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Your search for 'dc_creator:( "Gestrich, Andreas" ) OR dc_contributor:( "Gestrich, Andreas" )' returned 53 results. Modify search

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Berufsfolge

(865 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Unter B. wird in der histor. Familienforschung primär die Übernahme des elterlichen Betriebs durch einen Sohn oder eine Tochter im Bereich des Handwerks oder der Industrie bezeichnet, z. T. auch allgemein das Ergreifen des gleichen Berufs. Der Begriff wird aber auch für die direkte Nachfolge von Söhnen in das Amt des Vaters in akademischen Berufen in der Frühen Nz. verwendet. Im Handwerk der Frühen Nz. basierten weder die Aufrechterhaltung des täglichen Betriebs noch die Altersversorgung der Eltern in der gleichen Weise auf der Mitarbeit und der Betrie…

Mutter

(828 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriff M. ist eine gemeinindoeurop. Verwandtschafts-Bezeichnung für den weiblichen Eltern-Teil eines Kindes (Kindheit). Der rechtliche und soziale Status der M.schaft (s. u.) wird in der Regel durch die Geburt eines Kindes begründet, kann aber auch auf dem Rechtsakt der Adoption oder entsprechenden sozialen Praktiken (Pflege-M., Stief-M.) beruhen (Legitimation des Kindes). Mit dem Begriff der M. waren in nzl. europ. Gesellschaften starke emotionale, bes. auf Fürsorge und Schutz (Mütterlichkeit) gerichtete Konnotationen verbunden, die in der christl. Ku…

Kernfamilie

(903 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Bedeutung und Begriffsgeschichte K. (engl. nuclear family, franz. famille nucléaire) ist ein Fachbegriff aus der Familiensoziologie und der Histor. Demographie. Er bezeichnet zum einen die aus Eltern und Kindern bestehende familiale Einheit (Familie) innerhalb eines größeren genealogischen Zusammenhangs, zum anderen als Kurzform für »kernfamilialer Haushalt« (engl. nuclear family household) eine ausschließlich aus Eltern und Kindern bestehende Haushalts-Gemeinschaft. In der Forschung wurde der Begriff der K. seit den 1970er Jahren bewusst gegen d…

Geheimnis

(743 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Das dt. Substantiv G. taucht erst seit dem 16. Jh. auf. Bis dahin waren lediglich mhdt. Vorläufer der adjektivischen Form »geheim« sowie des Substantivs »Heimlichkeit« in Gebrauch. Der Begriff G. verdankt seine Verbreitung der Bibelübersetzung Martin Luthers, der für das griech. mystḗrion und das lat. secretum ein substantivisches Äquivalent suchte. Von der religiösen Sphäre ausgehend, verbreitete sich das Wort rasch in der politischen Sprache, durchzog jedoch bald, wie sich an den zahlreichen Komposita ablesen lässt, auch andere Bereiche…

Frerèche

(627 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Die F. (ein Haushalt von mehreren verheirateten Brüdern; franz. frères) gehört zu den Formen sog. komplexer oder multipler Haushalte, die sich aus mehreren kernfamilialen Einheiten zusammensetzen. Die übliche Form des multiplen Haushalts war in Westeuropa die Ausgedingfamilie, in der die Eltern mit einem verheirateten Kind und dessen Familie zusammenlebten. Über die Ausgedingfamilie hinausgehende multiple Haushaltsformen kamen in Westeuropa v. a. in manchen Regionen Südfrankreichs vor [1]. In diesen oft als F. oder als communauté bezeichneten Haushalten lebten mehre…

Findelhaus

(966 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Ein F. (lat. hospitium expositorum, engl. foundling hospital, franz. hôpital des enfants trouvés) ist eine Anstalt, die ausgesetzte Kinder (sog. Findlinge) aufnimmt. War die Aussetzung kranker, überzähliger oder unerwünschter Neugeborener in der antiken griech. und röm. Gesellschaft die Entscheidung des Vaters, wurde sie im frühen Christentum von der Kirche zwar getadelt, seit dem ausgehenden 4. Jh. auch durch kaiserliche Gesetze verboten, im Falle der Aussetzung in Kirchen selbst aber nicht bestraft. Die Aufnahme solcher Säuglinge fiel in den Aufgabenbereich von Klöstern […

