er als Konkurrenz zur platonischen Akademie und zum aristotelischen Peripatos verstand. Von seinen zahlreichen Schriften – nach Diogenes Laertius 10,28 hat er an die 300 Schriftrollen hinterlassen – sind nur drei Lehrbriefe, eine Sammlung von 40 Sentenzen und einige Werkfrgm. erhalten geblieben. Die Lehren E.s können jedoch auch aus dem Lehrgedicht des in E.s Tradition philosophierenden Lukre…

Eros

(1,820 words)

Author(s): Konstan, D. | Stock, K. | Figal, G.
[English Version] I. Zum Begriff Der griech. Begriff ε῎ρος/éros, Subst., Verb ε᾿ρα˜ν/erán (»in jemanden verliebt sein«), hat die Bedeutung einer intensiven Zuneigung oder eines Begehrens. Er kann eine Leidenschaft für einen unbelebten Gegenstand ausdrücken, wie etwa Wein oder die Heimatstadt oder sogar für Weisheit, wie bei Plato, doch wird E. normalerweise mit erotischer Liebe oder Erregung in Verbindung gebracht und enthält eine sexuelle Komponente. Man denkt sich ihn von körperlicher Schönheit inspirie…

Benjamin

(247 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Benjamin, Walter (15.7.1892 Berlin – 27.9.1940 Port Bou, Frankreich) hat als Schriftsteller, Übersetzer und Philosoph ein vielfältiges Werk hinterlassen. Im Zentrum des B.schen Denkens steht der Versuch einer Rehabilitierung rel., magischer und spekulativer Erfahrung im Medium der Sprache. B. will die Phänomene der Welt unter dem Gesichtspunkt ihres unwillkürlich sich einstellenden Sinns betrachten und diesen als Vorwegnahme einer messianisch erlösten Welt deuten. – B. war 1919 in…

Ereignis

(187 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Ereignis, umgangssprachlich ähnlich wie »Vorkommnis« oder »Geschehen«, ist in der Ontologie eine Bez. für prozessuale Entitäten im Kontrast zu Dingen oder Substanzen. Die Frage, ob E. nur unter der Voraussetzung von Dingen möglich sind oder Dinge sich in E. konstituieren, so daß E. ihnen gegenüber primär sind, ist umstritten. Der prominenteste Vertreter einer E.-Ontologie in der modernen Philos. ist A.N.Whitehead. – In der Philos. M.Heideggers ist E. ab Mitte der 30er Jahre ein z…

Diskurs

(129 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Diskurs, von lat. discursus, »Hin-und-her-Laufen«, wurde als philos. Terminus aus dem Engl. und Franz. übernommen, während »diskursiv« als Gegenbegriff zu »intuitiv« seit I.Kant geläufig ist. Mit engl. »discourse« und franz. »discours« wird eine mehrere Sätze umfassende sprachliche Einheit bez.; das kann eine Rede, eine Erzählung, eine Abh. oder ein Argumentationsgang sein. »Universe of discourse« ist in der analytischen Philos. die Menge der Gegenstände, über die in einer formal…

Feyerabend

(137 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Feyerabend, Paul (13.1.1924 Wien – 11.2.1994 Genf), Wissenschaftstheoretiker, der in seinen frühen Arbeiten an K.R.Popper anschließt, sich aber in der Entwicklung seiner eigenen »anarchistischen Erkenntnistheorie« auch gegen diesen wendet. F. bestreitet, daß es haltbare Kriterien für wiss. Erkennen gibt. Wie jede andere Weise der Welterfahrung sei deshalb auch die Wiss. nur unter dem Gesichtspunkt von Kreativität und Originalität zu beurteilen. F.s Maxime dabei ist der Titel eines Schlagers von Cole Porter: »Anything goes«. Günter Figal Bibliography We…

Blumenberg

(143 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Blumenberg, Hans (13.7.1920 Lübeck – 28.3.1996 Altenberge), dt. Philosoph, nach Professuren in Gießen und Bochum von 1970 bis 1985 Prof. in Münster. B. ist Autor zahlreicher, von gründlicher und breiter Gelehrsamkeit zeugender Bücher, die vor allem um zwei syst. Fragen kreisen: Einerseits geht es B. um eine Revision der Kritik an der neuzeitlichen Wiss.: die »Legitimität der Neuzeit« soll u.a. dadurch erwiesen werden, daß die für sie charakteristische Autonomisierung des Menschen …

Destruktion

(223 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] ist ein Terminus in M.Heideggers Philos. der 20er Jahre, der erstmals in der Vorlesung des Sommersemesters 1920 vorkommt und in der Programmschrift »Phänomenologische Interpretationen zu Aristoteles« (1923) ausführlich erläutert wird. Mit D. ist der »Abbau« der Tradition in der Selbstverständlichkeit ihrer Vorstellungen und Redeweisen gemeint. Dieser ist erforderlich, damit die urspr. philos. Erfahrungen als die »Fundamente« des Tradierens freigelegt und wiederholt werden können…

Endlichkeit

(901 words)