Patenschaft

(946 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriff Unter P. (engl. godparentship; franz. parrainage; ital. padrinaggio; span. compadrazgo) wurde in der Nz. die Tauf- bzw. in der kath. Kirche auch die Firm-P. verstanden (Sakrament). Der Begriff Pate ist vom lat. pater abgeleitet, »weil der das kind aus der taufe hebende zu demselben in geistige verwandtschaft tritt, der geistliche vater ( pater spiritualis) desselben wird«. Sein außerkirchl. metaphorischer Gebrauch im Sinne einer allgemeinen, freiwilligen Übernahme von Fürsorgepflichten (z. B. im Rahmen von Entwicklungshilfe oder Tier-P.) …

Ledige

(804 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
L. war in der Nz. im speziellen Sinn Kollektivbezeichnung für die unverheiratete Jugend eines Ortes, bes. in ländlichen Gemeinden (in süddt. Dörfern noch zu Beginn des 20. Jh.s üblich) [5. 76], im Alltagssprachgebrauch überwiegend für die Gesamtheit der unverheirateten männlichen Jugend (neben anderen regionalspezifischen Bezeichnungen wie Buben [1. 459], Burschen [2. 548], Knaben [3. 1313] oder Knechte [4. 1381] im dt.sprachigen Bereich, franz. garçons und varlets oder ital. garzóni). Dass es sich dabei um eine Bezeichnung für Jugendgruppen handelte, zeigen parallele…

Großeltern

(741 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Der Begriff G. (engl. grandparents, franz. grand-parents) ist als substantivische Wortverbindung erst seit dem 16. Jh. belegt [1. 532]. Er entstand wohl in Anlehnung an die bereits seit dem 12. Jh. nachweisbaren Begriffe Großvater und Großmutter. G. stand allerdings zunächst wie die ahdt. Begriffe ano und ana (»Ahn«; »Ahnin«) als generelle Bezeichnung für Vorfahren. Erst seit dem 18. Jh. wurde das Bedeutungsspektrum auf die Eltern der Eltern eingegrenzt. Der Begriff G. differenziert nicht, wie manche älteren dt. Verwandtschaftsbezeichnungen (z. B. Oheim…

Ehevermittlung

(739 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
E. kann auf privater Basis erfolgen oder gewerbsmäßig betrieben werden. Bestanden in Europa gegen die private E. durch Eltern oder Verwandte von kirchlicher oder staatlicher Seite nie Einwendungen, so war die gewerbliche E. aus theologischen, rechtlichen und sittlichen Gründen stets einer gewissen Kritik ausgesetzt. Die Grenzen zwischen privater und gewerbsmäßiger E. ließen sich jedoch teilweise schwer ziehen, da es in vielen Regionen als Brauch galt, auch privat geleistete Vermittlungsdienste bei Zustandekommen einer Ehe zu belohnen. Die Praxis der privaten E. war in …

Kiltgang

(760 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Bedeutung und Verbreitung K. ist eine v. a. im alemannischen Sprachraum geläufige Bezeichnung für einen nächtlichen Werbebrauch junger Männer (Partnerwahl). Das bereits ahdt. belegte Wort kilt bedeutete ursprünglich späte Abendzeit, dann auch das Wachbleiben oder Arbeiten bis in die späte Nacht. Die Verben kilten oder kelten bezeichneten z. B. im Elsass allgemein den Brauch, sich zum Feierabend zu Arbeit und Unterhaltung in der Licht- oder Spinnstube zu treffen, also für eine Tradition, die Mädchen und in manchen Regionen auch Erwachsene einschloss [1. 704]. In der Volksku…

Haushalt

(2,167 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriffsgeschichte Der dt. Begriff H. (vgl. engl. household, franz. ménage) ist erst seit dem 16. Jh. als Substantivierung der Wortverbindung »Haus halten« gängig [4]; etwas früher belegt ist die den verbalen Aspekt stärker betonende »Haushaltung«. Beide wurden bis ins 19. Jh. parallel und im Wesentlichen bedeutungsgleich verwendet. Dabei stand zunächst die Tätigkeit der »führung eines hauswesens« [4] im Vordergrund oder – wie es in Krünitz' Enzyklopädie heißt, die nur »Haushaltung« als Lemma hat – die »Regierung einer häuslichen Gesellschaft, mi…

Acta eruditorum

(752 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Unter dem Titel A. E. gab der Leipziger Philosophieprofessor Otto Mencke 1682 die erste dt. Gelehrtenzeitschrift heraus (Zeitschrift). Sie enthielt lat. Anzeigen, Zusammenfassungen und Rezensionen zu Neuerscheinungen aus allen Bereichen der Wissenschaft. Die A. E. erschienen monatlich, wurden aber am Ende des Jahres mit einem Index auctorum ac rerum für den jeweiligen Jahrgang versehen und daher auch in Jahrgängen gebunden. Seit 1689 erschienen Supplementbände zur Ausweitung der Berichterstattung [8]. Nach dem Tod Otto Menckes wurden die A. E. zunächst von dessen Sohn Jo…

Verwandtschaftsterminologie

(879 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Grundlagen und sprachliche Typologie Eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion des Struktur- und Bedeutungswandels von histor. Verwandtschafts (= Vw.)-Beziehungen ist die Terminologie. Insbes. die Anthropologie und Ethnologie (vgl. Ethnographie) zogen die V. früh für die Analyse von Sozialstrukturen heran [5]. Dabei wird davon ausgegangen, dass Veränderungen in der V. Folgen von sozialstrukturellem Wandel sind. Wenn in manchen Kulturen bestimmte Vw.-Grade nicht bezeichnet werden, so kommt ihnen dort vermutlich auch keine spezifis…

Kinderzimmer

(925 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriffsgeschichte und Definition »Kinderstube« oder »Kinderkammer« sind vereinzelt seit dem ausgehenden 16. Jh., breit seit dem 18. Jh. belegt [8. 589–593]; [5. 13]; [3]. Zedlers Universal-Lexikon definiert 1742 die Kinderstube als »dasjenige Gemach und Zimmer in dem Hause, allwo die kleinen Kinder mit denen Muhmen und Ammen sich befinden, und darinnen gepfleget werden« [1]. Dies verweist auf den Ursprung des K. als denjenigen Raum, in dem Kleinkinder gestillt wurden. Es war daher ebenso ein Rückzugsraum für Frauen wie ein Aufenthaltsort von Kindern (Kindheit). Dies k…

Trauung

(1,217 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Katholische Ehelehre Als T. (kirchenlat. copulatio) wird seit dem 16. Jh. »der feierliche kirchl. trauact«, also »die zwischen braut und bräutigam von dem priester in der kirchen vor dem altar durch verwechselung der trauringe öffentlich verrichtete einsegnung« bezeichnet. Das Substantiv entwickelte sich aus dem Verb »anvertrauen«, das im mittel- und norddt. Bereich seit dem 13. Jh. auf Verlöbnis und Heirat angewandt und zu Beginn der Nz. auf den Trauakt des Priesters verengt wurde [1. 1349 f.]; [2. 1559]. Die Ehe wurde zwar schon im antiken Christentum als eine von…

Clan

(693 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Das Wort C. stammt ursprünglich aus dem Angelsächsischen und wurde von dort ins Gälische ( clann) und Altirische ( cland) übernommen. C. war eine Bezeichnung für Nachkommenschaft bzw. Familie. Seit dem ausgehenden MA fand der Begriff im Englischen und Gälischen fast ausschließlich für schott. Familienverbände Verwendung; für das nzl. Irland ist er dagegen wenig belegt [1]. In der modernen ethnologisch-anthropologischen Literatur wurde der Begriff C. von den schott. Familienverbänden auch auf andere Gesellschaften wie etwa die nordamerikan.-kanadischen tlingit [5] oder auf…