Author(s): Figal, G. | Adriaanse, H.J.
[English Version] I. Philosophisch E. bez. in der Philos. grundsätzlich das Begrenzte oder Beschränkte und ist dabei schon bei R.Descartes eine Wesensbestimmung menschlichen Seins und Erkennens. Dieser Gedanke wird von I.Kant aufgenommen und in der Erörterung des menschlichen Erkenntnisvermögens ausführlich diskutiert. Im dt. Idealismus, bes. bei F.W.J.Schelling und G.W.F.Hegel, steht die Interdependenz bzw. Dialektik von E. und Unendlichkeit im Mittelpunkt des philos. Interesses. Bei Schelling wir…

Augenblick

(190 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] bezeichnet ein aus der Zeiterfahrung bes. herausgehobenes Moment. Während das mathematisch-punktuelle »Jetzt« leer ist, markiert der ekstatisch erfaßte A. eine einzigartige, nicht mehr zeitliche Plötzlichkeit. Maßgeblich für das Verständnis des A. in der neueren Philos. und Theol. ist (S.Kierkegaard, der seinerseits von Platos Dialog »Parmenides« und dem dort entwickelten Gedanken des »Plötzlichen« (το` ε᾿ξαι´ϕνης/tó exaíphnēs) angeregt wurde. Für Kierkegaard ereignet sich im A. die Geistwerdung des Menschen: Geist ist dort, wo das…

Kojève

(142 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Kojève, Alexandre (eigentlich Alexander Koschewnikow; 11.5.1902 Moskau – 4.6.1968 Brüssel), studierte in Heidelberg Philos., Sprach- und Literaturwiss. und wurde dort 1926 als Schüler von K.Jaspers promoviert. Anschließend ging er nach Paris, vertiefte frühere religionswiss. Studien und trat 1933 als Lehrer für Religionswiss. in die École Pratique des Hautes Études ein. Philos. berühmt wurde K. jedoch durch seine Vorlesungen über G.W.F.Hegels »Phänomenologie des Geistes«, die in F…

Jünger

(786 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] , 1.Ernst (29.3.1895 Heidelberg – 17.2.1998 Riedlingen), Autor von lit. Tagebüchern und Essays, aber auch von Romanen und Erzählungen, einer der wichtigsten dt. Schriftsteller des 20.Jh. J. nahm unmittelbar nach seiner Schulzeit am 1. Weltkrieg teil; 1918 wurde ihm der Orden Pour le Mérite verliehen. Von 1923 bis 1926 studierte er Philos. und Zoologie in Leipzig und Neapel. Danach betätigte er sich zunächst als nationalrevolutionärer Publizist, am Ende der 20er Jahre zog er sich …

Arendt

(308 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] Arendt, Hannah (14.10.1906 Linden bei Hannover – 4.12.1975 New York), dt.-amer. Philosophin und polit. Denkerin von z.T. großer öfftl. Wirkung. A. stammte aus einer assimilierten jüd. Familie aus Königsberg. Sie studierte u.a. bei M.Heidegger, K.Jaspers und R.Bultmann. Nach der Emigration lebte sie zunächst in Frankreich, ab 1941 in den USA. Dort lehrte sie an verschiedenen Universitäten und war ab 1968 Prof. an der New School for Social Research in New York. – Im Zentrum von A.s …

Moderne/Modernität

(892 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] (von lat. modernus, »neu«) ist ein Epochenbegriff, der im Deutschen die spätere Neuzeit bez. und nicht, wie das engl., franz. und ital. Äquivalent (modern times, temps modernes, eta moderna), die Neuzeit überhaupt. Darüber, wann der Beginn der Moderne (M.) anzusetzen ist, gibt es verschiedene Meinungen. Am frühesten hat Koselleck die M. datiert, indem er für den »Umwandlungsprozeß zur M.« die »Schwelle von etwa 1770« geltend macht; hier komme es zu jener »Verzeitlichung der kate…

Maximus

(120 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] von Tyrus (ca.125 – ca.182), Rhetor mit philos. Anspruch, der vom späten Platonismus, der Stoa und dem Kynismus (Kyniker) geprägt war. Ein Werk mit Vorlesungen (διαλε´ξεις/dialéxeis) ist erhalten. Die Vorlesungen sind eklektisch, ohne philos. Originalität, zeichnen sich aber durch rhetorische Brillanz und didaktisches Geschick aus. Thematisch reflektieren sie die religionsphilos. und ethische Diskussion in der Umwelt des frühen Christentums. Günter Figal Bibliography Werke: Maximi Tyrii Philosophi Platonici Sermones sives Disputationes, h…

Fundamentalontologie

(404 words)

Author(s): Figal, G.
[English Version] ist ein von M.Heidegger analog zu »Fundamentalphilosophie« und »Fundamentaltheologie« geprägter Terminus, um das philos. Programm seines Hauptwerks »Sein und Zeit« (1927) zu charakterisieren. Heidegger geht es hier um die Klärung der Möglichkeit von Ontologie; erst wenn diese herausgearbeitet werde, sei die Frage nach dem Sein, die Heidegger als die Grundfrage der abendländischen Philos. versteht, ausdrücklich und ohne ungeklärte Voraussetzungen zu stellen. In diesem Sinne weist…
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