Jugend

(2,595 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriff J. (lat. iuventus; engl. youth; franz. jeunesse; niederl. jeugd; schwed. ungdom), in vielen europ. Sprachen eine mehrdeutige Substantivbildung zum jeweiligen Adjektiv für »jung«, bezeichnet (1) die Zeit des Jungseins als Lebensalter oder Phase im individuellen Lebenslauf, (2) die Eigenschaft des Jungseins, Jugendlichkeit, und (3) die soziale Gruppe der jungen Leute einer Gesellschaft [4. 2360]. Manche europ. Sprachen wie das Russische besitzen dafür unterschiedliche Bezeichnungen oder Substantivbildungen. Der natürliche körperliche und psychische Wach…

Jugendgruppen

(872 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Bezeichnungen Der soziale Zusammenschluss männlicher Jugendlicher (Jugend) in altershomogenen und autonom organisierten Gruppen (engl. peer groups) hat in Europa eine lange, bis ins MA zurückreichende Tradition. Die Bezeichnungen variierten regional stark. Häufig wurde über die Namen entweder die Zusammensetzung oder die wichtigsten Funktionen der Gruppe zum Ausdruck gebracht. Im süddt.-schweizer. Bereich sprach man z. B. von »Knabenschaften«, »ledigen Gesellschaften«, »Bubenbruderschaften«, in Frankreich von bachelleries oder garçonnages. Solche Bezeichnu…

Familienzyklus

(718 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Unter F. versteht die histor. Familienforschung die Tatsache, dass Familien im Zusammenhang mit dem Lebenszyklus ihrer Mitglieder verschiedene Phasen mit je spezifischen Aufgaben, Formen und Funktionen des familialen Zusammenlebens durchlaufen. Man unterscheidet heute generell eine Phase, in der ein Paar Kinder bekommt und aufzieht, von einer späteren, die durch das Zusammenleben mit heranwachsenden Kinder bestimmt ist, und von einer Zeit des »leeren Nests«, wenn die herangewachsenen Kinder das Haus ve…

Zivilehe

(798 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Grundlagen Mit Z. wird eine Form der Eheschließung bezeichnet, die nicht auf einer relig. Ehe-Definition basiert und nicht nach relig. Ritus geschlossen wird. Während die Ehe nach dem Verständnis der kath. Kirche ein Sakrament und nach dem der protest. Konfessionen ein Symbol der Verbindung Christi mit der Kirche ist (vgl. Kasualien), basiert die Z. auf der Idee, dass die Ehe einen privatrechtlichen Vertrag zwischen zwei Personen darstellt. Er wird vor Vertretern der bürgerlichen Gesellschaft geschlossen sowie von ihnen bezeugt und kann von den Vertrag…

Elternliebe

(740 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Der Begriff kann sprachlich sowohl die Liebe der Eltern zu den Kindern als auch umgekehrt die der Kinder zu ihren Eltern bezeichnen [3]. Beide Bedeutungsebenen sind kulturübergreifend stark religiös-moralisch besetzt und im europ. Kontext seit der Antike Gegenstand religiöser und pädagogischer Reflexion. Wie der Begriff der Eltern wurde auch derjenige der E. in der Frühen Nz. zunächst wenig gebraucht. Stattdessen sprach man von Mutter- und Vater-Liebe. Dennoch ist deutlich, dass beide Elternteile gleichermaßen Quelle und Objekt der Liebe zu und von Kindern …

Tischgemeinschaft

(1,084 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Allgemein In allen Kulturen ist die T., das Teilen des Essens in gemeinsamen Mahlzeiten, ein wichtiges Element und Symbol von Gemeinschaftsbildung. Für soziale Institutionen wie Familie, Kloster, Internat, Herrscher-Hof, Zunft und Gilde gehörte daher in der Nz. die T. zum täglichen Ritual der Mitglieder. Die regelmäßige Teilnahme an wenigstens einer gemeinsamen Mahlzeit am Tag galt als wichtiges Charakteristikum für die Zugehörigkeit zu einem Haushalt. Beim Militär hat sich in der Bezeichnung der Kompanie (von lat. companium, »Brotgenossenschaft«) bis heute eine ursp…

Heirat

(1,751 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Allgemein H. wird im Deutschen z. T. gleichbedeutend mit Eheschließung und Hochzeit benutzt. Ältere Konversationslexika verweisen unter diesem Stichwort oft nur auf diese Parallelbegriffe [2]. Zugleich ist H. jedoch auch Oberbegriff für Ehe (engl. marriage; franz. mariage; ital. matrimonio) und Hochzeit (engl. wedding; franz . les noces; ital. nozze). Sprachgeschichtlich enthält der dt. Begriff H. das gotische Wort »heiv« für Haus bzw. Familie und drückte zunächst »die besorgung, einrichtung, ordnung eines hausstandes« aus. H. wurde bis in…

Amme

(745 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Die Sitte, neugeborene Kinder durch eine A. stillen zu lassen, breitete sich in Europa seit dem MA vom mediterranen Bereich ausgehend zunächst innerhalb der gesellschaftlichen Oberschicht aus. In der Frühen Nz. lässt sich das A.-Wesen auch in den städtischen Mittelschichten, im 19. und 20. Jh. in der städtischen Arbeiterschaft nachweisen. Drei Arten des A.-Wesens können unterschieden werden: (1) Eine A. konnte ins Haus geholt und für die Stillzeit in den Haushalt aufgenommen werden; (2) Man konnte das eigene Kind in das Haus einer A. weggeben; (3) A. wurden in Findelhäusern und ä…

Verwandtenehe

(916 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Rechtliche Rahmenbedingungen Das kanonische Recht der kath. Kirche schränkt Eheschließungen zwischen Verwandten ( Verwandtschaft; = Vw.) stark ein. Waren ursprünglich Ehen bis zum siebten Vw.-Grad verboten, wurden diese Bestimmungen im Vierten Laterankonzil von 1215 auf den vierten Vw.-Grad reduziert (vgl. Inzest 2.), allerdings bei strengerer Berechnung dieser Grade. Diese Regelung des kath. Kirchenrechts ist im Prinzip noch heute gültig. Das kanonische Recht dehnte die für eine Eheschließung verbotenen Vw.-Grade zudem auf die Schwieger-Vw. aus. Auch…

Liebesbrief

(810 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Die Textgattung des L. (lat. littera amatoria, engl. love letter, franz. lettre d'amour oder billet doux; Letzteres seit dem 18. Jh. als franz. Lehnwort auch im Deutschen gebräuchlich) gibt es als Alltagstext wie auch als lit. Genre seit der Antike; dessen bekanntestes Werk, Ovids Sammlung von fiktiven Liebesbriefen berühmter Heldinnen der griech. Mythologie (lat. Heroides), hat die europ. Tradition des künstlerischen L. nachhaltig geprägt [4]. In ma. Handschriften finden sich als Kunstform gereimte L. [15]. Im 17. Jh. war in Frankreich Madame de Sévigné eine der berühmt…

Kindestötung

(964 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Definition Unter »K.« (lat. infanticidium; engl./franz. infanticide) versteht man die schuldhafte, meist vorsätzliche Tötung eines Kindes durch die Mutter, den Vater oder beide Eltern. Sie kann gewaltsam geschehen oder aber durch Vernachlässigung bzw. Aussetzen des Neugeborenen [3. 353]. In der Regel wird damit in Europa jedoch bes. die Tötung eines neugeborenen unehelichen Kindes (Unehelichkeit) bei oder sofort nach der Geburt (Neonatizid) durch seine Mutter bezeichnet. Für diese engere Fassung des Delikts wird in der Forschung in der Regel der Begriff Kindsmord benütz…

Haus, ganzes

(883 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriff und Konzept Die Wortverbindung G. H. geht als wiss. Begriff auf den Kulturwissenschaftler und konservativen Sozialkritiker W. H. Riehl (1823–1897) zurück [10. 164]. Riehl interpretierte die aus zwei Generationen bestehende Kernfamilie als Verfallserscheinung der modernen Zivilisation und grenzte sie von dem älteren Begriff des Hauses (franz. maisonnée, ital . casa) ab, in dem nicht nur mehrere Generationen von Blutsverwandten, sondern auch Gesinde und andere Inwohner unter der Leitung eines Hausvaters zusammen gelebt und gewirtschaf…

Eltern

(3,423 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Begriffsgeschichte Sprachgeschichtlich handelt es sich bei dem Wort E. um einen substantivierten Komparativ von »alt«, der sich in allen westgerman. Sprachen als Bezeichnung für die direkten Vorfahren findet. E. ist somit verwandt mit lat. alere (»ernähren«, »wachsen lassen«) und bedeutet so viel wie »herangewachsen« [15. 16 f., 164]. Eine andere europ. Bezeichnung für E. leitet sich wie das engl. parents vom lat. parere (»hervorbringen«, »gebären«) ab. Das lat. Substantiv parentes erwarb jedoch im Laufe der Zeit ein breiteres Bedeutungsspektrum und bezeichnet…

Acta eruditorum

(761 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
In 1682, Otto Mencke, professor of philosophy at Leipzig, published the first German scholarly journal under the title Acta eruditorum (Periodical). It contained notices, summaries, and reviews of new publications in all areas of science. Acta eruditorum appeared monthly, but was provided with an Index auctorum ac rerum at the end of each year and thus was bound into annual volumes. From 1689 on, supplement volumes were published to expand the coverage [8]. After Otto Mencke’s death, Acta eruditorum was first carried on by his son Johann Burkhard Mencke [10], and then by his grands…
Date: 2019-10-14

Ledige

(785 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
In early modern German,  Ledige (“single, unmarried”) was a specialized collective term for the unmarried youth of a location, especially in rural communities (still common in the 20th century in southern German villages) [5. 76]. In everyday use, it referred primarily to the totality of unmarried male young people (alongside other regional terms like  Buben [1. 459], Burschen [2. 548], Knaben[3. 1313], and  Knechte [4. 1381] in German-speaking areas; also French garçons and varlets or Italian  garzóni). That we are dealing with a term for youth groups is shown…
Date: 2019-10-14

Clan

(689 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
The word clan comes from Scottish Gaelic ( clann), which in turn goes back to Old Irish ( cland), ultimately borrowed from Latin ( planta). Clan was a term for progeny or family. Since the Late Middle Ages, the term in English and Gaelic alike has been used almost exclusively to refer to Scottish extended families. There is little evidence of its use in early modern Ireland [1].Modern ethnological and anthropological literature applies the term not only to the Scottish family groups, but also to other societies, such as the North American  tlingit[5] and African, Chinese, and Japan…
Date: 2019-10-14

Grandparents

(755 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
The term grandparents (French  grand-parents, Ger.  Großeltern) as a compound noun is attested in German since the 16th century [1. 532]. It was probably created by analogy to the terms  grandfather and  grandmother, already found in 12th-century texts. Initially, though,  grandparents was used as a general term for ancestors, like Old High German  ano and  ana (cf. Ger.  AhnAhnin). Not until the 18th century was the range of meanings restricted to the parents of one’s parents. Unlike many older Germanic kinship terms (e.g.  OheimOnkel, uncle), the term does not di…
Date: 2019-10-14

Household

(2,289 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. History of the termThe term  household (German haushalt, haushaltung, French  ménage) first became current in the late-14th century as a compound of the two nouns “house, hold” [4]. Primarily, this refers to the activity of “managing the affairs of a house” [4], or, as Krunitz’  Enzyklopädie has it, “the government of a domestic society and all the business related to it” [2]. The German terms haushalt and  haushaltung were often used as if they meant the same thing as “Haushaltungs-Kunst” (“the art of keeping house”), that is, the ability “to preside over…
Date: 2019-10-14

Godparenthood

(949 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Definition In the early modern period, godparenthood (French  parrainage, Ger.  Patenschaft, Ital.  padrinaggio, Span.  compadrazgo) was understood to be associated with baptism and in the Catholic Church with confirmation as well (Sacrament). The German term  Pate (“godparent”) is derived from Latin  pater, “because the one who lifts the child up at baptism enters into a spiritual relationship with the child, becoming his spiritual father ( pater spiritualis).” The word’s metaphorical use outside the church in the sense of a broad voluntary assumption o…
Date: 2019-10-14

Matrimony

(1,760 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. German HeiratThe German word Heirat (“marriage”) is in part used synonymously with  Eheschließung (“nuptials”; Marriage, contraction of) and Hochzeit (“wedding”). Under Heirat many earlier encyclopedias merely provide references to these parallel terms [2]. At the same time, though, Heirat is also a broader term for both  Ehe (“marriage”; French  mariage, Italian  matrimonio) and Hochzeit (“wedding”; French  les noces, Italian  nozze). Etymologically the German word Heirat is cognate with the Gothic word heiv (“house, family”); initially it meant “provisi…
Date: 2019-10-14

Kinship, terminology of

(812 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Basics and linguistic typologyTerminology is an important source for reconstructing the changes in structure and significance of historical kinship relationships. Anthropology and ethnology (see Ethnography) early on drew on kinship terminology for the analysis of social structure [5], on the assumption that changes in kinship terminology are the result of socio-structural change. In many cultures, if certain degrees of kinship are not named, presumably they are not assigned a specific function. It is also true, however, tha…
Date: 2019-10-14

Ganzes Haus

(890 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Term and concept As a scholarly term, the phrase  Ganzes Haus (literally “whole house/household”) goes back to the cultural scientist and conservative social critic W.H. Riehl (1823–1897) [10. 164]. Riehl interpreted the two-generation nuclear family as a symptom of the decline of modern civilization and distinguished it from the earlier term  Haus (Eng. household, French  maisonnée, Ital . casa), where not only several generations of blood relatives but also farmhands (Servants in husbandry) and other lodgers lived and worked together under a …
Date: 2019-10-14

Marriage, consanguineous

(884 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Legal frameworkThe canon law of the Catholic Church severely restricted the contraction of marriage (Marriage, contraction of) between relatives (Kinship).  Marriage was originally prohibited up to the seventh degree of kinship, but this limitation was reduced to the fourth degree at the Fourth Lateran Council in 1215 (see Incest 2.), albeit with a stricter calculation of degrees. In principle this regulation of Catholic canon law is still in force.The canon law prohibiting marriage within certain degrees of kinship included in-laws. Marriage to the relative…
Date: 2019-10-14

Infanticide

(928 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. DefinitionThe term  infanticide (Latin  infanticidium) denotes the culpable, usually intentional killing of a child by its mother, father, or both parents. It can involve active violence, neglect, or abandonment of a newborn child [3. 353]. In Europe, however, as a rule it concerns primarily the killing of a newborn illegitimate child (Illegitimacy) at or immediately after childbirth (neonaticide) by its mother. For this narrower definition of the crime, German scholars usually use the term  Kindsmord (“child murder, infanticide”); the 17th- and 18th-century so…
Date: 2019-10-14

Foundling hospital

(983 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
A foundling hospital (Latin  hospitium expositorum, German Findelhaus, French  hôpital des enfants trouvés) is an institution that takes in abandoned children (so-called foundlings). In ancient Greek and Roman society, the exposure of sickly, excess, or unwanted newborns was the father’s decision; in early Christianity, it was condemned by the church, and beginning the late 4th century it was also prohibited by imperial law. When an infant was abandoned in a church, however, the crime was not punished. Care for such infants fell within the range of functions of monasteries [6]. B…
Date: 2019-10-14

Marriage brokering

(747 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Marriage brokering could be accomplished through private contacts or operated as a professional business. Neither Church nor State in Europe ever raised any objections to private marriage brokering through parents or relatives, but professional brokering was continually subject to a degree of criticism on theological, legal, and moral grounds. The boundaries between private and professional marriage brokering are sometimes difficult to discern, however, since in many regions it was customary to compensate even private arrangements when they resulted in a marriage.Private m…
Date: 2019-10-14

Family life cycle

(733 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
To historians of the family, the term “family life cycle” refers to the fact that families pass through different phases, entailing specific respective tasks, forms, and functions in family coexistence, in connection with the life cycles of family members. In the contemporary European family, a general distinction is made between a phase in which a couple has children and brings them up, and a later phase determined by cohabitation with the adolescent children, followed by an “empty nest” phase,…
Date: 2019-10-14

Kiltgang

(757 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. Definition and distribution Kiltgang is a term, particularly prevalent in the Alemannic dialect region, for a nocturnal courting custom among young men (Marital choice). The word kilt, already attested in OHG, originally denoted the late evening, later coming to refer to staying up late at night or working late at night. The verbs kilten and  kelten, in Alsace, for instance, had a general reference to the custom of meeting after the working day to work or socialize in the Lichtstube or  Spinnstube, that is, for a tradition that involved girls and, in some regions, also adults [1. 70…
Date: 2019-10-14

Marriage, civil

(805 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
1. FoundationsCivil marriage refers to a form of marriage that was not based on a religious definition of marriage and was not enacted via religious ceremony. Whereas the Catholic Church saw marriage as a sacrament and the Protestant denominations saw it as symbolizing the ties between Christ and the Church (see Occasional services), civil marriage was based on the idea that marriage represented a private-law contract between two parties. It was contracted before representatives of bourgeois soci…
Date: 2019-10-14

Love letter

(891 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
The text genre of the love letter (Latin  littera amatoria, German Liebesbrief, French  lettre d'amour or billet doux; the latter also entering German and English as a loanword from the 18th century) has existed as both an everyday text and a literary genre since Greco-Roman antiquity. The most famous literary work, Ovid's collection of fictional love letters by renowned heroines of Greek mythology (Latin Heroides) was a lasting influence on the European tradition of the artistic love letter [4]. Some medieval manuscripts contain rhymed love letters as an artistic form [15]. In 17t…
Date: 2019-10-14

Frérèche

(633 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
The frérèche (a household with several married brothers; French  frères) is one of the forms of so-called complex or multiple households, which are composed of several nuclear family units. In Western Europe, the usual form of a multiple household was the life-estate family, in which the parents lived with a married child and his or her family Other forms of multiple household were found in Western Europe, especially in many regions of  Southern France [1]. In these households, often referred to as  frérèches or  communautés, several families (usually related) lived un…
Date: 2019-10-14

Familie

(8,297 words)

Author(s): Gestrich, Andreas | Berger, Ruth
1. Allgemein Der F. liegt die biologische Tatsache zugrunde, dass alle Menschen eine Mutter und einen Vater haben und dass zumindest zwischen Mutter und Kind in der Regel eine über die Geburt hinausreichende Versorgungs- und Gefühlsbeziehung besteht ( Elternliebe; s. u. 6.1.). F. ist zugleich eine soziale Institution, über die sich ein großer Teil nicht nur der biologischen, sondern auch der sozialen Reproduktion einer Gesellschaft vollzieht. Arbeit, Nahrungsverteilung und -aufnahme (Essen), Erziehung und Geselligkeit fanden auch in der Nz. zu einem großen Teil …

Family

(8,781 words)

Author(s): Gestrich, Andreas | Berger, Ruth
1. IntroductionThe family rests on the biological fact that every individual has a mother and a father, and that a relationship of provision and emotion generally exists beyond childbirth at least between the mother and child (Parental love; see below, 6.1.). The family is also a social institution through which much of not only the biological, but also social reproduction in a society comes about. Work, the distribution and consumption of food (Dining), education, and sociability all largely too…
Date: 2019-10-14
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